Das ganz andere Märchenbuch - Petra Böll - E-Book

Das ganz andere Märchenbuch E-Book

Petra Böll

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Beschreibung

Achtung! Für dieses Buch braucht die geschätzte Leserschaft eine gehörige Portion Humor, Flexibilität und Augenzwinkern. Das "ganz andere Märchenbuch" enthält eine Sammlung von Märchenbildern und Geschichten dazu, die anders sind, als die Überschriften erwarten lassen. Da kann es schon mal vorkommen, dass die Schneekönigin in einem Cabriolet unterwegs ist und Aschenputtel Reiterferien in Kroatien macht. Die Location der Geschichten ist das mittelalterliche Berching in der Oberpfalz und Umgebung, LiteraTürmerinnen von Berching und Freunde haben die Geschichten geschrieben. Die Bilder entstanden aus den Pinseln der FreienKünstlerBerching.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 40

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis der Texte

Aschenputtel von Petra Böll

Die Schneekönigin von Petra Böll

Frau Holle von Maria Pflug

Frosch König von Angelika Kunze

Hänsel und Gretel von Lilian Schels

Schneewittchen von Petra Böll

Dornröschen von Luise Lukas

Sterntaler von Sabine Huhn

Inhaltsverzeichnis der Bilder

Aschenputtel von Gabriele Dotzauer

Schneekönigin von Helga Rubel

Frau Holle von Anneliese Winkler

Frosch König von Elfriede Bauer

Hänsel und Gretel von Stilla Herrler

Schneewittchen von Anita Gärtner

Dornröschen von Gerlinde Aurbach

Sterntaler von Petra Böll

Aschenputtel

Anna war ein sehr trauriges Mädchen. Ihren Vater hatte sie nie kennen gelernt. Als ihre Mutter starb, nahmen Tante Ute und Cousine Ella sie herzlich bei sich auf. Seitdem lebte Anna bei ihnen auf dem Reiterhof Steindl in Berching. Tante Ute und Ella taten alles nur Erdenkliche, um ihr wieder Freude am Leben zu bereiten. Aber Anna wollte sich nicht freuen. Ihre Mutter konnte nicht mehr lachen, tanzen und singen. Also wollte auch sie sich all das nicht mehr gönnen.

Am liebsten zog sie sich in die Pferdeställe zurück und machte sich dort nützlich. Die Pferde ließen sie sein, wie sie war. Unter ihnen fand sie einen guten Freund: Kasimir. Für Anna war er der beste Zuhörer der Welt. Seine einzige Aufgabe war es, einmal im Jahr auf dem Festumzug des Berchinger Rossmarktes den Brauereiwagen vom Schullinkler zu ziehen. Anna ritt täglich mit Kasimir aus, um ihn kraftvoll und fit zu halten.

Auf den alltäglichen Ausritten besuchte sie immer das Grab der Mutter. Der Haselbusch, dort gewachsen aus einem Zweig vom mütterlichen Garten, war inzwischen groß und üppig geworden. Jeden Tag verbrannte Anna mitgebrachte Linsen, die Leibspeise ihrer Mutter, in einer Feuerschale. „Lass sie dir schmecken!“ sagte sie dann und schaute dem Rauch nach, der in den Himmel aufstieg.

Entsprechend schmutzig sah man Anna dann abends immer auf den Reiterhof zurückkehren. Bald war sie für alle nur noch „das Aschenputtel“.

Heute herrschte große Aufregung auf dem Reiterhof. Der Betreiber des Gestüts Hirschhof in Beilngries hatte für den Abend alle Reiter und Reiterinnen der Umgebung zu einem Ball eingeladen. Cousine Ella stand vor ihrem üppig gefüllten Kleiderschrank und plante ihre Abendgarderobe. „Du bist auch eingeladen“, sagte sie zu Anna. „Komm doch mit!“ Aber Anna wollte nichts wissen von bunten Kleidern, Tanz und Musik. Um dieser Feststimmung zu entgehen, machte sie sich heute früher als sonst zusammen mit Kasimir auf den Weg.

Als sie am mütterlichen Grab ankam, stand dort eine Frau in sehr bunten Kleidern. Anna grüßte und schaute die Dame fragend an. „Guten Tag. Du musst Anna sein“, sagte sie. „Ich bin Feodora und war die beste Freundin deiner Mutter. Möchtest du auf einen Tee mit zu mir nach Hause kommen?“ Klar wollte Anna die beste Freundin von ihrer Mutter besuchen. So saß sie bald in Feodoras Küche und knabberte köstliche, klebrige Kekse zu herrlich süßem Tee während Feodora ihr erzählte, was sie alles mit Annas Mutter erlebt hatte.

Auf einmal hielt Feodora inne und fragte: „Sag mal, ist denn heute nicht der Ball auf dem Hirschhof? Da bist du doch sicher eingeladen. Da wird es aber Zeit, dass du aufbrichst!“ Anna schüttelte den Kopf. „Meine Mutter kann nie mehr tanzen und feiern, also will ich das auch nicht mehr tun.“ – „Aber das ist doch Unsinn! Alle Mütter wünschen sich, dass ihre Kinder fröhlich sind, ob sie an ihrer Seite sind oder im Himmel!“ rief Feodora. Anna richtete sich im Stuhl auf. „Meinst du wirklich?“ – „Aber natürlich! Und jetzt gehst du sofort auf den Ball.“ Da sank Anna wieder in sich zusammen. „Dafür ist es zu spät. Ich habe in den letzten Jahren keinen Wert auf schöne Kleider gelegt und deshalb keine Abendgarderobe.“ Feodora sprang vom Stuhl auf. Sie führte Anna in ihre Kammer und öffnete den Schrank. Da hingen all die schönen Kleider aus ihrer Jugend. Mit sicherem Griff zog sie ein üppig mit Silber besticktes Abendkleid heraus. „Das dürfte dir passen.“ Nach einem Bad in Feodoras Badewanne schlüpfte Anna in das Kleid. Feodora brachte noch Schuhe und Schmuck und richtete ihr das Haar.

„Nun aber los!“ Feodora schob Anna zum Haus hinaus, legte eine edle Decke über den Rücken von Kasimir, der geduldig grasend vor dem Haus gewartet hatte. Anna ritt zum Hirschhof und band Kasimir vor dem Haus an. Das Herz klopfte ihr bis zum Hals als sie die Stufen zum Herrenhaus hochstieg. Sie durchschritt die Eingangstür und betrat schließlich den Ballsaal.

Gustav stand gelangweilt an der Bar. Er war der Sohn auf dem Gestüt Hirschhof. Nur auf den ausdrücklichen Wunsch seines Vaters war er auf dem Ball erschienen. Am liebsten hätte er den Abend bei seinem Pferd im Stall verbracht. Es war sein bester Freund. Mit ihm hatte er schon viele Turniere geritten.