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Dieser Band ist eine Zusammenfassung von Texten (Haiku, Kurzgedichten, Prosaminiaturen und Haiga) aus den Bänden »Hinterhofhitze« 2005, »offene Ferne« 2008, »mitten im Lachen« 2013 und neuen Texten bzw. Haiga bis einschließlich 2018. Ich habe bewusst auf eine Sortierung nach Themen oder Jahreszeiten verzichtet, um die unterschiedlichsten Augenblicke für sich zum Nachhall zu bringen.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 30
Veröffentlichungsjahr: 2018
Mein Dank gilt David Cobb, Kilmeny Niland, Werner und Jane Reichhold sowie Jim Furner für die Übertragung ins Englische, Jean Michel Guillaumond und Eléonore Nickolay für die Übertragung ins Französische, Ingrid Kunschke für die Übertragung ins Niederländische und Dr. Eberhard Krienke für die Übertragung ins uckermärkische Platt.
Ion Codrescu (Rumänien), Angelee Deodhar (Indien), Ramona Linke und Mary Rodning (USA) danke ich für ihre Haiga-Zusammenarbeit, Hubertus Thum für seinen Kommentar, Dr. Lydia Brüll und Stephen Addiss für ihre Informationen zum Haibun bzw. Haiga.
Ich danke Inge Börner und Irene Fischer für die redaktionelle Auswahl und die Überarbeitung des Layouts.
Für Inge
Haiku das kürzeste Gedicht der Weltliteratur
Haibun, Tanbun, Verknüpfung von Prosaminiatur und Haiku bzw. Kurzgedichten
Haiga
Der halbe Mond
November
Die Freundin
Stille
Preikestolen
Am Kopfende
Recife
Rodalquilar
November
Lerchenhimmel
Endstation
Morning glory
Daheim
Sonntagnachmittag
Lichtharfe
Barceloneta
Ku‘damm
Neujahrsmorgen
Sommerfäden
Das Haiku ist wohl die bekannteste Gedichtsform der Kurzlyrik überhaupt. Durch das Internet hat sich die Haiku-Dichtung zu der ersten Literaturgattung entwickelt und etabliert, die rund um den Erdball, in allen Kulturen und in allen Sprachen begeistert angenommen und Bestandteil der nationalen Literaturen wurde. Diese Globalisierung einer Gedichtform ist einmalig in der Literaturgeschichte.
Das Haiku ist Weltkulturerbe geworden und durch die Internationalisierung dieser Gedichtform empfängt das Haiku aus vielen Kulturen und Sprachen kreative Impulse.
Das Haiku unterscheidet sich zwar von anderen Gedichten durch seine skizzenhafte Kürze und Prägnanz, ist aber längst als poetische Strömung in die Lyrik integriert. Zeitgenössische Haiku-Autoren beschreiben neben der Beobachtung eines Naturereignisses und den Bezug zu den Jahreszeiten (kigo) - und damit zu den vier Abschnitten des Lebens - einen Augenblick des menschlichen Miteinander in der Gesamtheit unseres Seins. Sie verwenden neben den Jahreszeitenwörtern auch Schlüsselwörter und Schlüsselthemen aus ihrem kulturellen Lebensumfeld.
Die Texte eines Haiku sind grundsätzlich reimlos, zwei bis vierzeilig, werden im traditionellen und im freien Stil geschrieben und sollten soweit reduziert sein, dass es keine überflüssigen Worte mehr gibt. Vermieden wird auch jede Form von Belehrung, Vorinterpretation, erklärender Wendung oder direkter Gefühlsäußerung. Der Leser soll den Freiraum haben, in die Assoziationswelt des Autors zu treten, um dann schlaglichtartig das zu entdecken, was im Text eben nicht ausgesprochen wird. Ein japanischer Dichter hat das Haiku treffend mit einem Kreis verglichen. Das Haiku beschreibt einen konkreten Augenblick (erster Halbkreis). Aber erst durch die aktive Mitarbeit des Lesers im Nachhall wird mit dem zweiten Halbkreis der Kreis geschlossen und damit erst der Text zum Haiku. Das wird im besten Fall je nach Lebenserfahrung, emotionaler Verfasstheit oder Sozialisierung in einer ganz eigenen Assoziationswelt unterschiedlich sein.
Der Übergang zum Kurzgedicht ist fließend. Während das Gedicht von einem Worteinfall, von einem Thema oder von einer Stimmung ausgeht, geht das Haiku von einem Bild, von einem Assoziationsraum (Jahreszeitenwort, Tageszeit, soziokulturelles Schlüsselwort usw.) aus und versucht den sogenannten Haiku-Moment oder Flash beim Leser auszulösen.
