Das Geheimnis von Targenhort - Andreas Nothdurft - E-Book

Das Geheimnis von Targenhort E-Book

Andreas Nothdurft

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Beschreibung

Band 2: Nach den bestandenen Abenteuern sind Tiara und Torgan nach Tabox zurückgekehrt. Beschützt durch die Tugare können sie ihre gefundene Liebe unbeschwert genießen. Wenn es nach ihnen gehen würde, könnte diese glückliche Zeit ewig währen! Doch dann geschieht etwas Unerwartetes. Zufällig stößt Torgan auf alte Aufzeichnungen, die ihm einen Weg eröffnen, Antworten in Bezug auf seine geheimnisvollen magischen Schwerter zu erhalten. Noch immer nagt es an ihm, weil er sie nicht richtig beherrschen kann. Auch bleibt es ihm unvergessen, dass er vor nicht allzu langer Zeit fast gestorben wäre, als er gegen den Magier kämpfte und sein Körper mit Magie förmlich überflutet wurde. Niemand zögert, Torgan auf das Abenteuer zu begleiten, obwohl es in einen längst vergessenen Teil des ehemaligen Kaiserreiches liegt. Hätte Torgan gewusst, was ihn, Tiara und seine Freunde erwartet, hätte er seinem inneren Verlangen niemals nachgegeben...

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Seitenzahl: 405

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Danksagung

Ich möchte gerne den Menschen danken, die an diesem Roman mitgewirkt haben und ihn dadurch besser gemacht haben.

Wieder einmal war es Tina, die meine Testleserin war und mir mit ihrem Feedback sehr geholfen hat auf dem richtigen Weg zu bleiben.

Mein Dank gilt ebenfalls Isgard. Du hattest dich bereit erklärt das Korrektorat zu übernehmen, aber dabei ist es nicht geblieben. Danke für die zahlreichen Anregungen zu Inhalten und Formulierungen. Das war sehr hilfreich für mich gewesen.

Danke Dieter, dass du den Kontakt hergestellt hast!

Julia möchte ich für das wundervolle Coverbild danken. Du hast meine Vorstellung in ein großartiges Bild verwandelt.

Danke Dario, dass du den Kontakt hergestellt hast!

Zum Schluss möchte ich noch Anke danken. Deine Anregungen zur Gestaltung des Covers haben mir eine neue Sicht verschafft und das Ergebnis spricht für sich.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel

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Kapitel

1

Plötzlich aufkommendes Gebrüll ließ Torgan von seinem Buch aufschauen, welches er gerade las. Zwei der Dorfbewohner hatten anscheinend einen Disput, der sich in einer körperlichen Auseinandersetzung zu entladen drohte. Doch da war bereits Umar, der Rausschmeißer des Wirtshauses „Zum fliegenden Fisch“, an dem Tisch angelangt. Sofort waren die Streitenden wie durch Zauberhand wieder ruhig. Die beiden Streithähne prosteten sich sogar gegenseitig zu und grinsten dann gleichzeitig den Rausschmeißer an.

Die Szene, obwohl er sie bereits schon oft gesehen hatte, legte ein Lächeln auf Torgans Gesicht. Die drei Tugare, die sich um seinen Tisch herum positioniert hatten, entspannten sich und setzten sich wieder. Seit die Krieger aus der Wüste auf ihn aufpassten, achtete er weniger auf lauernde Gefahren. Ihm war bewusst, dass dies auf Dauer nicht gut war. Doch die Tugare waren immer schon bereit, bevor er mögliche Gefahren erkannte. Er fand es noch immer erstaunlich, wie schnell diese Krieger trotz ihrer Größe waren. Ein jeder von ihnen war bestimmt einen Kopf größer als Torgan, der eigentlich stolze sechs Fuß maß, weshalb er in Manduran als ein großer Mann galt. Wie er vor einiger Zeit erfahren hatte, waren die Tugare keine Menschen. Wenn einem die Ehre zuteilwurde, einen Blick auf ihr verhülltes Gesicht werfen zu dürfen, sah man die Unterschiede. Die Tugare besaßen Hauer im Ober- und Unterkiefer, die man jedoch wegen des Schleiers, der lediglich die Augen frei ließ, nicht bemerkte. Die Krieger dieses Volkes waren alle in schwarze Gewänder gehüllt, trugen einen schwarzen Turban und eben diesen Schleier. Da die Kultur einem Kastensystem folgte, besaß eine jede Kaste eine eigene Farbe, die nur sie tragen durfte. Für die Frauen des Volkes galt das Kastensystem jedoch nicht - sie trugen zumeist bunte Gewänder in kräftigen, fröhlichen Farben.

Wie es so oft in der letzten Zeit war, glitten seine Gedanken in die Vergangenheit ab und er legte sein Buch auf den Tisch, um sich ihnen vollauf hinzugeben. Es waren ausnahmslos gute Gedanken, die ihn hin und wieder durchfluteten.

Seit gut drei Monaten lebte er mit Tiara schon in Tabox und er war der glücklichste Mensch der Welt. Nachdem sie den wahnsinnigen Magier Xaras besiegt hatten und mit den Baronen Mandurans gesprochen hatten, eilten Tiara und Torgan nach Tabox.

Denn hier lebten die Menschen, die ihr sehr viel bedeuteten, doch war es ungewiss, ob sie die Wirren des Krieges, welche das Land überzogen hatte, überlebt hatten.

Es war einer der wenigen düsteren Gedanken, die er seit jener Zeit mit sich herumtrug, denn der Anblick brannte sich förmlich in den Kopf eines jeden. Aus reiner Vorsicht hatten sie die fünf Krieger aus der Wüste, die ihnen gefolgt waren, um sie zu beschützen, vor der kleinen Stadt zurückgelassen. Zu Fuß gingen nur er und Tiara in die Stadt, um sich Gewissheit zu verschaffen. Es gab manches Leid zu sehen, denn viele der Bewohner hatten geliebte Menschen verloren. Jedoch sahen sie auch die glücklichen Gesichter, wenn sich geliebte Menschen wieder in die Arme schlossen und dies jeden Tag der Welt zeigten. Fast hatte es den Anschein, als ob das schreckliche Erlebnis in einem jeden die Gefühle intensiver an die Oberfläche brachte. Tiara war mit bangen Schritten zum Wirtshaus gegangen, denn hier lebten die beiden Menschen, die nach dem Tod ihrer Eltern so etwas wie ihre Familie geworden waren. Glücklicherweise ging es dem Wirt, Bodan, und seinem Rausschmeißer und Freund, Umar, gut. Wie sich später herausstellte, verfügte Umar über einige Talente, die weit über seine Fähigkeit hinausging, mit bloßen Händen jeden Streit zu beenden. Er hatte in der Zeit, in der sie dem Magier Xaras als Soldaten dienen mussten, auf Bodan aufgepasst und ihm mehr als einmal das Leben gerettet. Auch den Anblick, als sich die drei in die Arme fielen, würde Torgan niemals vergessen. Die ganze Nacht hatten sie sich etwas zu erzählen gehabt, jedoch war Torgan von einer inneren Ungeduld durchflutet, die ihn unaufhörlich vorantrieb. Dies bemerkte auch Tiara, weshalb sie sich schon am nächsten Morgen auf den Weg zur Burg der magischen Krieger aufmachten. Torgan wollte den Toten davon berichten, dass er sein Versprechen ihnen gegenüber gehalten hatte. Ebenfalls wollte er zwei weitere, allerdings leere Gräber ausheben, denn das hatten seine Freunde verdient, die nun ebenfalls den Tod gefunden hatten. Für Zhur, den Verräter, galt das nicht, denn für ihn wollte er kein Grab ausheben. Durch dessen Verrat hatten alle seine Freunde, die magischen Krieger, damals den Tod gefunden. Nur weil Zhur dies getan hatte, waren die Angreifer überhaupt in der Lage gewesen, einen erfolgreichen Angriff auf die Burg zu führen.

Nachdem sein Werk getan war, konnte das Leben weitergehen, und dieses würden sie zu zweit leben.

Der Beginn ihres gemeinsamen Lebens in Tabox war allerdings alles andere als einfach gewesen, weil es einige Dinge gab, die man behutsam in die richtigen Bahnen lenken musste. Da waren zum einen die fünf Krieger, die nicht von der Seite der beiden weichen wollten. Noch vor kurzem standen sich die Bewohner der Stadt, die gezwungen waren, dem Magier Xaras zu dienen, und diese Krieger in einer tödlichen Schlacht gegenüber. Die Bedenken, die Torgan deshalb hegte, waren jedoch unbegründet, denn ein jeder, sogar die, die geliebte Menschen in dem Konflikt verloren hatten, sahen keinen Grund, die Fremden mit Hass zu empfangen. Das eigentliche Problem waren die Wargane gewesen, denn die Reittiere der Tugare waren nun mal Fleischfresser.

Nachdem die Tiere aus Versehen zwei Rinder gerissen hatten, mussten sie umdenken. Von nun an waren zwei der Krieger bei den Tieren, die man weit außerhalb der Stadt hielt und noch weiter entfernt jagen ließ. Somit begleiteten von nun an nur noch drei Tugare Torgan. Das reichte allemal aus, denn in der Stadt gab es eigentlich keine Gefahren zu fürchten.

Lamar, der neue Baron von Tabox, hatte den beiden ein Haus zur Verfügung stellen wollen, denn leider hatten die vergangenen Geschehnisse einige Häuser ohne Bewohner zurückgelassen. Letztendlich entschieden sie sich jedoch für die praktischste Lösung.

Wenn Torgan ehrlich zu sich selbst war, dann war er froh, dass es so gekommen war, denn die Vorstellung, in einem Haus zu wohnen, ängstigte ihn. Fast sein ganzes Leben lang hatte er auf den Straßen von Kaldan gelebt und plötzlich so viel Platz zur Verfügung zu haben, überforderte seinen Geist einfach. Bodan hatte ihnen sein größtes Zimmer kostenlos zur Verfügung gestellt, was Torgan deutlich angenehmer fand. Der Wirt nahm mit dieser Entscheidung mitnichten finanzielle Einbußen auf sich, denn natürlich sprach es sich schnell im ganzen Land herum, dass der letzte magische Krieger in Tabox, und zwar im Wirtshaus „Zum fliegenden Fisch“ wohnte. Plötzlich war das Wirtshaus jeden Abend noch voller, denn es schien fast so, dass Bewohner aus dem ganzen Land die beschwerliche Reise nach Tabox auf sich nahmen, um wenigstens einen Blick auf ihren Retter zu werfen.

Als diese Hürden genommen waren, spielte sich schnell ein glückliches Leben für die beiden Liebenden ein. Die Tage hatten sie für sich, denn abends bediente Tiara wieder im Wirtshaus, weil es ihr Spaß machte, das zu tun. Eigens dafür hatte Bodan einen kleinen Tisch mit etwas Abstand von den anderen an eine Wand gestellt, der nur für Torgan und seine Krieger vorgesehen war. Damit war Torgan mehr als zufrieden, weil er auf diese Weise sehr viel Zeit mit Tiara verbringen konnte, und er konnte jede Nacht ihrem Atem lauschen, wenn sie neben ihm lag.

Zwar hatte Torgan das Angebot des Barons ausgeschlagen, die Stadtwache zu trainieren, aber auf das Schwerttraining mit Tiara verzichtete er, mit einer Ausnahme, keinen Tag.

Einmal im Monat ritt er mit dreien der Tugare für ein paar Tage zur Burg, um sich in der Magie zu üben. Verständlicherweise hatten die Bewohner von Tabox eine unüberbrückbare Abneigung gegen die Magie entwickelt und da machten sie bei keinem eine Ausnahme, auch nicht bei Torgan. Beim ersten Aufbruch musste er noch lange mit den Kriegern, die geschworen hatten, ihn zu beschützen, diskutieren, weil ihn alle zur Burg begleiten wollten.

Doch letztendlich sahen sie es ein, dass Tiara das wichtigste im Leben von Torgan war und es aus dem Grund genauso wichtig war, sie vor jedweden Gefahren zu schützen. Sie machten sogar eine große Ausnahme, weil sie sich mit ihr unterhielten, auch wenn es nicht allzu häufig vorkam.

Seine Ausflüge hatten keine weiteren Entwicklungen in ihm offenbart, denn es war weiterhin so wie es auch vorher war. Er konnte die magischen Sprüche, die er bei den magischen Kriegern einst gelernt hatte, jederzeit abrufen, jedoch erlangte er zu der Magie, die ihm Zhur beibrachte, weiterhin keinen Zugang. Also verbrachte er die Zeit mit der Magie, die er beherrschte, und mit dem Stöbern in der Burg. Er fand Bücher, die er später im Wirtshaus las, und natürlich besuchte er jedes Mal die Gräber der gefallenen magischen Krieger.

Bei seinem zweiten Ritt zur Burg kam es dann zu einer Konfrontation mit einem Gol, dem wahrscheinlich gefährlichsten Wesen im Gebirge. Wie sich allerdings schnell herausstellte, hatte sich dies grundlegend geändert, seit Wargane das Gebirge bereisten.

Diese echsenartigen Tiere mit dem zahnbewehrten Maul waren alles andere als wehrlos. Die steinharten dunklen Schuppen, die den ganzen Körper bedeckten, boten einen hohen Schutz gegen Verletzungen. Und trotz der relativ kurzen stämmigen Beine, die in krallenbewehrten Klauen endeten, konnten diese Tiere eine unglaubliche Geschwindigkeit erreichen. Der bärenartige Gol stürmte auf die Gruppe der Männer zu, und Torgans Reittier war der Bestie am nächsten. Bis zu dem Zeitpunkt hatte er nicht gewusst, dass sich die Reittiere ebenfalls auf die Hinterbeine stellen konnten, so wie es die Gols taten. Sein Wargan sprang die Kreatur förmlich an, versenkte die Klauen seiner Vorderläufe in den Körper des Tieres, um einen Wimpernschlag später mit seinen messerscharfen und furchteinflößenden Zähnen die Kehle des Gols aufzureißen. Nach dem Vorfall stand es eindeutig fest, dass es ein neues Tier gab, welches jetzt an der Spitze der Nahrungskette stand.

2

Fast unmerklich schüttelte Torgan seinen Kopf und sofort hörte er das so vertraute Lachen hinter sich, welches ihn sofort zum Lächeln brachte. Er stand vor dem Kleiderschrank ihres Zimmers und besah sich seine Kleidung, doch fiel es ihm noch immer schwer, eine Entscheidung zu treffen. Er strich sich mit den Händen durch seine blonden Haare, die Tiara seit einiger Zeit regelmäßig schnitt, weil sie es mochte, wenn sie etwas kürzer waren und ihm nicht bis auf die Schulter reichten. Sie fand, dass es seine hellblauen Augen schön zur Geltung brachte. Mit einem Lächeln drehte er sich zu Tiara um, die noch im Bett lag und ihn ansah, wie er mit seinem muskulösen nackten Oberkörper vor dem Schrank stand. „Lache mich nur aus, aber ich werde mich nie daran gewöhnen, so viele Kleidungsstücke zu besitzen. Noch nie in meinem Leben musste ich entscheiden, welches Hemd ich tragen möchte. Selbst bei den magischen Kriegern gab es keine Auswahl.“ „Verzeihe mir mein Liebster, aber ich genieße diesen Augenblick des Tages wirklich sehr, denn es zeigt mir, dass du dich niemals in einen eitlen Gockel verwandeln wirst, was mir sehr gefällt. Dennoch war es nötig gewesen, deine Garderobe etwas zu erweitern und ich bin guter Hoffnung, dass du noch vor der kommenden Nacht eine Entscheidung getroffen haben wirst.“ Mit diesen Worten erhob sich Tiara, um Torgan kurz von hinten zu umarmen und ihm einen Kuss auf die nackte Schulter zu geben. Unbewusst strichen ihre Finger über die drei länglichen Narben, die seinen Arm zierten. Kurz schaute er ihr hinterher, dann griff er in den Schrank und wie es schien, sollte es heute ein weißes Hemd sein, welches er tragen würde. Erneut hörte er ein leises Lachen.

An diesem Tag sollte Tiara für Bodan einige Waren ordern, was sie in der ganzen Zeit, die sie bereits hier waren, zum ersten Mal tat, denn der Wirt war einfach nur froh, dass Tiara wieder da war, und so war er vollauf damit zufrieden, wenn sie abends für ihn die Gäste bediente. Die anderen Tätigkeiten, die Tiara vor den ganzen Vorkommnissen mit erledigt hatte, wurden nun von jemand anderem getan. Heute hatte sie ihre langen blonden Haare zu einem Zopf gebunden. Torgan nahm sie kurz in seine Arme, um sie dann anzuschauen. Manchmal, dachte er sich, blitzten Tiaras grüne Augen im Sonnenlicht auf, so wie gerade jetzt. Lange schaute er in ihr Gesicht mit den Sommersprossen und genoss den Duft, den sie verströmte.

Zusammen mit den Tugare verließen die beiden das Wirtshaus, um den Laden des ortsansässigen Händlers aufzusuchen. Obwohl es seit nunmehr drei Monaten keine Zwischenfälle gab, waren die Wüstenkrieger immer noch sehr aufmerksam, aber auch Torgan hatte sich einst ein Versprechen gegeben, welches er noch immer beherzigte. Niemals wieder wollte er unbewaffnet sein, und dieses Versprechen nahm er sehr ernst, denn auch heute hatte er alle seine Waffen angelegt. Seine beiden Schwerter mit den ungewöhnlichen schwarzen Klingen, hingen auf seinem Rücken. Vorne an den Gurten waren seine sechs Wurfmesser, ebenfalls hatte er zwei Kurzschwerter am Gürtel sowie weitere Messer, die im Stiefel und am Gürtel verstaut waren. Wenn er abends im Wirtshaus saß, dann ließ er seine Schwerter im Zimmer, jedoch war Torgan mit seinen Kurzschwertern ebenfalls ein tödlicher Gegner.

Sie betraten den Laden, in dem seit einiger Zeit Boduar, der Sohn des Händlers, die Geschicke leitete, denn sein Vater hatte in den Kämpfen der Vergangenheit den Tod gefunden. Torgan hielt sich im Hintergrund, während Tiara an den Tresen trat, um die Bestellung aufzugeben. Von einem Moment auf den anderen zeigte er Interesse für Boduar, weil ihm nicht gefiel was er sah. Obwohl ein jeder wusste, dass Tiara mit Torgan zusammen war, schien das den jungen Händler nicht davon abzuhalten, seine große Liebe förmlich mit seinen Augen zu verschlingen. Sein Blick schien in ständiger Bewegung zu sein, um jeden Fleck ihres Körpers zu begutachten. Tiara war eine sehr schöne Frau, aber in ihr Gesicht schien er nicht zu blicken. Obwohl Tiara mit dem Rücken zu ihm stand, erkannte Torgan, wie sich ihr Körper in der Gegenwart des jungen Händlers fast augenblicklich versteifte. Dann war die Bestellung aufgegeben und Tiara floh fast aus dem Laden, um an die frische Luft zu kommen. Draußen stellte er sich neben sie, um zu beobachten, wie sie tief durchatmete. Eigentlich hatte sich Torgan geschworen niemals in das Leben seiner Geliebten einzugreifen, weil er noch nie eine solch starke Frau kennengelernt hatte. Doch von allem, was man sich vornahm, gab es Ausnahmen, die sich einem manchmal förmlich aufzwangen. Mit gespielter Überraschung zog er seinen Beutel mit den Glats unter seinem Hemd hervor. „Ich habe ihn ja doch mitgenommen. Und ich dachte schon, dass ich ihn im Zimmer gelassen hätte. Kannst Du bitte kurz auf mich warten, Tiara, denn ich hatte etwas im Laden gesehen, was ich brauche.“ Sie nickte nur und Torgan betrat den Laden ein weiteres Mal, um sich sofort an den Tresen zu begeben. „Was kann ich für Euch tun, guter Mann?“ „Schön, dass Ihr mich so fragt, denn es ist eigentlich sehr einfach, was mein Begehr ist. Wenn Ihr noch einmal Tiara auf diese Weise anseht, wie Ihr es gerade getan habt, dann muss ich davon ausgehen, dass Ihr um Ihre Liebe buhlen wollt.“ Der Mann hinter dem Tresen war mehr als überrascht, was wahrscheinlich auch an dem Ausdruck auf Torgans Gesicht lag. Dieser lächelte sein Gegenüber mehr als freundlich an, aber in seinen Worten lag eine Härte, die ihm klarmachte wie ernst er es meinte. Doch noch angsteinflößender waren wahrscheinlich die Augen, die ihn mit einer durchdringenden Härte ansahen. „Falls dies also noch einmal geschehen sollte, guter Mann, dann werde ich Euch zu einem Duell auf Leben und Tod fordern, denn, wie Ihr sicherlich wisst, ist Tiara die Frau, mit der ich mein Leben verbringe. Trefft also Eure Wahl.“

„Nein, nein, das habt Ihr sicherlich falsch verstanden. Ich hege keinerlei Interesse an Tiara. Wirklich nicht! Ganz sicher werdet Ihr nie wieder einen Anlass finden, an meinem gegebenen Wort zu zweifeln.“ Mit einer gewissen Genugtuung sah Torgan, wie sich Schweißtropfen auf der Stirn seines Gegenübers bildeten. Er nickte Boduar ein letztes Mal zu. „Dann wünsche ich Euch noch einen schönen Tag, werter Herr.“

Anscheinend war Tiara noch zu aufgebracht, denn Sie bemerkte nicht, das Torgan gar nichts gekauft hatte.

Einen Tag später war dann bereits der Moment gekommen, in dem er überprüfen konnte, inwiefern seine Worte von Boduar verstanden worden waren. Erneut ging Tiara zu Ihm, um die Glats für die bestellten Waren zu bezahlen. Draußen wartete ein Pferdegespann, um sie dann in das Wirtshaus zu bringen und Torgan hatte sich angeboten, sie zu verladen. Zwar stand er in der Nähe der Tür, jedoch beobachtete er den jungen Händler sehr genau.

Der schaute nicht einmal hoch, als Tiara vor ihm am Tresen stand, sondern nannte lediglich den Preis, zählte die Glats, um dann, noch immer mit gesenktem Haupt, auf die Waren zu zeigen, die für das Wirtshaus bestimmt waren. Sofort begann Torgan mit dem Verladen der Kisten und Säcke, doch als er fertig war, musste er sich dem prüfenden Blick Tiaras stellen.

„Was hast Du mit Boduar gemacht, Torgan? So hat er sich noch nie verhalten.“ Mit einem unschuldigen Lächeln sah er ihr in die Augen. „Ich habe gesehen, wie er Dich betrachtet und ich musste einfach etwas gegen diese ernstzunehmende Gefahr tun. Was, wenn er Dein Herz erobert hätte? Du würdest mich als gebrochenen Mann zurücklassen, wenn du dich für diesen erfolgreichen Händler entscheiden würdest, Tiara. Von daher musste ich das Wagnis eingehen und ihn zum Duell fordern, wenn er dir weiter auf diese Weise nachstellt.“ Sein Lächeln wurde breiter, als er die folgenden Worte sprach. „Ich habe doch gesehen, wie dir die gezeigte Zuneigung gefallen hat, aber ich bin nun mal ein überaus eifersüchtiger Mann, der so etwas einfach nicht hinnehmen kann.“

Torgan sah die Bewegung, aber er tat nichts, und einen Moment später rammte Tiara ihre Faust in seinen Bauch. „So, du bist also eifersüchtig, ja? Und wie es scheint, lässt du mir keine Freuden mehr, die mein Leben versüßen könnten.“ Bis zu diesem Zeitpunkt war sie wirklich ernst geblieben, doch dann musste sie loslachen. „Wenn du so etwas noch einmal für mich tust, dann möchte ich aber dabei sein. Ist das klar, Torgan?“ Dieser nickte nur. „Ich danke dir dafür, aber dennoch wirst du dir einiges einfallen lassen müssen, um die Einmischung in mein Leben wieder gut zu machen.“ Torgan fasste Tiara an den Hüften, um sie sogleich mühelos etwas hochzuheben, damit er ihr einen Kuss geben konnte. „Ich werde alles tun, um mein Verhalten wieder gut zu machen, meine Liebste.“ Jetzt grinsten sie beide, während sie noch in dieser Haltung verharrten, um sich zu küssen. Für die drei Tugare, die am Pferdegespann warteten, war es kein ungewöhnliches Bild mehr, weshalb sie sich einfach wegdrehten, um darauf zu warten, dass die beiden mit dem normalen Tagesablauf weitermachten.

Fast ein Monat war seit dem letzten Besuch von Torgan auf der Burg vergangen und langsam machte er sich daran, erneut hinzureiten. Er musste nur noch darauf warten, dass die neuen Krieger ankamen, um von da an für einen Umlauf, wie die Zeitspanne eines Monats bei ihnen benannt wurde, seinen Schutz zu übernehmen. Seine jetzigen Beschützer würden dann in die Wüste zurückkehren. Zwar waren erst drei Monate seit den verhängnisvollen Ereignissen vergangen, doch schien es, dass Kail’Sa Cuun zu seinem Wort stehen würde, denn am Rande der Wüste Xanth, bei dem Basar, der für den Handel mit den anderen Völkern gedacht war, entstand bereits eine kleine wehrhafte Festung. So konnte man Krieger dort stationieren und ersparte sich die Wegtage, die man von Thyrn zum Rande der Wüste benötigte. Für Torgan war es immer ein besonderer Tag, wenn die neuen Krieger Tabox erreichten, weil er natürlich insgeheim hoffte, einen seiner Freunde bei den Neuankömmlingen anzutreffen, doch bisher war dem nicht so gewesen.

Jetzt stand er mit Tiara bei dem kleinen Lager, dass sie sich kurz vor Tabox eingerichtet hatten, um die Wargane vom Nutzvieh der Bewohner fernzuhalten. Man hatte sogar zwei Holzhütten auf der kleinen Lichtung errichtet, damit die beiden Krieger, die bei den Tieren blieben, ein festes Dach über dem Kopf hatten. Torgan schaute Tiara zu, wie sie sich ihre Stiefel schnürte, um für das anstehende Training bereit zu sein. Für diesen Anlass trug sie kein Kleid, sondern, so wie auch er, eine Hose und ein Hemd. Zwar war für ihn die Liebe etwas gänzlich Neues, jedoch war er sich sicher, sie mit Tiara gefunden zu haben. Noch immer wurde sein Herz von unzähligen Gefühlen förmlich überflutet, wenn er sie sah und noch immer sehnte er sich bereits an dem Tag, an dem er zur Burg ritt, sie wieder in seine Arme zu schließen. Er würde nur sie lieben und dies bis zu seinem Tode, da war sich Torgan absolut sicher.

Wie es schien, hatte er sich zu sehr dem Tagtraum hingegeben, denn plötzlich spürte er die Spitze des Übungsschwertes an seiner Brust. „Wo warst du denn gerade mit deinen Gedanken, Torgan?“ Er lächelte sie an. „Ob du es nun glaubst oder nicht, aber ich war bei dir.“ Da sie nicht zum Reden hergekommen waren, nahm Torgan Aufstellung und das Training begann. Die fünf Wüstenkrieger saßen beisammen und sahen sich die täglichen Trainingsstunden überwiegend schweigend an. Nur manchmal flüsterte der eine oder andere eine kurze Bemerkung, denn auch sie sahen, wie sich Tiara in Ihrem Können stetig steigerte. „Ich denke, wir sollten nun den nächsten Schritt wagen, Tiara. Du beherrscht die Grundlagen bereits im Schlaf und ich muss dich schon lange nicht mehr korrigieren. Deshalb werden wir den abschließenden Kampf mit richtigen Schwertern durchführen. Extra hierfür habe ich bei meinem letzten Besuch auf der Burg die Schutzkleidung mitgenommen, die auch ich damals getragen habe. Es gibt jedoch eine Regel, Tiara, denn es sind nicht alle Stellen des Körpers geschützt, zudem bietet das Leder keinen wirklichen Schutz gegen einen mit Gewalt geführten Streich. Also merke dir bitte, dass du nicht auf den Kopf zielen darfst und sei schnell, aber schlage, wenn du merkst, dass du mich treffen wirst, nicht mit deiner ganzen Kraft zu.“ Tiara nickte konzentriert, weil sie die Tragweite seiner Entscheidung erkannte. Torgan, ihr Liebster, und ihr Schwertmeister, war der Meinung, dass Sie so weit war, diesen Schritt zu gehen, um mit echten Schwertern zu trainieren. Es dauerte ein wenig, bis die Schutzkleidung angelegt war und sie sich wieder gegenüberstanden. Tiara zog ihr schmales Schwert, welches er ihr vor langer Zeit ausgesucht hatte. Torgan hingegen zog lediglich eines seiner Schwerter, denn gegen zwei Schwerter konnte sie sich gewiss noch nicht erwehren. „Die ersten Male wird dich das zusätzliche Gewicht noch beeinträchtigen, aber das wirst du bald nicht mehr wahrnehmen. Sollen wir beginnen?“ Und so begannen sie ihren ersten Kampf mit echten Schwertern, und obwohl Tiara kein einziges Mal auch nur die Möglichkeit hatte einen Treffer zu landen, war sie an diesem Morgen der glücklichste Mensch der Welt.

3

Einen Tag später war es dann soweit. In der Nacht waren die neuen Krieger eingetroffen und die anderen hatten sich, nachdem sie sich verabschiedet hatten, auf den Weg in die Wüste gemacht. Deshalb wollte Torgan bereits an diesem Tag zur Burg aufbrechen, denn sein Wargan, das echsenartige Reittier der Tugare, wollte sicherlich ebenfalls etwas mehr Auslauf bekommen.

Zwar ritt er alle paar Tage mit den anderen tief in die Wälder, damit die Tiere Wild reißen konnten, aber die Tiere waren dazu bestimmt, sich unermüdlich zu bewegen.

Tiara sah ihm dabei zu, wie er sich die schwarze Kleidung der magischen Krieger anzog, die er immer trug, wenn er zur Burg ritt. „Warum reitest du denn noch immer zu dorthin, Torgan? Du hast mir doch erzählt, dass du die magischen Sprüche, die dich einst die magischen Krieger lehrten, beherrschst. Die anderen Dinge, das magische Schild und die Energiekugel scheinen dir aus irgendwelchen Gründen für alle Zeit verwehrt zu sein.“ „Ich bin doch nicht lange weg, Tiara. Es ist einfach ein fester Bestandteil in meinem Leben geworden, weil es meine Vergangenheit darstellt. Wir hatten doch darüber gesprochen, und du weißt wie gerne ich es sehen würde, wenn Du mich begleiten würdest. Für mich ist es auch ein Wiedersehen mit alten Freunden, wenn ich an den Gräbern stehe, weil ich einer von ihnen bin. Außerdem kann es wirklich nicht schaden, wenn ich ab und zu ein wenig mit der Magie übe. Und sei gewiss, Tiara, ich habe lediglich bei meinem ersten Besuch ein weiteres Mal versucht, eine Energiekugel zu erzeugen. Du brauchst also keine Angst zu haben, dass mich mein Ehrgeiz in den Tod treibt, denn ich will immer zu dir zurückkehren. Es ist auch so, dass ich mir die Burg genauer ansehen möchte, denn tatsächlich entdecke ich noch immer neues was mich zum Staunen bringt. Und dann sind da die ganzen Bücher, die ich gerne lesen möchte, aber ich kann wohl schlecht alle auf einmal hierherbringen. Bodan würde wohl nie zustimmen, wenn ich sein Wirtshaus zu einer Bibliothek machen würde und er deshalb keine Gäste mehr haben könnte, die ihm gute Glats einbringen.“ „Das weiß ich doch alles und natürlich weiß ich, dass du wohlbehalten zu mir zurückkehren wirst, denn auf der Reise wird dich dein Wargan ebenfalls beschützen, dem du nebenbei bemerkt, noch immer keinen Namen gegeben hast. Zeit genug hattest du eigentlich.“ „Das mag oberflächlich betrachtet der Fall sein, wenn man mich an den Abenden beobachtet, wie ich mich dem Müßiggang hingebe, um zu lesen oder dich zu beobachten, aber es ist mitnichten so, meine Liebste. Die Gedanken jagen unaufhörlich durch meinen Kopf, damit mein Reittier endlich einen Namen erhält, und eigentlich müsste jeden Abend auf ein Neues Rauch aus meinem Kopf aufsteigen, weil ich mich so anstrenge.

Doch bisher ist mir noch kein Name eingefallen, der diesem edlen Tier gerecht werden würde. Und selbst, wenn mir ein Name einfallen würde, so liegt es letztendlich an meinem Wargan, ob er ihn annimmt.“ Ein Lächeln lag auf Tiaras Lippen, als sie ihm in die Augen sah. „Ich denke wirklich, dass niemand mit deinem schweren Schicksal tauschen möchte.“ Sanft berührten ihre Lippen die seinen. „Ich werde sehnsüchtig auf deine Rückkehr warten, Torgan.“ Er schloss sie ein letztes Mal in seine Arme, dann nahm er sein Gepäck auf, um seine Reise zur Burg zu beginnen.

Es war eine tief verwurzelte Angewohnheit, die Torgan auch nicht bereit war abzulegen. Kaum ritten sie in das Jagurgebirge, da nutzte er seine magischen Fähigkeiten, um nach Auren und möglichen Gefahren in der Umgebung zu suchen. Alle vier Reiter waren auf dem gesamten Weg still und beobachten unablässig die nähere Umgebung, aber es zeigten sich keine Gefahren. Dieses Gefühl, welches bereits beim ersten Ritt zur Burg aufkeimte, schien sich zu bestätigen, denn bis auf den einen Gol, der sich der Gefährlichkeit der Wargane nicht bewusst gewesen war, schienen es die anderen Bewohner des Gebirges sehr wohl zu sein. Diese majestätischen Tiere hatten sich ganz selbstverständlich zu den gefährlichsten Tieren gemacht, die es nun im Jagurgebirge gab. Am späten Nachmittag erreichten sie das Tal an dessen Ende die Burg stand. Jeder der Wüstenkrieger, der den Anblick zum ersten Mal gewahr wurde, hielt unwillkürlich inne, um das Bild in sich aufzunehmen. Zwar hatten einige von ihnen bereits die Mauern von Kaldan erblickt, doch war der Anblick etwas anderes, denn die Burg war einst lediglich zu dem Zweck erbaut worden, möglichen Angriffen zu trotzen. Sie näherten sich dem geschlossenen Tor, weil Torgan verhindern wollte, dass es sich Tiere in der Burg gemütlich machten, wenn niemand dort war. Um dennoch die Burg betreten zu können hatte er neben dem Tor zwei Seile an der Burgmauer befestigt und nun glitt er aus dem Sattel, um sich an einem der Seile auf die Mauerkrone zu ziehen.

Kurz danach wurde der Riegel des Tores entfernt, damit auch die Reittiere in den Burghof gelangen konnten. Trotz der Vorsichtsmaßnahmen schwärmten die drei Krieger sofort aus, um nach möglichen Gefahren zu suchen, aber es gab keine. Die Besuche von Torgan auf der Burg, die für kurze Zeit seine Heimat gewesen war, liefen stets nach dem gleichen Muster ab. Nachdem sich die drei Tugare davon überzeugt hatten, dass es keine Gefahren für ihren Gaito gab, besuchte er die Gräber der gefallenen magischen Krieger, die er damals mit Tiaras Hilfe in dem Tal ausgehoben hatte. Hier verharrte er eine ganze Zeit, sprach im Geiste mit den Gefallenen und dachte an die Zeiten zurück, in denen sie noch auf dieser Welt gewandelt waren.

Danach ging er in den kleinen Übungshof der Burg, welcher die meiste Zeit seine Heimat gewesen war. Hier wurde ihm alles beigebracht was er nun wusste, also war es nur logisch, wenn er sein magisches Training genau an diesem Ort absolvieren sollte.

Natürlich hatte Tiara mit ihren Worten recht gehabt, denn eigentlich benötigte er kein Training mehr, um die magischen Sprüche, die ein magischer Krieger können musste, wenn er die Aufnahme bestehen wollte, zu verbessern. Vielmehr war in dem Moment, als er gegen den Magier Xaras und seine beiden Helfer kämpfte, etwas mit ihm und seiner Magie geschehen. Musste er sich vorher noch konzentrieren, damit er diese Art der Magie wirken konnte, so hatte es nun den Anschein, als ob seine Magie förmlich darauf wartete, seinen Wünschen zu entsprechen. Es ging mittlerweile rasend schnell, wie Torgan die Magie beherrschte. Ebenfalls konnte er seitdem viel mehr Sprüche kontrollieren und tief in seinem Inneren glaubte er sogar, dass er noch viel mehr schaffen könnte, jedoch respektierte und fürchtete er ebenfalls die Magie und die Konsequenzen, die ein Übermaß bedeuten könnten.

Wenn Torgan den kleinen Übungshof betrat, so war das für die Tugare das Zeichen, sich ebenfalls dorthin zu begeben und sich das Ganze, angelehnt an einer Mauer, anzusehen. Das hatte sich schnell unter den Kriegern herumgesprochen, weshalb niemand, der für den Schutz Torgans zuständig war, etwas versäumen wollte.

Zuerst erschuf Torgan sechs Doppelgänger von sich und gleichzeitig wurde er unsichtbar. Jetzt ließ er seine Doppelgänger einen Kreis bilden, in dessen Mitte er, noch immer unsichtbar, stand.

Die Trugbilder bewegten sich nun in entgegengesetzte Richtungen, um plötzlich jeweils zwei Lichtkugeln über sich zu haben, die über ihren Köpfen kreisten. Noch immer verspürte Torgan keinerlei Anstrengung, um die magischen Sprüche aufrecht zu erhalten.

Er zog sein Schwert und sogleich taten es seine Doppelgänger ebenfalls. Er ließ sie drei Pärchen bilden, die sich gegenüberstanden und kurz darauf einen Scheinkampf mit dem Schwert ausfochten. Ein wenig übte er noch, doch dann beendete er seine Übungsstunde. Obwohl er dachte, nur kurz im Übungshof gestanden zu haben, legte sich bereits die Dunkelheit über die Burg, weshalb er die Lichtkugeln über sich und seinen Begleitern schweben ließ, damit sie sich in ihre Unterkunft zurückziehen konnten. Das war zwar nicht wirklich nötig, da sie lediglich einige Schritte bis zur kleinen Unterkunft im Übungshof, Torgans damaliger Heimat, zu bewältigen hatten, aber wenn er es konnte, warum dann nicht auch tun. Wenn sie dann abends noch zusammensaßen und sich unterhielten, versuchte er immer ein wenig die Sprache der Tugare zu erlernen, jedoch gestaltete sich das schwieriger, als er es vermutet hätte, Bis auf einige Worte hatte er bis zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich Fortschritte erzielt.

Am nächsten Morgen stand Torgan zuerst in den einstigen Gemächern von Zhur, um einige Bücher zurück in die Regale zu stellen und um sich diejenigen anzusehen, die er noch nicht gelesen hatte. Zwar las er noch immer Bücher, die sich mit der Magie beschäftigten wie sie richtige Magier praktizierten, aber das tat er lediglich, um eventuell herauszufinden, warum er keinen magischen Schild und auch keine Energiekugel mehr erschaffen konnte. Obwohl er sich sicher war, dass es mit seinen Schwertern zu tun hatte und damit, was er gesehen hatte, als sie im Kampf leuchteten. Ausprobieren wollte er auf dem Gebiet ganz sicher nichts mehr, denn er wusste um die Gefahren, die er nicht eingehen wollte, denn in Tabox wartete Tiara auf Ihn. Kaum dachte er an sie, schon überkam ihn eine Sehnsucht, sie endlich wieder bei sich zu haben. Heute hatte er keine wirkliche Freude daran, sich die unzähligen Bücher anzusehen, also schlenderte er über den Burghof und betrat wenig später die Räume, die einst dem Kommandanten vorbehalten waren. Noch ganz in Gedanken setzte er sich auf den Stuhl, der sich hinter dem Schreibtisch befand.

Wenn er es recht bedachte, dann hatte er noch nie auf dieser Seite des Tisches gesessen. Er ließ seinen Blick durch den Raum schweifen und fast augenblicklich erkannte er, wie all die Dinge in dem Raum so angeordnet waren, um genau von diesem Standort aus perfekt eingesehen zu werden. Er konnte die Landkarte an der Wand gut einsehen, ebenso die Tür, durch die er gerade eingetreten war, aber was er erst jetzt wahrnahm, war die andere Tür, die sich in dem Raum befand. Sofort stand Torgan auf, um sich an einen anderen Ort zu begeben. Von hier sah man zwar noch die Tür, dennoch war es wohl weitaus wahrscheinlicher, von dem Schreibtisch und dem damals dahinter sitzenden Kommandanten gefesselt gewesen zu sein, weshalb wohl kaum jemand auf sie geachtet hatte. Er trat zur Tür und versuchte sie zu öffnen, aber sie war verschlossen. Bei genauerer Betrachtung schien es ebenfalls aussichtslos zu sein, sie mit Gewalt öffnen zu wollen. Irgendwie beschlich Torgan das Gefühl, dass die Tür eine kleinere Ausgabe der Torflügel zu sein schien, die in die Halle führten, in der Torgan zum magischen Krieger ernannt wurde. Wenn seine Vermutung richtig war, dann war sie sehr dick und stabil, also brauchte er den Schlüssel, wenn er sehen wollte, was sich dahinter verbarg.

Es war auf jeden Fall ein Rätsel nach Torgans Geschmack, dem er sich sehr gerne stellen wollte. Wenn es allerdings so war, dass Ghad den Schlüssel immer bei sich getragen hatte, dann endete das Rätsel, bevor es eigentlich begann, weil er ihn dann mit in den Tod genommen hatte und Torgan wusste nicht, wo ihn dieser ereilt hatte. Jedoch war es nicht immer sinnvoll, einen Schlüssel ständig mit sich herumzutragen. Das wusste er nur zu gut, denn in Kaldan war er des Öfteren dazu gezwungen gewesen, den nahenden Hungertod durch einen Einbruch abzuwenden. Da kamen ihm seine unfreiwillig erworbenen Fähigkeiten eventuell gerade hier zugute, also setzte er sich wieder hinter den Schreibtisch, um nachzudenken. Entweder war der Schlüssel hier versteckt, oder aber im Schlafquartier des ehemaligen Kommandanten der Burg.

Wenn sich allerdings Dinge hinter der Tür verbargen, an die man mitunter schnell rankommen wollte, so blieb nur die Möglichkeit übrig, dass sich der Schlüssel in diesem Raum befand. Zuerst besah sich Torgan den Schreibtisch genauer. Er klopfte ihn ab, um eventuelle Hohlräume oder Geheimfächer ausfindig zu machen.

Doch gab es keine, oder er fand sie nicht. Also ließ er wieder seinen Blick schweifen und plötzlich versteifte er sich unwillkürlich.

Nur von diesem Platz aus sah man den Rahmen der Landkarte, die an der einen Wand des Raumes aufgehängt war. Doch genau in diesem Rahmen erkannte er nun Symbole, die anscheinend als Verzierung gedacht waren. Seltsam war nur, dass eines der Symbole einen Schlüssel darstellte, also stellte sich die Frage, was ein Schlüsselsymbol auf einem Rahmen zu suchen hatte, der eine Landkarte hielt? Er ging etwas näher heran und im nächsten Moment musste er laut lachen. Alles andere auf dem Rahmen waren tatsächlich eingeritzte Symbole, doch das traf nicht auf jenes mit dem Schlüssel zu. Hier handelte es sich um eine eingeschnitzte Vertiefung, welche genau die Form des Schlüssels besaß, der dort vor aller Augen versteckt war. Jetzt konnte er seine Neugier nicht mehr zügeln und eilte sofort mit dem Schlüssel zu der geheimnisvollen Tür. Als er sie geöffnet hatte und völlig selbstverständlich einige Lichtkugeln erzeugt hatte, die wenig später den Raum erleuchteten, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. Das konnte überaus interessant werden.

4

Jugin, der Hafenmeister von Kaldan, hatte sich vor einem Wirtshaus in der Hafengegend gesetzt, trank ein Bier und beobachtete das Treiben um sich herum. Auf dem Platz, an dem auch das Wirtshaus lag, hatten die Händler ihre Stände aufgebaut und wie immer war es sehr voll an einem Tag wie diesem. Bei solchen Gelegenheiten bevorzugte Jugin immer den Marktplatz, der sich in der Nähe des Hafens befand, denn irgendwie fühlte er sich hier heimisch und nicht in der reicheren Gegend der Stadt, wo sich der zweite Marktplatz befand. Kurz versuchte er sich zu erinnern, seit wie vielen Jahren er schon diesen Ort besuchte, aber er konnte es nicht.

Allerdings sah er ganz deutlich die Veränderungen, die hier und wahrscheinlich im ganzen Land eingezogen waren, seit der bösartige Tumor mit dem Namen Xaras das Land überzogen und verseucht hatte. Das, was man hier sah, waren die Auswirkungen, denn seitdem gab es keine magischen Krieger mehr, oder besser gesagt gab es nur noch einen. Früher hatten sie die Karawanen beschützt, wenn sie ihre Waren durch das Land transportierten, aber das war endgültig vorbei. Zwar sahen die Barone die Notwendigkeit, für deren Schutz nun selber Sorge zu tragen, aber dies konnten sie einfach nicht in der Art tun wie es einst die magischen Krieger getan hatten. Die Barone stellten seitdem sehr große Karawanen zusammen, die dann von einer großen Anzahl bewaffneter Soldaten begleitet wurden, denn die Gefahr durch Banditen bestand auch weiterhin. Durch die Maßnahme kam es aber unweigerlich dazu, dass manche Waren sehr lange in einem Lagerhaus verweilten, bevor sie zu ihrem eigentlichen Bestimmungsort gelangten. Das alles sah Jugin, wenn er sich die Stände der Händler ansah. Früher hat man selbst hier, in der ärmeren Gegend der Stadt, fast alles kaufen können, doch heute sah er überwiegend Waren, die von hier stammten. Zum Glück gab es keine Stadt in Manduran, die sich nicht selbst mit den Grundnahrungsmitteln versorgen konnte, weshalb niemand zu hungern brauchte, der für das Essen zahlen konnte.

Wie jeden Tag dachte er auch heute über Torgan nach. Als er ihn das letzte Mal gesehen hatte, fühlte er sich dazu berufen, ihm die ganze Wahrheit über seine Herkunft zu offenbaren, auch wenn es bedeutete, das Versprechen, welches er Torgans Eltern vor sehr langer Zeit gegeben hatte, zu brechen. Da er danach wieder schnell Kaldan verlassen hatte, wusste Jugin nicht, wie er nun über ihn dachte. Hatte er ihm sein jahrelanges Schweigen verziehen oder würde er ihn dafür auf ewig hassen? Irgendwann würde er eine Antwort darauf erhalten, denn so schätzte er Torgan einfach ein. Er würde es ihm direkt sagen, wie er von nun an über ihn denken würde.

Die Veränderungen, die er hier wahrnahm, bereiteten ihm keine Sorgen, dafür jedoch andere Dinge. Seit einiger Zeit verließen Männer die Schiffe, die von den entfernten Inseln diesen Hafen anliefen, um zu handeln. In der ganzen Zeit, in der er der Hafenmeister war, und er wusste auch nicht, wie lange es nun schon so war, hatte jemand ein Schiff verlassen, um in die Stadt zu gehen.

Leider kannte er den Grund hierfür nur zu genau, und genau das bereitete ihm Sorge. Natürlich hatte man ebenfalls auf den Inseln von den Geschehnissen erfahren und wollte nun die Elemente der Geschichte, welche der Fantasie entsprangen und bei jeder Heldensaga irgendwann fast unaufhaltsam hinzugefügt wurden, von den wahren Ereignissen trennen. Dennoch würden die Fei sehr bald erfahren, wie es wirklich abgelaufen war, als man den verrückten Magier vernichtet hatte. Und sie würden von den Schwertern erfahren, die in einer ihrer Legenden ebenfalls erschienen und nichts Gutes für ihr Volk bedeuteten. Zwar sah er keine unmittelbare Gefahr für Torgan, dennoch konnte es wirklich nicht schaden, wenn er davon erfuhr.

Mehr als einmal war er kurz davor gewesen, sich ein Pferd zu schnappen, um Torgan von den Geschehnissen zu berichten, denn natürlich hatte auch er erfahren, wo er sich niedergelassen hatte. Jedoch gab es bei diesem Einfall gleich mehrere Hindernisse, die ihn bisher davon abgehalten hatten. Selbst wenn er die Tatsache wegwischte, dass er nicht reiten konnte und es sogar so war, dass er förmlich Angst vor Pferden verspürte, so war es ein ganz anderer Grund, der ihn abhielt. Er war schon immer ein Kind des Meeres gewesen. Früher war er selber zur See gefahren, um dann später Hafenmeister zu werden. Jedoch könnte er sich keinen Tag vorstellen, an dem er nicht mindestens einmal das Meer sah, denn das Meer brauchte er förmlich zum Leben.

Im Hafen lag ein mittelgroßes Ruderboot, mit dem er zu den Schiffen gelangte, die manchmal vor dem Hafen ankerten, bis ein Liegeplatz frei wurde. Er genoss es, wenn ihn einige Ruderer zu den Schiffen brachten, aber wenn er an einem Tag das Vergnügen nicht bekommen konnte, so stellte er sich nachts in das Boot, um die Bewegungen der Wellen zu spüren.

Plötzlich fasste er sich an den Kopf, weil er so lange verblendet gewesen war. Er selbst brauchte doch gar nicht die Reise anzutreten, um Torgan von den Ereignissen zu berichten. Es würde sicherlich auch reichen, wenn er einen Brief schrieb, den er dann einem Offizier gab, der die Karawanen begleitete, um diese vor Überfällen zu schützen. In dem Moment war er sich sicher, dass sein Brief sein Ziel erreichen würde, und er wusste auch schon, wem er ihn anvertrauen konnte.

Sofort erhob er sich, um seinen Plan in die Tat umzusetzen.

5

Eigentlich hatte Torgan vorgehabt, den Besuch auf der Burg einen Tag kürzer zu gestalten, um Tiara zu überraschen, aber der Gedanke hatte sich nach seiner Entdeckung sehr schnell wieder verflüchtigt. Als er in der Tür gestanden und gesehen hatte, was seine Lichtkugeln dort beleuchteten, konnte er einfach nur grinsen. Sofort hatte er natürlich diesen Raum betreten, um sich alles genauer anzusehen, dennoch tat er es mit Bedacht und nahm sich die Zeit, alles genau zu betrachten. Der kleine Raum war, wie so viele in der Burg, in den Fels geschlagen worden, nur hatte man sich hier nicht die Mühe gemacht, die Wände zu begradigen. Er war vielleicht an die dreißig Fuß lang, aber lediglich fünf Fuß breit. Ebenfalls war der Raum gerade so hoch, dass Torgan sich nicht bücken musste. An beiden Seiten der Wände stapelten sich Kisten bis zur Decke übereinander, die lediglich einen kleinen Pfad in der Mitte freiließen, um sich in dem Raum zu bewegen. Nun war es auch mit den guten Vorsätzen bei Torgan vorbei, denn er hob die erste Holzkiste auf, um sie in den angrenzenden Raum zu tragen. Er stellte sie auf dem Schreibtisch ab, um sie zu öffnen.

Nachdem er die erste Kiste durchgesehen hatte, beschlich ihn ein Gedanke, was dieser Raum wirklich all die Zeit verwahrt hatte. In der ersten Kiste fand er Bücher, Schriftrollen und Ähnliches, die alle ihren Ursprung im alten Kaiserreich hatten. Nachdem er alles oberflächlich durchgesehen hatte, ging er zurück in den kleinen Raum, um sich erneut umzusehen. In seiner plötzlich aufkommenden Euphorie hatte er ganz vergessen, seine Lichtkugeln wieder verschwinden zu lassen und er hatte es noch nicht einmal bemerkt. Langsam schritt er durch den schmalen Gang, um sich all die Kisten anzusehen. Was für Geheimnisse sie wohl verbergen mochten? Wenn überhaupt, dann würde er hier Antworten auf all seine Fragen finden, die ihn schon lange quälten.

Irgendetwas war mit ihm in Aldip geschehen, aber er konnte lediglich erahnen, was das für ihn bedeutete. Leider gab es in Manduran keinen einzigen Magier mehr, der über die nötigen Kenntnisse verfügte, um ihm Antworten zu geben. Bisher hatte er sich einige Dinge selber erschließen können, doch beinhalteten sie keine Antworten, sondern lediglich das, was mit ihm geschehen war. Als er sich das erste Mal dem Magier Xaras stellte, hatte er seine Schwerter nicht gezogen, weshalb er zu dem Zeitpunkt noch in der Lage gewesen war, ein magisches Schild zu erzeugen. Bei dem Gedanken an dieses Duell durchzog ihn förmlich der Schmerz erneut, den er damals gespürt hatte, als die Energiekugeln seinen Körper durchschlagen hatten. Beim zweiten und letzten Duell jedoch hatte er seine Schwerter gezogen. Als er dann aber versuchte ein magisches Schild zu erzeugen, geschah etwas mit seinen Schwertern. Er hatte wirklich lange darüber nachgedacht und war sich mittlerweile sicher, keiner Sinnestäuschung aufgesessen zu sein, denn seine Schwerter hatten tatsächlich in einem magischen Licht gestrahlt, ganz so, als ob sein Versuch, einen magischen Spruch zu manifestieren, der Auslöser gewesen war, um die Schwerter zum Leben zu erwecken. Dass sie die Magie der anderen Magier förmlich anzogen, um sie dann, ohne das er Schaden nahm, in seinen Körper leiteten, wusste er mit Sicherheit. An dieses Gefühl konnte er sich noch lebhaft erinnern, wie sein ganzer Körper von der Magie förmlich geflutet wurde, und er sich zuerst viel stärker gefühlt hatte. Doch dann nahm das Ganze ein Ausmaß an, was Torgan fast das Leben gekostet hätte, denn sein Körper war nicht in der Lage gewesen, die Unmengen an Magie zu halten. Doch warum hatte er es vermocht, die Magie aus seinem Körper zu leiten? Und warum konnte er noch die magischen Sprüche wirken, die man als magischer Krieger beherrschen musste? Und warum konnte er seit dem Ereignis keinen magischen Schild oder eine Energiekugel erzeugen, wenn er die Schwerter doch gar nicht in den Händen hielt?

Falls er sich irgendwann dazu entschließen sollte, den Legenden der Tugare zu folgen, um ihr Volk aus der Sklaverei der Fei zu befreien, dann benötigte er zuerst Antworten auf die Fragen, denn sonst wäre es sein sicherer Tod. Er hatte gefühlt, wie es ihn fast zerrissen hatte, als er gegen drei Magier gekämpft hatte, aber das Volk der Fei war dafür bekannt, eine Vielzahl an Magiern ihr eigen zu nennen. Das würde er ohne Antworten nicht überleben.

Torgan war so in sich selbst gefangen, als er die Kisten durchsuchte, dass er die Zeit völlig vergaß. Zum Glück taten es die Krieger, die ihn begleitet hatten, nicht, denn sie zogen Torgan fast aus dem Raum, damit er etwa essen und trinken konnte. Dadurch fand sein Geist wieder in die Realität zurück und er war erstaunt, wie lange er sich mit den alten Dokumenten, Karten und Büchern beschäftigt hatte. Ein Blick zum Himmel bestätigte ihm, dass es bereits später Nachmittag war. Diese Erkenntnis zwang Torgan dazu, seine Vorgehensweise neu zu überdenken. Hier und jetzt konnte er auf keinen Fall alle Kisten durchsehen, geschweige denn alles lesen was er fand. Deshalb suchten sie sich Satteltaschen, die noch immer im Stall der Burg lagen. Plötzlich konnte Torgan wieder rationell denken, also sah er sich die Inhalte der Kisten an, um dann zu entscheiden, welche Dinge er mit nach Tabox nehmen würde, damit er Sie später in Ruhe durchsehen konnte. Als die vier Satteltaschen vollgestopft waren erkannte Torgan, dass dieses Unterfangen noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde.

In der letzten Nacht auf der Burg fand Torgan keinen Schlaf, denn die Gedanken rasten förmlich durch seinen Kopf. Deshalb war er wieder aufgestanden und stand nun in dem kleinen Übungshof, wie er es damals so oft getan hatte, und sah sich die Sterne an.

Bei dem Anblick musste er lächeln, weil ihm die Götter anscheinend ein Geschenk bereiten wollten. Ganz so wie er es liebte, zogen kleine Wolkenfetzen über den Himmel, um immer wieder neue Bilder für seine Augen zu zeichnen. Er brauchte sich nicht umzudrehen, um zu wissen, dass zwei der Tugare mit ihm in dem Hof standen. Sie nahmen noch immer ihr Versprechen sehr ernst, über ihren Gaito zu wachen, bis er sich dazu entscheiden würde, seine Bestimmung anzunehmen.

6