Das Haus des schwarzen Magiers - Edward Bulwer-Lytton - E-Book

Das Haus des schwarzen Magiers E-Book

Edward Bulwer Lytton

0,0

Beschreibung

Eine rätselhafte Geschichte von einem der Altmeister der fantastischen Literatur.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 103

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Das Haus des schwarzen Magiers

Edward Bulwer-Lytton

Inhalt:

Edward George Earl Bulwer-Lytton – Biografie und Bibliografie

Das Haus des schwarzen Magiers

Das Haus des schwarzen Magiers, E. Bulwer-Lytton

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

ISBN: 9783849605339

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Edward George Earl Bulwer-Lytton – Biografie und Bibliografie

Erster Lord L., berühmter engl. Schriftsteller und Staatsmann, der deutschen Lesewelt bekannter unter seinem früheren Namen Edward Bulwer, geb. 25. Mai 1803 in London, gest. 18. Jan. 1873 in Torquay und 25. Jan. in der Westminsterabtei bestattet. Er war der erstgeborene Sohn des Generals William Earle Bulwer; der Familienname seiner hochbegabten und reichen Mutter war L., ihr Familiensitz Knebworth. Seine Jugenderziehung erhielt er zu Hause, dann besuchte er die Universität Cambridge. Seine ersten poetischen Versuche zeugten von dem Einfluss Byrons, machten aber wenig Eindruck. Noch sehr jung, schloss er (1827) seine unglückliche Ehe mit der Irländerin Rosina Wheeler, der ein Sohn entsprang (s. unten). Mit »Pelham, or the adventures of a gentleman« (1828) gab L. die Anonymität auf und hatte gewaltigen Erfolg. Er war unterdessen durch Reisen und durch das Studium des Deutschen gereist. Seine Beliebtheit stieg mit jedem seiner neuen Romane. Hierher gehören: »The Disowned« (1829), »Devereux« (1829), »Paul Clifford« (1830). Er betrat nun die politische Laufbahn, schrieb satirische Verse: »The Siamese twins« (1831), wurde ins Unterhaus gewählt und vertrat 1832–41 die Stadt Lincoln als Liberaler. Bei der Krönungsfeier der Königin Viktoria (1838) wurde er zum Baronet geschlagen. In diese erste Periode fällt eine Reihe seiner größten schriftstellerischen Erfolge, zunächst die Romane: »Eugene Aram« (1832), eine Verbrechergeschichte, späterhin auch dramatisiert; das liebliche Buch »The pilgrims on the Rhine« (1834), »The last days of Pompeii« (1834), die Frucht einer italienischen Reise, und die großartige Wiederbelebung einer bis dahin dunkeln Geschichtsepoche in »Rienzi. the last of the tribunes« (1835); dann von ganz anderm Gehalt, an Goethes »Wilhelm Meister« sich anlehnend, der »dem großen deutschen Volk, einer Nation von Denkern und Kritikern« gewidmete Roman »Ernest Maltravers« (1837) und dessen Fortsetzung: »Alice« (1838). Von geringerer Bedeutung sind: »Godolphin« (1833); »Leila, or the siege of Granada« (1840); »Night and morning« (1841) und »Zanoni« (1842; deutsch, Leipz. 1905), worin sich der Hang zum Geheimnisvollen dartut, der späterhin großen Einfluß über L. erlangte. Überdies veröffentlichte er Bilder des Nationallebens: »England and the English« (1833), schrieb eine Reihe von sehr geschätzten kritischen Aufsätzen in »Blackwood's Magazine«, die er nachher als »The Student« (1835) zusammenstellte, leitete das »New Monthly Magazine«, schrieb sein Geschichtswerk »Athens, its rise and fall« (1837) und eine Reihe von Dramen, von denen »The lady of Lyons« (1838), »Richelieu« (1839), »Money« (1840) und auch »The Sea-captain« (1839), umgearbeitet als »The rightful heir« (1869), starke Bühnenerfolge erzielten. Bei den Neuwahlen von 1842 fiel L. durch und lebte während zehn Jahren in verhältnismäßiger Zurückgezogenheit. Damals fiel ihm (1843) durch den Tod seiner Mutter ein großes Vermögen zu; er änderte seinen Namen nun in Bulwer-L. Auf den historischen Roman: »The last of the barons« (1844) aus dem Kriege der Rosen folgte: »Harold, the last of the Saxon kings« (1845), worin das Romanhafte weit hinter das Historische zurücktritt. In »Lucretia, or the children of night« (1846) kehrte er zum eigentlichen Roman zurück, nicht mit dem frühern Erfolg. Dazwischen fallen Gedichte mit persönlichen Beziehungen: »Eve, and the ill-omened marriage« (1842); Übersetzungen aus Schiller u. d. T.: »Poems and ballads« (1844, neue Ausg. 1869), satirische Verse: »The new Timon, a romance of London« (1846), und das Heldengedicht »King Arthur« (1848). Nun wandte er sich wieder dem modernen Roman mit größtem Erfolg zu: anonym in Monatslieferungen von »Blackwood's Magazine« erschienen die »Caxtons« (1850), die in der Grundanlage den Einfluß des »Tristram Shandy« von Lawrence Sterne verraten. Auf derselben Höhe erhielt er sich in der Fortsetzung: »My novel« (1852). Mit der Flugschrift: »Letter to John Bull« (1850) vollzog er seinen Übertritt zu einem gemäßigten Konservativismus und wurde als Tory 1852 von der Grafschaft Hertford in das Unterhaus gewählt, wo er bis 1866 als großer Redner saß. Unter Derby war er 1858–59 auch Minister für die Kolonien. In diese Periode gehören seine Romane: »What will he do with it?« und »A strange story« (1861), in welch letzterm er starke Hinneigung zu dem Spiritismus unsrer Zeit an den Tag legte. Als Baron L. of Knebworth wurde er 1866 ins Oberhaus berufen, wo er Gladstones Maßregeln zur Versöhnung mit Irland unterstützte. Literarisch betätigte er sich durch die »Lost tales of Miletus« (1866), eine Übersetzung der Oden des Horaz und das Lustspiel »Walpole« (1869). Anonym veröffentlichte er: »The coming race«, eine Utopie, in der er neuere Entdeckungen der Naturwissenschaft mit dem Phantasiegebilde fliegender Menschen verquickte. Während seiner letzten Krankheit hatte er die Korrekturen seines Romans »Kenelm Chillingly« gelesen; aus seinem Nachlaß erschien sein letzter Roman: »The Parisians«, sowie der unbeendete: »Pausanias the Spartan« (1876). Seine Reden mit ausführlicher Denkschrift hat sein Sohn herausgegeben (1874, 2 Bde.), wie auch »Pamphlets and sketches« (1875). In der äußern Politik neigte er sich mehr zu Deutschland als zu Frankreich. Die letzte Gesamtausgabe seiner Werke ist die »Knebworth-Edition« in 38 Banden (1874 u. ö.).[8] Die Biographie des Dichters nebst dessen nachgelassenen Schriften veröffentlichte sein Sohn u. d. T.: »Life, letters and literary remains« (1883, 2 Bde.); doch reicht die Biographie nur bis 1832 und ist durch die Einleitung zu den Reden zu ergänzen. L. besticht durch seine Vielseitigkeit: er schreibt, um bei seiner Hauptgattung zu bleiben, sentimentale, romantische, historische, realistische und utopistische Romane. Niemals ist er bahnbrechend, immer aber hat er eine seine Witterung für die literarischen Strömungen des Tages. War er für die jeweilige Richtung auch nur Nachahmer, so bewahrte er sich doch seinen verschiedentlichen Vorbildern gegenüber die persönliche Eigenart. Das zeigt sich besonders auffällig im historischen Roman, also gegenüber dem mächtigsten Muster, W. Scott. Die Romane wurden in fast alle europäischen Sprachen, auch wiederholt ins Deutsche, übersetzt. Vgl. Planche, Portraits littéraires, Bd. 1 (Par. 1849); Jul. Schmidt, Bilder aus dem geistigen Leben unsrer Zeit (Leipz. 1870).

Seine Gattin Rosina, Lady Bulwer, geb. 1807 in Limerick, gest. 12. März 1882 in London, war die Tochter Francis Wheelers und Enkelin Lord Masseys und verheiratete sich mit Bulwer 1827. Die Ehe wurde später gelöst, und bald darauf verfaßte sie den skandalösen Roman »Cheveley, or the man of honour« (1839; deutsch, Stuttg. 1840), voll bitterer Angriffe auf ihren Gemahl. Ihm folgten gelungene Schilderungen gesellschaftlicher Zustände in »Miriam Sedley« (1851; deutsch, Wurzen 1852), »Behind the scenes« (1854), »Very successful« (1857) und »The world and his wife« (1858). Vgl. Louisa Devey, Life of Rosina, Lady L. (Lond. 1887).

Das Haus des schwarzen Magiers

I.

Einer meiner Freunde, ein Schriftsteller und Philosoph, sagte eines Tages halb im Ernst, halb im Scherz zu mir: «Denke Dir, seit wir uns das letzte Mal sahen, habe ich mitten in London ein Haus entdeckt, in dem Geister umgehen.«

»Was Du sagst! Ein Haus, in dem es spukt! Was geht denn darin um, wirkliche Geister?«

»Das kann ich Dir wirklich nicht sagen. Alles was ich darüber weiß, ist Folgendes: Vor sechs Wochen suchten meine Frau und ich ein möbliertes Zimmer. Während wir eine ruhige Straße entlang gingen, sahen wir an dem Fenster eines der Häuser einen Zettel mit der Aufschrift ›Möblierte Zimmer zu vermieten.‹ Die Lage sagte uns zu, wir traten in das Haus ein, die Zimmer gefielen uns, wir mieteten sie auf wöchentliche Kündigung – und verließen sie bereits nach drei Tagen wieder. Keine Macht der Erde hätte meine Frau bewegen können, länger in der Wohnung zu bleiben, und ich muß gestehen, daß ich dies begriff.«

»Nun, was ist Euch denn darin zugestoßen?«

»Weißt Du, ich möchte wirklich nicht in Deinen Augen lächerlich erscheinen oder von Dir als ein abergläubischer Träumer betrachtet werden, aber andererseits kann ich auch nicht verlangen, daß Du auf meine bloße Versicherung hin mir etwas glauben sollst, was jeder bezweifeln würde, der das nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Ich will Dir nur das Eine sagen: Wir sind weniger durch etwas wirklich Gehörtes oder Gesehenes aus dieser Wohnung vertrieben worden, nein, es war vielmehr ein unbeschreibliches Grauen, das meine Frau und mich befiel, so oft wir an der Tür eines gewissen kleinen leeren Zimmers vorbeikamen, obschon wir nicht gerade etwas Bestimmtes aus dem Zimmer hörten oder sahen. Bei der Gelegenheit stimmte ich zum ersten Mal in meinem Leben mit meiner Frau überein; ich mußte ihr wirklich, nachdem die dritte Nacht vorübergegangen war, darin beipflichten, daß es unmöglich sei, noch eine vierte Nacht in diesem Hause durchzumachen. Kurzum, ich suchte am Morgen des vierten Tages die Vermieterin auf, sagte ihr, daß die Zimmer nicht ganz unseren Wünschen entsprächen und wir deshalb schon vorzeitig die Wohnung verlassen wollten. Während ich ihr den vereinbarten Preis bezahlte, sagte sie ganz trocken: »Ich weiß, weshalb Sie auszuziehen wünschen. Immerhin, Sie sind bereits schon länger hier geblieben als irgend einer Ihrer Vorgänger. Wenige brachten eine zweite Nacht hier zu, niemand aber vor ihnen eine dritte. Es scheint, ›sie‹ haben sich gütig gegen Sie benommen«.

»Sie? – Wen meinen Sie damit?« fragte ich, indem ich gezwungen dazu lächelte.

»Sie – je nun, ich meine diejenigen, die in diesem Hause umgehen; mögen sie sein, wer sie wollen; mich stören sie nicht, ich kümmere mich einfach nicht um sie. Aber ich erinnere mich ihrer Gegenwart schon seit langen Jahren, schon seit damals, als ich dieses Haus noch nicht in abhängiger Stellung bewohnte. Jedenfalls weiß ich, daß ›sie‹ einst die Ursache meines Todes sein werden. Doch, was tut das – ich bin alt und später oder früher muß ich doch sowieso einmal sterben und dann lebe ich doch in diesem Hause mit ›ihnen‹ fort.«

Die Frau sprach diese Worte mit so schwermütiger Resignation, daß mich eine Art von Scheu davon abhielt, weiter mit ihr über diese geheimnisvollen Dinge zu reden. Meine Frau und ich waren froh, daß wir ohne Weiterungen aus dem Hause davon kamen.«

»Du erregst meine Neugier außerordentlich, lieber Freund,« entgegnete ich. »Ich muß gestehen, daß es mich beispielsweise sehr stark reizen würde, einmal in einem Hause zu schlafen, in welchem Gespenster umgehen! Bitte, gib mir doch die Adresse der Wohnung, die Ihr so fluchtartig verlassen habt.«

Mein Freund gab mir die Adresse und nachdem wir geschieden waren, suchte ich unverweilt das bezeichnete Stadtviertel auf. Das Haus lag auf der nördlichen Seite der Oxfordstraße in einer düsteren aber anständigen Quergasse. Das Haus war verschlossen. Diesmal war kein Vermietungszettel an ihm zu erblicken und auf mein Klopfen erhielt ich auch keine Antwort. Eben wollte ich mich wegwenden, als ein junger Bursche, der leere Zinnkrüge aus den Nachbarhäusern eingesammelt hatte, auf mich zutrat und mich höflich fragte, »Mein Herr, suchen Sie Jemand in diesem Hause?«

»Allerdings! Ich hörte, hier sei eine Wohnung zu vermieten.«

»Eine Wohnung zu vermieten? Das sollte mich aber wirklich wundern. Die Vermieterin ist schon seit drei Wochen tot und niemand findet sich, der Lust hätte, sich mit dem Hause zu befassen, obgleich Herr Jackson eine reichliche Bezahlung dafür aussetzte. Er bot meiner Mutter, die bei ihm arbeitet, ein Pfund wöchentlich an, nur dafür, daß sie täglich die Fenster öffnen und schließen solle. Doch meine Mutter mochte dieses Anerbieten nicht annehmen.«

»Sie mochte nicht? Warum denn nicht?«

»Weil es hier spukt! Die alte Frau, die das Haus bisher gehütet hatte, wurde eines Tages mit weit aufgerissenen Augen tot in ihrem Bette aufgefunden. Die Leute sagten, der Teufel habe sie erdrosselt!«

»Das ist ja ganz schrecklich! Doch Du nanntest mir eben Herrn Jackson; ist das der Eigentümer dieses verrufenen Hauses?«

»Freilich!«

»Wo wohnt er denn?«

»In der Gibbonstraße Nr. 5.«

»Was ist denn Herr Jackson von Beruf? Hat er irgend ein Geschäft?«

»Nein, das ist nicht der Fall, er treibt nichts besonderes; er lebt für sich allein.«