Das Böse aus dem Morgenland - S.M. Jansen - E-Book

Das Böse aus dem Morgenland E-Book

S.M. Jansen

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Beschreibung

Seit Kindertagen verzaubern die dreiunddreißigjährige Bea Schneekugeln und Geschichten aus 1001 Nacht. Sie träumt vom märchenhaft anmutenden Orient, bis ihr eines Tages ihr Traumprinz über den Weg läuft. Majid, groß, schlank, olivfarbene Haut, schwarze Haare, dunkle blitzende Augen, Jordanier. Er trägt sie auf Händen. Blind vor Leidenschaft und Liebe stolpert sie in die Ehe und in ein Land, das ihr nicht fremder sein könnte. Für Bea beginnt ein Albtraum. Folgen Sie der Protagonistin Bea auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn ihres Lebens in einer Achterbahnfahrt der Gefühle voller Spannung, Selbstzweifel – und am Ende vielleicht sogar mit einem Happy End? Lassen Sie sich überraschen! Wichtig! Dieser Roman enthält explizite Gewalt- und Erotik-Szenen und ist daher nur für Leser ab 18 Jahren geeignet. Der Roman enthält erotische Szenen, ist aber kein Erotikroman, sondern eine dramatische Liebesgeschichte/Zukunftsroman.
 Worte: 62.624 Seiten: 340 (Taschenbuchseiten)

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Seitenzahl: 316

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Das Böse aus dem Morgenland

Roman mit autobiographischen Elementen

S.M. Jansen

Covergestaltung:S.M. Jansen

RH

Inhalt

Über dieses Buch

Vorwort

Teil 1

Koranverse

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Teil 2

Koranverse

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Über die Autorin

Hinweise

Danksagung

Lesen Sie auch:

Impressum neobooks

Für meine Eltern, Inez und für Rob, mit Liebe

„Es ist nicht wichtig, wie viele Fehler wir im Leben gemacht haben, wichtig hingegen ist, wie viel wir daraus gelernt haben.“

S.M. Jansen

Über dieses Buch

Teil 1 - Flucht aus dem Morgenland

Seit Kindertagen verzaubern die dreiunddreißigjährige Bea Schneekugeln und Geschichten aus 1001 Nacht. Sie träumt vom märchenhaft anmutenden Orient, bis ihr eines Tages ihr Traumprinz über den Weg läuft. Majid, groß, schlank, olivfarbene Haut, schwarze Haare, dunkle blitzende Augen, Jordanier. Er trägt sie auf Händen. Blind vor Leidenschaft und Liebe stolpert sie in die Ehe und in ein Land, das ihr nicht fremder sein könnte. Für Bea beginnt ein Albtraum.

Teil 2 - Vergiss nie das Morgenland

Kaum ihrem Ehemann Majid entkommen, dem sie in sein Heimatland Jordanien gefolgt war, wo er ihr eine Ehehölle ohne sondergleichen bescherte, lernt Bea auf der Flucht nach Deutschland Robert im Flugzeug kennen und verliebt sich auf Anhieb in ihn. Doch die Vergangenheit holt sie schnell wieder ein, denn Majid sieht Bea immer noch als sein Eigentum an, kommt heimlich nach Deutschland und versucht, sie wieder zurückzuholen. Bei einem dramatischen Autounfall verliert Bea ihr Gedächtnis – und hat plötzlich ihre Vergangenheit vergessen und somit ihr komplettes bisheriges Leben verloren. Die Liebe zu Robert wird auf eine harte Probe gestellt und am Ende muss Bea sich direkt mehrere Fragen stellen: Wer bin ich wirklich? Warum bin ich so geworden, wie ich bin? Und vor allem: Bin ich überhaupt fähig jemandem so zu vertrauen, dass ich ihn noch bedingungslos lieben kann?

Folgen Sie der Protagonistin Bea auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn ihres Lebens in einer Achterbahnfahrt der Gefühle voller Spannung, Selbstzweifel – und am Ende vielleicht sogar mit einem Happy End? Lassen Sie sich überraschen!

Vorwort

von Valeska Réon

Als Mirja Jansen mich fragte, ob ich dieses Buch lektorieren möchte, dachte ich zuerst: „Hui, heikles Thema!“ Die Flüchtlingskrise ist gerade hier in Dortmund, wo ich seit 1991 wohne, im wahrsten Sinne des Wortes an jeder Straßenecke präsent, während ich diese Zeilen schreibe, haben wir hier 15 Flüchtlingsunterkünfte, die in Planung befindlichen und die Notunterkünfte nicht mitgezählt. Doch bereits ein Blick in den Anfang des Manuskripts zeigte mir, auf was es Mirja Jansen bei ihrer Geschichte ankommt:

„Dieses Buch richtet sich nicht gegen den Islam, wohl aber gegen Männer aller Kulturen und jeder Herkunft, die Frauen unterdrücken, misshandeln, sie als ihr Eigentum und ihre Körper als Gebrauchsgegenstand betrachten.“

Und da bin ich ganz bei ihr, denn auch ich war einmal mit einem Mann verheiratet, der mich als sein Eigentum betrachtete, mich seelisch und körperlich zugrunde richten wollte - und der war „urdeutsch“ sowie zudem ein „freier Evangelikaler“. Die Bischöfin Margot Käßmann verglich die Strukturen in diesen freien evangelischen Gemeinden einmal mit denen des Islam, das Lieblingszitat meines damaligen Mannes war: „Die Frau habe in der Gemeinde zu schweigen!“ Ich habe ihn dann ganz schnell seiner Mutter zurückgegeben!

Wir sehen also, dass es Männer, die Frauen dominieren wollen, in allen Kulturkreisen geben kann. Insofern finde ich die Diskussionen sehr begrüßenswert, die Mirja Jansen mit ihrem Buch anstößt, zumal sich nach den Vorkommnissen auf der Kölner Domplatte in der Silvesternacht eine Sprachlosigkeit hier bei uns in Deutschland breitgemacht hat, die uns keinen Schritt weiterbringen wird bei der Integration von Flüchtlingen. Da ich selber eine syrische Familie betreue weiß ich, dass diese auch alles andere als begeistert darüber sind, was hier gerade alles passiert und diese Einteilung in „rechts“ und „links“, „Gutmenschen“ und „Rechtsradikale“, gar nicht versteht, denn letztendlich sollte es hier um die Menschlichkeit und das Miteinander gehen. Und das heißt dann auch, unangenehme Dinge ansprechen zu können, und zwar „in alle Richtungen“, die dann hoffentlich schnell zu einer Lösung führen werden.

Interessant finde ich, dass die Protagonistin Bea, genau wie auch alle Hauptdarstellerinnen meiner Romane, eine Frau ist, die auf der Suche nach sich selber ist und sich die Fragen stellt, über die viele – leider – gar nicht nachdenken: Wer bin ich wirklich? Warum bin ich so geworden, wie ich bin? Und vor allem: Bin ich überhaupt fähig jemandem so zu vertrauen, dass ich ihn noch bedingungslos lieben kann? So gesehen entwirft Mirja Jansen hier eine Sinnsuche „zwischen den Kulturen“, aber auch innerhalb der Hauptdarstellerin Bea selber.

Ich wünsche Ihnen daher viel Spaß bei der Lektüre, die Ihnen hoffentlich nicht nur jede Menge Spannung, sondern bestimmt auch viel Gesprächsstoff und Zeit zum Nachdenken bescheren wird.

Valeska Réon

Dortmund, im Februar 2016

Teil I

Flucht aus dem Morgenland

Koranverse

… „Die Männer haben Vollmacht und Verantwortung gegenüber den Frauen, weil Gott die einen vor den anderen bevorzugt hat und weil sie von ihrem Vermögen (für die Frauen) ausgeben. Die rechtschaffenen Frauen sind demütig ergeben und bewahren das, was geheim gehalten werden soll, da Gott es geheim hält. Ermahnt diejenigen, von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, und entfernt euch von ihnen in den Schlafgemächern und schlagt sie. Wenn sie euch gehorchen, dann wendet nichts Weiteres gegen sie an. Gott ist erhaben und groß.“… 4,34 Sure 2

… „Und sprich zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham bewahren, ihren Schmuck nicht offen zeigen mit Ausnahme dessen, was sonst sichtbar ist. Sie sollen ihren Schleier auf den Kleiderausschnitt schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, es sei denn ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern, ihren Frauen, denen, die ihre rechte Hand besitzt, den männlichen Gefolgsleuten, die keinen Trieb mehr haben, den Kindern, die die Blöße der Frauen nicht beachten. Sie sollen ihre Füße nicht aneinanderschlagen, damit man gewahr wird, was für einen Schmuck sie verborgen tragen. Bekehrt euch allesamt zu Gott, ihr Gläubigen, auf dass es euch wohl ergehe.“… 24.31 Sure 1

… „Und wenn ihr fürchtet, dass (irgendwelche) Frauen sich auflehnen, dann ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!”… Sure 4:34

Wichtig!

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass es in jedem Land, in allen Kulturen und Religionen, gute und schlechte Menschen gibt. Dieses Buch richtet sich nicht gegen den Islam, wohl aber gegen Männer aller Kulturen und jeder Herkunft, die Frauen unterdrücken, misshandeln, sie als ihr Eigentum und ihre Körper als Gebrauchsgegenstand betrachten.

Prolog

»Sei still, du verdammte Schlampe!«, schrie er und seine Mundwinkel verzogen sich zu einer höllischen Grimasse. Ich senkte meinen Blick, um ihn nicht noch mehr zu provozieren. »Wenn du noch ein einziges Mal widersprichst, werde ich dich totschlagen. Ich meine das verdammt ernst und das weißt du.« In seiner Stimme lag wieder diese Bestimmtheit und Eiseskälte, die ich so sehr fürchtete. Nichts erinnerte mehr an meinen zärtlichen, fürsorglichen Ehemann und Geliebten, der er früher einmal war.

Die Trockenheit in meinem Mund wurde unerträglich und mein Herz drohte, meinen Brustkorb zu sprengen. Ich seufzte leise. Er sprang auf, kam zu mir, schlug mit seiner Faust hart gegen meine linke Schläfe und traf auch die Augenbraue. Das Blut schoss mir in die Augen. Dann drehte er sich um, ließ mich einfach auf dem Boden liegen und schloss die Tür von außen ab. Ich hatte schrecklichen Durst, ich fühlte einen unangenehmen Druck auf meiner Blase und ich hatte seit mindestens zwanzig Stunden nichts mehr zu essen bekommen, aber niemand konnte mich aus meiner Zwangslage befreien. Er ist gegangen und vor morgen Mittag kommt er wohl nicht mehr zurück. Auf dem Boden kriechend fand ich den Weg zu meiner desolaten Matratze, kauerte mich hierauf zusammen. Von draußen hörte ich Kinderstimmen, Kinder spielten sorglos in der Sonne. Irgendwann verfiel ich in einen kurzen, unruhigen Schlaf.

Kapitel 1

Flug Nr. LH692, Amman - Frankfurt, November 2025

Manchmal denke ich, dass alles im Leben vorbestimmt ist. Ja, ich bin davon überzeugt. Aus tiefstem Herzen glaube ich daran. Wir können vieles beeinflussen, aber manche Ereignisse lassen uns staunen und nicht immer kann man sich darauf vorbereiten, was uns im Leben begegnet. Rückblickend kann ich behaupten, dass ich durch die hier beschriebenen Erlebnisse ein anderer Mensch geworden bin, selbstbewusst und stark. Dafür bin ich sehr dankbar.

Meine Geschichte ist schön und morbide zugleich, tragisch, romantisch, wild, beschämend, traurig – unglaublich! Jetzt, auf dem Weg nach Hause denke ich mit tiefer Wehmut zurück, aber es war nicht immer so. Vor meinen mit Tränen gefüllten Augen laufen kaleidoskopähnlich bunte Bilder ab. Bilder der glücklichen Vergangenheit, einer romantischen, wilden Liebe über zwei Kulturen, zwei Kontinente hinweg. Wir beide waren damals jung und rastlos, so kam es mir jedenfalls vor. Die Welt hatte uns offen gestanden, vor allem für mich, für die große Träumerin aus dem kühlen Deutschland, die dem Zauber des Orients nicht widerstehen konnte.

Als ich das erste Mal den Boden des Flugzeugs betrat, um mein Traumland kennenzulernen, fühlte ich mich beinahe, wie sich Kolumbus bei seiner Jungfernfahrt gefühlt haben musste. Dieses Empfinden war so unbeschreiblich, dass ich es für immer in meinem Gedächtnis bewahren möchte. Meine Erwartungen waren groß, zu groß vielleicht, und es ist schade, dass ich dieses wunderschöne Land und ihre Bürger nicht aus einer anderen, schöneren Perspektive kennenlernen durfte. Der Orient hatte sich mir von seiner dunkelsten Seite gezeigt.

Vielleicht, mit genug Abstand, irgendwann in der fernen Zukunft, werde ich die Orte der schrecklichen Geschehnisse wieder aufsuchen, mich mit meiner dramatischen Vergangenheit auseinandersetzen, Land und Leute von einer anderen Seite kennenlernen.

Ich denke an meine Familie, an Deutschland und freue mich unendlich auf mein altes neues Leben in Offenbach, das ich damals so voreilig und überstürzt weggeworfen habe.

Dankbar, dass ich den Weg zurück antreten durfte und voller Vorfreude sah ich aus dem Fenster der Lufthansa-Maschine in die indigoblaue Nacht. Gedankenverloren starrte ich in die Tiefe und versuchte, mich abzulenken. Der Flug, obschon nur Mittelstrecke, kam mir endlos vor.

»Etwas zu trinken, Madame?« Die Stimme einer freundlichen Flugbegleiterin riss mich aus meinem Tagtraum. Ich nickte und zeigte auf die Wasserflasche auf ihrem Getränketrolley. Das kühle Wasser erfrischte mich. Ich versuchte, mich etwas zu sammeln, sah mich um. Mein attraktiver Sitznachbar schlief tief in seinem Sitz versunken, sein Kopf ruhte auf einem aufblasbaren Kissen und ich beobachtete, wie sich sein Brustkorb im Rhythmus seines Atems lautlos hob und senkte. Es war mitten in der Nacht, die meisten Mitreisenden schliefen, das schummrige Licht ließ mich nicht so weit sehen. Ich war wohl die Einzige, die wach war. Noch eineinhalb Stunden Flug, dann würde ich endlich in Frankfurt landen, dort wo damals alles so märchenhaft angefangen hatte. Seufzend löste ich mich von meinen Gedanken. Die monotone, angenehm temperierte Musik, die über einen Kopfhörer aus meiner Smartbrille strömte, machte mich schläfrig. Gähnend lehnte ich mich zurück, schloss die Augen und fiel in einen leichten, friedlosen Schlaf.

Als ich Majid vor drei Jahren kennengelernt hatte, war ich eine gesunde, ziemlich attraktive und ein wenig schüchterne Frau in den besten Jahren. Ich wurde gerade dreiunddreißig, ich fühlte mich bereit für eine neue Liebe. Ich lebte allein in meiner kleinen Zweizimmerwohnung, bescheiden, aber gemütlich und geschmackvoll eingerichtet. Reichtümer hatte ich keine, aber das war sowieso nicht mein Ziel. Ich fühlte mich wohl so. Nur am Wochenende und an den Feiertagen fehlte mir eine Person, mit der ich etwas unternehmen, an die ich mich lehnen, mit der ich zusammen einen schönen Abend verbringen konnte. Ansonsten aber war ich mit meinem Leben im Reinen. Viele Hobbys hatte ich nicht, aber die bereiteten mir viel Spaß. Ich sammelte mit Begeisterung Schneekugeln. Ja, ich muss zugeben, es klingt vielleicht kindisch, aber Schneekugeln fand ich seit meiner Kindheit faszinierend. Inzwischen umfasste meine Sammlung über hundert, von klein und günstig bis groß und teuer. Sie standen überall in meiner Wohnung verteilt. Hatte ich wieder einmal meine melancholische Phase, schüttelte ich sie und bekam sofort gute Laune.

Am Wochenende las ich gern, am liebsten Frauenromane oder Biografien berühmter Persönlichkeiten. Ich kuschelte mich aufs Sofa, las stundenlang auf meinem neuen E-Book-Reader und litt mit den Protagonisten mit.

Sport mochte ich nicht, aber ich ging gerne spazieren und hatte mich für einen Bauchtanzkurs angemeldet. Die orientalische Musik in Verbindung mit den kunstvoll verzierten, bunten Kostümen der Tänzerinnen übte auf mich einen besonderen Reiz aus. Gern wollte ich eine von ihnen sein. Am Anfang schämte ich mich ein wenig wegen meiner üppigen Kurven, bis mir die Kursleiterin klar machte, dass es für die Bauchtänzerinnen ein Vorteil ist, wenn sie etwas Fleisch auf den Rippen haben. Also entspannte ich mich allmählich und gab mir viel Mühe, die Schritte zu erlernen. In einem türkischen Geschäft in der Innenstadt fand ich zwei passende hübsche Bauchtanzkostüme, die ich kurz entschlossen erstand. Sie waren nicht gerade billig, dennoch musste ich sie unbedingt haben. Bauchtanz war für mich ein idealer Ausgleich zum Beruf und dem tristen Alltag.

Manchmal dachte ich daran, wie es wäre, wenn ich Kinder hätte, ich mochte Kinder gern, aber ich war nicht ganz sicher, ob ich den hohen Anforderungen des Mutterseins gerecht werden konnte. Mein Gefühl sagte mir, dass ich diese Verantwortung noch nicht zu übernehmen bereit war. Außerdem hatte ich keinen passenden Mann, der sich als Vater für mein Kind eignen würde. Also ließ ich mir in meiner Frauenarztpraxis ein Implantat einsetzen. Ich wollte nichts riskieren. Vorerst war das Thema Kinder für mich erledigt.

Meine Arbeit als Büroangestellte in einer großen, deutschen Versicherungsgesellschaft machte mir auch nach Jahren noch viel Spaß und ich hatte tolle Arbeitskollegen, mit denen ich öfter nach Feierabend durch die Innenstadt zog. Wir tranken ein paar Gläser Wein, unterhielten uns, spielten Dart, Billard, Playstation Ten. Mein Leben war vielleicht etwas spießig, aber ich fühlte mich wohl. Meine letzte, längere Beziehung lag schon zwei Jahre zurück, es hat nicht sein sollen. Stephan war eigentlich ein netter, zuverlässiger Partner, aber nach vier Jahren Beziehung merkten wir beide, dass sich etwas verändert hatte. Die Zärtlichkeiten wurden mit der Zeit weniger, auch der Sex. Jeder verfolgte eigene Interessen. Wir wohnten zusammen und doch waren wir zwei Fremde. Hungrig nach Liebe, Zärtlichkeiten und Aufmerksamkeit unternahm ich alles um unsere Beziehung zu retten, aber Stephan übersah meine kleinen und größeren Hilferufe, ich fühlte mich in unserer Beziehung oft einsamer, als wenn ich alleine wäre. Die Luft war endgültig raus. Wir hatten uns in aller Freundschaft getrennt.

Gelegenheiten, jemanden kennenzulernen, hatte ich genug, es mangelte mir nicht an Kontakten. Leider hat es nie jemanden gegeben, der dauerhaft ernstes Interesse an mir gezeigt hätte. Es hatten sich ein paar One-Night-Stands ergeben, die ich zwar genoss, dann aber auch schnell bereute. Man kann auf diese Weise wohl keinen Mann fürs Leben finden.

Ich hatte mich bereits als Kind nach Liebe und Zuneigung gesehnt. Meine Eltern hatten sich schon sehr früh scheiden lassen, da war ich gerade neun Jahre alt. Mein Vater zog von heute auf morgen aus. Für mich war es ein Schock. Ich weinte tagelang in meinem Zimmer und wünschte mir, dass er zurückkäme. Vergeblich. Meine Mutter ging ab sofort arbeiten. Sie hatte eine Stelle als Verkäuferin in einem Schuhgeschäft bekommen und war nur noch selten zu Hause.

Meine geliebte Oma kümmerte sich um mich, wenn ich aus der Schule kam. Alles war plötzlich ganz anders als früher, als wir noch mit meinem Vater zusammenlebten. Im Haus fehlten seine Fröhlichkeit, sein Lachen, sein Humor und die Geborgenheit, die er ausstrahlte. Seine lustigen Streiche, die er wie ein kleiner Junge täglich ausheckte und mich damit zum Lachen brachte. Mein Vater war für mich ein Held. Ich vergötterte ihn. Und nun war er nicht mehr da.

Großmutter Jolanda versorgte mich gut, aber sie war schon sehr betagt. Natürlich konnte sie meinen geliebten Vater nicht ersetzen. Ich vermisste ihn so sehr. Ich traf ihn nur noch selten, meist zu besonderen Gelegenheiten. Vielleicht ein- oder zweimal im Jahr, wenn er beruflich in der Stadt zu tun hatte. Ich fühlte mich von ihm im Stich gelassen. Irgendwann brach der Kontakt völlig ab. Ich verarbeitete meine Einsamkeit und Enttäuschung in meinen Gedichten. Es waren überwiegend traurige, nachdenkliche Gedichte voller Sehnsucht. Ich hörte Musik in meinem Zimmer, kapselte mich fast völlig von der Außenwelt ab und fand Trost in meinen Gebeten. Ich wurde christlich erzogen, und immer wenn ich mich einsam fühlte, ging ich in die Kirche. Die Ruhe und Atmosphäre des Gotteshauses wirkte behaglich und wohltuend. Ich glaubte an Gott und vertraute ihm.

Nach fünf Jahren als alleinerziehende Frau lernte meine Mutter meinen Stiefvater kennen und lieben. Sie heirateten schon drei Monate später und sie war wieder glücklich. Mein Stiefvater Jan wurde für mich eine Art väterlicher Freund. Er passte gut zu unserer kleinen Familie. Das Verhältnis zwischen ihm und mir war sehr gut. Es gab nur selten Streit, meistens, wenn ich abends zu spät nach Hause kam. Dann machte er sich große Sorgen und konnte nicht schlafen, bis ich endlich in meinem Bett lag. Es war anders als damals mit meinem Vater, aber ich brauchte einen männlichen Part in meinem Leben. Jan war gut für meine Mutter, ich gönnte ihr von ganzem Herzen ihr Glück. Bis heute sehne ich mich so sehr nach Liebe, Zärtlichkeit, all das, was ich früher von meinem geliebten Papi bekommen hatte und all die Jahre so unendlich vermisste.

Im Internet hatte ich ein paar Freunde, mit denen ich Abend für Abend chattete. Sie wurden bald zu meiner Ersatzfamilie. Ich war dankbar für die Zuneigung, die ich bekam. Meine Freunde im Netz sorgten für die nötige Abwechslung, insbesondere die Freundschaft zu Hannah und Ricky gab mir Kraft, die Stunden der Einsamkeit zu vergessen. Wir sprachen über Liebe, Freundschaft, über ihre und meine Nöte. Hannah war jünger als ich, gerade etwas über zwanzig. Wir verstanden uns dennoch sehr gut, der Altersunterschied spielte keine Rolle. So ging es über viele Monate, bis Hannah überraschend und aus heiterem Himmel heiratete und der Kontakt abbrach. Der homosexuelle Ricky hingegen stand mir immer treu zur Seite, auch nachdem er mit seinem Lebensgefährten nach Australien gezogen war. Ricky war immer für mich da, zwar nur virtuell, aber treu und zuverlässig. Es half mir ein wenig, meine Probleme zu betäuben, jedoch nicht, sie loszuwerden. An manchen Tagen war der Schmerz so groß, dass ich mich selbst zu verletzen begann. Ich ritzte mit einem Küchenmesser meine Unterarme. Der körperliche Schmerz drängte den seelischen in den Hintergrund. Ich verbarg die Narben unter langen Ärmeln, auch im Sommer. Ich konnte mein Geheimnis lang für mich behalten. Als Mutter es bemerkte, zwang sie mich zu einer Therapie, wofür ich ihr heute noch dankbar bin. Schon nach relativ kurzer Zeit hatte ich mich von diesem Albtraum befreien können. Später hatte ich Stephan kennengelernt. Wir waren Freunde geworden und schließlich ein Liebespaar.

Eines Tages im August ging ich mit meinen beiden Arbeitskollegen Julian und Mia wie üblich nach Feierabend ins Joy in der Frankfurter Innenstadt, unserer Lieblingslounge. Es war Freitagabend, Fußgängerzone, hier pulsierte das urbane Leben. Der Abend war noch warm, die Sonne verschwand gerade hinter dem Horizont und verwöhnte uns mit den letzten, warmen Strahlen. Unsere Stimmung war ausgelassen, den Arbeitsalltag hatten wir weit hinter uns gelassen. Die Musik im Hintergrund unterstrich unsere heiteren Gefühle und das stimmungsvolle, flackernde Licht der Kerzen versetzte unsere kleine Truppe in eine fast schon romantische Stimmung. Wir tranken Calvados, lachten und genossen das gerade begonnene Wochenende.

Da sah ich ihn und mir wurde ganz heiß: Geschätzte eins fünfundachtzig groß, schlank, aber kräftig, dunkelbraune, leicht gewellte Haare, dunkle Augen, olivfarbene Haut – ein Orientale. Gefesselt starrte ich in seine Richtung. Mein Herz schlug schneller, als er mich ansah. Etwas in seinem Blick ließ mich innerlich erzittern. Er sah so stolz aus, so männlich!

Ich spürte die körperliche Begierde in mir aufsteigen, hatte ich doch schon ewig keinen Mann mehr gehabt, aber da war noch viel mehr. Seine Blicke und seine Körperhaltung verrieten ihn – auch er fand mich offensichtlich attraktiv. Dieser Mann ließ mich wieder zu einer begehrenswerten Frau werden.

Nach einem intensiven Blickwechsel und den ausgetauschten eindeutigen Signalen kam das Objekt meiner weiblichen Begierde mit zwei Drinks in der Hand zu mir. Mit einem zauberhaften Lächeln in den Augen sprach er mich an, den Moment nutzend, als meine beiden Begleiter auf der Tanzfläche ihr tänzerisches Können zum Besten gaben.

Ich war entzückt und verlegen zugleich. Wir fühlten uns von Anfang an magisch zueinander hingezogen.

Kapitel 2

Offenbach, August - September 2022

Majid zog mich schnell in seinen Bann, überhäufte mich mit Komplimenten und ich wurde zunehmend ein willenloses Opfer seiner raffinierten Verführungskünste. Nach einer gefühlten Ewigkeit sexueller Enthaltsamkeit genoss ich meine neue Liebe in vollen Zügen. Wir liebten uns fast jeden Tag und mir war völlig egal, was Majid von der sexuellen und kulturellen Freiheit der deutschen Frauen dachte – ich begehrte seinen warmen Körper, seine zärtlichen Hände auf meinen wohlgeformten, weiblichen Rundungen. Meine kleine Zweizimmerwohnung in der Innenstadt von Offenbach bot uns die begehrte Abgeschiedenheit für unsere endlosen Bettmanöver.

„Himmlisch war's, wenn ich bezwang

Meine sündige Begier,

Aber wenn's mir nicht gelang,

Hatt ich doch ein groß' Pläsier.“

Heinrich Heine

In meinen Augen war Majid der ideale Lover. Trotz seiner fast vierzig Jahre war er auf dem Höhepunkt seiner sexuellen Leistungsfähigkeit.

Ich zerfloss förmlich in seinen Umarmungen und gab mich ihm hin, ohne über die Konsequenzen oder über die doch noch recht unsichere, gemeinsame Zukunft nachzudenken. Ich wollte seine Frau, sein bester Freund sein, mit allem Drum und Dran. So schnell wie möglich, aber das war nicht so einfach.

Er war so anders als die Männer, die ich bisher hatte. Ich war von Majids gefühlvoller Art mir gegenüber einfach überwältigt. Er schaute mich die ganze Zeit so liebevoll an, berührte zärtlich meine Hände, strich mir über die Haare – es war mehr, als ich nach so einer kurzen Zeit erwartet hätte. Mit jedem Blick, mit jedem Wort fühlte ich seine Gefühle zu mir. Meine anfängliche Skepsis, ob er es ehrlich mit mir meinte, verflog mit der Zeit. Ich fing an, ihm zu vertrauen, mein Herz sagte, dass es nicht nur gespielt sein konnte. Fortwährend machte mir mein wundervoller Jordanier nette Komplimente, er gab sich Mühe, sein Deutsch zu verbessern und brachte mir bei, wie man leckere Gerichte aus seiner Heimat zubereitete.

Er sprach nicht viel über sich. Aber einiges erfuhr ich dennoch über ihn, vor allem über seine Familie in Amman, der Hauptstadt Jordaniens und seinen Beruf als Juwelier. Er wollte in Europa nach Geschäftskontakten Ausschau halten und war von einem alten Studienkommilitonen nach Frankfurt eingeladen worden. So hat mich das Schicksal in seine Arme getrieben. Majid war Witwer, seine jordanische Frau Nur und seine kleine Tochter Jamila waren vor fünf Jahren bei einem Hausbrand ums Leben gekommen. Er erzählte mir, dass die Brandursache bis heute nicht geklärt wurde. Die Ermittlungen der Polizei waren eingestellt worden. Natürlich habe ich nicht viele Fragen gestellt – ich konnte mir vorstellen, wie schmerzhaft das für ihn war. Das Einzige, was ich für ihn tun konnte, war, für ihn da zu sein und sein Schweigen zu akzeptieren.

Über seine Familie habe ich nur erfahren, dass sie sehr traditionell lebt. Sie besaßen in Amman ein schönes, großes Haus und auf dem Land ein Anwesen mit einem Stück Land, auf dem sie Ziegen und Schafe züchteten. Sie gehörten einem alten, als vornehm geltenden Beduinen-Stamm der Sani an, die als besonders künstlerisch und handwerklich begabt galten. Schon sein Vater war ein traditioneller Goldschmied, Majid hatte sein Talent geerbt. Er war sehr stolz auf seine Kunst und das, was er sich mit eigenen Händen erarbeitete. Majid präsentierte mir einige Exemplare der von ihm designten und handgemachten Schmuckstücke, die er als Muster für eventuelle Geschäftspartner in einem großen Koffer aus schwarzem Leder mitgebracht hatte. So schönen Schmuck hatte ich bisher noch nie gesehen. Als klar wurde, dass wir ineinander verliebt waren und zusammenbleiben wollten, hat mir mein Märchenprinz einen wunderschönen goldenen Armreif und ein Paar goldene, mit kostbaren Rubinen verzierte Ohrhänger geschenkt. Die Schmuckstücke erinnerten wahrlich an Ali Babas Sesam öffne dich. Ich war überglücklich und fühlte mich wie eine Prinzessin. In meinen Gedanken wanderte ich in meine Jugend zurück, erinnerte mich an all die orientalischen Prinzessinnenbücher, die ich damals wie ein trockener Schwamm aufgesogen hatte. Ich hatte in meiner Nase wieder den Geruch fremder Welten. In meinen Träumen wollte ich schon immer auf einem Kamel durch den Wüstensand reiten, in einer grünen Oase Rast machen, von den wohlschmeckenden Datteln kosten. Ich sah vor meinen Augen ganz deutlich imaginäre, geheimnisvolle Bilder des Orients. Ich hatte den heißen Wüstenwind förmlich auf meiner Haut gespürt.

Jetzt war ich eine erwachsene Frau, aber die Welt von damals hatte mich nie wirklich losgelassen. Meine Familie fand meine Vorliebe für die Welt aus 1001 Nacht gewöhnungsbedürftig. Aber sie ließen mich gewähren. Wahrscheinlich hatten sie gehofft, es würde sich mit der Zeit einfach abschwächen oder sogar ganz verschwinden. Aber im Gegenteil, meine ungestillte Sehnsucht steigerte sich, wurde noch viel intensiver.

Majid sprach mit der Zeit ganz gut deutsch, er hatte einige Jahre Deutsch bei einem Privatlehrer gelernt. Ich fand es natürlich toll und war noch mehr davon überzeugt, dass es kein Zufall sein konnte mit uns beiden. Es war eine schicksalhafte Begegnung. Manchmal fragte ich mich, warum er gerade mich auserwählt hatte. An mir war doch nichts Besonderes – eins zweiundsechzig klein, zweiundsiebzig Kilo Lebendgewicht, saphirblaue Augen und blonde, schulterlange Haare. Mein Hüftgold störte ihn anscheinend nicht. Und ich hatte immer solche Komplexe deswegen. Ich aß gern, am liebsten Schokolade und Eis, aber auch etwas Herzhaftes verschmähte ich ungern, was sich auf der Waage bemerkbar machte. Dagegen anzukämpfen fiel mir schwer. Diäten brachten nichts, irgendwann hatte ich dann aufgegeben, versuchte meine Rundungen zu akzeptieren. Ich kam mit mir ins Reine. Eine beachtliche Portion Humor, Lebenslust, Kreativität, gepaart mit einem leichten Hang zu Hysterie, ja, so war ich. Eigentlich fand ich mich ganz gut so, wie ich war. Manchmal konnte ich aber auch melancholisch sein. Ich war weiß Gott nicht ohne Makel! Also warum gerade ich, warum wählte Majid ausgerechnet mich aus?

Schon nach ein paar Wochen zog er bei mir ein. Wir entschlossen uns, zu heiraten – es ging nicht anders. Majid war Moslem. Er sagte mir eines Tages bei einem Spaziergang am Mainufer, dass seine strenggläubige Familie niemals eine außereheliche Beziehung akzeptieren würde. Meine frische Liebe zu Majid wurde damit auf eine harte Probe gestellt. Heiraten wollte ich eigentlich nicht. Am dreizehnten August machte mir mein Jordanier einen überraschenden Heiratsantrag. Romantisch und einfallsreich für einen Mann, ganz nach meinem Geschmack. Es war ein Samstag und ich wollte nach einem üppigen Frühstück eigentlich gleich zur Mia. Wir waren zum Shoppen verabredet. Majid kaute in der Küche an seinem letzten Brötchenhappen, als es unten an der Tür klingelte. »Ja«, rief ich in den Hörer der Gegensprechanlage und drückte, ohne eine Antwort abzuwarten, auf den Knopf, um die Tür zu öffnen. Wer kann das sein? Wir erwarteten niemanden. Ich öffnete nur widerwillig die Wohnungstür und sah genervt auf die Uhr.

Hinter einer Wand aus karminroten Rosen schaute ein Männerkopf hervor. Der Bote lächelte mich freundlich an. »Frau Bea Wozniak?«, wollte er wissen.

»Ja«. Ungläubig schaute ich auf den riesigen Strauß und überlegte schnell, von wem er stammen könnte. Der Bote reichte mir die Blumen, ich unterschrieb und schon war er wieder weg.

Majid sah mich mit unschuldigem Blick an, aber mir wurde klar, dass er dahintersteckte. Der Strauß war so opulent, dass ich erst mühsam nach einer passenden Vase fischen musste, um die prächtigen Blumen mit Wasser zu versorgen. »Sie sind wunderschön, Liebling!«

Ich bedankte mich mit einem leidenschaftlichen Kuss. Er lächelte verschmitzt, wie ein Bub, der einen Streich ausgeheckt hat, nahm aus seiner Hosentasche ein rotes, samtenes Schächtelchen und übergab es mir. »Bea, du bist die Frau, mit der ich in Zukunft mein Leben teilen möchte. Willst du meine Frau werden?« Seine Augen schauten mich erwartungsvoll an.

Ich zögerte einen Augenblick, bis ich meine Sprache wiederfand. Mein Herz pochte vor Aufregung. Meine Finger zitterten, als ich die Schatulle öffnete, einen goldenen Ring mit einem großen Brillanten herausnahm und auf meinen linken Ringfinger schob. Überglücklich schmiegte ich meine Arme um seinen Hals und überwarf ihn mit zärtlichen Küssen. Ich sagte »Ja«.

Irgendwie ging mir das alles doch viel zu schnell, aber mir wurde klar, dass mit diesem Mann alles anders war. Unkonventionell, aufregend, ich wollte diesen Zauber nicht zerstören. Mein wunderbarer Mann zeigte Verständnis für meine Bedenken. Er wartete geduldig, bis ich mich mit dem Gedanken, doch so schnell zu heiraten, schließlich angefreundet hatte und wir gemeinsam zum Standesamt gingen, um die Formalitäten zu besprechen. Natürlich mussten eine Menge Dokumente für mich und für ihn besorgt, Übersetzungen in Auftrag gegeben werden, aber wir waren beide zuversichtlich – wir taten das Richtige.

Wir konsultierten einen Imam, der uns von Majids Studienfreund empfohlen worden war. Der alte Mann war freundlich und gab mir Auskunft auf alle meine Fragen in Bezug auf die traditionelle islamische Trauung. Majid schlug mir vor, seinen Glauben anzunehmen, damit wir, wie er sagte, eine richtige islamische Ehe führen könnten. Ich bat ihn um Bedenkzeit. Ich wusste nicht viel über seine Religion, so schnell wollte ich mich dann doch nicht entscheiden. An den folgenden Abenden las ich zu Hause auf dem Sofa die deutsche Qur'an-Übersetzung. Ich wollte mehr über die fremde Religion erfahren, wollte mir ein Bild verschaffen, sehen, was auf mich zukäme, wenn ich Majids Vorschlag annehmen würde.

In den kommenden Wochen stellte ich meinen orientalischen Schönling meiner Mutter und meinem Stiefvater vor. Eines Sonntags brachte ich ihn einfach so, ohne die beiden vorher zu informieren, mit zum Sonntagskaffee. Sie gaben sich ihm gegenüber dezent zurückhaltend, aber durchaus freundlich. Stiefvater taxierte meinen Neuen mit nachdenklichem, durchdringendem Blick. Mutters Gesicht verriet, dass sie ihn offenbar attraktiv fand. Bei Kaffee und Kuchen brillierte Majid mit gepflegter Unterhaltung und erzählte exotische Anekdoten aus seiner Heimat, was vor allem bei meiner Mutter seine Wirkung nicht verfehlte. Jan dagegen blieb kühl und zurückhaltend.

Beim zweiten Sonntagsbesuch verrieten wir lächelnd unsere Heiratsabsichten und stießen auf offenkundige Ablehnung. Das war zu erwarten. Also unternahm ich mit meinem Liebsten gleich nach dem Mittagessen einen ausgiebigen Spaziergang, um meinen Eltern Zeit zu geben, den Schock zu verarbeiten.

Irgendwann gaben sie uns mehr oder weniger freiwillig ihren Segen. Natürlich musste ich erst einmal meine skeptischen Eltern von der Richtigkeit meines Vorhabens überzeugen. Aber so richtig glücklich wirkten sie nicht. Ich nahm es hin. In meiner leicht naiven, unschuldigen Art dachte ich, das wird schon alles. Natürlich.

Kapitel 3

Offenbach, Oktober - November 2022

Beflügelt von meinen Gefühlen gab ich alles, um mein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Wir sammelten Papiere, rannten zu Behörden und Konsulaten, ich ließ mir einen neuen Pass ausstellen und zusätzlich einen Identitychip einpflanzen. Nichts war für uns in dieser turbulenten, aber glücklichen Zeit zu schwer. In der knappen Freizeit las ich Bücher und Reiseprospekte, die ich auf die Schnelle über Jordanien aus dem Internet herunterladen konnte. Ich las mit vor Aufregung geröteten Wangen. In Gedanken befand ich mich schon in der faszinierenden Welt aus Tausend und einer Nacht. Mein orientalischer Prinz lag nur eine Armlänge neben mir auf dem Bett und lächelte mich geheimnisvoll an. Ich konnte es kaum erwarten, diese Welt aus nächster Nähe zu erkunden. Ich war der glücklichste Mensch auf Erden. Wenn ich nur geahnt hätte, was mir alles noch bevorstand.

Ich kündigte im Büro. Als ich den Kollegen meine Pläne mitteilte, stieß ich auf ungläubige und entsetzte Gesichter. Niemand hat mich verstanden. Jonas, mein Chef, bat mich in sein Büro, schaute mir tief in die Augen und fragte, ob es mein Ernst sei. Und ob es das war! Warum versteht mich denn keiner?, fragte ich mich verständnislos und seufzte leise. Die sind intolerant und philisterhaft, sagte ich mir. Ich nahm meinen restlichen Urlaub und verabschiedete mich erleichtert. Endlich frei!

Nun waren alle notwendigen Unterlagen zusammen. Endlich! Wir konnten heiraten. Zuerst heirateten wir nach den Gesetzen des Islams. Zwei Bekannte von Majid boten sich als Trauzeugen an, was wir mit Freude annahmen. Der Imam wurde einbestellt und fragte mich in gebrochenem Deutsch, ob ich Majid aus freiem Willen, ohne Zwang, heiraten möchte und ob ich auf die Brautgabe verzichten möchte, was ich mit einem Kopfnicken bejahte. Dann wurde ein Ehevertrag aufgesetzt. Majid erklärte mir, dass ich mir keine Sorgen machen bräuchte, es wäre reine Formsache, die nur für seine Familie wichtig sei. Die Zeremonie war enttäuschend, ich hatte mir meine islamische Hochzeit etwas romantischer vorgestellt. Der Imam sprach monoton über die guten und schlechten Zeiten in der Ehe, natürlich auf Arabisch, ich verstand kein Wort. Er gab uns freundlich ein paar gute Ratschläge mit auf den Weg und ging nahtlos zur eigentlichen Eheschließung über. Wir wurden dreimal gefragt, ob wir die Ehe ohne Zwang und aus freiem Willen eingehen möchten, was wir beide dreimal bejahten. Nun erklärte er uns offiziell zu Ehefrau und Ehemann. Wir und die beiden Zeugen unterschrieben die Heiratsurkunden, die der alte Mann uns anschließend feierlich übergab. Der Imam segnete uns mit einem freundlichen Lächeln und wünschte uns alles Gute für unsere Ehe. Majid fand die Zeremonie schön und schien ergriffen, ich war enttäuscht. Mit einer romantischen Hochzeit à la Tausend und einer Nacht hatte es nicht viel zu tun. Ich war dennoch erleichtert, dass alles ohne Probleme verlaufen war und freute mich auf unsere gemeinsame Zukunft. Nach der Trauung gingen wir direkt nach Hause.

Majid betete im Schlafzimmer und ich bereitete in der Küche ein kleines Festessen für uns beide. Ich hatte mir dafür Rinderrouladen mit Reis ausgedacht. Zum Nachtisch gab es Schokoladenpudding mit Kirschen und Vanillesoße. Im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten, aber lecker, wie mir Majid nach dem Essen bestätigte.

Den Tag unserer standesamtlichen Heirat werde ich nie vergessen. Es war Montag, der siebte November, zwei Tage nach unserer islamischen Heirat. Ich nahm früh morgens ein ausgiebiges Bad. Anschließend verwöhnte ich meine in dieser Jahreszeit leicht trockene Haut mit reichlich Rosenöl, das ich von Majid als Geschenk bekommen hatte. Ich massierte dabei meine zarte, sehr helle Haut, keine Stelle des Körpers hatte ich ausgespart. Mein Bräutigam schlief noch friedlich. Ich setzte mich an den Badewannenrand und spreizte leicht meine Schenkel. Wahrscheinlich träumt er von mir. Mit diesem Gedanken begann ich langsam, meine erregte Perle zu streicheln. An so einem Tag an Sex zu denken! Liebe Bea, du solltest dich schämen!, maßregelte ich mich und ein leichtes Grinsen zog über mein von meinen aufregenden Gedanken erhitztes Gesicht. Erregt umkreiste ich mit meinen Fingern meine steifen Knospen. Das Rosenöl betörte meine Sinne und vermischte sich mit meiner Feuchtigkeit. In meinem Innern war ich bereits heiß wie ein Vulkan, es erregte mich, mein Spiegelbild zu betrachten. Mein Badezimmerspiegel war so groß, dass ich mich mühelos in voller Größe in ihm sehen konnte. Der Anblick meiner zartrosafarbenen Vagina und der Gedanke an einen Cunnilingus stimulierten mich wohlig. Ich positionierte die Finger so, dass zwei in mir waren und der Daumen sich mit der lusterhitzten Perle vergnügte. Erst zart, dann im immer heftigeren Rhythmus und ich war soweit! Mein Saft mit dem Öl vermischt, tröpfelte aus meiner frisch rasierten Pussy. Ich stöhnte leise, um Majid nicht aufzuwecken, sammelte mich etwas, wusch mich schnell und zog meine schneeweiße Spitzenunterwäsche an. Ich fühlte mich nun richtig gut, auch wenn ich sehr aufgeregt war.

Um zwölf Uhr war der Termin im Standesamt. Ich musste zuvor noch zum Friseur und natürlich mein Kleid anziehen. Jetzt musste alles schnell gehen. Ich hatte mich für ein schickes, cremefarbenes Kleid im Audrey-Hepburn-Stil entschieden. Dazu dezentes Make-up, einfache Pumps in Beige und halterlose Strümpfe. Aufgeregt öffnete ich den Karton und schlug das weiß schimmernde Seidenpapier beiseite. Der Stoff fühlte sich zart und edel an. Vorsichtig nahm ich das Kleid heraus und roch daran. Es duftete zart nach Rosen. Vielleicht bildete ich es mir nur ein. Vorsichtig streifte ich es über, betrachtete mich ausgiebig im Spiegel, ging ein paar Schritte. Weich umspielte der Stoff meine üppigen Kurven und betonte das ausladende Dekolleté. Verführerisch, aber dennoch nicht vulgär. Ich fühlte mich wohl in meiner Haut.

Majid trug einen schwarzen Anzug mit einer schlichten, beigefarbenen Krawatte. Wir waren ein traumhaftes Paar! Die Eheringe hatte er natürlich selbst entworfen und geschmiedet. In Bicolor, Rot- und Weißgold, matte Oberfläche. Vierzig Brillanten zierten meinen Ring. Ein Traum!

Bei der standesamtlichen Trauung waren nur meine Mutter, Jan und meine beiden Arbeitskollegen Mia und Julian anwesend. Jan machte einige Fotos fürs Familienalbum, wenngleich er sich vermutlich einen anderen Schwiegersohn gewünscht hätte. Die Zeremonie verlief ohne Zwischenfälle und völlig unspektakulär. Trotz allem war ich leicht gerührt und musste ein, zwei Tränen verdrücken. Majid blieb hingegen cool und tiefenentspannt.

Meine Mutter und Jan gratulierten, ebenso meine treuen Freunde, Küsschen hier, Küsschen da – nun war ich Frau Bea El-Naser.

Majid rief von seinem Handy zu Hause an, teilte der Familie mit, dass wir gerade geheiratet hatten. Wie Majids Familie die Nachricht aufgenommen hatte, war mir in diesem Moment nicht so wichtig. Ich stellte keine Fragen, ich war einfach nur glücklich.