Das Drama um Sabine - Patricia Vandenberg - E-Book

Das Drama um Sabine E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! »Sabine, das ist ja eine Überraschung.« Der Anblick seiner Freundin Sabine Müritz erinnerte Dr. Daniel Norden an seinen Fitness-Vertrag im Studio der Trainerin. Schlagartig bekam er ein schlechtes Gewissen. »Wie lange ist es her, dass wir uns gesehen haben?« Lächelnd beugte er sich hinab und küsste sie links und rechts auf die Wange. Sabine erwiderte sein Lächeln nicht. »Etwas mehr als fünf Monate. Seither warst du nicht mehr im Studio.« »Im Sommer gehe ich immer joggen«, redete sich Daniel heraus. »Das sagen sie alle.« Sabine machte keinen Hehl daraus, dass sie ihm nicht glaubte. »Du bist aber sicher nicht hier, um dich mit mir über mein Fitness-Level zu unterhalten, oder?« Endlich lächelte Sabine. Fröhlich wirkte sie deshalb noch lange nicht. »Stimmt. Ich habe wieder Schmerzen im Rücken. Die Verletzung von damals. Du weißt schon.«

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Seitenzahl: 102

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Chefarzt Dr. Norden – 1144 –Das Drama um Sabine

Ist Dr. Aydin ein Kunstfehler unterlaufen?

Patricia Vandenberg

»Sabine, das ist ja eine Überraschung.« Der Anblick seiner Freundin Sabine Müritz erinnerte Dr. Daniel Norden an seinen Fitness-Vertrag im Studio der Trainerin. Schlagartig bekam er ein schlechtes Gewissen. »Wie lange ist es her, dass wir uns gesehen haben?« Lächelnd beugte er sich hinab und küsste sie links und rechts auf die Wange.

Sabine erwiderte sein Lächeln nicht.

»Etwas mehr als fünf Monate. Seither warst du nicht mehr im Studio.«

»Im Sommer gehe ich immer joggen«, redete sich Daniel heraus.

»Das sagen sie alle.« Sabine machte keinen Hehl daraus, dass sie ihm nicht glaubte.

»Du bist aber sicher nicht hier, um dich mit mir über mein Fitness-Level zu unterhalten, oder?«

Endlich lächelte Sabine. Fröhlich wirkte sie deshalb noch lange nicht.

»Stimmt. Ich habe wieder Schmerzen im Rücken. Die Verletzung von damals. Du weißt schon.«

Natürlich erinnerte sich Daniel Norden an den Tag, an dem sie mit einem Wirbelsäulentrauma in die Klinik eingeliefert worden war. Ausgerechnet Sabine. Sportlerin mit Leib und Seele. Geboren, um sich zu bewegen. Kein Berg war ihr zu hoch, kein See zu tief, keine Anstrengung zu groß gewesen. Und nun das! Ein gebrochener Wirbel, der ihre Existenz in Gefahr gebracht hatte.

Nicht nur Daniel, sondern auch seinem Kollegen, dem Neurologen Dr. Milan Aydin ,war es wie ein großes Wunder erschienen, dass sie nach diversen Komplikationen ihre volle Bewegungsfähigkeit zurückerhalten hatte. Oder etwa doch nicht? »Was führt dich hierher?«

»Seit ein paar Tagen kann ich mich vor Schmerzen kaum mehr bewegen.«

Das erklärte natürlich ihre schlechte Laune.

»Drehst du dich bitte mal auf die Seite?« Daniel war ihr behilflich. »Vorsicht, ich habe kalte Hände.« Um sie nicht zu sehr zu erschrecken, rieb er die Handflächen aneinander. Erst dann schob er ihr T-Shirt hoch. Behutsam fuhr er über die Wirbelsäule. Die Narbe war nicht mehr als ein feiner Strich, etwas heller als die übrige Haut. Er untersuchte die Region. »Das sieht alles gut aus.« Daniel rollte seine Patientin zurück auf den Rücken. Schob ihr rechtes Bein nach oben und wieder hinunter. »Tut das weh?«

»Nein.« Sabine schüttelte den Kopf.

Das linke Bein war an der Reihe. Er hatte es kaum angehoben, als sie aufstöhnte.

»Wie lange hast du diese Schmerzen schon?«

»In der Reha hatte ich noch keine Probleme. Ich habe wieder laufen gelernt, alles war gut. Aber danach ist es immer schlimmer geworden. Inzwischen kann ich kaum mehr laufen, geschweige denn meine Kunden anleiten oder Übungen zeigen. Das muss alles mein Trainer machen. Allmählich wächst ihm das alles über den Kopf. Inzwischen macht sich die mangelnde Betreuung auch bei den Besucherzahlen bemerkbar. Seit meinem Unfall geht es beständig bergab mit dem Studio.«

Diese Schilderung erschreckte Dr. Norden. Nach der Operation und der Entfernung eines Hämatoms war er davon ausgegangen, dass Sabine mit dem Schrecken davongekommen war.

»Wir werden dich stationär aufnehmen und genau untersuchen.« Er griff nach dem Klemmbrett mit dem Aufnahmeformular, das die Schwester schon für ihn bereitgelegt hatte. »Dann sehen wir weiter.«

»Ich soll gleich hierbleiben?« Sabines Augen wurden kreisrund. »Das ist im Augenblick wirklich ungünstig.«

Daniel zog eine Augenbraue hoch.

»Du hast mir gerade von unerträglichen Schmerzen erzählt.«

»Ja. Ja, das stimmt ja auch«, versicherte sie schnell.

»Deshalb werden wir uns gleich um dich kümmern.« Dr. Norden reichte seiner Freundin das Klemmbrett. »Bist du so lieb und füllst dieses Formular aus? Schwester Renate bringt dich im Anschluss auf dein Zimmer.« Er ging zur Tür. »Wenn ich mich recht erinnere, war der Kollege Aydin damals bei der OP dabei, nicht wahr?«

»Dieser Arzt im Rollstuhl.« Ein Lächeln huschte über Sabines Lippen. »Ein Charmeur vor dem Herrn. Ein Glück, dass ich seinen Avancen widerstanden habe. Er hätte mich nur unglücklich gemacht.«

»Das ist Aydin, wie er leibt und lebt.« Daniel hob die Hand zum Gruß. »Wir sehen uns später.«

*

»Eigentlich habe ich überhaupt keine Zeit, mich auf einem Sportplatz herumzutreiben.« Dési Norden hatte Mühe, mit ihrem Begleiter Schritt zu halten. »Vor der nächsten Vorlesung morgen muss ich mir ­unbedingt noch einmal Maschinenkunde anschauen.«

Fabian Tondok dachte nicht daran, auf Dési zu warten.

»Komm schon. So kompliziert kann eine Nähmaschine gar nicht sein.«

Dési überlegte noch, ob sie zu empfindlich war, als Fabian das Stadion betrat.

»Hallo, Tom«, begrüßte er den Trainer, der am Rand der Aschenbahn stand.

Die Hand über die Augen gehalten, beobachtete er seine Schützlinge. Er drehte sich um, um zu sehen, wer ihn begrüßte.

»Fabian. Das ist ja eine Überraschung.« Er klopfte seinem ehemaligen Schüler auf die Schulter. »Ich habe von deiner Krankheit gehört. Bist du wieder gesund?«

»Was hast du denn gedacht? Einen Kerl wie mich haut so schnell nichts um.«

Dési stand ein paar Schritte hinter den beiden Männern. Manchmal war Fabian unerträglich. Wenn sie nicht auch diese andere Seite an ihm kennengelernt hätte – die verletzliche, weiche, ganz und gar unsichere – wäre sie vermutlich längst schreiend davongelaufen.

Toms Lachen lenkte sie von ihren Gedanken ab.

»Immer noch der Alte.« Der Trainer widmete seine Aufmerksamkeit wieder seinen Schützlingen, die das Ende der Bahn erreicht hatten. »Ganz im Gegensatz zu Luis.« Er winkte den jungen Mann zu sich. »Was ist los mit dir? Macht dir die Erkältung so sehr zu schaffen?«

Luis blieb vor dem Trainer und seinen Besuchern stehen. Er beugte sich vornüber und stützte die Hände auf die Oberschenkel. Es dauerte eine Weile, bis er wieder Atem geschöpft hatte und Toms Frage beantworten konnte.

»Keine Ahnung. Gegen Ende war einfach die Luft raus.« Er sah zu Fabian und Dési hinüber.

Sein Blick machte ihr Mut. Sie hielt ihm die Hand hin.

»Hallo, ich bin Dési.«

»Luis. Freut mich.« Sein Lächeln war strahlend wie die Sonne am Himmel.

Plötzlich wurde es dunkel vor Dési. Fabian war vor sie getreten.

»Nett, dich zu sehen, Kumpel. Wie läuft es denn so?«

»Eigentlich ganz gut.« Luis griff nach dem Handtuch, das Tom ihm reichte, und trocknete sich den Schweiß auf der Stirn. »Aber nächste Woche habe ich meine Sporteignungsprüfung. Wenn ich an die Durchfallquote denke, ist mir jetzt schon schlecht.«

Dési trat aus Fabians Schatten.

»Wozu braucht man so eine Prüfung?«, erkundigte sie sich.

»Ich will Lehramt Sport studieren. Bei der Prüfung werden vor allem Kraft, Ausdauer, Koordinationsfähigkeit, Schnelligkeit und Beweglichkeit getestet. Das muss sein, um meine Leistungsfähigkeit zu prüfen.« Luis verzog den Mund. »Hoffentlich macht mir diese blöde Erkältung keinen Strich durch die Rechnung.«

»Mein Vater ist Chef an der Behnisch-Klinik. Der kann dich ja mal durchchecken«, bot Dési an.

Den bösen Blick, den Fabian ihr schickte, ignorierte sie.

»Das ist nett von dir«, bedankte sich Luis. »Aber das kriege ich auch ohne Arzt hin.«

Tom legte die Hand auf Luis’ Arm.

»Er hat Angst, dass ihm Medikamente einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Dass er dann nicht mehr trainieren darf. Nicht wahr, Sportsfreund?«

Dési wiegte den Kopf.

»Mein Vater kennt sich auch mit Alternativmedizin aus. Vielleicht kriegt er dich ja auch mit Naturheilmitteln wieder hin.«

»Klingt nach einem Plan«, erwiderte Luis. Er scharrte mit der Schuhspitze im Sand. »Weißt du, meine Eltern spekulieren darauf, dass ich die Prüfung nicht schaffe. Dann muss ich ihren Wunsch erfüllen und Management studieren, damit ich in die Firma einsteigen kann. Und darauf habe ich überhaupt keine Lust.«

»Warum kommst du nicht gleich mit in die Klinik? Je eher mein Dad Zeit hat, sich die Sache mal anzusehen, umso besser für dich.«

Da war es wieder, dieses schöne Strahlen.

»Du bist echt nett«, erwiderte Luis. »Wenn du mir die Adresse gibst, schaue ich spätestens morgen vorbei. Vielleicht auch noch heute Nachmittag. Das kommt darauf an, wann Tom mich aus seinen Fängen lässt.«

Lachend winkte der Trainer ab.

»Du bist erwachsen und entscheidest selbst.«

Luis schnitt eine Grimasse.

»Sag’ das mal meinem Vater.« Er steckte den Zettel mit der Telefonnummer ein, den Dési ihm gegeben hatte. Er winkte und kehrte auf die Aschenbahn zurück.

Und auch Tom machte sich wieder an die Arbeit. Fabian dagegen schien nur darauf gewartet zu haben, mit Dési allein zu sein.

»Findest du es eigentlich in Ordnung, mich vor meinen Freunden lächerlich zu machen?«, fauchte er wie ein beleidigter Kater.

»Wie bitte?« Dési verstand die Welt nicht mehr. »Aber ich habe doch nur …«

»An Luis rangeschmissen, ganz genau.« Fabians Augen sprühten Funken vor Empörung. »Und als wäre das noch nicht genug, prahlst du auch noch mit deinem tollen Vater. Merkst du eigentlich nicht, wie peinlich du bist?« Mit diesen Worten drehte er sich um und ließ Dési stehen.

Seine Gestalt verschwamm vor ihren Augen. Mit dem Handrücken wischte sie sich über das Gesicht.

»Aber ich wollte Luis doch nur helfen«, murmelte sie. »Was ist denn daran peinlich?«

Du bist peinlich!, hallte Fabians Stimme in ihren Ohren. War sie das wirklich?

*

»Nein. Nein, tut mir leid.« Dr. Nordens Assistentin Andrea Sander hielt den Telefonhörer ans Ohr. Als der Verwaltungsdirektor ins Zimmer kam, sah sie hoch. »Das geht in Ordnung. Schicken Sie mir eine E-Mail, dann sehen wir weiter. Auf Wiederhören.« Sie legte auf und sah Dieter Fuchs dabei zu, wie er das Zimmer durchquerte und ins Chefbüro spähte.

»Wo steckt er denn?«

Andrea lächelte seinen Rücken an.

»Ich wünsche Ihnen auch einen guten Tag.«

Fuchs kehrte an ihren Schreibtisch zurück.

»Warum sollen wir uns mit diesen Floskeln aufhalten? Zeit ist schließlich Geld. Wann begreifen Sie das endlich, Frau Sander?« Der Verwaltungsdirektor wartete nicht auf eine Antwort. »Wo ist Ihr Chef?«

»Ich nehm an, bei seinen Patienten. Schließlich muss er das Geld verdienen, das Sie verplanen.«

»Das ich spare, wollten Sie wohl sagen.« Fuchs hielt ihr einen Schnellhefter hin. »Geben Sie ihm das!«

»Natürlich.« Sie griff nach dem Schriftstück. »Maßnahmenkatalog zur Kosteneinsparung Behnisch-Klinik.« Die fett gedruckte Überschrift sprang Andrea Sander ins Auge. »Interessant.« Sie schlug die erste Seite auf und überflog das Inhaltsverzeichnis. Im nächsten Moment stockte ihr der Atem. »Augenblick mal! Sie wollen den Mitarbeiterzuschuss zum Fitness-Center streichen?«

»Ich will nicht. Ich muss. Ich spare dort, wo der direkte Klinikablauf nicht beeinträchtigt wird. Zum Beispiel bei den Mitarbeiterzuschüssen.«

»Sport ist wichtig, um die Gesundheit und damit auch die Leistungsfähigkeit zu erhalten«, konterte Andrea Sander. »Und nicht jeder unserer Kollegen kann sich die Beiträge für so ein Studio leisten.«

»Ich wüsste nicht, warum ich meine Entscheidungen mit Ihnen diskutieren sollte.«

Andrea dachte nicht daran, sich ins Bockshorn jagen zu lassen.

»Das ist herzlos, was Sie da vorhaben.«

Dieter Fuchs verdrehte die Augen gen Himmel. Er stützte sich mit beiden Händen auf den Schreibtisch und beugte sich zu Dr. Nordens Assistentin hinab.

Er lächelte grashalmfein.

»Liebe Frau Sander, ich verstehe Ihr Engagement für die Fitnesszuschüsse nur allzu gut, denn Ihnen schadet das Training ja sicher auch nicht.«

Andrea erwiderte sein Lächeln.

»Stimmt, und ich habe auch schon vier Kilo abgenommen.« Sie neigte den Kopf. »Könnte Ihnen übrigens auch nicht schaden. Zumal Sie ja bald Großvater werden. Für so ein Enkelkind braucht man viel Kraft und muss beweglich sein. Fragen Sie Dr. Norden.«

Wie ein Eimer Wasser eine Flamme, so erstickten Andreas Worte das Lächeln auf Dieter Fuchs’ Gesicht.

»Den Teufel werde ich tun«, fauchte er, stieß sich vom Tisch ab und stürmte aus dem Büro.

*

»Dr. Norden und sein Team geben sich wirklich sehr viel Mühe.« Sabine Müritz lehnte im Bett und sah ihrem Freund Kevin zu, wie er Jogginghose, Shirts und Unterwäsche aus der mitgebrachten Tasche in den Schrank räumte.

»Ach, Binchen …«

»Dr. Aydin hat mir schon einmal geholfen. Vielleicht bekommt er es diesmal ja auch wieder hin.«

»Aydin? Der Kerl, der dir den Hof gemacht hat, statt dich anständig zu operieren?«

Sabine lachte.

»Bist du etwa eifersüchtig?«

Kevin hängte den Bademantel auf einen Bügel und schloss die Schranktür. Er durchquerte das Zimmer und setzte sich an Sabines Bett.

»Dein Optimismus ehrt dich. Aber wenn ich mich an deine Erzählungen erinnere, waren die vergangenen Monate alles andere als ein Zuckerschlecken für dich. Die Operationen, die Schmerzen. Als ob das nicht genug wäre, läuft das Studio immer schlechter. Wenn das so weitergeht, muss ich mir einen neuen Job suchen.« Kevin winkelte den Arm an und sah auf die Uhr. »Apropos Job. Ich muss los.«

Sabine griff nach seiner Hand und hielt ihn fest.

»Ich wüsste nicht, was ich ohne dich tun sollte.« Ihre Augen waren dunkel vor Kummer. »Bitte lass mich nicht im Stich.«