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Mit Entsetzen entdecken die Menschen auf dem Planet Akriba, wie die Erde von ihren Bewohnern in den Abgrund gestürzt wird. Die Akribaler haben zudem vor, den Blauen Planeten für die eigenen Bewohner selbst in Besitz zu nehmen. Das einzige Hindernis: die Menschen der Erde. Doch die tun alles dafür, sich selbst zu vernichten. Das perfekte Feiglingsspiel. Der Akribale C6 wird zur Erde gesandt, um die Möglichkeiten für eine friedvolle Übernahme zu eruieren und gleichzeitig zu beschleunigen. Dort verliebt er sich in Ann Katrin und erfährt die Macht der Liebe. Ann Katrin und Martin, der irdische C6, erforschen die globale Zerstörungswut. Während Martin die Möglichkeiten zur Übernahme der Erde an seinen Boss A1 auf Akriba weiterleitet, denkt Ann Katrin an die Möglichkeiten der Rettung der Erde. Da geschieht eines Tages das Unfassbare.
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Seitenzahl: 405
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Alfonso Toledo
Das Feiglingsspiel
Egoismus und falsch verstandener Kapitalismus führen die Erde in den Abgrund
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Geheimnisvolle Drohung
An diese Bösartigkeit hat niemand gedacht
A1-C6 und das Interesse an der Übernahme der Erde
Das Schicksal der Erde wird besiegelt
Die Fakten über die Menschen zusammentragen
Orientierung auf der Erde
Verbrechen an Wald, Tieren und Menschen
Das grauenvolle Verschwinden von Bruno Rettel
Klimawandel, Rachefeldzug der Natur
Steht endlich auf
Nächtliche Begegnung
Droht uns ein neuer Stinker?
Afrika - Afrika
Unterdrückung
Korruption
Der regenerative Sport
Explosion
Schlussbetrachtung
Impressum neobooks
Das Feiglingsspiel
Entscheidungsphilosophie des 21. Jahrhunderts
im Zeichen des Klimawandels
Alfonso Toledo
© 2019 Alfonso Toledo All rights reserved
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung, vorbehalten. Kein Teil des Buches darf in irgendeiner Form durch Fotokopien, Mikrofilm oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet oder verbreitet werden.
Geheimnisvolle Drohung
Wohin führte diese Warnung? Whitehurst gehörte zu den Wissenschaftlern, die nach neuen Welten und Lebewesen Ausschau hielten. Jeden Tag entdeckte er gewaltige Dimensionen, brachte zusammen, analysierte und verkündete. Jeden Tag sah er neue überwältigende Sternensysteme. Doch, was er heute erlebte, ging weit über seine Vorstellungsgrenze hinaus.
Wir suchen nach anderen Existenzen, Sternen und Planeten. Wir sind aber noch nicht einmal in der Lage die eigene kleine Erde am Leben zu halten, dachte er. Wir schicken gewaltige Raketen mit kraftvollen Düsenantrieben und ausgeklügelten Forschungssystemen in die Galaxien, um Milliarden von Lichtjahren entfernte Sternensystem zu entdecken, haben aber keinen Blick für den dünnen Faden an dem die Existenz unserer Erde hängt. Wahrscheinlicher aber ist die Einsichtslosigkeit jedes Einzelnen.“
Und erneut vernahm er aus den Sternensystemen ein paar Worte, die eine gewaltige Warnung ausstießen:
„Wenn sie eins beherrschen, dann ist es die Kunst der Selbstzerstörung.“
„Wir brauchen nur abzuwarten, bis sie sich selbst vernichtet haben.“
Whitehurst liefen die verzerrten Worte wie ein Skorpion grauenvoll über den nackten Rücken.
Das Geheimnis flüsterte: „Es wird sie ohnehin nicht mehr lange geben“.
Waren es Worte, die nicht für seine Ohren bestimmt waren? Oder war es eine unverhohlene Drohung?
Eine solche Einflussnahme auf seinen klaren Verstand hatte er noch nie verspürt. Was war plötzlich mit seinem Kopf los?. Der renommierte Astrophysiker und Anwärter auf den Nobelpreis, erlebte ein schauriges Zusammenwirken verschiedener, schwammiger Faktoren.
Erregt verspürte er, wie seine Gefühle diesen Unsicherheiten zum Opfer fielen. In jeder Faser seines Nervenkostüms rieselte das vibrierende Unwohlsein einer übermächtigen Autorität. Er hatte den Eindruck, ein Punkt am Firmament hätte sich aufgetan und dessen Klauen fassten von Sekunde zu Sekunde härter zu. Einen Schmerz verspürte er wie einen Einstich an seinem Hinterkopf, anders als alle bisherigen Kopfschmerzen.
Zusätzlich überfiel ihn diese heiße Sonne, wie er sie noch nie zuvor erlebt hatte. Er konnte noch nicht einmal durch eine schwarze, rußige Glasscheibe auf sie schauen. Es war nicht nur ungewöhnlich heiß, selbst die Helligkeit, von der diese spektakuläre Hitzeperiode begleitet wurde, machten es ihm unmöglich, auch nur annähernd die Ursache, der er und viele andere Menschen zum Opfer fielen, zu begreifen. Bereits am Tag zuvor waren unter Bäumen tote Vögel gefunden worden, Pferde auf den Koppeln, die nicht rechtzeitig in die Ställe geholt worden waren, lagen jämmerlich verendet auf den Weiden. Alte Menschen hatte es besonders getroffen, sie schafften ihren Weg nicht mehr zum ihrem Ziel. Und schon seit langem konnten die Wanderer gerade noch morgens vor sechs Uhr einen Spaziergang durch ausgetrocknete Flusstäler machen, obwohl es um diese Zeit bereits zu heiß war, um noch verantwortungsbewusst einen Fuß vor die Haustür zu setzen.
Schulen hatten geschlossen, ebenso Universitäten und Behörden. Die einzigen, die sich darüber zu freuen schienen, waren Kinder und Steuerhinterzieher. Ihre geistige Verdorrung, das Wort kam ihm spontan in den Sinn, setzte sich in dem gleichen Maße fort. Niemand konnte es sich noch wegen der rasant angestiegenen Stromkosten leisten, die Klimaanlage einzuschalten. Der Stromverbrauch war national ins Unermessliche gestiegen, Schwimmbäder waren längst wegen Wassermangels geschlossen, Wälder vertrockneten auf den harten Böden, in den Zoos verendeten die Tiere. Zur gleichen Zeit wurden etliche Länder von Sturmfluten, Wassermassen und Kältewellen überrollt.
Durch den unverantwortlichen Eingriff des Menschen war die Erde dabei ihr durch Jahrmilliarden mühsam errungenes Gleichgewicht zu verlieren.
Die Menschheit richtete sich selbst und ihre Heimstatt Erde zu Grunde. Sehenden Auges rannte sie ins tödliche Verderben. Das Desaster schien nur einen einzigen kurzen Namen zu haben „CO²“. Es wurde zuviel CO² in die Atmosphäre geblasen, das wie eine dichte Glocke über der Erde hing und die Hitze nicht mehr ins Weltall entließ. Jedes Kind konnte mittlerweile die Hauptschuldigen benennen. Alle Lösungsvorschläge, diesen Ausstoß zu reduzieren, schienen sinnlos und rannten gegen eine Wand von Neinsagern. Eine ernsthafte Lösung zeichnete sich nicht ab. Von einer Stoffpuppe war eher eine Lösung zu erwarten als von den Verursachern.
Alles stand Kopf, die Menschen wussten sich nicht mehr zu helfen. Die Politik hatte auf diese enorme Hitzeperiode keine Antwort, beschäftigte sich lieber mit Weltraumkriegen. Sie gab es auf, wie schon seit eh und je, sich über das Wohl der Menschen Gedanken zu machen. Mehr und mehr Bürger siechten selbst auf den Straßen dahin und trauerten ihrer schönen Erde nach.
„Welch unbekannte Gesetz verlangt das von mir?“, erregte sich Whitehurst über die Aufforderung an ihn, die ihn hart traf. „Ich will in Ruhe die Ursache erarbeiten.“
Ein Geheimnis bedrängte ihn. Es griff mit eiskalten Fingern und doch voller Hitze in sein Gehirn. Geheimnisse gab es letztendlich für einen Astrophysiker wie ihn nicht. Höchstenfalls ungeklärte physikalische Phänomene traten hier und da auf. Gerade in dieser Zeit, in der sich seine Zunft sicher war, dass es mehrere Hundert Milliarden Galaxien gäbe, die jede mehrere Hunderte Milliarden Sonnen aufwiesen, in dieser aufgeklärten Zeit würde er doch nicht von Geheimnissen reden wollen, von etwas, was den Menschen mit der Weite des Alls Angst machen könnte. Es war die gleiche Zeit, da sie endlich Gravitationswellen nachweisen konnte, in der sie herausgefunden hatte, wie sich Galaxien verschmelzten, wie sich schwarze Löcher ineinander krallten, diese schwarzen Löcher im weiten All sogar Materie aus ihren Zentren spuckten, was man bis dato für unmöglich gehalten hatte.
Und wieder hörte er eine geflüsterte teuflische Botschaft:
„Auf allen Gebieten vernichten sie sich selbst.“
Sprechen die von totalitären Regimen, oder könnte es gar sein, fragte sich der Wissenschaftler, er sei ungewollt Ohrenzeuge eines Gespräches aus dem All, bei dem es um Leben oder Tod für die Erde ginge?
Whitehurst ließ sich nicht beirren ... Noch nicht. Er konnte es selbst nicht glauben, aber er war Zeuge eines Gespräches über die Lebensfähigkeit der Erde und der Menschen.
Er würde sich der Lächerlichkeit preisgeben, wenn er versuchen würde, seine seltsamen Erlebnisse mit irgendjemandem auszutauschen. Noch suchte er einen Ansatz für die Lösung der Probleme, die die Menschheit derart umfassend ergriffen hatten. Aber es zeigte sich keine Aufklärung, zumindest kannte er keinen Lösungsweg. Damit aber würde er sich niemals zufrieden geben. Eine Menschheit voller kluger Individuen würde doch niemals nur die Produktions- oder auch Verbraucherwege finden, die als Beigabe ausschließlich die Vernichtung der Erde zum Ziel hatten. Verdammt, dachte er, es muss doch auch die Lösungen geben, die uns aus dem Dilemma der von Menschen gemachten Klimaveränderung hinaus führen. Aber, wie auch immer, es schien extrem spät zu sein, sich mit solchen Gedanken zu beschäftigen.
Bisher zumindest endete jegliche Diskussion, jeglicher Ansatz einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Klima- und Umweltproblemen in gegenseitigen Beschuldigungen. Was fehlte diesen Diskussionen, fragte er sich?
Selbst sein mulmiges Empfinden und sein inneres Zittern, das ihm verriet, da ist noch etwas Ungeklärtes, würde er, davon war er überzeugt, bald mit Fakten unterfüttert haben und somit dessen Geheimnistuerei entkleiden. Und doch sah er sich auch in der Situation, momentan das Gefühl einer einheitlichen ungewollten Ausrichtung seiner Gehirnwellen oder aber rein weltlicher Phänomene nachzugehen und erklären zu müssen. Zumindest vergrößerte sich seine Verwirrung von Minute zu Minute.
Bei der Beschäftigung mit seiner Verwirrung dachte er spontan an einen Artikel, den er erst vor kurzem gelesen hatte und der lautete:
Die Boeing 747 mit 120 Passagieren unterwegs von London nach Vancouver. Auf der Strecke, etwa in Höhe der Insel Grönland, begegnete der Maschine in der Höhe von 13000 m ein Tornado, der an Tragflächen, Höhenruder und Rumpf zerrte und die Maschine wie ein Spielball hin und her schleuderte. Doch die wirklichen Hintergründe werden erst später bekannt.
“Seien Sie beruhigt meine Damen und Herren, tröstete der Pilot Mark Vetter seine Fluggäste, wir sind das gewohnt, die Maschine ist sicher. Wir werden problemlos in Vancouver landen. Seine Stimme klang anders als beruhigend, wie ein Passagier berichtete.
Nach 20 Minuten fand die Ruckelei endlich ein Ende. Heitere Glückseligkeit machte sich unter den Passagieren breit. Unter einigen.
Andere zeigten noch im Verlauf des Sturms oder kurz nachher ein verwirrendes Verhalten. Sie blickten wie aus einer anderen Welt verklärt auf die Stewardess oder den Nachbarn. Zwei andere hatten einen Anfall wie eine epileptische Erscheinung erlitten. Ein anwesender Arzt konnte ihnen mit Medikamenten glücklicherweise aushelfen. Dr. Mirka, blickte nachdenklich auf seine Patienten. Sein Medikament half auch in diesen beiden Fällen gegen eine Überanspruchnahme des Gehirns bei überhöhter elektromagnetischer Strahlung. Er fragte sich, warum hatten seine Patienten gerade jetzt den Anfall bekommen? Bis dahin hatten beide geschlafen, wie die Sitznachbarn berichteten. Später stellte sich auch heraus, dass beide Passagiere zuvor nie mit Verwirrungen und Epilepsi zu tun gehabt hatten. Dr. Mirka sah die komplette Erschenung der Geschehnisse im Zusammenhang mit dem Verhalten aller Passagiere. Und er sollte noch mehr Erkenntnisse bei diesem Flug gewinnen.
Der Pilot hatte von seiner Bodenstation die Nachricht erhalten, der Höhentornado sei in dieser Stärke sehr ungewöhnlich gewesen. Noch aber hatte sich niemand darüber besondere Gedanken gemacht.
Die Wetterdaten für den Flug 823 AK beinhalteten alle Windströmungen, Turbulenzen, Windgeschwindigkeiten und Temperaturgrade. Außergewöhnliches war allein dazu da, überstanden zu werden.
Was diese Wetterdaten nicht beinhalteten war die Zusammensetzun von Luft und anderen zusätzlichen Gasen. Man kannte auch nicht die Schäden der Luft, die eine Beeinflussung der Passagiere durch aus dem Weltraum kommende Strahlungen erlaubte. Sie waren bisher derart klein geblieben, dass Wissenschaftler darüber nicht forschten. Andere unerklärliche Fälle wurden als Überempfindlichkeit abgetan.
Was nicht bekannt war, in 13 km Höhe über der Insel Grönland hatte sich ein Loch aufgetan wie ein Höllentor, dass sich auf den Weg machte, der Menschheit enormen Schaden zuzufügen. Wie, was und mit welchen Konsequenzen wurde im vollen Umfang erst später entdeckt.
Es gab seinerzeit schon das Bewusstsein der FCKW Schädlichkeit. Aber auch die Zerstörung unseres Lebensraumes durch die bis dahin als unschädlich erkannten Gase hatte die Menschheit nicht weiter in gefährlichere Bereiche hinein forschen lassen. Gefährlich waren die Bereiche allein deswegen, weil sie stets ein Industriepotential antippten, das von deren Protagonisten wie eine schöne Ehefrau verteidigt wurde und jeden, der auch nur wagte “Guten Tag” zu sagen, zu einem Verfolgten machten, und dessen Leben von da an bedroht war.
Entscheidend war die Antwort auf die Frage, wie hatten die Passagiere die Turbulenzen in der Höhe über Grönland überstanden? Dr. Mirka wurde von dem Institut für Höhenstrahlung zu Rate gezogen.
Für seinen Bericht fasste er alle Erkenntnisse aus dem Gronlandflug zusammen.
Nach der direkten Einflussnahme durch den seltsamen Tornado erschien ihm das erste verwirrende Bild bei der Landung. Trotz der dringenden Warnung aus dem jeweiligen Tower landete 823 AK nicht in Vancouver sondern auf dem kleinen Militärflughafen “Libre Station”, dessen Landebahn viel zu kurz war und der nur deshalb problemlos angeflogen werden konnte, weil nur ganz wenige Maschinen in der Nähe waren. Der Pilort schaffte es das Flugzeug gut zum Stehen zu bringen, wurde aber sofort verhaftet, wegen Eindringens in einen verbotenen Luftraum. Die Passagiere wurden mit einer anderen Maschine nach Vancouver geflogen.
Dr. Mirka berichtete einem Ausschuss: “Die Fluggäste stiegen in Vancouver aus, der eine oder andere irrte durch das Flufhafengebäude und kannte sich nicht mehr aus. Verständlich dachte ich, wir sind ja auf einem falschen Flughafen gelandet. Oh nein, in dem Augenblick musste ich mich selbst korrigieren, wir sind ja inzwischen nach Vancoiuver weitergeflogen. Schon da bemerkte ich eine kleine Verwirrung bei mir selbst. Abholer der Passagiere berichteten von herumirrenden Freunden, Verwandten und Geschäftspartnern.
Nach einer Woche hatte sich das Bild beruhigt. Alles lief seinen normalen Gang. Joseph Baer, Wissenschaftler des Metereologischen Institutes von Vancouver, gab sich mit den banalen Antworten nicht zufrieden. Er forschte weiter und entdeckte in den Wetterbedingungen über der Insel Grönland zur Zeit des Fluges 823 AK besondere Bedingungen in den Luftstrudeln. Er fand seine Vermutungen bestätigt. Wodurch auch immer verursacht, traf in dem Höhentornado eine verstärkte Elektrizitäts- und magnetische Strömung die Maschine mit den 120 Passagieren. Dr. Baer dachte zunächst selbst nur an ein Einmalereignis.
Doch hören wir, was er selbst zu seinen Forschungsergebnissen zu sagen hatte:
“In Einzelfällen berichteten Passagiere sowohl von Flugreisen als auch von Bodengeschehnissen über ähnliche Erscheinungen. Zunächst nur bei Witterungsbedingungen wie unterschiedlichem Luftdruck, Gewitter und Stürmen schienen sie verwirrt und nicht mehr ganz ihrer Sinne fähig.
Ich untersuchte alle mir erreichbaren Tatbestände und musste feststellen, in allen Fällen ließ sich das gleiche Phänomen der erhöhten elektrischen Strahlung und des zunehmenden Magnetismus' in der Atmoshäre nachweisen.
Meine Arbeit richtete sich jetzt verstärkt auf die möglichen Ursachen eines solchen DurchLässigkeitsLoches, DLL, wie ich es nannte. Das Ergebnis war erschreckend. Ich fand heraus, dass jeweils bei bestimmten Zusammensetzungen der Atmosphäre eine derartige Lücke, ein DLL entstehen konnte. Prompt erhielt ich bei meiner wissenschaftlichen Arbeit kräftige Dämpfer aus Politik und Wirtschaft. Mir wurden Forschungsgelder entzogen und Spenden versagt. Die Begründung war, eine deartig unsinnige Forschung könnte nicht weiter finanziert werden, zumal gerade über Grönland keine besondere Zusammenballung oder Verdünnung der Luftschichten zu erwarten war.
Jetzt erst recht intensivierte ich meine Forschung auf diese DLL, und ich suchte nach Verursachern. Ich fand sie mit Hilfe des atmosphärischen Institues von Oklahoma in der Zusammensetzung der Atmosphäre über Industrieballungsgebieten, ganz besonders dort, wo chemische Abgase anzutreffen waren. Offenbar zerstörte die chemische Zusammensetzung in einer bestimmten Form die Schutzhülle Luft gegen Photonen- und magnetische Strahlungen. Sie wurde dadurch durchlässig für besonders schnelle Strahlung, die ursprünglich aus dem Krebsnebel stammte.
Bei diesem aktiven Weltgeschehnis stoßen hochenergetische Strahlungen mit Photonen zusammen und geben ihnen einen enormen Kick, der sie auf eine lange mehrere tausend Jahre dauernde Reise schickt. Erst die neuerdings erkennbare Durchlässigkeit der Lufthülle in bestimmten Situationen ermöglicht es diesen Strahlen bis auf die Erde zu dringen, oder in dem speziellen Fall, wie bei Flug 823 AK, die Passagiere des Flugzeugs durcheinander zu bringen. Wir haben auch schon Fälle bei denen die Verwirrungen nicht mehr gerade gebogen werden konnte.
Gemeint ist vor allem die Photonenstrahlung, die, wenn sie verstärkt wird in größerem Maße, einen Einfluss auf das Gehirn nehmen kann. Ob negativ oder positiv hängt offenbar von der Stärke der Strahlung und von dem jeweiligen Gesundheitszustand des Menschen ab. Auf jeden Fall ist sie in der Lage menschliche Gehirne zu verwirren und sie bis zur Orientierungsverlust zu bringen.
Für uns und unsere Arbeit kann das nur bedeuten, wir müssen schädliche Abgase auf ein Minimum herabdrücken. Es geht eben nicht nur um Gestank oder schlechte Luft oder gar Krebsentwickling. Es geht um viel mehr. Es geht um die Gesunderhaltung der menschlichen Gehirne, es geht letztlich um die Weiterexistenz der menschlichen Rasse.”
Dr. Whitehurst nickte unzufrieden,gab sich geschlagen für diesen Moment. Er öffnete die Tür zu seinem schmucken Haus, stieg spontan die Treppe hinauf und legte sich in seinem Schlafzimmer aufs Bett, um eventuell doch vorhandene Kreislaufstörungen auszukurieren. Mit den Gedanken an eine direkte Verbindung seines Gehirns zum Sternenbild der Regula Proxima schlief er übermüdet ein. Unruhige Träume versetzten ihn in merkwürdige Ängste. Er sah sich wie an einer Angel durch den Weltraum geschleudert und gleichzeitig lebendig begraben.
In derselben Phase machte sich A1, Boss und Ethikwahrer des Sternensystems Regula Proxima, tiefgreifende Gedanken über seine neuesten Erkenntnisse die Erde betreffend. Die Menschen - wie sich die Erdenbürger nannten – drehten durch, so reflektierte er. Was ihnen völlig abginge,sei die Vernunft. Sie handelten nach allen möglichen Regeln, nur nicht nach den Regeln des verantwortlichen Denkens und Handelns füreinander. Diese Verantwortung schien ihnen völlig abhandengekommen zu sein. Es war so, als wenn er sein Haustier „Malte“ anstelle der Backform in den Ofen gesteckt hätte. Ihm fiel ein neuestes Beispiel ein, nüchtern, trocken und wenig spannend, eher etwas Übliches, das ihm seine Spione gemeldet hatten. In einem Land der Erde wird ein neuer Flughafen geplant, zu berechneten Kosten von 2,5 Milliarden Erden-Euro. Ein paar Jahre später sollte die Umsetzung des gleichen Projektes im gleichen Land 6,6 Milliarden Euro kosten. Bisher waren aber nur einige unbrauchbare Betonplatten gelegt worden. Wahrscheinlich auch noch an der falschen Stelle. Eine Wiese mit halbtrockenen Gräsern sprieße aus den Ritzen hervor, meldeten ihm seine Spione.
Ganz nebenbei wurde berichtet, ein Zusatzgebäude auf dieser seltsamen Wiese verschlänge schlappe 3 Milliarden Erden-Euro. Also, wie die Ingenieure in diesem Land mathematisch gut feststellen konnten: 164% mehr. Wo zum Teufel ist das Geld geblieben? A1 überlegte: Ein Goldesel, der einen Teil seiner Münzen in andere Ställe scheißt? Da muss irgendwo ein Rohr geplatzt sein, das unbeschränkt Gelder verzehrt e . Der Bleistift des berechnenden Ingenieurs hatte sich selbständig gemacht und fuhr nun wirr über das Papier.
Wie verrückt würden diese Menschen noch werden? Ob da nicht …? Er nahm sich vor, das zu untersuchen. Und eben gleich kam ihm dieser Gedanke über die Reparatur und Wartungskosten der Gorch Fock, eines Segelschulschiffes der deutschen Marine. Geplante Kosten 10 Millionen Euro, nach ein paar Jahren gestiegen auf weit über 100 Millionen und die Arbeiten waren noch nicht einmal richtig begonnen. Mit ein paar Worten wischte das entsprechende Ministerium die Fragestellungen zu der Kostenexplosion vom Tisch. Das war‘s, oder denkt jemand etwas Böses dabei?
Dabei grenzt der Vorgang ohnehin an Betrug. Das Geld, um das es geht, das angeblich aus der Regierungskasse kommt, ist dennoch nicht das Geld das der Regierung oder dem Ministerium gehört. Es sind die Steuern oder Gebühren aus der Wirtschaft, von der Bevölkerung oder andere Gewinne. Die Regierung ist ausschließlich für die gute Anwendung dieser Kapitalien zuständig. Politiker und Verwaltungsmitarbeiter haben ausschließlich die Verpflichtung, mit diesem Kapital sorgfältig umzugehen, und nicht die Summen am Fenster hinauszuschleudern. Ein solches Vorgehen zeigt nicht nur Unfähigkeit, sondern es kommt dem Betrug sehr nahe.
Eine seltsame Menschheit, dachte A1, Zeit zum Handeln, sinnierte er.
In dieser bisher den Menschen unbekannten Kreisbahn um ihren roten Zwerg,da kannte man sich selbst aber ebenso gut die Erde und ihre Beschaffenheit, wusste von deren Bewohnern und ihren hausgemachten Problemen, von den Missachtungen gegen die Natur, die von Erdenmenschen besonders bevorzugt wurden. Man konnte sich ausmalen, was sie für bedeutend hielten, was sie in naher Zukunft tun würden, wie sie dachten und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hätten.
A1 hatte eine Erdentruppe gebildet, die von Zeit zu Zeit einen Besuch dort abstattete, um Genaueres über den Zustand und das Verhalten zu erfahren: eine Spionageeinheit,die sich in das Geschehen eines anderen Planeten einmischte. Das war eindeutig nicht korrekt. Aber aus besagten Gründen betrachtete er dieses Verhalten als notwendig. Im Weltraum war jeder Planet abhängig vom anderen und sie beeinflussten sich gegenseitig. A1 hatte bisher keinem seiner Informationszuträger seine wahren Hintergedanken diesbezüglich verraten.
Sein Planet 'Akriba', den der Astrophysiker Whitehurst vergeblich zu finden suchte, ebenso wie der dazugehörige bekannte Stern 'Regula Proxima', wiesen ein viel älteres Dasein als die Erde auf. Sein Ursprung lag fünfhundert Millionen Jahre vor der Entstehung des Planeten der Menschen. Damit hatten alle Entwicklungen auf seinem Planeten eine halbe Milliarde Jahre vor der Erde stattgefunden. Die Konsequenzen konnte sich jeder, der ernsthaft daran interessiert war, ausmalen. Ohne wenn und aber aber auch ohne jeden esoterischen Müll.
Das, wonach die Erden-Sternengucker tagtäglich Ausschau hielten, war für A1 das Normale: die Kenntnis von der Anwesenheit anderer bewohnter Planeten und anderer Lebewesen.
Die Menschen hatten sich zum Ziel gesetzt, ihren eigenen Planeten zu vernichten. Passten sie ihn damit ihrem zerstörerischen Denkmuster an? Oder glaubten sie an die Rettung durch einen lieben Gott? Das letzte könnte zutreffen, dachte A1, eine Rettung durch uns, die Akribaler, aber erst, wenn die Menschen dahin gegangen sind.
Er und seine Mannen hatten bisher noch nicht feststellen können, woran das seltsame Verhalten auf der Erde gelegen hatte. Allerdings, das veränderte Ergebnis war überdeutlich sichtbar geworden. Und das führte ihn jetzt zum Handeln.
Was hatten sie mit der Erde zu tun, warum auf einmal diese mehr oder weniger entstehende Hektik? Warum auch fiel in vermehrtem Maße das Wort von der Übernahme der Erde?
A1 gab sich selbst die Antwort, riss die Geschichte der Planeten noch einmal an. Sie hatten die Erde bereits vor ein paar Millionen Jahren entdeckt. Ein wunderbarer Planet, der mit zu den schönsten im All zählte und für sie, die Akribaler, am ehesten zu erreichen wäre. Wasser, Wälder, Wiesen, Luft, Erde, ein harmonisches Miteinander der Elemente ermöglichte es Körperwesen, ein heilsames Leben zu führen. Seine Vorfahren hatten immer wieder den Kontakt zur Erde gesucht, um einen schöneren Platz für ihr eigenes Dasein zu übernehmen. Doch dann hatten sie Menschen auf der Erde entdeckt. Gemäß den Richtlinien des Planetenrates sollten sie diese Wesen sich frei entwickeln lassen. Keine Beeinflussung der Selbstbestimmung der Menschen, hieß das Credo. Als Ergebnis dieser Vorschriften hatten sich die Akribaler zurückgezogen. Leider hatten sie immer wieder feststellen müssen, wie intensiv die Menschen mit Vernichtungskriegen beschäftigt waren. Und nicht nur das. Sie hielten von Anbeginn an das, was Ihnen wirtschaftlichen Erfolg brachte für gut, sogar für wünschenswert.
Und nun mussten sie bei neueren Besuchen eine dramatische Veränderung auf der Erde miterleben. Der wunderschöne Planet war dem Untergang geweiht. Nicht durch den Eingriff fremder Mächte. Die Menschen ließen nichts aus, um die Elemente, die zuvor so bewundert wurden, selbst zu zerstören und dort ein Leben von Körperwesen unmöglich zu machen. Sie verhielten sich wie ein Ehemann, der im Streit seiner Frau eine Tasse an den Kopf warf. Sie fiel um und war tot. Er weinte bitte Tränen, aber zu spät.
Die Erdenbewohner schickten sich an, sich selbst in den nächsten fünfzig Jahren in der Weite des Weltraumes zu ersticken. Sie taten das so zielorientiert, als gingen sie nach einem Plan vor. Wissenschaftlich hatten sie die Gefahren und den drohenden Untergang längst berechnet. Sie konnten es ihren Artgenossen beweisen. Und dennoch, beinahe jeder dieser verantwortungslosen Typen versuchte, seine Tasche zu füllen, und das stand im krassen Gegensatz zum Schutz der Natur und des Lebens schlechthin. Das schien das Hauptproblem einer verantwortungslosen Klicke zu sein.
A1 schüttelte den Kopf, als er sich vorstellte, wie einige dieser Menschen mit Säcken voller Erden-Geld auf dem Buckel durch den Weltraum streiften, um sich irgendwo niederlassen zu können. Allerdings der Erden-Dollar und der Erden-Euro warenwoanders nicht einmal eine Beere wert.
Die Menschen hatten die Liebe verloren. Sie liebten nur noch Geld und Sex, den sie irrtümlich mit Liebe verwechselten. Es hieß bei ihnen, lass uns Liebe machen. Sie meinten aber den Sex. Liebe dagegen heißt, den anderen, jeden anderen ebenso zu lieben, wie sich selbst. Wer den anderen liebt, wird ihn nicht töten können. Im Gegenteil, er wird dafür sorgen, dass auch der andere ein gutes Leben führen kann. Oh Vernunft! Wie weit schienen die Menschen von solch einem sinnvollen Leben entfernt zu sein!
Geld, Geld und nochmals Geld. Sie verstehen es, mit mehreren Milliarden auf ihrem Konto zu sterben. Haben nicht die geringste Ahnung davon, dass sie beim Wiedereintritt in das nächste Lebensdasein nicht einen Cent davon haben werden?
Nein, dieses Bewusstsein ist ihnen verloren gegangen. Hätten sie es, würden sie in dieser Richtung verantwortungsvoller handeln und ihr eigenes Dasein für demnächst besser vorbereiten. Sie kehren zurück auf dieselbe verdreckte Erde, die bis dahin eventuell völlig atomar verstrahlt ist. mit einem kaputten Klima, mit einer nicht atembaren Luft, weil man doch als Politiker angeblich mit Einschränkungen und Fahrverboten sehr verantwortungsvoll umgehen müsse. Sie prägten das elende Wort „Verzichtgesellschaft“, die sie nicht haben wollten und machten mit diesem Ausdruck Werbung für ihre Wiederwahl. Versuchten sie zumindest. Was eine solch hohle Aussage wohl bedeutete? Dass die gleichen Politiker bereits vorher verantwortungsvoll die Erdenluft und die Lebensbedingungen hätten schützen können, diese Idee ist eine Sternenwelt von ihnen entfernt. Den Managern der Luftverschmutzung schon lange.
Sein bester Mann, C6, befand sich zurzeit wieder in seinem Auftrag auf der Erde. Er selbst, A1, hatte ihm einen Erdenkörper verpasst. Mit diesem konnte C6 dort prahlen. Die Anerkennung von Körpern hielt sich auf Akriba in Grenzen. Auf der Erde wurde auf solche Dinge größter Wert gelegt. Demnach würde A1 ihn wieder zur Ordnung rufen müssen, allzu deutlich hatten seine Beobachter erkannt, wie C6 versuchte, sich mit seinem Körper an Erdenfrauen heranzumachen.
Da gab es etwas auf der Erde, das den Menschen den Kopf verdrehte. Es ließ sie irrational handeln. Der Sex und nur der Sex hat solche Eigenschaften. Gerade bei den ohne Ethik handelnden Menschen.
C6 könnte durch die Beziehung zu einer Frau, wenn er sich selbst zu viel den Erdengenüssen hingeben würde, seine Pflicht und das übernommene verantwortungsvolle Ziel aus den Augen verlieren.Ansonsten, tja ansonsten wollte er nicht seiner Truppe auf der Erde reinreden, denn auch in dem teils vollzogenem Wandel von Akribaler zu Mensch und zurück galt für alle das Recht auf Selbstbestimmung.
Nun stand diese Konferenz an. Die Übernahme der Erde lag vor ihnen. Zwei Möglichkeiten hatten die Akribaler angedacht. Noch standen beide Wege offen. Auch gedachte A1 nicht voreilig zu handeln, und sich nicht neue Probleme anzuheften.
Es gab offenbar heilige Köpfe auf der Erde, denen der größte Teil des Geldvermögens gehörte. Sie zählten nicht nur zu den mächtigsten Männern und Frauen der Erdenwelt, sie waren auch die angebeteten Figuren. Sie und nicht die Politiker entschieden, wie das Leben weiterginge. Diese Kapitalwelt verwaltete das Zehnfache eines Haushaltes eines gut situierten mitteleuropäischen Staates. Das wäre aber alles nebensächlich gewesen, wenn diese Finanzkönige einen Hauch von Ethik an den Tag gelegt hätten. Doch das taten sie nicht.
Wie auch immer: Es galt, die Weltraum-Ausdehnung des Besitzes der Menschen zu verhindern. Zu oft hatten sie ihren Charakter demonstriert, wenn sie auf dem eigenen Planeten in der Entdeckerzeit andere Kontinente eroberten. Darüber gab es in seiner elektronischen Bibliothek ausreichend Materialien und Hinweise. Diese Eroberungen zeigten sich in einer Hinsicht im Ablauf gleich: Sie waren gepaart mit Unterdrückung und Zwang. Sie ließen nie die Menschen des anderen Kontinentes deren eigene Vorstellungen leben. Sie versuchten stets, ihre eigene Lebensweise, ihren Glauben mit mörderischer Gewalt dem nächsten aufzupressen. Und wie oft hatten sie dabei ganze Menschenrassen und Stämme dem Tod geweiht! Niemals hatten sie erkannt, wie schön und erlebnisreich andere Kulturen sein könnten. Ein Punkt im universellen Lebensraum war vielen Menschen bis heute entgangen. Sie konnten die Schönheit und kulturelle Vielfalt anderer Menschengruppen im eigenen Wirkungskreis nicht dulden.
Mit ihren kommunikativen Techniken und Fähigkeiten hatten die Akribaler jedoch recht früh erkannt, wie gefährlich die Bewohner der Erde sein könnten. Auch deswegen hatten sie es bislang vermieden, den Kontakt zu suchen. Diese Gefährlichkeit nahm seit einigen Jahren beunruhigende Züge an. Es war dieser Status, auf den die Akribaler jetzt ihr Augenmerk legten. Es war auch der Grund, diesen Zeitpunkt jetzt zu betrachten, die komplette Menschenrasse zu übernehmen und sie dabei ihrem Wissensstand entsprechend einzusetzen.
So verfügten die Menschen auf der Erde über einmalig beneidenswerte Eigenschaften. Sie konnten ihre Seelen anstimmen und erklingen lassen. A1 hatte sich das eine oder andere Mal selbst auf die Erde begeben. Er hatte klingende Mädchen- und Knabenstimmen erlebt, die als Klangschöpfung zu betrachten waren. Die Frauen auf der Erde konnten sich durchweg als schön bezeichnen. Manches Mal hatte ihn ein Spaziergang durch morgendlichen Nebel und vorbei an Tau auf feinen Gräsern und mit dem Schlurfgeräusch durch herabgefallenes Laub in eine Welt der künstlerischen Choreografie getragen.
A1 zog sich aus seiner philosophischen Gedankenwelt zurück und wandte sich wieder allgemeinen Interessen zu.
Die Werte der Menschen ließen sich mit keiner anderen Kultur im Weltraum vergleichen. Sie überragten alle. Dazu zählten besonders Poeten, Musiker, Bildhauer und Maler. A1 hatte mithilfe seines ausgeströmten Teams künstlerische Werke der Erdenbewohner in seinem Land angesiedelt. Er liebte die Poesie und ganz besonders Friedrich Schiller. Ein Gedicht hatte es seinem Gemüt immer wieder angetan. Es nannte sich die
Ode an die Freude
Friedrich Schiller
Freude, schöner Götterfunken,Tochter aus Elysium,Wir betreten feuer trunken,Himmlische, dein Heiligtum.Deine Zauber binden wieder,Was die Mode streng geteilt;Alle Menschen werden Brüder,Wo dein sanfter Flügel weilt.
Wieder und wieder versuchte er in die Geheimnisse dieser Zeilen Schillers einzudringen und trug sie sich selbst vor. Warum aber, fragte sich A1, schaffen es die Menschen nicht, Brüder oder Schwestern zu werden und leisten es sich im Gegenteil, sich permanent zu bekriegen und warum wollen sie sich stets das Leben schwer machen? Überall in den Universen erforderte es ein besonderes Verständnis, sich am Leben zu halten. Es blieb offenbar schwierig, die beiden Einheiten Geistwesen und Körperwesen in einer friedlichen Koexistenz zusammenzufügen.
Darum aber schien es vielen Erdenfürsten gar nicht zu gehen. Es war das Ego, das im Vordergrund stand. Die kleinen und großen Wortscharmützel mit anderen Potentaten brachten jeden politischen Führer selbst in gleißendes Licht der Aufmerksamkeit, wenn er es auch noch verstand, selbst jedes kritische Wort über ihn für sich selbst auszuschlachten.
Diese Falschspieler übten sich alle, wie eine der bekanntesten Filmgrößen der Erde in der Rolle der Feiglingsspieler. Vor einigen Jahren - für A1 war es nur ein Hauch der Zeit - hatte auf der Erde der junge Superstar, James Dean, in dem Film „...denn sie wissen nicht, was sie tun“ die Rolle des unverstandenen Jugendlichen fantastisch dargestellt und war damit zum Bösewicht der erwachsenen Elite geworden. Während die Teens ihn über alle Maßen bewunderten und verehrten. Weil der Bursche auch noch in einem Sportauto ums Leben kam war er bis zum aktuellen Zeitpunkt zu einer der Filmikonen geworden.
Das Bild des Feiglingsspielers wurde zur damaligen Zeit auf der Erde gemalt. Ein Bild, das schnell um sich griff und die willkürlich gemachte Größe politischer und wirtschaftlicher Potentaten in Zweifel zog. Wie wurde dieses Spiel im Film gespielt, welchen Sinn hatte es, was bezweckten die Hauptakteure damit?
Zwei Spieler treten in einem Wettbewerb gegeneinander an und treiben das Risiko des Ausgangs bis zum Äußersten. Dean und sein Gegner rasen in zwei gestohlenen Autos auf eine Klippe zu. Wer als erster aussteigt, wird zum Chicken, zum Feigling. Den wahren Irrsinn des Spiels zeigt der Film, weil letztlich der Ausgang des Wettkampfes noch nicht einmal vom eigenen Willen beeinflusst wird, sondern weil die Zufälle und die Umstände es so wollen. So ist es in dem Film „...denn sie wissen nicht, was sie tun“ der Jackenärmel des Kontrahenten, der beim versuchten rechtzeitigen Absprung am inneren Türgriff des Wagens hängen bleibt und den Spieler mit in die Tiefe reißt. Nur um im gleißenden Scheinwerferlicht, wegen des zweifelhaften Beifalls oder wegen ominöser Berater geht der Spieler das Spiel ein und kommt darin erbärmlich um.
Heutzutage sind es oft Politiker oder Wirtschaftsbosse, die den Feiglingsspieler abgeben. Wohl wissend, dass sie in Ihrem Tun die Menschheit in eine Katastrophe stürzen können, gehen sie unverantwortliche Risiken ein. Ausschließlich zum Zweck unter gleißenden Scheinwerfern im Rampenlicht zu stehen, wegen fataler Versprechen an die Wähler, um die nächste Wahl zu gewinnen, um sich selbst als besten aller Nationenführer darzustellen oder einfach um das eigene Säckel mit Moneten füllen.
A1 hatte auf Akriba Informationen über eine Jugend der Erdenmenschen mit verrückten Abenteuern erhalten. Er nutzte die Erinnerungen, um sich die aktuelle fatale Situation auf der Erde klarzumachen.
„Mit Kriegserlebnissen voll gespickt waren wir entweder besonders mutig oder besonders feige“, so hieß es in einem Buch aus der Zeit, „das kam unserem Spiel zu pass. Wir konnten sowohl die Mutigen als auch die Feiglinge gebrauchen. Nur so ergab sich eine andauernde Spannung in unserem Leben.
Mein Bruder war der Mutigste. Er klettere auf eine 20m hohe Fichte im Wald und schwang auf dem Gipfel solange hin und her, bis er den Moment für gekommen hielt, sich loszulassen und mit Schwung die nächste Fichtenspitze anzuspringen. Niemand hat ihm das bisher nachgemacht. So konnte er sich vollkommen durch den Busch, wie wir das Wäldchen nannten, bewegen, bis er wieder an den Ästen der Fichte hinabsauste. Die Bewunderung von uns allen war ihm stets gewiss und er genoss die beispiellose Aufmerksamkeit. Das Spiel spielte er alleine.
Dann gab es ein weiteres Feiglingsspiel, das wirklich eins der gröberen Sorte war. Es gab noch nicht so viele Abenteuer, die wir uns aussuchen konnten. Die ausgewählten aber hatten es in sich. Der „Todessprung“ im Wasser war eins von denen. Dann gab es die „Kreuzigung“, die ein Bursche nicht überstand, die „Panzerfahrt“ zu Tale auf selbst gebastelten Fahrzeugen aus Holzbrettern und Kabelrollen als Räder, die „Baggerfahrt“ mit einem kurz geschlossenen und gestohlenen Bagger, die „Handgranate“, ein Überbleibsel aus dem gerade verlorenen Krieg, ebenso die „Panzerfaust“ und der freihändige „Schlittschuhsprung“, nicht zu vergessen die „Taubenjagd“ in der Dachrinne auf dem Spitzdach unserer Dorfkirche. Was hatte es mit dem „Todessprung“ im Wasser auf sich?. Sommer 1947, heiß und trocken. Unsere einzige Bademöglichkeit ergab sich im mäandrierenden Flüsschen Dhünn. Die Biegungen im Flussbett hatten einen kleinen See ausgebaggert, den wir nutzten.
Die Regeln für unser Feiglingsspiel waren so einfach wie die Folgen schwer waren. Jeweils zwei von uns sollten mit angelegten Armen nebeneinander auf das Wasser zu rennen und einen Kopfsprung in den kleinen See wagen. Wer für den Absprung zu feige war und kurz davor auswich, hatte verloren. So hatten wir bereits nach dem ersten Springerpaar ein starkes Ergebnis, an das wir uns alle bis ins hohe Alter erinnern sollten. Einen Feigling gab es, der für den Sprung nicht mutig genug war und von da an gehänselt wurde. Neben diesem Feigling wurde der mutige Sieger des Spiels geehrt. Ohne vorgestreckte Hände stieß er bei seinem Kopfübersprung mit dem Schädel unter Wasser auf einen spitzen Fels, den niemand zuvor gesehen hatte. Wir bewunderten den Burschen, der mit blutendem Schädel auf einem holpernden Pferdewagen in die Klinik gefahren wurde. Er verließ nie wieder das Krankenhaus, wechselte von einer Klinik zur anderen bis er mit seinem Genickbruch sein Leben in einem Heim für Schwerbehinderte beendete.
Außer diesem Genickbruch hatten wir bei unseren Feiglingsspielen nur einen einzigen Todesfall, ein mit Steinen ausgeschlagenes Auge und eine abgerissene Hand durch eine alte Kriegshandgranate. Noch ein paarmal hatten wir Glück, als wir eine faustvoll Gewehrpatronen in ein Feuer warfen, die nach allen Seiten wie ein Feuerwerk prasselten.
Heute dagegen wirken die Feiglingsspiele eher harmlos. Harmlos vor allem für den Hauptspieler. Weil sie ihn persönlich niemals in Verlegenheit, geschweige denn in Gefahr bringen würden. Als Pfand hat der Feiglinsspieler immer nur ein ganzes Volk, den Verlust von Ländereien, Hungersnot für andere oder Abschlachten von Kindern in einem willkürlich herbeigerufenen Krieg. Der Spieler selbst steht von seinem Spieltisch auf, wäscht sich die Hände rein und zeigt auf den jeweils Nächsten als Schuldigen.
Das Volk jubelt ihm zu, seine Wähler versprechen, ihn wieder zu wählen, und er beginnt das Feiglingsspiel mit Lügen von Neuem. Ob auf den britischen Inseln, im Urwald Brasiliens, bei den Abschussrampen in Nordkorea, im von Flüchtlingen überfluteten Italien, in der angeblich hilfsbereiten Türkei, bei den afrikanischen Königen, oder gar auf dem Vorstandsposten großer Unternehmen.
Es gibt immer mehr dieser Feiglingsspieler, die ihr Spiel mit großer Klappe aber wenig Risiko für sich selbst eingehen.
Während in unserer Jugend noch der einzelne mit seinem Leben für das Spiel gerade stand, ist der heutige Feiglingsspieler ein armer Wicht, der oft nur von der Dummheit der überwiegenden Mehrheit der Wähler zehrt. Aber, obwohl die selbst pleite sind, geben sie dem feigen Hazardeur mangels eigenen Mutes immer wieder eine neue Chance.“
A1 blickte lange auf die Zeilen, die er als Beispiele erhalten hatte. Sein Überblick über die Geschehnisse der letzten Jahrhunderte ließ ihn kopfschüttelnd zustimmen. Ist von dieser Spezies jemals Vernunft zu erwarten, fragte er sich? Die vernichtende Antwort ließ ihn wegen seines eigenen Zieles frohlockend in die Zukunft schauen.
Doch von ganz besonderem Wert erwies sich der Planet, den sich die Menschen als ihre Heimstatt ausgesucht hatten. Wer der Erde aus dem finsteren und tödlich kalten Weltraum näher kam, sah den kleinen weißen Punkt stetig heller und in ein himmlisches Blau überführt zu werden, bis er in ein traumhaftes Meer der verschiedensten Farben hinüberwechselte. Aus dem dunklen, beinahe schwarzen All tauchte diese Verheißung göttlichen Daseins als Rettung für jedes denkende und fühlende Wesen auf. Der einsame Astronaut erkannte vor allem das Blau der Meere und der Luftschichten und schließlich bei näherem Herankommen die Schönheit grüner Wälder und bunter Wiesen, das tiefe Blau der Meere, das Eis der Polarkappen und gewaltigen Gletscher, und das glanzvolle Braun der trockenen Wüsten. Und das sollte jetzt alles vorbei sein!
Trotz des gedanklichen Ausflugs in die Ästhetik kehrte A1 schnell in das wahre Erdenleben zurück, als er sich fragte:
Wie konnten diese Menschen mit hässlicher Materie, mit tödlichen Waffen an der Selbstbestimmung der kreativsten Wesen im Weltall herumballern, als wäre es nichts? Wussten die politischen Führer und Kapitalmonster dieser Nationen nicht um die Schönheit und Einmaligkeit ihres Planeten in unserem All, sinnierte A1? Erst wenige dieser Menschen, die sie Astronauten nannten, hatten das Bild der Erde, das Versprechen auf Friede, Freude, Glücklichsein und heimischer Wärme in ihrer vollen Schönheit und Wirklichkeit erlebt. Sie, die ersten Entdecker astronautischer Erlebnisse waren wohl nicht in der Lage, den Menschen das Erlebnis Erde aus weiter Ferne zu vermitteln.
Und doch, die Kreativität hob die Menschen gegenüber anderen Körperwesen hervor. A1 konnte sich nicht von der schönen Erde lösen. Es existierte ein furchtbarer Widersinn in den Anschauungen und Bewertungen der Menschen. Hier die Schöpferkraft einer bis ins Unendliche bevorzugten Rasse, dort die mörderische Einfalt eben desselben Gewächses. Sie waren überwältigend in der Poesie, Malerei und Musik. Eigentlich, dachte A1, waren sie gleichermaßen begabt, was die Erzeugung von Waffengattungen und mörderischer Geschicklichkeit anbelangte. Nur eben waren sie auf diesem Terrain nicht so ausgeglichen, eher widersprüchlich und unvernünftig. Deswegen musste Whitehurst sein Bett aufsuchen, deswegen mussten die Akribaler jetzt die Erde übernehmen. Sie würden nicht daran vorbeikommen.
So ergab es sich, dass die Akribaler mehr und mehr die Frage aufwarfen: Können wir uns bei den Menschen integrieren oder müssen sie zunächst alle vernichtet werden, bevor wir uns auf der Erde einnisten? A1 verdichtete die Fragestellung auf wenige Elemente, um zu einem gültigen Ergebnis zu gelangen.
Diese seltsame Verbindung von Whitehurst zum Weltall, die ihn an der Angel hielt, ließ den Astrophysiker wie auf einer Rakete durch den Raum schleudern. Und der Wissenschaftler ahnte nicht, wohin ihn das Schicksal führen würde.
Der Ethikwahrer auf Akriba schaute sich zufrieden in seinen Räumlichkeiten um.
Wenn sich alle MenschenGedanken darüber machen würden, wo ihr Lebensraum heute steht und weiterhin Überlegungen darüber, wohin sie dieses derzeitige Vorgehen treiben würde, müssten siedoch zu dem Schluss kommen, dass die Menschheit geradewegs auf die Katastrophe zusteuertre. Wo aber lag der Wert einer Katastrophe gegenüber einem normalen Erdendasein? Die Verlockungen dieser Katastrophe schienen unermesslich, als hätte eine dritte Macht den Menschen diese Art Sucht eingeimpft?
Offenbar setzte bei nahezu allen Menschen die Vernunft aus, wenn es um den Schutz des eigenen Planeten ging. Respekt vor der Natur und den Menschen war ihnen abhanden gekommen. Sie waren nicht die Untertanen der Natur. Sie waren die Beherrscher der Natur. Unverständlicher umso mehr, da erkennbar war, wie sie die Natur bekämpften. Auch wenn es durch Unachtsamkeit und Selbstherrlichkeit geschah. In ihren Köpfen schien zu viel durcheinander geraten zu sein.
In der wahren Erkenntnis versagten sie. Die Größe des Lebens hatten sie in ihrer Gesamtheit verkannt. Viele konnten nicht mehr bewusst „Ja“ zum Leben sagen. Andere maßen das Leben ausschließlich an der Größe ihres Aktienportefeuilles und das blieb immer zu klein.
Bald würde C6 bei ihm auftauchen und voller Lebensenergie über seine Erderfahrungen berichten. Er hatte dort bestimmt etwas entdeckt, was ihn in Sehnsucht zur Erde aufrieb. A1 wusste darüber Bescheid, so war es in den vergangenen Perioden gelaufen. So würde es auch diesmal laufen. Mit einem Unterschied, vielleicht. C6 war dem Jünglingsalter entwachsen. Das könnte … Na ja, mal sehen, dachte er. Und schon klopfte es an die Tür, die danach von selbst aufsprang. Er trat ein, C6, der wunderschöne Mann, der es sich nicht hatte nehmen lassen, diesmal seinen Erdenkörper nach Akriba mitzubringen.
A1 schaute ihn an und hatte Freude daran seinen stolzen „Menschen“ wiederzusehen. Die Gestalt von C6 lockte wahrlich Bewunderung bei ihm hervor. Die Gedanken gingen ihm durch den Kopf: „Wenn die Erdenbürger jetzt auch noch wüssten, wie man vorgehen müsste, um ein solches Vergnügen des Körpertausches in andere Sternensysteme zu verlagern, wäre die Unendlichkeit des Alls nicht mehr sicher in seiner Einzigartigkeit.“
A1 ließ seinen Erdenspion an seinen neuen Anschaffungen teilhaben.
An der gegenüberliegenden Wand seiner gemütlichen Wohnung mit integriertem Büro prangte ein Hologramm dieser Erde. Darin hatte der Blaue Planet, in leuchtenden Farben dargestellt, einen Durchmesser von 2,5 m. Um diese Kugel herum rotierte ein Kreis wie die Ringe des Saturn, ebenfalls eines Sonnentrabanten. Allerdings war es kein Gürtel aus Steinen, Felsen und Eis. Der Heiligenschein der Erde stellte sich aus hellblauer, durchscheinender Farbe dar, eine Reflexion der Luftschichten, die den Planeten umgaben. Nach außen hin wurde die Farbe blasser, um ihn in einer tiefen Schwärze nach dem Ring in der Weite des Weltraumes zu versenken.
„Hast Du Ähnliches auf der Erde erlebt, wie dieses Hologramm darstellt?“, fragte er seinen Boten.
„Wenn Du die durchsichtigen Scheiben um den Erdball herum meinst“, ergänzte der junge All-Reisende, „ist etwas gar zu Betrübliches festzustellen.“
„Du meinst die äußeren Ringe? Sag, wie machen sie sich aus?“
„Du wirst einen neuen Pinsel mit stetig wechselnder Farbe nehmen müssen. Das Blau verblasst in der Wirklichkeit. Es wird gelb und grau. Der Blaue Planet, wie er auch auf Erden noch dargestellt wird, ist zu einem Wunschdenken verkommen.“
„Wie wirkt sich das aus?“, fragte A1 erneut überrascht.
„Selbst das Gelb ist kein reines Gelb mehr. Es ist eher giftig, schmutzig.“
„Kein Wunder“, meinte der Boss. Er zog die Stirn kraus und befand sich zum wiederholten Male zwischen allen Stühlen. Er bedauerte außerordentlich die Zerstörung des Planeten durch die eigenen Bewohner und fühlte sich auf der anderen Seite glücklich, in Kürze die Erde ohne großes Tamtam übernehmen zu können.
A1 machte sich Gedanken über die Entwicklung der Menschen.
In den letzten Erdenjahren hatte sich eine dramatische Wandlung vollzogen.
Jetzt tat sich etwas Neues. Die Bedrohungen der Kontinente mit Raketen und dem riesigen Nukleararsenal. Einer hat mehr Tötungsmaschinen als der andere, Raketen, die jeden Winkel des Feindes erreichen könnten, gleichzeitig aber selbst nicht erreichbar sein sollten für die Abwehrmaßnahmen des Feindes.
Es waren die Dinge, auf die ein Staatenlenker zurückgriff, um von sich reden zu machen. Als wahrer Künstler, der den Menschen die Schönheit des Lebens nahebringen konnte, verfehlte er mit einer solchen Verhaltensweise sein Ziel. Ganz im Gegenteil. Sein Lächeln über die Kraft ihrer Tötungsmaschinerie streifte ebenso die von Leid geprägten Gesichter der Menschen, hier und dort.
Die Erdenbewohner versifften ihren eigenen Lebensraum. So wie ihre Waffen immer vernichtender wurden, ihr Kriegspotenzial an Brutalität zunahm, so verdreckten sie andererseits die Luft, die Erde und das Wasser, für viele Generationen. Die einen Waffen waren nach außen gegen einen mutmaßlichen Feind gerichtet, die anderen nach innen, beide waren geeignet, den Lebensraum der Menschen zu zerstören. Beide waren gleichermaßen abscheulich vernichtend. Gerade in dieser Zeit drohte die eine Supermacht mit einer Hyperschall Rakete, die von niemandem aufgehalten und vernichtet werden könnte.
Wie es dem Unternehmenschef gleichgültig zu sein schien, welche Gifte aus den Schornsteinen seiner Fabrik in zweihundert Meter Entfernung von seinem Büro und dreißig, vierzig Meter Höhe geblasen wurde, so zogen sich die Staatenlenker aus der Verantwortung zurück.
Wie die Mutter, die mit einem Geliebten schwatzt, ihre Wahrnehmung ausschließlich auf den Körper des Angebeteten richtete, während der Kinderwagen unbeobachtet mit ihrem Baby auf den Abgrund zurollt.
„Komm, ich will Dir etwas zeigen“, lockte er C6 in einen weiteren benachbarten Raum von der gleichen Größe wie der erste.
Ebenfalls in dem Büro, das sie nun betreten hatten, drehte sich an einer Wand ein Hologramm der Erde im gleichen Format wie in dem Raum zuvor. Und doch unterschied sich dieses Bildnis dramatisch vonseinem Vorgänger. Diese dreidimensionale Verkörperung der Erde in leuchtenden Farben zeigte die ganze Misere, in die sich die Menschen hinein katapultiert hatten. Sie hörten es rauschen und klatschen.
„Was ist das Klatschen?“, fragte C6.
„Es ist die Begleitmusik des Untergangs, das aufeinander Schlagen der Plastiktüten und anderer Plastikteile bei geringstem Wellengang. Bisher haben die Menschen keine ernst zu nehmenden Ideen geäußert, wie sie ihrem eigenen Drama entgehen könnten. Es fehlt ihnen dazu, wie sie selber sagen, der politische Wille, zumindest handeln sie so. Lieber kippen sie weiterhin zwanzig Millionen Tonnen Plastikmüll Jahr für Jahr mit zunehmender Tendenz in die Weltozeane. Das Denken und Handeln der Erde ist zu kurzsichtig angelegt, als dasssie davon Abstand nehmen könnten. Dabei aber neigen sie dazu, jeweils die andere Seite der Fehler zu bezichtigen.“
Der Gestank berührte ihre Nasen und schmatzende Filme liefen an ihren Augen vorbei. A1 lächelte, schnippte mit den Fingern, trat drei Schritte zurück und kreierte den Gedanken: „Los geht’s“.
Die Bilder der Erdkugel vor ihren Augen gewannen an Schärfe und Farbintensität. Das Hologramm legte in der Umdrehung an Geschwindigkeit zu. Mit ihren Gedanken näherten sie sich der Oberfläche des Planeten auf den er es abgesehen hatte.
„Ja, leider ist es genau so, wie das Hologramm es darstellt. Ich habe es oft genug erlebt. Die Atmosphäre verdunkelt sich, die Meere werden vergiftet mit Plastik und schwimmendem Dreck. Niemand denkt daran, ihn herauszufischen“, untermalte C6 die Vorführung. „Niemand denkt auch nur annähernd daran, das Plastik Zeugs aus Ihrem Leben zu verbannen.“
Und A1 kam erneut der Gedanke an Menschen, die bewusst eine negative Tendenz in das Streben junger Menschen, die sich um den Planeten Sorgen machten, einfließen ließen, indem sie das Wort „Verzichtgesellschaft“ als bedrohlich darstellten.
Und diese mit Plastik überschwemmten Meere formten sich in dem Augenblick zu einer anklagenden Visage, der Fratze des Untergangs. Allein an der amerikanischen Küste sammelt sich ein Plastikdreck von der fünffachen Größe Deutschlands, hieß ein Kommentar zu den Hologrammbildern.
„Macht weiter so“, empfahl A1 zynisch. Ein starker Strahl verließ sein Gehirn und die winzigen Gedankenwellen erreichten in Ideenschnelle die Oberfläche der Erde. C6 erschrak heftig. A1 schaute ihn mit einer großen Vermutung an. Hatte C6 jetzt bereits eine starke Bindung zur Erde? Und welcher Art war diese?
„Geht weiterhin so leichtfertig mit den Ressourcen eurer wunderschönen Erde um“, sagte er grinsend und schüttelte seinen Kopf dabei.
Dort, auf dieser traumhaften Erde hatte der Boss mehrere Ziele auserkoren von sogenannten Negierern. Es waren mächtige Menschen, deren Stimme überall galt, die aber den Schutz der Natur und der ganzen Erde in Ihren Aktionen vernachlässigten. Deserteure, die sich vom Volk abgewandt hatten und ausschließlich das Ego im Sinn hatten. Er machte sich die Verräter zu Partnern, die die Klima Veränderung, das Dahinsiechen der Gletscher, die Verseuchung der Luft durch industrielle Schadstoffe und einiges mehr, verleugneten. Er war folglich dabei, die zerstörerischen Elemente auf der Erde zu unterstützen. Alles, was ihm half, den Planet Erde möglichst ohne Kampf zu übernehmen, fand seine Unterstützung. Und die Menschen sind zu dumm, als dass sie die gezielte Einflussnahme von außen erkennen konnten.
Die radikal erscheinende Argumentation des Chefs ließ den jungen Spion erschauern. Die glatten Vernichtungsszenarien von A1 veranlassten den zurückgekehrten Erdenbesucher seine Position zu überdenken, während A1 seine weitere Vorgehensweise erläuterte.
„Einige bedeutende Menschen können mir helfen, den schönen Planeten ohne großen Kampf zu übernehmen. Es sind die Verräter an der eigenen Erde. Sie sind die Nestbeschmutzer und Zerstörer des Lebensraumes Erde. Es ist für mich leicht gewesen, die leeren Köpfe für mein Ziel so zu beeinflussen, dass sie politisch gesehen jeden weltweit schützenden Eingriff zum Wohle der Natur verhinderten.“
C6 zeigte sich entsetzt ob der krassen Vernichtungsorgie, die A1 inszenierte.
Auch dieses Mal erreichte die gesonderte Klientel der Gedanke von A1: „Alles in bester Ordnung. Ein Klimawandel, wenn überhaupt, ist durch die Sonneneruptionen bedingt, der Mensch kann nichts daran ändern.“ Diese Gläubigen des alleinigen Sonneneinflusses und Verleugner menschlichen Dazutuns sprachen ab sofort mit seiner Stimme.
„Es ist wirkungsvoller als es sich die Menschen vorstellen können“, flüsterte C6, als spräche er über ein Geheimnis. „Die Menschen denken stets nur von Nachricht zu Nachricht, die als Einzelgeschehnis unbedeutend bleiben würde. Die Summe all der vielen Katastrophen, hat niemand je addiert, natürlich auch die gleichzeitigen Wirkungen nicht. Auf Erden sprach man höchstens von einzelnen katastrophalen Klimaveränderungen. Die Kumulierung einzelner Katastrophen zu nicht umkehrbaren Veränderungen waren nicht sichtbar genug. Sie, die Erdenbürger brauchten dazu gröbere Erkenntnisse. Sie verleugnen den heran rauschenden Untergang. Sie wollen ihn nicht wahrhaben. Das Abstreiten der Probleme ist ihr Versagen.“
„Ein Problem wird dadurch nicht geringer, wenn man es verleugnet. Mir scheint, es ist die Angst vor der Wahrheit. Es ist die unverantwortliche Vogel-Strauß-Politik
