Das Haus Zamis 8 - Neal Davenport - E-Book

Das Haus Zamis 8 E-Book

Neal Davenport

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Beschreibung

Der Helikopter war aufgetankt; wir konnten sofort losfliegen. Es war ein viersitziger Fairchild Hiller FH 1100, wie mir Ubaldo erklärte, aber für mich sah ein Hubschrauber wie der andere aus. Ich schnallte mich an, und der Rotor begann sich zu drehen. Langsam erhob sich die Maschine in die Luft. Ubaldo zog einen Kreis um den Flughafen, dann stieg er höher und beschleunigte. Das Motorengeräusch war so laut, dass wir uns schreiend unterhalten mussten. "Wir werden in etwa einer Stunde in Sayaxche sein", brüllte er. Coco hat nicht nur den Namen ihres Widersachers erfahren, sondern auch herausgefunden, dass Tepal regelrecht mit ihr spielt. In wenigen Tagen soll sie sterben! Wird es Ubaldo und ihr zuvor gelingen, Tepal im Dschungel von Guatemala aufzustöbern?

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Seitenzahl: 124

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Inhalt

Cover

Was bisher geschah

DAS HAUS DER ALCASTAS

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

mystery-press

Vorschau

Impressum

Coco Zamis ist das jüngste von insgesamt sieben Kindern der Eltern Michael und Thekla Zamis, die in einer Villa im mondänen Wiener Stadtteil Hietzing leben. Schon früh spürt Coco, dass dem Einfluss und der hohen gesellschaftlichen Stellung ihrer Familie ein dunkles Geheimnis zugrunde liegt. Die Zamis sind Teil der sogenannten Schwarzen Familie, eines Zusammenschlusses von Vampiren, Werwölfen, Ghoulen und anderen unheimlichen Geschöpfen, die zumeist in Tarngestalt unter den Menschen leben und nur im Schutz der Dunkelheit und ausschließlich, wenn sie unter sich sind, ihren finsteren Gelüsten frönen.

Der Hexer Michael Zamis wanderte einst aus Russland nach Wien ein. Die Ehe mit Thekla Zamis, einer Tochter des Teufels, ist standesgemäß, auch wenn es um Theklas magische Fähigkeiten eher schlecht bestellt ist. Umso talentierter gerieten die Kinder, allen voran der älteste Bruder Georg und – Coco, die außerhalb der Sippe allerdings eher als unscheinbares Nesthäkchen wahrgenommen wird. Zudem kann sie dem Treiben und den »Werten«, für die ihre Sippe steht, wenig abgewinnen und fühlt sich stattdessen zu den Menschen hingezogen.

Während ihrer Hexenausbildung auf dem Schloss ihres Patenonkels lernt Coco ihre erste große Liebe Rupert Schwinger kennen. Als ihr schließlich zu einem vollwertigen Mitglied der Schwarzen Familie nur noch die Hexenweihe fehlt, meldet sich zum Sabbat auch Asmodi, das Oberhaupt der Schwarzen Familie, an und erhebt Anspruch auf die erste Nacht mit Coco. Als sie sich weigert, wird Rupert Schwinger in den »Hüter des Hauses« verwandelt, ein untotes Geschöpf mit einem von Würmern zerfressenen Gesicht, das fortan ohne Erinnerung an sein früheres Leben über Coco wachen soll.

Cocos Verfehlung hat für die Zamis Konsequenzen. Ihre Stellung in Wien wird zunehmend angefochten. Nur Coco ist es zu verdanken, dass die Zamis über ihre Herausforderer aus der Sippe der Winkler-Forcas triumphieren. Auch Asmodi hat die Schmach, die Coco ihm zugefügt hat, nicht vergessen. Jedoch verzichtet er scheinbar großzügig auf weitere Maßnahmen, als ein unbekannter Dämon in London neben anderen Dämonen ausgerechnet Cocos Schwester Lydia entführt, um ihre Sippen in den Kampf gegen Asmodi zu zwingen. Tatsächlich gelingt es Coco, den Dämon zu enttarnen und zu vernichten – durch die Beschwörung des uralten Magiers Merlin, der sich auf Cocos Seite stellt.

Michael Zamis ist dennoch nicht davon überzeugt, dass seine Tochter »geläutert« ist. Er schickt Coco auf eine Lehrreise nach Mittelamerika. Nach Makemake auf Trinidad entpuppen sich allerdings auch die Najeras in Guatemala als Sippe minderbegabter Dämonen. Zudem werden sie von einem Maya-Hohepriester namens Tepal bedroht, der durch einen Zeitschacht in die Gegenwart gelangt ist. Auch Coco gerät in sein Visier. Zusammen mit Ubaldo Najera macht sie sich auf den Weg in den Dschungel, um Tepal zu stellen ...

DAS HAUS DER ALCASTAS

von Neal Davenport & Ernst Vlcek

Der Helikopter war aufgetankt; wir konnten sofort losfliegen. Es war ein viersitziger Fairchild Hiller FH 1100, wie mir Ubaldo erklärte, aber für mich sah ein Hubschrauber wie der andere aus. Ich schnallte mich an, und der Rotor begann sich zu drehen. Langsam erhob sich die Maschine in die Luft. Ubaldo zog einen Kreis um den Flughafen, dann stieg er höher und beschleunigte. Das Motorengeräusch war so laut, dass wir uns schreiend unterhalten mussten.

»Wir werden in etwa einer Stunde in Sayaxche sein«, brüllte er.

Wir flogen über das kiefernbewachsene Hochland Guatemalas. Die Aussicht war hervorragend, und mir begann der Flug richtig Spaß zu machen. Dann lag das Dschungelgebiet El Peten unter uns. Der Urwald sah tatsächlich wie ein unendlicher grüner Teppich aus. Nur gelegentlich war ein silbern blitzender Fluss zu sehen. Vom Motorengeräusch aufgeschreckt stiegen unzählige Reiher auf.

»Ich bin neugierig, wie dir Sayaxche gefallen wird«, sagte Ubaldo laut und blickte mich geheimnisvoll an.

1. Kapitel

Wenig später hatten wir unser Ziel erreicht. Einige Boote waren zu sehen. Die Leute winkten uns freundlich zu. Dann kam die eigentliche Stadt, und meine Mundwinkel zogen sich nach unten. Ich konnte nicht behaupten, dass mir das gefiel, was ich da zu sehen bekam. Es handelte sich um eine armselige Anhäufung windschiefer Häuser, mehr nicht. Ubaldo landete den Hubschrauber außerhalb der Stadt. Ein paar Indios liefen auf uns zu, als die Rotorblätter ausliefen. Ubaldo schrie ihnen etwas in einem Indianerdialekt zu, und zwei kräftig gebaute Burschen ergriffen unser Gepäck. Nach ein paar Minuten hatten wir die ersten Häuser erreicht. Ich war schon jetzt in Schweiß gebadet. Meine Bluse klebte wie eine zweite Haut an meinem Körper, und ich japste nach Luft.

»Hier ist es noch harmlos«, sagte Ubaldo. »Warte, bis wir den Dschungel betreten.«

Ich war froh, dass ich kein Make-up verwendet hatte; Wimperntusche und Lippenstift wären hier ohnehin zerlaufen. Keuchend wie eine Dampflokomotive ging ich weiter.

»Nur Mut. Schon in einer Stunde hast du dich an die hohe Luftfeuchtigkeit gewöhnt«, beruhigte mich Ubaldo.

Die Häuser waren alle aus Holz, die wenigsten hatten Fenster. Bei jedem Schritt stieg Staub hoch.

»Was wohnen da für Leute?«, fragte ich.

»Früher fand man hier nur Chiclegummisammler und Holzfäller. Jetzt sieht es ein wenig anders aus. Ganz in der Nähe wurden große Gebiete gerodet. Hier wird Getreide angebaut und Vieh gezüchtet. Außerdem werden Probebohrungen nach Öl durchgeführt. Und Sayaxche ist der einzige größere Ort in der Gegend. Zum Wochenende geht es hier wild zu.«

Überall waren verhungert aussehende Hunde zu sehen, die nach Abfällen suchten, und natürlich rannten auch Dutzende nackter Kinder herum, die uns anbettelten.

»Gib ihnen nichts«, sagte Ubaldo, »sonst werden wir sie nicht mehr los. Siehst du das zweistöckige Gebäude vor uns? Das ist unser Hotel. Das Sayaxche Excelsior. Es ist die einzige Unterkunft im ganzen Ort.«

»Sieht ja reichlich verdreckt aus«, beklagte ich mich.

»Der Eindruck täuscht nicht«, erwiderte er fröhlich.

Unwillkürlich musste ich lachen. Als wir eintraten, wurden wir von einem zahnlosen Portier, der nicht mehr als ein schmutziges, verschwitztes Unterhemd auf der Brust trug, herzlich begrüßt. Er und Ubaldo schienen sich zu kennen.

»Unser Zimmer liegt im ersten Stockwerk«, sagte Ubaldo.

»Was heißt hier unser Zimmer?«, fragte ich misstrauisch.

Er lächelte entschuldigend. »Es waren nur noch Doppelzimmer zu haben.«

Ich glaubte ihm kein Wort, hatte aber keine Lust, mich auf eine Diskussion einzulassen. Wir stiegen die Treppe hinauf und legten unser Gepäck ab. Das Zimmer war noch mieser, als ich befürchtet hatte. Ein winziges Fenster führte zum Fluss. Die Scheiben waren so schmutzig, dass man kaum hindurchsehen konnte. In dem Bett hatte vermutlich noch Christoph Kolumbus geschlafen. Als ich den Schrank öffnete, flog mir die Tür entgegen.

»Hierher möchte ich gern meine Hochzeitsreise machen«, brummte ich. »Das ist alles so romantisch und anheimelnd.«

Ich setzte mich auf das Bett und wartete schon darauf, dass es zusammenbrach. Zu meiner Überraschung hielt es dem Gewicht stand. Dann steckte ich mir eine Zigarette an. Der Tabak war jedoch feucht geworden, und ich drückte sie angewidert aus.

»Ich gehe jetzt ein Boot besorgen«, sagte Ubaldo. »Verlass das Zimmer nicht.«

»Und weshalb, wenn ich fragen darf?«

»Ich fürchte, dass du einige unliebsame Überraschungen erleben würdest, wenn du auf die Straße gehst.« Als ich ihn fragend anschaute, fuhr er fort: »In der Stadt gibt es gut zwanzig Prostituierte, die alle alt und hässlich wie Perchten sind. Ich bin sicher, dass du innerhalb von fünf Minuten von ein paar Männern umringt wärst, die dich in ein Haus zerren und ...«

»Ich verstehe«, sagte ich. »Rosige Aussichten«

Ubaldo öffnete einen Koffer und holte eine Pistole hervor. »Kannst du damit umgehen?«, fragte er.

»Klar.«

»Dann steck sie ein. Ich bin bald wieder zurück.«

Nachdem er das Zimmer verlassen hatte, schob ich die Pistole in den Gürtel und riss das Fenster auf. Tausende von Mücken und anderen niedlichen Insekten flogen ins Zimmer. Ich versuchte die Biester zu ignorieren, was mir aber nicht gelang. An den Wänden des Zimmers hingen ziemlich obszöne Bilder. Einige waren eindeutig pornographisch. In die Tischplatte und den Schrank waren ordinäre Sprüche eingekratzt. Es wurmte mich ein wenig, dass Ubaldo glaubte, ich könnte mich nicht einmal gegen ein paar heißgelaufene Indios zur Wehr setzen. Schließlich waren es normale Menschen, und er hätte inzwischen eigentlich wissen müssen, dass ich mich vor ihnen nicht zu fürchten brauchte.

Ich sperrte die Zimmertür ab und schlüpfte aus den Kleidern. Ein Badezimmer gab es natürlich nicht. Auf einem kleinen Tischchen standen eine zerbeulte Waschschüssel und daneben ein alter Keramikkrug, der keinen Henkel hatte. Er war mit Wasser gefüllt. Ich wusch mich zweimal ganz ab, doch es half nichts. Nach wenigen Minuten war ich wieder durchgeschwitzt.

Zwei Stunden später klopfte es an der Tür. »Ich bin es, Ubaldo.«

Ich war nur mit einem Höschen bekleidet. Zwar genoss ich die Nacktheit in dieser Hitze, aber damit Ubaldo nicht gleich wieder auf dumme Gedanken kam, schlüpfte ich doch lieber in meine Bluse.

»Ich habe ein Boot gemietet«, sagte er, als er eintrat.

Wir vermuteten, dass die Maya-Stadt in der Nähe des Flusses lag, aber ich hatte keinerlei Ahnung, in welcher Richtung wir suchen mussten. Außerdem konnten die Schlüsse, die ich gezogen hatte, völlig falsch sein.

»Vielleicht sollten wir doch lieber mit dem Hubschrauber den Dschungel absuchen«, meinte ich.

»Davon verspreche ich mir nicht viel«, meinte Ubaldo. »Der Dämon hat sein Versteck sicherlich gut getarnt. Aus der Luft werden wir es wohl kaum entdecken.«

»Nun gut«, sagte ich, »dann fahren wir den Fluss abwärts in Richtung Altar de los Sacrificios. Wir werden uns bei der Hinfahrt auf das rechte Ufer konzentrieren und bei der Rückfahrt auf die andere Seite wechseln.«

Ich schlüpfte in meine Kleider. Ubaldo sperrte das Zimmer ab. In der Halle standen ein halbes Dutzend Männer herum. Sie umringten eine Musikbox und beachteten uns überhaupt nicht. Einer aber schaute mich unverhohlen an, riss Augen und Mund auf und glotzte mich an, als wäre ich eines der sieben Weltwunder. Dann schrie er etwas, und die anderen wandten sich um. Ricardos Blicke waren mir ja schon unangenehm gewesen, aber diese Typen waren einfach abscheulich. Sie brüllten laut durcheinander, ohne dass ich verstand, was sie sagten. Als sie näherkamen, zückte Ubaldo seine Pistole und rief ihnen eine Warnung zu. In seiner Stimme lag eine Entschlossenheit, die ich ihm gar nicht zugetraut hatte. Schweigend zogen die Männer sich zurück.

Ich ließ Ubaldo in dem Glauben, mich vor dem Tode errettet zu haben, und wir begaben uns auf direktem Wege zum Bootssteg. Der Bootsbesitzer hieß Manuel. Auch er benahm sich bei meinem Anblick wie ein debiler Hund, rollte mit den Augen, und seine strahlend weißen Zähne blitzten mich an. Alles in allem vermochte er sich aber im Zaum zu halten.

Das Boot war ein motorbetriebener Einbaum. Wir stiegen ein, und Manuel startete den Außenbordmotor. Dann legten wir ab. Nach ein paar Minuten begann eine sanfte Brise zu wehen, und mir wurde etwas kühler. Manuel hielt sich dicht am Ufer. Der träge dahinfließende Strom wurde breiter. Gelegentlich war ein strohgedecktes Haus am Ufer zu sehen. Ich konzentrierte mich, doch ich spürte keine magische Ausstrahlung. Nach zwei Stunden legten wir an. Ubaldo hatte ein paar Konserven mitgenommen, sodass wir keinen Hunger zu leiden hatten.

Anschließend fuhren wir an der anderen Uferseite entlang zurück. Ubaldo zeigte mir ein paar Sumpfschildkröten und Seidenreiher, und einmal sahen wir auch einen Grünen Leguan, ein wahrhaft abstoßend hässliches Tier. Unsere Suche nach Tepal jedoch blieb vergebens. Nirgendwo hatte ich eine magische Ausstrahlung wahrgenommen.

Wir nahmen in einer Ecke der Hotelveranda Platz, tranken ron y Coca mit viel Eis und sahen den vorbeigleitenden Booten und herumstreunenden Hunden zu. Ich war zu faul für eine Unterhaltung, und Ubaldo schien es auch nicht anders zu gehen. Mit der Abenddämmerung kam eine kühle Brise auf, die mich angenehm erfrischte. Als es dunkel geworden war, stellte der zahnlose Portier eine Windlampe auf unseren Tisch und unterhielt sich mit Ubaldo. Die letzten Sonnenstrahlen fielen auf das gegenüberliegende Ufer, und für ein paar Minuten waren die Bäume in ein glutrotes Licht getaucht, das sich im Wasser des Flusses spiegelte.

»Morgen übernachten wir im Dschungel«, sagte Ubaldo. »Wir fahren, so weit wir kommen.«

Die Vorstellung war alles andere als reizvoll, aber es gab wohl keine andere Möglichkeit. Immer wieder betraten Männer die Hotelveranda und starrten zu uns herüber, aber ich beachtete sie nicht. Zum Abendessen gab es fade schmeckende Tortillas, die ich mit zwei Flaschen Bier hinunterspülte. Nach dem Essen blieben wir noch eine halbe Stunde sitzen. Aus dem Hotel erklang laute Musik, Gelächter und Geschrei. Der Weg durch die Halle glich einem Spießrutenlaufen. Einige der Männer versuchten mich zu betatschen, doch ich hielt sie mir geschickt vom Leib.

Erleichtert ließ ich mich oben aufs Bett fallen. Licht gab es keines im Zimmer. Nur der tiefstehende Mond tauchte den Raum in einen geheimnisvollen Schimmer. Nach ein paar Minuten hatte ich mich an die Dunkelheit gewöhnt. Während Ubaldo frisches Wasser holte, schlüpfte ich aus meinen Kleidern. Ich wusste, was geschehen würde, sobald wir zu Bett gegangen waren, aber ich hatte nichts dagegen. Ganz im Gegenteil, ich freute mich sogar ein wenig darauf. Ich wusch mich gründlich, dann schlüpfte ich in das altersschwache Bett und rauchte eine Zigarette. Nachdem ich sie ausgedrückt hatte, legte sich Ubaldo neben mich, und ich drehte mich auf die Seite. Er streckte die rechte Hand aus und strich sanft über mein Haar, das Gesicht und meine Schultern. Ich seufzte leise auf, als er mich an sich zog und ich seinen kräftigen Körper spürte. Seine Lippen waren kühl und fest, und seine Hände weckten meine Begierde. Als sich unsere Körper vereinten, klammerte ich mich keuchend an ihm fest und passte mich seinen Bewegungen an.

Wir waren im Morgengrauen aufgestanden, und eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang fuhren wir los. Ich konnte nicht behaupten, dass ich lange geschlafen hatte. Wohlige Schauer rannen mir über den Rücken, sobald ich an die Nacht zurückdachte. Ubaldo saß vor mir. Gelegentlich wandte er den Kopf und lächelte mich liebevoll an. Ich vermied es, seinen Blick zu erwidern, denn seine Nähe lenkte mich jetzt nur ab. So wie gestern konzentrierte ich mich auf das Ufer. Aber diesmal nahm ich mir gleichzeitig beide Ufer vor. Die ersten paar Stunden über war es angenehm warm, doch um die Mittagszeit wurde es drückend heiß. Wir legten am Ufer an und kauerten uns im Schatten eines Baumes nieder. Nachdem wir eine Kleinigkeit zu uns genommen hatten, dösten wir nebeneinander auf einer Decke. Eine Stunde später waren wir wieder unterwegs.

Die Schäfchenwolken und die mit Kletterpflanzen bewachsenen Bäume spiegelten sich auf der ruhigen Oberfläche des Flusses. Alles sah so friedlich und ruhig aus, doch ich wusste, dass sich irgendwo im Dschungel Tepal versteckte. Sehr selten war eine der strohgedeckten Hütten zu sehen, und nur wenige Boote kamen uns entgegen. Immer wieder schloss ich die Augen und hoffte, eine magische Ausstrahlung zu spüren.

»In zwei Stunden wird es dunkel«, sagte Ubaldo. »Wir fahren noch eine halbe Stunde weiter, dann suchen wir uns einen geeigneten Platz für unser Lager.«