Das Erbe von Kennwall - Ramona Ramona - E-Book

Das Erbe von Kennwall E-Book

Ramona Ramona

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Beschreibung

In der völlig neuen Romanreihe "Fürstenkrone" kommt wirklich jeder auf seine Kosten, sowohl die Leserin der Adelsgeschichten als auch jene, die eigentlich die herzerwärmenden Mami-Storys bevorzugt. Romane aus dem Hochadel, die die Herzen der Leserinnen höherschlagen lassen. Wer möchte nicht wissen, welche geheimen Wünsche die Adelswelt bewegen? Die Leserschaft ist fasziniert und genießt "diese" Wirklichkeit. "Fürstenkrone" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. Ambrose von Kennwall war der letzte Erbe, der auf dem prächtigen Landsitz lebte. Das Herrenhaus stand in einem gro­ßen Park, der von einer hohen Mauer umgeben war. Ambrose von Kennwall war nun dreißig Jahre alt, und es wäre an der Zeit gewesen, sich um Nachkommenschaft zu kümmern. Hedwig von Kennwall saß in ihrem hübschen Salon. Die Terrassentür war weit geöffnet und ließ die warmen Sonnenstrahlen in das Zimmer. Die alte weißhaarige Dame saß in einem Sessel, vor ihr auf dem zierlichen Tisch lag ein Brief, den ihre Großnichte Paola von Renburg ihr geschrieben hatte. Der alten Dame gingen an diesem Morgen viele Gedanken durch den Kopf. Ihre Stirn war ein wenig gerunzelt und die Augenbrauen hochgezogen. So schaute sie in das sonnendurchflutete Grün des Parkes. Da hörte sie draußen auf der Terrasse Schritte. »Ambrose!« rief sie mit ihrer hellen, etwas zittrigen Stimme. Gleich darauf trat ein hochgewachsener, stolzer Mann in die Tür. »Guten Morgen, Tantchen!« Er beugte sich artig über die ringgeschmückte Hand der alten Dame. »Wie geht es dir?« »Komm, setz dich ein wenig zu mir, ich möchte etwas mit dir besprechen.« »Wenn du erlaubst, schaue ich vorher schnell noch die Post durch. Dann komme ich und leiste dir auf ein halbes Stündchen Gesellschaft.« »Anna kann uns eine Tasse Kaffee kochen«

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Fürstenkrone – 196 –Das Erbe von Kennwall

Ein junger Mann auf der Suche nach der richtigen Frau …

Ramona Ramona

Ambrose von Kennwall war der letzte Erbe, der auf dem prächtigen Landsitz lebte. Das Herrenhaus stand in einem gro­ßen Park, der von einer hohen Mauer umgeben war.

Ambrose von Kennwall war nun dreißig Jahre alt, und es wäre an der Zeit gewesen, sich um Nachkommenschaft zu kümmern.

Hedwig von Kennwall saß in ihrem hübschen Salon. Die Terrassentür war weit geöffnet und ließ die warmen Sonnenstrahlen in das Zimmer. Die alte weißhaarige Dame saß in einem Sessel, vor ihr auf dem zierlichen Tisch lag ein Brief, den ihre Großnichte Paola von Renburg ihr geschrieben hatte.

Der alten Dame gingen an diesem Morgen viele Gedanken durch den Kopf. Ihre Stirn war ein wenig gerunzelt und die Augenbrauen hochgezogen. So schaute sie in das sonnendurchflutete Grün des Parkes.

Da hörte sie draußen auf der Terrasse Schritte.

»Ambrose!« rief sie mit ihrer hellen, etwas zittrigen Stimme.

Gleich darauf trat ein hochgewachsener, stolzer Mann in die Tür.

»Guten Morgen, Tantchen!« Er beugte sich artig über die ringgeschmückte Hand der alten Dame. »Wie geht es dir?«

»Komm, setz dich ein wenig zu mir, ich möchte etwas mit dir besprechen.«

»Wenn du erlaubst, schaue ich vorher schnell noch die Post durch. Dann komme ich und leiste dir auf ein halbes Stündchen Gesellschaft.«

»Anna kann uns eine Tasse Kaffee kochen«, versprach die Tante.

Ambrose eilte in die Halle und blätterte die Post durch. Er fand eine Einladung zu einem jener Sommerbälle, die in letzter Zeit auf den Nachbargütern in Mode gekommen waren.

Mit dieser Einladung in der Hand ging Ambrose von Kennwall zu seiner Tante zurück.

»Das ist eine hübsche Abwechslung für dich, Ambrose«, sagte sie erfreut. »Ich hoffe, daß dir bald ein Mädchen über den Weg läuft, in das du dich einmal so richtig verliebst.«

»Wieder das alte Thema, Tantchen?« fragte Ambrose lachend und zog die Hand der alten Dame an die Lippen. »Mach dir keine Sorgen um mich. Wenn die Richtige kommt, wirst du es bald genug erfahren.« Erst jetzt fiel sein Blick auf den Brief, der auf dem Tisch lag.

»Von Paola«, erklärte Hedwig von Kennwall.

»Paola? Der kleine unruhige Geist«, sagte Ambrose. »Wo treibt sie sich zur Zeit herum?«

»Sie lebt auf Mallorca, weil ihr das Klima dort sehr gut bekommt. Aber sie schreibt mir in dem Brief, daß das Heimweh sie oft plagt. Sie möchte ein paar Wochen auf Kennwall verbringen. Ich soll dich fragen, ob es dir recht ist.«

»Paola ist ein Kindskopf«, lachte Ambrose. »Sie weiß genau, daß sie auf Kennwall zu Hause ist. Ich werde ihr einen Brief schreiben, Tantchen.«

»Da ist noch etwas«, sagte Hedwig. »Ich glaube, Paola ist krank.«

Sie reichte Ambrose den Brief. Er las ihn. Auch seine Stirn runzelte sich.

»Was meinst du dazu?« fragte seine Tante.

»Vielleicht hat Paola eine unglückliche Liebe hinter sich. Der Brief klingt leicht melancholisch. Wir werden es hören, wenn sie nach Kennwall kommt«, sagte Ambrose. Er erhob sich. »Mich mußt du jetzt entschuldigen, Tantchen. Ich habe noch allerlei zu tun.«

Er verabschiedete sich und verschwand wieder über die Terrasse.

Drei Tage später fand das Gartenfest auf Gut Remer statt. Ambrose von Kennwall ging nicht sehr gern dorthin.

Er hielt nicht viel von derlei Veranstaltungen. Aber er wollte sich andererseits auch nicht die Nachbarn durch Unhöflichkeit vergrämen.

Adolf von Remer erwartete ihn schon.

»Na, alter Hagestolz«, begrüßte er ihn lachend und führte ihm seine junge, strahlende Frau vor.

»Wie geht es deinem Sohn?« fragte Ambrose.

»Den mußt du einmal bewundern kommen. Ist erst ein paar Monate alt und interessiert sich schon für seines Vaters Pferde.«

Die drei lachten über den Scherz, den Adolf gemacht hatte.

Plötzlich wurde Ambroses Aufmerksamkeit auf ein junges Mädchen gelenkt, das an der Seite seiner Eltern die Halle betrat.

Ambrose konnte sich nicht erinnern, je zuvor ein so schönes Mädchen gesehen zu haben.

Er stand gerade neben Clivia von Remer, der Schwester seines Freundes.

»Wer ist die junge Dame?« fragte er interessiert.

Clivia schaute ihn erstaunt an. Dann lachte sie.

»Ich sehe, daß ich meine Hoffnungen begraben muß, Ambrose. Das ist das Ehepaar Therny mit ihrer Tochter Belinda. Sie ist neunzehn Jahre alt und erst vor wenigen Wochen aus dem Pen­sionat zurückgekehrt. In der Tat, sie ist sehr hübsch«, gestand Clivia.

Im Verlauf des Abends schließlich gelang es Ambrose von Kennwall doch, Belinda zu einem Tanz aufzufordern. Sie lag leicht wie eine Feder in seinem Arm. Das rote Haar schimmerte im Licht der großen Kronleuchter. Ihr Kleid umgab wie eine Wolke ihren schlanken Körper. Ihre braunen Augen verwirrten den großen ernsten Mann, wenn sie ihn anschaute.

Belinda Therny wurde heftig beneidet, denn Ambrose von Kennwall galt als der begehrteste Junggeselle.

Es tat ihm leid, als das Fest zu Ende war. Es gelang ihm aber noch einmal mit Belinda zu tanzen.

»Darf ich Sie wiedersehen?« fragte er.

Sie lachte, daß ihre Zähne nur so blitzten.

»Wir wollen es dem Zufall überlassen, Herr von Kennwall«, sagte sie.

Belinda Therny saß im Wagen neben ihren Eltern.

»Du wurdest auf diesem gelungenen Fest sehr beneidet, mein Kind«, sagte Herr Therny.

»Warum das?«

»Ambrose von Kennwall ist eine sehr gute Partie, Belinda«, sagte ihre Mutter.

»Ich bin noch so jung und ich denke noch nicht daran, mich zu binden. Ich will mein Leben genießen«, die Mädchenstimme klang trotzig.

Der Wagen hielt vor dem Haus. Belinda hatte keine Lust mehr, sich die Predigt ihrer Eltern anzuhören. Sie eilte mit einem kurzen Gruß in ihr Zimmer.

Das Ehepaar schaute sich an.

»Ich glaube, ich darf nicht mehr lange damit warten, Belinda über unsere Vermögensverhältnisse die Wahrheit zu sagen. Der einzige Mann, der für sie in Frage käme, heißt Kennwall.«

Seine Frau nickte.

Bald darauf erloschen die Lichter im Hause Therny. Belinda lag in ihrem Bett. Sie hatte keine Ahnung, wie es um das Vermögen ihres Vaters stand. Seit sie aus dem Pensionat zurückgekehrt war, bestand das Leben für sie aus einem einzigen bunten Traum.

*

Justus Vahlberg verließ an einem regnerischen Morgen das Spielkasino in Monte Carlo.

Als er vor seinem Wagen stand und nach dem Schlüssel suchte, lachte er plötzlich grimmig vor sich hin. Der Wagen gehörte ihm nicht mehr. Er hatte ihn in dieser Nacht neben einem ansehnlichen Geldbetrag verspielt. Wie froh konnte er sein, daß er das Zimmer, das er bewohnte, für zwei Monate im voraus bezahlt hatte.

Jetzt hatte er nur Angst vor der letzten Begegnung mit Ines Dalio, denn sie war seine anspruchsvolle Freundin. Er konnte es sich nicht mehr leisten, kostbare Geschenke zu machen, denn er war am Spieltisch zu einem armen Mann geworden.

Langsam gelang es ihm, wieder klare Gedanken zu fassen. Justus war gezwungen, den Weg zu seinem Hotel zu Fuß zurückzulegen, denn er hatte noch nicht einmal mehr Geld für ein Taxi.

Als Justus sein Zimmer betrat, fühlte er eine bleierne Müdigkeit, in seinem Abendanzug warf er sich aufs Bett und schlief sofort ein.

Als er erwachte, geschah dies durch das Klingeln des Telefons. Der Portier teilte ihm mit, daß Fräulein Dalio in der Halle auf ihn warte.

Justus nahm ein Bad, nach dem er sich etwas frischer fühlte. Aber die Sorgen um seine Zukunft bereiteten ihm heftige Kopfschmerzen. Er zog einen hellgrauen Straßenanzug an. Gleich darauf ging er in die Halle hinunter.

Ines kam mit einem strahlenden Lächeln auf ihn zu.

»Ich hole dich zu einem Ausflug ab, Darling«, sagte sie. Sie schien von seinen Nöten keine Ahnung zu haben.

»Ich muß mit dir reden, Ines«, erwiderte er.

Sie schaute ihn forschend an.

»Was ist denn los mit dir? Von dieser Seite kenne ich dich noch nicht«, erwiderte sie.

Ines war eine faszinierende Erscheinung. Justus wurde oft um sie beneidet. Eigentlich tat es ihm sehr leid, daß er sich von ihr trennen mußte.

»Reden wir also ernsthaft miteinander«, meinte sie.

Sie stiegen in ihren Wagen und fuhren ein Stück aus der Stadt hinaus. Als sie ein stilles Plätzchen gefunden hatten, fragte Ines: »Hast du denn überhaupt schon gespeist?«

»Ich habe keinen Hunger«, erwiderte er. »Ich möchte gleich auf mein Problem zurückgreifen. Wir müssen uns trennen, Ines. Ich habe in der vergangenen Nacht den letzten Rest meines Vermögens verspielt.«

»Was soll das heißen?« Ihre Augen waren groß und ungläubig auf ihn gerichtet.

»Ich bin ein armer Mann, Liebling. Ich weiß nicht, was jetzt werden soll.«

»Willst du damit sagen, daß du überhaupt nichts mehr besitzt, Justus?«

»Ich sagte es dir vorhin bereits. Dir wird es nicht schwerfallen, einen anderen Freund zu finden, der deine anspruchsvollen Wünsche erfüllen kann.«

»Ich kann es nicht glauben, Just. Wir hatten eine schöne Zeit miteinander. Manchmal spielte ich sogar mit dem Gedanken, dich zu heiraten.«

Justus lachte spöttisch.

»Den Gedanken gib so rasch wie möglich wieder auf, Ines. An mir wirst du keine Freude mehr haben.«

»Du hast mir doch einmal von dem großen Landsitz erzählt, Just.«

»Ja, den besaßen die Vahlbergs einmal«, gestand Justus mit müder Stimme. »Aber wir haben alle nichts getaugt. Ich wollte von Anfang an alles besser machen. Aber auch ich konnte dem unglückseligen Spieltrieb nicht widerstehen. Heute sehe ich ein, daß ich dieselben Fehler gemacht habe. Jetzt stehe ich auf der Straße.«

Ines schwieg eine lange Weile. Dann legte sie ihre ringgeschmückte Hand auf seinen Arm. Er sah den überaus kostbaren Ring mit den Rubinen und Brillanten, den er ihr vor einem Jahr geschenkt hatte. Der Mann an ihrer Seite tat ihr leid. Aber sie konnte wenig für ihn tun, denn alles, was sie besaß, hatten ihr die reichen Freunde geschenkt.

»Du darfst den Kopf nicht hängen lassen, Just«, sagte sie.

»Vielleicht hast du einen guten Freund, der dir für die erste Zeit helfen kann. So wie ich dich kenne, wirst du bald wieder obenauf sein.«

Als sie das von dem Freund sagte, war es Justus, als wenn ein Blitz vor ihm eingeschlagen hätte.

»Ambrose von Kennwall«, sagte er.

Ines schaute ihn verwirrt an.

»Ja«, sagte Justus, und seine Stimme war längst nicht mehr so niedergeschlagen. »Daß ich an den treuen Freund erst jetzt denke. Ich werde ihm schreiben. Er wird sich freuen, denn wir haben uns seit einigen Jahren nicht mehr gesehen. Wenn es möglich ist, werde ich eine Zeitlang auf seinem Besitz Unterkunft finden. Was später ist, darüber mache

ich mir jetzt noch keine Gedanken.«

»Du bist doch ein sehr leichtsinniger Mensch, Just«, sagte Ines. »Aber vielleicht ist es gerade dieser Zug, der die Frauen an dir so anzieht. Der dich so interessant macht. Hier…«

Sie nestelte an dem Ring und reichte ihn dem Mann.

»Du hast mir diesen Ring geschenkt, als wir beide glaubten, unsere Liebe werde ewig dauern. Heute stehen wir vor den Scherben dieser Liebe. Das Geld wird dich über die erste schwere Zeit hinwegbringen. Und nun Adieu, Just! Ich werde noch lange an dich denken.«

Sie steckte ihm den Ring in die Jackentasche und gab ihm den Abschiedskuß.

Justus tastete, nachdem Ines ihn allein gelassen hatte, nach dem Ring. Er betrachtete ihn nachdenklich. Gleich wenn er in die Stadt zurückkam, wollte er ihn verkaufen.

Als er in das Hotelzimmer zu­rückkehrte, setzte er sich gleich hin und schrieb an Ambrose von Kennwall.

Justus Vahlberg brauchte nicht lange auf Antwort zu warten. Ambrose lud ihn mit herzlichen Worten auf Gut Kennwall ein.

Justus zögerte nicht lange, seine Abreise vorzubereiten.

*

Der Morgen verhieß einen strahlenden Sommertag. Schon in der Frühe verschwendete die Sonne ihr goldenes Strahlenfunkeln über der reizvollen Landschaft.

Belinda Therny wollte einen Ausritt unternehmen. Als sie ihr Pferd besteigen wollte, kam ein Diener und bat sie im Auftrag ihres Vaters wieder ins Haus zurück. Belinda wollte die Bitte ihres Vaters einfach ignorieren, doch sie wußte aus Erfahrung, daß ihr das bei ihrer Rückkehr doch nur Ärger einbringen würde.

So ging sie wieder zurück. Sie sah in ihrem Reitdreß sehr hübsch und unternehmungslustig aus. Ihr Vater und ihre Mutter standen im Wohnzimmer hinter den Gardinen und schauten der hübschen Tochter entgegen.

Belinda trat mit trotzigem Gesicht ein. Ihr Vater zündete sich eine Zigarre an.

»Setz dich, mein Kind«, sagte er und deutete auf einen Stuhl.

»Ich stand im Begriff, auszureiten, Papa«, erwiderte Belinda schnippisch.

Herr Therny warf ihr einen zornigen Blick zu.

»Wenn dein Vater mit dir zu reden hat, wirst du dir die Zeit zum Zuhören nehmen müssen, Belinda. Ich muß dir leider die Eröffnung machen, daß uns unsere finanziellen Möglichkeiten keinen großen Spielraum mehr lassen, Belinda.«

»Wie soll ich das verstehen? Ich denke, wir sind sehr wohlhabend.«

»Wir waren es, mein Kind. Wir können uns jetzt gerade noch über Wasser halten, und wir sind sorgsam darauf bedacht, daß es keinem Außenstehenden zu Ohren kommt, dann wäre deine Chance, eine gute Partie zu machen, sehr gering.«

Frau Therny beobachtete ihre Tochter. Das Mädchen tat ihr sehr leid.

Belinda trat an eines der Fenster.

»Ich habe geglaubt, eines Tages den Mann meiner Wahl heiraten zu können. Doch wie die Dinge nun liegen, wirst du schon einen Plan für meine Zukunft gefaßt haben, Papa.«

»Belinda, du bist sehr hart«, sagte Herr Therny.

Sie drehte sich herum und schaute ihn aus weiten Augen an.

»Und du?« fragte sie. »Wie nennst du dein Verhalten?«

Frau Therny hob ihr Spitzen­tüchlein an die Augen, um die Tränen zu verbergen. Sie hatte Mitleid mit ihrem Mann, dem diese Stunde alles von seinem Stolz abverlangte. Sie verspürte aber noch größeres Mitleid mit der Tochter, die sich um ihre Jugend betrogen sah.