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Worpswede 2015: Die depressive Svea entdeckt bei einem ihrer Klinikaufenthalte ein altes Familiengeheimnis. Das Erbe der Vergangenheit lässt sie nicht mehr los. Sie bittet ihre Großmutter Frieda und Großtante Karla um Hilfe. Doch eine stellt sich quer und die andere war nie im Besitz einer alten Blechkiste, die Jahrhunderte alte Verse, Briefe und Dokumente versteckt hält. Die Spur führt sie dabei zurück in die Vergangenheit ihrer Ahnen - und zu sich selbst! Noch ahnt Svea nicht, dass ihr Leben, so wie sie es bisher kannte, für immer auf den Kopf gestellt werden wird. Wird Svea das verlorengeglaubte Familiengeheimnis Die Gewitterkiste finden und das Erbe der Vergangenheit retten?
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Seitenzahl: 247
Veröffentlichungsjahr: 2020
Das Buch
Worpswede 2015: Die depressive Svea entdeckt bei einem ihrer Klinikaufenthalte ein altes Familiengeheimnis. Das Erbe der Vergangenheit lässt sie nicht mehr los. Sie bittet ihre Großmutter Frieda und Großtante Karla um Hilfe. Doch eine stellt sich quer und die andere war nie im Besitz einer alten Blechkiste, die Jahrhunderte alte Verse, Briefe und Dokumente versteckt hält. Die Spur führt sie dabei zurück in die Vergangenheit ihrer Ahnen - und zu sich selbst! Noch ahnt Svea nicht, dass ihr Leben, so wie sie es bisher kannte, für immer auf den Kopf gestellt werden wird.
Wird Svea das verlorengeglaubte Familiengeheimnis „Die Gewitterkiste“ finden und das Erbe der Vergangenheit retten?
Die Autorin
Stefanie Piechnik ist am 30.7.1979 in Bremen geboren. Sie lebt und schreibt in Aurich. Ihre Geschichten basieren auf wahren Begebenheiten mit viel Fantasie. Die Autorin sagt: „Die Inspiration für das Schreiben hole ich aus dem Leben selbst.“
Auch wenn diese Geschichtensammlung größtenteils in einer realen Kulisse angesiedelt ist, sind die Handlung und die Personen frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und Organisationen wären rein zufällig und nicht beabsichtigt.
„Vater, lass meine Hände immer heilende Hände sein, durch die dein Leben strahlen kann, um Schmerzen zu lindern, neuen Frieden zu geben und zu heilen, wo immer es richtig ist. Vater, lass meine Hände durch ihre Berührung etwas von deiner bedingungslosen Liebe geben, die sie durchströmt, um Trost und Freude zu bringen. Ich öffne meine betenden Hände, gebrauche sie als Werkzeug der Heilung.“
Altes Schutzgebet (Verfasser unbekannt)
PROLOG
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Worpswede, 18. Juni 1806
Lieber Heini,
Frauen wie ich leben in diesen Zeiten gefährlich. Deshalb übergebe ich die „Gewitterkiste“ in Deine sicheren Hände.
Ihr Inhalt wird in dreihundert Jahren, so Gott will, weitergegeben werden. Die Gabe um das Besprechen von Krankheiten wurde von Generation zu Generation gereicht.
Ich bitte Dich - inständig - pass selbstlos auf die Gewitterkiste und ihren Inhalt auf! Hilf damit, wo immer Du kannst.
Wenn Du später einmal alt bist und ahnst, dass Deine Zeit gekommen ist, gibt die Gabe an eine Frau meiner Familie weiter.
Andernfalls erlischt dieses Wunder!
Bleibe stets mit ihnen in Kontakt. So, wie Deine Vorfahren mit uns in Verbindung geblieben sind. Die Tage sind gezählt. Ich gebe mich dem Schicksal in Frieden hin.
Meine letzten Worte an Dich: Bitte passe gut auf meine Tochter Emma auf. Werdet glücklich, egal was in eurem Leben auch passieren mag. Gott möge euch beschützen!
In tiefer Verbundenheit,
deine Gesine
„Was für die Raupe das Ende der Welt
bedeutet, ist für den Rest der Welt ein
Schmetterling.“
Laotse
Svea sah immer wieder in den Rückspiegel ihres roten Fiat 500. Obwohl sich der Verkehr in Richtung Oldenburg und Bremen in Grenzen hielt, dauerte ihr die Strecke zum Frauenarzt heute zu lang. Beim Kontrolltermin vor zwei Wochen hörte sie zum ersten Mal den Herzschlag. Nun machte sich ein komisches Gefühl in ihr breit.
„Schatz, es ist bestimmt alles gut, bleib ruhig.“ Ihr Ehemann Nick glaubte nicht an ihre Theorie, dass etwas nicht stimmen könnte. Er kaute genüsslich auf einem der Brötchen herum, die sie vor der Fahrt mit Schinken und Käse belegt hatte. Ihr Heißhunger war vor drei Tagen versiegt, gemeinsam mit der Übelkeit - und genau das bereitete ihr Sorgen. Etwas stimmte nicht und sie brauchte das vertraute Lächeln ihres Frauenarztes, der ihr beweisen konnte, dass alles gut werden würde. Dass es nichts zu befürchten gäbe. Die weißen Wände des Behandlungsraumes strahlten sonst hell und freundlich, doch heute wirkten sie trist und grau. Svea sah das als unheilvolles Omen und rutschte nervös auf der Liege herum. „Irgendetwas ist anders“, sagte der leicht untersetzte Mediziner leise.
Die Farbe wich aus Nicks Gesicht und ein Kloß setzte sich in Sveas Hals fest. Das Wort „anders“ hatte sich so gar nicht gut angehört. Seine sonst sachliche Professionalität wurde von einer Emotionalität abgelöst, die sie frösteln ließ. „Schatz, ist unser Krümel größer geworden?“ Svea wollte die Hoffnung nicht kampflos aufgeben.
Acht Jahre lang hatte sie auf ein Wunder gewartet. Das Baby wuchs seit zehn Wochen in ihrem Bauch und Svea weigerte sich, diesen Traum vom Mutterdasein aufzugeben. Ein weiteres Mal das Herz in Stücke gerissen; nochmal würde sich der Scherbenhaufen nicht zusammenkleben lassen.
„Schatz, was ist los?“ Sie sah die Blicke zwischen Nick und dem Arzt, das Schließen der Augen und das Absenken des Kopfes. Sie konnte nicht akzeptieren, dass es vorbei war. Warum gönnte das Schicksal ihr diese Rolle im Leben nicht? Was hatte sie falsch gemacht, dass ihr Herzenswunsch verwehrt blieb? „Es tut mir Leid, ihnen das mitteilen zu müssen, aber ich finde keinen Herzschlag mehr.“ Die Tränen des Frauenarztes wirkten echt und mitfühlend. Eine Tatsache, die es für Svea nicht leichter machte, sich selbst unter Kontrolle zu behalten. Um jetzt nicht zusammenzubrechen, blieb ihr nur eine Möglichkeit: das Abstellen ihrer Gefühle.
"Man kann nie glücklich werden, wenn sich
das, woran man glaubt, nicht mit dem deckt,
was man tut.“
Ralph Waldo Emerson
Svea stapfte durch den matschigen Garten ihrer Großtante. Vor der Terrassentür stehend, schaute sie in das hell erleuchtete Wohn- und Esszimmer. Ihre Großtante Karla saß an dem großen Eichentisch, der schon viele Generationen beherbergt hatte und wartete, dass ihr jemand zur Hilfe kam. Svea beobachtete sie wenige Sekunden.
„Wo sind nur die Jahre geblieben?“, fragte sie sich müde. Hinter der Glasscheibe stehend rief sie: „Klopf, klopf. Ich bin es, Svea.“
Vorsichtig erhob sich die alte Dame auf wackeligen Beinen. Sie quälte sich die drei Schritte bis hin zur Terrassentür.
„Wieso kommst Du denn nicht vorne rein?“, entgegnete ihr Karla forsch.
„Ich muss mich setzen. Mir schmerzen die Füße.“ Svea setzte ihre Großtante langsam wieder auf ihren Stuhl zurück. Danach zog sie behutsam die selbst gestrickten Wollsocken von deren Füßen.
„Meine Güte, die sitzen aber fest. Die schnüren dir alles zu.“ Mühsam schaffte Svea es, Karla die Socken von ihren schrumpeligen Füßen zu ziehen. Sie erschrak bei dem Anblick: „Was sind das für Elefantenstampfer?“
„Meine Hände sehen nicht besser aus“, sagte Karla und hielt ihr diese unter die Nase. „Du meine Güte! Ich hoffe, du hast dafür Medikamente verschrieben bekommen.“
„Ja, die liegen dort in der Küche. Die dritte Schublade von unten. Bitte öffne mir die Verpackung, das kann ich nicht mehr. Die Einkaufsliste konnte ich leider auch nicht zu Ende schreiben. Ich habe es versucht, aber das kann ja doch keiner lesen.“
Svea holte die Medikamente aus der Küche und reichte sie laut Packungsbeilage an. Im Anschluss nahm sie sich einen Zettel und einen Stift zur Hand.
„So, dann sag mal an. Was brauchst du?“
„Ach ja, die Grabpflege muss bei der Gärtnerei bezahlt werden“, fiel Karla ein. „Bitte fahr dort eben vorbei. Morgen ist dort geschlossen.“ Nach ein paar Minuten war die Einkaufsliste fertig und um ein paar Zusatzpunkte erweitert. Svea setzte sich direkt in Bewegung, doch ihre Großtante hielt sie zurück: „Nun esse doch erst einmal etwas, bevor du losfährst! Du hast doch den ganzen Tag gearbeitet.“ „Es hat gerade kurz aufgehört zu regnen. Die beste Gelegenheit um aufzubrechen. Ich bin gleich wieder da. Danach machen wir es uns am Kamin gemütlich. Deinen getrockneten Pfefferminztee aus dem Sommergarten hast Du doch noch, oder?“
***
Nach einer Stunde Einkauf erreichte Svea wieder die Haustür. Der Feierabendverkehr hatte ihr den letzten Nerv geraubt.
Erschöpft packte sie alle Sachen aus und kümmerte sich um das gemeinsame Abendbrot.
Ihre Großtante wuselte in der winzigen Küche um sie herum. Der Stressschweiß lief Svea inzwischen von der Stirn. Sie wischte völlig erledigt den linken Arm darüber und seufzte laut auf.
„Svea Schatz, hast Du etwas gesagt?“ „Nein, alles gut, Tantchen. Setz dich bitte. Du stehst mir im Weg“, erwiderte Svea genervt. Es war dunkel geworden, sodass sich beide ins anliegende Wohnzimmer zurückzogen.
„Der Arzt sagt, das kommt von der Psyche“, erwähnte Karla nebenbei. Der Duft des Pfefferminztees verbreitete sich im ganzen Haus und verströmte Ruhe und Gelassenheit.
„Ach Tantchen, ich vermisse Onkel Erich doch auch.“ Karla schielte betroffen zu ihrer Großnichte: „Wie geht es dir denn überhaupt, Kindchen? Ich jammere Dir den ganzen Nachmittag etwas vor. Was gibt es Neues in Deinem Leben? Du siehst so angespannt aus.“ Svea schaute durchs Fenster ins dunkle Nichts: „Im Moment habe ich viel Stress im Beruf und die Kinder dort sind für mich nur noch eine Belastung. Ich habe noch immer mit meinen Weinkrämpfen zu tun.“
Karla griff nach Sveas rechter Hand und strich sanft über die junge Haut: „Du musst endlich mit dem Kapitel abschließen. Ich selbst konnte auch keine Kinder bekommen und ich hatte trotzdem ein wunderschönes Leben mit Erich. Du hast Deinen Traummann zum Glück gefunden. Alles im Leben gibt es leider nicht, Kindchen.“ Sveas Augen füllten sich mit Tränen und ein lautes Schluchzen ertönte:
„Wie soll ich diesen Verlust jemals vergessen? Alle bekommen gesunde Kinder. In der Schule bin ich ständig von Kindern umgeben. Ich kann mit dem Thema nicht so einfach abschließen.“ Svea hielt kurz inne und zog zum Bedauern ihrer Großtante ihre Hand zurück.
„Es war mein Lebenstraum, Mutter zu werden. Es fühlt sich so an, als ob ein Teil von mir fehlt - wie ein Arm oder ein Bein. Ich sehe keine Perspektive mehr in meinem Leben. Wie soll ich da einfach weitermachen? Das ständige Hin und Her zu Dir und dann die viele Arbeit als Lehrerin. Mir wird das alles zu viel. Nick und mein Haushalt sind auch noch da.
Neulich habe ich noch zusätzlich Deinen Garten mähen müssen.“ Svea seufzte und verschränkte die Arme.
„Du musst Dir endlich Hilfe holen! Ich schaffe das nicht mehr neben meiner Vollzeitstelle. Vielleicht wäre es ja besser, wenn ich mich eine Zeitlang um Dich kümmere und die Arbeit an den Nagel hänge. Was meinst Du? Wir könnten regelmäßig einkaufen.“ Karla schien nicht überzeugt zu sein. Skeptisch zog sie ihre Zehen zusammen.
„Bitte beantrage die nächste Pflegestufe. Somit wäre ich dann wenigstens rentenversichert.“
„Nein, nein. Fremde kommen mir nicht ins Haus. Basta. Und zu Deinem letzteren Vorschlag, dass Du für ein paar Tage in der Woche hierher ziehen möchtest...“
Die alte Dame zögerte und suchte den Blick ihrer Großnichte: „Das geht nicht.“
„Wieso?“, entgegnete Svea überrascht. „Du bist noch zu jung, um mit dem Arbeiten aufzuhören und außerdem will und kann ich dir nicht zumuten, meine Launen vierundzwanzig Stunden am Tag auszuhalten.
Und was ist mit Nick? Glaubst Du, der fände es toll, Dich mit mir zu teilen?“ Beide lagen sich verzweifelt in den Armen und trösteten sich.
„So, nun aber genug mit dem Geheule“, schmunzelte Karla, während sie sich die letzte Träne von der faltigen Wange wischte. „Auf irgendeine Weise gelingt es uns, damit fertig zu werden. Wie Onkel Erich immer zu sagen pflegte: Das Leben ist eins der Schwersten.
Mit den schönsten Erinnerungen schwelgten die beiden in der Vergangenheit.
„Hast Du Fotos aus der Zeit, in der ihr euch kennengelernt habt?“
„Ja, schau mal dort bei den ganzen Schallplatten unter der Treppe. Das rote Buch im Regal unten links müsste es sein.“ Svea legte nebenbei einen alten Tonträger von André Rieu auf.
„Hach, was ist das schön! Die habe ich ja eine Ewigkeit nicht mehr gehört“, freute sich Karla und erzählte von einem seiner Konzerte in Maastricht. Die beiden tanzten vergnügt zusammen und fielen anschließend lachend auf das Sofa.
„Die Medikamente scheinen zu wirken“, lachte Karla. Svea war aus der Puste und blätterte derweilen in dem alten Fotoalbum herum. Völlig in die Vergangenheit ihrer Vorfahren vertieft, entdeckte sie das Foto einer Frau vor einem Bauernhaus.
„Wer ist das?“
„Das ist eine Vorfahrin von uns. Auf jeden Fall muss es mindestens drei Mal Ur vorweg sein. Das muss irgendwann im neunzehnten Jahrhundert gewesen sein, kurz nachdem die Fotografie erfunden wurde.“ Ehrfürchtig nahm Svea das alte Foto in die Hand.
„Wo wurde das Bild gemacht?“
„Das war damals hier im alten Moor in Worpswede. Das Haus ist aber schon lang abgebrannt. Onkel Erich und ich haben vor Jahrzehnten mal mit der Ahnenforschung angefangen. Leider sind wir nur bis 1754 gekommen. Danach verwischte sich jegliche Spur. Die Frau auf dem Bild ist Meta.“
„Wow, ich bin tief beeindruckt. Nicht jeder kann behaupten, schon mal seine Ur-Ur-Urgroßmutter gesehen zu haben“, lachte Svea vergnügt.
Der Novemberregen peitschte gegen die große Panorama-Fensterscheibe und ließ die beiden Frauen zusammenzucken.
„Oh je, bin ich schreckhaft geworden. Tantchen, ich bin müde und gehe ins Bett. Darf ich morgen weiter blättern?“
Karla lächelte sanft: „Ja, natürlich. Legst du es aber bitte wieder ins Regal?“ Svea erhob sich vom Sessel. Vor dem Gestell hob sie einen Stapel weiterer Fotoalben an, um das rote wieder an Ort und Stelle zu legen. Dabei fiel ein kleiner unscheinbarer Zettel auf den Fußboden.
„Huch, was ist das denn?“, fragte sie. Vorsichtig öffnete Svea das gefaltete Papier. „Tantchen, das ist in altdeutscher Schrift geschrieben. Es ist aber schon reichlich verblasst.“ „Lass mal sehen, Kind. Ich kann mir das nicht vorstellen. Mir ist der nie aufgefallen“, sagte Karla zweifelnd.
„Das muss aus dem Fotobuch gefallen sein.“ Svea durchforstete den ganzen Stapel, doch es blieb bei diesem einen Exemplar.
„Hole mir mal meine Lesebrille!“, bat Karla barsch. „Jawohl, Herr Oberfeldwebel!“
Svea holte lachend das alte Gestell mit dem dicken Glas vom Nebentisch, während ihre Großtante mit flattrigen Händen das vergilbte Pergament entfaltete.
„Nun lies schon! Kannst du schon etwas entziffern?“
Die alte Dame rückte die Bügel zurecht. „Das ist schwer zu lesen. Meine Augen sind ja nicht mehr die besten.“ Mit zitternde, rauer Stimme las sie:
„Was ich sehe, das vergehe, was ich streiche, das erweiche, Warzen vergehen. So soll es sein!“
Vorsichtig strich sie über die handgeschriebenen Zeilen. Ihre Lippen bebten, als sie leise und stotternd aussprach:
„Ach, du meine Güte. Das ist ein altes Heilgebet zum Besprechen von Warzen. Das hat meine Mutter Alma vor jeder Behandlung aufgesagt. Sie erzählte meiner Schwester Frieda und mir, dass sie durch Besprechen Wunden heilen konnte. Dabei murmelte sie immer einen Gebetsvers auf die entsprechende Stelle des Kranken. Das soll die Selbstheilungskräfte aktivieren. Regelmäßig ließ sie meine Kopfschmerzen damit verschwinden.“
Karla hielt kurz inne, um ihre Erinnerungen an ihre Jugend wieder zu aktivieren:
„Sie erzählte uns auch, dass Emma mit Heini, dem Bauersjungen, verheiratet war. Meta war deren Tochter. Zusammen bekamen sie vierzehn Kinder. Ihre Mutter Gesine wurde als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt, obwohl es zu der Zeit nicht mehr üblich war. Das haben wir in den siebziger Jahren tatsächlich bei der Ahnenforschung bestätigt bekommen. Emma und Heini sollen kurz danach auf die andere Weser-Seite nach Blexen gezogen sein.“
Sie ließ den Blick schweifen und setzte gedankenverloren die Brille ab:
„Er soll diese Gabe für unsere Familie weitergeführt haben“, beendete Karla ihre Ausführung. Svea gähnte müde und rieb sich die Augen:
„Wovon redest Du da?“
„Mehr kann ich Dir dazu leider auch nicht sagen. Ich selber hatte diese Gabe nie. Es ist schon spät. Lass uns morgen weiter reden.“ „Du hast Recht. Ich bin völlig erledigt von der Woche“, gähnte Svea erneut und streckte dabei ihre müden Glieder.
„Die Geschichte hört sich interessant an. Morgen möchte ich das genauer wissen.“ Sie küsste ihre Großtante sanft auf die rosigen Wangen und dackelte müde die Treppe hinauf zum Dachboden, wo ihr Schlafbereich auf sie wartete. Als sie von den Stufen einen Blick zurückwarf, sah sie, wie ihre Großtante geschäftig aufräumte und Unverständliches vor sich hingrummelte.
Erst dachte sich Svea nichts dabei, doch in der Nacht wachte sie mehrere Male wieder auf. Gegen vier Uhr knipste sie letztendlich das Licht an und huschte auf Zehenspitzen die lange Treppe hinunter bis zum Wohnzimmer. Im Regal fischte sie erneut das rote Fotoalbum heraus. Sie nahm es und blätterte es durch. Erst langsam, dann immer schneller. Hin und zurück. Sie hielt das dicke Buch über Kopf. Doch von dem Gebetsvers fehlte jede Spur.
„Krankheiten befallen uns nicht aus heiterem
Himmel, sondern entwickeln sich aus täglichen
Sünden wider der Natur. Wenn sich diese
gehäuft haben, brechen sie unvorhersehens
hervor.“
Hippokrates
Die Kühe im Stall blökten die ganze Nacht. Der unterbrochene Schlaf sorgte für Schmerzen in Gesines alternden Gliedern. Im Morgengrauen wurde sie von stöhnenden Geräuschen geweckt. Verschlafen quälte sie sich aus dem Bett und öffnete die quietschenden Fensterläden, deren morscher Rahmen jeden Moment aus den Angeln zu fallen drohte. Weiße Nebelschwaden kamen ihr entgegen. Der Wind zog die Wärme aus dem Schlafzimmer und ließ Gesine frösteln.
Nur zu gerne schloss sie die Fenster wieder. Womöglich hatte sie sich das Stöhnen bloß eingebildet. Als sie sich erneut ins Bett legen wollte, klopfte es laut an ihrer Tür.
„Gesine, wach auf!“ Heini, der Nachbarsjunge, stand mit zitternden Händen vor ihr im Flur. „Mach schnell!“, wimmerte er. Seine zu weite Kleidung ließ ihn jünger wirken, als er war. Obwohl er schon fünfzehn Lenze hinter sich hatte, sah Gesine jetzt in ihm den kleinen Buben, der fröhlich jauchzend mit ihren Töchtern spielte.
„Was ist passiert? Ist etwas mit den Kühen?“ „Ja, unser Kalb hat seit Stunden Koliken und wir können uns diesen Verlust nicht leisten.“ Seine verzweifelte Stimme fegte ihr die Müdigkeit aus dem Gesicht.
„Bitte beeile Dich und nimm Dein Buch mit!“ Er vertraute blind auf ihre Hilfsbereitschaft und rannte zurück zu seinem Hof. So schnell es ihre knackenden Gelenke zuließen, zog Gesine das Kleid an, das sie für den morgigen Tag herausgelegt hatte. Darüber schlang sie eine lange graue Decke. Aus der untersten Schublade des Sekretärs holte sie geschwind die kleine Blechkiste hervor und klemmte sie sich unter den Arm. Die abgenutzten Dielen ächzten bei jedem Schritt, doch sie hielten ihren kurzen, unförmigen Beinen stand. In dieser kargen und leeren Landschaft des Moores war schon ihre Großmutter Elsa geboren worden. Die prächtigen Bauernhäuser wurden auf Sandschüttungen errichtet, damit sie nicht einsackten. Gesine versuchte erst gar nicht, mit dem strammen Burschen mitzuhalten. Während sie ihr eigenes Tempo wählte, sah sie, wie Heini mit der Petroleumlampe im Kuhstall verschwand. Es würde dauern, bis die Dämmerung einsetzte und so musste sie sich auf ihr spärliches Augenlicht verlassen. Mit der linken Hand hielt sie sich am Zaun fest, der direkt zum Stall führte. Nach einer gefühlten Ewigkeit warf sie das Tor ins Schloss und sog erschöpft die warme Luft ein. Die Mischung aus Heu, Stroh und dem strengen Geruch der Tiere kam ihr tröstlich vertraut vor. Das Kalb lag zusammengekauert in einem Meer von Decken. Heini saß besorgt bei seiner jüngeren Schwester Elsa, die mit ihren kleinen Fingern behutsam über das weiche braune Fell strich und das Köpfchen hochhielt.
Gesine setzte sich vorsichtig hinzu und öffnete die Kiste. Darin steckte ein handschriftlich verfasstes Buch, welches seit Generationen in ihrer Familie weitervererbt wurde. Das Wissen über das Besprechen von Krankheiten war eine Gabe, die Geheimhaltung erforderte.
"Suche das Licht nicht im Außen,
finde das Licht in dir und lass es
aus deinem Herzen strahlen."
Rumi
Svea wurde von der Stille geweckt. Die ganze Nacht über hatte der Regen unaufhörlich gegen die Fenster geprasselt, doch jetzt schienen sich die dunklen Wolken aufzulösen. Vorsichtig schlüpfte die junge Frau in ihre Hausschuhe und tapste leise die Treppe hinunter in den Wohnbereich. Der Vorhang vor dem großen Fenster versperrte die Sicht.
„Wie spät mag es sein?“, fragte sich Svea schlaftrunken und rieb sich die verquollenen Augen.
„Ach, egal.“
Ohne auf die Wanduhr zu schauen, lief sie gähnend in die Küche, griff willkürlich eine Tasse aus dem Schrank und drückte den Knopf der Senseo Maschine. Mit dem fertigen Kaffee in der Hand schlürfte sie zum Esstisch und ließ sich auf ihren Lieblingsstuhl fallen. Auf ihrem Platz lag ein Zettel.
Zu erledigen:
> Wohnbereich, Schlafzimmer, Flur und Toilette putzen
> zum Grab
> Einkauf
> Essen kochen
„Na toll.“ Schon wieder gestresst und innerlich angespannt kippte sie mit Schwung den restlichen Kaffee in die Spüle. Hinter der Tür des Abstellraumes griff sie sich den Staubsauger heraus und putzte vor dem Frühstück alles gründlich.
„Was ist denn hier los? Es ist doch noch mitten in der Nacht!“, rief Karla mit ihrem speziellen Humor. Der Rollator ruckelte vor ihr her, als führte er ein Eigenleben. Svea warf genervt den Putzlappen in den Eimer mit Wasser. „Es ist doch schon nach halb zehn! Wann soll ich denn deiner Meinung nach anfangen?“
„Vor halb elf stehe ich nie auf“, erwiderte die alte Dame lächelnd mit einer wegwerfenden Handbewegung. „Das ist ja schön für dich. Mein Tag hat aber nur vierundzwanzig Stunden und ich muss gleich dein Essen vorbereiten, damit du für morgen auch etwas hast. Leider bin ich nicht in der Lage, meinen Start in den Tag gemütlich zu gestalten.“
„Ach, dass du immer so perfektionistisch sein musst! Lass den Kram liegen und mach das später.“
„Später! Wann denn später, bitte?“, schrie Svea hysterisch. Ihre Großtante riss erschrocken die Augen auf. „Tut mir leid. Ich wollte Dich nicht anschreien.“
Weinend setzte sich Svea auf den kleinen Hocker hinter sich und verbarg ihr verheultes Gesicht unter ihren vom Putzen leicht schrumpeligen Händen.
„Irgendwas stimmt mit dir nicht. Du bist schon länger so gereizt und gehst bei jeder Kleinigkeit in die Luft. Du musst Dich mal ausruhen.“
„Wann denn?“, fuhr Svea mit einem Satz hoch und versetzte Karla einen weiteren Schreck.
„In Ordnung“, gab Karla nach, „du hast Recht. Ich hole mir eine Putzhilfe und zum Frühling einen Gärtner. Meine Nachbarin hat eine ganz tolle Putzfee. So fremd ist sie also nicht.“ Wohlwollend lächelte sie ihre Großnichte an, die sich allmählich wieder beruhigte. „Danke. Das wäre eine echte Erleichterung für mich. Wenn ich heute Nachmittag wieder zu Hause bin, darf ich auch noch die Mathe-Arbeit der Schüler auswerten. Vor zwanzig Uhr werde ich damit bestimmt nicht fertig werden“, seufzte Svea schwer.
„Nun lass uns erst einmal in Ruhe frühstücken. Den Rest machen wir dann zusammen fertig.“ Karla ließ den Rollator an der Seite stehen und setzte sich unter Stöhnen in ihren Sessel. Bei der zweiten Tasse Kaffee sagte Svea: „Ich glaube, die wollen mich auf der Arbeit loswerden. Ich habe da so ein komisches Gefühl.“
„Wie kommst du darauf?“
„Seitdem meine neue Kollegin da ist, machen die nur noch das, was sie sagt. Ich werde überhaupt nicht mehr ernst genommen.“ Sie strich die Butter aufs Vollkornbrot, als könne sie damit die schlimmen Erinnerungen ausgleichen. „Kindchen, ich bin zwar schon alt, aber so etwas nennt man Bossing. Das habe ich erst vor kurzem gelesen. Das ist, wenn von der Chefetage alles systematisch boykottiert wird und jemand damit mürbe gemacht werden soll.“ Karla köpfte ihr hartgekochtes Ei und legte die obere Hälfte zur Seite. Mit dem Salzstreuer verteilte sie auf der weißen Haut eine hauchdünne Schicht des kristallinen Geschmackgebers.
„Es wäre besser, sich einen anderen Job zu suchen. Ich fand von Anfang an, dass du dort viel zu viel gearbeitet hast. Außerdem bist du für die zu motiviert und engagiert. Die wollten ihren ruhigen Alltagstrott nicht gestört haben. Da passt jemand wie du, der perfektionistisch veranlagt ist, eben nicht rein.“
„Na, danke. Aber du hast nicht Unrecht.
Ich hab mir das auch schon gedacht. Dennoch, nun lass uns erstmal den Rest deiner To-do-Liste abarbeiten, damit ich bald nach Hause fahren kann.“
Am späten Nachmittag fuhr Svea aus ihrer Heimatstadt Worpswede zurück nach Bensersiel, ihrer neuen Wahlheimat. Vor zehn Jahren hatte sie sich auf Anhieb in die Herzlichkeit der hiesigen Menschen Ostfrieslands verliebt. Das Meer, der Wind und die grünen, saftigen Wiesen gaben ihr die Geborgenheit, die sie schon als siebenjähriges Mädchen in den Ferien genossen hatte. Egal wie ihr zumute war - allein der Gedanke an die Kraft des Wassers, die Geheimnisse der Tiefsee und das Auf und Ab der Wellen spiegelten Sveas Gefühlswelt wider und zauberten ihr stets ein Lächeln ins Gesicht. Genauso wie Nick, wenn sie an ihn dachte. Gerade lag er gelangweilt auf der Couch.
„Na, auch schon da?“ Das flackernde Licht einer Kerze warf düstere Schatten an die Wand und erhellte zwei Weingläser auf dem flachen Glastisch, der davor stand.
„Was soll das denn heißen?“, wetterte Svea gleich los. Obwohl sie erst zur Tür hereingekommen war, raste ihr Puls, als hätte sie einen Marathon hinter sich. „Wieso drehst du schon wieder durch?“, schallte Nick zurück und verdrehte die Augen. Er nippte am Weinglas, um zu demonstrieren, dass er letztendlich doch nicht auf sie gewartet hatte.
„Wieso machst du mir Vorwürfe?
Ich habe es eben nicht eher geschafft“. Sie warf ihre Tasche in die Ecke und wickelte wütend den Schal um ihre rechte Faust. „Ich habe keine Lust mehr auf deine gereizte Stimmung. Mit dir kann ich mich gar nicht mehr normal unterhalten. Immer fühlst du dich gleich angegriffen.“
„Nun, das liegt daran, dass du das ja auch tust“, weinte Svea inzwischen und die Tränen fielen geräuschlos auf das Laminat.
„Ich bin gestresst! Ich habe das Gefühl, für niemanden Zeit zu haben. Für mich selbst schon mal gar nicht!“
Kraftlos ließ sich Svea auf den Sessel neben der Couch fallen. Obwohl sie seine Nähe so dringend brauchte, konnte sie sie zeitgleich nicht ertragen. „Jetzt muss ich gleich auch noch die Arbeiten meiner Schüler überprüfen. Ich weiß einfach nicht mehr, wo mir der Kopf steht.“
„Auch einen Schluck?“, fragte Nick inzwischen etwas sanfter und tippte mit dem Zeigefinger gegen die Rotweinflasche. Es schien, als würde diese Öffnung ihrerseits sein Verständnis verbessern.
„Unbedingt“, sagte sie und zog sich die Schuhe von den Füßen. Allein das Geräusch des fließenden Weines nahm einen Teil ihres Drucks von ihrer Seele.
„Dann erzähl mal. Wie war es in Worpswede?“ Nick reichte ihr das gefüllte Glas und als Svea es annahm, berührten sich ihre Finger. Das altbekannte Kribbeln kehrte zurück und spontan stand sie wieder auf und setzte sich doch zu ihm auf die Couch. „Karla will sich endlich Hilfe für den Haushalt holen. Damit wäre ich dann endlich entlastet.“ Sie zog die Beine zu sich ran und kuschelte sich an die Seite ihres Mannes.
„Wieso macht Noa eigentlich nichts? Der wohnt doch nur fünfzehn Minuten von ihr entfernt. Du dagegen fährst ständig knapp zwei Stunden für eine Strecke.“ Nick strich sanft über das Tattoo ihres linken Unterarms.
„Weil er damit überfordert ist. Außerdem mach ich das doch gerne, wenn ich nicht gerade gestresst bin“, lachte Svea inzwischen wieder. Ihre eben noch hellen Pausbäckchen waren vom Merlot leuchtend rosa gefärbt.
„Ich werde dann jetzt mal die Mathe-Arbeiten für morgen korrigieren“, sagte Svea gähnend und quälte sich mit einem lauten Stöhnen ins gegenüberliegende Büro. Dort vergaß sie die Zeit.
Nick verschwand, wie fast jeden Abend, alleine im Bett und als Svea ihre Korrekturen fertig hatte, behauptete ihr Handy, welches auf der Seite ihres Schreibtisches lag, dass es schon nach ein Uhr nachts sei. Dieser kurze Blick verriet ihr außerdem, dass sie einen Anruf von Lisa um kurz nach elf Uhr verpasst hatte. Es hatte geklingelt? Das hätte sie doch hören müssen. Oder war sie derart konzentriert gewesen? Sie ging immer ans Telefon, wenn ihre beste Freundin aus Kindheitstagen anrief. Als das Smartphone in ihrer Hand nun plötzlich zu vibrieren anfing, hätte Svea das schwarze Ding fast fallen lassen.
„Hallo Lisa! Wie schön, dass Du nochmal anrufst. Ich war gerade im Korrigier-Modus und habe das Handy nicht gehört.“
„Hallo Svea“, schniefte die Campingfreundin.
„Entschuldige, dass ich dich so spät anrufe. Sebastian und ich haben uns wieder gestritten. Ich brauche jetzt einfach ein bisschen Svea“, säuselte Lisa schon etwas fröhlicher, doch der negative Unterton blieb.
„Süße, was ist los?“
„Ach, das Übliche. Seine Unordnung treibt mich noch in den Wahnsinn. Ständig lässt er alles liegen. Das wird immer schlimmer. Ich bin doch nicht sein Kindermädchen!“
„Nun beruhige dich erstmal. An deiner Stelle würde ich ihm nichts mehr hinterher räumen. Der fängt schon von alleine damit an, wenn es zu schlimm wird“, lachte Svea.
„Du hast ja Recht. Ich weiß auch nicht, warum mich das immer so auf die Palme bringt. Aber da gibt es noch etwas, dass ich dir sagen muss“, nuschelte Lisa kaum wahrnehmbar, als Svea sie barsch unterbrach: „Deine Probleme hätte ich auch gerne! Verstehe mich bitte nicht falsch, ich nehme deine Sorgen wirklich ernst, aber bei mir dreht sich gerade alles im Kreis. Mir wird das mit der Arbeit und der Pflege meiner Großtante zu viel.“
Lisa gab ihr Bestes, ihre Freundin im Gespräch aufzubauen und stellte ihre Probleme zurück. Die beiden quatschten eine Ewigkeit miteinander und als es kurz vor zwei Uhr in der Nacht war, beendete Svea abrupt das Telefonat. Sie konnte ja nicht ahnen, was bald geschehen würde.
„Am Ende werden wir uns nicht an die Worte
unserer Feinde erinnern, sondern an das
Schweigen unserer Freunde.“
Martin Luther King
An einem frühen Morgen fuhren Frau Berta Pechstein und ich mit der Kutsche von Albert, Heinis Vater, über Sandwege, die vom vielen Regen matschig waren. Die lange Strecke war beschwerlich, oft rutschten wir mit der Kutsche weg. Wir kamen nicht umhin, uns öfter befreien zu müssen. Während der Fahrt redeten wir wenig. Nur einmal fragte mich Berta: „Was ist los? Warum bist du so still?“
Vor den Toren Bremens stapelten sich die Pockenopfer, es roch erbärmlich nach Ver
