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Ein alter Graf und sein Diener wohnen Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgezogen auf einem Schloss in der Bretagne. In trauter Zweisamkeit gehen die Tage dahin, gefüllt mit den immer selben Ritualen. Doch dann wird die Ruhe der beiden gestört. Erst tauchen frische Decken im Schlafgemach des Grafen auf, wo vordem keine waren. Dann wird die Schlossküche zum Schauplatz einer kochenden Gespenstererscheinung und schließlich müssen die Herren sogar die allmähliche Reinigung ihrer Umgebung wehrlos hinnehmen. Da das ungeliebte Gespenst aber hervorragend zu Kochen weiß, erklären die beiden Herren es kurzerhand zum "Gespinst", und gewöhnen sich an den ungebetenen Gast. Bis das Unfassbare geschieht. Der Weinkeller des Grafen - Quelle der täglichen Labsal und Erbauung der beiden Herren – ist verschlossen. Von nun an wird kein Pardon mehr für das Gespinst gewährt. Die Jagd auf den Störenfried beginnt.
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Seitenzahl: 26
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Christoph Hochberger
Das Gespinst vom Gouffre
Kurzgeschichte
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Christoph Hochberger
Impressum neobooks
Es war ein heißer Augustnachmittag im Jahre 1869, als ich mit meinem geliebten Weibe zum ersten Mal die Landzunge Plougrescant in der Nordwestbretagne bereiste. Die kleine Reisegesellschaft, bestehend aus einigen wohlhabenden Bürgerfamilien, verließ` die Kutschen und verteilte sich unter Lachen und freudiger Erwartung in die Landschaft. Kindermädchen, Kutscher und Diener hatten alle Hände voll zu tun, um ihre Pflichten inmitten des ungezügelten Haufens zu erfüllen. Die Hausdiener bemühten sich redlich, die Picknicktischchen aufzustellen, die Damen mit gekühltem Punsch und die Herren mit Zigarren und Drinks zu versorgen. Derweil riefen und liefen die armen Hausmädchen den Kleinen nach. Während also „Kind und Kegel“ schreiend und lachend durch die wilde Landschaft stob, zog ich es vor, mit meinem Weib einen schönen Gang in die Einsamkeit zu unternehmen. Der Krach der anderen war uns ohnehin eine Last und so hielt uns nichts am Platze. Ich bat einen der Diener, mir ein Körbchen mit Leckereien und kühlem Trunk zu reichen.
Dann brachen wir Richtung Küste auf. Während Mrs Corrington einfach die Landschaft genoss, wollte meine Wenigkeit unbedingt die Felsenschlucht des Gouffre sehen. Ein bretonischer Fischer hatte mir vor Tagen vom sogenannten „Schlund“ berichtet, durch den in wüsten Nächten das Meer hindurch donnern sollte, sodass es noch weithin zu hören war. Mrs Corrington hatte mein Ansinnen als eine für einen Mann verständliche, aber an einem solch heißen Sommertage völlig unbedachte Idee abgetan. Ich jedoch hatte insistiert und angeführt, dass ich ansonsten alles täte, wonach meiner wunderschönen Mrs der Sinn stehe. Jetzt könne sie auch einmal über ihren zarten Schatten springen.
Und siehe da - sie hatte nachgegeben.
Wir schlenderten also der Küste entgegen, die unter einer nebeligen Dunstglocke hing. Ganz so, als befinde man sich im Hafen von London, nicht am westlichen Rande Frankreichs, bemerkte Mrs Corrington unmutig. Ich zog es vor, zu schweigen. Um uns herum türmten sich mächtige Granitfelsen auf, die von Farnen und Heidekraut überwuchert waren. Die wenigen krumm gebeugten Bäume, die den Weg flankierten, sahen aus, als habe sie ein Riese niedergedrückt. Ich hatte schon viele hübsche, wilde und verwunschene Orte in dieser geheimnisvollen Bretagne gesehen, doch dieser hier übte sofort eine hohe Anziehungskraft auf mich aus.
Als wir endlich am „Schlund“ angekommen waren, hatte es dort brütende Ebbe und die berühmten Granitfelsen glosten in der Hitze. Ein beeindruckender Anblick, nur leider ohne Meer.
Mrs Corrington sah mich missbilligend an.
Bevor ich eine Entschuldigung murmeln konnte, kam ein altes Bretonenweib um einen Felsen gehumpelt. Es
