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Mandy ist kein normales Mädchen, war sie nie und wird sie auch nie mehr sein können. Durch Jay wurde sie stärker, doch könnte es sein, dass seine Liebe sie in noch mehr Gefahr bringt? Ihr möglicherweise sogar das Leben kosten könnte? Und dann ist da noch ein streng gehütetes Familiengeheimnis, dass alles nochmal verkomplizieren kann… Schafft es die Liebe am Ende noch zu siegen? Wenn sich alles be-kämpft? Schaffen es Jay und Mandy am Ende doch noch alle Gefahren zu beseitigen?
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Seitenzahl: 426
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Liebe ist stärker als der Tod!
Sie ist und bleibt unendlich!
Bis wir uns wiedersehen.
Sei getrost.
Was bisher geschah?
Mandy
Ich bin Mandy Schöne. Bis vor ein paar Stunden war ich einfach nur eine Hexe. Bin ich sogar immer noch!
Aber jetzt? Jetzt bin ich zusätzlich noch etwas anderes. Ich bin mehr als jemals zuvor… Sagen wir mal so, ich wurde von meinem besten Freund Jay Morgen gebissen. Ein Biss mit ein paar kleinen Nebenwirkungen.
Meinte ich wirklich kleine Nebenwirkungen? Tut mir sehr leid, aber es sind nicht nur kleine Nebenwirkungen wie Narben -auch, wenn das manchmal echt nicht schön aussieht - sondern lebensverändernde Nebenwirkungen! Ihr wisst schon, das sind nicht die normalen Nebenwirkungen eines Arzneimittels und selbst die können manchmal echt mies sein. Nein. Meine Biss-Nebenwirkungen haben mich in eine Vampyr verwandelt.
Vampir mit Y ist übrigens die weibliche Variante zum männlichen Vampir. Dafür haben die Vampire eigens ein Wort kreiert. Musste man wahrscheinlich, wenn sie schon so lange auf der Erde weilen …
Apropos Vampire. Es sind nicht diese Vamps, auf die ihr möglicherweise steht. Also nicht die heißen „Schnecken“. Ach, lassen wir das einfach. Es sind einfach Vampire, die einfach nur an eure Kehlen wollen. Ja, ohne Scherz, die wollen euer Blut. Ok, um mal auch bei der Sache zu bleiben. Einmal tief Luft holen. Ein. Aus. Puhhh.
Ja Leute, ich kann das auch, ich bin ja nicht plötzlich unmenschlich geworden. Auch wenn ich nicht atmen muss. Echt schräg! Aber zurück zum Wesentlichen: Nicht alle Vampire wollen euer Blut. Es gibt ja Blutbanken. Genau und jetzt wisst ihr auch, warum es tatsächlich so viele Initiativen gibt, damit Menschen Blut spenden. Gern geschehen. Das nächste Mal denkt einfach daran.
Aber Vampire sind auch nicht unbedingt böse. Sie brauchen nur eine andere Nahrungsquelle als wir, oder auch nicht so ganz. Wie jeder Mensch braucht ein Vampir bei einer ernsthaften Verletzung, oder um sich von irgendeiner Verletzung zu heilen und um nicht zu sterben: Blut. Also so anders sind wir auch nicht. Ok, ich bin auch nicht das beste Beispiel dafür. Ich bin seit höchstens ein paar Stunden eine Vampyr. Noch nicht einmal einen vollständigen ganzen Tag lang, aber fast …Ich denke, dass es zumindest irgendetwas zählt.
Nachdem ich in Jays Zimmer vor ein paar Stunden aufgewacht bin, habe ich so viel lernen müssen, dass mir der Kopf noch davon raucht. Aber er hat mich in der Schattenwelt aufgefangen, denn da war ich zuallererst.
Schattenwelt kurzgefasst: Jeder kann die Schattenwelt besuchen, es ist wie ein Traumland, nur existiert es wirklich und alles was dort getan wird, hat auch Konsequenzen für die „wahre“ Welt. Jedes Wesen hat eine innere Verbindung mit der Schattenwelt. Dort können alle sie selbst sein. Ihr wahres Wesen zeigt sich dort am deutlichsten.
Sterbliche und Unsterbliche haben einen natürlichen Zugang zur Schattenwelt, aber man muss bereit sein alle Möglichkeiten in Erwägung zu ziehen, um dort hinzukommen. Sterbliche finden nicht so leicht Zugang zur Schattenwelt, weil sie meist versuchen alles mit ihrem Verstand zu erfassen und dabei vergessen, dass der Verstand niemals in der Lage sein wird alles zu verstehen oder gar zu erfassen. Manchmal muss man einfach glauben. Nicht wissen. Glauben. Sie wollen meist nicht verstehen, dass es mehr als einen sterblichen Teil auf dieser Welt gibt.
Unsterbliche oder auch magische Wesen, ja die Einhörner gibt es wirklich, haben einen leichteren Zugang zur Schattenwelt. Sie gehören irgendwie dazu. Sie sind ein Teil davon. Verwoben in mehreren Schichten. Verkleidet in der Welt der Fantasie, sind sie in Sicherheit vor der Gewalt, zu der die Menschen jederzeit bereit sind. Menschen wollen immer alles erfassen, anfassen, verstehen, analysieren und für sich haben. Dabei vergessen sie, dass alle Wesen Gefühle haben, auch wenn sie sich nicht immer in einer verständigen Sprache verständlich machen können. Nur weil wir sie nicht verstehen, heißt es nicht, dass sie weniger wert sind, oder gar keine Gefühle haben. Das ist mitunter ein Grund, warum wir Wesen uns nicht der Welt zeigen.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Die Schattenwelt ist unter den Menschen eher unter Träume bekannt. Sowohl die Träume als auch die Albträume. Die Schattenwelt ist weit verzweigt. Manchmal teilt sie sich in unterschiedlichen Räumen in einem Gang. Jeder hat seine eigene Tür und lässt nur die ein, die er oder sie will. Aber im Grunde genommen sind wir alle eins. Verbunden durch einen Flur. Nennen können wir die Schattenwelt wie auch immer wir wollen. Am Ende ist sie aber immer noch da wie eine parallele Welt.
Und manchmal muss ich daran denken wie viele Kommilitonen meinen, niemals zu träumen und dabei können sie sich nur lediglich nicht an ihre Träume erinnern. Irgendwie ist das eines der irrwitzigen Sachen der Schattenwelt. Man weiß nie, woran man wirklich dran ist. Und dennoch sind wir alle dort miteinander verbunden. Aber können wir uns anschließend immer daran erinnern, wo wir gewesen sind, als wir im Tiefschlaf waren?
Deshalb ist es ja auch nicht ungewöhnlich, dass es so viele Menschen gibt, die keine Träume haben. „Vermeintlich gesehen“ haben sie ja keine.
Diese Menschen sind von einem Leid geplagt, da sie trotz all der Schönheit der Magie um sie herum, nicht erkennen können, was tatsächlich existiert. Nicht weil sie nicht können, sondern weil sie es nicht wollen. Das liegt daran, dass sie niemals den Zugang zur Magie zugelassen haben. Sich nie dem kleinen Augenblick hingegeben haben und leider auch der Kreativität und dem Glauben an irgendetwas abgeschworen haben. Das muss doch wirklich schrecklich sein. Aber darum muss ich mich nicht kümmern. Wer auch immer dafür zuständig ist, hat schon genug Verantwortung mit sich rumzuschlagen.
Dann wäre da auch noch das kleine nicht wirklich existierende Problem, dass ich Herrin und Seherin einer Burg in der Schattenwelt bin. Es gibt dort mehrere Burgen. Es ist so wie in der „echten Welt“, jeder hat sein eigenes „Haus“ oder die sogenannten Türen, die durch einen Flur verbunden sind.
Meine Burg hat eine spezielle Verantwortung mit sich, denn sie ist das Konsulat der Wesen.
Einzigartig, weil der Hexenrat, auf den komme ich noch später zu sprechen, das Konsulat der Wesen einfach nicht anerkennen will.
Der Hexenrat besteht nur aus elitären Hexen, Snobs, die sich auch nur um Hexenangelegenheiten kümmern. Manchmal denke ich mir, warum es so einen Rat überhaupt gibt, wenn sie nicht einmal mit den Angelegenheiten der Hexen klarkommen. Darum ist es auch in irgendeiner verqueren Art verständlich, warum sie sich ausschließlich um Hexenangelegenheiten kümmern. Allerdings haben die eine komische Art für die Sicherheit aller Hexen und Hexer zu sorgen. Dennoch muss sich der Hexenrat um die Regeln für die Hexen kümmern und die Bestrafung für jeglichen Verstoß zusammentrommeln. Das einzige Problem ist nur, dass sie gar nicht verstehen, dass das Konsulat eine erweiterte Form des Ganzen darstellt, nur dass nicht nur Hexen an den Hebeln sitzen, sondern alle Wesen. Schließlich sind die Hexen so etwas wie die Hüter der Natur.
Doch ihnen sind alle anderen Wesen vollkommen egal. Früher war das nicht so. Eigentlich sollten sie alle Wesen unterstützen. Oder etwa nicht? Aber was sollte ich dazu noch sagen? Den Hexen wird nicht einmal gesagt, dass es andere Wesen gibt. Außer den Geistern, die konnten sie auch schlecht verleugnen, wenn sie gerade von einer Wand in die nächste spuken.
Der Hexenrat hat einfach allein darüber bestimmt, dass nicht alle Wesen der Natur entstammen und dadurch auch nicht schützenswert sind. Dabei hat alleine eine einzige Mutation dazu geführt, dass es unterschiedliche Arten von Vampiren gibt. Ja, denn jeder Vampir hat seine eigene individuelle Fähigkeit.
Das nennt man Evolution, die Stärke der Anpassungsfähigkeit.
Der Rat glaubt allwissend zu sein und über alles und jeden ganz genau Bescheid zu wissen, doch in aller Regel haben sie nicht den Hauch einer Ahnung. Anstatt sich darum zu kümmern, dass es zur Modernisierung kommt, bleiben sie lieber konservativ. Seit Jahrhunderten hätte man eine Veränderung vorantreiben können, doch stattdessen haben sie sich dazu entschieden genau da stehen zu bleiben, wo sie waren. Ein paar tausend Jahre vor unserer Zeit. Wie eine Weltmacht, der man diese Macht niemals entnehmen kann, doch in Wahrheit wird es immer leichter diese Macht zu zerstören, als sie weiter fortbestehen zu lassen. Nicht alles kann so bleiben wie es vorher war, wenn die Personen in ihrer Mitte nicht damit einverstanden sind. Schon ein politisch weiser Mann sagte, dass die Gesetze immer wieder angepasst werden müssten wie die Menschen in ihrer Mitte. Gesetze sollten seiner Meinung niemals starr bleiben. Und was machen alle auf dieser Welt? Sie beharren genau darauf. Wie lange kann das dann noch gut gehen?
Aber nun zu mir. Was bin ich? Ich bin nun etwas anderes. Was ich zu sein dachte, bin ich nicht mehr. Ich habe immer noch meine Hexenkräfte. Was komisch ist. Ich dachte, dass ich, nachdem ich nun von Jay verwandelt wurde, diese Fähigkeiten nicht mehr haben würde. Es wäre logisch, da ein Mensch auch aufhört ein Mensch zu sein, wenn er verwandelt wird. Er wird zu Mensch-Plus. Ich wäre aber auch nicht dieselbe ohne meine Kräfte, doch Jay behielt Recht, da ich in der Schattenwelt immer noch meine Kräfte hatte, würde diese Kraft demnach auch auf dieser Ebene weiterhin existieren. Nun bin ich eine Hexe- „Plus“. Jetzt bin ich ein Mischwesen. Ein Hybrid.
Hybriden sind, wie soll ich euch das besser erklären … Im Biologieunterricht war das die Stelle, an der man sich ein Zebra und ein Pferd vorstellen, die zusammen ein Kind zeugen, das Merkmale von beiden hat. Tanta!!! Das bin ich. Ok, nein nicht wirklich. Ich bin weder Zebra noch Pferd! Verdammt! Kopfkino! Ahh! Aber ich denke, dass ihr es verstanden habt. Es ist nur so, dass man weder zu dem einen noch zu dem anderen richtig hingehört … Das schwarze Schaf inmitten einer Herde weißer Schafe … Ich werde immer blumiger mit meinen Vergleichen…
Aber die richtige Frage ist, ob man sich überhaupt normal fühlen kann, wenn man eine Hexe ist, die außerdem auch noch ein Vampir ist?
Selbst als Hexe war ich nie normal. Falls es so etwas wie Normalität überhaupt gibt… Meine Gabe, die Wahrheit jederzeit und unwiderruflich zu erkennen, hat viel dazu beigetragen. Man kann zwar immer absolut sicher sein, wenn jemand lügt, doch es hat seine Schattenseiten. Trotzdem freue ich mich, dass ich meine Gaben weiterhin habe.
Doch es ist nicht immer alles Freude Eierkuchen. Denn alles hat sowohl eine Licht- als auch eine Schattenseite. Daher kann man nicht sagen, dass es immer lustig ist. Es gibt immer noch Regeln, die zu befolgen sind. Jetzt mehr denn je wird es für mich wichtig mich an alle diese Regeln zu erinnern. Nicht unbedingt befolgen, aber zumindest wissen, dass es sie gibt. Es könnte lebenswichtig werden.
Ich habe bereits die Hauptregeln der Vampire durch Jay erklärt bekommen, doch es gibt noch so viel mehr zu lernen. Zuerst hat mich das gewundert, denn es gibt bereits Regeln und Gesetze für Menschen und die der Hexen, doch im Nachhinein kann ich nachvollziehen, dass es notwendig war für die Vampire eigene Gesetze und Regeln aufzustellen. Es gibt da ein paar fundamentale Unterschiede zwischen Vampire, Hexen und Menschen.
Diese Regeln und Gesetze haben einen Sinn und sind somit grundlegend für das tägliche miteinander. Keine Gesellschaft kann ohne eine Basis funktionieren und damit sind die Gesetze unerlässlich geworden. Auch wenn es sich dabei um eine paranormale Gesellschaft handelt.
Allerdings wundere ich mich, ob alle Vampire den gleichen Gesetzen unterworfen sind, oder ob diese je nach Land etwas anders sind. Das sollte ich mal Zen, Jay bester Freund, fragen, denn er hält die Vampirgesetze hier unter Verschluss. Er ist schließlich jemand Besonderes für die Vampire.
Zen ist nämlich auch noch der „Bürgermeister“ oder „Verwalter“ der Vampire. Ich glaube, dass er extrem viel zu tun hat. Ihm steht die Aufgabe zu, über eine bestimmte Anzahl von Vampiren zu wachen. Das ist wirklich keine leichte Aufgabe! Er ist wie die Polizei bei den Menschen? Ich glaube das trifft es irgendwie, wenn auch nicht ganz. Es gibt auch gar nicht so viele Unterschiede, außer dem Größten: Er kümmert sich natürlich um Übernatürliche oder Andere.
Übernatürliche oder Andere ist ein und dasselbe, beide Wörter werden als Synonyme benutzt. Die Konnotation ist nur leicht anders. Aber im Prinzip bedeuten beide dasselbe: Wir sind keine Menschen. Wir sind anders. Haben Kräfte. Und sind natürlich weniger leicht zu töten.
Das Wichtigste an den Regeln der Vampire ist, dass ein Neuling, so wie ich, an seinen Wandler so lange gebunden ist, bis dieser die Grundregeln kennt. Es soll der Erhaltung der Vampire dienen. Jay wollte mich nicht so an sich binden, denn er wollte, dass ich eine Wahl haben konnte. Darum war es ihm so wichtig mir alles bis ins kleinste Detail vertraut zu machen. Eine Bindung zu ihm sollte ich nur dann eingehen, wenn ich es wollen sollte. Es soll mein Wille sein, nicht sein Zwang. Er hat schließlich eine Ahnung wie das ausgehen kann.
Dass ich Jay schon so lange kenne und ihn doch nicht wirklich kenne, macht mich ein wenig stutzig. Vor der Verwandlung hatte ich Gefühle für Jay. Ziemlich lange, um ehrlich zu sein. Doch getraut habe ich mich damals nicht. Jetzt? Irgendwie geht das alles so schnell und ich habe Angst mit dem Kopf gegen die Wand zu laufen.
Ich wollte damals nicht unsere Freundschaft gefährden, doch gegen diese schleichenden Gefühle konnte ich leider nichts ausrichten. Sie wurden immer hartnäckiger und stärker und dann lag mir da meine beste Freundin Xena auch noch in den Ohren. Ich sollte einfach nur endlich den Mut in die Hand nehmen und sagen was los sei. Doch das tat ich nicht. Bis ich gestorben und wiedergeboren wurde.
Ach Xena, meine liebenswürdige Freundin, die mir bis auf die Haarfarbe gleicht. Sie hatte schon immer die bessere Intuition von uns beiden. Doch obwohl sie nicht wirklich an Magie wie ich sie kenne glaubt, versprüht sie ein Hauch davon wie keine andere Person vor ihr. Sie kann wie keine andere die Zukunft so deutlich sehen, dass ich sie schon für eine Hexe halten würde. Wie durch ein Wunder hat ihr jemand genau zur richtigen Zeit ein Tarot-Kartendeck geschenkt und seitdem legt sie die Karten, sie hat sich wirklich damit auseinandergesetzt und hat mir gezeigt, dass es noch mehr Magie gibt als die, an die ich immer geglaubt und ich jemals gekannt habe.
Sie war es, die mir meinen Tod prophezeit hat. Et Voilà! Ich bin tatsächlich gestorben, doch dabei blieb es nicht, ich wurde ebenso wiedergeboren.
Liz, Jays Schwester, hatte noch vor paar Sekunden an der Tür zu Jays Zimmer angeklopft, damit wir beide, Jay und ich, erfuhren, dass meine Eltern gerade in die Schattenheide eingebogen waren.
Die Schattenheide ist die mehr als nur bekannte Straße der Vampire, obwohl Menschen nicht an Vampire glauben, haben sie immer unter vorgehaltener Hand jeden davor gewarnt ein Fuß auf diese Straße zu setzen. Speziell, wenn es im Morgengrauen oder in der Nacht ist. Das hat mich aber auch nicht daran gehindert.
Ein Klopf, klopf und schon mussten wir aufstehen. Wir waren zwar schon etwas länger auf, aber jetzt mussten wir tatsächlich runter gehen. Das war alles, was ich gerade im Moment nicht wollte. Doch wir standen auf und gingen in aus Jays Zimmer in den Flur im ersten Stock. Doch, bevor wir über eine wunderschöne altertümliche Wendeltreppe aus Kirschholz hinuntergehen, setze mich auf einem Sofa, der im Flur steht, als wäre er genau aus diesem Grund genau da, damit ich etwas Abstand zu Jays Zimmer habe und doch noch nah genug bin. Das nennt sich wohl Ironie. So nah und doch so fern. Ich versuche nochmal an alles zu denken, was mir in den letzten Stunden passiert ist. Ich konnte nur froh sein, dass ich immer noch hier bin und das auch noch mit Jay.
Und nun stehe ich hier an so nah an der Treppe, die von Jays Zimmer zum Erdgeschoss und zu meinen Eltern bringen wird, die wohlgemerkt noch nichts wissen und es auch nicht wissen dürfen.
Ich die neugebackene Vampyr.
Jetzt fängt meine Geschichte wirklich an.
Wie werde ich das nur bloß überstehen?
Na, hoffentlich unversehrt.
Oder ist das zu viel verlangt?
Verzögerungen
Mandy
Vorhin noch war ich noch mit Jay im Bett und es war herrlich mit ihm zusammen zu sein. Okay, nein so war das nicht gemeint, wir haben nur zusammen gelegen. Gekuschelt und geküsst. Doch der Tag musste einfach viel zu schnell anbrechen und Jay musste ja auch meine Eltern irgendwann anrufen, um ihnen zu sagen, dass es mir gut ging. Sehr wichtig war auch mitzuteilen, dass ich die Nacht bei ihm verbracht habe. Ich verstehe das und nachdem ich alles weiß, was ich wissen muss, kann ich es auch nachvollziehen. Schmeckt es mir? Nein! Muss ich damit vorerst leben? Ja!
Außerdem musste ich meinen Eltern gleich erklären, warum ich bei Jay übernachtet habe, obwohl ich zugesagt hatte das zuhause zu tun. Etwas was auf jeden Fall einzuhalten war. Außerdem wurde von Anfang an von niemand geringeres als meinem Vater, Patrick, beschlossen, dass ich NIEMALS und das ist etwas, dass immer zu befolgen ist – bah - nie bei Jay übernachten dürfte. Patrick hatte zudem dafür gesorgt, dass Jay definitiv nicht auf der Party sein durfte, obwohl er eingeladen wurde. Es war nämlich Xenas Geburtstagsfeier und er hat irgendwie einen komisch engen Draht das zu bekommen was er will.
Patrick würde mir ganz bestimmt an die Gurgel gehen, wenn ich es gewagt habe ihm zu widersprechen und bei Jay zu übernachten. Oh ja, die übliche Standpauke wird mir ganz bestimmt noch auf dem Nachhauseweg in den Ohren klingeln. Zumindest konnten sie durch Jays Anruf wissen, dass es mir gut ging. Das sollte doch mindestens ein Pluspunkt sein. Oder etwa nicht? Auch wenn man dazu sagen muss, dass ich nicht mehr zurückkehre, wie ich vorher war. Wie wunderbar, dass nicht alle Vampirklischees stimmen. Doch diesmal wird mir die Standpauke wirklich wehtun, wenn ich Patricks Lärmpegel bedenke…
Patrick Hochmann ist zwar mein Vater, aber er hat nie wirklich diese Rolle in meinem Leben erfüllt. Klar ist er immer dann anwesend, wenn er es überhaupt nicht sein sollte und mischt sich auch nur dann in mein Leben ein, wenn er überhaupt nichts zu sagen hat. Doch hat er meine Mutter Mariana Schöne wegen des Kindes in ihrem Bauch geheiratet. Kurz und bündig: Mich! Meine Mutter war vor der Hochzeit schwanger gewesen. Was legitim ist. Ich will das nicht schlecht reden. Großmutter jedoch legte die Vermutung nahe, dass er meine Mutter nicht lieben würde, sie jedoch geheiratet hat, weil er an das Geld meiner Familie interessiert sei. Großmutter könnte so einiges mehr dazu sagen. Doch nun? War sie nicht mehr da. Sie ist von uns gegangen. Doch sie hatte mir genug zu verstehen gegeben.
Ich gehe sehr stark davon aus, dass mir Großmutter genau deswegen die Gabe der Wahrheit vermachte. Ich sollte immer vorsichtig sein, denn er wäre nicht derjenige, den er zu zeigen pflegt. Sie sagte immer, Patrick habe nie milde walten lassen, er sei immer nur auf seinen eigenen Vorteil aus, ihm würde es nicht interessieren, wer für seine Fehler zu zahlen hätte. Ihm sei nicht einmal das Leben anderer heilig. Dank Großmutter habe ich also eine wunderschöne Gabe erhalten, dadurch wird mir jederzeit und unwiderruflich die Wahrheit zuteil. Zumindest wenn jemand spricht.
Eine so schöne Gabe, aber auch lästig und schmerzhaft. Man bekommt zwar das zu hören was man will, hat aber anschließend diesen bleiernen Geschmack der Lüge im Mund. Man merkt es auf jeden Fall!
Es gibt unterschiedliche Arten von Lügen und jede davon kann ich aufdecken. Unterlassung. Umschiffen. Komplete Lügen. Ach, es gibt so viel mehr. Notlügen sind aber erheiternd. Sie hinterlassen bei mir ein Kribbeln, denn dadurch weiß ich, dass irgendjemand ein Versprechen abgegeben hat nichts zu erzählen.
Bei Patrick stellt sich das Problem, dass er nicht anders kann als zu lügen. Er kann nie die Wahrheit sagen und ist dann dazu auch noch dominant. Es ist wie eine Sirene, die durchgängig schrillt. Nicht das übernatürliche Wesen. Diese Sirenen bringen dich mit ihrem verlockenden Gesang in die tiefsten Gewässer und nehmen dir dein Leben. Ok, vielleicht ist der Vergleich doch gar nicht so abwegig.
Seine Regeln müssen befolgt werden und das ohne Wenn und Aber! Wehe dem, der auch nur daran denkt seine Befehle nicht auszuführen und dass obwohl er überhaupt keine Ahnung von irgendwas hat! Wirklich! Er will das Familienunternehmen leiten und doch führt er es, wenn er tatsächlich alleinige Kompetenzen hätte, in den Bach.
Patrick wollte nicht einmal, dass ich Medizin studiere. Ich sollte mich ja schön an das Imperium dransetzen, dass meiner Familie mütterlicherseits gehört. Darum hat er auch den Nachnamen meiner Mutter angenommen. Wahrscheinlich um ehrenwerter zu erscheinen. Ihm liegt viel an Äußerlichkeiten, statt auf Charakter zu setzen. Ihm geht es immer nur um den Schein. Er weiß gar nicht was Ehrlichkeit bedeutet.
Alles hat bei ihm einen Sinn und Zweck. Immer! Er tut nichts was ihm nicht in irgendeine Weise einen Nachteil verschafft. Am liebsten hat er es, wenn er seine Vorteile aus den Problemen andere ziehen kann. Entweder durch einen Gefallen von einer höherrangigen Person oder durch weiß der Kuckuck was. Was er bei mir speziell nicht so gut findet: Meine Freundschaft zu Jay. Da hatte er auch schon immer mehr vermutet als tatsächlich da war. Das habe ich bisher nie nachvollziehen können, aber es wird sich schon irgendwann zeigen. Wie Xena immer sagt, wenn die Zeit reif ist, wird, alles offenbart. Sie hat ja immer Recht! Doch jetzt entspricht seine Wahrnehmung doch der Wahrheit. Jay und ich sind nun zusammen. Irgendwie würde ich sagen, dass wir nun wirklich zusammengeschweißt sind bis aufs Blut sogar.
Marisha, Jays Mutter, hatte uns vor paar Minuten telepathisch darüber informiert, dass meine Eltern nun angekommen seien und nun in dem Wohnzimmer gebracht werden würden. Es war ja bereits nachmittags, da hatte sich wahrscheinlich meine Mutter durchgesetzt.
Telepathie hat auch seine erfreulichen Seiten und sie ist eine unter vielen anderen Gaben, die ich durch die Verwandlung über Jay erhalten habe, aber demnächst sollten auch andere Gaben hinzukommen, die durch meine eigene DNA nun freikommen würden.
Marisha ist Jays leibliche Mutter, denn Vampire können eigene Kinder zur Welt bringen und das ist auch nicht verboten.
Wie froh ich darüber bin, dass ich zum Überleben kein Blut saugen muss, kann ich nicht einmal beschreiben! Ich kann immer noch wie ein ganz normaler Mensch Essen zu mir nehmen. Blut ist nur bei Blutverlust notwendig, daher hatte sich zum Menschsein nicht wirklich etwas verändert. Ein Punkt weniger auf meiner Liste.
Jay und ich sitzen am Treppenansatz und halten Händchen. Wir wollen noch ein kleines bisschen allein sein, gleich würde es schon komisch genug werden. Patrick konnte ziemlich ungehobelt sein, wenn er das will und ich glaube kein Moment lang, dass er nicht irgendeine Szene machen wird, sobald wir beide im Wohnzimmer erscheinen.
Heute scheint alles anders zu sein und es war auch tatsächlich irgendwie anders, intensiver. Ich spüre das Händchenhalten anders als noch vor ein paar Tagen, denn nun weiß ich über Jays Gefühle für mich. Ich erkenne jetzt auch, dass unsere unschuldigen Küsse, keine Unschuldigen gewesen sind. Gibt es überhaupt so etwas wie unschuldiges Küssen? Im Nachhinein denke ich, dass es so etwas überhaupt nicht geben kann.
Verdammt ich werde rot, wenn ich nur daran denke. Richtig rot sogar. Tomatenrot. Ich bin nicht prüde und ich schäme mich auch nicht, aber Leidenschaft lässt sich auch nicht so gut kontrollieren.
Jay schaut mich schon wieder so an. Wissend. Er lächelt mich zwar an, aber ich habe das dringende Bedürfnis ihn schlagen zu müssen. Er drückt meine Hand. Kann das überhaupt als Liebe gelten? Wenn man ihn in der einen Minute noch wild abknutschen möchte und in der nächsten ihn einfach nur noch schlagen will?
>> Mandy, du machst dir einfach zu viele Gedanken. Alles ist gut und es wird noch besser werden. Ich bin schon so schadenfroh die Bombe gleich platzen zu lassen. << Sein Lächeln ist ansteckend.
Worüber spricht er gerade??? Ich muss einen verdammt dämlichen Gesichtsausdruck zur Schau tragen, da er nur seinen Kopf schüttelt und schon wieder dieses verdammte Lächeln aufsetzen muss. Ich sollte ihn tatsächlich dort treten, wo es wirklich wehtut.
>> Ich würde das an deiner Stelle unterlassen, wenn du später noch eigene Kinder haben willst. Was ich meine ist ganz einfach: Wir sind jetzt zusammen. Und…naja…<< Er schaut etwas verlegen zu seinen Füßen. >>Es… ich … naja… außerdem wollte ich dich fragen, ob du, sobald du volljährig bist mit mir zusammenziehen möchtest? << Jetzt schaute er mir wieder in meine Augen. Seine wunderschönen eisblaue Augen schauen mich viel zu hoffnungsvoll an.
Ok! Ich weiß schon, dass wir ziemlich lange für den ersten Schritt gebraucht haben, aber jetzt den zweiten Schritt in nur einer Woche? War das nicht alles zu schnell? Und ich meine wirklich rasant schnell? Superschnell? Habe ich das eigentlich schon erwähnt? Turbomäßig schnell?
Jay schien meine Panik mitzubekommen und drückt mir erneut mit leichtem Druck auf meine Hand, was mich beruhigen soll und auch funktioniert. >> Wir kennen einander wie kein anderer. Warum sollten wir da noch rumzappeln? Jetzt wo wir keine Geheimnisse mehr untereinander und voreinander haben? <<, redet er beruhigend auf mich ein.
Eine sehr, sehr gute Frage. Eigentlich würde nichts dagegensprechen, aber … Das Haus meiner Eltern? Sollte ich es wirklich verlassen? Konnte ich es überhaupt?
>> Du hast jetzt nicht schon wieder komische Fragen über das Vampirdasein oder ist das deine sentimentale Seite? Weil wenn du mich jetzt tatsächlich fragen solltest, ob du ein Haus ohne die Zustimmung eines sterblichen Wesens betreten kannst, dann flippe ich aus. << Ich kann an seinem Gesichtsausdruck erkennen, dass er es nicht ernst meint, trotzdem werde ich rot. Kann man eigentlich noch röter werden als Tomatenrot? Ich sollte vielleicht immer einen Spiegel zur Seite haben. Es könnte hilfreich sein. Es gab ein Märchen, dass Vampire nicht in bewohnte Häuser ohne eine vorherige Einladung reingehen durften. Doch ich wusste schon, dass Jay häufiger in anderen Räumen als die seinen gewesen war, daher plagte mich diese Antwort nicht wirklich. Daher hatte ich eine solche Frage nicht. Daher schüttle ich den Kopf.
Ganz plötzlich hören wir von unten Geschrei, meine Eltern waren vor kurzem reingekommen. Es ist nicht irgendein Geschrei. Sondern eher ein Brüllen und nicht von irgendjemanden. Sondern von einer Person, die niemals die Stimme erhebt. Das war die Stimme meiner Mutter und sie erhob selbst im Streit nie die Stimme. Nie!
Außer vielleicht jetzt im Moment.
Hatte sie vielleicht nach so langen Jahren doch gespürt, dass die Morgens Vampire sind? Und ich jetzt ebenso eine Vampyr bin?
>> Ahhmm. Nein. Diese Frage stellt sich nicht einmal, wenn meine Eltern gerade unten diskutieren. << Ich blicke zu ihm auf.
Das war vielleicht schräg.
Vielleicht aber auch nicht …
Vielleicht ist das am Ende sogar etwas wirklich Gutes.
Mandy
Ich versuche zurückzudenken, wann sich meine Eltern überhaupt zum letzten Mal gestritten haben und es läuft immer nach einem Muster. Patrick wird laut und meine Mutter leiser. Und worüber streiten sich meine Eltern? Wenn es um mich geht. Für mich. Es ist schon immer so gewesen, aber als ich jetzt in das Wohnzimmer der Morgens in meinem neuen blauen Kleid, dass mir Jays Schwestern geschenkt hatten, reinkam bin ich froh, dass Jay meine Hand hält, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht doch in ein Schlachtfeld hineingeraten bin. Es fehlen zwar nur noch die zerfetzten Kissen. Es sieht nämlich nicht nach einem Streit, sondern vielmehr nach einem Krieg aus Fetzen. Und diesmal hatte ich bestimmt gar nichts damit zu tun.
Meine Mutter Mariana war kurz dabei Patrick an die Gurgel zu gehen. Wortwörtlich! Super interessant und schockierend.
Patrick schien das nicht zu fassen, wie alle anderen im Zimmer, immerhin hatte meine Mutter bisher keine Handgreiflichkeiten ihm gegenüber gezeigt, auch wenn er es manchmal echt verdient hätte. So etwas sah ich daher zum ersten Mal und war ganz perplex! Sie schlug ihm tatsächlich fest ins Gesicht. Das war möglicherweise wohlverdient. Dennoch ungewohnt. Ich war geschockt. Patricks sonst so fest gegelten platinblonden Haare flogen um sein kantiges Gesicht und seine braunen Augen blickten mörderisch und versprachen Rache.
Jay sah so etwas anscheinend ebenso nicht oft, denn er griff meine rechte Hand etwas fester. Wollte er mich trösten oder doch eher sich selbst abreagieren? Oder mich wohl doch noch von hier wegbringen. Bei der letzten Option hätte ich nichts entgegenzusetzen. Was aber hat das hier vor unseren Augen überhaupt zu bedeuten? Worum ging es hier tatsächlich? Die beiden haben ja zu Hause nie so etwas veranstaltet!
>> Vielleicht möchtet ihr beiden ja hören, was Mandy und ich zu sagen haben. << Es hätte eine Frage sein können, aber das war es nicht. Jay sprach ungewöhnlich laut und autoritär. Das hatte er wohl noch aus einer anderen Epoche, aus einer anderen Zeit, als Manieren noch beigebracht wurden. Aber es war beeindruckend und alle schauten zu ihm auf. Ja, er ist wirklich groß. 1,80 m?
1,93 m, wenn ich bitten darf!
Er nickte mir zu, seine telepathische Antwort war mit einem leicht gekränkten Ton wegen der fehlenden dreizehn Zentimeter.
Das tut mir so schrecklich leid.
Ironie ist meine Stärke.
>> Was habt ihr denn zu sagen? Ist Mandy etwa schwanger? Hast du ihr ein Kind gemacht du höhnischer Taugenichts? Hat es dir nicht gereicht eine Nacht mit ihr zu haben? Neben ihr zu schlafen ist zu viel des Guten für dich, nicht wahr? Du musst gleich zur Aktion heranschreiten! Pah. Ich spucke auf dich, du mieser Verräter! << Patrick kann das gut. Höhnisch sein und Spitzen verteilen, wo auch immer er ist, ohne Rücksicht auf Verluste. Das ist seine Stärke. Das war Patrick wie er leibt und lebt. Beleidigungen konnte er jederzeit und überall und gegen jeden ausspucken. Selbst dann, wenn er irgendwo verletzt lag, konnte er nichts anderes als andere schlecht zu machen. Er konnte nie anders sein. Sah sich immer als etwas Besseres an und dass obwohl er in eine reiche Familie hineingeheiratet hat. Vorher war er ein Nichts. Jetzt? Patrick war herablassend. So war schon immer sein Normalzustand gewesen. Ich kann es immer noch nicht verstehen, wie sich Mutter in diesen Mann hat verlieben können. Dabei ist er mein Vater und ich müsste zumindest Zuneigung empfinden. Dass sie auch noch achtzehn Jahre mit ihm verheiratet ist, schien mir im Verhältnis, zu dem wie er ist, immer noch ein Wunder zu sein.
Jay schaut nochmal zu mir hinunter und dabei bin ich gar nicht so klein. Ihm gefällt ganz und gar nicht Patricks Tonfall und noch viel weniger seine Aussagen. Daher ist es besser, wenn er nicht eingreift. Ich wollte gerade eingreifen, komme aber nicht mehr dazu, denn Mutter ist einfach schneller.
>> Halt den Schnabel, wenn du nochmal in diesem Ton über oder mit meiner Tochter sprichst, garantiere ich, dass du diesen Tag noch tatsächlich bereuen wirst! Reicht dir die eine Ohrfeige nicht? Mir reicht es, dass du die Morgens bereits beim Betreten der Haustür beleidigt hast. Noch ein Wort und ich bin versucht dir deine Zunge rauszuschneiden! Lass die beiden in Ruhe! Zudem vergisst du, dass die beiden alles tun dürfen, was sie wollen! Du kannst ihnen nichts befehlen! Sie sind frei in ihrem Tun. <<, schreit meine Mutter ihn an.
OK???! Meine Mutter hat das übernommen. Das ist nicht normal für meine Mutter. Gut, natürlich beschützt sie mich, aber dann wird sie nicht so… so aggressiv? Verstörend? Handgreiflich? Schnippisch? Habe ich erwähnt, dass sie so nie vorher gewesen ist? Creepy? Schon gar nicht vor Zeugen??! Und seit wann bedroht sie Patrick mit dem Zungen-herausschneiden?
>> Na, dann passt es ja gut. << Jay zog den Satz in die Länge und schaut mich noch einmal an und fährt erst dann fort, als ich im zunicke. Ihm ist meine Zustimmung für die nächste Offenbarung wichtig.
>> Wir ziehen nämlich zusammen <<, sagte ich, ohne zu wissen, wie es mir so leicht über die Lippen ging. Vielleicht war es doch, so leicht wegen den Veränderungen?! Alles ist in Bewegung und alles in mir verändert sich. Schließlich bin ich nicht mehr nur eine Hexe … Aber auch weil ich mir sicher bin, dass Jay für mich da ist, komme was wolle.
>>Was!!!<<, kommt es von Patrick im selben Moment wie das >>Endlich!!! << von meiner Mutter und beide schauen sich finster an.
Unterschiedlicher hätten die beiden Reaktionen im selben Moment nicht sein können. Patrick ist geschockt und Mariana, meine wunderschöne Mutter, überglücklich. Mariana kommt auf mich zu und umarmt mich. Die Morgens nickten und lächeln uns nur zu, denn immerhin wussten sie längst darüber Bescheid. Gute Ohren und so. Was das Vampirsein nicht alles für Vorteile hat.
***
Kaum hatte Mariana ihre Tochter in den Armen, da spürte sie es. In diesem Moment spürte Mariana eine Veränderung an Mandy. Etwas war entschieden anders. Doch was war es? Kälte lief ihr den Rücken runter wie Eiszapfen stachen sie in ihre Wirbelsäule. Das war nicht gut. Das kann nicht sein, denkt Mariana. Sie versteift sich und lässt Mandy los, um ihr genauer in die vertrauten blauen Augen zu schauen.
***
Im selben Moment wie meine Mutter versteife ich mich. Ich fühle eine Gefahr, die draußen auf uns wartet. Dieses dringende Gefühl nachsehen zu müssen will sich einfach nicht in Luft auflösen. Ich weiß auch was auf mich wartet, aber ich kann nicht anders. Dumm und stur könnte man die Situation auch benennen. Aber wie immer bin ich spontan. Zu spontan könnte man es ebenso meinen! Ich stellte mich wie immer jeder Gefahr. Selbst als ich erkenne, dass die Blitze, die nur ich sehe, immer stärker werden. Auch wenn die Situation verrückt ist. Das dringende Bedürfnis die Tür aufmachen zu müssen ist stärker, was oder wer auch immer sich dahinter versteckt, will rein und will etwas Böses tun und ich muss es aufhalten. Es will gegen mich einschreiten und mir die Flügel stutzen. Mich brechen. Mich zerstören. Aber das konnte die Person dort draußen vergessen, denn ich stelle mich jeder Gefahr, auch wenn es etwas ist, womit ich nicht rechnete. Zumindest nicht wirklich rechnen konnte.
Und jetzt? Jetzt bin ich eine Kämpferin!
Ich bin bereit bis zum letzten Atemzug für mein Leben zu kämpfen und ich hoffe die andere Person dort draußen ebenso, denn es würde Blut fließen
Es sollte sich wohl noch als wahre Dummheit bewahrheiten, wenn man jedem Instinkt nachgibt.
Aber ist nicht jeder dumm, wen es um die Liebe geht und wenn man seine Liebsten beschützt? Dann gibt es keine Dummheit.
Es sind die eigenen Entscheidungen, die uns die Richtung ebnen wohin unser Leben am Ende geht.
Bin ich bereit für meine „Dummheit“ am Ende zu zahlen?
Absolut
***
Mandy
Wie kann man wissen, wer da wirklich vor einem steht, wenn man diese Person vorher noch nie im Leben gesehen hat? Und trotz allem eine Ahnung haben, dass diese Person einen am liebsten in kleine Stück zerreißen möchte?
Wieso habe ich eigentlich diese Tür aufgemacht?
Bin ich wirklich so verrückt so dumme Fehler zu machen?
Ich bin zu intuitiv. Zu spontan! Zu verrückt! Zu dumm! Ok, dumm bin ich sicher nicht! Schließlich schreibe ich gerade meine Dissertation …
Ich hätte es eigentlich wissen müssen.
Warum macht man eigentlich die Haustür einer anderen Familie auf?
Ich wollte ja nicht weggehen. Ich wusste, dass da draußen etwas lauerte.
Hier etwas Schlimmes geschehen würde.
Aber es ist meine neue Familie. Familie!
Jay sprach in meinem Kopf:
Das ist Adele de Warrene Darten. Die Frau, die meinen Vater in einen Vampir verwandelt hat und ihm und leider auch uns das Leben schwer macht.
Da stand also niemand geringeres als Adele de Warrene Darten höchstpersönlich.
Eine Frau. Nein, Vampyr, die nur Böses im Schilde führte. Nie anders gehandelt hatte. Sie strahlte eine Macht aus, die aber nichts Gutes im Schilde führte. Es war dunkle und gefährliche Macht. Ihre Aura war schwarz. So tief dunkel, dass sie dem Teufel Konkurrenz machen könnte. Wenn sie nicht bereits seine Personifikation ist. Genau diese Aura hatte mich magisch angezogen. Ich wollte sie verjagen, obwohl ich wusste, dass ich nichts dagegen tun kann.
Eine Frau, die Menschen und Nationen zu Grunde richten konnte. Und es auch tat, wenn es ihr etwas nützte. Mit einem Blick. Und ihrem Willen.
Sie konnte es. Sie musste es nur wollen.
***
Der Familie Morgen wünschte Adele stündlich, wenn nicht minutiös oder sekündlich den Tod. Nur dem Oberhaupt der Morgens wollte sie nichts tun. Nur Charles Morgen sollte nichts geschehen. Aber er sollte wissen, dass sie immer noch Macht über ihn hat. Dadurch, dass sie seine Familie Stück für Stück eliminierte, könnte sie sehen, wie er litt. Doch leider war er viel zu gut darin seine Familie zu beschützen. Sie hatte es ihm ohne zu wollen beigebracht. Er sollte sie so beschützen wollen, aber mit der Zeit war alles anders geworden, nur sie nicht.
Sie war seit Jahrhunderten von ihm besessen.
Sie nannte es Verliebtheit. Vernarrtheit. Sturheit.
Was könnte man besser als Verrücktheit bezeichnen? Als die Liebe selbst?
Ihre gemeinsame Geschichte ging schon viel zu lange und er hatte sie einfach abserviert und ihr Ego konnte das nicht aushalten. Sie ist eine wunderschön aussehende Frau, nach der sich jeder Mann umdreht und begehrt, daher konnte sie es nicht verstehen, wie er sich ihrer Macht entziehen konnte. Sie hatte ihm das Geschenk gemacht, ihn in einen Vampir zu verwandeln und er konnte es nicht wertschätzen? Undankbarer Bastard! Das Schlimmste ist einfach nur, dass er mit ihrer besten Freundin abgehauen war. Sie selbst aber links hat liegen lassen. Das ist etwas, dass sie trotz Heirat mit Demon Cameron Darten nicht hatte überwinden können.
Man sagt ja, dass man seine Liebe ziehen lässt, wenn diese mit jemand anderem glücklicher werden kann. Nur wenn es echte Liebe ist, ist der Wunsch den anderen glücklich zu sehen größer als das eigene Glück.
Das war aber noch nie ihr Lebensmotto gewesen.
Vielmehr stand Adele de Warrene Darten auf Rache.
Rache ist schließlich ein Gericht, welches man kalt serviert.
Und Rache lebte man immer sehr langsam und bedacht aus.
Rache.
***
Ihr einziger Lebensinhalt.
Die Frage ist wohl eher: Für wie lange wohl?
Adele
Seit gestern schon schlecht sich bei mir ein Gefühl, dass ich einfach nicht benennen kann. Ich weiß auch nicht, woran das liegt, aber irgendetwas ist anders und das ist nicht gut, solange ich nicht weiß, was und wie ich zu meinen Gunsten wenden kann., aber ich habe das Bedürfnis Charles aufzusuchen. Es drängt mich alles zu ihm, dem Mann, denn ich nicht halten konnte und nicht einmal die Regeln davon abgehalten haben, mir den Rücken zu wenden. Ich hatte schon, bevor die Tür aufging, bemerkt, dass irgendetwas anders ist. Die Luft um das Haus der Morgens war bemerkenswert mit Menschengeruch behaftet. Warum haben die Morgens Menschenbesuch? Das ist doch gefährlich, wenn man bedenkt, dass wir seit Jahrhunderten einen erbitterten Kampf führen. Ich bin gerne ein Überraschungsgast und sprenge die Party in die Luft, wortwörtlich versteht sich. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass alles in einem Blutbad endet. Ich musste einfach meinen Kopf schütteln über diese Dummheit. Das ich in der Nähe wohne und jeden einzigen Schwachpunkt ausnutze, haben sie wohl für einen Moment außer Acht gelassen. Glorreicher Tag.
Es ist wie ein Katz-und-Mausspiel. Für mich sehr amüsant, solange Morgen-Blut fließt. Ich poliere mir nur noch kurz meine Fingernägel. Blutrote Fingernägel. Man möchte ja schließlich nicht seine Kosmetik bei einem Kampf komplett ruinieren. Es muss ja nicht viel Blut sein, aber immer wieder ein paar Scherereien tun ganz gut. Zumindest für mein Ego, das bin ich mir bewusst und dann wäre da auch noch die Angst, die ich in Charles Augen sehen kann. Immerhin sollte Charles mein Mann sein und nicht Marishas! Das dieses niedere Mädel sein Kopf verdreht hat, ist mir seitdem ein Dorn im Auge. Es reichte nicht, dass er mit Denise verschwinden musste. Auch wenn er, wie ich im Nachhinein erfahren habe, nie etwas mit Denise hatte, es machte alles nicht besser.
Nein, er musste sich auch noch in diese Marisha verlieben. Doch der anderen Frau in seinem Leben habe ich das Leben genommen. Er mag zwar davon ausgehen, dass er ihren Tod verursacht hat, naja irgendwie war er auch daran schuld. Er hätte sie bloß nicht anschauen sollen und sie heiraten wollen. Als er dann versuchte sie zu verwandeln war es zu spät für Little Miss Sunshine. Dafür hatte ich ausreichend gesorgt. Er sollte schließlich auch wissen was Verlust bedeutet.
Doch nur Jahre später hat er Marisha kennengelernt und musste gleich von ihr verzaubert sein. Ich war nur etwas zu spät, um auch dies zu verhindern. Er hatte sie bereits verwandelt und war glücklich mit ihr. Seitdem war es schwieriger geworden an ihn heranzukommen. Als auch noch Jay geboren wurde, musste ich einer weiteren Demütigung entgegenblicken. Wie oft noch müsste ich so etwas miterleben? Ich bin es nämlich leid. Ich will endlich meine Rache haben!
Ich schnupperte nochmal in der Luft. Es sind auf jeden Fall Menschen bei den Morgens. Ich sollte vielleicht ein Blutbad veranstalten. Damit wären die Morgens erst einmal mit der Polizei beschäftigt, das wäre echt lustig. Doch wahrscheinlicher ist, dass Zen sich wieder einmischt. Er mit seinen Augen und Ohren überall. Lästiger Schwager und Oberhaupt. Doch das ist mir auch wieder egal. Ein bisschen Spaß darf ich auch haben.
Also mache ich genau das was ich will und gehe auf die Haustür zu, kaum dort angekommen wird die Tür auch schon aufgerissen.
Warum um alles in der Welt macht mir überhaupt ein Mensch die Tür auf? Ein hübsches Ding. Haben die jetzt ein Mensch als Dienstmädchen eingestellt? Unvorstellbar! Sie wollen doch, dass ich niemanden Schaden zufüge… Aber ein bisschen Blutvergießen kann man ja immer. Das schadet mir zumindest nicht! Hätten sie einfach keinen Menschen eingestellt.
Auf Vampirland darf jeder Vampir mit Menschen so verfahren wie er oder sie es will. Also sollten sie sich das zweimal überlegen, bevor sie so eine Dummheit machen. Wie gesagt, es ist immer noch nicht mein Problem.
Zumindest solange mich Zen nicht auf frischer Tat ertappt.
Ich muss es nur günstig hinbekommen.
Wie leichtsinnig die Morgens nur geworden sind… oder eher schlampig?
Aber ich hatte Charles ja auch nicht alle Regeln beigebracht. Verdammte Denise! Sie leidet aber schon genug, um sich hier weiter einzumischen.
Sie hatte zwar nichts mit Charles angefangen und einzig und allein deswegen lebte sie noch. Und das auch noch ziemlich glücklich mit ihrem Ehemann und diesem dämlichen Kind, welches sie auf die Welt gesetzt hat. Ich hätte es ihr andererseits nicht erlaubt. Denn was keiner weiß, ist dass ich zu noch viel mehr fähig bin als ich jemals gezeigt habe.
Sie glaubt wahrscheinlich, dass sie sich einfach nur gut verstecken kann, aber das tut sie nicht. Sie war meine Freundin und hat mich so abgrundtief verraten! Sie hatte es verdient, dass ich sie verfluchen ließ. Auch wenn ich dann einen Rückzieher gemacht habe. So viel musste sie auch nicht leiden. Sie hat mich zwar verraten, aber sie wollte auch nur das Beste für Charles und das konnte ich ihr anerkennen. Außerdem hatte sie mir einmal das Leben gerettet, also waren wir jetzt quitt.
Als der Fluch noch anhielt, schien dieser sie gar nicht zu stören.
Sie hatte mir sogar ins Gesicht gelacht und sich bei mir bedankt.
War sie vielleicht verrückt geworden?
Aber um sie kümmerte ich mich nicht. Nicht mehr. Wir waren quitt.
Charles aber war jemand anderes. Er sollte leiden. Dafür, dass er sich von mir abgewandt, hat die Regeln durch Denise gelernt und dann auch noch diese Marisha in London geheiratet hatte.
Wir waren doch so glücklich in England, Schottland und Wales gewesen. Immer zusammen. Zusammen sollten nur wir beide sein!
Ich allein habe Charles die Ehre erwiesen ein Vampir zu werden. Eine Ehre, die er nicht zu würdigen schien.
Natürlich konnte ich nicht zulassen, dass er jemals wieder nach Northumberland zu seiner Familie durfte. Seine menschliche Familie.
Wenn die herausgefunden hätten, dass er noch lebte, hätten sie ihn mir weggenommen.
Wenn sie das versucht hätten, wäre ich versucht gewesen seine ganze Familie vernichten zu müssen, damit er versteht, dass nur ich ihn wirklich lieben kann.
Doch dann war diese Marisha am falschen Tag zur falschen Zeit am falschen Ort da gewesen und hat ihn in ihren Bann gezogen.
Verdammtes aristokratisches Gör, das mit ihren dunklen lockigen Haaren daherkommen musste und ihn auch noch mit ihren blauen Augen verlocken musste und anschließend auch noch dazu brachte sie zu heiraten.
Selbst mir ist eine Heirat heilig. Naja, nicht so heilig, ich nehme das Treuegelübte nicht so ernst.
Außerdem kann mir Demon auch nicht treu sein.
Als ob ich nicht wüsste, dass er mit dieser Jen, die Charles adoptiert hat, schlafen würde.
Aber dieses Mädchen hier gehörte nicht dazu. Sie ist keine von Charles adoptierten Kindern. Sie sieht gut aus. Ist jung, aber nicht kräftig genug, um es zu überleben, sollte ich ihr Genick packen.
Blondes langes Haar. Dieselbe Farbe wie ich, nur das ihre Haare etwas kürzer sind als meine. Schöne glatte Haut, aber es trifft nicht mein Porzellanton. Blaue Augen, derselbe Ton findet sich in ihrem Stretch Kleid wieder. Strahlendes Königsblau. Interessant. Diese Augenfarbe erinnert mich an ein anderes Mädchen. Jahrhunderte ist es her. Ein Baby noch bevor ich es in die Hände meiner Mutter gab. Aber dieses Mädchen konnte nicht dieses Baby sein. War es definitiv nicht. Sie könnte niemals Jahrhunderte überleben. Sie war damals kein Vampirkind. Das waren andere Zeiten als ich noch ein Mensch war.
Doch seitdem war viel zu viel Zeit vergangen. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit.
Wie ein bevorstehender Tod alles verändern kann. Ein unbedachter Schnitt und plötzlich kann sich alles ändern. Der Lauf der Geschichte kann durch nur eine Kleinigkeit ein vollkommen anderer Weg einschlagen.
Ich wusste nicht, wie es mir damals geschah, doch das hinderte mich nicht daran anderen ein genauso schlimmes Schicksal zu offerieren.
Ich würde sie vernichten mit nur einem einzigen Griff. Schönheit verwelkt mit der Zeit. Wie viel einfacher ist es jemanden in seiner besten Zeit all seiner Jahre zu berauben? Ein Griff. So leicht kann man Leben auslöschen. Was für eine Schande! Menschen sind so fragil.
Viel interessanter finde ich aber noch viel mehr den Fakt, dass Jay direkt hinter dem Mädchen steht. Er versucht sie zu beschützen, ohne zu viel Aufmerksamkeit darauf lenken zu wollen. Denkt er wirklich, dass ich so naiv bin?
Ich kann zwar nicht in seinen Kopf hineinschauen, weil er viel zu starke Barrieren hat, doch das brauche ich nicht. Ich kann trotzdem erkennen wohin seine Blicke gehen. Körpersprache teilt einem manchmal so viel mehr. Ich hatte dafür viel zu lange Zeit das alles zu analysieren. Ein Mann oder Vampir, der liebt? Sie sind alle gleich. Sie alle machen genau das Gleiche. Sie wollen beschützen und ehren was ihnen zu gehören scheint. Das sie dadurch sich selbst verraten scheint ihnen gar nicht aufzufallen. Ich konnte zwar nicht in Jays Kopf, ihres ist aber eine ganz andere Sache. Eine einfache Sache.
Ich versuche es bei ihr, aber auch sie hat starke Barrieren. Das kann doch aber nicht wahr sein! Sie ist doch kein Vampir! Noch nicht. Ich würde es doch bemerken, wenn sie eine Vampyr wäre. Wenn er sie bereits verwandelt hätte, gäbe es Anzeichen, die nicht von der Hand zu weisen wären.
Ich musste jemanden finden, in dessen Kopf ich hineinschauen konnte und das auf der Stelle!
Die offensichtlichen Dinge, die jeder bemerken kann, wenn man bloß aufmerksam ist, sind aber so auch jedem zugänglich, mir also auch. Die beiden sind zusammen. Wie sie sich automatisch an ihn anlehnt und er ihr entgegenkommt. So etwas sehe ich auf dem ersten Blick. Dafür muss man keine Gedanken lesen können. Das sieht jeder direkt. Es ist einfach offensichtlich, dass beide Gefühle füreinander hegen und sie anscheinend auch ausleben.
Verliebtheit macht diese Menschen noch fragiler. Ich glaube, da tut sich eine wunderbare Möglichkeit auf mir die Morgens aus dem Weg zu schaffen und dafür muss ich auch nur ein Menschenmädchen opfern. Ist das nicht wunderbar?
Und dann gehört Charles mir ganz allein!
Mein Leben kann ja heute gar nicht besser laufen. Ist doch endlich mein Glückstag gekommen? Sollte es tatsächlich nach so vielen Jahrhunderten plötzlich einfach sein?
Jetzt muss ich nur noch herausfinden wie sie heißt und wo sie wohnt.
Dann hat sie die längste Zeit ihres Lebens gelebt!
Und meine Rache ist getan.
***
Vielleicht aber auch nicht.
Denn das Schicksal hat auch noch ein Wörtchen mitzureden…
***
Mandy
Adele rieb sich ihre Hände aneinander, als ob es ihr kalt wäre. Aber es ist Juli und ein schöner warmer Tag mit viel Sonnenschein. Ich verstand es nicht und doch wusste ich, dass sie etwas vorhatte, was mir nicht gefallen würde.
Kannst du das nicht ein einziges Mal lassen?!
Jays telepathischer Ton ist nicht wirklich vollkommen eindeutig. Er ist wohl wütend aber auch unheimlich stolz auf mich? Kann das mal einer für mich entziffern?
Nicht spontan sein?! Könnte ich, tue ich aber trotzdem nicht!
Schnippisch oder doch ironisch? Schmeiße ich ihm meine Antwort telepathisch zu.
Und wieder einmal beweise ich, dass ich, indem ich das Monster anspreche, viel zu unüberlegt handle. >> Hallo, Sie sind anscheinend Adele de Warrene? Ach, ich vergaß. << Ich schlug mir theatralisch die Hand vor dem Kopf. >>Ach, ich habe es fast vergessen. Sie haben ja geheiratet. Herzlichen Glückwunsch! Also heißen Sie jetzt Adele Darten! Irgendwie ist das absolut interessant. << Ich habe auch noch eine andere Gabe. Ich kann Personen, die ich nicht leiden kann, wirklich auf die Palme bringen.
Adele runzelt die Stirn. Sie schien ganz verwirrt zu sein, dass ich wusste, wer sie ist. Oder auch nur, weil ich so forsch bin. >>Was soll denn so interessant sein? << Sie schaut mich dabei misstrauisch an, so als wäre ich ein Tiger, der sie jederzeit anspringen kann.
>>Ach nur das eine Gerücht, dass sie ebenfalls gut kennen müssten. Aber nur so unter uns. << Ich ging etwas näher zu Adele, aber blieb trotzdem außer Reichweite und legte mein Kopf schief. So als würde ich ihr ein großes Geheimnis anvertrauen. >> Reicht Ihnen eigentlich ein Mann nicht aus? Das würde mich nämlich wirklich interessieren. << Ich gehe wieder ein Schritt zurück, denn immerhin will ich diese Konfrontation heute noch überleben. >> Ach, und bevor ich es vergesse, man sagte mir Sie seien die unmöglichste Person höchstpersönlich? Was verschafft mir denn überhaupt die Ehre Sie endlich kennen zu lernen? Den Teufel als Frau? <<
Das hättest du besser lassen sollen!
Das war Charles, Jays Vater, in meinem Kopf.
>> Ich suche meinen verschollenen Mann. Und meines Wissens, reicht ein Mann sehr wohl aus. << Ihre Augen sprühen Blitze. >> Für einen einzigen Moment. Und wenn es der richtige ist. Falls Du nach einem suchst, würde ich dir raten woanders zu suchen! Hier wirst du nämlich nicht zufrieden gestellt. Zudem haben die Frauen der Morgenfamilie einen Drang, mir die Männer zu rauben. << Adele sagte dies in einem höflich spitzen Ton, um zu zeigen, dass sie es nicht gewohnt war, sich erklären zu müssen. Andererseits sollte es mir vermitteln, dass ich ihr in jeglicher Weise unterlegen bin.
