Das Erbe der Vorväter - Michael Schurke - E-Book

Das Erbe der Vorväter E-Book

Michael Schurke

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Beschreibung

Die letzte Schlacht um Aragurien hat begonnen ... Rubina, die rote Magierin, bewacht auf ihrer einsamen Insel die Barriere, die Aragurien vor dem Bösen schützt. Doch ein unachtsamer Moment genügt Minas, in die alte Welt zurückzukehren. Der dunkle Vorvater sucht zwei Artefakte, die ihm unbegrenzte Macht verleihen würden. Noch einmal müssen die Völker des Lichts gegen einen gemeinsamen Feind in den Krieg ziehen - Elfen, Zwerge, Menschen, das mächtige Volk der Schneemenschen aus dem abgeschiedenen Norden. Ja sogar die Drachen schließen sich dem Bündnis an, wenn auch nicht, ohne eine Gegenleistung zu fordern. Neben der Sorge um ihre Welt ist Rubina vor Angst um ihren Geliebten zerrissen, der von einem Dämon besessen ist und zu einer großen Gefahr wird. Wird sie ihn opfern müssen, um Aragurien zu retten? Mit Minas' Rückkehr findet Michael Schurkes Fantasy-Trilogie ihren epischen Abschluss.

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Seitenzahl: 509

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Buch

Rubina, die rote Magierin, bewacht auf ihrer einsamen Insel die Barriere, die Aragurien vor dem Bösen schützt. Doch ein unachtsamer Moment genügt Minas, in die alte Welt zurückzukehren. Der dunkle Vorvater sucht zwei Artefakte, die ihm unbegrenzte Macht verleihen würden. Noch einmal müssen die Völker des Lichts gegen einen gemeinsamen Feind in den Krieg ziehen – Elfen, Zwerge, Menschen, das mächtige Volk der Schneemenschen aus dem abgeschiedenen Norden. Ja sogar die Drachen schließen sich dem Bündnis an, wenn auch nicht, ohne eine Gegenleistung zu fordern. Neben der Sorge um ihre Welt ist Rubina vor Angst um ihren Geliebten zerrissen, der von einem Dämon besessen ist und zu einer großen Gefahr wird. Wird sie ihn opfern müssen, um Aragurien zu retten? Mit Minas’ Rückkehr findet Michael Schurkes Fantasy-Trilogie ihren epischen Abschluss.

Autor

Michael Schurke wurde 1985 in Witten geboren. Er arbeitet seit vielen Jahren als Software-Engineer in der Industrie. In seiner Freizeit liest er gerne Fantasy-und Kriminalromane sowie Thriller. Er unternimmt viele Reisen, und wenn er zu Hause ist, kümmert er sich um seine Koi (japanische Zuchtkarpfen).

Die Idee zu dieser Fantasy-Reihe hatte er bereits vor einigen Jahren, doch den Entschluss, sie zu schreiben, fasste er erst im Herbst 2019.

Widmung:

Meine teure Birgit. Danke für all deine Liebe und Zuversicht. Ohne dich hätte ich dieses großartige Abenteuer niemals erleben dürfen.

Inhaltsverzeichnis

PROLOG

KAPITEL EINS

KAPITEL ZWEI

KAPITEL DREI

KAPITEL VIER

KAPITEL FÜNF

KAPITEL SECHS

KAPITEL SIEBEN

KAPITEL ACHT

KAPITEL NEUN

KAPITEL ZEHN

KAPITEL ELF

KAPITEL ZWÖLF

KAPITEL DREIZEHN

KAPITEL VIERZEHN

KAPITEL FÜNFZEHN

KAPITEL SECHZEHN

KAPITEL SIEBZEHN

KAPITEL ACHTZEHN

KAPITEL NEUNZEHN

KAPITEL ZWANZIG

KAPITEL EINUNDZWANZIG

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG

KAPITEL DREIUNDZWANZIG

KAPITEL VIERUNDZWANZIG

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG

KAPITEL SECHSUNDZWANZIG

KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG

GLOSSAR

PROLOG

Rubina stand inmitten eines grauenvollen Schlachtfeldes. Überall um sie herum lagen getötete Wesen der unterschiedlichsten Rassen. Einige von ihnen hatte sie eine Ewigkeit gekannt. Dort drüben lagen die Leichen von Marcus und Lunea und hier die von Lundal und Freda. Der weise Alandruil hielt sein Schwert selbst im Tod noch fest in der Hand. Die Person, die sich direkt vor ihr befand, erkannte sie ebenfalls: Es war Luna, die Halbelfe, doch in ihren starren Augen war die Güte von einst nicht mehr wahrzunehmen. Unendlicher Hass und tiefste Dunkelheit waren an ihre Stelle getreten. Neben ihr kniete ein Mann, den Rubina besser kannte als jeden anderen. Die rote Magierin hatte schließlich die letzten zweihundert Jahre mit ihm auf ihrer kleinen Insel verbracht und das Bett mit ihm geteilt. Nun wandte ihr Aldris sein Gesicht zu und erhob sich. Der Elf kam auf sie zu, und Rubina sah sofort, dass der Dämon die Kontrolle über ihn erlangt hatte. Sie wusste auch, dass er jetzt eine Bedrohung für sie darstellte, doch gegen ihn unternehmen konnte sie nichts. Er trat ganz nah an sie heran, und plötzlich verspürte sie einen stechenden Schmerz in der Magengegend. Rubina blickte an sich herab und sah den Griff eines Dolches aus ihrem Körper ragen. Aldris hatte ihr die Waffe in den Leib gerammt und zog sie gerade wieder heraus, nur um erneut zuzustechen. Sie blickte zu ihm auf, und in seinem Gesicht war blanker Hass zu erkennen. »Er hat dich nie geliebt, dieser Elf. Du Närrin hast geglaubt, ihm etwas zu bedeuten, doch in Wahrheit wollte er nur deine Macht.« Die Stimme, die zu ihr sprach, war unverkennbar die ihres Geliebten. Jedoch klang sie so bösartig, wie sie es noch nie gehört hatte. Aldris war fort! Er war gegangen, und er würde nie wieder zu ihr zurückkehren. Bei dem Gedanken erschrak die rote Magierin fast zu Tode und erwachte.

Rubina brauchte einen Moment, um zu begreifen, wo sie war und dass das alles nur ein fürchterlicher Albtraum gewesen war. Ihr war kalt, und sie atmete schwer. Dann drehte sie sich zu Aldris hin, um zu sehen, ob es ihm gut ging. Seine Hälfte des Bettes war jedoch leer. Rubina erkannte, dass nicht der Traum sie frösteln ließ, sondern die große Kälte, die durch die geöffnete Tür hereinkam. Das konnte aber nicht sein, sie hatten schließlich Hochsommer. Doch durch den Türspalt konnte sie umherwehende Schneeflocken erkennen. Verwundert sprang sie aus dem Bett und zog sich rasch einen Mantel über, der neben der Tür hing. Sie rief laut nach Aldris, doch bekam keine Antwort. Sie griff nach dem Knauf der Tür und öffnete sie vollständig. Dann trat sie hinaus in einen regelrechten Schneesturm.

Die ganze Insel war von einer dicken Schicht aus Eis und Schnee bedeckt. Das Meer ringsherum schien gefroren zu sein. Erst jetzt bemerkte Rubina die Kälte so richtig und wirkte einen Zauber, der ihre nackten Füße vor dem Erfrieren schützte. Sie sah sich um und erblickte Aldris ganz in der Nähe, bei der Tempelruine am Altar. Er stand neben dem großen Bruchstück des Kristalls, der einst die Magie in Aragurien gebannt hatte. Marcus hatte dieses Fragment genutzt, um eine Barriere gegen Minas zu errichten. Der Kristall pulsierte in den Farben des Regenbogens und sicherte diese Welt vor dem Zugriff des dunklen Vorvaters. Rubina näherte sich ihrem Geliebten, den Mantel fest um ihren nackten Körper geschlungen, und sprach ihn nochmals an. Er antwortete immer noch nicht. Doch dann drehte er seinen Kopf zu ihr und blickte sie an. Seine Augen sahen so aus wie in ihrem Albtraum. Ein Lächeln lief über sein Gesicht, ein furchterregendes Lächeln. Das war nicht Aldris, sondern der Dämon in ihm. Er hatte die Kontrolle über den Elfen gewonnen.

»Tue es nicht, Aldris! Du musst die Herrschaft über deinen Körper zurückerlangen! Kämpfe an gegen die Finsternis in dir!« Rubina schrie ihn förmlich an, doch es war offensichtlich zu spät. Sie erkannte einen Hammer in der Hand des Elfen. Er hob den Arm und schlug damit auf den Kristall ein. Rubina wirkte einen Zauber und wollte ihn noch aufhalten, doch sie konnte es nicht mehr verhindern: Der Kristall zerbrach in Tausende Stücke, und der Schutzschild über ihren Köpfen bekam augenblicklich Risse. Es war vorbei! Nun war es nur noch eine Frage der Zeit, bis Minas nach Aragurien kommen würde. Der Dämon in Aldris wirkte nun ebenfalls einen mächtigen Zauber, und ein Portal öffnete sich neben ihm.

»Lebe wohl, Rubina. Es war mir eine Freude, dich kennenzulernen. Mögen wir uns eines Tages wiedersehen. Ich danke dir, dass du mir in den letzten Jahrzehnten immer wieder etwas von deiner Stärke abgegeben hast. Dadurch konnte ich mich langsam, aber sicher aus meinem Gefängnis innerhalb dieser jämmerlichen kleinen Kreatur befreien. Nun gehört mir dieser Körper ganz, und schon bald werde ich auch den Rest seiner Seele verschlungen haben.«

Rubina wollte den Dämon augenblicklich zu Staub verwandeln, doch dabei hätte sie nur Aldris getötet. Ihr blieb nichts anderes übrig, als ihn ziehen zu lassen. Der Dämon in Gestalt eines Elfen schritt höhnisch grinsend durch das Portal und war verschwunden.

»Ich werde dich finden und retten, mein Geliebter! Das schwöre ich dir! Sokar konnte ich einst nicht helfen, doch dich werde ich nicht auch noch verlieren. Niemals!«

Für den Augenblick konnte die rote Magierin nichts für Aldris tun. Doch ganz so leicht, wie der Dämon dachte, würde es für ihn nicht werden. Sie hatte die Seele des Elfen mit einem mächtigen Schutzbann belegt, und der Dämon würde viel Kraft brauchen, um ihn zu durchdringen. Auch würde diese Aufgabe einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Bis dahin würde sie ihn aufgespürt und einen Weg gefunden haben, ihn wieder aus Aldris’ Körper herauszuholen. Rubina drehte sich um und ging in ihr kleines Haus zurück. Sie musste die anderen darüber informieren, was hier geschehen war. Auch wenn Marcus es mit Sicherheit schon wusste, hatten die anderen höchstwahrscheinlich noch keine Ahnung von der drohenden Gefahr. Die Artefakte mussten um jeden Preis geschützt werden. Minas würde als Erstes versuchen, in ihren Besitz zu kommen. Sollte ihm das gelingen, wären sie alle verloren. Dann wäre ganz Aragurien dem Untergang geweiht.

KAPITEL EINS

In Ultarien herrschte seit zweihundert Jahren Chaos. Minas hatte seine Brüder und Schwestern unter einer undurchdringlichen Kuppel reinster Magie eingesperrt. Töten konnte er sie ohne den Schicksalsdolch nicht, doch sie gefangen halten, das war ihm möglich. Die anderen Vorväter versuchten unentwegt, von dort zu entkommen, doch es gelang ihnen einfach nicht. Der Verräter wiederum griff immer wieder den Schutzschild in Aragurien an. Sollte die Barriere fallen, würde Minas unverzüglich dorthin reisen, die anderen Vorväter aber weiterhin hier in Ultarien gefangen halten. Sie könnten den Bewohnern Araguriens dann nicht beistehen. Der Verräter war so mächtig, dass diese kaum eine Chance gegen ihn hätten. Einzig Luna könnte ihn eventuell stoppen. Laut der Prophezeiung war es schließlich ihr Schicksal, und gegen seine Bestimmung kann sich niemand wehren.

Unter der Kuppel beriet der Rat der Vorväter wieder einmal über neue magische Methoden, aus diesem Gefängnis zu entkommen. Freya und Lukas hatten die Kontrolle über den Rat erlangt, der in der Vergangenheit kaum noch handlungsfähig war. Statt gemeinsam eine Lösung für ihr Problem zu finden, warfen die Mitglieder sich nur noch gegenseitig ihr Versagen vor. Deshalb hatten die beiden Vorväter vor einigen Jahren die anderen Mitglieder in ihre Schranken gewiesen und eine neue Ordnung aufgebaut. Nun genügte eine einfache Mehrheit, um Entscheidungen zu treffen, es brauchte keine Einstimmigkeit mehr wie früher. Für Sterbliche bedeuteten zwei Jahrhunderte eine Ewigkeit, doch für die Vorväter war es, als wäre nur ein neuer Tag angebrochen. Die ständigen Angriffe auf Minas’ magische Barriere waren nur ein Zeitvertreib für sie, das Schicksal der anderen Welten kümmerte sie nicht. Manche von ihnen hatten sich regelrecht häuslich hier eingerichtet. Andere bekundeten gar offen ihre Solidarität mit dem Verräter.

Freya konnte nicht begreifen, was aus ihrem Volk geworden war. Einst waren sie die Wächter des Universums, doch jetzt drehte sich alles nur noch um ihre eigenen Interessen. Der Egoismus ihrer Brüder und Schwestern machte sie wieder einmal über alle Maße wütend. Das blieb Lukas nicht verborgen, denn er kannte seine Gefährtin bereits seit vielen tausend Jahren. Er legte ihr zärtlich seine Hand auf den Unterarm und streichelte ihn sanft. Sie merkte, wie die Wut allmählich verebbte und sie sich entspannte. Sie schenkte ihrem Gefährten ein liebevolles Lächeln und löste ihre körperliche Gestalt auf.

In ihrer Erscheinung aus purer Energie sandte sie den anderen Ratsmitgliedern einen unmissverständlichen Befehl, und sofortiges Schweigen trat ein. Alle schätzten und bewunderten die Ratsvorsitzende. Dieses Gefühl war völlig neu für Freya, und sie stellte überrascht fest, dass sie es sehr mochte. Früher hatte man sie oft belächelt, doch diese Zeit lag weit hinter ihr. Alle hatten den größten Respekt vor der Frau, die den bedeutsamen Kelch vor Minas’ Zugriff gerettet hatte. Ihr Plan hatte dieser Welt und ihrem Volk eine Chance auf ein Überleben ermöglicht. Was sie ihren Brüdern und Schwestern aber jetzt verkündete, das schockierte sie alle. Besonders Lukas konnte nicht glauben, wie ihr neuester Plan aussehen sollte. Er wollte protestieren, doch sie befahl ihm mit einem geistigen Befehl zu schweigen. Später würde er sie zur Rede stellen, denn was sie nun vorhatte, konnte er nicht zulassen. Für den Moment jedoch musste er sie gewähren lassen, um ihre Autorität nicht offen zu untergraben.

In Aragurien wurde Marcus durch eine magische Erschütterung aus seinen Träumen gerissen. Ihm war sofort klar, was geschehen sein musste. Doch wollte er es mit eigenen Augen sehen. Er sprang aus dem Bett und eilte halbnackt auf den Balkon, der an das Schlafgemach grenzte. Beim Blick nach oben erkannte er, dass seine Ahnung richtig gewesen war. Der Himmel über ihm sah aus, als hätte er überall Risse bekommen. Marcus wusste aber sofort, dass es der Schutzschild war, der beschädigt wurde. Im nächsten Augenblick zerfiel er vollends, und der Vorvater konnte die Präsenz der anderen Welten im Universum ganz deutlich spüren. Aragurien war jetzt schutzlos, und eine neue Barriere konnte er nicht erschaffen. Die Magie, die er dafür brauchte, gab es hier nicht. Diese Macht hatte er aus Ultarien mitgebracht, doch davon war in ihm nicht mehr genügend übrig.

Marcus nahm eine Bewegung hinter sich wahr. Er wusste, dass es Lunea war. Auch sie hatte die Erschütterung der Magie gespürt.

»Was ist geschehen, Marcus? Ist es Minas gelungen, die Barriere zu durchdringen?« Lunea sah ihn voller Furcht an.

»Ich weiß es nicht genau. Doch kann ich nicht recht glauben, dass dieser zerstörerische Angriff von außen kam. Rubina wird uns diese Frage mit Sicherheit beantworten können. Ich werde sie gleich kontaktieren, oder besser noch, ich reise zu ihr.«

Marcus öffnete ein Portal und wollte gerade hindurchschreiten, da hielt ihn Lunea zurück. »Du solltest dich erst einmal anziehen, mein Schatz. Sie wäre bestimmt überrascht, einen halbnackten Besucher zu empfangen.«

Jetzt bemerkte auch er seine fehlende Kleidung. Ein kleiner Zauber, und schon hatte er seine Rüstung angelegt. Lunea faszinierte es immer wieder, über welche Macht ihr Geliebter verfügte. »Ich werde allein gehen, da ich nicht weiß, was mich dort erwartet. Informiere die anderen bitte über die Geschehnisse.« Marcus wartete erst gar nicht auf eine Antwort, sondern gab ihr einen liebevollen Kuss und schritt anschließend durch das magische Portal.

Lunea blieb mit einem Gefühl der Angst zurück, doch sie wusste auch, dass Marcus es mit jedem Widersacher aufnehmen könnte. Die Elfenfürstin ging zurück in das Schlafgemach und zog sich ebenfalls an. Dann rief sie einen ihrer Diener und befahl ihm, unverzüglich den Elfenrat einzuberufen. Lunea öffnete die oberste Schublade ihrer Kommode, holte eine kleine Schatulle heraus und öffnete den Deckel. Das kunstvoll gearbeitete Kästchen enthielt einen roten Edelstein. Sie nahm ihn in die Hand und murmelte eine einfache Zauberformel. Schon machte sich eine Nachricht über die neuesten Ereignisse auf den Weg in die anderen Herrschaftsgebiete. Dieses Kommunikationsnetzwerk hatten Marcus und Rubina gemeinsam ersonnen. Die Nachrichten erreichten nur die Empfänger, für die sie tatsächlich bestimmt waren, mithören konnte ansonsten niemand.

Jetzt wurde es Zeit, ihre Tochter zu wecken, denn sie musste lernen, ein Teil des Elfenrates zu sein. Es war ihr Geburtsrecht, Lunea nachzufolgen, und niemand wusste, wie schnell der Tag kommen würde. Lunea selbst hatte vor so langer Zeit schmerzlich erfahren müssen, wie es war, nicht auf ihre neue Rolle vorbereitet zu sein. Das sollte ihrer Tochter nicht passieren.

Kurz darauf stand sie vorm Gemach ihrer Tochter und klopfte an die große Tür. Vor einiger Zeit hatte sie einmal den Fehler begangen, das Zimmer ungefragt zu betreten. Was sie dort erblickt hatte, wollte sie kein zweites Mal sehen. Ihre eigene Tochter mit Aladir im Bett zu überraschen! Der Gedanke daran ließ sie immer noch beschämt erröten.

Es dauerte eine ganze Weile, dann öffnete Luna ihr die Tür. »Mutter! Was gibt es, dass du uns schon so früh weckst? Ist etwas vorgefallen?« Die junge Halbelfe machte einen besorgten Gesichtsausdruck und rieb sich den Schlaf aus ihren Augen.

»Ich habe den Rat zusammenrufen lassen. Der Schild, der unsere Welt vor Minas schützt, ist gerade eben zerbrochen. Dein Vater ist bereits zu Rubina gereist, um den Grund dafür in Erfahrung zu bringen.«

Lunas besorgter Blick wich großer Überraschung. »Wie ist das nur möglich? Wieso habe ich es nicht gespürt? Sonst bemerke ich doch jede noch so winzige Veränderung in den magischen Kraftlinien!«

Lunea trat näher an ihre Tochter heran und legte ihr eine Hand auf die Schulter. »Mach dir darüber jetzt keine Gedanken, das können wir später in Erfahrung bringen. Nun zieh dich erst einmal richtig an und komm so schnell wie möglich in den Ratssaal. Du wirst heute den Vorsitz übernehmen. Das wird eine gute Übung für dich sein.«

Sie ließ ihrer Tochter keine Zeit zu widersprechen, sondern eilte auf direktem Wege davon. Aus einigen Metern Entfernung wandte sich die Fürstin aber doch noch einmal um und wies Luna an, ihren Gemahl zu den Kasernen zu schicken. Aladir, mittlerweile Oberbefehlshaber der Elfenarmee im Waldreich, sollte seine Soldaten in Alarmbereitschaft versetzen. Sie konnte die jetzige Situation nicht einschätzen, es war sogar ein Angriff auf ihr Reich denkbar.

In Hammerfeste war Lundal ebenfalls schon auf den Beinen. Sein Alter ließ ihn nicht mehr so ausgiebig schlafen wie früher. Vielleicht lag es auch daran, dass er seit einiger Zeit während der schier endlos langen Ratssitzungen der Zwerge gerne mal ein Nickerchen machte. Das war auch Freda und Londa schon aufgefallen. Seine Frau und seine Tochter machten sich Sorgen um ihn, das spürte er. Inzwischen war er so alt, wie kaum ein anderer Zwerg vor ihm es je geworden war. Lundal war sich sicher, dass Rubina und Marcus etwas damit zu tun hatten. Einer von ihnen besuchte ihn regelmäßig, und jedes Mal fühlte er sich danach viel kräftiger. Zunächst hatte er noch geglaubt, das liege an den wachgerufenen Erinnerungen an seine große Zeit als Krieger. Mittlerweile jedoch hatte er den starken Verdacht, dass sie ihm mit ihrer Magie zusätzliche Kraft schenkten. Niemals würden die beiden das offen zugeben, aber der alte Zwerg war sich ziemlich sicher. In letzter Zeit hatte er aber noch etwas anderes bemerkt: Die Magie wirkte nicht mehr so gut wie anfangs. Die Besuche seiner Freunde erfolgten mittlerweile in immer kürzeren Abständen, und die stärkende Wirkung hielt bei Weitem nicht mehr so lange an. Das machte ihm aber nichts aus, denn Zwerge waren nun mal sterblich. Jeder von ihnen wusste das, und er hatte ein sehr langes und erfülltes Leben gehabt. Seine geliebte Tochter Londa war längst bereit für die Thronfolge, wozu brauchte man ihn also noch. Lundal war sehr stolz auf seine Tochter. Sie war eine große Kriegerin und weise noch dazu. Er wusste sein Reich, sein Volk in guten Händen, wenn seine Zeit gekommen wäre. Jetzt war es aber noch nicht so weit, nun würde er sich erst einmal mit ein paar deutlich jüngeren Kriegern messen. Er würde sie in den Staub werfen und allen zeigen, dass er immer noch ein großer Krieger war und jederzeit bereit für eine neue Schlacht. Einzig gegen seine eigene Tochter trat der große König nicht mehr an. Sie hatte ihn vor inzwischen mehr als fünfzig Jahren zum ersten Mal besiegt, und er wusste, sie könnte es problemlos wieder tun.

Lundal wollte gerade seine Privatgemächer verlassen, da sah er, dass man ihm eine Nachricht hatte zukommen lassen. Der Kommunikationskristall leuchtete grün auf, es war also eine Nachricht aus dem Waldreich. Die Nachricht, die der Zwerg sich nun anhörte, war kurz, aber eindeutig. Araguriens schützender Schild war gefallen. Lundal wusste, was das bedeutete. Er eilte aus seinen Gemächern, ließ seine Leibwache antreten und gab ihnen den Befehl, einige Krieger zur unterirdischen Kammer abzukommandieren. Der Kelch dort drinnen sollte zwar für alle Ewigkeit beschützt sein, doch Minas schien so viel mächtiger als Tasos. Niemand konnte mit Sicherheit sagen, ob Inoks Bann die Kammer wirklich sichern würde. Zur Vorsicht hatten die Schneeelfen eine ständige Abordnung in der Stadt der Zwerge belassen. Die Handvoll Elfen wechselte alle sechs Monate, doch es waren ständig einige von ihnen in Hammerfeste zugegen. Lundal ließ auch sie rufen und schickte sie anschließend ebenfalls tief in das Gebirge hinein. Die Kammer musste um jeden Preis verteidigt werden.

Schnell hatte sich die Nachricht in der ganzen Stadt herumgesprochen. Der Zwergenrat war im Thronsaal versammelt und diskutierte wild durcheinander. Ihr König saß auf seinem Thron und lauschte diesem Schauspiel. Keines der Mitglieder des Rats war ein wahrhaftiger Krieger, nur Handwerker und Händler gehörten ihm an. Sie waren es gewohnt, jedes Problem auszudiskutieren. Lundal hasste es, sich mit ihnen auseinandersetzen zu müssen. Doch leider hatte er keine andere Wahl. Die Zeiten seit dem großen Frieden waren andere, und sein Volk wollte mitbestimmen. Sie folgten ihrem König zwar immer noch bedingungslos, doch das tägliche Regierungsgeschäft wollten sie in ihren Händen wissen. Lundal musste an seinen alten Freund Mirdal Eisenschädel denken. Er war vor ihm König der Zwerge gewesen, und was für ein prächtiger! Was würde sein alter Freund wohl jetzt sagen, könnte er dieses Schauspiel mit ansehen? Er hatte auch immer einen Kriegsrat gehabt, aber nicht so etwas. Lundal dachte voller Wehmut zurück an die große Schlacht am Ostpass, in der sie beide vor so langer Zeit Seite an Seite gekämpft hatten.

In dem Moment schwangen die Türen des Thronsaales auf, und die Diskussion endete augenblicklich. Ein Lächeln huschte über Lundals vom Alter gezeichnetes Gesicht, als eine beeindruckende Erscheinung den Saal betrat. Londa hatte ihre komplette Kampfmontur angelegt. Sie sah die Ratsmitglieder eines nach dem anderen durchdringend an, ohne ihr Tempo beim Durchschreiten des Saals zu verringern. Sie alle sanken blitzschnell auf ihre Knie, um der Prinzessin die angemessene Ehrerbietung zu erweisen. Londa befand sich in Begleitung ihrer Leibwache, und dahinter kam Freda. Auch ihr sah man das hohe Alter an, obwohl sie um einiges jünger war als ihr Gemahl, der König. Freda und Londa nahmen rechts und links von Lundal Platz, und die Leibwache stellte sich am Fuße des Thrones auf. Es war totenstill, und niemand brachte den Mut auf, ein Wort an die Königsfamilie zu richten. Dann sah Londa zu ihrem Vater, der ihr mit einer kaum wahrnehmbaren Geste das Wort erteilte. Die Prinzessin blickte den Ratsvorsitzenden der Zwerge verärgert an. Er war ein kleiner, dicker Zwerg, voll behangen mit Schmuck aus Gold und Edelsteinen. Man könnte fast meinen, er wollte der König sein. Doch ein solcher Wurm würde niemals auf dem Thron der Zwerge sitzen!

»Ihr seid also hierhergekommen und fordert eine Erklärung. Was sollen wir euch denn erklären, werter Brongdil? Ein Krieg zieht auf, selbst ein Krämer, wie ihr es seid, kann das sehen.« Londas Verachtung war unüberhörbar. Die Ratsmitglieder sahen nun alle zu Brongdil, aber der ließ sich nicht aus der Reserve locken. Mit demütiger Stimme gab er eine diplomatische Antwort, wie er es immer tat.

»Meine ehrwürdige Prinzessin! Wir wollen, in all unserer Bescheidenheit, nur den aktuellen Stand in Erfahrung bringen. Ist es wahr, dass der Schild gefallen ist? War es Minas, der nach Aragurien gekommen ist, oder wer hat die Barriere zerstört?«

Londa hasste dieses diplomatische Geplänkel genauso sehr wie ihr Vater. Am liebsten hätte sie diese jämmerlichen Zivilisten aus der Stadt geworfen, doch brauchten sie ihren Einfluss. Lundal antwortete an Londas Stelle: »Mein Freund! Wir wissen auch noch nicht mehr, als dass der Schild gefallen ist. Marcus hat sich auf den Weg zu Rubina gemacht, um Weiteres in Erfahrung zu bringen. Ob Minas in Aragurien ist oder nicht, kann noch niemand sagen. Beantwortet das deine Frage?«

Brongdil nickte, doch man sah ihm seine Unzufriedenheit an.

Die Türen zum Thronsaal öffneten sich erneut, und ein stattlicher Krieger trat ein. Der Hauptmann der Stadtwache war groß gewachsen und hatte muskelbepackte Arme. Seine Haare und sein Bart waren pechschwarz und zu kunstvollen Zöpfen verwoben. Sie zeigten die Stellung, die er im Volk der Zwerge innehatte. Für Londa war es kaum zu glauben, dass Mungdal der Sohn von Brongdil war. Beide würdigten einander keines Blickes, jeder andere hier wusste, wie sehr sie einander verachteten. Mungdal war Brongdils einziger Nachkomme. Eigentlich sollte er die Geschäfte seines Vaters eines Tages übernehmen, doch er hatte den Weg des Kriegers gewählt. Londa bewunderte ihn für seinen Mut, sich gegen den Willen seines Vaters zu stellen. Mehr noch, sie liebte ihn dafür. Ihr wurde warm ums Herz, und sie hoffte, die Anwesenden bekämen nicht mit, dass sie errötete. Niemand ahnte, was sich zwischen der Prinzessin und dem Hauptmann abspielte. Das dachten die beiden zumindest. In Wirklichkeit hatte Freda es schon längst bemerkt, und auch ihr Vater wusste, was in Londa vor sich ging.

Mungdal verneigte sich tief vor der königlichen Familie. Als er sich wieder aufrichtete, schenkte er Londa ein kurzes Lächeln, doch schon im nächsten Moment hatte er seine Maske wieder aufgesetzt. »Mein König! Wir haben die Kammer gesichert. Fünfzig Zwerge und alle Schneeelfen sind vor Ort. Sollte der Feind uns überwinden, werden wir den Zugang mit flüssigem Zwergenstahl fluten. Das sollte es dem Feind unmöglich machen, den Kelch zu bekommen.«

»Ich danke dir, Hauptmann. Doch du irrst dich, wenn du glaubst, etwas Zwergenstahl könnte Minas stoppen. Damit würden wir lediglich etwas Zeit gewinnen, sollte er nach Hammerfeste kommen. Nur Rubina und Marcus können ihn aufhalten. Das sollte niemand von Euch jemals vergessen!« Lundal hatte in einem sehr freundlichen Tonfall geantwortet, da Mungdal inzwischen wie ein Sohn für ihn geworden war. Nun wandte sich der König wieder an den Rat: »Ihr seht also, meine Herren, wir haben bereits getan, was wir tun konnten. Alles Weitere liegt in den Händen unserer Freunde. Wir müssen darauf vertrauen, dass Rubina und Marcus uns wieder einmal vor dem Untergang bewahren werden. – Nun geht! Wir haben militärische Angelegenheiten zu besprechen, und dabei sind Zivilisten nicht von Nutzen!« Lundal ließ keinen Zweifel daran, wie wenig er vom Rat hielt. Die Mitglieder verließen mit säuerlichen Mienen den Saal. Die Herabwürdigung durch ihren König war für diese ansonsten so hoch angesehenen Männer ein Schlag ins Gesicht.

»Ihr beiden solltet etwas diplomatischer dem Rat gegenüber sein. Wir brauchen ihn, das muss selbst euch klar sein.« Freda hatte bis jetzt geschwiegen, nun ließ ihr Tadel für Mann und Tochter an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

»Damit habt ihr mit Sicherheit recht, meine Königin. Doch wenn der Krieg erst einmal begonnen hat, wird der Rat nicht mehr von Bedeutung sein.« Mungdal sah Freda direkt in die Augen, die Königin erwiderte seinen Blick.

»Du bist noch ein junger Zwerg, daher sehe ich dir deine Einfältigkeit nach. Du solltest niemals den Einfluss des Rates unterschätzen. Selbst im Kriegsfall werden wir sie brauchen, denn sie kontrollieren den gesamten Handel, auch den mit Waffen. Wir sind ein Volk, und wenn wir überleben wollen, müssen wir auch so handeln.«

Der Hauptmann verneigte sich tief vor seiner Königin. »Verzeiht mir bitte meine Unverfrorenheit. Ich wollte Eure Weisheit keinesfalls infrage stellen.« Freda winkte nur ab und lenkte das Gespräch auf wirklich wichtige Themen.

KAPITEL ZWEI

Marcus durchschritt das Portal und war im nächsten Augenblick auf Rubinas Insel angelangt. Er stand auf der Terrasse vor ihrem kleinen Haus und sah zum Altar hinauf, der sich innerhalb der Tempelruine befand. Wo eigentlich der Kristall liegen sollte, der Aragurien vor Minas schützte, waren nur noch wenige Bruchstücke übrig. Erst jetzt bemerkte Marcus, dass alles voll dahinschmelzendem Eis und Schnee war. Selbst das Meer schien teilweise noch gefroren zu sein. Dicke Eisschollen trieben auf der Oberfläche. Ihm wurde sehr kalt, also wirkte er einen einfachen Wärmezauber.

Eine Stimme hinter ihm riss ihn aus seinen Gedanken: »Aldris hat den Kampf gegen die Dunkelheit verloren. Ich habe einen Moment lang nicht aufgepasst, und schon war die Katastrophe unausweichlich.« Marcus drehte sich um und sah Rubina mit Tränen in den Augen vor sich stehen. Er schloss sie in die Arme und versuchte, sie zu beruhigen. Er gab ihr keine Schuld, wie auch? Sie hatte zweihundert Jahre lang über Aldris gewacht. Einen einzelnen Moment der Unachtsamkeit, das konnte man ihr unmöglich zum Vorwurf machen!

Die rote Magierin bat Marcus in ihr Haus und servierte ihm einen Becher mit dampfend heißem Tee. Dann berichtete sie ihm von den vorangegangenen Ereignissen. Der Dämon hatte jetzt also die Kontrolle über Aldris und war mit seinem Körper an einen unbekannten Ort verschwunden. Rubina hatte mehrfach versucht, ihren Gefährten aufzuspüren, leider erfolglos. Er war spurlos verschwunden. Marcus beunruhigte es natürlich, dass ein solch mächtiger Dämon nun irgendwo in Aragurien sein Unwesen trieb. Andererseits war er aber auch erleichtert, dass nicht Minas den Schild eingerissen hatte. Das bedeutete nämlich, dass der mächtige Feind vielleicht noch nichts vom freien Zugang nach Aragurien wusste.

»Wir sollten uns momentan lieber auf die bevorstehende Ankunft von Minas konzentrieren. Die Rettung von Aldris muss noch warten, zumindest für den Augenblick.«

Rubina riss die Augen auf. »Das kann nicht dein Ernst sein, Marcus! Aldris ist unser Freund, wir dürfen ihn jetzt nicht im Stich lassen!«

Sie war außer sich vor Wut. Marcus versuchte seine Freundin zu beruhigen. »Niemand will ihn aufgeben. Doch wenn wir uns nicht auf den Angriff von Minas vorbereiten, hat keiner von uns eine Zukunft! Minas würde uns alle töten, auch Aldris!«

Auch wenn es Rubina zutiefst widerstrebte, musste sie ihrem Freund recht geben. Sie verließ die Küche und ging in einen Nebenraum. Erst jetzt fiel Marcus auf, dass das von außen so winzig wirkende Haus im Inneren riesengroß war. Von der Küche ausgehend führten mehrere Türen in andere Räume. In das ein oder andere Zimmer konnte Marcus hineinschauen. In einem gab es zum Beispiel eine große Bibliothek, ein anderer Raum sah aus wie eine Art Laboratorium. Die mächtige Magierin hatte sich hier drinnen einen verzauberten Ort geschaffen, dessen wahre Dimensionen von außen nicht erkennbar waren. Nach ein paar Minuten kam Rubina zurück in die Küche und drückte Marcus einen kleinen Beutel und mehrere uralte Folianten in die Hand. Er öffnete das kleine Säckchen, darin befanden sich viele kleine Kristalle, deren magische Kräfte deutlich spürbar waren. Sie pulsierten förmlich in seiner Hand. »Die Bücher, die ich dir gegeben habe, sind aus der Zeit unserer Ahnen. Einiges darin könnte nützlich sein, im bevorstehenden Kampf gegen Minas.«

Marcus öffnete eines der Werke und sah Rubina verwundert an. »Woher hast du das? Ich dachte, sie wurden alle bei der Zerstörung der großen Bibliothek in Kristallstadt verbrannt.«

»Nein, das wurden sie nicht. Ich habe alles, was aus der Zeit der Vorväter stammt, hierhergeholt, schon lange bevor ihr wieder nach Aragurien zurückgekehrt seid. Dies ist mein Schatz, den ich gehütet habe wie meinen Augapfel.«

Marcus konnte es nicht glauben! Wie viele Geheimnisse hatte seine alte Freundin noch vor ihm? Als hätte sie seine Gedanken gelesen, antwortete sie ihm: »Du weißt nicht alles von mir. Vielleicht denkst du, dass ich dir nicht vertraue, doch damit hat das überhaupt nichts zu tun. Eine Frau sollte sich immer ein paar Geheimnisse bewahren, das kann früher oder später von Nutzen sein.« Sie lächelte ihn vielsagend an, und er fragte gar nicht erst, was sie noch alles vor ihm verbarg. »Genug geplaudert! Komm, lass uns ins Waldreich gehen. Wir sollten den Schicksalsdolch holen, bevor es jemand vor uns tut.«

Ohne eine Reaktion von Marcus abzuwarten, öffnete Rubina ein Portal. Auf der anderen Seite konnte er den Ratssaal seines Palastes sehen. Dort blickten Lunea und Luna überrascht auf die magische Pforte. Im nächsten Moment trat die rote Magierin hindurch, und Marcus folgte ihr, so schnell er konnte. Dabei wäre ihm beinahe noch einer der wertvollen Folianten aus seiner Hand gerutscht.

Weit im Osten Araguriens, tief in den Gebirgszügen, verspeiste ein großer Troll gerade einen erlegten Bären. Er riss dem gewaltigen Tier mühelos ein Bein heraus und steckte sich den Stumpf in sein grässliches Maul. Der Troll kaute genüsslich schmatzend auf seinem Leckerbissen herum. Dann erschien vor ihm, wie aus dem Nichts, ein Elf. Der Troll schluckte schnell und wollte sich sofort auf seinen Feind stürzen, doch eine unsichtbare Macht hielt ihn davon ab. Jetzt sah er die Augen des Elfen und erkannte nichts außer tiefster Schwärze darin. Der Troll verstand nicht, wer oder was dieses Wesen war, doch er bekam Angst vor ihm. Auch wenn er dreimal so groß war wie sein Gegenüber, zog er sich von ihm zurück. Der Elf hob den rechten Arm, und eine schwarze flüssige Substanz schoss aus seiner Hand. Kurz bevor der unheimliche Strahl den Troll traf, verzweigte er sich. Ganz so wie ein Kraken, wenn er seine Tentakel unaufhaltsam um sein Opfer schlingt. Die dunkle Flüssigkeit hüllte den Troll vollkommen ein. Er versuchte, sich zu wehren, und schlug nach dieser Masse, doch er konnte nichts dagegen ausrichten. Seine Pranken fuhren hindurch, als wäre dort nichts weiter als Luft. Das Atmen fiel ihm immer schwerer, und schließlich sank er zu Boden. Durch die Schwärze, die ihn nun völlig umgab, konnte er den Elf nur noch schemenhaft erkennen. Jetzt wusste der Troll, was ihm dort gegenüberstand. Doch es war zu spät. Sein Leben, so wie er es gekannt hatte, endete in diesem Moment. Seine Seele wurde ihm von einem Dämon, der aussah wie ein Angehöriger der Lichtvölker, entrissen. Einzig die leere Hülle blieb von ihm übrig, und die erhielt ab sofort ihre Befehle von dem Dämon selbst. Ein willenloser Sklave, der für ihn die schmutzigen Arbeiten erledigen würde.

Über das Gesicht des Elfen huschte ein böses Lächeln. Er freute sich, wieder eine Seele geraubt zu haben, auch wenn es nur die eines Trolles war. Ihm sollte es egal sein, Hauptsache, er konnte etwas Lebendiges verschlingen. Der Körper des Trolls würde ihm später noch von Nutzen sein, da war er sich sicher. Jetzt aber galt es zunächst seinen Bruder zu finden, der tief im Ostgebirge hauste. Vor vielen Jahrhunderten hatte er dort die Goblins in den Berghöhlen gejagt und sich von ihren Seelen genährt. Es war eine Ewigkeit her, dass er ihm begegnet war. Der Dämon hoffte, dass sein Bruder überhaupt noch existierte. Ein gewaltiger Krieg stand bevor, und wenn erst der mächtige Minas zurückgekehrt wäre, würde Chaos in Aragurien herrschen. Sollten sich die Lebendigen doch gegenseitig vernichten. Diejenigen, die übrig blieben, könnte er dann mit seinen Brüdern und Schwestern verzehren. Sie würden sie züchten wie Vieh und regelmäßig zur Schlachtbank führen. Welch schönes Gefühl es doch wäre, sich endlich einmal wieder so richtig sattfressen zu können an den Seelen ihrer vielen Sklaven.

Er gab seinem willenlosen Diener einen geistigen Befehl, und der untote Troll setzte sich in Bewegung. Der Dämon in Elfengestalt folgte ihm, und sie nahmen den Weg hinab in das unterirdische Reich der Goblins.

Im Elfenpalast des nördlichen Waldreichs sprang Lunea Rubina beherzt in die Arme, kaum dass diese durch das Portal geschritten war. So lange hatten sie sich nicht mehr gesehen, und doch fühlte es sich an, als wäre sie nur kurz fort gewesen. Die Elfenfürstin wusste genau, dass es sich nicht schickte, wie sie sich benahm. Doch das war ihr in diesem glücklichen Moment egal. Sollten die Ratsmitglieder denken, was sie wollten. Lunea hatte mit Rubina so viel erlebt, dass es ihr zustand, sie auf diese unkonventionelle Art zu begrüßen. »Wie ich mich freue, dich zu sehen, Rubina. Wie geht es dir?«

»Auch ich freue mich, dich zu sehen, Lunea. Mir geht es gut, soweit es die Situation zulässt.«

Lunea ließ Rubina los und umarmte Marcus. Sie gab ihrem Gemahl einen langen Kuss. Dann erst bemerkte sie, dass jemand fehlte. »Wo ist Aldris? Habt ihr ihn auf der Insel zurückgelassen?«

Marcus schüttelte den Kopf und blickte zu Rubina, die eine versteinerte Miene aufgesetzt hatte. »Aldris ist verschwunden. Der Dämon in ihm hat die Kontrolle übernommen. Er war es auch, der den Schild zerstört hat. Danach ist er an einen unbekannten Ort geflohen.«

»Was sagst du da? Das kann ich nicht glauben! Aldris hatte dem Dämon doch schon so lange widerstanden. Es tut mir schrecklich leid, Rubina. Wir werden alles tun, um ihn zu retten. Das verspreche ich dir.«

Rubina sah Lunea traurig an. »Danke dir für deine tröstenden Worte, doch im Moment können wir gar nichts für Aldris tun. Wir müssen uns auf die Rückkehr von Minas vorbereiten, denn er wird kommen! Im Moment weiß er vielleicht noch nicht, dass der Weg nach Aragurien frei ist. Aber er wird es schon bald herausfinden, darüber sind wir uns alle im Klaren.«

Marcus ging zu Luna und nahm seine Tochter in den Arm. Er konnte sich gut vorstellen, was jetzt in ihr vorging. Das Schicksal Araguriens lag nun in ihren Händen, so wollte es die Prophezeiung. Er löste sich von ihr und wandte sich an den Elfenrat: »Geht und informiert alle Reiche in Aragurien! Schildert ihnen die neue Situation! Schon bald wird kein Reich mehr sicher sein. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die dunklen Völker von der Zerstörung des Schildes erfahren. Sie werden sich sofort gegen uns wenden und Minas zu Diensten sein. Und die Bedrohung, die von dem Dämon ausgeht, ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Er hat die Barriere nicht ohne Grund zerstört. Geht jetzt!«

Die Ratsmitglieder verließen den Saal, und Rubina ergriff das Wort: »Wir müssen den Schicksalsdolch aus seinem Versteck holen und ihn Luna überlassen. Es ist deine Bestimmung, Luna. Du bist die Einzige, die Minas aufhalten kann. Doch ich gebe dir mein Ehrenwort, dass du dabei nicht allein sein wirst. Deine Familie und all deine Freunde werden dir treu zur Seite stehen.«

Der jungen Halbelfe war ihre Angst vor dem, was jetzt vor ihr liegen würde, deutlich anzusehen. Die Prophezeiung sprach davon, dass sie Aragurien entweder retten oder zerstören würde. Wenn sie scheitern sollte, wäre die ganze Welt verloren. Die Halbelfe richtete sich kerzengerade auf und entschied, jetzt nicht an sich zu zweifeln. »Ich bin bereit für meine Heimat, für alles, was ich liebe, zu kämpfen. Lasst es uns angehen!« Luna ging zum Ausgang des Saales, und die anderen folgten ihr. Lunea und Marcus hatten schreckliche Angst um ihre Tochter, doch sie waren auch über allen Maßen stolz auf sie.

Sie verließen den Palast der Elfen und schritten auf den Nachkommen Astalons zu. Der junge Weltenbaum hatte bereits eine stattliche Größe erreicht. In der Krone konnte man ein geschäftiges Treiben der Feen beobachten. Sie bereiteten alles für das große Fest zu Ehren der Sommersonnenwende vor. Die bevorstehende Nacht würde eine sehr besondere werden, voller Magie. Daran verschwendeten sie jedoch im Moment keinen Gedanken. Sie mussten den Schicksalsdolch schnellstens fortschaffen aus diesem dicht besiedelten Gebiet. Weit weg, an einen Ort, an dem Minas ihn nicht finden würde. Rubina und Marcus hatten diesen Platz bereits ins Auge gefasst. Luna würde ihr Plan mit Sicherheit nicht gefallen, denn sie müsste sich zusammen mit dem Dolch vor dem Feind verstecken. Der dunkle Vorvater durfte weder das Artefakt noch die Halbelfe in seine Finger bekommen. Sobald der Dolch in seinem sicheren Versteck wäre, würden sich die Verteidiger des Lichts in Hammerfeste versammeln, um den Kelch zu schützen. Minas’ Macht war so viel größer als die von Tasos. Ein verlustreicher Krieg stand ihnen bevor, darüber waren sich alle einig.

Aus der Krone des Weltenbaumes kam eine Fee zu den Besuchern geflogen. Rubina erkannte die kleine Fliegerin sofort an ihren regenbogenfarbenen Flügeln. »Hallo, Belle, ich grüße dich. Es ist schön zu sehen, dass es dir gut geht.«

Belle umrundete den Kopf der Magierin und landete anschließend auf Lunas Schulter, die neben Rubina stand. »Hallo, Rubina. Es ist auch schön, dich wiederzusehen! Ich hoffe, es geht dir ebenfalls gut. Und Aldris natürlich auch. Was führt dich in unser Reich?«

Bei der Erwähnung von Aldris’ Namen schnürte es Rubina die Kehle zu. Sie brauchte einen Moment, um die Fassung wiederzuerlangen. Dann klärte sie Belle über die Zerstörung des Schutzschilds auf, ging dabei aber bewusst nicht genauer auf Aldris’ Befinden und die Tat des Dämons ein. Belle war das Entsetzen aber auch ohne dies schon deutlich anzusehen. Luna streckte ihre Hand aus, und die Fee flog von ihrer Schulter auf die geöffnete Handfläche. »Belle, du musst uns die Kammer öffnen, in der das Artefakt liegt.«

Lunas kleine Freundin nickte nur stumm und erhob sich dann in die Lüfte. Sie flog auf direktem Weg zu den bereits mächtigen Wurzeln des Weltenbaumes hin. Auf einer besonders großen landete sie und begann sie zärtlich zu streicheln. Erst tat sich nichts, doch dann konnte man ein lautes Knacken und Knarzen vernehmen. Die dicke Wurzel erhob sich aus dem Erdreich, und eine Art unterirdischer Zugang kam zum Vorschein. Eine schmale Treppe aus feineren Wurzeln führte hinab. Alle begannen gemeinsam den Abstieg zu der unterirdischen Kammer, die tief unter dem magischen Baum versteckt lag.

In Ultarien bereitete Minas den nächsten mächtigen Schlag gegen die Barriere in Aragurien vor. Dieses Mal würde es gelingen, da war er zuversichtlich. Allerdings war er das auch schon bei den hundert Versuchen zuvor gewesen. Bei dem Gedanken musste er sogar kurz innehalten und lächeln, obwohl ihm dazu eigentlich nicht zumute war. Minas wollte endlich seine Rache bekommen und die Völker des Lichts vernichten. Wie sehr würden seine Brüder und Schwestern leiden, wenn sie tatenlos mitansehen müssten, wie er ihre kleinen Lieblinge auslöschte. Alles war vorbereitet, und er begann, den mächtigen Zauber heraufzubeschwören. Ein letztes Wort, und schon schoss ein magischer Blitz quer durch das Universum. Es würde jetzt ein paar Minuten dauern, dann würde er wissen, ob der Schild gefallen wäre. Der dunkle Vorvater setzte sich auf einen bereit stehenden Stuhl. Solch ein starker Zauber kostete selbst ihn sehr viel Kraft. Er lehnte sich zurück und schloss die Augen. Er sog die Magie um sich herum ein und tötete dabei einige Mäuse, Spinnen und Käfer, die sich in seinem Heim häuslich eingerichtet hatten. In einem mehrere Kilometer großen Umkreis um sein Haus gab es kaum noch etwas Lebendiges. Alle Pflanzen und größeren Tiere hatte Minas bereits getötet. Andere Tiere trauten sich nicht mehr in seine Nähe, nur die ganz kleinen erkannten die Gefahr nicht. Früher, als die anderen Vorväter noch frei waren, durfte er keinem Lebewesen seine Energie rauben. Jetzt aber herrschte er, und es war ihm egal, wie viele wertlose Geschöpfe er vernichtete. Er war ein Gott, und Götter entscheiden, wer lebt und wer stirbt. So sah die Ordnung aus, die er im Universum schaffen wollte. Niemand würde sich ihm in den Weg stellen.

Er nahm die Erschütterung seines Zaubers wahr, doch dieses Mal war es anders. Der dunkle Vorvater sprang auf, und der Stuhl fiel von dem Schwung nach hinten um. Die Barriere, sie war durchbrochen! Minas konnte ganz deutlich den Einschlag seines Zaubers auf der Oberfläche in Aragurien spüren. Jetzt tastete er sich mit seinen Sinnen langsam voran und konnte die Magie in Aragurien wahrnehmen. Er jubelte innerlich: Endlich war es vollbracht! Er machte sich auf die geistige Suche nach seinen Dienern und fand die dunklen Völker im Osten der Welt. Sie hatten sich wieder in ihre alte Heimat zurückgezogen, oder waren sie dorthin vertrieben worden? Es war ihm gleichgültig. Er würde sie nun zum Sieg führen, so viel war gewiss. Der Vorvater öffnete ein Portal und schritt im nächsten Augenblick hindurch. Das Gefängnis seiner Brüder und Schwestern würde halten, auch wenn er nicht in Ultarien war. Zur Sicherheit würde er jedoch ein paar seiner schwachen Diener zurückschicken, um den Kraftstein vor möglichen Angriffen aus Aragurien zu schützen.

KAPITEL DREI

In den Tiefen des Ostgebirges kam der Dämon gut voran und hatte inzwischen die Heimat seines Bruders fast erreicht. Die Sterblichen hatten ihm einst den Namen Aranturis gegeben. Das bedeutet so viel wie »der Tod aus dem Norden«. Ihm gefiel dieser Name, verbreitete er doch Angst und Schrecken. Einige Goblins waren so dumm gewesen, ihn und seinen Sklaven anzugreifen. Ihm sollte es recht sein, hatte er sich doch von ihren Seelen nähren können. Er hoffte seinen Bruder in dessen angestammter Heimat wiederzufinden, der ebenfalls ein mächtiger Dämon war und sich seiner Sache mit Sicherheit anschließen würde, ein Feuerdämon ganz wie Aranturis. Meist zogen Dämonen es vor, allein zu handeln, um ihre Eroberungen nicht teilen zu müssen, doch nun winkte fette Beute. Wenn er und sein Bruder sich diese Welt teilten, wäre immer noch genügend zu fressen für beide da. Weit im Süden lebte seine Schwester Inaris. Sie war ein Sanddämon und herrschte über die große Wüste. Und im Westen könnte er auch seine andere Schwester Wasaris gewiss für seine Sache gewinnen. Sie war ein Wasserdämon und hasste die Elfen mehr als alles andere. Vor ewigen Zeiten hatten diese elenden Spitzohren sie aus ihrem Reich auf dem Kontinent vertrieben und ihr nur noch das westliche Meer überlassen. Einst herrschte sie über alle Gewässer in ganz Aragurien, doch das war selbst nach Zeitrechnung der Elfen lange her. Zuerst aber galt es seinen älteren Bruder Unaturis in diesem unterirdischen Labyrinth aufzuspüren. Aranturis hatte ihn immer wieder wahrgenommen, doch stets den Kontakt verloren. Der Dämon verstand nicht, weshalb, doch er kam ihm immer näher, dessen war er sich sicher.

Aranturis bog um eine Ecke und betrat eine gewaltige, natürlich geschaffene Kammer. Wieder spürte er seinen Bruder deutlich, doch sehen konnte er ihn nicht. Was ging hier nur vor sich? Im nächsten Augenblick entdeckte er einen Felsüberhang, und darunter nahm er eine starke Kraft wahr. Nun begriff Aranturis: Man hatte seinen Bruder hinter einer magischen Barriere gebunden. Der Dämon kannte diese Art von Magie, es war ein besonderer Zauber der Schneemenschen. Er fürchtete diese mächtigen Kreaturen, waren sie doch genauso stark wie die Vorväter. Er musste auf der Hut sein, wenn er versuchen wollte, seinen Bruder zu befreien. Aranturis nahm zwar keinen Schneemenschen wahr, doch das bedeutete rein gar nichts. Sie waren die größten Jäger dieser Welt, und selbst ihn könnten sie täuschen. Er schritt vorsichtig weiter, auf das magische Gefängnis zu. Ein ganzes Stück davor blieb er stehen und schickte seinen Sklaven allein weiter. Sollte er doch testen, ob das eine Falle für ihn war. Der Troll war wertlos und könnte leicht ersetzt werden. Das große Wesen ging, ohne zu zögern, auf die verzauberte Wand zu und legte eine Hand darauf. Zuerst tat sich nichts, doch dann fing die Hand des Trolls plötzlich Feuer. Die Kreatur gab keinen Laut von sich, da nichts Empfindsames mehr in ihr steckte. Das Feuer breitete sich weiter aus, bis der ganze Körper lichterloh in Flammen stand. Aranturis zog seine Kraft aus dem verlorenen Sklaven ab. Der verkohlte Klumpen Fleisch brach in sich zusammen, und die Flammen verzehrten es, bis nur noch ein Haufen Asche übrigblieb. Ein teuflisches Lächeln huschte über Aldris’ Gesicht. Der Dämon freute sich, dass er so weise gewesen war und die Falle durchschaut hatte.

Nun musste er die Kraft des Elfen nutzen, um den Zauber der Schneemenschen zu brechen. Gut, dass er ein so mächtiges Exemplar als seine Hülle erwählt hatte. Aranturis gab ihm den Befehl, seinen rechten Arm zu heben, und schon murmelte er einen Zauber. Ein gleißend heller Lichtstrahl schoss aus Aldris’ Hand und traf auf das magische Gefängnis. Der Dämon musste sein ganzes Können und einen Großteil seiner Kraft aufwenden, um eine Öffnung in die Mauer zu reißen. Jetzt griffen mächtige, von Feuer umspielte Pranken aus der Öffnung und rissen das Loch von innen weiter auf. Der Körper eines Feuerdämons zwängte sich nach und nach ins Freie. Aranturis erkannte seinen Bruder Unaturis sofort. Bevor er ihn jedoch begrüßen konnte, kam eine weitere Gestalt aus dem Gefängnis gekrabbelt. Es war unverkennbar ein Schneemensch, und zwar ein sehr alter und starker, das spürte Aranturis gleich. Der Alte wiederum erkannte offenbar sofort, dass er keine Chance gegen beide Dämonen gleichzeitig hätte, und rannte auf eine schmale Öffnung an einer Wand der Höhle zu. Die beiden dunklen Kreaturen nahmen sofort die Verfolgung auf und kamen recht schnell näher. Der Schneemensch konnte im letzten Augenblick in dem kleinen Spalt verschwinden, und Aranturis wusste augenblicklich, sie hatten ihn verloren. Der Entflohene würde zu seinem Volk zurückkehren und von der Befreiung Unaturis berichten. Der Dämon hatte keine Zeit mehr zu verlieren. Er musste, gemeinsam mit seinem Bruder, seine Schwestern aufspüren und sie für seinen Kampf gegen die Sterblichen gewinnen. Zuerst mussten die beiden Brüder aber ihre Kräfte mehren. Es kam ihnen gerade recht, dass einige Goblins die ganze Szenerie beobachtet hatten. Diese dummen Wesen in ihren Verstecken dachten irrtümlich, sie wären unentdeckt geblieben. Ein Gedankenaustausch der Brüder, und schon machten sich ihre schwarzen Präsenzen auf den Weg, ihre Opfer zu fangen. Der schwarze Nebel waberte aus ihren Leibern und kroch über den Höhlenboden zu den Goblins hin. Die sterblichen Wesen versuchten sich noch in Sicherheit zu bringen, doch der dunkle Nebel holte sie alle ein. Binnen weniger Minuten war ihre Lebensenergie zur Gänze von den Dämonen verzehrt, die sich gesättigt auf den Weg in den Süden machten.

Belle hatte ihre Freunde in die Kammer unter dem Weltenbaum geführt. Mithilfe ihrer Magie hatte sie noch drei weitere verzauberte Tore geöffnet. Nun standen sie in einem von magischem Licht erhellten Raum. Er war vollkommen leer. Es war jetzt an Luna, den letzten Schutzzauber aufzuheben. Die Elfe murmelte eine kurze Beschwörungsformel und dachte an ein spezielles Wort, das nur sie kannte. Damit öffnete sich eine kleine Tür an der vor ihr liegenden Wand, gerade groß genug, dass Belle hindurchfliegen konnte. Die Fee machte sich auf den Weg und kam kurze Zeit später mit dem Dolch zurück. Die Anstrengung, einen solch schweren Gegenstand zu heben, war ihr deutlich anzusehen, und so kam Luna schnell herbei, ihrer Freundin zu helfen. Die Elfe nahm den Schicksalsdolch in die Hand und spürte augenblicklich die Macht durch ihren Körper fließen, die von diesem Artefakt ausging. Marcus trat neben seine Tochter und erklärte ihr, was als Nächstes zu tun war.

»Ich weiß, du willst es nicht hören, doch dir wird mit Sicherheit klar sein, was nun von dir verlangt wird. Rubina und ich bringen dich auf Tasos’ geheime Insel im Westen. Dort laufen viele Kraftlinien zusammen. Die kannst du nutzen, um den Dolch vor Minas zu verbergen. Es geht nicht nur um das Artefakt, sondern dich selbst wirst du ebenfalls dort verbergen. Wir fliegen dich, Aladir und Belle auf das Eiland. Dort werdet ihr warten, bis einer von uns euch holen kommt. Ihr unternehmt nichts, bis wir es euch sagen! Hast du das verstanden, Luna?«

Die Halbelfe sah ihren Vater ungläubig an. »Du schickst mich fort? Weg von euch? Ich kann euch doch helfen! Mein Schicksal ist es, Minas aufzuhalten, und ich werde mich nicht davor verstecken.«

Nun kam Rubina zu der jungen Frau und nahm sie sanft in den Arm. »Niemand sagt, dass du dich vor deiner Bestimmung verstecken sollst. Das kannst du gar nicht, niemand kann das. Wir wollen nur den Zeitpunkt für die Erfüllung der Prophezeiung selbst bestimmen. Minas soll nicht die Möglichkeit erhalten, uns seinen Willen aufzuzwingen. Verstehst du das?«

Luna senkte ihr Haupt, nickte und stimmte dem Plan ihres Vaters schließlich zu, auch wenn es ihr sichtlich sehr missfiel. Alle verließen die geheime Kammer, und es wurde vereinbart, dass Luna, Aladir und Belle noch an diesem Abend auf die Insel gebracht werden sollten. Es galt keine Zeit zu verlieren, dennoch sollte Belle sich noch von ihrer Familie verabschieden dürfen. Ebenso Lunea und Marcus, die sich wieder einmal von ihrer Tochter trennen mussten. Es gab aber keine Alternative zu diesem Plan.

Noch am selben Abend flogen Rubina und Marcus die drei zu Tasos’ früherem Versteck auf der geheimen Insel. Vor einer Ewigkeit hatte die rote Magierin hier einen magischen Kristall hinterlassen, der es unmöglich machte, ein Portal dorthin zu öffnen. So konnten nur diejenigen zu diesem Ort gelangen, die die exakte Lage kannten. Alle hofften, dass Tasos die Insel vor Minas geheim gehalten hatte. Die Gefährten, die zurückgeblieben waren, mussten sich nun um andere Dinge kümmern und die Verteidigung der Eisernen Berge vorbereiten. Außerdem galt es noch ein geheimes Treffen im Eistal vorzubereiten.

Einige Tage später, in einem anderen Teil Araguriens, erwachte in der Hauptstadt des westlichen Windreiches Eleisa aus einem sehr unruhigen Schlaf. Die Nachrichten aus dem Waldreich hatten die Elfenfürstin mitgenommen. Ein erneuter Krieg zog auf, und ihr mächtigster Feind hatte Aragurien erreicht. Marcus hatte auf dem Rückweg von der geheimen Insel im westlichen Meer am gestrigen Abend dem Windreich einen Besuch abgestattet und Faronor mithilfe eines Portals nach Hammerfeste geschickt. Der Elfenfürst sollte ihre alten Freunde, die Zwerge aus den Eisernen Bergen, bei der Bewachung des magischen Kelches unterstützen. Wieder einmal war Eleisa nicht nur von ihrem Sohn, sondern auch von ihrem Gemahl getrennt. Sie machte sich große Sorgen, wie sie es immer tat. Den Göttern sei Dank war wenigstens ihre Tochter bei ihr in Westtor geblieben. Sie hatte ihren Vater begleiten wollen, doch die Fürstin hatte es ihr untersagt. Eleonora war eine mächtige Magierin geworden und eine beeindruckende Heilerin. Eleisa fand aber, sie sei noch zu jung, um in diesen Krieg verwickelt zu werden. Dabei wusste sie tief in ihrem Innersten, dass es sich nicht vermeiden lassen würde.

Die Fürstin erhob sich aus ihrem Bett und kleidete sich an. Ein weiterer Tag voller Aufgaben und Pflichten lag vor ihr. Es war nun an ihr, das westliche Windreich auf den Krieg vorzubereiten. Marcus und Rubina planten eine große Versammlung aller Völker des Lichts, um ein gemeinsames Vorgehen zu beschließen. Niemand wusste, ob die Menschenherrscher kommen würden oder gar die Schneemenschen. Bis jetzt hatten sie sich immer auf die Verbündeten aus dem Norden verlassen können. Doch man hatte seit Ewigkeiten nichts mehr von ihnen gehört. In zwei Tagen sollte die Versammlung im Eistal stattfinden. Die Schneeelfen waren sehr große Magier, die ihr Reich bestens vor unerwünschten Eindringlingen abschirmen konnten. Daher hatten sich die beiden Vorväter für diesen Ort entschieden, um das Treffen abzuhalten.

Eleisa verließ ihre Gemächer und machte sich auf den Weg in den großen Saal, wo sie mit ihrer Tochter und dem Elfenrat verabredet war. Sie war jetzt schon spät dran und musste sich beeilen. So bemerkte sie auch den ungebetenen Besucher nicht, der sich Zutritt zu ihrem Palast verschafft hatte. Die Fürstin eilte die große Treppe hinab und hatte schon fast den untersten Absatz erreicht, da nahm sie eine Bewegung über sich wahr. Etwas packte sie an den Schultern und riss sie in die Luft. Eleisa schrie laut auf und fuchtelte wild mit Armen und Beinen, doch der Angreifer ließ sie nicht los. Die Magie, die sie gegen ihn einsetzte, blieb wirkungslos. Die Wachen, die ihre Schreie hörten, wollten ihrer Herrin zu Hilfe eilen. Sie kamen aber zu spät, der große goldene Drache brach bereits mit lautem Klirren durch die gläserne Fassade an der Westseite des Palastes und flog davon.

Melash hatte sich in der Nacht heimlich Zutritt zum Elfenpalast verschafft. Es war nicht so leicht gewesen, unbemerkt hineinzugelangen. Schon gar nicht für einen goldenen Drachen mit seinen Ausmaßen. Er war uralt und hatte in seinem langen Leben so manche Täuschung erlernt. Die Elfenwachen in der vergangenen Nacht zu überlisten war eine leichte Übung. Elfen glaubten stets, sie wären ach so schlau, doch ließen sie sich recht simpel manipulieren. Zumindest für Melash war es nicht schwer gewesen. Er hatte ihre Sinne vernebelt und war ungestört durch das geöffnete Hauptportal in den Palast geflogen. Schwieriger war es dann aber, nicht entdeckt zu werden. Mehr als einmal war ein Elfenmagier durch die große Halle gelaufen und hatte sogar direkt zu ihm hinaufgeschaut, doch dank seines Tarnzaubers bemerkte ihn keiner. Stunde um Stunde hatte er unter der Decke auf einem recht instabilen steinernen Träger gesessen und auf die Fürstin der Windelfen gewartet. Welch ein glücklicher Zufall, dass sie allein die Treppe hinunterkam und sich zu dem Zeitpunkt sonst niemand in der Halle aufhielt. Melash hatte leichtes Spiel gehabt, Eleisa konnte sich nicht gegen ihn wehren. Anschließend hatte er das Reich der Elfen auf dem schnellsten Wege verlassen und hielt nun auf eine Klippe nördlich von Kristallstadt zu. Dort wartete bereits seine Gefährtin Sarash auf ihn. Sie wäre mit Sicherheit nicht einverstanden mit seinem Vorgehen, doch was hätte er anderes tun sollen? Schließlich hatte er nicht um eine offizielle Audienz bei der Fürstin bitten können. Drachen waren wahrlich nicht beliebt bei den anderen Völkern. Melash wusste auch genau, warum – er hatte in seinem langen Leben nicht unerheblich zu diesem schlechten Ruf beigetragen. Als junger Drache hatte es ihm viel Vergnügen bereitet, die Städte und Dörfer der Elfen und Zwerge zu überfallen und ihre Schätze zu rauben. Nun aber war er weiser als damals, und es stand nicht weniger als die Existenz seiner Rasse auf dem Spiel. Es gab jetzt schon nicht mehr viele Drachen in Aragurien, und die wenigen, die noch übrig waren, würden den bevorstehenden Krieg mitnichten überstehen, wenn sie auf sich allein gestellt blieben.

Die Klippe kam in Sichtweite, und schon konnte Melash den silbern glänzenden Körper seiner Gefährtin erkennen. Eine mehr als deutliche Nachricht erreichte seinen Geist: Sarash war außer sich, weil er sich so viel Zeit gelassen hatte. Wie wütend würde sie erst werden, wenn sie von der Entführung der Elfenfürstin erführe. Der goldene Drache wollte sich das erst gar nicht vorstellen. Er beschleunigte seinen Flug und erreichte kurze Zeit später die Küste. Er ging langsam tiefer und setzte die Elfe vorsichtig auf dem Boden ab. Anschließend machte er einen weiten Bogen und landete direkt neben seiner Gefährtin. Melash konnte ihre Wut deutlich spüren, dennoch berührte sie seinen Hals zärtlich mit ihrem Kopf. Was sollte er nur tun, wenn er Sarash eines Tages verlöre? Schon darüber nachzudenken versetzte seinem liebenden Herzen einen Stich. Sarash wandte ihren Blick zur Elfe und versuchte ihr ein Lächeln zu schenken, soweit dies für einen Drachen möglich war. Sie wollte nicht zu bedrohlich auf die kleine Person wirken.

»Es tut mir leid, dass mein Gefährte Melash dich gegen deinen Willen hierhergebracht hat. Er sollte dich eigentlich hierher einladen, doch er war schon immer ein ungehobelter Klotz. Mein Name ist Sarash, und wir kommen aus einem Teil Araguriens, der euch gänzlich unbekannt ist. Unsere Absichten sind nicht feindselig, auch wenn du das im Moment wahrscheinlich nicht recht glauben magst.«

Eleisa war unbewaffnet, da sie nicht mit einer Entführung gerechnet hatte. Diese beiden Drachen hatte sie noch nie zu Gesicht bekommen. Sie waren so groß wie Rubinas alter Gefährte Sokar, der Verräter, der einst mit Tasos zusammengearbeitet hatte. Ihre beiden kraftvollen Körper strahlten eine immense Stärke aus. Die metallisch schimmernde Panzerung schien undurchdringlich zu sein. Sie hatten einen mit langen Stacheln bewehrten Rücken und Panzerkragen. Ihre Krallen und Zähne waren länger als Eleisas Unterarme. Wie furchterregend musste ein Kampf gegen diese mächtigen Ungetüme nur für ihre Feinde sein?, fragte sich die Elfe. Sie empfand beinahe etwas zu viel Bewunderung für diese Geschöpfe, zumal sie von dem Goldenen gerade gegen ihren Willen hierher verschleppt worden war.

»Ihr habt eine merkwürdige Art, euch mein Vertrauen zu verdienen! Ich kenne euch nicht, und eure Art ist nicht für ihre Vertrauenswürdigkeit bekannt! Was wollt ihr also von mir?« Der Elfe war ihr Unmut sehr deutlich anzumerken. Sie erwartete eine Reaktion, und zwar schnell.

Melash antworte, bevor Sarash eine Gelegenheit dazu bekam. »Wie meine Gefährtin schon ausführte, haben wir keine feindseligen Absichten. Du hättest mich wohl kaum empfangen, wenn ich um eine Audienz bei dir gebeten hätte. Wir kommen aus einem Land, das hinter dem westlichen Meer liegt. Noch kein Elf oder Zwerg war jemals dort. Vor sehr langer Zeit haben sich einige von unserer Art dorthin zurückgezogen, um den ständigen Konflikten mit euch Zweibeinern aus dem Weg zu gehen.« Melash sagte das mit mehr Verachtung als beabsichtigt. Die Wahrheit war aber, dass er die kleinen Kreaturen nicht als ebenbürtig betrachtete. »Vor wenigen Tagen haben wir eine Macht wahrgenommen, die in Aragurien nichts mehr verloren hat. Der dunkle Herr, Minas, ist zurückgekehrt. Wir fürchten und verabscheuen ihn gleichermaßen. Einst, vor sehr langer Zeit, hat er uns in einen sinnlosen Krieg gegen die Vorväter geführt. Damals waren wir so dumm gewesen zu glauben, er sei unser Verbündeter. Machtgierig, wie wir waren, folgten wir Minas blind in unser Verderben. Viele von uns fanden damals den Tod. Jetzt ist er zurück, und er wird erneut versuchen, diese Welt niederzuwerfen. Alle freien Wesen wird er versklaven, und die, die sich ihm widersetzen, wird er auslöschen. Wir haben uns aufgemacht, um euch unsere Hilfe anzubieten. Dieses Mal werden wir auf der richtigen Seite stehen, auch wenn es unser Ende bedeuten könnte!«

Eleisa war völlig verwirrt. Noch nie hatte sie von einem Land so weit im Westen von Aragurien gehört. Konnte sie diesen Drachen wirklich trauen? Oder wollten sie sie hinters Licht führen? »Was versprecht ihr euch davon? Ein Drache würde nie etwas tun, wenn er nicht auch etwas dafür bekommt!«

Nun ergriff Sarash das Wort: »Ich kann deinen Argwohn verstehen, doch wir meinen es ehrlich mit dir. Es gibt nicht mehr viele von uns, und die wenigen, die heute noch übrig sind, sind schon sehr alt. Der letzte Drache ist vor über tausend Jahren geschlüpft, und es war ein Männchen. Wir hüten noch vier verbliebene Eier und hoffen, dass bald ein Weibchen schlüpfen wird. Es wird unsere Rasse vor dem Aussterben bewahren. Sollte Minas jedoch die Welt erobern, wird er die verbliebenen Eier in seine Gewalt bringen und zerstören oder die geschlüpften Jungen versklaven, und dann sind wir Drachen für immer verloren! Du hast also recht, wir haben einen sehr wichtigen Grund, mit euch in den Krieg zu ziehen.«

Auf einmal hatte Eleisa Mitgefühl mit den Drachen, denn sie konnte ihre Angst ganz deutlich spüren. Auch wenn viele von ihnen sehr grausam waren, so waren sie doch ein Teil dieser Welt. »Was erwartet ihr von mir?«

Melash kam langsam auf die Elfe zu. »Wir wollen, dass du für uns bei den Vorvätern vorsprichst. Es gibt auch in Aragurien ein paar von ihnen, das wissen wir mit Sicherheit. Du sollst ihnen eine Botschaft von uns überbringen.«

Die Neugierde war nun bei der Fürstin geweckt. »Was für eine Botschaft ist das?«