Das Huhn auf dem Tisch - Dieter Tönsmeier - E-Book

Das Huhn auf dem Tisch E-Book

Dieter Tönsmeier

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Beschreibung

Ein kleiner älterer Herr, fünfundsiebzig, bereits arg geschwächt durch eine schwere chronische Krankheit, kann nicht mehr am Waldspaziergang teilnehmen. Er setzt sich auf einen Baumstumpf oder einen mitgebrachten kleinen Camping-Klappstuhl. Seine Lebensgefährtin wird ihn nach einer Weile hier wieder abholen. Er genießt die Stille, das Licht- und Schattenspiel im Wald, das Singen der Vögel und den leichten Wind, der die Zweige und Blätter wiegt. Das Smartphone bleibt in der Tasche. Sein Blick schweift umher und er denkt zurück an das Gespräch mit seiner Lebensgefährtin auf der Herfahrt im Auto. Er hatte ihr eine kleine Geschichte aus seinem Leben erzählt. »Warum schreibst du so etwas nicht einmal auf?«, hatte sie daraufhin gesagt. »Könntest du dir vorstellen, dass so etwas überhaupt jemanden interessiert?«, fragte er. »Warum nicht?«, sagte sie. Damit war ein Anfang gemacht. Zuhause angekommen setzt er sich irgendwann einmal hin, klappt das Notebook auf und tippt die Geschichte ein.

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Seitenzahl: 509

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Vorwort

i. Gruß aus der Eiszeit

ii. Der Hausmeister

iii. Das tote Baby

iv. Saxofonstunde

v. Das Geheimnis im Dom

vi. Candy

vii. Handy

viii. Was Sie wollen

ix. Kaspertheater

x. Die schöne Unbekannte

xi. Der Akkordeonist

xii. Die Schmach von Cordoba

xiii. Heilige Maria

xiv. Die Stunde des Dr. Graf

xv. Das Huhn auf dem Tisch

xvi. Fernsehstar

xvii. Godzilla und die Matthäuspassion

xviii. Eine Weihnachtsgeschichte

xix. Vier kleine Dialoge beim Bäcker

xx. Unter der Kreuzung

xxi. Das Rotkehlchen

xxii. Der Weltraumflieger

xxiii. Der Gast

xxiv. Der kleine Waldteufel

Für Eva! Sie hat die Anregung gegeben, alle Fotos gemacht, in jeder Weise geholfen und … und … und … und überhaupt!

Vorwort

Ein kleiner älterer Herr, fünfundsiebzig, bereits arg geschwächt durch eine schwere chronische Krankheit, kann nicht mehr am Waldspaziergang teilnehmen. Er setzt sich auf einen Baumstumpf oder einen mitgebrachten kleinen Camping-Klappstuhl. Seine Lebensgefährtin wird ihn nach einer Weile hier wieder abholen. Er genießt die Stille, das Licht- und Schattenspiel im Wald, das Singen der Vögel und den leichten Wind, der die Zweige und Blätter wiegt. Das Smartphone bleibt in der Tasche. Sein Blick schweift umher und er denkt zurück an das Gespräch mit seiner Lebensgefährtin auf der Herfahrt im Auto. Er hatte ihr eine kleine Geschichte aus seinem Leben erzählt.

»Warum schreibst du so etwas nicht einmal auf?«, hatte sie daraufhin gesagt.

»Könntest du dir vorstellen, dass so etwas überhaupt jemanden interessiert?«, fragte er.

»Warum nicht?«, sagte sie.

Damit war ein Anfang gemacht. Zuhause angekommen setzt er sich irgendwann einmal hin, klappt das Notebook auf und tippt die Geschichte ein.

(April 2022)

Gruß aus der Eiszeit

Dieser Sommer war einer der wärmsten seit langem. Die Natur litt unter einer lang anhaltenden Dürre. Überall gelbes Gras und manche Bäume warfen bereits Blätter ab. So gingen meine Freundin Eva und ich manche Abende in den nahen Biergarten und trafen uns dort mit einem befreundeten Paar, oder auch nicht. Der Biergarten lag direkt an der Weser, unserem breiten Fluss in unserer schönen Stadt Bremen.

Heute saßen wir zu viert an einem der schmalen Holztische, direkt oben am Deich zum Wasser hin, mit Blick nach Westen auf die untergehende Sonne, davor die Kulisse der Stadt, die beiden Domtürme und andere Hochhäuser. Der Biergarten war voller sommerlich gekleideter Menschen, die saßen oder flanierten oder versuchten einen Platz zu ergattern. Die große hölzerne Terrasse, die in einen kleinen Bootshafen hinein gebaut war, quoll über vor Menschen, die unter großen Sonnenschirmen saßen. Es roch nach Bratwurst und an dem Wagen mit dem Getränkeausschank hatte sich eine lange Schlange aus durstigen Leuten gebildet. Im Schatten der dichten Baumkronen einiger alter Linden lies es sich gut aushalten, wir plauderten angeregt zu viert. Auf der anderen Uferseite zeigte sich nur grün, das Flussufer und dichte Vegetation. Dort befand sich ein weitläufiges Parzellengebiet. Die niedrigen Gartenhäuschen dort verschwanden von hier aus gesehen hinter dem Blattwerk der Hecken und Obstbäume. Die nächstgelegene Straße mit Autoverkehr lag ein bisschen weiter weg und war kaum sichtbar. Auf diese Weise empfanden wir uns beinahe als außerhalb der Stadt sitzend und irgendwie wie in den Ferien. Trotz der vielen Menschen hier erschien der Abend als ruhig und bedächtig, niemand verhielt sich aufgeregt.

Unter dem Tisch streifte ich mir, ohne die Hände zu benutzen, die Schuhe ab und wollte mit den nackten Füßen das kühle Gras des Rasens ertasten. Es gab aber kein Gras, der Rasen war beinahe komplett vertrocknet, überall hingen verdorrte Graswurzeln aus dem Boden. Die Erde darunter hatte einen grauen, staubigen Charakter angenommen und eine Menge kleiner Steine waren zum Vorschein gekommen, die ich zuvor noch nie hier bemerkt hatte. Mit dem rechten Fuß ertastete ich ungewollt einen leicht scharfkantigen Stein, der mich auf Dauer ein wenig zu stören begann. Also hob ich ihn auf, um ihn zu beseitigen. Ich nahm ihn in die Hand und er sah ungewöhnlich aus, gelblich grau und an einer Seite rund und glatt, um dann gleichmäßig von beiden Seiten her zu einer Spitze zu verlaufen, wie nach unten gerichtet, beinahe wie beabsichtigt, also nicht zufällig, ungefähr zwölf bis dreizehn Zentimeter lang, nicht flach, also kaum ein Bruchstück. Er sah aus wie aus Feuerstein, ein Material, das hier im Norden sehr häufig zu finden ist. Aber sicher war ich mir nicht, obwohl ich Feuerstein, auch ›Flint‹ genannt, über eine frühere Leidenschaft für das Suchen und Sammeln von Fossilien eigentlich gut erkennen müsste. Ich legte den Stein neben mich auf die Sitzbank.

Am späten Abend verabschiedeten wir uns von den Freunden und wollten uns auf den Weg machen. Ich nahm den Stein in die Hand und holte aus, um ihn in den Fluss zu werfen, sah ihn noch einmal an und überlegte es mir anders. Ich staubte ihn kurz ab und steckte ihn in die Hosentasche.

Zuhause legte ich ihn auf die Fensterbank zu den anderen Fundstücken, die ich gelegentlich aus dem Wald oder sonst wo her mitbrachte, also bunte Steine vom Strand, kuriose Holzteile oder hübsche Vogelfedern.Wenn es irgendwann zu viel erschien, oder nicht mehr attraktiv genug, warf ich einiges davon wieder weg. So kam es, dass der Stein aus dem Biergarten fast unbeachtet ein paar Jahre lang auf der Fensterbank herum lag.

Meine Freundin Eva sang seit vielen Jahren in einem Chor. Gelegentlich gab der Chor ein Konzert, und manchmal wurde dazu ein zweiter Chor eingeladen. Dabei kam es vor, dass ein oder zwei Mitglieder des anderen Chores, wenn sie von weiter her kamen, bei uns in der Wohnung im Gästezimmer übernachteten. Diesmal brachte Eva am späten Abend zwei Frauen mit, die aus Holland kamen. Am nächsten Morgen gab es ein gemeinsames Frühstück und es wurde munter geplaudert, die beiden Gäste sprachen einigermaßen gut deutsch. Eine der beiden entpuppte sich dabei als akademisch ausgebildete Archäologin, die eine Anstellung in einem staatlichen Museum hatte.

Beinahe beiläufig nahm sie den Stein von damals aus dem Biergarten von der Fensterbank und sah ihn sich aufmerksam an. Dann fragte sie, woher der Stein denn sei und ich erzählte die Geschichte vom Fund. Dieser Stein, so meinte sie, sei mit ziemlicher Sicherheit ein von Menschen gefertigtes Werkzeug aus der Altsteinzeit, also einige tausend Jahre alt, vielleicht älter noch als zwölftausend Jahre. Aber mit absoluter Sicherheit könnte sie dies nicht bestätigen, denn sie sei keine Fachfrau für die Steinzeit, sondern für mittelalterliche Ausgrabungen … außerdem passe der Fundort überhaupt nicht zu dieser These, denn so etwas findet sich nicht an der Erdoberfläche in irgendwelchen Biergärten. So legte sie den Stein wieder zurück auf die Fensterbank.

Ich war aber angetan von dem Gedanken, dass es sich hier um eine besondere Antiquität handeln könnte und nahm ihn später gelegentlich in die Hand, um ihn mir anzusehen, meine Phantasie spielen zu lassen oder ihn kurz Freunden und Nachbarn zu zeigen, wenn sie zu Besuch kamen. Die meisten zeigten kein besonderes Interesse, erschienen wenig beeindruckt und manche glaubten einfach nicht an seine Echtheit. So lag er nun wieder einige Jahre lang herum.

Wenn mich meine Spazierfahrten mit dem Fahrrad in die Nähe des Biergartens führten, machte ich einen kleinen Abstecher und suchte auf dem Rasen, der sich bisher nie mehr vollständig zum durchgehenden Grün zurückentwickelt hatte, nach weiteren möglichen Artefakten. Es lagen sehr viele kleine Splitter und Abschläge aus meist schwarzem Feuerstein herum und ich fand dabei fast jedes Mal auch ein kleines, echt erscheinendes Teil aus der Steinzeit. Mal war es eine winzige, gezahnte Klinge, relativ unscheinbare Pfeilspitzen und ähnliches. Inzwischen sind dabei über hundert Teile zusammen gekommen. Ein ähnliches Stück, wie das von der Fensterbank, fand ich jedoch niemals mehr.

Irgendwann nach irgendeinem Frühstück blätterte ich in der Tageszeitung herum, um zu sehen was so los ist in der Welt und in der Stadt. Dabei stieß ich auf einen kleinen Artikel, in dem darauf hingewiesen wurde, dass am kommenden Samstag in einem Museum in der Nähe von Oldenburg eine kostenlose Fundberatung stattfindet. Dabei ist eine Archäologin anwesend, die irgendwelche Gegenstände oder Fundstücke begutachtet, eventuell den Wert schätzt oder die Echtheit überprüft und etwas Interessantes dazu sagen kann. Ich entschloss mich, den Termin wahrzunehmen und meinen Stein von der Fensterbank und all meine anderen kleinen Fundstücke aus dem Rasen vom Biergarten fachfraulich prüfen zu lassen.

Ich setzte mich also am Samstag ins Auto und erschien pünktlich in dem Museum. Ein paar Leute saßen bereits dort und es sah aus wie in einem Wartezimmer beim Arzt. Manche hatten Taschen dabei und manche hielten irgendeinen Gegenstand in Papier eingewickelt auf dem Schoß. Bei keinem konnte ich erkennen, was er oder sie verbarg. Irgendwie erinnerte mich diese Szene an die Fernsehserie ›Bares für Rares‹, die ich gelegentlich zusammen mit unserer sechsundneunzigjährigen Mutter angesehen hatte, es war eine ihrer Lieblingssendungen.

Nach einer halben Stunde Wartezeit konnte ich nebenan im Büro der Archäologin meine Fundstücke zeigen. Vor mir saß eine sehr freundliche junge Frau, vielleicht Ende dreißig, und kam gleich zur Sache. Sie betonte kurz, dass sie keine Spezialistin für Artefakte aus der Steinzeit sei, aber einigermaßen damit vertraut, weil, wie ja zu sehen ist, das Museum hier eine größere Abteilung mit Funden aus der Steinzeit beherbergt. Gleichzeitig bemerkte sie, dass sie berechtigt sei, Fundstücke einzubehalten, falls diese für die Allgemeinheit von besonderem Interesse sein sollten, also museumsrelevant sind.

»Okay!«, sagte ich und zeigte ihr meine Steinchen, alle auf einen kleinen Haufen geschüttet. Dabei schilderte ich ihr den Fundort. Den Stein von der Fensterbank legte ich erst zum Schluss dazu. Sie sah sich alles aufmerksam an, nahm gelegentlich eine Lupe zur Hand und schob mir ein Teil nach dem anderen wieder zu. Nur eine kleine Anzahl davon schob sie zur Seite.

Zu meinem großen Erstaunen erwiesen sich die allermeisten meiner Fundstücke als echte Artefakte aus der Jungsteinzeit. Den Stein von der Fensterbank betrachtete sie nur kurz und schob ihn dann zu den aussortierten, unechten Stücken.

»Das ist nichts! …«, sagte sie. »Der hat zwar eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Faustkeil … aber mehr auch nicht!«

»Aha!«, sagte ich, »Das ist ja schade!«

»Ja!«, sagte sie

Dann bemerkte sie noch, dass sich altsteinzeitliche Funde kaum an der Erdoberfläche in Biergärten finden lassen und Faustkeile schon gar nicht, die liegen tiefer im Erdreich verborgen. Es kann also nicht angehen.

Sie fragte mich noch ein wenig nach persönlichen Dingen, welchen Beruf ich habe und ähnliches und lud mich ein, im nächsten Jahr zur erneuten Beratung wieder dabei zu sein, falls ich weitere Funde zu zeigen hätte, immer auch in der Absicht, wichtig erscheinende Fundstücke einzubehalten.

Ich bedankte mich artig und ging zum Auto, meinen falschen Faustkeil und die anderen Teilchen in der Tasche. Meinen falschen Faustkeil legte ich zuhause zurück auf die Fensterbank.

In den folgenden Jahren sammelte ich, wann immer sich einmal die Gelegenheit dazu bot, eine kleine hübsche Sammlung mit steinzeitlichen Artefakten zusammen.

Manchmal ging ich zusammen mit einem alten Freund auf die Pirsch, der ebenfalls eine Sammelleidenschaft an den Tag legen konnte. Er entwickelte relativ rasch eine besonders gute Kenntnis für die Echtheit der Fundstücke, da er sich sehr intensiv damit beschäftigte, indem er Fachbücher zum Thema studierte und eifrig im Internet forschte und dabei auch viele mögliche Fundstellen in unserem norddeutschen Raum ausfindig machte. So kannte ich mich bald auch ganz gut aus.

Häufiger jedoch machte ich mit meiner Freundin Eva bei unseren gemeinsamen Ausflügen mit dem Auto, mit den Fahrrädern im Gepäck, und den anschließenden Radtouren jeweils einen kleinen Abstecher auf ein gepflügtes Feld. Dabei achtete ich darauf, dass es ihr nicht zu langweilig werden würde. Sie setzte sich derweil irgendwo hin und las in ihrem Buch. Wenn sie genug hatte, rief sie mich.

Auf einer Rückreise nach einem längeren Ferienaufenthalt in Schweden kamen wir mit dem Auto auf die Fähre nach Rügen und weiter dann auf die Autobahn über Lübeck und Hamburg in Richtung Bremen. Wir beschlossen, einen kleinen Abstecher ins ›Alte Land‹zu machen und gelangten auf der weiteren Rückfahrt am späten Nachmittag durch die Stadt Stade. Ich sah irgendwo am Straßenrand ein Plakat mit dem Hinweis auf eine Sonderausstellung im hiesigen Museum, mit dem Motto ›Steinzeit in Norddeutschland‹, oder so ähnlich.

»Oh …!«, sagte ich zu Eva, die am Steuer saß. »Das würde ich mir gern einmal kurz anschauen … hast du was dagegen?«

»Nö … dann können wir vielleicht noch einen Kaffee trinken und ein Stückchen Kuchen essen!«

»Auf alle Fälle!«, sagte ich.

Der große Ausstellungsraum im Museum wirkte sehr übersichtlich gestaltet und es gab trotzdem genug zu sehen. Neben Modellen von steinzeitlichen Siedlungen und Landschaftsnachbildungen und Informationen zur Lebensweise der damaligen Menschen, standen eine Reihe von gläsernen Vitrinen gut verteilt im Raum. Darin lagen geschliffene und ungeschliffene, große und kleinere Steinbeile aus Feuerstein, Klingen, Sicheln, Schaber, Kratzer, Bohrer, Speerspitzen und so weiter.

All diese Teile lösten eine starke Faszination bei mir aus, denn hier lagen Antiquitäten, die vom Alter her weit über die klassische Antike hinaus gingen. Später wunderte ich mich manchmal, dass nur wenige Leute so etwas wie Begeisterung darüber empfinden konnten. Nun, so sei es.

Zum Schluss des Rundgangs kamen wir an einer kleinen Glasvitrine vorbei, in der nur zwei Artefakte auf einer Glasplatte lagen. Ich sah hinein und war sofort leicht elektrisiert. Das war es … hier ist vielleicht der Beweis … dachte ich. Donnerwetter, die Ähnlichkeit ist frappierend! In dem schmalen Begleittext zu den beiden Teilen stand, dass es sich hierbei um zwei Faustkeile des Neandertalers handelte, entdeckt in Schleswig-Holstein. Zwei Hobbyarchäologen und Sammler hatten die Faustkeile vor wenigen Jahren gefunden, in einer Tiefe von etwa zehn Metern in einer Baggergrube für Bausand. Damit war zum ersten Mal der Beweis erbracht worden, dass in diesem Teil Norddeutschlands Neandertaler gelebt haben. Das Alter dieser Faustkeile wurde auf mindestens vierzigtausend Jahre datiert.

Ich war ein wenig erleichtert, dass ich meinen falschen Faustkeil von der Fensterbank noch nicht weggeworfen hatte, denn nun konnte ich vielleicht noch einmal ein neues Gutachten einholen, denn er sah haargenau so aus wie die beiden Faustkeile vom Neandertaler in der Vitrine im Museum.

Ein paar Tage später, nachdem wir die Reise etwas verdaut hatten, suchte ich mir zuhause die Telefonnummer von unserem Museum in der Stadt heraus und rief dort an.

»Guten Tag! Was kann ich für Sie tun?«, meldete sich die Stimme einer freundlichen Frau.

»Hallo! … Äh, mein Anliegen ist folgendes … ich habe da an der Weser einen Stein gefunden, der sehr wahrscheinlich ein Faustkeil von Neandertalern ist … ich würde ihn gern fachgerecht auf seine Echtheit prüfen lassen … vielleicht handelt es sich um den bisher einzigen Nachweis, dass hier bei uns auf dem jetzigen Stadtgebiet früher einmal Neandertaler gelebt haben!«

»Oh je … da muss ich mal schauen, ob einer von den zuständigen Leuten im Hause ist … ich könnte Sie auch gleich zurückrufen … sagen Sie mir ihre Nummer!«

»Okay!«, sagte ich und nannte ihr die Nummer.

Eine halbe Stunde später ging ich wieder ans Telefon und die freundliche Stimme teilte mir mit, dass sich leider keiner von den zuständigen Herren für kompetent hält, meinen Wunsch zu erfüllen … ich möge es doch woanders versuchen … es gäbe doch in anderen Museen in der näheren Umgebung gelegentlich Fund-Beratungen … aber trotzdem vielen Dank.

Mhm … dachte ich … dann eben nicht.

Mein Freund, mit dem ich einige Sammelaktionen gemacht hatte und der, wie gesagt, inzwischen über sehr gute Kenntnisse und einen guten Blick verfügte, war sehr überzeugt von der Echtheit und machte ein paar Fotos von allen Seiten von meinem Faustkeil und verschickte sie an drei überregional bekannte Fachleute und bat um kompetente Expertisen. Die Antworten gingen alle dahin, dass sie aufgrund allein über Fotos zu keinem sicheren Urteil kommen können, aber die Wahrscheinlichkeit der Echtheit meines Fundes sei doch sehr hoch!

Na immerhin, dachte ich, das ist doch schon eine ganze Menge Sicherheit.

Als ich irgendwann später, außerhalb der Saison, wieder einmal durch den Biergarten radelte und den verwitterten Rasen kurz in Augenschein nahm, tauchte ein alter Mann auf und guckte nach mir und fragte, »Nach was suchen Sie denn dort … nach Ihrer verlorenen Unschuld?«

»Nee!«, sagte ich. »Hier lassen sich kleine Pfeilspitzen aus der Steinzeit finden!«

»Ach was … hier auch?«, meinte er und stellte sich vor.

Er war langjähriger Hausmeister der an den Biergarten angrenzenden Boothäuser des Vereins gewesen, der hier residierte.

Ich erzählte ihm, dass mir aufgefallen sei, dass das große Rasenstück hier aus völlig anderem Erdmaterial besteht, als die gesamte andere Umgebung. Nur hier findet sich Feuerstein, sonst nirgends in der Nähe.

»Haben Sie eine Erklärung dafür?«, fragte ich, als ich keine Ablehnung bei ihm spürte.

»Na ja, …« sagte er, »vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass hier vorn am Ufer bis vor ungefähr zwanzig Jahren der großer Saugbagger einer Sand-und-Kies-Firma stand und viele Jahre lang Material aus dem Flussgrund geholt hat. Möglicherweise wurde davon ein Teil für die Aufschüttung hier verwendet?«

»Ach … das ist ja interessant!«, sagte ich, »In welcher Tiefe hat der denn wohl gebaggert?«

»Na ja, … vielleicht so sechs bis acht Meter tief … oder noch mehr … ich weiß nicht so genau!«

»Vielleicht ist dies eine Erklärung dafür, dass hier kleine Steinwerkzeuge zu finden sind?«, sagte ich.

»Ja, das könnte sein!«, meinte er und ergänzte, »ach, wissen Sie … aber nicht weit von hier, schräg gegenüber, dort am Badestrand und auch hier, dreihundert Meter östlich, da haben ein paar Kollegen von Ihnen auch schon solche Sachen gefunden … so neu ist das nicht!«, sagte er zu meiner großen Überraschung.

Ich wollte ihm nun nicht zu viel verraten, damit keine Besitzansprüche aufkommen könnten, so erzählte ich ihm, dass ich hier in der Nähe, also etwas weiter dahinten, wahrscheinlich den Faustkeil der Neandertaler gefunden habe. Dabei spürte ich, dass ihm die besondere Qualität dieser Aussage nicht imponierte.

»Das könnte der Nachweis sein, dass hier bei uns in der Vergangenheit Neandertaler gelebt haben«, sagte ich.

»Ach, wissen Sie … solche Typen die gibt es hier immer noch … die sehe ich oft wenn hier die Fußballspiele angesagt sind!«, meinte er und lachte und erzählte weiter. »Wussten Sie …«, begann er einen kleinen Vortrag, »dass der Name Neandertaler auf einen Pastor hier aus Bremen zurückgeht?«

»Nur ganz vage … hab’s schon wieder vergessen!«, sagte ich.

»Ja … im siebzehnten Jahrhundert lebte hier ein junger Pfarrer, Joachim Neander, den zog es hinaus in die Welt, und so landete er in Düsseldorf. Und in einem nahen Tal, das damals noch einen anderen Namen trug, hielt er oft seine Predigten … bekam aber Ärger mit seinen Kirchenoberen und kehrte zurück nach Bremen, wo er dann, noch sehr jung, bald gestorben ist. Seine Kirche steht dahinten, kaum drei Kilometer von hier … na ja … und später haben sie das Tal, in Erinnerung an ihn, das Neandertal genannt … dort haben sie dann viel später in einer Höhle ein Skelett gefunden und nach dem Fundort benannt … Neandertaler!«

»Schöne Geschichte!«, sagte ich, »Das passt ja gut zu meiner!«

Dann plauderten wir noch etwas weitläufig über die heutige Weltlage und über den Klimawandel, dem wir ja möglicherweise die Dürre und damit den halbtoten Rasen zu verdanken haben, und er meinte, »Vielleicht landen wir ja auf diese Weise dann alle wieder in einer fetten Eiszeit!«

»Könnte passieren!«, sagte ich und fragte ihn zum Schluss noch, »Gucken Sie auch manchmal nach Steinwerkzeug?«

»Nein! …«, sagte er und lachte, »Da bleibt ich doch lieber bei ›Black und Decker‹!«

Ich lachte mit. Damit ließen wir es genug sein und verabschiedeten uns.

Somit hatte ich eine einigermaßen plausible Erklärung für den Umstand gefunden, dass Werkzeuge von Neandertalern nicht einfach so an der Erdoberfläche in Biergärten herumliegen. Mein Faustkeil stammte also aus mehreren Metern Tiefe aus einer Flusslandschaft, die vor vielen tausend Jahren ein völlig anderes Gesicht gezeigt haben dürfte, wenn der Fluss überhaupt damals schon hier entlang gelaufen ist.

»Siehste! … Da hast du also wahrscheinlich doch Recht gehabt! …«, meinte meine Freundin Eva, als ich ihr beim Abendessen von meiner Begegnung mit dem alten Hausmeister erzählte, »Das Ding ist echt!«

»Das ist ja eine tolle Geschichte«, sagte ich, »wenn ich so bedenke, dass auf dem Gebiet unserer Stadt vor Urzeiten schon Neandertaler gelebt haben … stell dir das einmal vor, ist doch irgendwie auch sensationell … oder?«

»Auf alle Fälle!«, meinte Eva.

»Aber es scheint sich dafür aber kaum jemand zu interessieren … was mach ich denn jetzt mit meinem Faustkeil … am besten ist, wenn ich ihn einfach behalte … er ist doch ein schöner, fast mystisch anmutender Stein! …«, sagte ich, »Vielleicht bringt er ja Glück?«

»Das soll er! … Du kannst ja vielleicht eine schöne kleine Geschichte darüber schreiben … das machst du doch ab und zu!«, ermunterte sie mich.

Ein paar Wochen später tat ich es und versuchte, die Geschichte erzählerisch umzusetzen. Eva fand die Geschichte akzeptabel und meinte, ich solle doch versuchen, sie irgendwo zu veröffentlichen. Also schickte ich die Geschichte an die Adresse einer Literaturzeitschrift in Niedersachsen und bekam zwei Wochen später die Nachricht, dass sie diesen Text in eine der nächsten Ausgaben ›einbauen‹ würden. Ein Honorar gäbe es natürlich nicht. Das wollte ich auch nicht.

Da ich die Zeitschrift hauptsächlich vom Namen her kannte und nur sehr selten zu lesen bekam entging es mir, wann die Geschichte erschienen ist und ich habe sie niemals abgedruckt gesehen.

Damit schien für mich erst einmal alles geregelt. Ich erfreute mich gelegentlich an meinem Stein, dachte aber schon dabei, dass er vielleicht doch in ein Museum gehört und dass ich mich bei Gelegenheit noch einmal darum bemühen müsste.

An einem schönen Sommerabend, ganz ähnlich dem, an dem ich den Faustkeil vor beinahe fünfzehn Jahren gefunden hatte, setzte sich eine ehemalige Arbeitskollegin mit einem Bekannten zu uns an den Tisch in unserem alten Biergarten am Fluss, fast genau an dem Platz, an dem wir damals saßen als ich den Stein fand.

Ihr Bekannter, so kam im Verlauf unseres Gespräches heraus, war Archäologe und Angestellter bei einer Landesbehörde. So ein Zufall, dachte ich.

Ich versuchte nun, ihm die Geschichte mit meinem Faustkeil zu erzählen, in der Hoffnung, bei ihm Rat zu finden. Seltsamerweise schien es ihn nicht besonders zu interessieren, oder er fand meine Geschichte unglaubwürdig, oder er glaubte nicht im geringsten an die Echtheit meines damaligen Fundes. Jedenfalls zeigte er kaum eine Reaktion und ich glaubte zu spüren, dass er mich nicht ernst nahm. Er sagte nur: »Schön! Aber so etwas findet sich hier nicht!« und widmete sich sofort wieder einem anderen Thema.

Na gut, dachte ich, wenn ihn keiner will, dann ist er jetzt mein … mein kleines historisches, lokales sensationelles Geheimnis … mein Stein … von unseren alten großen zotteligen Schwestern und Brüdern ererbt, den Neandertalern, die so ausgestorben sind wie auch wir irgendwann ausgestorben sein werden … nämlich dann, wenn die kommenden Computermenschen an der Reihe sind mit ihrer zehntausendfachen Superintelligenz … wenn die Cyborgs vor der Tür stehen … wenn Friedrich Nietzsche über seinen wüsten Schnauzbart hinweg, vielleicht als unsichtbarer Engel, vom Himmel herabschaut und sich darüber freut, dass seine Ankündigung des ›Übermenschen‹ in ungeahnter Weise wahr geworden ist … denn, so sprach der damals noch nicht verrückte Philosoph vor hundertfünfzig Jahren … ›Der Mensch ist nur Zwitter von Pflanze und von Gespenst … Der Mensch ist etwas, was überwunden werden muss … denn was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham … und eben das soll der Mensch für den Übermenschen sein: ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham‹.

Möglicherweise ist mein schöner Computer, der mir das Schreiben und Nachforschen so erleichtert, und dessen Technik kaum älter ist als vielleicht achzig Jahre, auch so etwas wie ein Faustkeil, nämlich der Anfang eines bestimmten Werkzeugs, dessen immer weitergehende Entwicklung zu immer neuen, ungeahnten Werkzeugen und zu immer neuen Ergebnissen und zu einer Veränderung der Welt führt, die wir uns nicht im geringsten vorstellen können, so wie die Neandertaler beim Gebrauchen ihres Faustkeils nicht die geringste Vorstellung von unserer heutigen Welt haben konnten.

Mir soll’s recht sein! Das würde unsere alte Mutter dazu sagen. Eines schönen Tages wird sich jemand herabbeugen und mit einem historisch betrachtenden Blick auf uns zurückschauen. Und wir werden diesem Wesen so fremd sein, wie es uns die Neandertaler oder sogar die Affen aus heutiger Sicht sind. Wer weiß, wie viele hundert Jahre es bis dahin dauert, möglicherweise kommt es bei unserer rasanten technischen Entwicklung schneller als wir erahnen können. Und wenn sie Pech hat, diese neue Art, befindet sie sich in einer beginnenden oder schon voll entwickelten neuen Eiszeit und muss sich für ihre eigene Zukunft warm anziehen. Das hat sie dann uns zu verdanken und wird vielleicht denken … guckt mal, diese Idioten damals, die haben nur an sich selbst gedacht, als sie das Klima und die Natur durch das Artensterben mit ihrer Konsumwut und mit ihrer ruinösen Anzahl versaut haben.

Und wieder ging eine Zeit ins Land. Und eines späteren Tages klingelte es bei uns an der Haustür und Eva machte auf und rief mir zu, »Es ist für dich … komm mal her!« Und vor mir standen eine Frau und ein Mann, beide sehr freundlich. Sie stellten sich vor als Angestellte der Kulturbehörde, zuständig unter anderem auch für Fundsachen von öffentlichem Interesse und ein mögliches Unterschlagen von Fundstücken.

»Sind Sie der Schriftsteller, der vor einiger Zeit in einer Literaturzeitschrift aus Niedersachsen von einem Faustkeil des Neandertalers, hier am Weserufer gefunden, berichtet hat? Wenn Sie erlauben, würden wir gern einmal einen Blick auf das Objekt werfen, wenn das Teil noch in Ihrem Besitz ist! Dies soll nur eine Anfrage sein, Sie haben nichts zu befürchten! Wir haben diesen Hinweis von einem aufmerksamen Leser bekommen und wollten dem einmal ganz vorsichtig nachgehen … wie schon gesagt, Sie hätten nichts zu befürchten!«

»Ach! …«, sagte ich, »Das ist ja lustig!« Ich lachte etwas gekünstelt und nach einigen Sekunden des Überlegens fuhr ich fort: »Ach wissen Sie … es ist so … ich bin kein berufsmäßiger Schriftsteller … und diese Geschichte, die ich da geschrieben habe, hat mit der Realität nicht das geringste zu tun … die mit dem Faustkeil, die ist von mir völlig frei erfunden worden … es gibt keinen Faustkeil bei mir … alles ist nur der reinen Fantasie entsprungen … es tut mir leid, ich würde Ihnen gern dienlich sein, das dürfen Sie mir glauben … Sie dürfen auch gern hereinkommen und einen Blick auf die Fensterbank werfen, die dort erwähnt wird, so pokerte ich … ich biete Ihnen Kaffee oder Tee an, Sie können sich in aller Seelenruhe überall umschauen … lassen Sie sich Zeit … bitte sehr!«

Daraufhin sahen sie sich die beiden an und lachten leicht. Ich öffnete die Tür ein wenig mehr. Aber sie schienen mir zu glauben und kamen nicht näher.

»Nein, nein … wir glauben Ihnen! Aber wir sind aber ja irgendwie auch verpflichtet, im Interesse der Allgemeinheit solchen Hinweisen nachzugehen … verstehen Sie?«

»Selbstverständlich!«, sagte ich.

Dann verabschiedeten sie sich und gingen zurück zu ihrem Auto. Ich winkte ihnen nach und dachte so für mich.

»Schönen Gruß aus der Eiszeit!«

Der Hausmeister

Vor einigen Jahren kam die Regierung unserer liebenswerten Stadt auf den schönen Gedanken, eine Reihe von älteren Häusern aufzukaufen, unter anderem auch, um darin armen Künstlern gegen eine geringe Miete Wohnung und Heimat zu bieten, als Unterstützung für die Einzelnen und die Kulturszene im Allgemeinen. Zufällig kannte ich eine relativ einflussreiche Angestellte aus dieser Behörde von früher her und wurde vorstellig, um mich dafür zu bewerben. Und es klappte und ich zog mit meinen Saxofonen in eine passende Wohnung, unweit des sogenannten Szeneviertels mit den Jazzclubs und den Kneipen und in relativer Innenstadt- und Bahnhofsnähe. Es war ein über hundert Jahre altes ehemaliges Bürgerhaus mit hohen Räumen und einer kleinen Steintreppe zum Eingang hin. Ich bekam die untere Wohnung im Hochparterre, damit ich leichten Zugang auch zu einem trockenen Kellerraum hatte, in dem ich täglich Saxofon üben konnte und den anderen Mietern nicht zu sehr auf die Nerven gehen würde.

Zufällig wohnte in der Wohnung über mir bereits die kleine arabische Familie, mit der ich früher einmal ein paar Jahre lang zusammen in einem anderen Haus gewohnt hatte, ein Ehepaar mit zwei kleineren Kinder. Wir verstanden uns gut und die Grundlage dafür war wohl gegenseitige Toleranz. Niemals beschwerte sich jemand über mein Saxofongedudel oder über nächtlichen Besuch oder nicht rechtzeitig herausgestellte Mülleimer oder den nicht gemähten kleinen Rasen hinter dem Haus oder nicht beachtete Mittagszeit oder fehlende Gardinen vor den Fenstern oder sonst irgendetwas. Im Gegenzug sagte ich nie etwas dazu, wenn im Winter gelegentlich bei weit geöffneten Fenstern und Türen im oberen Treppenhaus bei kleinen Familienfesten oder anderen Zusammenkünften gegrillt wurde, oder die Kinder herumtobten und ähnliches. Der Mann war tagsüber auswärts arbeiten und die Kinder kamen mich häufig kurz besuchen. Später habe ich mit ihnen oft die schulischen Hausaufgaben gemacht, denn damit kam die Mutter nicht zurecht, sie sprach nur mäßig deutsch. Dafür kochte sie umso besser und gab mir regelmäßig von dem Essen für die Familie etwas ab, die Kinder brachten mir den Teller an die Tür und es war wunderbar. Sie bedauerten mich ab und zu, weil ich ihrer Ansicht nach zu viel allein war, was ich aber nicht so empfand.

Ungefähr alle acht Wochen kam die Frau, ihr Name war Alina, auf den Gedanken, sämtliche Möbel in ihrer Wohnung komplett umzustellen. Dafür holte sie eine ihrer Bekannten oder eine Verwandte ins Haus, damit sie nicht allein mit mir in der Wohnung sein würde. Dann musste ich nach ihren Anweisungen kräftig schieben, heben und ruckeln, hin und her, bis sie zufrieden war mit ihrem neuen Arrangement. Dafür gab es etwas später einen vollen Teller mit selbstgemachten süßen Speisen, den ich dann leer aß.

Manchmal war ich eine Woche lang nicht zuhause, weil wir mit unserer Jazz-Rock-Gruppe auf Tournee waren, und manchmal nur ein oder zwei Tage, für kleine Clubgastspiele in näher gelegenen Städten. Ansonsten war ich tagsüber viel im Haus, einerseits zum morgendlichen Ausschlafen und zum stundenlangen Üben im Keller oder in der Wohnung.

Abends ging es in den Jazzclub zum Austausch mit Kollegen oder in irgendeine Kneipe, oft bis in die Nacht. Alkohol und Drogen waren nicht mein Ding, aber in meinen Kreisen recht verbreitet. Ich wurde nicht selten Zeuge, wie ein Bekannter langsam im Nebel verschwand.

Die Drogenszene der Stadt mit all ihrem Elend und ihren Unbilden hielt sich hauptsächlich im sogenannten Szeneviertel auf. Aber alle paar Jahre machte die Polizei klägliche Versuche, sie aufzulösen oder zu vertreiben, auch um schwer genervte Anwohner für länger zu entlasten. Dann suchten sich die Süchtigen und die Dealer ein anderes Revier.

Nachdem ich fast acht Jahre lang hier gewohnt hatte, traf es nun unsere Gegend. Unsere Straße wurde nun ein Teil davon. Sie war klein und schmal und abends nicht besonders beleuchtet und um die Ecke ging es in einen mittelgroßen Park, in den Flüchtende schnell verschwinden konnten, also wahrscheinlich gut geeignet.

In der Nähe stand ein etwas heruntergekommenes Haus komplett leer. Nach und nach zogen dort obdachlose Drogensüchtige ein und ein paar Dealer flanierten praktisch Tag und Nacht in der Gegend auf und ab. Dauernd saßen ein paar Typen auf unserer kleinen Steintreppe zum Hauseingang und wir hörten ihr nervöses penetrantes Klopfen mit den Schuhen am Stein fast im ganzen Haus. Wenn ich sie ansprach, murrten sie ein bisschen herum, zogen aber meist friedlich ab. Meine kleine arabische Familie kam damit leidlich und schicksalsergeben zurecht. Die Kinder hatten ihre Schule und ihre Spielplätze in anderen Straßen, mussten aber das ganze Drama mit ansehen und die Frau ging nur selten aus dem Haus. Sie wurde dann von den Typen meist in Ruhe gelassen und bewegte sich in der Regel in Begleitung anderer Frauen, von denen sie zuhause abgeholt wurde.

Diese unmittelbare Konfrontation mit der geballten Drogenszene intensivierte sich. Alle paar Wochen kam ein kleines Polizeiaufgebot, kontrollierte und schikanierte die Fixer, bis sie für ein paar Wochen verschwanden, um nach und nach zurückzukehren. Das besetzte, leerstehende Haus nebenan wurde regelmäßig von der Polizei geräumt. Alle mussten raus, verteilten sich meckernd und widerwillig woanders hin und einige setzten sich einfach auf den Straßenrand gegenüber und warteten ab. Die Polizisten rückten mit Brettern, Hammer und großen Nägeln an und verbarrikadierten die Türen. Die Zuschauer klatschten dazu Beifall und lachten. Sobald die Polizisten abgezogen waren, schnippten die ›Drogies‹ ihre Zigarettenkippen auf die Straße und machten sich daran, die Bretter in kurzer Zeit einfach wieder abzureißen. Damit war wieder alles wie zuvor. Ich bedauerte innerlich die Polizisten, die sich auf diese Art doch allerhand gefallen lassen mussten, sie wirkten dann ein bisschen wie im Stich gelassen. Als ich sie einmal danach fragte, bestätigten sie mêine Annahme.

Der kleine umzäunte Vorgarten vorn vor unserem Haus, in dem nur ein einziger wilder Rosenbusch stand, sah immer so aus als hätten Wildschweine nach Trüffeln gewühlt, manche der ›Drogies‹ suchten dort nach kleinen versteckten Päckchen, die andere vergraben hatten, damit sie bei Kontrollen und Durchsuchungen nichts dabei haben würden. Ein einziges Mal gab ich einem völlig verzweifelten Süchtigen einen Tipp, wo er etwas finden könnte, denn von meinem Wohnzimmerfenster aus konnte ich einiges sehen. Die Buddelei diente auch der Suche nach einem versteckten Hausschlüssel, es gab dort aber keinen.

Ein aus Afrika stammender Dealer, der ein halbes Jahr lang unbehelligt jeden Tag in dieser Straße auf und ab ging, versteckte seine kleinen Päckchen, indem er sie mit einem dünnen Faden im Laub eines Astes aufhing. Einmal sah er dabei hoch und erkannte mich hinter der Fensterscheibe im Wohnzimmer stehend, wie ich ihn beobachtete. Er sah mich eindringlich an, mit einem intensiv stechenden Blick, hinter dem ich eine kalte Grausamkeit zu erkennen glaubte, er hatte mich damit ziemlich unmissverständlich gewarnt. Oh oh, dachte ich und erschauerte. Wenn ich ihm draußen vor der Tür über den Weg lief, erneuerte er jedes Mal seine stumme Warnung, änderte aber nichts an seiner Methode. Irgendwann war er verschwunden.

Einmal beobachtete ich eine Razzia, bei der einige von den patrouillierenden Dealern festgenommen wurden. Urplötzlich hielten überall zivile Fahrzeuge und Streifenwagen an, eine Menge Beamte sprangen heraus und griffen sich die Verdächtigen. Diese wurden kurz kontrolliert und dann gefesselt, die Arme auf den Rücken, die Handgelenke mit einem Plastikband geschnürt und dann auf den Bauch auf den Fußweg gelegt. Es war ein Geschrei und Gebrülle auf der Straße wie bei einem wichtigen Fußballspiel unter den Spielern. Ich stand am Fenster und sah mir das Schauspiel an, plötzlich lagen vier gefesselte Männer herum, die erst zehn Minuten später eingesammelt und in Autos verfrachtet wurden. Dann war es wieder still und ich stand staunend da und dachte für mich, das wird mir wahrscheinlich niemand glauben. Am nächsten Tag ging einer der Festgenommenen, ich hatte ihn erkannt, wieder in der Straße auf und ab, scheinbar unbeirrt, als wäre nichts gewesen.

In einer gewissen Zeit, die ich als den Höhepunkt dieser Tragödie in Erinnerung habe, kam es in Abständen von etwa zwei Wochen vor, dass ich oder jemand aus der Nachbarschaft den Rettungsdienst anrufen mussten, um einen im Koma befindlichen, mit verdrehten Augen auf unserer Treppe liegenden blaugesichtigen Süchtigen abzutransportieren. Einmal oder zweimal stand auch ein Leichenwagen vor dem besetzten Haus und Kripobeamte ermittelten kurz.

Es waren auch ein paar junge Frauen unter den Süchtigen, die mehr oder weniger langsam vollkommen zu verelenden drohten. Eine von ihnen setzte sich ihren morgendlichen ›Schuss‹ auf unserer Eingangstreppe sitzend. Manchmal setzte sie sich ihren Schuss in den Oberschenkel, etwas oberhalb des Knies und ich fragte mich, wie sie auf diese Art eine Vene treffen könnte. Dann stand sie auf und wollte gehen und taumelte vor dem Haus auf der Straße herum. Sie stand einfach eine Stunde oder länger da, schwankend, mit geschlossenen Augen, die Arme baumelten herab, die Jeans war bis an den Boden herunter gerutscht, im Slip, die Spritze steckte noch im bleichen mageren Oberschenkel, ein dünner Faden Blut lief herunter, wie eine Statue des kommenden Todes.

Dieser und ähnliche Anblicke waren dann doch zu viel für Alina und für die beiden Kinder, wenn sie das Haus für die Schule verlassen mussten. Die Familie beschloss, für eine gewisse Zeit in ihre ursprüngliche Heimat zu fahren, um Abstand zu gewinnen und alte Freunde und Verwandte zu besuchen. In zwei oder drei Monaten würden sie zurück sein und sich dann, wenn sich nichts geändert hätte, nach einer neuen Wohnung umsehen. Bald danach war ich allein im Haus.

Trotz täglicher Auseinandersetzungen blieb unsere Eingangstreppe Stammplatz für einige Typen. Alte Spritzen, blutige Taschentücher und Spucke auf den Stufen waren fast schon normal. Es kam sogar vor, dass jemand einfach auf den Fußweg geschissen hat, ein oder zweimal sogar auf unsere Steintreppe. Wenn ich morgens aufwachte, hörte ich von der Straße her lautes Gerede, manchmal Streit, immer aber irgendwie aufgeregt.

Eines Tages kam ich mittags vom Einkauf zurück und die Haustür war aufgebrochen, meine Wohnungstür ebenfalls. Wohnzimmer und Küche waren durchsucht worden und es fehlte eine kleine Metallkassette mit etwas Geld. Die sehr wertvollen Saxofone standen an ihrem Platz und wirkten unberührt. Ich rief die Polizei an und zwei Stunden später standen zwei Beamte im Wohnzimmer und sahen sich ein wenig um. Ich bekam den Rat, den Gelddiebstahl der Versicherung zu melden und die Türen rasch zu reparieren. Mit den Saxofonen können die Diebe nichts anfangen, so etwas ist zu auffällig und riskant, meinte einer der Polizisten. Er nahm ein kleines Protokoll auf und gab mir eine Kopie. Mehr war nicht zu tun, es gäbe keine Aussicht auf Erfolg die Täter zu finden, außerdem gibt es in diesen Zeiten zu viele Einbrüche in der Stadt, meinte der Beamte und sie verabschiedeten sich. Das war’s, dachte ich und rief beim Vermieter an.

Am Nachmittag kam ein Handwerker und reparierte die Türen. Er war ein freundlicher, etwas rundlicher Kerl in einem Overall. Er sah sich in der Wohnung um und staunte. Er sprach mit einem starken polnischen Akzent, es klang ähnlich wie ich es aus dem Film vom braven Soldaten Schweyck her kannte. »Scheene Wohnung … ah, du Musik … scheenes Läbben … du allein? … Grosse Wohnung allein? … Bei uns Direktor so grosse Wohnung … aber miet Familie!« Dann plauderten wir noch ein wenig und er ging fröhlich hinaus.

Eine Nachbarin, die etwas weiter vorn in der Straße allein in einem kleinen, etwas zurückgesetzten Haus lebte, war mit ihren Nerven völlig am Ende. Es war in den letzten sechs Monaten bereits viermal bei ihr eingebrochen worden, immer an einem Samstagvormittag, wenn sie gerade einkaufen war. Sie konnte ohne Angst kaum noch aus dem Haus gehen und bat mich um Hilfe. Jeden Samstag saß ich nun also für rund zwei Stunden in ihrer Wohnung und hielt Wache. Sie hatte dafür extra einen kleinen Kuchen gebacken und eine Kanne Kaffee bereitgestellt. Sie suchte dringend eine andere Wohnung und war auch bald erfolgreich und zog erleichtert aus.

Irgendwann kamen regelmäßig zwei Sozialarbeiter von der Behörde vorbei und kümmerten sich ein wenig um die Leute in dem besetzten Haus. Später übernahmen diese Aufgabe zwei sehr engagierte, in diesem Fall in ihrer Freizeit ehrenamtlich tätige Hochschullehrer, ein Ehepaar, das mir ganz gut bekannt war von regelmäßigen Besuchen im Jazzclub. Sie waren sehr rührig und versicherten mir hoch und heilig, dass die Wohnungseinbrüche nicht von unseren lieben Nachbarn aus dem besetzten Haus verübt worden seien, denn in Nachbarhäuser brechen sie niemals ein. Ich war mir da aber nicht so sicher. Ich dachte, dass sie ihre Leute damit in Schutz nehmen wollten, denn kaum jemand will sie als Nachbarn haben und irgendwo müssen diese armen Kranken ja bleiben, da muss man schon ein wenig Nachsicht üben. Sie selbst wohnten glücklicherweise im Parkviertel.

An einem schönen sonnigen Tag im Herbst, die Tage wurden langsam immer ein wenig kürzer, wurde ich früh morgens von starken Geräuschen und lauten Männerstimmen geweckt. Ich ging ans Fenster und sah hinaus. Einige Arbeiter waren damit beschäftigt, ein hohes Gerüst an unserem Haus aufzubauen. Mhm, dachte ich, was soll das denn, mir wurde nichts gesagt davon. Ich öffnete das Fenster und fragte den Vorarbeiter worum es geht. Er reagierte ziemlich barsch und abweisend, offenbar brachte er mich mit der Szene auf der Straße in Verbindung. Er hatte jedenfalls keine Ahnung. Ich rief in der Behörde an, die ja mein Vermieter war, aber dort wusste auch niemand worum es ging, ich solle mich an den Hausmeister wenden. Na gut, dachte ich, also der Hausmeister.

Nach einem Anruf bei ihm kam er am nächsten Vormittag persönlich vorbei. Sein Name war Herr Bullert. Er war der Typ, der grundsätzlich nicht grüßte, sondern sich erst einmal Respekt verschaffen musste, in unserem Fall also:

»Was ist denn das für eine Treppe da … das sieht ja scheußlich aus, finden Sie das richtig?«

»Nein nein«, sagte ich, »ich war es nicht!«

»Na ja … irgend jemand muss den Dreck aber wegscheuern … ich jedenfalls nicht!«

»Ich würde gern wissen, wozu das Gerüst da steht?« Damit wollte ich zum Thema kommen. Er sah mich abschätzend an.

»Es ist so … also … das Haus ist an privat verkauft worden und soll jetzt noch einen neuen Außenanstrich bekommen bevor es übergeben wird … kapito?«

»Ach?«, sagte ich, »Das höre ich jetzt zum ersten Mal!«

»Na, sehen Sie, ich habe es Ihnen jetzt gesagt … Sie haben aber mindesten noch zwei Monate Zeit, bevor Sie raus müssen!«

»Oh! … Das hätte mir aber jemand schon ein bisschen früher sagen können!«, sagte ich.

»Tja, das kommt davon wenn man sich nicht informiert … ihr Künstler, ihr lebt doch sowieso auf einem anderen Stern!«, meinte er, aber es klang nicht nach einem Scherz. Dabei zog er an seiner Zigarette und paffte in meine Richtung.

»Und wann soll das losgehen mit dem Anstreichen?« fragte ich.

»Mal sehen … jetzt sind sie noch woanders … aber so in zwei drei Tagen … ach so, das wollte ich Ihnen auch noch sagen, Ihr Vorgarten da, der gefällt mir überhaupt nicht!«

Damit war für ihn das Gespräch beendet , er tippte sich an die Mütze, grinste ein wenig herablassend und schlurfte von dannen. Ich ging zurück ins Haus.

Die Tage vergingen, irgendwelche Anstreicher ließen sich nicht blicken, erst eine Woche, dann die zweite. Die Situation war unangenehm, im Abstand von ein paar Tagen sah ich jeweils kurz einmal ein Gesicht am Fenster, da war jemand auf dem Gerüst und guckte herein. Ich lebte fortan mit der Anspannung, dass jederzeit ein Einbruch stattfinden könnte. Geld oder irgendwelche wertvollen Dinge hatte ich nicht mehr im Haus, nur die beiden Saxofone. Das Klavier war zu schwer. Eines der Saxofone lagerte ich aus und brachte es zu meiner Freundin, die ein paar Straßen weiter wohnte. Das andere, das ich ja täglich brauchte, versteckte ich so gut es ging im Keller, wenn ich aus dem Haus gehen musste, oder ich nahm es mit, auf dem Fahrrad, in einer Rucksacktasche auf dem Rücken. So fuhr ich also andauernd mit dem Saxofon durch die Gegend. Musikerkollegen, die mich sahen, könnten denken, ah, der hat aber viel zu tun, so viele Auftritte hab ich nicht, fantasierte ich so vor mich hin, oder sie denken, guck mal dieser Angeber.

Nach rund drei Wochen war ich ziemlich genervt und ging zu der Behörde, in der sich das Amt befand in dem die Bekannte von früher saß, die mir die Wohnung damals vermittelt hatte. Sie verriet mir, dass ihr Amt bei dem Vorhaben, über den Häuserkauf und dem sehr günstigen Vermieten der Wohnungen an Künstler und Kulturschaffende, quasi Pleite gegangen sei. Jetzt verkaufen sie die Häuser wieder und hoffen, den Verlust für den Staat nicht so hoch werden zu lassen. Dabei appellieren sie nun an das Verständnis der Mieter und, ach ja, von einer Anstreichaktion an unserem Haus wissen sie nichts, ich solle mich am besten mal an den Hausmeister wenden, der würde mir garantiert weiter helfen.

Nach weiteren vierzehn Tagen, das Gerüst stand nun seit weit über einem Monat lang einladend und ungenützt an unserem Haus, hatte ich den Hausmeister viermal telefonisch über den Anrufbeantworter gebeten, sich bitte einmal bei mir zu melden.

Eines Morgens stand er vor dem Haus und brüllte herauf.

»Hallo! Hallo! … Ist jemand da?«

Ich ging raus und er stand vor mir.

»Sie wollten mich sprechen? Was gibt’s denn so wichtiges, dass Sie mich dauernd nerven und anrufen?«, fragte er , »Ich habe viel zu tun, wissen Sie!«

»Ja, es ist so«, sagte ich, »das Gerüst steht nun seit über einem Monat ungenützt vor dem Haus und ständig glotzt jemand in meine Wohnung, und wir hatten schon einige Einbrüche hier, lässt sich da nicht mal etwas machen?«

»Was meinen sie mit machen … was soll ich denn da machen?«

»Sie könnten das mit dem Anstreichen vielleicht etwas beschleunigen!«, sagte ich.

»Beschleunigen … tzz … sind Sie Handwerker?«

»Was meinen sie damit?«, fragte ich.

»Sind sie Handwerker, oder nicht?«

»Nein, bin ich nicht.«

»Sehen Sie, Sie sind kein Handwerker … Sie verstehen nichts von der Sache, das ist das ganze Problem!«

»Ich lebe aber damit, dass ständig irgendwer vor meinem Fenster hockt und meine Wohnung ausspioniert, das Gerüst ist nahezu eine Einladung für diese Leute, das ist doch kein erträglicher Zustand. Lässt sich denn darauf keine Rücksicht nehmen?«

»Wenn Sie Handwerker wären, oder etwas davon verstehen würden, würden Sie so etwas nicht fragen!«, sagte er leicht genervt.

»Das ist doch auch eine Sache der Planung … Sie sehen doch, was hier in der Straße los ist, jemand könnte es wenigstens versuchen … oder wenigstens die unteren begehbaren Bretter aus dem Gerüst herausnehmen, so dass die nicht so leicht an mein Fenster herankommen!«, sagte ich.

»Sie sind kein Handwerker, reden aber herum, als verstünden Sie etwas davon. Sie gehen mir auf die Nerven, dafür ist meine Zeit zu kostbar … ich habe auch noch andere Kunden … also!«

Damit war für ihn das Gespräch beendet. Er blies seinen Zigarettenrauch in meine Richtung und wackelte breitbeinig davon. Ich dachte noch daran, dass so ein Gerüst wahrscheinlich gemietet ist und dabei über längere Wartezeiten den Vermieter, in diesem Fall also die Stadt, eine Menge Geld kostet, aber das war mir denn auch wurscht.

Am nächsten Tag rief ich noch einmal im Amt an, um mich umzuhören, ob es nicht eine Lösung für mein Problem geben könnte. Es gab aber keine Zuständigkeit dafür und die Mitarbeiterin verwies mich wieder auf den Hausmeister.

»Der Herr Bullert ist einer unserer besten Männer, er ist ein hilfsbereiter, sehr freundlicher Mensch, der sich bestimmt gern dieses Problems annimmt!«, meinte sie.

Sechs Wochen später stand das Gerüst immer noch da und es geschah nichts, außer dass wieder eingebrochen wurde, seltsamerweise aber von hinten. Die Tür zum Garten war aufgebrochen worden und mein Übungsraum unten und die Wohnung der kleinen Familie oben, die zur Zeit nicht erreichbar war, wurden rabiat durchwühlt, die Türen im ganzen Haus arg zerstört.

Der Termin meines geplanten Auszugs aus der Wohnung rückte nun doch näher. Da überraschte mich meine Freundin, wir waren seit zwanzig Jahren ein Liebespaar, damit, dass sie eine Wohnung gekauft hatte, die groß genug sei für uns beide, wir könnten doch einfach zusammenziehen.

Kurz vor Weihnachten packte ich meine wichtigsten Sachen. Die Möbel ließ ich einfach stehen und war bereit zum Umzug. Als letzte Aktion, bevor ich endgültig das Haus verließ, hob ich die Matratzen aus dem Bett, um sie lüften zu lassen. Da lag vor meinen Augen in meinem Bett unter der Matratze eine riesengroße alte Axt mit leicht rostiger Klinge, die ich noch nie im Haus gesehen hatte. Irgendjemand hatte sie irgendwann dort hinterlegt.

Das tote Baby

Das St. Annen Hospital diente gleichzeitig auch als Kloster. In langen Gängen im Dachgeschoss und in einem weitläufigen Kellergang, in einem separaten Abschnitt, befanden sich die karg eingerichteten kleinen Wohnkammern der zahlreichen katholischen Nonnen von einem Orden der Franziskanerinnen, jede für sich allein. Das große alte Backsteingebäude des Haupthauses stammte aus der Zeit um 1900, es wirkte in einigen Abschnitten ein wenig burgähnlich düster. Im vorderen Teil des Gebäudes befand sich eine schöne Kapelle mit einer kleinen Orgel für die sonntäglichen Gottesdienste, auch für Besucher.

Im Kellergeschoss gab es ein streng abgeschirmtes Refektorium, in dem die Nonnen sich gemeinsam zum Essen und anderen Zusammenkünften trafen. Diese Bereiche waren für außenstehende Personen, also für das angestellte Pflegepersonal und andere Bedienstete tabu, sie durften in der Regel nicht einmal einen Blick hinein werfen.

Das Haupthaus und einige verstreute Nebengebäude standen in einem schönen Park mit alten Bäumen, Wiesen und Blumenbeeten. Eines der neueren Nebengebäude beherbergte eine kleinere Wöchnerinnen-Station, die mit dem Haupthaus durch einen geschlossenen kleinen Gang verbunden war. Weiterhin gab es noch ein Häuschen mit der Wäscherei, ein Gartenhaus mit Geräteschuppen und ein paar Wohngebäude, die wie kleine Villen wirkten und einigen Ärzten und dem Geschäftsführer als dauerhafte Unterkünfte dienten. Umgeben war das riesige Parkgrundstück von einer halbhohen Backsteinmauer, der Klostermauer. Der Park war nicht öffentlich zugänglich, es hielten sich also kaum Spaziergänger darin auf, und war von daher ein schöner ruhiger Ort. Hier gab es viele Vögel, Schmetterlinge, Igel, Bienen und sogar ein paar Kaninchen, die friedlich und ohne Scheu herumhoppelten. Das große Haupthaus bildete also das eigentliche Krankenhaus, es verfügte über modern eingerichtete Technik und konnte etwa dreihundert Patienten gleichzeitig aufnehmen.

Wir wohnten zu dritt mitten im Park in einem größeren Raum über der Wäscherei, in der ein paar Frauen tagsüber arbeiteten, immer in dichten Wolken aus weißem Wasserdampf eingehüllt. Aber nach siebzehn Uhr war es still. Drei junge Männer im Alter von Anfang zwanzig, drei Kriegsdienstverweigerer, die ihren achtzehnmonatigen Wehrersatzdienst gleichzeitig absolvierten. Einer davon hieß Rolf, ein sehr belesener, humorvoller Bursche, der Schriftsteller werden wollte. Der zweite, er hieß Ansgar, bekannte sich als ein sehr gläubiger Christ, der einer strengen Sekte angehörte. Und der dritte war ich, ein lustloser Fachverkäufer für Büromaschinen.

Wir verstanden uns sehr gut und hatten viel Spaß miteinander und nie ernsthaften Streit. Rolf, der angehende Dichter, half uns oft mit literarischen Anregungen geistig auf die Sprünge. Ich las Joyce, Beckett, Genet, Elias Canetti, die amerikanischen Beatniks Jack Kerouac, Allen Ginsberg und andere, das tibetanische Totenbuch, die Kunst des Bogenschießens, und sogar Lyrik, Mascha Kaléko, Walt Whitman, Emily Dickinson und einige mehr, alles auf seine Anregung hin. Das hat sehr stark mein weiteres Leben geprägt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Unser Dichter konnte kein Blut sehen, er entpuppte sich als zart besaitet und wurde deshalb der Assistent von dem fest angestellten Gärtner, der den Park pflegte. Die beiden buddelten den ganzen Tag lang immer irgendwo herum. Ansgar, der fromme Christ, war ein äußerst ruhiger, fast stiller Typ, der nie laut wurde oder aufgeregt erschien, sehr bescheiden auftrat und in seiner Rolle als Hilfspfleger auf der Station für Innere Medizin aufopfernd hilfsbereit wirkte. Er war kein fröhlicher Mensch, aber auch niemals schlecht gelaunt. Ich lag irgendwie so dazwischen.

Es war die Zeit der Beatles, Bob Dylans, des aus den USA herüberschwappenden Free-Jazz, der Hippies und der politischen Radikalisierung, zuerst unter den Studenten. Wir schrieben das Jahr 1966. Unser Dichter Rolf trug bereits lange Haare, was aber niemanden störte, da er ja im Park wohnte und auch dort arbeitete.

Der Haupteingang zum Krankenhaus in der Mitte vom Haupthaus lag an einer öffentlichen Straße nahe der Innenstadt. Besucher kamen über eine breite Außentreppe mit wenigen Stufen hinein ins innere Treppenhaus und zu den Fahrstühlen links und rechts. Nach links ging es dann in die langen Flure der Krankenstationen der Chirurgie, nach rechts in die der Inneren Medizin, je eine Station pro Stockwerk, das Haus war vierstöckig, darüber das Dachgeschoss mit den Zellen der Nonnen.

Die Küche, in der sämtliches Essen zubereitet wurde, befand sich in einem riesigen gekachelten Kellerraum. Nicht sehr weit davon, am Ende eines vierzig Meter langen, schlecht beleuchteten Ganges, lag die kleine Leichenhalle mit einem Aufbahrungsraum daneben und einem Obduktionsraum, zusammengenommen wurde dieser Trakt das Leichenhaus genannt. In einem anderen Teil des weitläufigen Kellertraktes gab es einen Raum mit einer großen Kohleheizung, die Tag und Nacht von einem rußigen Mann geführt wurde, der nachts einen winzigen Schlafraum neben der Heizung bewohnte und wöchentlich von einem zweiten Heizer abgelöst wurde. Die Heizer hielten sich dort immer bei tropischen Temperaturen auf.

Es arbeiteten eine große Anzahl Krankenschwestern und Ärzte und anderes Personal im Haus, die als Voraussetzung für eine Anstellung nicht unbedingt katholisch sein mussten, es befanden sich auch einige muslimische Ärzte darunter. Die Nonnen bildeten jedoch den Kern des Ganzen, sie stellten in jeder Abteilung, ob Küche oder Krankenstation jeweils die Leiterinnen, Stationsschwestern, leitenden Op-Schwestern und in der Verwaltung den Vorstand. Nur in medizinischen Dingen hatten die Ärzte das letzte Wort, jedenfalls in der Regel. Es lebten nur ganz wenige relativ junge Nonnen in diesem Kloster, die meisten anderen erschienen aus meiner Sicht bereits ziemlich alt, teilweise sogar greisenhaft, wirkten aber noch recht vital und sehr durchsetzungsfähig. Sie hatten jahrzehntelange Erfahrungen in der Krankenpflege und oft kaum jemals etwas anderes gemacht. Wir sahen sie nie anders als in ihrer Ordenstracht, schwarzes Gewand mit weißer Schürze, das dicke helle Seil um die Hüfte geknotet, das an den heiligen Franziskus in seiner Armut erinnern sollte, und die Haube auf dem Kopf, die kurzgeschorenen Haare streng bedeckt, so dass nur Gesicht und Hände sichtbar waren. Aus dem Haus gingen sie nie, sie arbeiteten den ganzen Tag, gingen in ihre Kammern, trafen sich im Refektorium und in der Kapelle. Selbst im Park sah man sie selten. Sie lebten ein strenges, arbeitsreiches, karges Leben in selbstgewählter Armut und für uns auch zum Teil im Verborgenen.

Ich wurde als eine Art Hilfspfleger auf einer der chirurgischen Männerstationen eingesetzt. Bis dahin hatte ich nur wenig Erfahrung im Umgang mit Krankheit und Tod gemacht, nur den Tod meiner Großeltern vor einigen Jahren hatte ich erlebt. Ich war also erst einmal ziemlich ängstlich und gespannt darauf, was mich erwarten würde.

Als ich gleich am zweiten Tag nach meiner Ankunft am frühen Morgen meinen Dienst antrat, bekam ich einen weißen Anzug aus Leinen und eine weiße Schürze, die Arbeitskleidung für die Krankenpfleger, die ich sofort anzog. Dann schickten sie mich zu der Nonne Schwester Lebuina, der Stationsschwester der ›Ersten chirurgischen Männerstation‹. Schwester Lebuina war ungefähr Mitte siebzig und sehr beleibt und bewegte sich schwer atmend und sehr langsam. Dies nutzte ich später oft aus, wenn ich von ihr nicht in Anspruch genommen werden wollte, indem ich mich ihr rasch auf leisen Sohlen von hinten näherte und in dem Moment, wo sie etwas hörte und sich danach langsam umdrehte, hinter ihr davoneilte und bereits außer Sicht war, wenn sie sich zurückgedreht hatte.

An diesem ersten Morgen musterte sie mich mit strengem, beinahe durchdringendem Blick. »Na gut«, sagte sie nach langen Sekunden, »ich glaube, du bist ein guter Mensch, wir versuchen es mal miteinander! Wie heißt du?« Ich nannte ihr meinen Namen, Dieter Tönsmeier. »Mhm«, sagte sie, »das ist mir zu kompliziert … für mich heißt du ab jetzt Peter … also Tönspeter … ich fand diesen Namen Peter immer so schön … hätte ich einen Sohn gehabt, er hieße Peter … also gewöhne dich daran. Wenn ich laut Tönspeter rufe, bist du gemeint … gut? Komm, ich zeig dir, was du machen kannst!« Ich ging mit und versuchte ihr dabei zu vermitteln, dass ich keine Ahnung hätte, ob ich überhaupt Blut sehen könne und dergleichen. Sie blieb stehen, sah mir durch ihre scharfe Brille kurz und eindringlich in die Augen, sagte dann, »Quatsch … du Dummerchen!«, und schlurfte weiter.

Meine erste Amtshandlung war das Ausleeren und Spülen der Urinflaschen, der ›Enten‹, wie sie genannt wurden, die an den Bettgestellen einiger Patienten hingen. Das geschah jeweils morgens, mittags und abends, also dreimal am Tag. Dann kam das Bettenmachen, Kopfkissen und Bettdecken ausschütteln und Bettlaken glätten, mindestens zweimal am Tag. Zwischendurch musste ich frisch gewaschene Stoffbinden glätten und aufrollen, sie wurden damals noch gewaschen und mehrfach benutzt. Dann sollte ich Kranke mit dem Rollstuhl zum Röntgen, zum Klo oder durch den Park kutschieren. So lernte ich die Patienten auf der Station und das Krankenhaus mit seinen Einrichtungen kennen.

Es lagen vierzig bis fünfzig Männer und Jungen auf unserer Station, die damals noch zum Teil in Räumen mit bis zu zehn oder zwölf Mann untergebracht wurden. Neben Schwester Lebuina arbeiteten auf dieser Station ein Stationsarzt und zwei weitere, weltliche Krankenschwestern, die sich um das Verteilen von Medikamenten und andere pflegerische Maßnahmen kümmerten. Die einfachsten Arbeiten waren, so weit es ging, mir vorbehalten. Diese Schwestern bemühten sich nicht viel um mich, wir hatten aber ein gutes Verhältnis zueinander, sie verhielten sich nie wie Vorgesetzte. Auch der Stationsarzt, ein junger Iraner, verhielt sich fast freundschaftlich zu mir und stellte keine Forderungen. Manchmal half ich ihm etwas, wenn er mit der deutschen Sprache nicht richtig zurechtkam und er erklärte mir oft medizinische Dinge im Zusammenhang mit unseren Patienten, damit ich ein besseres Verständnis von allem bekam. Dafür war ich ihm dankbar.

Es gab drei fest angestellte männliche Pfleger im gesamten Haus. Zwei davon eilten ständig auf den verschiedenen Männerstationen hin und her, oben und unten und im ganzen Haus im Einsatz. Der älteste und erfahrenste der drei kümmerte sich gelegentlich um mich, gab mir Tipps für die Arbeit und klärte mich über Gepflogenheiten im Umgang mit Patienten und Ärzten auf. Meine Stationsschwester Lebuina blieb quasi immer meine Meisterin. Sie erklärte mir nie etwas zu dem was ich machen sollte, sondern gab nur kurze Anweisungen. Sie gab sich dabei sehr bestimmend, aber nicht unfreundlich. So wurde ich gezwungen nachzudenken, zu improvisieren und zu korrigieren. Das erschien mir am Anfang ziemlich nervig, schuf aber zunehmend Spielraum für eigene Handhabungen und Zeiteinteilung bei meinen Aufgaben. Etwas heiklere Arbeiten, wie kleine Verbandswechsel, Einläufe machen oder Streckverbände neu ausrichten, das zeigte mir meist der ältere Pfleger, und nach mehrmaligen Probeläufen konnte ich bald auch so etwas.

Etwas längere private Gespräche zwischen Schwester Lebuina und mir entwickelten sich erst viel später, als sich meine Dienstzeit langsam dem Ende näherte. Dabei erzählte sie mir einmal, dass sie das jüngste von zehn Geschwistern war und von den Eltern quasi der Kirche ›geopfert‹ wurde, in dem sie Nonne werden sollte, was sie dann als ihr Schicksal akzeptiert und nie bereut hat. Einmal zeigte sie mir sogar, als sie ihre Haube vom Kopf nahm weil irgend etwas zwickte, ihre kurz geschorenen Haare. »Du erzählst aber niemandem davon, hast du gehört!«, sagte sie und lächelte verschmitzt.

Seltsamerweise hatte ich von Beginn an keinerlei Ekel oder besondere Abneigung gegen den Umgang mit Urin, Kot oder Blut und dem Anblick von Krankheit und Tod. Ich war davon selbst überrascht. Später erklärte ich es mir damit, dass einerseits eine Art Geborgenheit in der professionellen Krankenhausatmosphäre so etwas wie einen Schutzschirm bildete und andererseits mein jugendliches Alter die Gründe dafür gewesen sein müssten. Mit einundzwanzig Jahren hatte ich mit Alter, Krankheit und Tod nichts zu tun, es betraf mich irgendwie nicht, das war etwas für andere. Vielleicht habe ich es so empfunden, so naiv.

Schwester Lebuina machte im Grunde keinen Unterschied zwischen den fest angestellten, gut ausgebildeten Pflegern und uns Wehrdienstverweigerern. Wenn es mir manchmal etwas zu weit ging und eigentlich meine Kompetenzen überschritt, was sie von mir verlangte, versuchte ich es ihr zu erklären. Ich fand aber nie heraus, ob sie es nicht begriff oder nicht begreifen wollte, oder ob sie einfach nur meinen Horizont zu erweitern suchte, indem sie schwieg und ich es allein herausfinden musste.

Als ich erst eine Woche bei ihr in Diensten war, gab es einen Todesfall auf der Station, ein normaler Vorgang. Sie sagte zu mir, kurz angebunden wie immer, »Hol’ dir Hilfe und bringt den Mann nach unten!« Ich rief einen weiteren Pfleger dazu und lernte, mit Herzklopfen und ängstlichem Vorbehalt, wie wir den Toten ein kleines Pappschild mit ihrem Namen darauf um den großen Zeh binden und sie in ein Laken wickeln, abtransportieren und unten in der Leichenhalle in einer Blechwanne ablegen, Kühlräume gab es noch keine. Das gehörte damals zu den Aufgaben der Pfleger, die Verstorbenen mit einer rollenden Trage von den verschiedenen Stationen abzuholen, in den Keller zu bringen und in den Tagen darauf an die Bestattungsinstitute auszuliefern, im Durchschnitt etwa einmal am Tag. Es wurde bald zur Routine, und nach und nach übernahm ich immer mehr auch solche Arbeiten, die normalerweise den Profis vorbehalten waren. Das hieß dann, ich war nicht mehr nur auf meiner Station tätig, sondern im ganzen Haus unterwegs.