Das Elixier der Unsterblichkeit - Gabi Gleichmann - E-Book

Das Elixier der Unsterblichkeit E-Book

Gabi Gleichmann

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Beschreibung

Alles begann mit Baruch Halevi im 12. Jahrhundert. Als der Prophet Moses ihm auftrug, seinen Heimatort Espinosa zu verlassen, ging er nach Lissabon. Dort, als Leibarzt des Königs, braute der sephardische Jude ein Elixier, das unsterblich macht. Seither wird das Rezept in der Familie an den Erstgeborenen vererbt. So kommt es zu Ari, dem letzten der Spinozas, der die Geschichte seiner Familie und ihrer vielfältigen Figuren aufschreibt – ohne es mit der Wahrheit allzu genau zu nehmen. Sie reicht vom Mittelalter in Spanien über Portugal, die Niederlande Rembrandts und das Paris der Aufklärung bis ins Wien der Kaiserzeit und zu Hitler und Stalin. Ein Panorama jüdisch-europäischer Geschichte und ein herrlicher Schmöker obendrein.

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Seitenzahl: 942

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Hanser E-Book

Gabi Gleichmann

Das Elixier der Unsterblichkeit

Roman

Aus dem Norwegischenvon Kerstin Hartmannund Wolfgang Butt

Carl Hanser Verlag

Die norwegische Originalausgabe erschien 2012

unter dem Titel Udødelighetens elixir bei Aschehoug in Oslo.

Die Originalausgabe wurde in Zusammenarbeit

mit dem Autor vollständig durchgesehen.

Die Übersetzung wurde von NORLA in Oslo gefördert.

ISBN 978-3-446-24267-8

© H. Aschehoug & Co. (W. Nygaard) AS 2012

Alle Rechte der deutschen Ausgabe

© Carl Hanser Verlag München 2013

Umschlag: Peter-Andreas Hassiepen, München

Satz: Satz für Satz. Barbara Reischmann, Leutkirch

Unser gesamtes lieferbares Programm und viele andere Informationen finden Sie unter www.hanser-literaturverlage.de

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Datenkonvertierung E-Book: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Innerhalb der Geschichte der menschlichen Wesen wiederholt sich nie etwas, auch was auf den ersten Blick gleich erscheinen mag, erweist sich kaum als ähnlich; ein jeder Mensch ist ein Stern für sich, alles geschieht gleichzeitig überall und nirgendwo, alles wiederholt sich unendlich oft und bleibt unwiederholbar.

Danilo Kiš Enzyklopädie der Toten

Für meine Söhne: Marcel, Danilo, Maximillian und Felix.

Dies ist – beinahe – euer Hintergrund.

Die Zukunft liegt bei euch.

PROLOG

Lange wollten sich die Wörter nicht einfinden. Vor mir im Bett lag Mutter, stumm und in sich gekehrt, nur mit einem dünnen Nachthemd bekleidet. Ihr Blick war starr auf einen Punkt an der Decke gerichtet. Sie atmete flach, bewegte sich kaum. Ich hielt ihre Hand und wartete darauf, dass sie meine drückte, doch ihre Hand blieb kalt und leblos.

Es war ein Tag im November, vor zehn Jahren, der Himmel war hoch und blau. Ein launischer Wind wehte, und eine dünne Schicht frisch gefallenen Schnees bedeckte Oslo. Die Sonne schien, aber der Wind brachte einen Hauch von Winterkälte, und auf dem Kontinent rissen die Menschen mit bloßen Händen die Mauer nieder, die Europa jahrzehntelang geteilt hatte.

Vater hatte schon ungewöhnlich früh am Vormittag angerufen und in gemessenem Tonfall erklärt, dass Mutter in schlechter Verfassung sei und ich unter den gegebenen Umständen darauf verzichten solle, sie zu besuchen. Zunächst fühlte ich mich erleichtert.

Dass es Mutter schlechtging, dass ihre Schmerzen unerträglich waren und sie im Sterben lag, hatte ich seit fast fünfzehn Jahren täglich gehört. Was Leiden anging, war Mutter nicht gerade das, was man diskret nennt. Um ihr unablässiges und mit den Jahren immer bitterer werdendes Lamentieren auszuhalten, entwickelte ich eine leichtsinnige Strategie. Ich hörte ihr einfach nicht mehr zu. Mit der Zeit wurde ich ziemlich gleichgültig und redete mir ein, dass zu Besorgnis über ihre Gesundheit kein Grund bestehe, solange sie in der Lage war zu klagen. Ich hätte wohl etwas mehr Anteilnahme aufbringen sollen.

Im gleichen Augenblick, in dem Vater eilig hinzufügte, dass es ihr zu schlecht gehe, um ans Telefon zu kommen, erkannte ich, mit einer Stärke und Klarheit, wie ich sie viele Jahre nicht erlebt hatte, dass Mutter im Begriff war, uns zu verlassen. Erst da ging mir auf, wie schlecht ich auf diesen Moment vorbereitet war und dass ich dies bis an mein Lebensende bereuen würde.

Nicht ahnend, dass Mutter in Wahrheit nur noch eine halbe Stunde der ihr bemessenen Zeit blieb, drückte ich auf den Klingelknopf der Tür meines Elternhauses. Vater empfing mich mit trauriger Miene, die das Bedeutungsgeladene und Feierliche des Augenblicks unterstrich. Ich setzte mich ans Bett und betrachtete Mutter. Ihr Gesicht war weiß, durchsichtig, das ungekämmte Haar hing in die Stirn und gab ihr ein mädchenhaftes Aussehen.

Wer liegt dort eigentlich? Sie ist mir so vertraut, so nah, und doch so fern. Während ich Mutter beobachtete, suchte ich fieberhaft nach Bildern von ihr in meiner Erinnerung. Vergeblich. Sie war nirgendwo zu finden.

Plötzlich wurde mir klar, dass ich mich geschämt hatte, weil Mutter sich von der Welt isoliert und in ihr Schlafzimmer eingeschlossen hatte, damit niemand sie stören konnte, während sie in den finstersten Gefilden der Einbildung Umgang pflegte mit ihren Dämonen. Deshalb hatte ich sie sorgfältig verstoßen und selbst die liebsten Erinnerungen an sie verdrängt. Entsetzen überkam mich angesichts meiner Ichbezogenheit, und ich wollte mit ihr reden, offen reden über Dinge, die nie ausgesprochen worden waren. Aber so sehr ich mich auch mühte, die Wörter versagten mir den Dienst.

Vater stand reglos und steif da. Dann schlich er schnell hinaus in die Küche, um in einer alltäglichen Beschäftigung vorübergehend Linderung zu finden.

Im Schlafzimmer herrschte ein einfältiges Schweigen. Beschämt und vom Ernst des Augenblicks ergriffen, wollte ich Mutter trösten. Zärtlich streichelte ich ihre Wangen, war aber unfähig, etwas zu sagen.

Stattdessen ergriff Mutter das Wort. Langsam öffnete sie den Mund und murmelte, dies sei der schlimmste Tag ihres Lebens gewesen. Der 12. Dezember 1944. Dann sagte sie, immer noch kaum hörbar, etwas von einem gewissen Lipot, dem frommsten aller Jungen, die sich im Haus versteckten und den die Deutschen an diesem Tag brutal ermordet hatten. Seine Leiche lag zwei Wochen auf der Straße, bevor die Freunde es im Schutz der Dunkelheit wagten, sie zum jüdischen Friedhof zu bringen. Mutter sprach verworren und unzusammenhängend. Ich lauschte aufmerksam. Ihre Stimme wurde immer schwächer.

»Wie konnte Gott das zulassen«, seufzte sie. »Du musst der Welt davon erzählen, du musst alles erzählen.«

Ich spürte eine Verpflichtung und versprach ihr, eines Tages von dem abgesonderten kleinen Universum zu berichten, das unsere Heimstatt auf Erden war. Aber Mutter hörte nicht zu. Sie war schon aufgebrochen, hinaus aus dem Leben, sie schwebte mit einem ergebenen Lächeln davon und ließ sich von einer Leere verschlingen.

1. DIE QUELLEN

DER ERZÄHLER

Zuerst ein paar Worte über meinen Großonkel, den Freudenspender unserer frühen Kindheit. Es gibt so viel über ihn zu sagen, dass ich nicht annähernd alles im Kopf behalten kann, denn das Thema ist so umfassend, dass es die Grenzen meiner Erinnerung und meines Verstandes bei weitem überschreitet. Wenn ich also jetzt versuche, von ihm zu erzählen, wird es höchst unvollständig sein.

Wir verehrten ihn, als mein Zwillingsbruder Sasha und ich klein waren. Wenn wir am Küchentisch saßen und ich ihn ansah, kam es mir manchmal so vor, als wäre die ganze Welt nicht groß genug, um meiner Bewunderung Raum zu geben. Er lehrte uns all das über unsere Familie, was wir als Kinder nicht wussten und auch nicht wissen konnten, und weihte uns in die unzähligen Geheimnisse ein, in die er selbst von jenseits des Grabes Einsicht gewonnen hatte. Er war ein fabelhafter Erzähler. Mit seinen die Phantasie beflügelnden Anekdoten, von denen er über ein unerschöpfliches Arsenal zu verfügen schien, nährte er unsere Faszination und brachte uns ständig zum Lachen. Wann immer er auftauchte, stets unangemeldet, verwandelte sich unser Alltag in ein Fest, und Sasha und ich, die wir uns sonst immer in den Haaren lagen, schlossen eine Art Waffenruhe.

Alle nannten ihn Fernando, und sie sprachen es aus, als wäre er ein spanischer Herzog. Alle außer Großmutter, die ihn schlicht und einfach Franci nannte. Sein wirklicher Name war Franz Scharf.

Großmutter hasste Fernando mit unauslöschlicher Glut. Warum das so war, vermochte ich damals nicht zu ergründen – erst viel später wurde es mir klar. Die Ursache des Konflikts verlor sich in einem mystischen Dunkel. Möglicherweise hatte Großmutter sie selbst vergessen. Dennoch war sie unversöhnlich, und sie machte nie ein Hehl aus ihren Gefühlen. Sie warf ihm zwar nichts direkt Ehrenrühriges oder Bösartiges vor, doch ließ sie keine Gelegenheit aus, triumphierend darauf hinzuweisen, dass er kein richtiger Verwandter, sondern nur mit einer ihrer zahlreichen Cousinen verheiratet gewesen war, noch dazu mit der unsympathischsten.

Dass mein Großonkel eine enge Beziehung zu uns hatte, lag an seinem einsamen Dasein. Seine Frau und seine beiden Töchter, die halbwüchsigen Zwillinge Anci und Manci, waren in den hohen Schornsteinen von Auschwitz in Rauch aufgegangen.

»Das ist sehr traurig«, sagte er eines Tages und suchte unseren Blick. »Aber so ist es.«

Es war der 24. Oktober, ich weiß es noch genau. Herbstbleiche Sonnenstrahlen fielen durch die Gardine. Aber plötzlich färbte sich der helle Himmel schwarz. Mein Großonkel räusperte sich und begann zu weinen. Die Luft in der Wohnung war geschwängert vom Geruch angebrannter Suppe, eine von Großmutters Spezialitäten. Fernandos Tränen waren nicht aufzuhalten. Seine Schultern bebten und seine Augen röteten sich. An diesem Tag hätten seine Töchter Geburtstag gehabt. Er öffnete den Mund, um zu sprechen, bekam aber einen Hustenanfall, sodass seine Worte auseinanderbrachen und in der Luft zerstoben.

Mehr äußerte er hierüber nie. Aber mein Zwillingsbruder Sasha und ich hatten verstanden.

Ein andermal erzählte er, langsam und beinahe flüsternd, dass er sein ganzes Leben eine Frau geliebt habe, eine einzige Frau, mehr als alles andere. Dass es nicht seine eigene Frau gewesen sein konnte, begriffen wir sogleich, denn nach einigen Sekunden fügte er hinzu: »Und sie war genau die, die ich nicht bekommen konnte. Für mich wäre ihre Liebe genug gewesen.«

Die Küchentür stand offen, und mein Großonkel warf verstohlene Blicke zu Großmutter hin, die am Herd stand und mit sich selbst redete. Aus irgendeinem Grund musste ich grinsen. Vielleicht verstand ich intuitiv, dass dies seine Art war, uns in verdeckten Worten anzudeuten, was er in seinem Herzen trug.

»Mein liebes Kind, lach nicht, sie zu lieben ist das einzig Gute, was ich je getan habe. Du findest es sicher seltsam, dass ein alter Mann wie ich Leidenschaft empfinden kann. Aber wenn alles andere abnimmt, nachgibt und sich verflüchtigt, hart bedrängt und schließlich besiegt vom erbarmungslosen Ansturm der Zeit, dann brennt die Flamme der Liebe weiter bis zum Tod.«

Obwohl meinen Großonkel keine Blutsverwandtschaft mit uns verband, wusste er alles, selbst über unsere entferntesten Vorfahren. Er maß der Vergangenheit größtes Gewicht bei. In seinen Augen war sie der wesentlichste Aspekt des Daseins. Manchmal, wenn er uns von unseren mittelalterlichen Vorfahren erzählte, betrachtete er uns stolz, strich uns übers Haar und seufzte mit einem in die Ferne gerichteten Lächeln. Aber es kam auch vor, dass er verärgert war, weil mein Zwillingsbruder Sasha und ich so wenig über unsere eigene Geschichte wussten. Ich erinnere mich besonders an eine Gelegenheit, als er ausgesprochen empört war darüber – ja, er betrachtete es als eine ausgeklügelte Bosheit unsererseits –, dass wir nicht bis in alle Einzelheiten vertraut waren mit dem traurigen Schicksal unserer entlegenen Verwandten Shoshana Spinoza; sie war, wenngleich erst ein aufblühendes junges Mädchen, als sie starb, eine der bahnbrechenden Erfinderinnen in der Geschichte der Physik.

Manchmal habe ich den Verdacht, dass mein Großonkel, der seine Zwillingstöchter im Krieg verloren hatte, den unbewussten Wunsch hegte, Sasha und ich würden mit der Geschichte abrechnen. Vor allem glaube ich, dass er der Meinung war, unser familiäres Milieu könnte uns zu schwachen, ängstlichen, unentschlossenen und bedrückten Menschen machen, sodass er seinen Einfluss auf unsere Gemüter dahin gehend nutzen wollte, uns in eine ganz andere Richtung zu lenken, uns Lebensmut, Tatkraft und Eroberungslust einzuflößen.

Fernando war jederzeit bereit, unserem Unwissen abzuhelfen und irgendeinen Verwandten vor dem Vergessen zu retten, indem er aus uns unbekannten Dokumenten zitierte oder uns Geheimnisse anvertraute, die in den dunkelsten Winkeln der Vergangenheit verborgen waren und die ein wohlwollender Geist ihm aus einer anderen Sphäre zugeflüstert hatte. Die Worte meines Großonkels fielen auf fruchtbaren Boden, weder Sasha noch ich reagierten jemals mit Skepsis auf seine Familienchroniken. Als Erzähler war er unwiderstehlich. Wir saßen da mit offenem Mund, erfüllt von Stolz und Bewunderung über die märchenhafte Welt, die er um sich her zum Leben erweckte.

Ich selbst war so begeistert von den Geschichten meines Großonkels, dass ich sie auswendig lernte. Manchmal, wenn er sich in einem Detail oder einem Datum irrte, konnte ich ihn sogar verbessern.

Nur Großmutter, die zuweilen vor sich hin murmelte, dass sie Fernando seit langem durchschaut habe, konnte die Zuverlässigkeit seiner historischen Quellen in Frage stellen. Wenn sie ihn manchmal, nach Sashas und meinem Dafürhalten überaus taktlos, nach diversen Sachverhalten ausfragte, wurde er häufig verlegen. Er saß dann nur schweigend mit gesenktem Blick und einem etwas schuldbewussten Lächeln da.

Doch sobald Großmutter das Zimmer verließ, nahm sein Gesicht wieder glückliche und entspannte Züge an und zeigte keine Spur von Bedrücktheit. Er bat uns dann, etwas näher zu rücken, und sagte vertraulich: »Die Wirklichkeit übertrifft die Phantasie. Wenn man weiß, was geschehen ist, braucht man keine Geschichten zu erfinden. Außerdem ist es leichter, einen Lügner einzuholen als einen lahmen Hund.«

DER SPIRITISMUS

Am meisten faszinierte es uns, wenn mein Großonkel, zuweilen erst auf dringliche Bitten und immer unendlich geheimnisvoll, uns offenbarte, wie er als Mitglied einer spiritistischen Gesellschaft durch ein erfahrenes Medium regelmäßig Kontakt mit den Toten aufnahm. Die Gesellschaft nannte sich Ad Astra, und die Sitzungen wurden jeden zweiten Mittwochabend in der Wohnung von Adalbert Nagyszenti abgehalten, einem freudianischen Psychoanalytiker, der aufgrund seines bürgerlichen Hintergrunds und seiner politischen Einstellung vier Jahre in einem stalinistischen Umerziehungslager im nordöstlichen Ungarn interniert gewesen war. Anschließend hatte man ihm Berufsverbot erteilt, sodass er sich jetzt als Nachtwächter eines Schrottlagers in einem schäbigen Arbeitervorort durchschlug. Hier trafen sich die vorurteilsfreisten und phantasievollsten Köpfe Budapests. Die Teilnehmer saßen um einen runden Tisch in einem Saal mit vorgezogenen Gardinen und ohne Spiegel. Die Zusammenkünfte wurden bei flackerndem Kerzenlicht mit der Lesung geheimer Texte auf Lateinisch eröffnet, was angeblich die Empfänglichkeit der Teilnehmer für spirituelle Erfahrungen förderte. Nach diesen Vorbereitungen fiel das Medium, eine blasse, magersüchtige Frau in gehobenem mittlerem Alter, in Trance und vermittelte den Kontakt mit der Geisterwelt.

Mein Großonkel hatte von Ad Astra zum ersten Mal bei Doktor Kisházy reden hören, einem ebenso liebenswürdigen wie skrupellosen praktischen Arzt, der seinen dürftigen kommunalen Lohn dadurch aufbesserte, dass er gegen saftige Bezahlung alle möglichen Pillen verschrieb, um die die Patienten ihn baten. Es störte ihn nicht, dass diese Medikamente auch gefährlich sein konnten. Denn er lebte in der unerschütterlichen Überzeugung, dass die Menschheit die Welt nicht durch die Abschaffung von Krankheiten bereichern würde, sondern nur dadurch, dass sie das Problem der zunehmenden Überbevölkerung zu lösen versuchte. So war Doktor Kisházy nicht unbedingt ein Sinnbild von Mitgefühl mit den Schwerkranken. Dagegen konnten ihm angesichts einiger Strophen Dantes Tränen in die Augen treten, und vor einem guten Glas Tokaier zerfloss sein Gesicht in Glückseligkeit. Er machte kein Hehl daraus, dass ihm weiße Weine mehr am Herzen lagen als die Gesundheit seiner Patienten, und er konnte mit verbundenen Augen schon nach dem ersten Schluck jeden Riesling aus dem Siófok-Gebiet erkennen.

Aus einem unbekannten Grund hielt mein Großonkel große Stücke auf Doktor Kisházy und war ihm für jeden Rat dankbar. Er vertraute ihm an, dass seine Gedanken in letzter Zeit immer häufiger um den Tod seiner armen Töchter kreisten, was zum Teil darauf zurückzuführen war, dass es ihm schon immer schwergefallen war, sich mit der launischen Ungerechtigkeit abzufinden, die das Leben mancher Menschen so kurz macht und sie hinwegrafft, bevor sie aufgeblüht sind. Er erzählte ihm auch, dass die starken Beruhigungspillen, die er seit Jahren nahm, seine inneren Dämonen nicht mehr in Schach halten konnten und dass er jede Nacht Albträume hatte – meistens sah er seine Töchter bei lebendigem Leib in einem Krematoriumsofen brennen. Ein düsterer mentaler Zustand werde durch noch stärkere Pillen auf keinen Fall erträglicher, konstatierte der Arzt und schlug ihm einen Besuch bei der spiritistischen Gesellschaft vor, die von seinem Schwager geleitet wurde. Ein direkter Kontakt mit den toten Mädchen könnte Fernandos trauerndes Herz dazu bringen, sich aus seiner eingesunkenen Brust zu befreien und frei wie das Herbstlaub über Budapests Boulevards zu schweben. Er versprach, einen Empfehlungsbrief zu schreiben. Zunächst verhielt mein Großonkel sich abweisend, denn er glaubte nicht an die Geisterwelt und sah keinen Anlass zum Besuch der spiritistischen Gesellschaft. Aber die Albträume verschwanden nicht und er sehnte sich danach zu wissen, was mit seinen Töchtern geschehen war.

Eines Mittwochabends lenkte mein Großonkel ein wenig widerwillig seine Schritte zur Wohnung von Adalbert Nagyszenti. Der Psychoanalytiker empfing ihn in einem Schottenmusteranzug und bat ihn sogleich in einen angrenzenden Raum, in dem fünf Personen um einen runden Tisch saßen. Er wurde neben dem Medium plaziert, das sich offenbar in Trance befand und ein unverständliches Kauderwelsch von sich gab. Die Séance war anscheinend schon einige Zeit im Gange. Im Halbdunkel konnte Fernando die Gesichter der anderen Teilnehmer kaum erkennen. Aber er begriff rasch, dass der distinguierte ältere Herr, der ihm gegenübersaß, Kontakt zu seinem einzigen Sohn zu erlangen suchte, von dem er fürchtete, er sei irgendwann Ende der vierziger Jahre in einem Arbeitslager in Nordsibirien ums Leben gekommen. Fernando wusste nur allzu gut, was Kolyma war, was Leiden war, was der Tod war. Er bekam einen Magenkrampf, als er den Namen Josef Stalin hörte. Danach senkte sich Schweigen über den Raum. Der Hausherr fragte nach ein paar Minuten mit gedämpfter Stimme, mit wem mein Großonkel in Kontakt zu kommen wünsche. Fernando flüsterte, es seien seine Töchter, ohne aber ihre Namen zu nennen. Das Medium versank noch tiefer in Trance und schnippte rhythmisch mit den knöchernen Fingern, um die dienstwilligen Geister um Beistand zu bitten, die Töchter des Gastes auf der anderen Seite zu finden. Die Frau wiederholte ihre Bitte mehrere Male. Doch so sehr sie es auch versuchte, es gelang ihr nicht, einen Kontakt herzustellen. Nachdem eine halbe Stunde vergangen war, konnte das Ergebnis nicht niederschmetternder sein. Das bekräftigte den Verdacht meines Großonkels, es handle sich beim Spiritismus einzig darum, durch geschickte Manipulationen leichtgläubigen armen Teufeln weiszumachen, sie könnten mit ihren lieben Dahingeschiedenen sprechen. Er wollte schon aufgeben und die Séance verlassen, als hinter ihm eine schwache, entfernte Stimme vernehmbar wurde: »Anci und Manci sind beschäftigt.« Fernando verzog keine Miene, denn er war überzeugt, es sei ein simpler Trick. Die anderen im Raum waren verblüfft, und auch das erfahrene Medium machte große Augen.

Dann fuhr die Stimme fort: »Die Mädchen sind beschäftigt, sie lesen Kapitän Nemos Abenteuer. Aber sie lassen ihren Vater grüßen. Ich bin Shoshana Spinoza. Wenn der Vater der Mädchen mehr über das Dasein auf der anderen Seite erfahren will, beantworte ich seine Fragen gern bei der nächsten Zusammenkunft.«

Meinem Großonkel fiel die Kinnlade herunter. Dies war bemerkenswert. Mehr als bemerkenswert. Es konnte sich nicht um einen Trick handeln. Er sah ein, dass sein Verdacht gegen die Spiritisten übertrieben gewesen war. Denn niemand im Raum kannte die Namen der Mädchen oder wusste, dass das letzte Geburtstagsgeschenk, das sie von ihm erhalten hatten, Jules Vernes Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer war. Dies war also eine klare und exakte Botschaft. Es gab wirklich Kontakt mit der anderen Seite.

Nach dem Besuch bei der Gesellschaft Ad Astra ging Fernando nach Hause. Es schlug zwölf Uhr, als er seine kleine Wohnung betrat. Er setzte sich auf das ungemachte Bett und konnte nicht aufhören, an Shoshana Spinoza und das, was sie aus der Geisterwelt mitgeteilt hatte, zu denken. Als er sich schließlich vorbeugte, um die Schuhe auszuziehen, fiel sein Blick auf eine Zeitung, die unter dem Bett lag. Er hob sie auf und erstarrte. Das konnte nicht wahr sein. Der Artikel auf der Seite, die er vor sich hatte, handelte von der Jungfernfahrt des amerikanischen Atom-U-Boots Nautilus zum Nordpol und war von einer Journalistin namens Hannah Sós-Szipoa verfasst. Mein Großvater erfasste in Sekundenschnelle, dass Hannah Sós-Szipoa ein Anagramm von Shoshana Spinoza war. Er spürte, wie ihm die Zeitung aus den Händen glitt und wie hinter ihm jemand schwer atmete. Einen Augenblick lang fuhr ihm der Schreck in die Glieder, er zitterte am ganzen Körper und wagte nicht, sich umzudrehen, nicht weil er fürchtete, ihm könnte Schlimmes widerfahren, sondern weil er meinte, allmählich wahnsinnig zu werden. Aber ebenso plötzlich erkannte er, dass er nicht vom Wahnsinn befallen war, sondern dass ihn die Vorahnung von einer neuen Welt überkommen hatte, einer jenseitigen Welt, gegen die seine Vernunft sich lange gesträubt hatte, einer Welt, in der er ein anderer Mensch werden würde, nicht in dem Sinne, dass ein neues Wesen aus seinem Inneren hervorgehen würde, wie ein Schmetterling aus der Larve, sondern dass er, um die Gesetze der neuen Welt zu verstehen, das Dasein mit anderen Augen betrachten musste.

So hielt das Mystische Einzug in Fernandos Leben. Er war so ergriffen von seinen Erlebnissen an diesem Abend, dass er, der geborene Skeptiker, mit den Lehren des dialektischen Materialismus vertraut, an die Unsterblichkeit der Seele und die Fähigkeit des Menschen, nach dem Tod zu kommunizieren, zu glauben begann. Und überall, nicht nur zu Hause bei uns, sondern in Parks, wo Leute Schach spielten, in Bussen und in der U-Bahn, in Doktor Kisházys Wartezimmer, überall fand mein Großonkel willige Opfer, die seinen leidenschaftlichen und wortmächtigen Darlegungen über das Leben auf der anderen Seite des Grabes zuhören mussten.

Shoshana Spinoza erzählte viel mehr über unsere Familie und unsere Vorväter als über die Töchter meines Großonkels. Sie enthüllte Fernando auch verblüffende Dinge über den Ursprung des Universums und Götter, die am Anbeginn der Zeiten lebten. Sie sprach von der Zeit, als die Erde noch wüst und leer war, beschrieb bis ins Detail die sechs Welten, die untergingen, bevor unsere Welt geschaffen wurde, die siebte, letzte und vollkommene. Sie erklärte auch die Zahl Sieben, die heiligste und geheimnisvollste aller Zahlen, ihre Mystik und Kraft als Auswirkung der Ordnung in der Schöpfungsfolge. In unserem eigenen Universum, erzählte sie, sei alles nach dem Prinzip der Sieben geordnet: die Tage, die Farben, die Himmelssphären, die Engel, die Liebe.

Die Auskünfte, die mein Großonkel uns über Shoshanas Botschaften vermittelte, waren nicht selten ein wenig widersprüchlich. Dies hänge damit zusammen, erklärte er uns, nachdem Großmutter ihn zur Rede gestellt hatte, dass es ihm versagt sei, alles, was er wisse, zu enthüllen. Denn er habe eine Art Schweigegelöbnis abgelegt, als er Mitglied in der spiritistischen Gesellschaft wurde. Aber alle Geschichten, die unsere ferne Verwandte Shoshana Spinoza betrafen, so schwer verständlich sie auch sein mochten, schlugen uns in ihren Bann.

DAS RÄTSEL DER EWIGEN WIEDERKEHR

Mein erstes mystisches Erlebnis hängt mit Shoshana Spinoza zusammen. Eines Mittwochabends, ich war sechs Jahre alt und es waren noch sieben Tage bis Heiligabend, oder ich war sieben Jahre alt und es waren noch sechs Tage bis zu den Weihnachtsgeschenken, eins von beiden, egal, eines Mittwochabends weihte Shoshana Spinoza in den Räumen der spiritistischen Gesellschaft meinen Onkel in das Rätsel der ewigen Wiederkehr ein. Es fiel ihm schwer, seinen Eifer zu bändigen, und schon am nächsten Nachmittag enthüllte er uns das Rätsel. Er genoss es maßlos, davon zu erzählen. Außer Großmutter, die nur ein zerstreutes Interesse zeigte, waren alle hingerissen, ich auch, selbst wenn ich nicht viel begriff, weil ich klein war, außerdem verstand ich nicht so gut Deutsch, und ich glaube mich zu erinnern, dass Fernando von der ewigen Wiederkehr auf Deutsch erzählte, denn wenn er aufgeregt war, sprach er zuweilen Deutsch. Aber ich stellte keine Fragen, ich lächelte nur und war entzückt.

Später hörten wir meinen Großonkel noch oft von diesem Rätsel reden. Er erzählte gern davon und immer mit der gleichen Begeisterung, als wäre es das erste Mal.

Was ist denn das Rätsel der ewigen Wiederkehr?

»Nietzsche hatte unrecht«, erklärte Fernando, »denn er dachte, dass sich alles eines Tages wiederholt, wie wir es erlebt haben, und dass es so weitergeht bis in alle Ewigkeit. Das würde bedeuten, dass Hitler und Stalin stets aufs Neue auf der Bühne der Geschichte erschienen und unschuldige Menschen ermordeten. Aber Shoshana stellt das Rätsel der ewigen Wiederkehr in einen ganz anderen Zusammenhang. Sie sagt, dass der Mensch in einem vollendeten Universum immer die Möglichkeit zu einem neuen Leben bekommt, das wir nicht danach gestalten können, wie unsere früheren Leben gewesen sind, sondern so, wie sie hätten sein sollen. Deshalb kehrt der Mensch auf die Erde zurück und erhält die Möglichkeit zu neuen Lebensläufen, mal in dem einen, mal in dem anderen Körper. Alle leben mit anderen Worten mehrere verschiedene Menschenleben.«

Glaubte ich das?

Selbstverständlich. Zwar hatte ich keine Ahnung, wer dieser Nietzsche war oder was er behauptet hatte. Aber jedes Wort aus dem Mund meines Onkels war Wahrheit für mich. Es kam mir nie in den Sinn, auch nur das geringste Detail in Frage zu stellen. Er war das männliche Vorbild, das mir in meiner frühen Kindheit die wertvollsten Einsichten vermittelt hatte.

Und wer kann im Übrigen beweisen, dass Nietzsche recht hatte und dass das Rätsel der ewigen Wiederkehr nicht das Gleiche ist wie das Reinkarnationsprinzip?

PISS-BARUCH

Nachdem er uns das Rätsel der ewigen Wiederkehr erklärt hatte, wandte mein Großonkel sich mir zu und legte mir die Hand auf die Stirn. Seine Stimme war heiser vor Erregung, als er sagte, Shoshana Spinoza habe angedeutet, dass ich in einem früheren Leben unser Urahn Baruch gewesen sei. Mein Bruder Sasha hörte aufmerksam zu. Ich sah sofort, dass er neidisch war. Er war immer neidisch auf mich, als wir klein waren. Denn obwohl wir Zwillinge waren und uns vom Aussehen her glichen wie zwei Beeren, waren wir sehr verschieden und aufgrund dieser Verschiedenheit anfänglich eine Plage und später eine wahre Gefahr füreinander.

Vielleicht waren Fernandos Worte nichts als Phantasien. Aber seine überzeugende Ausdrucksweise und der einnehmende Klang seiner Stimme verursachten mir ein wohliges Gefühl im ganzen Körper. Meine Knie begannen zu zittern und ich hatte ein mystisches Erlebnis. Ich meinte, plötzlich schwerelos zu sein und Baruch in meinem Gewebe, in meinem Blut und in meinem Gehirn zu spüren.

Später in der Nacht, im Traum, war ich unser Urahn Baruch und schwang König Alfonso Henriques’ schweres Schwert auf dem Schlachtfeld in Galicien. Ich verbreitete Schrecken unter den Soldaten des Feindes, sie lagen auf den Knien und flehten zitternd um Gnade. Stolze portugiesische Ritter bewunderten mich für meine Stärke, und ich genoss die Süße des Triumphs. Eine warme Woge überspülte mich.

Ich schlug die Augen auf und entdeckte, dass ich ins Bett gepinkelt hatte. Ich bekam Herzklopfen und schämte mich. Auch Sasha wurde wach. Er machte das Licht an und sah, dass das Bett nass war. Er wurde wütend, nannte mich Piss-Baruch, Hurensohn, Dreckschwein und Arschloch. Dann spuckte er mir ins Gesicht. Während der weiße Schleim seiner Spucke langsam an meiner linken Backe hinabglitt, drohte Sasha damit, mir eine Tracht Prügel zu verpassen, weil ich auch seinen Teil des Bettes nass gemacht hatte. Auch würde er allen, die er kannte, erzählen, dass ich mich vollgepinkelt hätte. Keiner meiner Freunde würde jemals noch Lust haben, mit mir zu spielen. Ich fühlte mich schrecklich gedemütigt.

Dieser Augenblick hat sich für immer in mein Gedächtnis eingeätzt. Ich kann noch Sashas Beleidigungen in meinen Ohren hören, ich höre sie klar und deutlich, und ich sehe sein höhnisches Gesicht. Mein Bruder hat nie verstanden, welche Macht seine Worte über mich hatten. Noch Jahre später quälte mich der grauenvolle Gedanke, dass Sasha kränkend, verurteilend und herabsetzend über mich reden könnte und ich meine Freunde verlieren und als Außenseiter enden würde, für immer zur Einsamkeit verdammt.

Ich bebe noch jetzt, während ich diese Zeilen schreibe.

DER MORD AN KENNEDY

Großmutter quälte Großvater ständig mit Fragen. Die gewöhnlichste war, ob er ihr überhaupt zuhöre und sich etwas mache aus dem, was sie zu sagen habe. Großvater konnte Großmutter nicht leiden. Er hatte sie in ihrer ganzen fünfundvierzig Jahre dauernden Ehe nicht leiden können, und es hatte nicht die geringste Stunde des Glücks gegeben. Für ihn waren er und seine Frau zwei lebenslänglich Gefangene, aneinandergekettet im Fegefeuer. Er grübelte viel über den kurzen Rausch der himmelstürmenden Liebe nach. Wenn er nun dieses schöne Mädchen im rot gepunkteten Kleid auf jener Bootsfahrt auf der Donau an einem warmen Sonntag im Sommer 1918 nicht getroffen hätte – wie viele triste Streitereien, wie viele traurige Augenblicke, wie viele herabsetzende Worte wären ihm erspart geblieben. Deshalb antwortete er immer, kratzbürstig wie ein alter Schrubber, dass es ihm egal sei, was sie zu sagen habe. Großmutter war jedoch nicht bereit, sich damit abzufinden. Da sie einer Familie von Dickköpfen entstammte, denen zu widersprechen sich nicht lohnte, wiederholte sie ihre Frage unaufhörlich. Ihr Geplapper ging ihm auf die Nerven. Somit war Großmutter für Großvater tagtäglich eine Quelle der Qual und Irritation.

Wo befanden Sie sich, als Kennedy ermordet wurde? Es gibt wohl kaum einen Menschen, der im November 1963 älter als zehn Jahre war und heute nicht weiß, was er gerade tat, als er die Nachricht vom Tod des amerikanischen Präsidenten hörte.

Ich selbst war im Schlafzimmer, saß auf einem Stuhl neben Großvater. Er lag im Bett, denn er hatte Schmerzen in der Brust. Wir hörten Radio. Die Wiener Symphoniker unter der Leitung von Willi Boskovsky spielten Ungarische Rhapsodien von Franz Liszt. Plötzlich wurde die Sendung von der dramatischen Nachricht aus Dallas unterbrochen.

Für mich hatte der Mord am Präsidenten der USA keine Bedeutung, aber in Großvaters erstauntem Blick blitzte ein Funke offener Angst auf. Er fasste sich an die Brust.

»Hast du Schmerzen, Großvater?«, fragte ich. »Tut dir etwas weh?«

»Das Leben«, antwortete er, ohne zu zögern.

Einige Monate später diskutierte ich mit meinem Großonkel über die Sache. Er wies den Gedanken zurück, dass Großvater der Mord an Kennedy nahegegangen sei – sie kannten sich ja nicht.

Stattdessen hielt er mir einen inspirierten und mitreißenden Vortrag darüber, wie man aus der Lebenslinie der Hand das Schicksal eines Menschen ablesen kann, ebenso das Schicksal der Familie, denn alles ist in der Handfläche eingeschrieben, klar und deutlich. Dies sei eine ganze Wissenschaft, behauptete er, deren Bedeutung und deren Möglichkeiten, die Zukunft vorherzusagen, immer mehr zunehme.

Großvater habe also im gleichen Augenblick, in dem das Radio die Nachricht vom Mord an Kennedy brachte, in einer der Linien seiner Handfläche den Tag und die Stunde seines eigenen Todes gesehen.

»Aber nicht die Vorahnung seines herannahenden Todes hat ihn niedergeschlagen gemacht«, erklärte Fernando, »sondern das Erschrecken darüber, dass das Leben keinen Sinn hat, wenn es so ist, dass zugleich mit dem vergänglichen Staub des Körpers auch die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft sterben, das Bewusstsein und die Intuition, all das, was das innerste Wesen des Menschen ausmacht.«

UTOPIEN UND FAMILIENERBE

Obwohl Großvater und das Leben sich selten einig waren, hatte er nicht die Gewohnheit, sich zu beklagen. Doch war seine Sicht des Daseins alles andere als heiter. Hinter seinen Worten tat sich zuweilen ein Weltbild auf, das nachtschwarz und angsterfüllt war wie bei Kafka oder Beckett.

»Die schönsten Utopien«, so pflegte er seine Lebenserfahrung zusammenzufassen, »sollten am besten auf dem Reißbrett bleiben. Einmal verwirklicht, haben sie die unglückselige Tendenz, sich schnell in ihr Gegenteil zu verkehren.«

Aber Großvater fand es unwürdig, sich selbst zu bemitleiden. »Jeder Idiot«, pflegte er zu sagen, »ist in der Lage, sich unglücklich zu fühlen.«

Nur ein einziges Mal hörte ich ihn über sein Los klagen, und zwar als das Radio an jenem kühlen Novembertag, an dem das Gehirn des amerikanischen Präsidenten im Schoß seiner Ehefrau Jackie landete, wieder Liszts Ungarische Rhapsodien zu spielen begann. Er stand vom Bett auf, rückte das Bruchband zurecht, ging zum Kleiderschrank und holte einen mitgenommenen Koffer heraus, der mit handgeschriebenen Texten und alten Dokumenten gefüllt war. Dann sagte er wie nebenbei, er wünsche, dass ich sie später lesen solle. Ich glaube, er meinte, nach seinem Tod. Großvaters Worte waren geprägt von einer vorgetäuschten Gleichgültigkeit, um seine Trauer zu verbergen, als er hinzufügte, er bedauere viele Entscheidungen, die er in seinem Leben getroffen habe, aber Enttäuschung empfinde er nur darüber, nicht mit der großen Nase seines Vaters ausgestattet gewesen zu sein.

Eine unmäßig große Nase vererbte sich in unserer Familie und offenbarte sich bei einem Mitglied in jeder Generation. Obwohl die Nase geradezu entstellend war, schienen die Kinder, die damit geboren wurden, Günstlinge des Schicksals zu sein. Sie waren immer ungewöhnlich glückhaft und erfolgreich in allem, was sie unternahmen. Die Nase brachte ihrem Träger Glück. Aber sonderbarerweise erlitten alle einen tragischen Tod.

DAS TESTAMENT

Eine Woche nach Großvaters Tod versammelte sich die gesamte Familie bei uns zu Hause zur Testamentseröffnung. Es war das erste Mal seit vielen Jahren, dass alle zusammenkamen. Vater und Tante Ilona, seine Schwester, lagen im Streit miteinander, und sie hatte zwischen sich und dem Rest der Familie einen unüberwindlichen Graben ausgehoben. Vaters Bruder, Onkel Carlo, war während des Volksaufstands 1956 aus Ungarn geflohen – als bewaffnete Banden auf der Jagd nach Kommunisten auf den Straßen wüteten und Gewalt und Blutvergießen für die Bewohner Budapests etwas Alltägliches wurden –, denn er fürchtete, im Menschengewimmel erkannt und vom rachelüsternen Pöbel gelyncht zu werden, weil er AVH-Mann gewesen war, ja mehr als das, hoher Offizier beim Staatssicherheitsdienst, und gefoltert und mit seinen bloßen Händen Menschen umgebracht hatte, die das Rákosiregime als Faschisten und Kriegsverbrecher abgestempelt hatte.

Die Stimmung bei uns war ausgelassen. Es glich mehr einer Kindstaufe als einer Gedenkstunde für ein liebes Familienmitglied. Mutter servierte Kaffee und Gebäck aus der Konditorei Gerbeaud. Alle waren begeistert über den Luxus, den es bedeutete, in einer von Entbehrung beherrschten Zeit dieses köstliche und teure Gebäck zu essen.

Der Konditor musste sich an diesem Tag selbst übertroffen haben, denn Onkel Carlo, der in Wien lebte und das Original in der Konditorei Sacher genießen konnte, erklärte mit der Überzeugungskraft des selbsternannten Connaisseurs, Gerbeaud stelle die beste Sachertorte der Welt her. Und er fügte hinzu, welcher Trost es ihm sei, dass die Kommunisten, denen es gelungen sei, das Land gründlich zu ruinieren, es nicht geschafft hätten, die berühmte ungarische Konditoreitradition zu zerstören. Alle lachten – außer Großmutter, die für den Humor ihres jüngsten Sohnes nie viel übriggehabt hatte. Wir Kinder lachten auch, obwohl wir keine Vergleichsmöglichkeit hatten. Süßigkeiten gab es bei uns zu Hause selten. Es war das zweite Mal, dass ich das Glück hatte, Gerbeauds himmlisch gute und höllisch teure Kuchen zu kosten.

Die ausgelassene Stimmung wurde angespannt, als es Zeit wurde, Großvaters Letzten Willen zu hören. Alle starrten auf Vater, den neuen Paterfamilias, als er langsam den Umschlag öffnete, der das Testament enthielt. Dann und wann drehten Tante Ilona und Onkel Carlo die Köpfe und schielten zu Großmutter hinüber, die ganz hinten im Zimmer saß. Sie wirkte nervös. Sie schnaubte nur zu allem und zeigte offen ihr Missvergnügen mit der Zusammenkunft. Wahrscheinlich war sie von den Umständen – dass Großvater Vater ohne ihr Wissen ein Testament zur Aufbewahrung übergeben hatte – überrumpelt worden.

Alles stand da, auf einem vergilbten Papier aufgezeichnet, wer was aus Großvaters dürftiger Hinterlassenschaft erben sollte, ferner seine Wünsche die Beerdigung betreffend. Das Testament umfasste sechs Zeilen und ein kurzes Postskriptum, in dem er sich dafür entschuldigte, so wenig hinterlassen zu haben.

Kleider und Schuhe sollten verbrannt werden. Die Armbanduhr, das einzig Wertvolle, das er besaß, fiel meinem Bruder Sasha zu. Den abgewetzten, mit allerlei Papieren gefüllten Koffer hinterließ er mir. Den Ehering, hieß es, habe er Großmutter oft zurückgeben wollen. Jetzt bekam sie ihn endlich. Als letztes, wenngleich nicht unwichtiges Detail unterstrich er, dass er nicht auf einem jüdischen Friedhof landen wolle. Als Toter wolle er kein Jude mehr sein.

Vater legte das Testament nieder. Eine Minute lang sagte keiner etwas. Es war offensichtlich, dass Vater und seine Geschwister enttäuscht waren. Nicht weil Großvater ihnen nichts vererbt, sondern weil er nicht einmal ihre Namen genannt hatte. Alte Wunden wurden aufgerissen, altes Unrecht wurde aufgerührt. Die Gewissheit, vom Vater nicht geliebt worden zu sein, war ein Dämon, den seine Kinder nie beschwören konnten, er tauchte immer wieder auf.

In Vaters Gesicht zeigte sich keine Gefühlsregung, er war ein Meister der sparsamen Mimik. Onkel Carlo stand auf, schob den Stuhl zurück, tat ein paar Schritte, blieb stehen, sah sich im Zimmer um und konstatierte, dass es nach acht Jahren im Exil auf jeden Fall wert gewesen sei, nach Ungarn zurückzukommen, um Gerbeauds schmackhafte Kuchen zu kosten. Tante Ilona fiel es schwer, ihre Gefühle im Zaum zu halten. Sie fing an, darüber zu reden, dass ihre einzige Erinnerung an den Vater darin bestand, dass er ständig schimpfte, drohte und sich ironisch über seine Kinder ausließ, aber sie biss sich auf die Lippen und verstummte. Dann nahm sie sich zusammen und trank ein Glas Wasser, um ihr Herz zu beruhigen oder überhaupt irgendetwas zu tun. »Das Leben ist hart«, stellte sie wehmütig fest. »Aber man darf nicht alles so dramatisch nehmen. Dieses Testament hat sowieso keinerlei praktische Bedeutung.«

In gewisser Weise hatte Tante Ilona recht. Das Testament erwies sich als überflüssig. Das Schicksal, das Großvater stets stiefmütterlich behandelt hatte, wollte es noch einmal anders als er.

Die Kleider verkaufte Großmutter noch an seinem Sterbetag auf einem nahe gelegenen Flohmarkt. Die Armbanduhr hatte Großvater sowohl Sasha als auch mir versprochen. Er pflegte uns dieselben Worte ins Ohr zu flüstern: »Du bist das beste Kind. Du wirst die goldene Zwiebel erben.« Deshalb empfand ich es als recht und billig, dass mein Bruder Sasha sie nie bekam. Denn Großmutter brachte die Uhr zusammen mit dem Ehering rasch ins Pfandhaus. Und ebenso rasch entledigte sie sich der Quittung, denn sie war der Meinung, keine Rücksichten nehmen zu müssen.

Auch Großvaters letzter Wunsch wurde nicht erfüllt. Schon am Tag nach seinem Tod wurde er in der hintersten Ecke des jüdischen Friedhofs beerdigt, denn Großmutter hatte herausgefunden, dass es dort am billigsten war.

DER KOFFER

Also erbte nur ich etwas von Großvater. Aber ich hatte es nicht eilig, den kleinen Koffer zu öffnen. Ich glaubte zu wissen, was er enthielt. Zuweilen hatte ich Großvater Aufzeichnungen in ein blaues Notizbuch machen sehen, doch konnte ich für diese Schreibereien kein Interesse aufbringen.

Vater nahm den Koffer an sich und rührte ihn dreißig Jahre nicht an. Nach Mutters Tod, kurz bevor er sich das Leben nahm, übergab Vater mir den Koffer. Ich öffnete ihn und erkannte, dass ich mich all die Jahre getäuscht hatte.

Der Koffer enthielt nicht Großvaters Aufzeichnungen, sondern allerlei historische Dokumente über die Familie Spinoza, viele allerdings schwer zu deuten, sodass man sich unmöglich darauf stützen konnte. Ich fand ein gewaltiges Durcheinander von Briefen, Tagebüchern aus verschiedenen Jahrhunderten, Geburtsurkunden, Testamenten, Verträgen, Nachlassverzeichnissen und ungeordneten Papieren. Ganz zuunterst lag ein Buch in einem fleckigen braunen Couvert. Es waren die geheimen Aufzeichnungen meines entfernten Vorfahren, des Philosophen Benjamin Spinoza: Das Elixier der Unsterblichkeit.

Mehr als die Hälfte der Blätter in Großvaters blauem Notizbuch war herausgerissen. Die einzige Aufzeichnung, die das Buch noch enthielt, lautete: »Wie soll man mit der Vergangenheit umgehen, mit all den Dingen, die verblassen und uns entgleiten? Diesen Erinnerungen, die unaufhaltsam in der Zeit verschwinden, immer unklarer, immer fragmentarischer und durchsichtiger. Manchmal entwickeln die Erinnerungen ein Eigenleben, werden zu Phantasien, die sich in Bewegung setzen, sich mit Geschmack und Farbe und Duft umgeben, mit allen Kennzeichen des Sinnlichen, und sich nach und nach von der Vergangenheit befreien und in eine ganz andere Wirklichkeit übergehen, eine Vergangenheit, die es nie gegeben hat, die aber doch in deutlichen Bildern lebt, welche vielleicht deutlicher sind als die wahren Erinnerungen.«

WAS IST DIE WAHRHEIT?

Mein Name ist Ari und ich bin der Letzte in der langen Stammtafel der Familie Spinoza: Der Stammbaum hat keine weiteren männlichen Zweige, und wenn ich – so die Prognose meines Arztes – in einigen Monaten ruhig einschlafe, findet diese Familiensaga ihr wohlverdientes Ende. Ich liege in einem Krankenhaus, mein Schicksal ist besiegelt und die Erinnerungen stürmen auf mich ein. All diese Erinnerungen, von denen ich glaubte, sie seien verblasst und entschwunden in der Zeit, haben sich in Bewegung gesetzt, sie leben ihr eigenes Leben und das Vergangene wächst aus ihnen auf, unsere verwirrende, vieldeutige Vergangenheit.

Inwiefern ist unsere Vergangenheit verwirrend und vieldeutig? Hier gleich ein Beispiel: Wie starb der Philosoph Benjamin Spinoza?

Immanuel Kant macht geltend – in seinem Werk Träume eines Geistersehers –, dass er sich an einem Apfelbaum erhängte. Dagegen vertritt Bertrand Russell die Auffassung, er sei an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruchs gestorben, und Isaiah Berlin schreibt in einem Brief an einen israelischen Kollegen, er sei in der Nordsee ertrunken. Marx und Engels behaupten, er sei im Gefängnis gestorben. Das Gleiche meint Lenin, der darüber hinaus erklärt, er sei von der Inquisition zu Tode gefoltert worden.

Wer von diesen Denkern kannte die Wahrheit?

»Die Wahrheit«, pflegte mein Großonkel zu sagen, »die Wahrheit ist, dass es so etwas wie eine einzige Wahrheit nie gegeben hat. Es gibt viele Wahrheiten. Diese Wahrheiten stellen sich gegenseitig in Frage, sie spiegeln einander, fordern sich gegenseitig heraus und sind blind füreinander.«

Um die Wahrheit zu sagen: Wer kann mit Sicherheit behaupten und beweisen, dass einer dieser Denker unrecht hatte, dass nicht alles, was sie behaupteten, gleichzeitig geschah und dass Benjamin Spinoza in Wirklichkeit auf alle diese Arten starb?

Wer kann garantieren, dass die Geschichte eindeutig ist, immer ein und dieselbe?

2. DER LEIBARZT

EIN KOMET MIT DOPPELTEM SCHWEIF

Es gab eine Legende in unserer Familie, die mein Zwillingsbruder Sasha und ich liebten, als wir klein waren, als die Welt noch offen und verlockend labyrinthisch war und ich noch die Fähigkeit besaß, sie mit den optimistischen Augen des Kindes zu betrachten. Dass ich nie müde wurde, diese Legende zu hören, beruhte vor allem auf der unübertroffenen Erzählergabe meines Großonkels. Mit gut gewählten Worten und theatralischen Gesten gelang es ihm, die ganze mittelalterliche Geschichte der Iberischen Halbinsel mit blutigen Schlachten, grausamen Herrschern, scheinheiligen Priestern und intriganten Adligen heraufzubeschwören. Dieser Legende zufolge, mit deren Hilfe er die ferne Vergangenheit unserer Familie lebendig werden ließ, begann die Geschichte der Spinozas vor sechsunddreißig Generationen in der provinziellen, isolierten und von Unterdrückung gelähmten Kleinstadt Espinosa in der Region León, unweit der Stadt Burgos in Spanien.

Der Rabbi in Espinosa hieß Judah Halevy. Er hatte dunkle, intelligente Augen und ein fein geschnittenes Gesicht. Seine Hände waren weich und wohlgeformt wie bei den meisten Dienern des Herrn, denn statt körperlicher Arbeit widmete er sein Leben dem unermüdlichen Studium der heiligen Schriften. Seine Gelehrsamkeit war groß, er hatte sich nicht vergeblich tagein, tagaus über das wacklige Pult gebeugt und sich dadurch vorzeitig einen krummen Rücken geholt. Bei den Juden in Espinosa und den umliegenden Dörfern war er beliebt, nicht nur seiner Weisheit wegen, sondern ebenso wegen seines gefälligen Wesens. Er scherzte mit allen, brachte die Armen und Kranken zum Lachen und ließ sie für eine Weile ihr Elend vergessen. Es war augenscheinlich, dass er das Leben voller Hoffnung und die Welt voller Vertrauen als Heimstatt des Guten betrachtete.

Judit, die Ehefrau des Rabbis, war die Tochter eines Schuhmachers, der nur zwei Finger an der rechten Hand hatte und schwerhörig war; er starb früh an der Ruhr, ohne mehr zu hinterlassen als den poetischen Klang seines gallischen Nachnamens: de Narbonne. Aber Judah machte sich nichts daraus, dass Judit keine Mitgift erhalten hatte, er heiratete sie, weil er so verliebt in sie war. Darüber runzelten viele die Stirn, nicht nur, weil man erwartet hatte, er würde die Tochter des reichsten Kaufmanns der Stadt heiraten, sondern mehr noch, weil Liebe zu jener Zeit in diesem Teil der Welt ein weder geachtetes noch sonderlich bekanntes Phänomen war.

Judah und Judit ähnelten einander. Es bestand ein innerer Gleichklang zwischen ihnen, eine Fähigkeit, in gemeinsamen Bahnen zu denken und sich den gleichen Impulsen hinzugeben. Oft suchten sich auf dem Tisch ihre Hände, begegneten sich ihre Fingerspitzen, nur um der Berührung willen. Es war selbstverständlich für sie, dass sie zusammengehörten, es lag in der Natur der Dinge.

Judah pflegte zu sagen: »Judit trug einen Teil meines Wesens in sich, und der andere Teil wollte sich damit vereinen.«

Im zweiten Sommer nach der Hochzeit wurde Judit schwanger. Im Frühjahr gebar sie eine Tochter, die den Namen Edita erhielt. Das Mädchen hatte einen schiefen Kopf und starb nach vier Tagen. Ein Jahr später brachte Judit einen Sohn zur Welt. Auch er lebte nur vier Tage. Judit weinte und war untröstlich. Judah versuchte, ihr mit heiteren Anekdoten aus der Thora wieder Mut zu machen.

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