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Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. Auf sehr spezielle, romantische Weise findet Toni, der Hüttenwirt seine große Liebe in einer bezaubernden Frau, die aus einer völlig anderen Umgebung stammt als der markante Mann der Berge. Sie lernt durch ihn Schönheit und Idylle seiner Heimat kennen und lieben. Gemeinsam eröffnen die beiden allen Besuchern die Werte und Besonderheiten ihres Lebens auf der Alm. Romantik, Beschaulichkeit, dramatische Spannung und feinsinnige Gespräche: Das ist die Welt von Toni, dem Hüttenwirt, der sich niemand entziehen kann. Förster Lorenz Hofer betrat das Rathaus. Bürgermeister Fritz Fellbacher kam ihm entgegen. »Grüß Gott, Fritz!« »Grüß Gott, Lorenz! Ich wollte gerade zu dir.« »Bist du so ungeduldig? Ich habe dir doch gesagt, dass es später werden könnte. Bei so einem Besuch der oberen Forstbehörde weiß ich nie, wie lange die Waldbegehung dauert. Dem Himmel sei Dank, dass sie weg sind!« »Du siehst erschöpft aus. Komm rein!«, sagte Fellbacher. »Setz dich, ich hole den Obstler. Du siehst aus, als könntest du einen brauchen.« »Danke, da hast du recht. Mei, haben die mich genervt! Ich dachte, das nimmt kein Ende«, seufzte Hofer. Fellbacher schenkte ein. Sie prosteten sich zu und tranken.
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Förster Lorenz Hofer betrat das Rathaus.
Bürgermeister Fritz Fellbacher kam ihm entgegen.
»Grüß Gott, Fritz!«
»Grüß Gott, Lorenz! Ich wollte gerade zu dir.«
»Bist du so ungeduldig? Ich habe dir doch gesagt, dass es später werden könnte. Bei so einem Besuch der oberen Forstbehörde weiß ich nie, wie lange die Waldbegehung dauert. Dem Himmel sei Dank, dass sie weg sind!«
»Du siehst erschöpft aus. Komm rein!«, sagte Fellbacher.
Sie gingen in das Amtszimmer,
»Setz dich, ich hole den Obstler. Du siehst aus, als könntest du einen brauchen.«
»Danke, da hast du recht. Mei, haben die mich genervt! Ich dachte, das nimmt kein Ende«, seufzte Hofer.
Fellbacher schenkte ein.
Sie prosteten sich zu und tranken.
»Jetzt hast du mich neugierig gemacht. Ich dachte, du bist immer gut mit dem Herrn ausgekommen?«
»So war es auch, Fritz. Aber leider geht Adam Adelhofer nächstes Frühjahr in den Ruhestand. Es gibt bereits einen Nachfolger. Das ist ein junger Bursche. Wie der zu dem Posten gekommen ist, das ist mir ein Rätsel. Knut Beißer heißt er und macht seinem Namen alle Ehre. Er beißt um sich mit jedem Wort, das aus seinem Mund kommt. Er ist ein Besserwisser, wie er im Buch steht, ein Theoretiker, der von der Praxis keine Ahnung hat«, schimpfte Hofer.
Fellbacher schenkte ihm noch einen Obstler ein.
»Lorenz, spüle deinen Ärger runter! Es bringt nichts, wenn du dich aufregst.«
Hofer trank.
»Ich ärgere mich über mich selbst, dass ich mich so aufrege.«
»Lorenz, ich kenne diese Sorte Jungspunde. Die gibt es auch in der Politik. Ich kann dir nur raten, lass sie reden. Sie spielen sich auf. Sie leiden unter Profilierungssucht. Damit übertünchen sie ihre Unwissenheit und Unfähigkeit.«
»Das trifft es genau, Fritz. Trotzdem ist es nervig. Und es wird von mir erwartet, dass ich seinen depperten Anordnungen Folge leiste.«
Bürgermeister Fellbacher schmunzelte und sagte:
»Auch das ist mir nicht unbekannt. Im Laufe der Jahre habe ich eine Methode gefunden, wie ich mit so einem Jungspund umgehe.«
»Wie?«, stieß Hofer hervor.
»Der muss sich ja richtig festgebissen haben, Lorenz.«
»Ja, das hat er. Auflagen, Auflagen, Auflagen! Die Bäume sind zu hoch, zu alt und stehen zu dicht. Mischwald ist hier ungünstig und er kritisierte die Aufforstung. Die Waldwege sind ihm zu breit oder zu schmal. Er will sie reduzieren. Karten lesen kann er auch nicht. Er konnte nicht auseinanderhalten, was Staatsforst ist, was der Gemeinde Waldkogel gehört und was Waldstücke von Privatbesitzer sind. Ich dachte, ich höre nicht richtig.«
Fellbacher schüttelte den Kopf.
»Neue Besen kehren gut, sagt man. War der Adam Adelhofer dabei?«
»Ja, das war er. Aber er hat alles seinem Nachfolger prüfen lassen. Er sagte kein Wort und dachte sich wohl seinen Teil. Das konnte ich ihm ansehen, wenn ich ihm einen Blick zu geworfen habe. Vor einer halben Stunde hatte er selbst genug von dem aufgeblasenen Geschwätz. Er blinzelte mir zu und entfernte sich ein Stück und telefonierte. Als dann Zensi in ihrem kleinen Auto angefahren kam, dankte ich innerlich dem Himmel. Du weißt, dass seit sie Gräfin ist, Zensi das Ehrenamt der Waldpflegerin innehat. Ich muss sagen, sie macht das gut. Ich treffe mich regelmäßig mit ihr und besprechen alles. Dabei profitiere ich von der langjähren Erfahrung der Grafen von Teufen-Thurmann. Zensi kennt die Chroniken auswendig. Sie weiß, wann und wo welche Bäume angepflanzt wurden, wann andere geschlagen wurden, wann es Windbruch gab, Schädlinge, trockene und feuchte Sommer und so weiter. Sie kennt alle Wege, da sie als Kind oft mit in den Wald ging, Feuerholz zu sammeln.«
Lorenz Hofer musste jetzt laut lachen.
»Fritz, du hättest dabei sein müssen! Adelhofer stellte Zensi als Gräfin Vinzenzia von Teufen-Thurmann vor, als Oberhaupt der Familie mit dem größten privaten Waldbesitz. Zensi ließ den jungen Spund erst einmal reden. Knut Beißer hatte sich Notizen gemacht und sprudelte alles herunter. Es dauerte mehrere Minuten. ›Geben Sie mir mal ihre Aufzeichnungen!‹, sagte Zensi ruhig. Er reichte ihr die Blätter. Achtung, jetzt wird es spannend! Zensi betrachtete die Notizen. Dann sah sie Beißer an und sagte: ›Das ist Unsinn!‹ und zerriss die Aufzeichnungen. Dabei schaute sie ihn ernst an. ›Sie heißen zwar Beißer, Herr Beißer, aber sie werden keinen schriftlichen Bericht mit Forderungen senden. Sollten Sie es doch wagen, die Tätigkeit unseres Försters zu diskreditieren, dann werden Sie es mit mir zu tun bekommen. Sie heißen zwar Beißer, aber ich sagen Ihnen, seien Sie vorsichtig. Denn Sie werden es mit mir zu tun bekommen. Mein Arm reicht weiterer als ihr kleines Patschhändchen. Die Stelle, auf der Sie zu sitzen glauben, ist nicht so sicher, wie sie annehmen. Die Grafen von Teufen-Thurmann sind seit Jahrhunderten hier. Auch wenn der Adel heute keine Macht mehr hat, haben wir noch überall unsere Finger drin. Das sollten Sie verinnerlichen, junger Mann.‹ – ›Sie drohen mir, Frau Gräfin‹, platzte er heraus. ›Vergessen Sie nicht, ich bin eine Amtsperson.‹ Zensi grinste. ›Ich gebe Ihnen einen Rat. Schauen Sie sich mal die Besitzverhältnisse des Staatsforstes an. Meine Vorfahren haben den Wald dem Staat aus Freundlichkeit zur Nutzung überlassen. Der Erlös ist zweckgebunden und dient wohltätigen Zwecken. Darin gibt es für Sie einen sehr interessanten Passus. Darin steht, dass wir zu jeder Zeit ohne Angaben von Frist und Gründen den Wald zurückfordern können.‹ Knut Beißer wurde rot. Ich vermute, es war eine Mischung aus Zorn und Scham. Er warf Adelhofer einen Blick zu. Der blieb gelassen und nickte nur. ›Ich denke, zwischen uns ist alles geklärt, Herr Beißer‹, schloss Zensi ruhig. Sie wünschte ihm einen schönen Tag, drehte sich um und stieg in ihr kleines Auto. Sie winkte Hofer und mir zu und fuhr davon.«
Fritz Fellbacher lachte laut.
»Da wäre ich gern dabei gewesen«, sagte Fellbacher. »Ich verstehe nicht, warum du trotzdem so mitgenommen bist.«
»Weil ich ein bisserl Menschenkenntnis habe. Beißer hatte einstecken müssen und das hat ihm nicht gefalle’’n. Er drohte, dass das ein Nachspiel haben werde.«
»Er war in seiner Eitelkeit gekränkt. Was kann er machen?«
»Mir ein anderes Revier zuteilen«, antwortete Lorenz Hofer.
»Das wird er nicht wagen. Das würde ihm sehr schaden, Lorenz. Du bist einfach nur erschöpft. Du hattest einen schweren Tag. Vergiss diesen Heini, diesen Möchtegern-Napoleon! Da wird nichts kommen. Er hat sicherlich erfasst, dass seine Karriere auf wackeligen Beinen steht, wenn er weiter seinem Übermut frönt. Und sollte er doch über das Ziel hinausschießen, hat er nicht nur Tassilo und Zensi gegen sich, sondern auch mich und die gesamte Gemeinde Waldkogel. Eine Demonstration vor dem Amtssitz macht sich nicht gut. Vergiss es, Lorenz!«
»Ja, du hast recht Fritz. Ich schenke ihm keine Beachtung mehr«. sagte Hofer.
Fellbacher schenkte noch eine Runde Obstler ein. Sie prosteten sich zu.
Sie tranken auf die Gemeinde Waldkogel, auf den schönen Wald und auf den außergewöhnlichen Zusammenhalt aller Bürger.
Sie tranken.
Hofer setzte sein Stamperl ab.
»So, jetzt zu dir, Fritz. Du hast am Telefon nur gesagt, dass du ein Anliegen hast.«
»Es geht um das Grundstück am Ostufer des Bergsees, das der Gemeinde gehört. Es ist mit allerlei Gestrüpp zugewachsen. Es ist nur ein schmaler Streifen. Die Gemeinde hatte bisher keinen Wert darauf gelegt. Jetzt habe ich einen Verwendungszweck gefunden. Allerdings müssten die einhundertfünfzig Quadratmeter, so schätze ich, gesäubert werden. Der Gemeinderat hat schon grünes Licht gegeben. Unser junger Architekt und seine Verlobte werden es zu einem symbolischen Betrag pachten. Dort werden sie ein Tiny House abstellen, bis sie etwas Eigenes gefunden haben.«
»Warum bauen sie nicht in der Steinbruchsiedlung?«, fragte Hofer.
»Ein Einfamilienhaus sei zu klein, erklärte mir Jule. Sie will einen geräumigen Bauernhof, mit Platz für eine Großfamilie. Sie will ihre Eltern und Kays Eltern herholen. Mei, ich kann mir keinen Bauernhof aus den Rippen schneiden, Lorenz. Ich will Kay in Waldkogel behalten. Wir haben hier noch keinen Architekten. Ich dachte mir, ein schöner Stellplatz direkt am Bergsee hält sie fest. Dabei musst du wissen, dass Kay drängt, denn Jule will die Heirat hinausschieben, bis sie ein Heim gefunden hat. So hat sie es gesagt.«
»Das scheint ein bodenständiges Madl zu sein. Ich habe sie nur kurz kennengelernt und konnte mir noch kein richtiges Bild machen.«
»Lass den Platz so bald wie möglich von deinen Waldarbeitern räumen. Und du kannst mit dem Schwerlasttraktor beim Umsetzen des Tiny Houses helfen. Die beiden wären wirklich ein Gewinn für unsere Gemeinde. Er ist Architekt und ihr gehört die Hälfte einer großen Marketingfirma in München. Sie will hier eine Zweigstelle eröffnen.«
»Verstehe!«, sagte Lorenz. »Das ist zusammengenommen ein mehrfacher Gewinn für Waldkogel.«
»So ist es. Das gebe ich zu. Doch ich gestehe auch, dass mir das junge Paar am Herzen liegt, besonders das Madl. Jule hatte sich in der Disco in Kirchwalden in Kay verliebt. Das blöde Unwetter hatte sie getrennt. Sie wusste nur, dass er mit Freunden aus Waldkogel gekommen war. Mit Liebeskummer und Sehnsucht im Herzen kam sie ins Rathaus. Sie wollte ihn unbedingt finden.«
»Lass mich raten! Du hast ihn gefunden«, sagte Lorenz.
»Ich hatte großes Glück, gebe ich zu. Doch dann brachte ich die beiden zusammen. Dabei stellte sich heraus, dass Kay Jule genauso vermisst hatte und sie suchte. Sie haben sich sofort verlobt. Jetzt leben sie im Tiny House im Steinbruch, wo die neue Siedlung entsteht. Ich würde die beiden gern vor dem Traualtar sehen. Ich überlege hin und her, wer daran denkt, seinen Bauernhof zu verkaufen. Mir muss etwas einfallen, Lorenz.«
»Dir ist immer etwas eingefallen, Fritz. Mit deinen Ideen und Projekten waren alle Waldkogeler stets zufrieden. Also, ich helfe dir. Bis morgen zum Angelusläuten zum Mittag ist der Abstellplatz fertig.«
»Danke, Lorenz, das ist der erste Schritt. Einen Bauernhof werde ich auch noch finden. Drücke mir die Daumen!«
»Das werde ich. Wenn du weitere Hilfe brauchst, weiß du, wo du mich findest.«
Fritz Fellbacher bedankte sich.
Förster Hofer verabschiedete. Fellbacher brachte ihn zur Tür. Dann ging über den Marktplatz ins Pfarrhaus.
Helene Träutlein, Pfarrer Zandlers Haushälterin, öffnete die Haustür.
Fellbacher nickte ihr nur zu und ging an ihr vorbei.
Träutlein schüttelte den Kopf.
»Was wird da wieder los sein?«, murmelte sie vor sich hin.
Fellbacher riss die Tür zum Studierzimmer des Geistlichen auf und schloss hinter sich ab.
»Mei Fritz, was hast du mich jetzt erschreckt!«, sagte Zandler.
»Entschuldige, ich störe dich nicht lange. Ich setze mich auch nicht hin. Ich will dich nur um Mithilfe bitten.«
»So, wo hakt es denn?«
»Ich suche einen schönen großen Bauernhof für ein junges Paar. Hör dich um, Heiner! Wenn er gefunden ist, kannst du den beiden deinen Segen geben.«
»Als wäre der Segen von einem Bauernhof abhängig!«, sagte Zandler und schüttelte den Kopf.
»In dem Fall ist es so«, bekräftigte Fellbacher. »Jule will erst heiraten, wenn sie ein Heim hat, genauer gesagt einen großen Bauernhof, je geräumiger desto besser. Hör dich um und unterstütze mich darin!«
»Meinetwegen, Fritz, ich kann ja meine Fühler ausstrecken.«
»Heiner, das genügt nicht! Du musst alle Register ziehen, verstehst du?«, drängte ihn Fellbacher.
Zandler lachte.
»Ja, ich verstehe. Ich werde darüber nachdenken, Fritz«, versprach Zandler. »Wie groß soll der Hof sein?«
Fritz Fellbacher überlegte kurz.
»Ich stelle mir einen Hof vor wie den ehemaligen Schwanninger Hof, den Walli an Martin und Katja gegeben hat.«
»Es gibt nicht mehr so viele große Höfe in Waldkogel. Du weißt selbst, dass die Erbteilung zugeschlagen hat. Die Höfe wurden geteilt. Meistens stehen jetzt zwei Wohnhäuser drauf.«
»Ja, ich weiß, Heiner, schließlich bin ich Bürgermeister. Es können auch zwei Wohnhäuser nebeneinander sein«, sagte Fellbacher. »Du kommst doch herum, wenn du die alten Gemeindemitglieder besuchst, die nicht mehr gut zu Fuß sind.«
Pfarrer Heiner Zandler rieb sich das Kinn.
»Sobald ich etwas weiß, lasse ich es dich wissen, Fritz.«
»Danke, du bist ein echter Freund. Jetzt will ich dich nicht weiter stören. Pfüat di, Heiner!«
»Pfüat di, Fritz!«
Bürgermeister Fritz Fellbacher eilte so schnell hinaus, wie er gekommen war. Die Haustür fiel ins Schloss, dass es durch das Pfarrhaus schallte.
Augenblick später eilte Helene Träutlein herbei.
»Was ist mit Bürgermeister Fellbacher los? Man könnte denken, es brennt. Kein herzliches Grüß Gott, kein Nicken, nichts! Er rast an mir vorbei, einmal hin einmal her. Was hat er? Kann man ihm helfen?«
Pfarrer Zandler wusste, dass Helenes Empörung etwas geheuchelt war. Sie hatte sich nicht genügend beachtet gefühlt.
Er packte sie an beiden Schultern.
»Du hast ihm und mir wahrscheinlich schon geholfen. Es ist wenigstens ein guter Anfang, Träutlein«, strahlte Zandler.
»Ich, was habe ich gemacht? Ich verstehe jetzt gar nichts mehr, Herr Pfarrer.«
»Ich erkläre dir alles später. Jetzt muss ich sehen, was ich tun kann. Es kann sein, dass ich erst spät heimkomme. Wahrscheinlich werde ich unterwegs essen. Pfüat di!«
Pfarrer Zandler griff nach seinem Hut und stürmte davon.
»Herrimhimmelstehmirbeimariaundjosef, hier geht es heute zu wie auf einem Bahnhof, rein – raus – rein – raus«, murmelte Helene Träutlein vor sich hin.
*
Pfarrer Zandler eilte über den Marktplatz und überquerte die Hauptstraße.
Die Tür zum Rathaus war verschlossen. Da er aber gesehen hatte, dass ein Fenster im Erdgeschoss offenstand, schlug der mit der Faust gegen die Tür.
»Mei, was soll das?«, brüllte Fellbacher.
Er kam und öffnete.
»Heiner, bist du von Sinnen?«, herrschte Fellbacher ihn an.
»Beruhige dich! Ja, vielleicht ist mein Temperament mit mir durchgegangen. Ich habe die Lösung für deine Immobiliensucherei.«
»Komm rein!«
Auf dem ausgezogenen Besprechungstisch lag eine Karte von Waldkogel.
Alle Gebäude waren eingezeichnet. Die Namen der Besitzer standen daneben.
»Hier!«, sagte Zandler.
Er zeigte auf eine Eintragung am Ende der Hauptstraße, die dort in einen Waldweg mündete. Das Gebäude war die letzte Bebauung auf der linken Seite. Gegenüber waren Wiesen. Bis zur Wirtschaft der Baumbergers auf der rechten Seite waren es fünfhundert Meter.
»Gute Idee!«, sagte Fellbacher. »Haben dir die Engel vom Engelssteig die Idee in den Kopf gepflanzt?«
»Möglich ist alles«, schmunzelte Zandler. »Du weißt, dass für Wunder die Engel die Menschen als Helfer benötigen. In dem Fall war es meine liebe Haushälterin Helene Träutlein.«
Pfarrer Zandler hatte das Wort ›liebe‹ extra betont und es damit etwas ins Gegenteil verkehrt.
Fellbacher wusste, dass sein Freund gelegentlich unter ihrem Putzfimmel litt. Helene Träutlein war zuverlässig und hilfsbereit. Aber das schloss nicht aus, dass sie oft nervte.
»Sie hat sich über dich geärgert, Fritz. Du hast sie nicht genügend beachtet und dich auch nicht freundlich verabschiedet. Sie meinte jedenfalls, du wärst gerannt, als würde es irgendwo brennen. Da machte es Klick in meinem Kopf, Fritz.«
»Du hast recht. Das große Gehöft wurde früher von der Freiwilligen Feuerwehr genutzt, bis sie in das neue Feuerwehrhaus umzogen. Das war auch notwendig. Die großen Löschfahrzeuge konnten nicht untergestellt werden. Sie wollten dann aus dem alten Gebäude ein Feuerwehrmuseum machen, erinnere ich mich dunkel. Da war ich gerade zum ersten Mal Bürgermeister geworden. Aus dem Museum wurde nichts. Jetzt dient es als Lager für die alten Geräte.«
»Das stimmt, Fritz. Das Gehöft war gepachtet von Verwandten von Meta Baumberger. Ich vermute, es war das Elternhaus von Metas Mutter. Die Nachkommen sind alle weggezogen. Wem gehört es jetzt?«
