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Meine Damen und Herren! Schauen Sie... staunen Sie... äh.. wundern Sie sich. Kurze, zum Teil sehe sehr kurze Reisen in Gegenden, Zustände, Unglaubheiten. u.a.: -wie das Auge der Welt in einen Mordfall verwickelt wurde- -wollten Sie schon immer mal eine Antilope kaufen?-
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Seitenzahl: 50
Veröffentlichungsjahr: 2024
* Terxylifax
das Auge der Welt
Sehr bis sehr, sehr kurze Geschichten
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Das Auge der Welt
die Antilope
die Strasse
Plopp
Wovon man
der Baum der Zeit
In Lissabon waren es die Chinesen
die Sekunde
Gleichmäßigkeit
der Bruder
Ordnung, stahlgrau
Oberhalb einer elektrischen Zahnbürste
fahrig
ein Spiegel ist ein Spiegel
in den Bergen
Fasnachtsküchle
Impressum neobooks
das
Die meisten Leute gehen von der falschen Annahme aus, ein kleiner Grenzposten sei leicht zu überschreiten. Doch schon das falsche Nummernschild reicht um Argwohn auszulösen. Und so war Ignatz Müller schneller als er gedacht hatte ins Netz der Justiz gegangen.
Die Sonne schien alle Kraft verloren zu haben, als Kommissar Baumgärtner den Grenzposten betrat. Im Schalterraum traf er einen schweizer Kollegen der ihn kurz ins Bild setzte. Dieser riet Baumgärtner: „lassen Sie ihn einfach reden."
Sie betraten den angrenzenden Raum, in dem ein zweiter schweizer Kommissar und zwei Polizisten vom örtlichen Revier an der Wand standen. Sie umrahmten einen quadratischen Tisch, auf dem ein Karton stand. Am Tisch saß Ignatz Müller, der Verdächtige. Nachdem sich Baumgärtner vorgestellt hatte als ermittelnden Beamten begann Ignatz Müller mit seiner Erzählung der Ereignisse.
„ Alles begann im Frühjahr in St. Pöhld. Dort gibt es ein kleines Kloster, das zum Hotel umgebaut werden soll. Ich wurde engagiert die alten Handschriften vorher zu sichten, bevor man sie wegwirft, als ob man Geschichte wegwerfen könnte. Geschichte findet immer seinen Weg.
Ich stieß auf ein Tagebuch einer Nonne namens Arelie Durmont.
Sie war nicht immer Nonne gewesen. Sie war eine hübsche, stolze Frau gewesen, die das Herz eines Fürsten betört hatte, ein Fürst Friedrich von Waldegg,
Wir schreiben das Jahr 1789, im Krieg mit den Türken erobert Österreich Belgrad. Maßgeblichen Anteil am Sieg, hat Fürst von Waldegg. Sein Stern steigt auf am Wiener Hof.
Er lernt Arelie Durmont kennen. Bald gibt er ihr ein Heiratsversprechen und beauftragt einen begnadeten Goldschmiedemeister mit dem Bau einer Miniatur. Es wird ein Wunderwerk des Goldhandwerks.
Allerdings löste der Fürst sein Eheversprechen nicht ein, er verschmähte Arelie.
Diese war wütend. Sie fuhr zu dem Goldschmied. Die Miniatur war fertig und sie wollte sie ihm abkaufen. Nur 30.000 Reichstaler hatte selbst Arelie Durmont nicht. Noch wütender stieg sie in ihre Kutsche und sann auf der Heimfahrt nach.
Einige Tage später wurde die Miniatur gestohlen, und der Verdacht fiel natürlich auf Arelie Durmont. Der Goldschmied wandte sich an den Fürsten von Waldegg, und dieser, es war die Glanzzeit des Hauses Waldegg, ließ seine damals guten Verbindungen spielen und seine ehemalige Geliebte fand sich plötzlich in einem Kloster wieder.
Das war das, was im Tagebuch stand, dann fand ich ein Portrait, dass die Arelie Durmont zeigte. Ich nahm es mit nach Hause und hängte es an die Wand. Den Sommer führte es mich nach Burg Waldegg im Thüringischen. Dort gibt es ein Museum und dort steht die Miniatur, die mittlerweile das „Auge der Welt" genannt wurde.
Aber es war nur die Schale, das Äußere, ohne Innenleben, ohne Figuren.
Jedenfalls lernte ich Babette von Waldegg kennen. Wir kamen ins Gespräch und sie zeigte sich interessiert an den Tagebüchern, die ich bei mir zu Hause hatte.
Ja, ich war kurzzeitig in Babette verliebt, obwohl ich das Blut des Friedrich von Waldegg in ihr spürte, ich bin nämlich Geschichtsreferendar- ich bin nämlich einer derjenigen, die für die Ignoranten das Gestern lebendig machen.
Als ich das Portrait in meinen VW Bus wuchtete zerbricht der Rahmen, was kein Wunder ist, denn er war hohl. In seinem Inneren waren die Figuren, die das„ Auge der Welt" erst komplett machen würden.
Babette und ich, wir fuhren nach Basel zu Ernst Alser, eine Koryphäe, wenn es um die Restauration solch eines Miniaturkunstwerkes geht. Er erklärte sich bereit das „Auge" in seinen Räumen zu restaurieren, aber das ist naturgemäß sehr teuer.
Babette und ich überlegten wer so viel Geld aufbringen könnte, ohne dass das Haus Waldegg seine Rechte daran verlieren würde.
Und ich selbst hatte die unnütze Idee nach einem Nachfahren von Arelie Durmont zu forschen. Aber die Geschichte verlangt eben sein Recht. Benoit Durmont ist ziemlich direkt mit einem Bruder der Arelie Durmont verwandt, er lebte in Genf.
Babette und ich nahmen Kontakt mit ihm auf.
Benoit Durmont war interessiert aber er stellte die Bedingung, dass das „Auge" auch in der Schweiz ausgestellt werden sollte. Babette und ich, wir willigten ein."
Ignatz Müller stockte und Kommissar Baumgärtner wurde erst jetzt bewusst, dass er die ganze Zeit den Karton angestarrt hatte.
„Ist das die Miniatur?" fragte er und zog schon das Paket zu sich. Es war schwer, viel schwerer als Baumgärtner vermutet hatte. Er öffnete die Schachtel. Was er sah überraschte ihn, denn das Ding sah aus wie Kapitän Nemos Unterseeboot. Zumindest die Nieten und Bolzen und das dicke Stahlblech riefen den Vergleich hervor. Die grobe Form war ein Quader, an den Ecken jedoch konkav abgerundet. Und aus den ganzen Nieten erhob sich eine Glaskugel. Er beugte sich über sie.
Jemand löschte das Neonlicht, so dass sich das Zimmer in einem dämmrigen Zwielicht befand. Baumgärtner blickte hinein.
Zunächst sah er nicht viel. Aber dann wurde alles klarer. Ein Mann schwang seine Sense.
An einem Brunnen wurde Wasser von einer alten Frau hochgeholt. Ein Pferdewagen mit zwei Pferden und einem Kutscher fuhren in einen Stall. Ein Reiter mit Schwert tauchte auf. Das alles war ein mechanisches Meisterwerk. Und die Figuren und Gebäude und Bäume waren so detailliert angefertigt, als ob sie echt wären.
„Das ist ja unglaublich“, sagte Baumgärtner. Jemand schaltete das Licht wieder an.
In dem Moment sprang Ignatz Müller auf und schubste die Miniatur vom Tisch. Die Polizisten griffen
sofort nach Müller, aber die Miniatur fiel zu Boden.
Baumgärtner bückte sich zum „Auge der Welt" hob es hoch und stellte es in ein Regal an der Wand. Er wollte nicht wissen, ob die Miniatur gelitten hatte, jetzt wollte er wissen welche unterdrückte Kraft Herrn Müller zum Morden getrieben hatte.
„Was passierte heute Herr Müller? Reden Sie."
