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Autobiographisches und Philosophie eines schizophrenen Künstlers
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Seitenzahl: 33
Veröffentlichungsjahr: 2019
Das Ding
Gott, ich war in Ordnung. Sie haben mich bekämpft bis auf die Knochen. Nicht mit Absicht oder aus Gründen, sondern weil ihr Kampf modern war. Sie kämpften einfach, weil es alle taten. Gegen die Extremen hatte ich keine Chance. Gegen meine guten Eigenschaften kamen sie jeweils mit einem extremen Exemplar. Sie hoben meinen Kopf, und überwanden mich.
Das Kämpfen war ihre Natur. Sie vergaßen darüber das Denken. Bevor ich einen Zug tat, dachte ich nach. Sie dagegen dachten nur ans Kämpfen. Dabei sprachen sie sich gelegentlich ab. Darauf fiel ich, aufgrund meiner Naivität und Gutmütigkeit, immer wieder herein. Da sie mich mit normalen Mitteln nicht überwinden konnten, abgesehen von einem denkwürdigen Ringkampf, begannen sie, mich zu kriminalisieren.
Sie hatten demnach extreme Eigenschaften, während ich nur gute hatte. Sie glaubten an nichts, während ich an Gott glaubte. Sie wurden mehr, während ich weniger wurde. Ich nahm ab, wurde arm, lebte einsam und wusste nicht, was ich tun sollte. Noch heute verfolgen, überwachen und bestrafen sie mich. Natürlich kann ich das nicht beweisen. Aber wozu sollte ich?
Wie könnte ich auch. Wie könnte etwa das Gegenteil der Katze Schrödingers beweisen, dass es in einem Glashaus lebt, permanent beobachtet, im Zustand weder des Todes noch des Lebens, und dauernd irritiert durch Mikrowellen der Beobachtung und Gegenbeobachtung. Ich schreibe hier dennoch, auch wenn ich nicht weiß, inwiefern meine Worte nicht schon öffentlich sind.
Das hört sich schizophren an, und das ist es auch. Ich bin schizophren. Jedenfalls, wenn man der Diagnose Glauben schenkt. Davon abgesehen, habe ich immer noch all jene Eigenschaften, die mich schon immer ausgezeichnet haben. Dieser Gedanke, dass ich im Grunde immer noch in Ordnung bin, hat mich veranlasst, diese Zeilen zu schreiben. Vielleicht werden es ein paar mehr, und es entsteht ein Roman. Oder eine Biografie.
Interessantes gibt es kaum zu berichten. Einige Erlebnisse sind allerdings erwähnenswert. Auf sie komme ich hin und wieder zu sprechen. Gleich anfangs möchte ich bekannt geben, dass ich ein Tetrissieger bin, das Spiel Tetris also durchgespielt und gewonnen habe. Am Ende kommt eine geflügelte Prinzessin von oben herunter. Das war's. Ich schreibe diese Zeilen übrigens auf einem Smartphone, also auf einer Art Gameboy.
Geboren bin ich in Grevesmühlen, einer Kleinstadt in Westmecklenburg. Meine Eltern zogen allerdings nach Rostock, als ich etwa ein Jahr alt war. In meiner Jugend besuchte ich des öfteren meine Großeltern in jener Gegend. Auch später kam ich wieder nach Grevesmühlen zurück. Wenn sie über Grevesmühlen denken: “Was kann schon Gutes daraus kommen?“, so haben sie sicherlich recht, von mir einmal abgesehen.
Zur Zeit lebe ich in einer Einraumwohnung. Ich habe ein kleines Bad und ein großes Fenster. Das genügt mir vollkommen. Ich bin auch nichts anderes gewohnt. Mein Smartphone ist mein ein und alles. Ich bin gerade dabei zu entdecken, wie schnell man darauf schreiben kann. Zur Wohnung gehört ein größerer Balkon, den ich zum Sonnen, Rauchen und Wäschetrocknen nutze.
Dies ist nicht meine erste Schrift. Geschrieben habe ich schon viel: Tagebücher, Kurzgeschichten, Diplomarbeiten, Briefe und Gedichte. Nichts davon ist erhalten. Das ist Schicksal. Vermutlich war einfach nichts Erhaltenswertes dabei. Wenn ich es mir recht überlege, dann ist dem tatsächlich so. Anderenfalls würde ich diese Texte in diesen Text einbauen. Dazu wird es aber nicht kommen, denn mein Denken ist weiter fortgeschritten. Wie anfangs bemerkt, war ich in Ordnung. Es kommt nur darauf an, sich zu erinnern.
Mein Tagesablauf ist eher eintönig. Ich schlafe unregelmäßig, nur ein paar Stunden, und wache wieder auf. Um acht Uhr morgens gehe ich einkaufen. Eine Stunde später telefoniere ich mit meiner Mutter. Den ganzen Tag beobachte ich die Mitteilungen auf Facebook oder Twitter sowie die Umgebung vor meinem Balkon. Ich schreibe dann und wann etwas in den sozialen Medien. Zwischendurch rauche ich.
Einer Arbeit gehe ich nicht nach. Arbeit ist Umweltzerstörung. Früher habe ich nur gearbeitet. Dann kamen SIE und zerstörten mich. Inzwischen bin ich berentet. Ich arbeite jetzt an einem Buch. Für dieses Buch werden wahrscheinlich Bäume gefällt. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Das ist sonst nicht meine Art. Ich bin sehr ökologisch.
