Das Curiosum - Eckehard Apfel - E-Book

Das Curiosum E-Book

Eckehard Apfel

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Beschreibung

Jeremy Grey ist ein ganz normaler Junge. Oder vielleicht doch nicht? Für die Bewohner einer Welt, die sich seit hunderten von Jahren hinter dem Nebel versteckt, ist er „Der Prophezeite“. Zur Zeit der Hexenverbrennungen haben sich Menschen, die besonders begabt im Umgang mit der Natur und den Elementen waren, eine Welt in unserer Welt geschaffen. Versteckt hinter dem Nebel und geschützt durch Magie. Keine Zauberei, sondern echte Magie. Uralte Hexer, feindselige Nebelmenschen und Opalwesen trachten Jeremy nach dem Leben. Unterstützung bekommt er durch die Seherinnen und die mächtigen Schaman:innen der vier Elemente, doch den Angriff auf das Herz der Nebelwelt – das Curiosum – muss er alleine abwehren. Jeremy weiß nicht, warum ausgerechnet er der Prophezeite ist. Mag sein, dass ihm vor allem seine Gefühle zu Lisa die entscheidende Macht verleihen … Während in unserer Welt Magie vielleicht in einem Sternenhimmel gesucht wird, können die Menschen der Nebelwelt die Energie der Dinge so stark spüren, dass sie mit der Zeit gelernt haben sie zu beeinflussen. Einzig eines ist gleichermaßen magisch, in unserer wie in jener Welt: der Nebel. Damit beginnt alles und darin existiert alles.

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis



Jeremy Grey

Der Traum, die Freunde und der Apfelbaum

Die Entdeckung der Nebelwelt

Ein Meister der Magie

Alte Freunde – neue Freunde

Der Druide Erion

Das große Willkommen!

Alles bleibt anders

Delphena von Thare – Seherin im Curiosum

Belisama Lir

Die Reise ins Dunkel

Corhedes – Beherrscher von Stein und Erde

Ceciles Weg

Verloren im Sumpf

Heelo die Wasserhexe

Der Weg der Seherin

Ignis der Feuerfürst

Der Tempel des Ewan Magnus

Sahena – Herrin über die Luft

Geburt einer Seherin

Die unendliche Leere

Ein beschwerlicher Weg

Der letzte ‘magische Jäger’

Niemen – Stadt im Fels

Der Weg zum Orakel

Der Traumgänger-Traum

Die Offenbarungen des Orakels

Angriff auf Uyndham

Morius Vanta – oberster Hüter des Nebels

Kirra Willgrimm

Die fünfte Essenz

Gefangen in der Zwischenwelt

Die schwarze Macht des Onyx

Erions Trank

Die letzte Entscheidung

Alles bleibt anders



Es gibt Geschichten, die als Erzählungen auf die Welt kommen und daraufhin zu Wahrheiten werden.Edward D. Harlow

Die Idee zur Geschichte „Jeremy Grey – Das Curiosum der Nebelwelt“ liegt in der Vorstellung, dass eine Welt, so wie wir sie uns wünschen, mit einer Gesellschaft, die sich allein Gutem verschrieben hat, tatsächlich bereits existiert. Es ist eine Welt, die sich seit über fünfhundert Jahren vor der unseren verbirgt. Die Menschen dort wachsen mit der Nähe zur Natur auf und verstehen deren Zusammenhänge deshalb besser, haben ein tieferes Verständnis für ihre Welt entwickelt.

Magie ist davon nicht ausgenommen. Während in unserer Welt Magie vielleicht in einem Sonnenuntergang, einem Lagerfeuer oder einem Glühwürmchen gesucht wird, können die Menschen der Nebelwelt die Energie der Dinge so stark spüren, dass sie mit der Zeit sogar gelernt haben, sie zu beeinflussen.

Einzig eines ist gleichermaßen magisch – in unserer wie in jener Welt: der Nebel. Denn so viel ist sicher: Der Nebel verbirgt wesentlich mehr als das, was er einhüllt.

Magie!

Seit jeher fasziniert den Menschen die Magie. Doch was ist Magie eigentlich? Ist sie das Gleiche wie Zauberei? Die Gelehrten der Nebelwelt sagen, dass es keine Zauberei gibt. Wohl aber die Magie. Sie steckt in allem, was uns umgibt: in der Erde, in der Luft und vor allem im Wasser. Um ein Verständnis für diese Magie zu entwickeln, muss man sich mit der Energie in den Elementen verbinden. Damit begann alles und so kann sich eine ganze Welt hinter dem Schutz des Nebels verbergen.

Seltsam, im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, Kein Baum sieht den andern, Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt, Als noch mein Leben Licht war. Nun, da der Nebel fällt, Ist keiner mehr sichtbar.

Aus: „Im Nebel“ von Hermann Hesse

November, 1905

Wundersam ist es im Nebel zu gehn, Der alles betäubt wie im Traum. Nichts sieht und nichts ist wirklich zu sehn, Verschwommen die Grenzen von Zeit und Raum.

Doch was, wenn der Zauber verhüllt eine Welt, Vor Jahrhunderten aus unsrer geboren? Und wenn der weiße Vorhang fällt, sind alle dort verloren?

Aus: „Die Prophezeiung“ von Ewan Magnus

November, 1405

Jeremy Grey

Wenn hinter dem Wald die Sonne aufgeht und ihre Strahlen durch die Äste der Baumkronen gebrochen werden, dann fällt ein flimmerndes Licht durch das Dachgaubenfenster von Jeremys Zimmer. Manchmal, wenn er schon wach ist, liegt er einfach noch im Bett und beobachtet das Licht, wie es auf der Holzwand tanzt. Jede Minute wird es stärker, bis die Sonne über den Baumkronen steht und mit ihrer ganzen Kraft den Raum erhellt. Dieses Schauspiel ist ein Privileg des Bewohners im Dachgeschoss des alten Bauernhauses, in dem Jeremy mit seinen Eltern Kathrin und Thomas Grey lebt.

Doch dieses Privileg wird ihm nicht jeden Tag zuteil. Ein dumpfer Schlag der ins Schloss fallenden Haustür sollte heute diesem Genuss zuvor kommen.

Derb aus seinen Träumen gerissen schoss Jeremy im Bett hoch und stieß sich, nicht zum ersten Mal, den Kopf am Pfosten oberhalb seiner Schlafnische. Erst als draußen der Motor des Wagens seines Vaters startete und die Steine unter den Reifen knirschten als er davonfuhr, wurde Jeremy klar, wovon er aufgewacht war.

Es dauerte noch ein paar Sekunden bis er realisierte, wie viel Uhr es sein musste, wenn sein Vater das Haus verließ. Vor allem weil er normalerweise vor ihm das Haus verlassen musste, um rechtzeitig in der Schule zu sein. Ein hastiger Blick auf den Wecker, den er wohl wieder mal zu stellen vergessen hatte, bestätigte ihn. 7:30 Uhr! In 20 Minuten würde der Unterricht beginnen. Schlaftrunken wie er noch war, sprang er in seine Hose und warf sich die Klamotten über, während er die Zähne putzte. Fast wäre er über seine Schultasche gestolpert, fing sich aber noch und landete mit trampelnden Schritten unten in der Küche.

„Was machst du denn so einen Krach, Jeremy!“, lamentierte seine Mutter, die er mit seinem Gepolter jäh aus ihren Gedanken gerissen hatte. „Und überhaupt, warum stehst du denn schon auf?“

„Von wegen ,schon’!“, entgegnete Jeremy, während er sich ein Stück Brot vom Tisch nahm und hastig in den Mund schob. „Eff ifft fafft fon achht!“

„Ja und? Ich dachte, heute fängt die Schule wegen des letzten Schultages eine Stunde später an? Hast du das nicht gestern gesagt?“

Mit der Erinnerung kam die Verzweiflung über seine Vergesslichkeit zu Jeremy, und er seufzte tief. Die Tatsache, dass er sich nun nicht mehr beeilen musste, brachte jedoch natürlich Erleichterung.

„Ach ja ...“, stöhnte er und ließ sich auf einen Stuhl plumpsen.

„Es tut mir so leid, Schatz, aber ich bin selber etwas spät dran. Ich hab’ dir gar keine Brotzeit für die Schule gemacht. Kommst du zurecht?“

Jeremys Augen folgten den hektischen Bewegungen seiner Mutter, die zwischen Garderobe, Tasche und Schlüs­sel­brett umherlief. „Kein Problem, Mama.“, sagte er und sah ihr nach, wie sie Richtung Haustüre ging. ‘Bamm’, knallte auch sie die Tür hinter sich zu. Jeremy zuckte leicht zusammen. Im Grunde hatte er nun ein angenehmes, ruhiges Frühstück vor sich. Und den letzten Schultag vor den großen Sommerferien!

„Das wird ein guter Tag.“, sagte er sich, und stellte ein paar Dinge zum Frühstück zusammen.

Die Küche des alten Bauernhofs war fast vollständig aus Holz, wie das bei den älteren Höfen eben so ist. Die Wände aus dicken, übereinander angeordneten Balken, verbreiteten eine behagliche Atmosphäre. Das große Sprossenfenster zeigte zur gleichen Seite wie sein Fenster im Dachgeschoss, und mittlerweile erwärmte auch hier die Sonne den Raum. Jeremy saß auf seinem Lieblingsplatz in der Küche. Von dort konnte er über die große Wiese den gegenüberliegenden Waldrand sehen. Fast die Hälfte der Wiese lag bereits im schräg einfallenden Sonnenlicht. Der Rest, bis zum Waldrand, lag noch im morgendlichen Dunst. Auf dem beschienenen Teil konnte man zusehen, wie die Wärme der Strahlen den kühlen Morgennebel langsam auflöste. Das Spiel zwischen Nebel und Sonne gewann Jeremys Aufmerksamkeit, und er träumte von den vielen Abenteuern, die er hier auf der Wiese und hinten im Wald, vor allem aber oben im Baumhaus hatte. Jonas und er hatten es gebaut und Natalie hatte sie während des Bauens immer mit Essen und Trinken versorgt. Die beiden waren auf jeden Fall seine besten Freunde. Aber Lukas und Anna gehörten unbedingt auch zum engsten Kreis.

Keine Frage, er hatte es wirklich gut hier. Schade war nur, dass seine Eltern so wenig Zeit für ihn hatten. Vor allem aber, dass ihm zu Hause nie jemand zuhörte. Im Grunde lebten sie hier nur aneinander vorbei. Immer war Mama in Eile, musste zu irgendeinem Termin oder Papa, wenn er nicht gerade am Computer saß, wollte noch irgendetwas am Haus reparieren oder umbauen.

Abgesehen davon konnte Jeremy aber durchaus zufrieden sein, denn er hatte ja seine Freunde. Es war schon ein kleines Paradies, in dem er wohnte. Während er so in Gedanken Richtung Waldrand blickte, lächelte er immer wieder über die tolle Zeit, die sie hier hatten. Bis ihn ein kleiner Gedanke wieder in die Wirklichkeit zurückholte: Schule! Vor lauter Erinnerungen hatte er ganz die Zeit vergessen, und ein Blick auf die Küchenuhr bestätigte ihm, dass er nun tatsächlich zu spät dran war!

Über den Kies vor dem Haus, vor bis an das alte Tor des Grundstücks, raus auf den kleinen Weg neben dem Bächlein, die Abzweigung runter zum Feldweg, mit dem er sich gut drei Minuten sparen konnte und dann über die kleine Brücke zur alten Allee. Den ganzen Weg zur Schule trat Jeremy kräftig in die Pedale seines klapprigen Fahrrads. Am Ende der alten Allee die letzte Rechtskurve und dann nur noch das kurze Stück durch das Wäldchen vor der Schule. Keuchend rannte er die Treppe hinauf. Die letzten Meter zu seinem Klassenzimmer versuchte er wieder zu Atem zu kommen.

Als er eintrat, war das Zimmer abgedunkelt und seine Augen mussten sich erst mal an die Dunkelheit gewöhnen. Über den Projektor sahen sich die Schüler einen Film an. „Psst“, zischte es aus dem Dunkeln, als er mit seinem Fuß am ersten Tisch hängen blieb, aber dann landete er ohne weitere Zwischenfälle an seinem Platz. Obwohl es noch früh am Morgen war, hatte es mindestens schon 20 Grad und durch die rasante Fahrt in die Schule war Jeremy jetzt ganz verschwitzt. Im Klassenzimmer schien es noch ein paar Grad mehr zu haben. Eigentlich ein perfektes Wetter für den Anfang der Sommerferien, dachte Jeremy und grinste. Der Film, den sich die Klasse ansah, handelte von einer Murmeltier-Familie und einem abenteuerlustigen Jungtier, das sich etwas zu weit von der Familie entfernte um plötzlich auf sich allein gestellt zu sein. Ein netter Film, für den sich Jeremy allerdings etwas zu alt fand. Mit der brummenden Stimme des Sprechers und den sich wiederholenden Landschaftsbildern im Film entspannte er sich nun so sehr, dass seine Augenlider immer schwerer wurden – der Film schien aber auch kein Ende zu nehmen – bis schließlich sein Kopf langsam auf die vor ihm auf dem Tisch verschränkten Arme sank.

„Jeremy, wach’ endlich auf! Was ist nur los mit dir?“, Natalies Stimme war so eindringlich, dass Jeremy ganz schnell wach wurde. Vom Liegen auf seinen Armen hatte er eine runde, rote Druckstelle auf der Stirn. Kaum hatten sich seine Augen einigermaßen an die Helligkeit gewöhnt, sah er, wie Lisa an seinem Tisch vorbeiging und ihm voller Mitleid in die Augen sah.

„Na toll ...“, ärgerte sich Jeremy. „Hat Frau Löwitsch gemerkt, dass ich eingepennt bin?“, fragte Jeremy Natalie.

„Zu deinem Glück scheint sie dich irgendwie zu mögen. Sie hat mich nur gerade gefragt, ob ich wüsste, was in letzter Zeit mit dir los sei.“

Jeremy hob verwundert die Augenbrauen: „Und, was hast du gesagt?“

Sichtlich genervt von Jeremys Trägheit antwortete Natalie: „Na, dass du mit komischen Leuten rumhängst und wahrscheinlich Drogen nimmst, natürlich. Komm jetzt endlich! Ich will zur letzten Mathestunde vor den Ferien keinen Stress mit Herrn Biaska bekommen!“

Das Argument hatte gesessen. Frank Biaska, der Mathelehrer, hatte nicht umsonst den Spitznamen ‘Fiasko-Frank’. Mit ihm war nicht gut Kirschen essen. Bei ihm zu spät zu kommen, war ein sicherer Weg sich unglücklich zu machen.

Auf dem Weg zur Mathe-Klasse dachte Jeremy nur an Lisa. Es ärgerte ihn, dass sie ihn wahrscheinlich für einen verpennten Loser hielt. Als er mit Natalie ins Mathe-Zimmer kam, sah Jeremy in die Klasse und kreuzte zufällig den Blick mit Lisa. Ihre wachen Augen hatten immer etwas Warmes, Wohlwollendes in sich und Jeremy war in seiner Schüchternheit ihr gegenüber so erschrocken, dass er nichts Besseres als ein peinlich schiefes Grinsen zustande brachte. Die ganze Mathestunde hasste er sich dafür. Ab und zu sah er heimlich zu ihr und beobachtete, wie sie auf ihrem Stift herumkaute, wie ihre langen dunklen Haare über ihre Schultern hingen und wenn sie sich in seine Richtung drehte, sah er schnell wieder weg. Es war ein Jammer. Dabei hatte er für seine Schüchternheit gar keinen Grund. Er war groß, sportlich, hatte schwarze Haare und blaue Augen. Lisa und er wären ein absolutes Traumpaar. Nächstes Schuljahr, das nahm er sich fest vor, da würde er sich mehr trauen.

Die Mathestunde verging ohne Fiasko und auch Deutsch war wie im Flug vergangen, als der Pausengong ertönte. Jeremy holte sich eine Erdbeermilch und ein Sandwich am Pausenverkauf und suchte sich einen ruhigen Platz auf dem Schulhof, etwas abseits des wilden Treibens. Wie es aber eben so ist, wenn man seine Ruhe haben will, hatte Jeremy nicht einmal sein halbes Sandwich gegessen, als ihm jemand im Vorbeigehen die andere Hälfte aus der Hand schlug.

Kevin Kitter, der Schulschläger, hatte sich „einen Spaß erlaubt“, seine Gefolgschaft von geistigen Überfliegern hinter sich. Unterwürfig lachten sie über seine ,ach so witzige’ Tat und zeigten höhnisch mit den Fingern auf Jeremy.

„Ha-ha! Na, super!“, grummelte Jeremy mit genervtem Blick auf Kevin. Hätte er nichts gesagt, wäre „Killer-Kevin“, wie er allseits genannt wurde, vielleicht weitergegangen. Jetzt aber hob er seinen Fuß und trat mit der Kraft seines nicht unbeträchtlichen Körpergewichtes auf die Erdbeermilch, die Jeremy neben sich abgestellt hatte. Die Verpackung platzte und der Inhalt spritzte auf Jeremys Hose.

„Toll, nichwahr?“, kommentierte Kevin seine Tat unter dem grölenden Gelächter seiner Anhänger. Jeremy war stinksauer. Er wollte aufstehen und diesem Dummkopf eine Abreibung verpassen. Abgesehen davon, dass Kevin mindestens einen Kopf größer, etwa zwei Jahre älter und wahrscheinlich doppelt so schwer war, wurde Jeremys Vorhaben schon im Keim erstickt. Noch bevor er aufstehen konnte, hatte Kevin ihn schon so kräftig mit der flachen Hand auf den Kopf geschlagen, dass er sich wieder setzen musste.

„Will da einer frech werden, ha?“, rotzte Kevin Jeremy an. Jeremy hätte heulen können vor Wut und Hilflosigkeit. Das hatte er nun davon, dass er sich ein ruhiges Eck gesucht hatte. Zu seinem Glück beendete der Schulgong die Pause und der Hof begann sich langsam zu leeren.

„Reiß dich bloß zusammen, du Penner!“, motzte Kevin Jeremy noch einmal an und verpasste ihm zum Abschied einen ordentlichen Tritt an den Oberschenkel. Die schadenfrohe Meute folgte ihrem großen Meister und zurück blieb Jeremy mit erdbeermilchnasser Hose und schmerzendem Oberschenkel. Er stand auf und humpelte die Treppe hoch zum Klassenzimmer. Frau Gruber, die Geschichtslehrerin, hatte bereits für Ruhe in der Klasse gesorgt und alle saßen auf ihren Plätzen. Als Jeremy die Klasse betrat, hatte er das Gefühl, dass alle auf seine nasse Hose starrten. Er meinte sogar jemanden kichern gehört zu haben.

„Jeremy Grey! Wie siehst du denn aus? Und wieder kommst du zu spät! Wann lernst du endlich auf das erzieherische Wort zu hören? Setz’ dich!“

,Das erzieherische Wort’! Die alte Gruber kommt wirklich aus dem letzten Jahrhundert, dachte sich Jeremy und humpelte an seinen Platz neben Lukas.

„Hat dich ein Grizzly angefallen?“, witzelte Lukas hinter vorgehaltener Hand.

„Killer-Kevin, sag’ ich nur.“, entgegnete Jeremy und Lukas fiel das Grinsen aus dem Gesicht.

Als die Geschichtsstunde endlich zu Ende war, kamen Jonas und Natalie an Jeremys Tisch gestürzt.

„Dieser unterbelichtete Vollidiot.“, schimpfte Lukas und gab Jeremy etwas von seiner Schokolade. So schafften es die Freunde, seine Laune wieder deutlich zu verbessern. In der Zwischenzeit war, ohne dass es jemand bemerkt hatte, die Englischlehrerin Frau Ippen in das Klassenzimmer gekommen und es trat sofort absolute Stille ein, als sie, wie sie es gerne tat, mit dem großen Tafel-Lineal auf ihren Schreibtisch schlug.

Ohne große Umschweife las sie in alphabetischer Reihenfolge die Namen der Schüler vor, die sich bei ihr die Zeugnisse abholen konnten. Eigentlich wussten ja alle schon vorher, was für Noten sich über das Jahr ergeben hatten, dennoch konnten einige noch aufgeregt darüber diskutieren. Jeremy war einfach nur froh, wieder ein Jahr hinter sich gebracht zu haben.

Nach der Schule sprangen einige auf ihre Fahrräder, andere wurden abgeholt und Jeremy stand noch mit Jonas, Lukas, Natalie und Anna auf dem Schulhof zusammen. Alle redeten durcheinander und die Freude über die großen Sommerferien sprühte aus ihren Augen. Jeremy blickte ruhig in die Runde.

Jonas und Natalie, die beiden kannte er schon richtig lange. Sie waren wie zwei beste Freunde miteinander und doch war sich Jeremy manchmal nicht sicher, ob zwischen den beiden nicht noch mehr war. Sie redeten mit Lukas und Anna durcheinander und lachten über Geschichten aus dem vergangenen Schuljahr.

Jeremy lächelte zufrieden. Gerade in dem Moment ging ein paar Meter weiter Lisa vorbei und sah zu ihm herüber. Und sie lächelte zurück. Lisa wurde gerade von ihrer Mutter mit dem Auto abgeholt und Jeremy sah ihr hinterher.

„Jeremy? Bist du schon wieder eingeschlafen?“ Jonas sah den weggetretenen Jeremy an, der langsam wieder aus seinen Gedanken auftauchte. Ihm war völlig klar, was mit Jeremy los war. Als Jeremy in sein grinsendes Gesicht sah, patschte er ihm auf die Schulter. „Alter!“

„Hey“, rief er in die Runde. „wie wär’s, wenn wir uns alle zur Feier der großen Ferien morgen im Baumhaus treffen?“

„Jaaa!“, riefen Jonas und Lukas begeistert.

„Ach Mann, das ist gemein!“, jammerte Natalie. „Ich muss mit meinen Eltern zu Oma und Opa in die Stadt fahren ... voll langweilig. Vielleicht schaff’ ich es und komm’ später nach.“

„Ich kann auch nicht ...“, sagte Anna traurig, „... muss Koffer packen, weil wir am Nachmittag schon fliegen.“

„Wo soll’s denn hingehen?“, fragte Jonas, der fast nie mit seinen Eltern verreisen konnte, weil dafür nie genug Geld da war.

„Ach, nur nach Italien.“

„Du bist gut. Da würd’ ich mich total drüber freuen.“, kommentierte Jonas seufzend. „Aber egal! Ich freu mich voll auf Ferien mit Jeremy auf dem Bauernhof. Und auf dem Baumhaus!“, ergänzte Jonas mit funkelnden Augen.

„Fahrt ihr eigentlich weg?“, fragte Natalie Jeremy.

„Ach, du weißt doch, wie viel meine Eltern immer arbeiten müssen. Es waren mal wieder nur leere Versprechungen.“, klagte Jeremy.

Der Schulhof war so gut wie leergefegt und auch Anna und Lukas waren gefahren. Natalie verabschiedete sich und Jonas und Jeremy hatten ein Stück gemeinsamen Heimweg. Sie hatten es nicht eilig nach Hause zu kommen und schoben ihre Fahrräder.

„Manchmal frage ich mich schon, wo das ganze hier hinführt.“, seufzte Jeremy.

„Was meinst du?“, fragte Jonas mit ernster Miene.

„Na ja, wir gehen in die Schule, lernen einen Haufen sinnloses Zeug auswendig, machen, was man uns vorschreibt. Das meiste von dem, was wir hier lernen, werden wir im Leben wahrscheinlich nie wieder brauchen. Und ich finde, dass viel zu wenig davon auch wirklich interessant ist.“

„Das kann man wohl sagen.“, bestätigte ihn Jonas.

„Wenn ich mir meine Eltern so ansehe, dann frage ich mich ernsthaft, wozu auch sie diesen ganzen Mist gelernt haben. Vielleicht um danach jeden Tag, jede freie Minute damit zu verbringen zu arbeiten und Geld zu verdienen? Solange ich denken kann, ist meine Mutter in Eile und mein Vater kommt ,heute mal’ später nach Hause ...“

„Bei mir kommt das Problem genau von der anderen Seite: meine Eltern streiten immer, weil nicht genug Geld da ist.“, klagte Jonas.

„Oh je, da haste Recht, das ist wahrscheinlich noch schlimmer. Irgendwie laufen alle dem gleichen blöden Geld hinterher. Wo bleibt denn da der Spaß?“

So diskutierten die beiden über das Leben und was die Menschen so aus ihrer Zeit machen.

„Das ist schon klar Jeremy, aber was sollen wir denn schon anders machen? Unsere Eltern mussten und wir müssen auch.“

„Ich weiß es ja auch nicht!“, gab Jeremy zu. „Auf jeden Fall sollten wir uns nicht alles gefallen lassen. Frau Gruber zum Beispiel. Vielleicht sollte sie mal einsehen, dass sich nicht alle für Geschichte begeistern können? Kannst du dich erinnern, was sie heute zu mir gesagt hat? Ich soll endlich lernen auf das ,erzieherische Wort zu hören’! Aufs Wort hören? Erinnert dich das nicht auch eher an eine Hundeschule?“

Die beiden sahen sich an und mussten gleichzeitig lachen. Sie nahmen sich für ihr morgiges Treffen vor, einen ‘Plan des Lebens’ zu schmieden. Gemeinsam den Stolperfallen dieser Gesellschaft zu entkommen und mehr aus ihrem Leben zu machen als ihre Eltern.

An der nächsten Abzweigung verabschiedeten sie sich und schwangen sich auf ihre Räder. Nachdem sich Jeremy beim Treten in die Pedale erstmal ein bisschen abreagiert hatte, fuhr er in gemütlicherem Tempo weiter. Der Feldweg und die ganze Allee lagen noch vor ihm und bergauf ist es besser, sich die Kraft einzuteilen.

Das alte Bauernhaus mitten auf dem Land hatte seine Vor- und Nachteile. Ein Vorteil war auf jeden Fall, dass darin so viel Platz war, dass man sich gut aus dem Weg gehen konnte. Wie meistens ging Jeremy zur Hintertür hinein und direkt hoch in sein Zimmer im Dachgeschoss. Immer wenn die Tür hinter ihm zufiel, fiel alle Anspannung von ihm ab. Er warf seine Schultasche in die Ecke und legte sich aufs Bett. Normalerweise kreisten seine Gedanken noch um die Geschehnisse des Tages, um dann in irgendwelche Träumereien überzugehen. Meistens genoss er die Ruhe und ließ seinen Blick durchs Zimmer schweifen. Über die schräge Holzdecke, zur kleinen Dachgaube, vor der sein Schreibtisch stand. Direkt am Fenster, von dem aus man auf die große Wiese und den dahinterliegenden Wald sah.

Diesmal jedoch konnte Jeremy einfach keine Ruhe finden. Gut, jetzt waren endlich Ferien, aber das Gespräch mit Jonas und der ewigen Jagd nach Geld ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er musste irgendeinen Weg finden, dieser Falle zu entgehen. Er wollte selbst entscheiden, was er mit seinem Leben machte!

Im Zimmer umherwandernd blieb er schließlich an seinem Schreibtisch stehen und sah zum Fenster hinaus. Die Wiese war vom Regen der letzten Tage saftig und hoch geworden. Auch als der alte Bauernhof noch bewirtschaftet wurde, war hier nie ein Acker, sondern immer nur diese hügelige Wiese gewesen. Wie ein kleines Biotop mit ihren vielen bunten Blumen und Kräutern und dem von ein paar Findlingen umgebenen alten Apfelbaum. Manchmal saß Jeremy auf einem dieser Steine und beobachtete Bienen, Schmetterlinge oder andere Insekten oder lauschte einfach auf die Geräusche der Natur. Das beruhigte ihn meistens, wenn ihm irgendetwas Sorgen bereitete. Kurz entschlossen machte er sich dorthin auf den Weg. Als er die Treppe hinunterkam und durch die Küche hinausgehen wollte, stieg ihm unerwartet der Geruch von knusprig frischer Pizza in die Nase.

„Hey Jeremy, ich hab’ dich gar nicht kommen hören! Setz’ dich doch, die Pizza ist so gut wie fertig!“

Die Pizza seiner Mutter war leider das beste Argument alles stehen und liegen zu lassen und so folgte Jeremy der Einladung. Hunger hatte er sowieso.

„Wie war’s denn in der Schule?“

Mit einem flüchtigen „Gut!“, versuchte Jeremy der unwillkommenen Frage auszuweichen.

„Gut? Das soll alles sein? Denkst du, ich weiß nicht, dass es heute Zeugnisse gab? Komm schon. Zeig’ mal her! Ich bin neugierig!“

Es gab keine Überraschungen im Zeugnis, also auch keinen Grund, es nicht herzeigen zu wollen. Jeremy holte es und legte es auf den Küchentisch. Während sie den Salat anrichtete, warf seine Mutter immer wieder einen Blick darauf. Bevor sie aber irgendetwas dazu sagen konnte, und ziemlich genau als sie den Salat auf den Tisch gestellt hatte und die Pizza fertig war, kam sein Vater von der Arbeit nach Hause. Die Tage, an denen sie gemeinsam essen konnten, waren selten und so rückte das Thema Schule und Zeugnis gar nicht erst in den Vordergrund.

Sein Vater erzählte wie so oft von irgendwelchen ärgerlichen Vorkommnissen, die es in seiner Arbeit gab. Auch seine Mutter erzählte von Problemen – ihre handelten von geplatzten Terminen und Kolleginnen, die ihre Arbeit nicht richtig erledigten. Die beiden tauschten Ratschläge aus und wie immer interessierte sich niemand dafür, wie es Jeremy ergangen war. Dabei hätten sie ihm sicher ihre ganze Aufmerksamkeit gewidmet, wenn er die Geschichte mit Kevin Kitter erzählt hätte.

Irgendwie war er diesmal aber froh, dass die beiden nur mit sich selbst beschäftigt waren. Er hätte gar keine Lust gehabt auf die „guten Ratschläge“. So genoss Jeremy während des Gesprächs seiner Eltern inbrünstig jeden einzelnen Bissen seiner Pizza und beobachtete, wie sich deren Gespräch wieder einmal zum Streit entwickelte. Immer wenn der eine die Ratschläge des anderen nicht annehmen konnte, wurde aus dem ursprünglichen Gedanken des Helfens ein Vorwurf. Jeremy hatte diese ewige Schreierei so satt. Wieso nur konnten die beiden nicht normal oder sogar nett miteinander reden? Jedes Mal wenn er die Eltern anderer Kinder sah, wie sie sich liebevoll ansahen oder besonders nett miteinander umgingen, machte ihn das traurig. Sowie er fertig gegessen hatte, stand er auf und ging nach oben. Er hätte nicht erwartet, dass seine Eltern ihn in ihrer Streiterei überhaupt bemerken würden, doch sie wurden plötzlich beide leise und sahen ihm nur nach. Er spürte förmlich die Blicke in seinem Rücken. Vor seinem Zimmer angekommen, öffnete er die Türe, ging jedoch nicht hinein, sondern ließ sie gleich wieder ins Schloss fallen. Kurz darauf hörte er von unten seine Mutter.

„Was ist nur los mit ihm? Er benimmt sich so seltsam in letzter Zeit!“

„Und hast du seine Hose gesehen?“, bemerkte sein Vater. „Er hat uns doch irgendwas verschwiegen.“

Jeremy schüttelte verständnislos den Kopf und schlich noch etwas näher an die Treppe um besser lauschen zu können.

„Ich mache mir wirklich Sorgen.“, sagte seine Mutter. „Die Kleine von den Nachbarn drüben muss ein supertolles Zeugnis bekommen haben. Ich habe ihre Mutter beim Einkaufen getroffen. Und Jeremy ..., das Zeugnis bestätigt mich in meiner Sorge nur noch, er hat in fast jedem Fach mindestens eine Note schlechter als letztes Jahr. Er wird doch keine Drogen nehmen oder sowas?“

„Ach Kathrin, Quatsch! Drogen! Moment, was hast du gerade gesagt? Er ist in jedem Fach eine Note schlechter?“

„Ja, fast in jedem.“

„Wieso hast du das nicht früher gesagt, als er noch am Tisch saß?“ Vaters Ton war plötzlich lauter und aggressiv geworden.

„Was schreist du denn schon wieder herum!“

Und schon wieder waren die beiden in ihr altes Streitmuster gefallen. Jeremy wollte das nicht wirklich hören. Er drehte sich um, schlich zurück in sein Zimmer und drückte behutsam die Türe hinter sich zu. Zwar hörte er die lauten Stimmen noch, aber wenigstens nicht, was sie über ihn sagten. Dass sich die beiden stritten war ja nichts Ungewohntes, nur hasste er es, wenn er der Grund dazu war!

Aber er fühlte sich auch schuldig. Schuldig an der schlechten Stimmung, an seinen schlechteren Noten. Er legte sich aufs Bett und starrte an die Decke.

Drogen ... ts ... Wieder einmal zweifelte er an sich selbst. Er dachte an das Gespräch mit Jonas. Und er wollte nur weg von diesem Wahnsinn. Weg aus dieser kranken Welt. Jeremy stand auf und setzte sich an seinen Schreibtisch. Oft, wenn ihm wieder mal alles zu viel wurde, wenn alles nur ungerecht und frustrierend zu sein schien, flüchtete er sich ins Zeichnen. Er nahm sich seinen Block, ein paar Bleistifte und zeichnete einfach drauf los. Manchmal entstanden die Dinge erst, während er zeichnete. So verlor er sich in der Tätigkeit und vergaß darüber ganz die Zeit.

Im Haus war es bereits seit längerem still geworden, als Jeremy von einem dumpfen Schlag an sein Fenster aus seiner Zeichen-Meditation aufschreckte. Als er hinaussah, sollte er gleich noch ein zweites Mal erschrecken: direkt hinter der Scheibe saß eine grauschwarz gefiederte Krähe und sah ihn an. Wie gebannt starrte er auf die Krähe, die ihn ihrerseits regelrecht zu mustern schien, bis sie sich plötzlich krächzend wieder in die Luft schwang. Jeremy stand auf und sah ihr hinterher. Das Mondlicht schimmerte auf den Federn ihres Rückens, bis sie im Dunkel des Waldes verschwunden war.

Jeremy sah, grübelnd über diese unwirkliche Begegnung, hinaus auf die große Wiese. In der Stille der Nacht lag sie da, ruhig und doch voller Energie vom hellen Licht des Mondes. Aufgewühlt von seiner Begegnung starrte er in die Landschaft, als würde im nächsten Augenblick noch etwas völlig Unvorhergesehenes geschehen. Er suchte nach einer Erklärung. Eine Krähe mitten in der Nacht? Dieses Mondlicht ... und wie es ihn fesselte. Einerseits war er froh im Haus zu sein, andererseits zog es ihn wie einen Mondsüchtigen nach draußen. Schon allein aus Neugier.

Zögerlich ließ sich Jeremy wieder auf seinen Stuhl sinken. Sein Blick streifte den Wecker: Nach zwei Uhr nachts. Unglaublich wie die Zeit vergangen war. Nein, jetzt rauszugehen war keine gute Idee. Schließlich wollte er sich am kommenden Tag mit seinen Freunden im Baumhaus treffen und ein wenig Schlaf würde ihm auch nicht schaden. Eigentlich hätte er müde genug sein müssen um sofort in Tiefschlaf zu fallen, aber wie ihm diese Krähe in die Augen gesehen hatte, ging ihm nicht aus dem Kopf.

Er saß noch eine Weile an seinem Schreibtisch und dachte an den letzten Schultag, den Streit zwischen seinen Eltern und vor allem an sein Gespräch mit Jonas über diese Geld-Gesellschaft. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als aus dieser Falle entfliehen zu können. Und er malte sich in Gedanken eine Welt aus. Eine Welt ohne Zwänge und ohne Streit, eine Welt, in der man einfach glücklich sein durfte. Niemand würde darin Macht über andere haben oder nur ständig dem Geld nachlaufen.

Irgendwann war er dann an seinem Schreibtisch eingeschlafen. Etwa gegen drei oder halb vier Uhr. Tief schlief er jedenfalls noch nicht, als ein krachender Donnerschlag ihn aufschrecken ließ.

Draußen war es dunkel und dicke Regentropfen trommelten an sein Fenster. Zwischendurch erhellten Blitze sein Zimmer. Es war ein ausgewachsenes Sommergewitter. Jeremy stand auf, zog die Vorhänge vor das Fenster und legte sich ins Bett.

Der Traum, die Freunde und der Apfelbaum

Jeremy stellte mit Freuden fest, dass er alleine im Haus war, als er am nächsten Tag kurz vor elf Uhr in die Küche kam. Er machte sich ein Müsli und setzte sich an seinen Lieblingsplatz.

Gedankenversunken sah er aus dem Fenster, als er sich erinnerte, dass er von einem Mädchen geträumt hatte. Sie war etwa in Jeremys Alter und ihre schwarzen, langen Haare verdeckten zum Teil ihr Gesicht. Sie hatte dunkle Augen und etwas begeistertes im Blick. Im Traum kniete er auf einer Wiese und Sie hatte ihm die Hand entgegengestreckt und gesagt „Schnell, komm’ mit, wir müssen hier weg!“ Seltsam. In dem Moment, als er ihre Hand nehmen wollte um mit ihr zu gehen, war er aufgewacht.

Normalerweise dachte Jeremy nicht lange über seine Träume nach, aber dieser kam ihm aus irgendwelchen Gründen wichtig vor. Je wacher er jedoch wurde, desto weiter rückte der Traum in die Ferne und die Gedanken um den kommenden Tag erfüllten ihn.

Irgendwann um Mittag wollte er sich mit Jonas und Lukas im Baumhaus treffen. Es wäre wohl besser, er ginge dann schon mal los. Ein bisschen Zeit alleine wäre nicht das Schlechteste. Nach der gestrigen Nacht würde ihm etwas frische Luft in den Baumkronen gut tun. Ein bisschen Nachdenken über den ganzen Abend und vor allem über den Vorfall mit der Krähe.

Der Trampelpfad, den er und seine Freunde immer benutzten wenn sie in den Wald gingen, war auf beiden Seiten von hohem Gras und ein paar buschigen, blau blühenden Blumen gesäumt. Als Jeremy am alten Apfelbaum vorbeikam, nahm er sich einen Apfel vom Boden, untersuchte ihn gründlich und biss schließlich herzhaft hinein. Eigentlich wusste er schon vorher, dass diese Äpfel total sauer waren, aber er hatte einfach Lust darauf, verzog das Gesicht zu einem Sauer-macht-lustig-Grinsen und warf den angebissenen Apfel in hohem Bogen bis fast an den Waldrand.

Der Duft der Tannen, das Moos zwischen den Bäumen, die Wald­erde, ein leichter Pilzgeruch in der feuchten Luft des Waldes: es war wie eine Schwelle, die er überschritt, um in seine Freiheit zu gehen. Dorthin, wo ihm niemand Vorschriften machte. Dort, wo er dem Traum von einer Welt, wie er sie sich wünschen würde, so viel näher war.

In diesem Waldstück am Bauernhof waren so gut wie nie Spaziergänger unterwegs und die Gefahr, dass jemand ein Baumhaus entdecken könnte, ging gegen Null. Trotzdem hatten die Jungs damals einen Baum ausgesucht, der sehr versteckt lag.

Von der Wiese kommend, ging man erst zwischen ein paar großen, dicken Buchen durch, dann schlängelte sich ein kleiner Pfad durch ein Heidelbeerfeld, der zu einer moosüberzogenen kleinen Lichtung führte. Weiter an ein paar ziemlich hohen, alten Tannen vorbei, stand man vor einem mit Lianen überwucherten, buschartigen Gehölz. Nur wer wusste, dass da ein Spalt zwischen den Lianen war, der konnte ihn auch entdecken und wenn er hindurchging war es, als wäre er durch eine Türe in einen anderen, versteckten Wald gegangen. Ein von dicken Wurzeln durchzogener Boden, auf dem außer ein paar Pilzen und kleineren Pflanzen kaum etwas wuchs, bildete den Grund für eine mächtige, uralte Eiche. Schon die ersten Äste dieser Eiche waren so dick, dass sie für sich selbst bereits den Durchmesser eines gestandenen Baumes hatten. Majestätisch ragte dieser Baum in die Höhe, wo er alle anderen Bäume des Waldes bei Weitem überragte.

Auf diese Eiche hatten sie das Baumhaus gebaut. Für die ersten zwei Meter waren drei Sprossen an den Stamm genagelt worden, ab dann konnte man gut über die dicken Äste nach oben klettern. Etwa in der Mitte gab es noch zwei Sprossen und dann, ein paar Äste weiter, war man unter dem Baumhaus angekommen.

Der Eingang war eine Bodenluke. Jeremy schloss sie hinter sich und setzte sich auf den Teppich. Er nahm sich eine Decke aus der kleinen Sitztruhe und machte es sich gemütlich.

Er verbrachte oft viele Stunden im Baumhaus. Manchmal las er, manchmal zeichnete er und manchmal wartete er einfach auf seine Freunde und blickte über die umliegenden Baumkronen. Dabei stellte er sich Geschichten vor und versank derart in seinen Gedanken, dass die Zeit nur so verflog. Diesmal hatte er sich jedoch ein Buch über heimische Vögel mitgenommen, um etwas über das Verhalten der Krähen nachzulesen. ‘K’ wie Krähe, Seite 38. Jeremy staunte nicht schlecht, als er unter den Abbildungen verschiedener Krähen gleich auf der ersten Seite des Kapitels, seine graue Krähe des Vorabends sah. „Nebelkrähe“, las er sich laut vor und vertiefte sich in den Erklärungen zu den Besonderheiten dieser intelligenten Tiere.

Die Kürze der letzten Nacht machte sich schon bald bemerkbar und das ruhige Schaukeln des Baumes und das sanfte Säuseln des Windes im Baumhaus entspannten ihn, und seine Augenlider wurden immer schwerer. Das Buch glitt aus seinen Händen und er selbst in einen seligen Schlaf.

Plötzlich gab es einen heftigen Schlag an der Bodenluke des Baumhauses. Jeremy schreckte auf und in der Annahme, Jonas oder Lukas hätten geklopft, zog er sich rasch die Decke von den Beinen und machte sich daran die Luke zu öffnen. Doch noch bevor er sie greifen konnte, wurde das Baumhaus so stark hin und her geschüttelt, dass er dachte, die Erde würde beben.

Die Bretter und Balken knarzten und ächzten, dass Jeremy befürchtete, das komplette Haus würde in die Tiefe stürzen. In seiner Panik klammerte er sich an einen dicken Ast, der seitlich durch das Baumhaus führte.

Plötzlich war absolute Stille eingetreten. „Jonas?“, rief Jeremy zaghaft, „bist du da draußen?“, doch es kam keine Antwort. Jeremy hangelte sich zum Fenster und öffnete es. Er sah hinunter, das heißt, er versuchte es, doch im Wald war inzwischen dichter Nebel aufgezogen. So dicht, dass er den Waldboden nicht mehr sehen, ja nicht einmal erahnen konnte. Wie konnte in so kurzer Zeit so ein dichter Nebel entstehen?

Die Stille im Wald war unheimlich und Jeremy war fast schon froh, dass er im Baumhaus einigermaßen in Sicherheit zu sein schien. Umso mehr erschrak er, als plötzlich ein markerschütterndes tiefes Brüllen, wie von einem riesigen Urzeitwesen, in die Ruhe des Waldes einschlug. Zitternd vor Schreck klammerte sich Jeremy diesmal an das Fensterbrett und starrte, vom Entsetzen gebannt, in den Nebel am Boden, in der Hoffnung erkennen zu können, was dieses beängstigende Brüllen von sich gegeben hatte.

Irgendetwas war da auch. Wie ein Schatten im weißen Nebel. Groß, aber unglaublich schnell. Es änderte wie durch Zauberei in Sekunden seine Position. Noch während er versuchte, dem Schatten mit den Augen zu folgen, spürte Jeremy, wie der Boden des Baumhauses unter seinen Füßen ruckartig nachgab, sich etwas absenkte und im gleichen Moment, mit einem krachenden Schlag komplett herausbrach.

In letzter Sekunde hatte sich Jeremy noch an das Fensterbrett geklammert und hing nun völlig verloren mit baumelnden Beinen im Freien. Das blanke Entsetzen in den Augen sah er die fallenden Bretter und Balken auf ihrem Weg nach unten krachend auf den Ästen des Baumes zerbersten, bis sie im dichten Nebel unter dem Baumhaus verschwanden. Ihr Aufschlagen am Waldboden hörte sich so dumpf und fern an, dass er den Eindruck bekam, über einer hundert Meter tiefen Schlucht zu hängen.

Ein gequältes „Hilfe“ kam über seine Lippen, so schwach, dass er es fast selbst nicht gehört hätte. Also nahm er alle Kraft zusammen und schrie aus Leibeskräften „Hiiilfe!“

Sein Schrei erstickte jedoch im dichten Nebel und statt einer Antwort hörte er nur das Krächzen einer Nebelkrähe, die ausgerechnet jetzt auf dem Brett des Fensters an dem er sich festhielt, genau zwischen seinen Händen gelandet war. Nur den Bruchteil einer Sekunde später löste sich das Fensterbrett mit einem Ruck von der Seitenwand des Baumhauses und fiel mitsamt Jeremy nach unten in den Nebel.

Ungefähr fünfzehn Meter waren es bis zum Boden und Jeremy hätte sich an den dicken Seitenarmen des Baumes schlimm verletzen können. Ohne Verletzungen wäre er wohl kaum unten angekommen. Doch Jeremy fiel langsam. Als würde der Nebel um ihn herum die Zeit verlangsamen und die Naturgesetze verändern, fiel er in Zeitlupe an diesem Baum hinunter, auf eine Weise, wie es eigentlich gar nicht möglich war. Er landete mit beiden Beinen sicher und unversehrt auf dem Waldboden.

Schwerer Nebel, so dicht wie er ihn noch nie gesehen hatte, umgab ihn dort und nahm ihm die Sicht.

Trotz des Wunders seiner sanften Landung erinnerte er sich schnell wieder an das markerschütternde Brüllen. Nun war er genau dort, wo es hergekommen war.

Bewegungslos, flach atmend und mit weit aufgerissenen Augen sah er in den Nebel, als wie aus dem Nichts ein riesenhafter Bär vor ihm auftauchte. Sein Fell hatte die Farbe des Nebels und er hatte sich aufgerichtet. Er war fast dreimal so groß wie Jeremy.

Das war es eindeutig, was er von oben gesehen und vor allem gehört hatte! Jeremy stand vor dieser unbegreiflichen Bedrohung und erwartete einen Prankenhieb, einen Biss, ein Brüllen oder irgendetwas, das sein unmittelbares, schmerzvolles Ende bedeutet hätte.

Doch weder brüllte er, noch schien er sich für Jeremy überhaupt zu interessieren. Jeremy sah an ihm hoch und der mächtige Bär sah einfach über ihn hinweg!

Als würde er auf irgendetwas warten. Hatte er jetzt wirklich seinen Verstand verloren? War er vielleicht bei seinem Sturz auf den Kopf gefallen? Bildete er sich das alles nur ein? Ungläubig führte er seine Hand an das Fell. In dem Moment als er es berührte, hatte er das Gefühl, etwas würde seine Hand umschließen und festhalten. Er wollte die Hand zurückziehen, doch es war ihm nicht möglich. Er konnte sich nicht kontrollieren! Mit der Berührung löste sich das Fell oder besser gesagt das, was er für ein Fell gehalten hatte, mehr und mehr auf und verwandelte sich in Schlieren von dichtestem Nebel.

Zuerst hüllten sie seine Finger ein. Dann seine ganze Hand. Wie hypnotisiert streckte er seinen Arm immer weiter in den Nebel, obwohl ihm alles andere als wohl dabei war! Als er versuchte, sich mit der anderen Hand abstützend selbst aus dem Nebel wieder heraus zu ziehen, versank er mit ihr natürlich ebenso und noch bevor er irgendwie reagieren konnte, zog ihn die unsichtbare Kraft in den Bären-Nebel hinein.

„Jeeeremy!!“ „Jeremy, mach’ endlich auf. Du liegst auf der Luuuke! Ich hör’ doch, dass du da bist!“ Die Stimme seines Freundes Jonas hörte sich zuerst an wie aus weiter Ferne, doch dann wurde sie so klar, als säße er neben ihm. Wie aus einem Alptraum erwachend schoss er hoch und musste tief Luft holen. Eben noch am Boden in diesem ‘Bärennebel’? Und plötzlich wieder im Baumhaus? Jeremy bekam seine Gedanken nicht mehr geordnet.

„Ja ... äh ..., ja warte ... Sorry! Ich muss eingeschlafen sein.“ Jeremy beugte sich zur Bodenluke, kurz innehaltend sah er sich um, ob jetzt das Baumhaus wieder zu rütteln beginnen würde und ob er nun wirklich wach war.

„Jetzt mach schon! Was ist denn los?“, hörte er Jonas‘ Stimme wieder unter dem Baumhausboden. Jeremy öffnete die Falltür und sah ihm in die Augen.

„Mein Gott, was ist denn mit dir passiert? Du bist ja blass wie der Nebel da draußen!“, sagte Jonas.

„Keine Ahnung. Was ... Nebel? Echt jetzt?“ Ungläubig sah er an Jonas vorbei nach draußen. Tatsächlich zogen unter dem Baumhaus schwere Nebelschwaden vorbei.

„Komm erst mal rein.“, forderte Jeremy Jonas auf und reichte ihm die Hand.

Jetzt war es tatsächlich neblig? Jeremy hatte Mühe die Realität von seinem Traum zu trennen. Eigentlich hatte es sich nicht einmal wie ein Traum angefühlt. Eher wie eine Art Vision.

Kaum war Jonas im Baumhaus, kam auch Lukas unten an. „Ist das ein krasser Nebel!“, rief er nach oben zu den beiden. „Und das zu dieser Tageszeit! Und auch noch mitten im Wald. Das ist echt komisch.“, stimmte Jonas ihm zu.

Jeremy sah aus dem Baumhausfenster vorsichtig nach unten. Er fühlte sich benommen. „Wie spät ist es denn?“

„Bestimmt schon drei Uhr Nachmittag. Sorry, aber ich durfte vor dem Mittagessen nicht gehen und musste dann auch noch aufräumen.“, antwortete Jonas.

„Oh Mann ... genau wie bei mir. Was meinen Alten manchmal alles einfällt: Tisch abräumen, Schultasche ausräumen, Zimmer aufräumen ... das hört nie auf. Als wenn sie einem die Ferien nicht gönnen würden.“, schloss sich Lukas an, der inzwischen auch im Baumhaus angekommen war.

„Moment mal – Du sagst es ist drei Uhr Nachmittag?“ Jeremy sah ungläubig zu Jonas. „Oh Mann – dann hab ich ja fast vier Stunden gepennt!“

„Vier Stunden? Du meinst, du bist schon seit 11 Uhr hier?“, wunderte sich Lukas.

Jonas grinste: „Na dann hast du dich ja endlich mal ausgeschlafen!“ Seine beiden Freunde lachten, aber Jeremy war dazu absolut nicht zumute. Er dachte an seine verrückte Vision oder seinen Traum. Was auch immer das war, es fühlte sich so verdammt echt an, obwohl es doch so unrealistisch war.

„Leute, ohne Witz, seit gestern Abend passieren mir die merkwürdigsten Dinge. Ich bin doch nur kurz eingenickt!“ Jeremy war sichtlich verwirrt.

„Ausgesehen hast du aber, als wärst du schon seit ein paar Wochen hier oben.“, witzelte Jonas. „Als er mir endlich aufgemacht hat, dachte ich, er ist zum Zombie geworden. Jetzt echt Jeremy: was ist passiert? Hast du ein Gespenst gesehen?“

„Könnte man so sagen.“, antwortete Jeremy mit nachdenklichem Blick.

„Was meinst du?“, jetzt war Lukas wirklich neugierig geworden. „Lass ihn mal, Jonas! Komm schon, erzähl’!“

Jeremy setzte sich auf seine Decke und begann zu erzählen. Er fing mit der Krähe an seinem Fenster zu Hause an. „Mitten in der Nacht, versteht ihr? Das gibt’s doch nicht – Vögel schlafen in der Nacht!“ Lukas und Jonas sahen auf das Buch über Vögel aus der Heimat, das neben Jeremy lag, dann sahen sie sich besorgt an. Jeremy erzählte alles, was er erlebt hatte, bis zu seinem Traum vom Baumhaus-Sturz.

„Krass!“, staunte Lukas.

„Na ja ...“, meinte Jonas, „... ist ja noch alles fest!“ Dabei klopfte er mit der flachen Hand auf den Boden des Baumhauses. „Aber ein ganz schön krasser Traum!“

„Natürlich,“, sagte Jeremy, „ich weiß schon, dass ich das nur geträumt haben kann, aber es war so ... so ... anders als in einem Traum.“ Jeremy ärgerte sich über die Schwäche seiner Worte.

Lukas rutschte auf seine Seite des Baumhauses und legte ihm beschwichtigend eine Hand auf die Schulter. „Hey Alter, du bist einfach ein bisschen fertig nach den letzten Tagen. Das ist doch okay!“ Jeremy sah ihn verständnislos an. „Sag mal, hältst Du mich für einen senilen Greis? Ich hatte keine schlimmen Tage wegen denen ich jetzt ein Pflegefall bin.“

Jonas kam an seine andere Seite und sah ihn mit ernster Miene an. „Ich weiß noch genau, was du gesagt hast bei unserem Heimweg gestern. Damit hast du ja auch Recht, aber man muss sich mit sowas auseinandersetzen, wenn man ausgepennt ist! Ich sag’ dir was war: du hast in diesem komischen Vogelbuch gelesen und nach dem Stress in der Schule hat dein Unterbewusstsein alles zusammengemixt und ...“

„Mann!“, fiel ihm Jeremy ihm ins Wort und seine Stimme überschlug sich vor Aufregung. Er sprang auf die andere Seite des Baumhauses. „Ich bin doch nicht völlig durchgeknallt! Könnt ihr nicht wenigstens mal versuchen mir zu glauben? Wie könnt ihr glauben, dass ich nicht weiß, wann ich träume und wann das etwas Anderes war? Nimmt mich hier irgendwer ernst?“ Jonas und Lukas sahen betreten in den Boden. „Ich bilde mir doch sowas nicht ein! Außerdem ist das mit der Nebelkrähe gestern Abend passiert, als ich hellwach war! Ihr hört mir ja nicht mal richtig zu! Dann kann ich auch versuchen, das meinen Eltern zu erklären!“

Jeremy stand mittlerweile mit knallrotem Kopf vor seinen Freunden und hatte sich hoffnungslos in seine Wut hineingesteigert. „Wisst ihr was? Wenn ihr euch entschieden habt, ob ihr mich noch für voll nehmen wollt oder lieber für verrückt erklärt, dann sagt mir Bescheid.“ Mit diesen Worten riss Jeremy die Falltür auf und stieg die Sprossen am Stamm des Baumes nach unten.

Jonas und Lukas sahen ihm sprachlos nach, bis seine Silhouette im Nebel verschwunden war.

„Au Backe, Luke. Jeremy scheint ernstere Probleme zu haben als wir dachten.“

„Sollen wir ihm nachgehen?“, meinte Lukas besorgt.

„Vergiss es! Du kennst ihn doch, wenn er sauer ist. Da kommen wir jetzt nicht ran, er muss sich erst mal beruhi­gen.“ Jonas sah Lukas an und schloss die Falltür.

„Ich muss dir noch erzählen, über was Jeremy und ich gestern beim Heimweg geredet haben.“

„Okay, und hoffentlich erklärst du mir auch, seit wann er seine Träume für wahr hält!“

Während die beiden beratschlagten, was sie für Jeremy tun könnten, rannte dieser mit Tränen der Wut heimwärts. Der Nebel aber war so dicht, dass er bald langsamer gehen musste, um sich zu orientieren.

Er erinnerte sich an die Worte von Jonas, dass Nebel zu dieser Tageszeit wirklich ungewöhnlich war. Besonders so dichter Nebel. Empört über die Tatsache, dass seine beiden Freunde das für außergewöhnlich hielten, seinen Traum jedoch nicht, blieb er stehen und sah verärgert in Richtung Baumhaus zurück. Durch den Nebel konnte er es zwar nicht sehen, aber er stellte sich vor, wie die beiden jetzt oben saßen und sich über ihn lustig machten.

Jonas und Lukas war allerdings gar nicht zum Lachen zumute. Kurz nachdem Jeremy die Flucht ergriffen hatte, war Natalie ebenfalls im Baumhaus angekommen. Aufgeregt hatte Sie den beiden erzählt, dass da eben etwas oder jemand im Nebel an ihr vorbeigerannt war. Die Jungs fingen sofort an, ihr alles zu erzählen.

Als Jeremy so dastand, im dichten Nebel, den weichen Waldboden unter den Füßen, bereute er es schon ein wenig, so eine Szene gemacht zu haben. Aber es wollte ihm ja auch einfach niemand glauben! Jetzt zurückgehen ging allerdings gar nicht. Dazu war er dann doch zu stolz. Auch wenn er sich, so in den Nebel gehüllt, schon wieder etwas beruhigt hatte.

Jeremy lauschte der Stille um sich herum. Wie eine dicke Wand hielt der Nebel scheinbar jedes Geräusch von ihm fern. Ein paar Sekunden genoss er diese Ruhe, als jäh ein Brüllen durch den Nebel brach. Ein Brüllen wie das aus seinem Traum, nur diesmal direkt hinter ihm.

Wie versteinert und mit einer Gänsehaut im Nacken, die fast schon schmerzte, stand Jeremy da und wagte es nicht, sich umzudrehen. Das war nun ganz sicher kein Traum mehr. In seiner Regungslosigkeit bekam er schließlich einen heftigen Schlag auf den Rücken. Er flog nach vorne und landete bewusstlos auf dem Waldboden.

Auch im Baumhaus bei seinen Freunden war das Brüllen nicht zu überhören gewesen. Mitten in Jonas‘ Erzählung von Jeremys Traum, ja, ausgerechnet bei der Stelle kurz nach dem Brüllen, hörten die drei genau dieses Brüllen aus dem Nebel. Bis ins Mark erschrocken sahen sie einander fassungslos an.

„Ich hab’ Angst!“, wimmerte Natalie und Lukas und Jonas stand diese Angst ebenso ins Gesicht geschrieben.

Im Dreck des aufgeweichten Waldbodens kam Jeremy langsam wieder zu sich. Wie durch ein Wunder hatte er von dem Schlag keine Verletzungen davongetragen. Nur die Stelle, an der er getroffen wurde, schmerzte etwas beim Atmen.

Wenige Meter vor ihm lag die offene Wiese. Dem Schmerz trotzend und ohne sich umzudrehen stand er auf und rannte so schnell es ging los. Auf der Wiese war der Nebel so dicht, dass er nicht einen einzigen Grashalm auf dem Boden erkennen konnte. Halb stolpernd, halb laufend versuchte er nach Gefühl in die richtige Richtung zu flüchten, in der Hoffnung, irgendwann auf den alten Bauernhof zu treffen. Ein einziger Gedanke trieb ihn dabei an: Überleben. Der Ärger mit den Freunden, seine Vision, die Nebelkrähe, alles war in diesem Moment völlig egal. Es ging ihm nur darum, sich vor diesem Bären oder was immer es war, in Sicherheit zu bringen. Als er sich einigermaßen sicher war nicht verfolgt zu werden, blieb er stehen und sah zurück in den Nebel hinter sich.

„Was zur Hölle ist das gewesen?“, murmelte er vor sich hin. Zu sprechen beruhigte ihn irgendwie, auch wenn ihn hier sicher niemand hören konnte.

„Langsam weiß ich nicht mehr, wann ich wach bin und wann ich träume!“

So stand er da, mitten im dichtesten Nebel, den er je gesehen hatte, und zitterte vor Angst und Anstrengung. In der Gewissheit nicht verfolgt zu werden, konnte er sich langsam wieder beruhigen, aber hier schien er mitten im Nichts zu stehen. Völlig orientierungslos. In der Totenstille des Nebels, irgendwo auf dieser Wiese unweit von seinem Zuhause, das er einfach nicht erreichen konnte.

Womöglich war ihm ein unheilvoller Verfolger auf den Fersen. Ein riesiger weißer Bär oder doch etwas anderes ... schließlich gab es in dieser Gegend schon ewig keine Bären mehr. Und wenn ihm ein Bär auf den Rücken geschlagen hatte, warum hatte er ihn dann halb ohnmächtig liegen lassen anstatt ihn aufzufressen? Das war alles irgendwie nicht logisch.

Jeremy drehte sich ein paar Mal um sich selbst, bis er einige Meter entfernt einen Schatten im Nebel ausmachte. Er schlich darauf zu. Groß, vielleicht drei oder vier Meter war er. Waren das zwei Arme? Nein drei ... Jeremys Kehle schnürte sich zu. Irgendwie musste er sich orientieren, also zwang er sich weiterzugehen. Vorsichtig näherte er sich dem Schatten. Vier Arme ... fünf Arme? ... nein ... nein! Äste! Die Erleichterung entlockte ihm einen kurzen, hysterischen Lacher und er ließ sich auf einem der Steine unter dem alten Apfelbaum nieder.

Endlich fühlte er sich wieder sicher, hatte etwas Ruhe, um seine Gedanken zu ordnen. Die letzten paar Minuten konnte er einfach nicht fassen ... was in aller Welt hatte ihm diesen unglaublichen Schlag versetzt? Wenn es ein Bär war, warum hatte er ihn nicht kommen hören? Warum hatte er ihn nach dem Schlag wieder in Ruhe gelassen? Oder waren ihm seine Freunde vielleicht nachgelaufen und hatten sich einen schlechten Scherz erlaubt? Nein. Der Schlag war zu heftig! Die Kraft hätten sie nicht gehabt. Und der Schrei davor war auch alles andere als von Menschen gemacht. Außerdem hätten ihn seine Freunde dann nicht einfach liegen gelassen.

Wie er es auch drehte und wendete, er konnte sich keinen Reim aus all dem machen. War das am Ende wieder so ein verrückter realistischer Traum? Wieder so eine Art Vision? Er versuchte sich an das zu halten, was ihm bekannt war. Was war mit seinen Freunden auf dem Baumhaus?

„Wahrscheinlich hat wieder niemand das Brüllen gehört, und alle halten mich für verrückt ...!“

Im Baumhaus aber hatte Jonas, nachdem sie das Brüllen durchaus gehört hatten, versucht alles zu erklären. Lukas meinte, dass vielleicht Jeremy irgendwie dieses Geräusch gemacht haben könnte um sie von seiner Geschichte zu überzeugen, und Natalie war einfach nur entsetzt. Sie beruhigte sich nur langsam und redete auf die beiden Jungs ein, dass so ein Brüllen unmöglich von etwas anderem stammen könnte als von einem mächtigen wilden Tier.

„Wie könnt ihr nur so misstrauisch sein?“, fuhr sie Lukas und Jonas an. „Los, ihr tollen Freunde, wir müssen runter und Jeremy suchen! Vielleicht ist ihm was passiert!“

Betreten sahen die beiden schnell ein, dass Natalie Recht hatte. Also machten sie sich daran herunterzuklettern. Mulmig war ihnen allen dreien zumute, aber keiner wollte Jeremy einfach so hängen lassen. Also machten sie sich auf den Weg durch den Wald Richtung Wiese. Bei ihnen war der Nebel inzwischen etwas dünner geworden und sie konnten sich gut orientieren.

Jeremy dagegen saß noch immer auf seinem Stein unter dem Apfelbaum und konnte keine fünf Meter weit sehen. Ein leichter Wind trieb den Nebel um ihn herum wie dichte Wolkenfetzen. Außer seinem Säuseln war nichts zu hören. Er saß nur da und genoss die Ruhe. Ein wenig wünschte er sich, sie würde andauern und ihn seine Probleme und verrückten Erlebnisse in der Welt außerhalb des Nebels vergessen lassen. Bis ihn einmal mehr das Krächzen einer Krähe aus den Gedanken holte. Es hatte sich angehört, als sei sie direkt über ihm.

Und als wäre dieser Ruf der Befehl dafür gewesen, hörte der Wind plötzlich abrupt auf zu wehen, und eine erstarrte, bizarre Stille umgab ihn.

Die winzigen Tröpfchen des Nebels standen völlig unbeweglich vor ihm in der Luft. Irgendetwas stimmte hier schon wieder nicht. Jeremy wurde nervös, wagte es aber nicht sich zu bewegen. Einige Sekunden verharrte er ohne zu atmen und zu blinzeln. Es war, als wäre er selbst gemeinsam mit dem Nebel erstarrt.

Gerade als er diesen verstörenden Anblick akzeptieren wollte, hörte er ein tiefes, dumpfes Geräusch, das sich anhörte, als würde es von tief unter der Erde kommen. Die winzigen Nebeltropfen rauschten in die Höhe und gaben die Sicht frei, auf eine Gestalt von weit über zwei Metern Höhe. Möglicherweise menschlich. Die übergroße Kapuze tief in die Stirn gezogen, mit einem nebelgrauen Umhang, dessen wabernde Bewegungen seine Umrisse teils nur schwer zu erkennen gaben. Jeremy wurde heiß und kalt zugleich, als die Gestalt langsam schwebend auf ihn zu kam. In der Hand hielt sie einen krummwüchsigen Stab. An dessen Spitze sah Jeremy etwas, das seinen Blick auf seltsame Weise fesselte. Es war eine Art Schatten. Ein dunkles, alles verschlingendes Nichts. Wie eine Flamme, die, anstatt Licht zu verbreiten, alles Licht in sich aufsaugte.

Jeremy war wie hypnotisiert. Der Anblick erschöpfte ihn, machte ihn schwach. Er fühlte sich so außerstande auch nur einen Finger zu heben, dass er ohne Gegenwehr akzeptierte, was immer ihn nun erwarten würde.

Vielleicht war es genau diese Einstellung, die ihn in diesem Moment rettete. Selbst als diese bedrohliche Gestalt direkt vor ihm stand, war er absolut regungslos. Sie senkte die Spitze des Stabes langsam auf Jeremys Kopf nieder und es wurde ihm schwarz vor Augen. Ein Gefühl des Schwindels, nahe der Ohnmacht. Jeremy rutschte vorwärts von seinem Stein und landete auf allen Vieren mit vor Benommenheit gesenktem Kopf. Mit flachem Atem verharrte er in dieser Stellung und versuchte mit aller Kraft, die Besinnung nicht zu verlieren.

Eine Weile kniete er so auf der Wiese, bis der Schleier vor seinen Augen langsam verschwand und er das Gras unter sich wieder deutlich erkennen konnte. Er hob langsam den Kopf. Die Wucht dieser düsteren Begegnung hätte Jeremy eigentlich aus der Bahn werfen müssen, doch irgendetwas hielt ihn stabil – beschwichtigte seine Gedanken.

Es kümmerte ihn nicht einmal, was ihn nun erwarten würde. Er war sogar der Überzeugung, dass es kaum etwas geben könnte, das ihn noch überraschen würde.

Dennoch hätte sein Erstaunen kaum größer sein können. Zwar spürte er noch den Nebel hinter sich, doch vor ihm lag eine, von wärmendem Sonnenlicht durchflutete, farbenfrohe Landschaft! Kein Hauch von seltsamen Gestalten, keine Bedrohungen, aber auch kein Hauch von Bekanntem. Er kniete in einer Wiese, die er nie zuvor gesehen hatte.

Die Entdeckung der Nebelwelt

Wie durch einen unsichtbaren Vorhang war Jeremy aus seiner Welt in eine andere gestolpert oder vielmehr von dieser Gestalt im Nebel ‘hineingesaugt’ worden. Er krabbelte noch etwas weiter, um sich in dieser unbekannten neuen Welt umzusehen.

Auch wenn sie wohl aus Pflanzen bestand, Bäumen und Blumen, Gras und Büschen, irgendetwas war nicht so, wie er es kannte. Es war angenehm warm und der Duft von Blumen lag in der Luft. Es waren die Pflanzen. Das Gras und das Moos unter seinen Händen, sie schienen irgendwie ... zu kribbeln. Jeremy sah auf den Boden zwischen seinen Händen. Da ragte ein Stein aus dem Gras, der, als er ihn ansah, seine Farbe änderte! Als er ihn entdeckt hatte war er rötlich, dann wurde er steingrau, um im nächsten Moment fast wie das grüne Moos auszusehen. Jeremy streckte neugierig seine Hand nach ihm aus.

„Da bist du ja. Endlich hab’ ich dich gefunden!“ Eine fremde Stimme unterbrach seine Naturbeobachtungen und er schaute auf. Sie gehörte einem schwarzhaarigen Mädchen, das, ohne dass er sie gehört hatte, plötzlich vor ihm stand.

„Schnell, komm mit, wir müssen hier weg!“, sagte sie zu Jeremy und reichte ihm die Hand. Irgendwie kam sie ihm bekannt vor. Die ganze Situation ... es war wie ein Déjà-vu. Aber er hatte keine Zeit darüber nachzudenken. Außerdem war es ihm etwas peinlich, dass er da so auf dem Boden kniete. Das Mädchen wirkte sehr nett und vertrauenswürdig auf ihn, also ließ er sich von ihr hochziehen.

„Wieso müssen wir hier schnell weg?“

„Es ist nicht sicher hier ­– zu nah an der Grenze. Erklär’ ich dir später. Komm jetzt.“, antwortete sie hastig und ging noch etwas schneller.

Nach ein paar hundert Metern drehte sich das Mädchen zu Jeremy um und richtete ihren Blick hinter ihn, so als würde sie nachsehen, ob sie verfolgt würden.

Dann lächelte sie ihn an. „Hallo, ich bin Cecile.“

„Äh, hallo. Ent ...schuldige. Ich ... Jeremy. Ich heiße Jeremy.“, antwortete er etwas verwirrt.

Obwohl er aus dem, was er gerade erlebt und gesehen hatte, absolut nicht schlau werden konnte und zudem nicht wusste wo er war, fühlte er sich in der Gesellschaft des Mädchens irgendwie in Sicherheit. Sie war ziemlich hübsch! Bernsteinfarbene, funkelnde Augen, lange glatte schwarze Haare, die sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, der ihren ganzen Rücken hinunter hing.

„Okay.“, sagte Cecile. „Wir müssen weiter!“

„Moment ... ich brauch eine Pause. Und irgendwie hab’ ich ein paar Fragen!“ Jeremy ging zu einem großen Baum mit auffällig dicken Wurzeln, die so groß und dick waren, dass man sie bequem als Sitz nutzen konnte.

Als er sich auf die Wurzel setzte, drehte sich der Baum plötzlich in der Krone und man hörte ein lautes Knacken und Knarzen. Jeremy wollte vor Schreck wieder aufspringen, aber Cecile deutete ihm sitzenzubleiben und legte ihre Hand auf den Stamm des Baumes. Als hätte sie ihn beschwichtigt, hörte das Knarzen auf.

„Das zum Beispiel!“, sagte Jeremy nervös.

„Was meinst du?“, antwortete Cecile mit gestellt ahnungslosem Gesichtsausdruck.

Jeremy schnaufte tief und starrte in den Boden.

„Ruh’ dich nur etwas aus.“, sagte Cecile zu ihm und spazierte – gelegentlich fröhlich hüpfend – um den Baum herum, während sie Jeremy nur selten aus den Augen ließ.

Jeremy sah sich um. In der Richtung, aus der sie gekommen waren, war kein Nebel mehr zu sehen. Sonnige, üppige Landschaft soweit das Auge reichte. Zu seinen Füßen das Gras war fein und weich. Dicht bei der großen Wurzel, auf der er saß, stand ein prächtiger Pilz. Jeremy sah ihn bewundernd an. Und der Pilz – er neigte seinen Hut nach hinten, als würde er zur Begrüßung darunter hervorsehen wollen. Schnell wandte Jeremy seinen Blick ab und starrte auf die weite, hügelige Landschaft hinaus. Wieder einmal konnte er nicht mit Sicherheit sagen, ob er wach war oder träumte. Sein Blick in die Ferne brachte ihn bei dieser Frage auch nicht wirklich weiter.

Obwohl absolute Windstille herrschte, wog das hohe Schilfgras rhythmisch hin und her, bunt blühende Blumen drehten Ihre Blüten mal nach hier, dann nach dort. Alles um ihn herum schien zu pulsieren, alles schien auf magische Art mit Leben gefüllt zu sein. Jeremy sah vorsichtig wieder hinunter zum Pilz. Er stand noch immer auf dem selben Fleck, bewegte sich aber kein bisschen.

Jeremy rieb sich die Augen. So sehr ihn diese Landschaft auch an sich selbst zweifeln ließ, schien er hier wenigstens nicht bedroht zu sein, wie noch vor ein paar Minuten in seiner gewohnten Umgebung. Er spürte, dass er hier nichts Böses zu erwarten hatte.

„Ich bin bestimmt ohnmächtig und träume das alles hier.“, sagte er vor sich hin.

Cecile war mittlerweile hinter ihm stehen geblieben und musterte ihn aufmerksam.

„Komm Jeremy, wir müssen hier weg. Es ist immer noch zu nah an der Grenze. Außerdem muss ich dich dringend jemandem vorstellen.“

Noch bevor Jeremy sich überlegen konnte, welche der unzähligen Fragen in seinem Kopf er zuerst stellen könnte, zog Cecile ihn an seinem Ärmel hoch und ging weiter.