Das Ding - Sheila Esch - E-Book

Das Ding E-Book

Sheila Esch

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Beschreibung

Ein Mann findet täglich eine für ihn abgelegte Rose. Er spiegelt sich in der Frage, wer sie ihm wohl hingelegt haben mag. Er geht all die Frauen durch, die in Frage kommen. Auf die eine kommt er nicht…

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Seitenzahl: 24

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Sheila Esch

Das Ding

Kurzkrimi: Die Blüten des Bösen 2. Auflage

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Das Ding

Geschenkt

Auf der Sonnenseite

Weiteres Unheil

Impressum

Das Ding

Ein Impuls von unten reißt das Wasser aus seiner angespannten Reglosigkeit, und während Moschusduft und blaues Lichterspiel den Impulsgeber erwarten, der nach Betätigung des on-Schalters noch einmal fortgegangen ist, um sich seiner Kleidung zu entledigen, walken die Strahlen aus dreiundsechzig rotierenden und pulsierenden Düsen derweil die Rose durch, die inmitten des Whirlpools treibt.

Eine langstielige Rose, der große, voll aufgeblühte Kopf in perfekter Teerosenform, die Farbe ein tiefes Purpur, der Geruch bleibt unbekannt.

Das Summen der Wasserpumpe wird von leichtem Jazz übertönt, und die Massage der Hydromassen reißt nun das erste Blatt aus der Blüte, weitere folgen, wütend beschleunigte Entblätterung; der Skimmer beschwert sich mit lauthalsem Röcheln.

Schon wieder eine Rose.

Der nun nackte Poolbesitzer kniet auf den cremefarbenen Kacheln und fummelt Rosenblätter aus der Oberflächenabsaugung. Den kahlen langen Stiel hat er am Poolrand abgelegt. Im therapeutischen Dämmerlicht sehen die Blätter schwarz aus, wahrscheinlicher erscheint ihm ein Rotton.

Das heißt, es steigert sich.

*

Letzte Woche begann es in Gelb. Die Rose lag schon eine Weile, so schien es, auf dem granitverblendeten Mülleimerverschlag, denn als er beim Plastikentsorgen auf sie stieß, fielen die Blütenblätter welk von einem Blütenstand, der niemals mehr zur Hagebutte heranreifen würde.

Karsten sah sich nicht um, als er den blütenblattlosen Dornenstiel aufnahm, denn unter den ihm bekannten Frauen war keine, die so scheu und schamhaft war, und so sehr auf Versteckspiele aus. Eine Rose so ablegen, dass kaum eine Chance für sie bestand, rechtzeitig die lebensverlängernde Vase zu erreichen, welche Frau tat so etwas? Die, die er kannte, nahmen das Ding mit den Rosen viel zu ernst!

Die nächste war gelborange und klemmte unter dem Scheinwerfer. Als er sie entnahm und dabei zerknickte, fühlte er tatsächlich so etwas wie Ärger, denn die Blütenblätter lukten in zartem Orange zwischen den Kelchblättern hervor, weiteten sich dann in heller werdendem Gelb und endeten reinweiß. Ein Objekt von ergreifender Schönheit – vormals. Er legte die zerstörte Rose mit den Schlüsseln zusammen im Flur ab, und als er später wieder an der Gardarobe vorbeikam, duftete der Raum nach Orangen.

Wer beschenkte ihn da? War das Anna? Anna, die zarte, langbeinige Anna, er hatte sie nicht verkannt, denn sobald man sie anlangte, war es vorbei mit diesem zart, aus dem unberührbar wurde ein fick-mich, und er tat es gern. Hätte es noch fortgesetzt, doch eines Tages war sie dann aus seinen Laken gestiegen und hatte sich ohne weiteres angezogen, ihn wortlos betrachtet in der Weite seines Doppelbetts und gemeint, sie könne die Aura nicht ertragen.

„Die Aura?“

„Ja. Das du und… du.“