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Die Westfront bei Verdun, Juni 1916. Das Eliteregiment des französischen Sergeants Jean Marc Tranous, liegt an einem der am härtesten umkämpften Frontabschnitte des Ersten Weltkriegs in Stellung. Seit Tagen wird das Dorf Fleury von deutschen Truppen berannt und Jean Marc weiß nicht, wie lange er und seine Männer noch werden standhalten können. In der alptraumhaften Grausamkeit der Kämpfe verliert der tapfere französische Sergeant jede Hoffnung. Als sich im Abendrot menschliche Gestalten in Höhe der gegnerischen Front erheben, eröffnen Jean Marc und seine Männer instinktiv das Feuer - und erleben eine große Überraschung: Selbst nach Einsatz der Artillerie wandeln die Gestalten weiter über das Schlachtfeld. Düstere Geschichten von einem verlorenen, deutschen Bataillon machen die Runde und versetzen Jean Marc und seine Männer in Angst und Schrecken. Als kurz darauf die Geschütze der feindlichen Artillerie einen weiteren Angriff der Deutschen ankündigen, scheint das Ende nahe. Die darauf folgenden Ereignisse stehen in keinem Buch über den Ersten Weltkrieg verzeichnet.
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Seitenzahl: 18
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Christoph Hochberger
DIE VERLORENEN
une petite nouvelle obscure
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Die Verlorenen
Impressum neobooks
Diese Geschichte ist den Männern gewidmet, die an der Westfront des Ersten Weltkriegs kämpften und starben. Zu sehr ist heute das Leid dieser Soldaten in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grund hebe ich es zurück, vor euer Angesicht. Auf dass ihr seht, was einst geschah, wo heute Blumen blüh`n …
Jean Marc kniff die Augen zusammen. Langsam senkte sich die Dämmerung über seinen Abschnitt. Die letzten Lichtfäden der untergehenden Sonne tasteten sich glutrot über die gesichtslose, zu Asche verbrannte Trümmerlandschaft, die einst das Dorf Fleury gewesen war. Jetzt gab es hier, an einer der am härtesten umkämpften Stellungen der Verdunfront nur noch Granattrichter, Mauerreste und zerfetzten Stacheldraht. Penetranter Verwesungsgeruch hing über der Front, Leichenteile und Gefallene, wohin man sah. Eine zermarterte Schlammwüste, von Granattrichtern durchpflügt, mit allen Arten von zerstörten Gegenständen bedeckt, die die feindlichen Heere benötigten, um sich gegenseitig umzubringen. Ein Bild, das der Fantasie eines Verrückten entsprungen zu sein schien. Doch es war bittere Realität. Jean Marc wischte sich den Schweiß von der Stirn. Der Tag war die Hölle gewesen. Dreimal hatten deutsche Regimenter versucht Fleury einzunehmen, drei schreckliche Male. Jetzt lagen dort vorne, im Niemandsland zwischen den Linien, hunderte von Toten und zahllose Verwundete, denen niemand mehr helfen konnte. Das jämmerliche Stöhnen und die grauenhaften Schmerzensschreie dieser armen Hunde würden noch lange zu hören sein. Der Hauch des Todes lag über dem Schlachtfeld, diesem entsetzlichen Ort des Sterbens, dessen Name dem, was sich hier abspielte, längst nicht mehr gerecht wurde. Die Hölle, Armageddon, wie auch immer man es nennen wollte, es konnte einem Uneingeweihten nicht beschreiben, was hier geschah. Die Lebenden litten Durst, Hunger, Todesangst und Erschöpfung, und selbst die Toten fanden keine Ruhe.
