21,99 €
Schule – ein Ort zum Lachen, Lernen, Freunde finden und Wohlfühlen? Für viele klingt das wie ein Traum, für andere eher wie eine Utopie. Doch was, wenn mit den richtigen Tipps und Ideen dieser Traum Wirklichkeit werden könnte? Leopold Mayer nimmt uns in seinem "G'schichtenbuch der Schule" mit auf eine humorvolle und ehrliche Reise durch den Schulalltag, mit all seinen Höhen und Tiefen. Mit persönlichen Erlebnissen und erfrischenden Denkanstößen stellt er das aktuelle Bildungssystem auf den Prüfstand: Brauchen wir beispielsweise noch das altbekannte Notensystem? Welche Veränderungen könnten wirklich zu Verbesserungen führen? Eine inspirierende Einladung, die Perspektive zu wechseln – für Lehrer, Schüler und Eltern.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 105
Veröffentlichungsjahr: 2025
Leopold Mayer
G'schichtenbuch
der Schule
Das
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2025 Vindobona Verlag
in der novum publishing gmbh
Rathausgasse 73, A-7311 Neckenmarkt
ISBN Printausgabe: 978-3-903574-71-7
ISBN e-book: 978-3-903579-69-9
Lektorat: L. V. Bischof
Umschlagabbildung: Sensay | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: Vindobona Verlag
Innenabbildungen: © Schulmuseum Michelstetten, Schulberg 1, 2151 Michelstetten
Ein Handbuch
für Lehrende, Lernende und an der Schule interessierte
von
HR Mag. Leopold Mayer
Dir. i. R der HLW Hollabrunn
Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wird auf eine geschlechterspezifische Schreibweise sowie auf eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Stattdessen wurde auf das generische Maskulinum zurückgegriffen. Alle Personenbezeichnungen sollen dennoch als geschlechtsneutral angesehen werden.
Für meine Enkelkinder
Humor ist der Knopf,der verhindert,dass uns der Kragen platzt.Joachim Ringelnatz
Schule im Chaos, Krise in der Schule, verzweifelte Lehrer, nicht genug Lehrer für das nächste Schuljahr – eine Vielzahl von negativen Schlagzeilen zum Thema Schule.
Schule ist ein Thema, dass fast alle interessiert. Schüler, Eltern, Großeltern, Lehrer oder sonstige Betroffene und wo alle glauben, etwas davon zu verstehen und mitreden zu können, da doch jeder wenigstens als Schüler davon betroffen war und seine persönlichen mehr oder weniger positiven oder negativen Erlebnisse damit verbindet.
40 Jahre als Lehrer für kaufmännische Gegenstände, Kommunikation und Präsentation, davon 22 Jahre Direktor einer berufsbildenden Schule mit ca. 700 Schüler, oftmaliger Seminarleiter und Vortragender bei Neulehrer- und Neudirektorenseminaren und österreichischer Direktorensprecher haben mir viele Einblicke in das Schulleben ermöglicht.
Trotz der vielen negativen Kommentare zur Schule ist es wichtig, die Schule positiv zu sehen und bei Beachtung einiger wichtiger Punkte gute Stimmung in die Schule zu bringen.
Die wichtigsten Eckpfeiler für eine funktionierende Schule sind ziemlich einfach und trivial und lassen sich auf fünf wichtige Punkte reduzieren.
Punkt 1: Es muss den Schülern etwas gelernt werden
Punkt 2: Die Schüler müssen etwas können, damit sie am Arbeitsmarkt und in ihrem weiteren Leben erfolgreich sind
Punkt 3: Die Lehrer müssen ihre Schüler mögen
Punkt 4: Die Lehrer und Schüler müssen sich gegenseitig vertrauen
Punkt 5: Es muss gemeinsam gelacht werden
Viele Probleme der Schule werden jedoch von den übergeordneten Dienstbehörden oder der Politik durch völlig realitätsferne Entscheidungen verursacht. So wurden in den letzten Jahren eine Vielzahl von Entscheidungen wie das Bildungsreformgesetz, das neue Dienstrecht, Änderung der Lehrerausbildung usw. getroffen, die die Arbeit in den Schulen erheblich erschweren.
Schön wäre es, wenn sich die Politik endlich entscheiden würde, ob die Schule eine Kinderverwahrungsanstalt, ein Fremdenverkehrsförderverein oder doch eine Bildungseinrichtung ist. Derzeit versucht man, in einem ziemlich unzulänglichen Spagat, all diese Ziele zu erreichen.
Sehr förderlich wäre weniger auf selbst ernannte, schulferne Bildungsexperten zu hören, sondern auf die Expertise der im täglichen Schulalltag Stehenden zu vertrauen.
Besonders wichtig wäre es, wenn die Spitzenbeamten des Bildungsministeriums auch neben ihrer eigenen Schulzeit noch einige Zeit als Lehrer oder Direktor verbracht hätten, um die Probleme der Schule nicht nur theoretisch, sondern aus eigener Sicht verstehen könnten. Es ist schon etwas erstaunlich, wenn in pädagogischen Abteilungen des Ministeriums kein einziger Lehrer beschäftigt ist.
Schule ist ein Ort, an dem die zwischenmenschlichen Beziehungen immens wichtig sind, in der es einfach „menschelt“ und die nicht durch theoretische Organisationsformen, die mehr schlecht als recht von der Wirtschaft abgekupfert werden, reformiert werden kann.
In vielen von Seiten des Dienstgebers zu besuchenden Veranstaltungen habe ich sehr viel über Bürokratie, verschiedene Organisationsformen, wichtige auszufüllende Formulare, einzuhaltende Termine usw. aber kaum etwas über guten Unterricht gehört.
Bevor ich in die Schule kam
konnte ich alles.
Ich war Sheriff, Indianer
und Räuber.
Aber seitdem ich in die Schule gehe
weiß ich überhaupt nichts mehr.
Albert Cullum
Die folgenden Märchen und Geschichten sollen eine Reihe von Punkten untermauern, die für einen guten Unterricht und eine erfolgreiche Schulführung wesentlich sind.
Der Lehrer weiß das Ziel
und er muss den Weg dorthin
so anregend, spannend, bunt,
humorvoll und lustig gestalten,
dass der Schüler ihn gerne mitgeht!
1. Bevor du dich auf den Weg machst, musst du Ordnung in deine Gedanken bringen.
Arthur Lassen
Geschichte vom Wegweiser
Ein junger Mann hatte das Herumsitzen satt und wollte sich auf den Weg machen. Er hatte davon gehört, dass in einem fernen Land das Glück höchstpersönlich zu finden sei. Ein alter Mann, der behauptete, aus diesem Land zu stammen, hatte ihm davon erzählt. „Es ist ganz leicht, dieses Land zu finden“, hatte er gesagt, „benutze einfach die Kirchtürme als Wegweiser. Sie zeigen dir, wo es lang geht.“
„Nun, wenn dies so einfach ist“, sagte sich der junge Mann, „dann will ich mich nicht länger mit Nichtstun aufhalten.“ Er machte sich auf den Weg und hielt dabei nach dem ersten Kirchturm Ausschau. Und tatsächlich, nach einer kurzen Strecke sah er weit entfernt vor sich einen Kirchturm hoch in der Landschaft aufragen. Ohne zu Zögern ging er diesem Kirchturm entgegen. Nach einigen Stunden hatte er das Dorf, in dem der Kirchturm stand, erreicht. Und als er diesen Kirchturm nur ein wenig bestieg, sah er bereits den Turm der Kirche aus dem Nachbarort. Von diesem aus zeigte sich wiederum der nächste Turm, und so ging seine Reise sehr zügig von Ort zu Ort, immer den Kirchtürmen folgend, die wie riesige Wegweiser weithin sichtbar in der Landschaft standen.
Der junge Mann kam auf diese Weise in fremde Länder, die er zuvor noch nie gesehen hatte, die Kirchtürme hatten dort andere Formen und Gestalten, aber immer waren sie hoch aufgerichtet und von Weitem zu sehen. Doch in das Land, in dem das Glück höchstpersönlich wohnen sollte, kam er nicht. Nach und nach bekam der junge Mann Zweifel, ob das wirklich der richtige Weg war, um das Glück zu finden.
Und wie der Zufall es wollte, gerade, als er die Reise aufgeben wollte, begegnete ihm wieder der alte Mann, der ihm zu dieser Suche Mut gemacht hatte. Der junge Mann klagte ihm sein Leid und die Vergeblichkeit seiner Reise, bei der ihm die Kirchtürme als Wegweiser dienten. Doch der alte Mann lächelte und sagte: „Du willst eine Reise unternehmen und weißt nicht einmal, wie man Wegweiser benutzt? Nun, du bist zwar von Kirchturm zu Kirchturm gegangen, aber du hast nicht den Weg benutzt, den dir die Türme gewiesen haben: Schau hin! Alle Wegweiser-Kirchtürme zeigen – nach oben!“ (1)
Fazit:
Eine gute Vorbereitung ist der Grundstein für guten Unterricht. Ohne eine vernünftige Vorbereitung, die sich vor allem mit der Frage beschäftigt, wie kann ich den Stoff klar und deutlich an die Schüler vermitteln, ist jede Unterrichtsstunde zum Scheitern verurteilt. Sich erst im Auto (Autodidaktik) oder auf der Schwelle zur Klasse (Schwellendidaktik) zu überlegen, was in der Stunde geschehen soll, führt nur zu unbefriedigenden Unterrichtsergebnissen.
Die Vorbereitung soll jedoch nicht minutiös geplant werden und in oft auf den Hochschulen gelehrten Stundenbildern enden, sondern es geht darum, wie ich den Stoff bestmöglich erkläre und wo ich die Schüler abhole – daher kann der gleiche Stoff in unterschiedlichen Klassen auch verschieden erklärt werden. Besonders wichtig ist, dass die Erklärungen kurz, prägnant und verständlich sind und schnell auf eine klare Grundstruktur zurückgeführt werden. Der Lehrer soll sich bei seinen Erklärungen Zeit nehmen und die Schüler sollen einen langsamen Entstehungsprozess Schritt für Schritt erleben können. Außerdem soll in jeder Stunde genügend Zeit für eine Übungsphase der Schüler bleiben, denn ein wichtiger Grundsatz lautet: „Gelernt wird in der Schule und nicht zu Hause.“ Die Anwendung von Methodenvielfalt hilft natürlich sehr dabei, die Schüler zu erreichen.
Dazu eine persönliche Geschichte:
Während meiner Tätigkeit am WIFI klagte bei einer Trainerbesprechung eine Kollegin darüber, dass ihre Kursteilnehmer sich sehr schwertaten, die Lohnverrechnung zu verstehen, dabei hatte sie doch alles theoretisch bis ins Detail so gut erklärt.
Sie hatte aber vergessen, zuerst für eine klare Grundstruktur der Lohnverrechnung zu sorgen (das einfachste Abrechnungsschema verständlich zu präsentieren) und erst wenn die Kursteilnehmer diese Grundstruktur verstanden haben, dann ist Zeit für weitere Details.
Eine gute Erklärung ist wie ein geschmückter Christbaum. Erst braucht es einen schönen Baum, also eine leicht verständliche Grundstruktur, die dann mit schönem Christbaumschmuck, also mit weiteren wichtigen Details, vollendet wird.
Am meisten Vorbereitungkosten mich immermeine spontan gehaltenen improvisierten Reden.Winston Churchill
2. Ich verstehe zwar nichts, aber es muss ein kluger Kopf sein, der da spricht
F. Schulz v. Thun
Die Fragen des Kindes
Das Kind kam zu seinem Vater und setzte sich auf seinen Schoß.
„Du Papi, wie funktioniert der Fernseher?“
„Das weiß ich nicht.“
„Du Papi, woher kommt der Strom?“
„Das weiß ich nicht.“
„Papi, warum wächst das Gras?“
„Ich weiß es nicht.“
„Papi, stört es dich eigentlich, wenn ich all diese Fragen stelle?“
„Natürlich nicht, mein Kind. Wie sollst du denn etwas lernen, wenn du keine Fragen stellst!“ (2)
Fazit:
Um im Unterricht solche Verwirrungen zu vermeiden, ist es entscheidend, dass sich der Lehrer immer bewusst ist, wo er die Schüler abholt und dass viele Dinge, die für ihn selbstverständlich sind, für die Schüler Neuland sind. Daher sollte sich der Lehrer auch immer so einfach wie möglich ausdrücken und verwendete Fremdwörter und Fachausdrücke sofort erklären. Wird in einem Satz nur ein Wort nicht verstanden, dann wird der gesamte Satz unverständlich. Zudem ist es sehr wichtig als Lehrer nachzufragen und Feedback einzuholen, ob wirklich kundengerecht unterrichtet wird.
Dazu eine persönliche Geschichte:
Im betriebswirtschaftlichen Unterricht ist eine Reihe von Fachausdrücken und Fremdwörtern notwendig. Leider ist dies vor allem in den ersten Klassen und Jahrgängen ein großes Problem, da die Schüler viele Wörter, die für mich einfach selbstverständlich waren, nicht verstanden haben. Vor allem als junger Lehrer, der gerade frisch von der Uni kam, war es ein großer Lernprozess zu verstehen, wo die Schüler sind, was sie können und wo ich sie abholen muss und daher im Unterricht sehr viele Wörter, die für mich ganz verständlich sind, genau erklären muss. Manches Mal, wenn ich in die verständnislosen Gesichter meiner Schüler blickte, hatte ich das Gefühl, ich unterrichte nicht Betriebswirtschaftslehre, sondern „Chinesisch mit spanischen Untertiteln“, und daher musste ich mich immer hinterfragen und vieles ganz, ganz einfach und mit Beispielen aus der Lebensrealität der Schüler erklären.
Das machen wir schon immer so …
Sollten wir es nicht gerade deswegen
einmal anders versuchen?
3. Erkläre es mir, und ich werde es vergessen, zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten, lass es mich tun, und ich werde es können.
Indische Volksweisheit
Eine kurze Geschichte über das Tun
Ein König stellte für einen wichtigen Posten den Hofstaat auf die Probe. Kräftige und weise Männer umstanden ihn in Scharen. „Ihr weisen Männer“, sprach der König, „ich habe ein Problem zu bewältigen.“ Er führte die Anwesenden zu einem riesengroßen Türschloss, das so groß war, wie es keiner zuvor gesehen hatte. Der König erklärte: „Hier seht ihr das größte und schwerste Schloss, das je in meinem Reich war. Das Öffnen dieses Schlosses erfordert eine gewisse Kunst. Wer von euch ist in der Lage, dieses Schloss zu öffnen?“
Ein Teil des Hofstaates schüttelte nur verneinend den Kopf. Einige, die zu den Weisen zählten, sahen sich das Schloss näher an, gaben aber bald zu, dass sie es nicht schaffen könnten. Als die Weisen das gesagt hatten, schüttelte auch der Rest des Hofstaates verneinend den Kopf und gab zu, dass dieses Problem zu schwierig sei, als dass sie es lösen könnten.
Nur ein Wesir ging an das Schloss heran. Er untersuchte es mit genauen Blicken und auch mit seinen Fingern, versuchte es in den verschiedensten Weisen zu bewegen und zog schließlich mit einem Ruck daran – und siehe da, das Schloss öffnete sich! Das Schloss war nämlich, wie der König wusste, nicht richtig eingerastet und es bedurfte nichts weiter als des Mutes und der Bereitschaft, dies zu begreifen und beherzt anzufassen. Darauf sprach der König zum Wesir: „Du wirst die Stelle am Hof erhalten, denn du verlässt dich nicht nur auf das, was du siehst oder hörst, sondern setzt selbst deinen eigenen Körper ein und wagst eine Probe. (3)
Fazit:
Der Lehrer soll seine Vortragszeit auf ein Minimum beschränken, „er redet trotzdem noch immer zu viel“. Die Erklärungen des Lehrers sollen kurz, prägnant und verständlich erfolgen. Erfolgreiche Unterrichtsarbeit besteht darin, die Arbeitsphase der Schüler in den Unterricht zu verlegen. Dadurch kann der Lehrer seiner Funktion als Betreuer der selbstständigen Schülerarbeit besser nachkommen und siehe da, manches Mal bewirken kleine Hilfestellungen wahre Wunder. Solch kleine persönliche Hilfestellungen während der Arbeitsphase werden von den Schülern als sehr wertvoll und wertschätzend empfunden. Wichtig ist auch den Schülern Mut zuzusprechen damit sie sich auch über Aufgaben trauen, von denen sie annehmen, dass sie sie nicht verstehen, beziehungsweise können und plötzlich verliert der Schüler auch seine Furcht vor Mathematik.
