Das jadegrüne Schaukelpferdchen - Romy Bach - E-Book

Das jadegrüne Schaukelpferdchen E-Book

Romy Bach

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Beschreibung

Eine junge Schmuckdesignerin, zwei Juweliere, eine Polizeibeamtin, ein Architekt. Sie alle leben in einer beschaulichen Kleinstadt. Sie alle haben Dunkles erlebt. Sie alle hoffen nun auf ein ruhigeres Leben. Doch ihrer aller Leben wird nicht so beschaulich bleiben. Böse Gestalten lauern im Verborgenen und schon bald müssen sie begreifen, dass man auf alles gefasst sein muss. Werden sie gemeinsam auch die schwersten Prüfungen überstehen? Können sie sich gegenseitig mit den Geheimnissen ihrer Vergangenheit vertrauen? Und werden sie sich doch am Ende das Leben schaffen können, nach dem sie sich sehnen? Eine emotionale Reise begleitet die Bewohner einer Kleinstadt durch die Abgründe schrecklicher Erlebnisse, doch auch durch all die Momente der Menschlichkeit, die sie einander schenken können.

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Seitenzahl: 625

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2023 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99146-338-2

ISBN e-book: 978-3-99146-339-9

Lektorat: Caroline Siewert

Umschlagfotos: Jkerrigan, Jovani Carlo Gorospe, Virgokishore | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Kapitel 1

Schön sah es nun beim eben fertiggestellten kleinen Häuschen neben dem neu gestalteten kleinen Park aus. Von den vier Bäumen, welche neben dem Häuschen gestanden hatten, waren jetzt noch drei zu sehen. Der kränklich aussehende Baum war weggenommen worden, so wie auch die Erde, welche zuvor mit einem leicht gelben Rasen die Bäume umgeben hatte. Dafür waren bei den verbliebenen Bäumen buntfarbige Funkien gepflanzt worden.

Die Samen vom neu ausgesäten Rasen keimten schon. Ein leicht grüner Hauch bedeckte die frische Erde. Auch neben dem grossen Parkplatz waren Büsche ausgetauscht worden. Goldgelb blühender Winterjasmin hatte die Dornenbüsche mit ihren spitzen Stacheln abgelöst.

Heute endlich sollte jetzt auch dieser Zaun mit den hohen Gittern weggenommen werden. Eine so lange Zeit hatte dieser Zaun das Häuschen beschützen müssen.

Darum waren die beiden Juweliere Ralf Keller Senior und Junior mit dem Mini-Van hergefahren. Denn sehr bald sollte in diesem neu gestalteten Häuschen die neue Filiale von ihrem Juweliergeschäft eröffnet werden.

Im Innern waren fleissige Hände dabei, die letzten Zierelemente am richtigen Ort anzubringen. Alles sah schon sehr edel aus. Nur der kostbare Schmuck, der lagerte noch im Tresor. Die beiden Juweliere waren überrascht, wie friedlich es nun hiergeblieben war.

Gleich, nachdem die Umgebung neugestaltet worden war. Keller Senior hatte sich genau an die Vorgaben gehalten, welche ihm überreicht worden waren.

Nun fuhren auch schon die Mitarbeiter von Sam von Burg vor. Diese Männer begannen gleich, ein Gitterelement nach dem andern abzubauen und auf den LKW zu verladen.

Endlich, nach so langer Zeit, war das schmucke Häuschen wieder frei zugänglich.

Schon fuhr auch Sam von Burg vor und begrüsste seine Mitarbeiter. Auch Sam staunte, wie friedlich es hier jetzt war. Er eilte nach hinten, zum neu gestalteten Rasen. Er blieb ergriffen stehen, denn diese Ruhe dort, die hatte er nicht erwartet.

Schon trat Ralf Keller Junior zu Sam von Burg. Er begrüsste diesen und schon fuhr auch der Senior mit dem Rollstuhl zu ihnen heran. Auch diese Begrüssung war sehr herzlich.

«So, bald ist auch dieser Rest vom Zaun weg. Bald werden die Menschen bei Ihnen

ungehindert vorbeikommen können. Ich hoffe so sehr, dass es hier nun so friedlich bleibt, wie es in diesem Moment ist», meinte Sam zu den beiden Juwelieren. Denn an die vergangene Zeit wollte sich niemand zurückerinnern.

Jetzt begaben sich die drei Männer ins Innere des Häuschens. Sam wollte sich auch von diesen Arbeiten im neu gestalteten Innern ein Bild machen. Seine Frau Emma hatte die Innengestaltung gezeichnet. Ein sehr begabter Tischler hatte mit seinem Lehrling alle Arbeiten mit den sehr edlen Hölzern übernommen. Nun waren die letzten Arbeiten mit den kostbaren Schmuck- und Zierelementen im Gange. Bald würde auch das neue, grosse Schaufenster ganz gestaltet werden können. Sam war mit den Arbeiten sehr zufrieden. Auch die beiden Kellers waren sehr erfreut. Es hatte sich gelohnt, dass sie dem Architekten von Burg den ganzen Umbau in Auftrag gegeben hatten. Sicher, es gab Momente, an die sich niemand zurückerinnern mochte. Doch jetzt galt es, nach vorne zu schauen.

«Wann denken Sie, von Burg, werden die bestellten, kleinen Häuschen geliefert werden?», fragte nun Keller Junior. «Oh, wenn Sie das möchten, kann der Aufbau von diesen schon morgen beginnen. Alles ist bereit und es sind ja alles nur Elemente, welche zusammengefügt werden müssen. Es sind zwölf Häuschen, zu beiden Seiten vom hinteren Teil des Parkplatzes, wo diese ja zu stehen kommen werden. Mein Stellvertreter wird diese Aufbauarbeiten überwachen. Anton Siegfried hat schon alle von Ihnen bestellten Bäumchen reserviert. Der Oberförster wird Ihnen auch reichlich Tannen- und Fichtengrün anliefern, sodass die Aussteller alles reichlich damit verschönern können. Sie beide müssen nur das OK dazugeben, wann diese Arbeiten beginnen sollen.»

«Was meinst du, Ralf, ab der kommenden Woche, oder ist das zu früh?»

«Nein, ich denke, dass dies genau richtig ist. So haben alle genug Zeit, um ihr Häuschen einzurichten und zu gestalten. Du hast ja alle Aussteller besucht, Papa, hast ihre Arbeiten alle angesehen. Ich denke, dass es ein schönes, feines Fest gibt, zur Eröffnung von unserem Geschäft. Von Burg, Sie und Emma kommen doch sicher auch schon am Vorabend der Eröffnung bei uns hier vorbei? Wir haben alle eingeladen, die bei dem Umbau und der Neugestaltung mitgeholfen haben. So, dass wir für Sie auch genug Zeit finden, um Ihnen alles genau zu zeigen. Hier, ich gebe Ihnen schon mal diesen Umschlag mit. Bitte bringen Sie auch Emma mit. Sicher wird sich Ihre Nanny in dieser Zeit um die beiden Kinder kümmern.

Es würde uns sehr freuen, auch Emma begrüssen zu dürfen. Denn es ist doch schon ein Weilchen her, seit ich Emma und die Babys besucht habe. Ich hoffe, dass sich alle gut erholt haben? War ja für uns alle eine grosse, unverhoffte Überraschung, dass Sie schon so früh Eltern geworden sind. Emma war ja bis zur letzten Stunde sehr aktiv.»

«Danke sehr für Ihre Einladung. Emma wird sich sehr freuen. Ja, es geht allen gut und ich bin froh, dass es bis jetzt so friedlich geblieben ist. An das Vergangene wollen wir nun nicht mehr zurückdenken. Emma wird sicher unser Kommen bei Ihnen noch bestätigen. Verbleiben wir also so, dass die besprochenen Aussenarbeiten ab dem kommenden Montag beginnen. Ich werde meine Mitarbeiter, Anton Siegfried und den Oberförster in diesem Sinne informieren. Ich hoffe, dass es hier auch ohne diesen Zaun friedlich bleibt.»

Sam verabschiedete sich nun von den Juwelieren und eilte zu seinem Wagen zurück. Er wollte schnell bei Emma und den Kindern in der alten Mühle vorbeisehen. Auch wollte er Emma die Einladung gleich abgeben. Sie würde sich freuen, wenn er ihr sagte, dass dieser grässliche Zaun jetzt endlich weg war. Er würde Antonia sagen, wie friedlich es jetzt hier war. Denn sie hatte Keller Senior den Anstoss gegeben, damit er die Umgebung neugestalten liess. Alles Belastende war jetzt nicht mehr zu sehen und zu fühlen.

Kapitel 2

Emma hatte sich etwas hingelegt, eben hatten die beiden Babys bei ihr getrunken. Doch auch dies strengte Emma nach dieser Not-OP noch immer sehr an. Sicher, es war nur drei Wochen her, seit Tonia sie an jenem frühen Morgen in rasender Fahrt zur Klinik Waldsee gefahren hatte. Die nachfolgende Not-OP rettete den kleinen Jonny vor dem Ersticken durch seine Nabelschnur. Er hatte sich darin verfangen, Eile war angesagt gewesen. Doch nun waren er und seine kleine Schwester Olga gut erholt. Seit gut zwei Wochen war Emma mit den beiden Babys in der Mühle wieder zu Hause. Antonia Grob, die eingestellte Nanny, kümmerte sich gut um Emma und die beiden Babys. Sie schaute sehr darauf, dass sich Emma immer wieder hinlegte. Denn es war für Emma nicht leicht gewesen. Erst diese Not-OP und was ihr danach von Sam und Antonia schonend gesagt worden war.

Denn genau in dieser Zeit, als die beiden Babys das Licht der Welt erblickten, war auf Sam von Burg ein Anschlag ausgeführt worden, der von langer Hand geplant gewesen war.

Die verfrühte Geburt der Babys und der anschliessende Anruf bei Sam durch Antonia retteten Sam vor diesem schrecklichen Anschlag. Doch diese schlimmen Bilder, welche gleich um die Welt gingen, vergass Emma nicht. Sie war dankbar, dass Antonia so gut zu ihr und den beiden Kindern sah.

Auch Sam war dankbar, dass Tonia bei Emma war, denn so konnte er etwas unbesorgter seiner Arbeit nachgehen. Sicher, er war jetzt noch vorsichtiger geworden. Doch bis jetzt war alles ruhig geblieben. Alle hofften nun, dass dies so bleiben würde.

Emma erholte sich nur langsam, doch wurde es mit jedem Tag etwas besser. Seit Tonia ihr diese neuen Tropfen gebraut hatte, fühlte sie sich jeden Tag besser. Seit einigen Tagen begleitete Emma nun auch wieder Sam, wenn dieser die Hündin ausführte. Die Bewegung an der frischen Luft tat Emma gut. Denn sie war ja zuvor auch immer mit der Hündin Gassi gegangen.

Ursi, die Dobermann-Hündin, bewachte die Wiege der Kinder, seit Emma mit den Babys hergekommen war. Gleich, wenn sie vom Gassi Gang zurück im Hause war, legte sich Ursi wieder vor die Wiege. Diese stand jetzt ja im neu eingerichteten Kinderzimmer. Die Wiege war so gross, dass beide Babys gut darin Platz fanden. Tonias Zimmer war gleich gegenüber, sodass sie sehr schnell bei den Kindern war, wenn diese sich bemerkbar machten. So konnte auch Sam die ungestörte Nachtruhe geniessen. Auch wenn Emma immer ein Baby zu sich ins Bett holte, dass es bei ihr trinken konnte, hatte Sam einen gesunden Schlaf und erwachte nur selten.

Nun schienen sich beide Kinder an den neuen Ablauf beim Trinken gewöhnt zu haben. Sie bekamen nur noch am späten Abend und dann am frühen Morgen bei Emma zu trinken. Sonst mussten sie sich an das Fläschchen gewöhnen, denn die Milchbar bei Emma schien langsam zu versiegen.

Jetzt hoffte Emma, dass sie bis zur Eröffnung des Juwelierladens wieder fit sein würde.

Denn Emma hatte es sich so lange schon gewünscht, dass sie das Geschäft ohne diesen schrecklichen Zaun würde betreten können. Das schien jetzt in greifbare Nähe zu rücken.

Emma hatte jetzt auch fast den ganzen Haushalt wieder selbst übernommen. Nur die schweren Körbe mit Holz oder der nassen Wäsche, die hob Emma noch nicht. Doch die von allen geliebten Brötchen, diese buk Emma jetzt wieder selber. Auch die meiste Schreibarbeit im Büro von Sam erledigte Emma jetzt wieder. Denn es hatte sich doch so einiges dort angesammelt, als Emma in der Klinik lag.

Jetzt sahen sich Emma und Sam jeden Tag einige von den Glückwunschkarten an, welche Sam und Antonia von den Blumengeschenken abgenommen hatten. Aus aller Welt waren Glückwünsche eingetroffen. Doch bei allen Umschlägen war Emma vorsichtig. Auch galt es jetzt, die so reichlich eingegangenen Geschenke und Päckchen zu öffnen. Doch auch bei dieser Arbeit war grösste Vorsicht angesagt. Denn niemand wusste, was da im Innern lauern konnte, wie beide nur zu gut wussten.

Kapitel 3

Es war Anfang August gewesen, Ralf Keller Junior war mit seinem Vater mit dem Minivan unterwegs gewesen. Es war drückend heiss, Keller Senior klagte über grossen Durst. Doch die gewohnte Strasse, welche sie immer befahren hatten, war an diesem Tag wegen eines Unfalls gesperrt. So kamen sie auf dieser doch ungewohnten Strasse an einem kleinen Café vorbei. Hier hielt Keller Junior an, denn der Senior musste sehr dringend nach einem WC-Ausschau halten. So schob Ralf Junior seinen Vater mit dem Rollstuhl gleich zur WC-Anlage hin. Dort würde der Senior selber zurechtkommen. Der Junior eilte in den Gastraum und bestellte dort für sich und seinen Vater schon die Getränke.

Eine junge Frau war in der WC-Anlage an der Arbeit. Sie sah den älteren Mann im Rollstuhl und nahm sich vor, ein Auge auf ihn zu haben. Er schien alleine zu sein. Später rollte der Mann auf den Flur. Er schien nach etwas zu suchen. Da trat Stella zu diesem Mann hin und fragte, ob er etwas verloren habe, ob sie helfen könne? «Ja, ich habe wohl meine Brille in der Kabine verloren, die muss aus meiner Tasche gefallen sein. Wenn Sie so freundlich wären und dort in der 3 nachsehen könnten für mich?»

Stella eilte hin und fand schnell die gesuchte Brille. Als sie diese dem Rollstuhlfahrer brachte, stand dort die jüngere Ausgabe vom älteren Mann neben dem Rollstuhl. Ralf Keller Junior war nach seinem Vater sehen gegangen, welcher recht lange ausgeblieben war.

Stella überreichte die gefundene Brille und wollte sich gleich entfernen. Doch der Senior rief Stella zurück und drückte ihr einen Schein und ein Kärtchen in die Hand. «Danke, dass Sie für mich auf die Suche gingen, ich bin froh, dass ich meine Brille jetzt wieder habe. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.» Danach entfernten sich die beiden Männer, denn der Senior wollte jetzt doch schnell seinen Durst stillen gehen. Im Gastraum war es angenehm kühl und so blieben Kellers länger, als sie vorgehabt hatten.

Sie hörten, dass jemand mit der Reinigungsfrau sprach. «Stella, können Sie für mich einspringen? Mein Mann hat sich verletzt und wurde in die Klinik gefahren. Ich muss dringend zu ihm.»

«Ja, wenn die Chefin nichts einzuwenden hat, übernehme ich hier für Sie. Wie lange werden Sie weg sein?»

«Oh, das ist ungewiss. Es reicht wohl nicht mehr, um zurückzukommen. Doch morgen sollte ich wieder hier sein. Danke, dass Sie für mich hier übernehmen.»

So war es dann Stella, die sich schnell umgezogen hatte und nun im Gastraum bediente. Endlich bezahlten auch Kellers die Getränke. Da sagte der Senior: «Sie sind wohl heute hier der rettende Engel, ja?»

«Wenn jemand mich um Hilfe bittet, sage ich selten nein. Ich wurde selber alleine gelassen und weiss, wie sehr das schmerzt.»

Der Senior hatte den traurigen Blick dieser Frau bemerkt und dachte für sich, dass diese wohl auch Schlimmes erlebt habe. Er hatte aber auch den schönen Halsschmuck gesehen, welchen diese Frau nun trug. Ralf Senior nahm sich vor, nach dieser Stella zu fragen, wenn er morgen alleine sein würde. Denn dieser traurige Blick hatte ihn tief berührt. Er schob die Kassabelege in seine Tasche und liess sich von seinem Sohn in den Minivan schieben. Ja, er würde morgen bei diesem Café anrufen und nach dieser Stella fragen.

Doch erst einige Tage später fand der Senior Zeit, um sich nach Stella zu erkundigen.

Ihm wurde berichtet, dass Stella hier in ihrer Freizeit als Reinigungskraft angestellt sei, jedoch bei Notfällen auch sonst überall aushelfen würde, da sie auf diese Einkünfte angewiesen sei wegen ihres Studiums. Leider reiche der Nebenverdienst, den sie mit ihren Schmuckkreationen verdienen würde, sonst nicht aus. Da hatte Keller Senior also richtig gesehen, denn der Halsschmuck dieser Frau war ein Unikat. Er erbat sich die Anschrift von Stella und bedankte sich für die Auskunft. Keller Senior schrieb gleich danach einen längeren Brief. Denn er wusste, dass in der neuen Filiale auch Schmuckstücke für die jüngere Generation gefragt sein würden.

Er bat diese Frau Klein, dass sie sich doch melden solle, da er sehr an ihrem Schmuck interessiert sei. Ob sie sich vorstellen könne, für ihn eine kleine Kollektion zusammenzustellen? Doch vermied es der Senior, zu erwähnen, wo er ihren Halsschmuck gesehen hatte.

Stella war schon etwas überrascht, als sie den Brief las. Denn da war ja die Anschrift von diesem sehr angesehenen Geschäft vermerkt.

Nach reichlichem Überlegen griff Stella zum Handy und rief bei der aufgedruckten Nummer an. Sie hatte Glück, Keller Senior meldete sich gleich. Er war erfreut, zu hören, dass Frau Klein gerne für ihn eine kleine Kollektion zusammenstellen und her senden würde.

Dies war ihre Rettung, denn fast das ganze Gehalt war aufgebraucht. Die Zahlung für das neue Semester war auch fällig. Stella blieb keine andere Wahl. Doch sie brauchte diesen Abschluss, ohne diesen würde sie bald auf der Strasse sein.

Keller Senior war sehr überrascht von dieser doch sehr schön geschaffenen Arbeit. Ja, das war genau das, was er sich vorstellte. Genau dieser Schmuck fehlte noch bei ihnen in der Auslage im neuen Geschäft.

So erkundigte sich Keller Senior gleich, wie viele Stücke Stella im Vorrat habe. Er teilte ihr mit, dass er sehr gerne ihre Arbeiten in seiner Auslage anbieten würde. Ob es Frau Klein möglich sei, sich in nächster Zeit bei ihm vorzustellen? Ob es möglich sei, dass sie schon einige Stücke mitbringe? Er würde sie gerne mit einem Vertrag absichern.

Stella hörte sich die Wünsche dieses Mannes an, sie musste keine Minute überlegen. «Ja, ich komme morgen um 14 Uhr bei Ihnen vorbei und bringe gleich alles mit, was ich im Vorrat habe.» Stella hoffte, dass der Juwelier ihr schon einige Stücke abkaufen würde. Denn so konnte sie den fälligen Betrag für die Uni noch fristgerecht bezahlen.

Stella behielt nur drei Stücke für sich zurück. Die übrigen Teile verpackte sie sorgfältig. Sie hoffte so sehr, dass sie den Abschluss schaffen würde. Denn sie wollte ja nicht immer davon leben müssen, WCs zu reinigen und in der Küche zu arbeiten.

Am Abend brachte Keller Senior die ihm zugesandten Schmuckstücke in die Wohnung seines Sohnes. Dieser war sehr überrascht von der Schönheit dieser Teile. Er wollte schnell wissen, wer solchen Schmuck herstellen würde. Er dachte gleich wie Keller Senior. Sie mussten auch für die jüngere Kundschaft etwas im Angebot haben. «Vater, ich möchte so was bei uns in der Auslage aufnehmen. Kannst du das für mich besorgen? Denn sehr bald werden wir mehr davon benötigen. Diese Arbeit ist so schön geschaffen.»

«Ja, das dachte ich auch, als ich diese Teile sah. Darum wird mich Frau Klein morgen nach dem Lunch besuchen kommen. Ich hoffe, dass sie mir noch einige Teile aus ihrem Vorrat mitbringt. Ralf, ich möchte Frau Klein gerne einen Vertrag anbieten, siehst du dies auch so? Wir sollten schnell sein, bevor uns jemand zuvorkommt.»

«Papa, sei vorsichtig, ich möchte diese Frau erst ansehen, danach sprechen wir darüber. Doch ich denke, dass wir schon den Vertrag vorbereiten lassen sollten. Dieser ist ja dann schnell fertiggestellt. Doch dieser Schmuck gefällt mir sehr. Sehen wir uns also diese Frau Klein zusammen an und schauen, was sie uns vorlegen wird.»

Keller Junior war erstaunt, als er sah, wer da vor ihnen stand. Erst bei genauem Hinsehen erkannte er die Frau, die seinem Vater die Brille aus der WC-Anlage geholt hatte.

Doch er hielt sich mit Fragen zurück und bat Frau Klein ins Haus. In der Wohnung von Keller Senior hatten sie sich verabredet. Kellers waren sehr überrascht, zu hören, dass Frau Klein die Kunstfachschule besuchte und mit Reinigungsarbeiten ihren Lebensunterhalt verdiente.

«In meiner sehr seltenen Freizeit fertig ich dann diese Schmuckstücke an. Denn es ist genau dies, was ich am liebsten tue. Hier habe ich für Sie meinen Vorrat mitgebracht. Ich hoffe, dass Ihnen diese Teile gefallen.»

Beide Männer sahen sich nur kurz an, dann meinte der Junior: «Frau Klein, wir möchten Ihnen einen Vertrag anbieten. Wir sind sehr an Ihren Arbeiten interessiert. Können Sie sich vorstellen, dass Sie für uns solche Schmuckstücke herstellen könnten? Gerne möchten wir auch der jüngeren Kundschaft solch schöne Unikate anbieten. Gerne möchten wir auch den vorliegenden Schmuck gleich erwerben. Haben Sie sich überlegt, was Sie dafür haben möchten?»

Keller Senior nickte nur. Doch Stella schloss die Augen und zog eine Preisliste aus der Tasche: «Hier sehen Sie, was ich für meine Arbeiten verlange. Ich hoffe, dass das Ihren Vorstellungen entspricht?» Beide Männer besahen sich nun die Preisliste. «Frau Klein, wir legen Ihnen für Ihre gesamten vorliegenden Arbeiten das Doppelte hin. Ich hoffe, dass dies für Sie in Ordnung ist? Papa, ich hole gleich das Geld her. Wenn du schon alles zusammenrechnen könntest, ja?»

Keller Junior brachte eine grössere, mit Samt ausgeschlagene Schmuckbox ins Zimmer. Er zog sich weisse, feine Handschuhe über und besah sich alle Stücke, bevor er diese vorsichtig in die Box legte. Dazwischen legte er immer ein Samtstück, sodass nichts zerkratzt wurde. Stella legte die eine Hand auf ihr Herz, ein stilles Dankesgebet vor sich hersagend. Sie wusste, dieser Betrag würde für all dies reichen, was noch ausstehend war. Eine kleine Reserve würde auch noch aufs Konto gehen.

Stella stimmte auch einem Vertrag zu. Sie würde sehen, wie viel die Juweliere benötigten. Dann würde sie sehen, was sie noch sonst für Arbeiten würde tun müssen. Doch sie war so dankbar, dass ihr gleich alle Schmuckstücke in bar bezahlt wurden. Ja, sie würde einige Nachtstunden opfern. Doch diese waren es Stella wert. Es wurde vereinbart, dass sie die beiden Verträge bald per Post zugestellt bekommen würde. Danach gaben die Männer auch gleich eine umfangreiche Bestellung auf.

Als sich die Kellers von Frau Klein verabschiedeten, sah der Senior wieder diese Traurigkeit im Blick dieser Frau. Erneut fragte er sich, was diese Frau wohl erlebt haben mochte?

Als Stella in ihr kleines Studio trat, warf sie sich gleich aufs Bett und weinte hemmungslos. Dazu flüsterte sie immer wieder: «Oh Flori, wo bist du? Warum nur habe ich dich weggegeben? Oh, warum werde ich so sehr bestraft?»

Erst das Klingeln von ihrem Handy weckte Stella auf. Es war schon Nacht und Stella wusste, sie hatte verschlafen. Denn ihre Arbeit hätte schon lange beginnen sollen. Endlich meldete sich Stella: «Ja, mir geht es nicht gut, ich habe mich hinlegen müssen. Ist es sehr dringend oder kann ich am Morgen vorbeikommen? Heute schaffe ich es einfach nicht mehr. Danke, bis morgen um sechs Uhr. Guten Abend noch.» Wieder traten Tränen in ihre Augen, doch dann riss sich Stella zusammen. Sie hatte Arbeit vor sich. Jetzt gleich würde sie damit beginnen.

Erst besah sich Stella den Vorrat von ihren Rohlingen. Es war nicht mehr viel da. Morgen schon musste sie einkaufen gehen. Doch für drei bis vier Stücke würde es noch reichen. Ausfertigen würde sie diese morgen, wenn gutes Licht war. Jetzt hatte sie auch nicht die nötige Ruhe dazu.

Stella fuhr mit dem Rad zur Arbeit, am Morgen war noch fast kein Verkehr. So kam sie noch recht früh beim Café an. Sie schloss den Hintereingang auf, zog sich um und begann mit der Arbeit, welche sie gestern nicht hatte tun können. Zum Glück war sie schnell fertig, denn es schien, dass diese Anlage gestern nicht so oft benutzt worden war. Doch als sie die Eimer und Lappen in den Schrank zurückstellen wollte, hörte Stella ein Wimmern. So, als ob jemand leise weinen würde. Sie ging diesen Tönen nach und fand ein Mädchen, das in einer Blutlache lag. Stella klammerte ich an der nächsten Türe fest, zog das Handy aus der Kitteltasche und rief den Rettungswagen und einen Arzt her. Ja, vor Stella lag ein Mädchen, welches gleich ein Baby gebären würde. Stella eilte nach draussen, schon fuhr der Rettungswagen vor die Hintertüre, zum Glück nur mit dem Blaulicht und ohne Sirene. Schnell wies Stella dem Arzt den Weg, gleich wurde eine Trage gebracht. Schon hörte Stella den Schrei vom eben geborenen Baby. Dann wurde es Nacht um sie. Erst die kalten Hände des Notfallarztes brachten Stella wieder in die Realität zurück. «Hallo Sie, können Sie sich erheben? Oder sollen wir Sie auch einweisen?» Stella schoss hoch: «Nein, mir machte nur das viele Blut sehr Angst, wo ist das Mädchen jetzt? Ich habe sie gefunden, als ich hier abschliessen wollte, ich habe oben bei den WCs sauber gemacht.» Der Arzt mass den Blutdruck von Stella und fragte, ob sie sich sicher wieder gut fühlte. Sonst solle sie es gleich sagen.

«Ja, alles gut jetzt, ich mache hier sauber und gehe danach heim. Muss ich dies der Chefin melden oder tun Sie das?»

«Ich muss nur Ihre Angaben aufschreiben, den Rest übernimmt die Polizei. Denn dort müssen Sie dann noch zum Protokoll hingehen. Doch Sie werden dann dazu eingeladen.»

Schnell verschwand jetzt der Arzt. Stella holte alles her, um das viele Blut aufzuwischen und danach alles sauber zu machen. Danach trat sie endlich den Heimweg an. Doch bald schon meldete sich die Polizei bei Stella. Wenn möglich solle Sie gleich vorbeikommen, sonst noch vor dem Abend. «Wir müssen alles zu Protokoll nehmen, was wir von Ihnen haben. Wie uns der Arzt sagte, fanden Sie das Mädchen bei Ihrer Arbeit. Bitte bringen Sie alle Ausweise von sich mit aufs Büro.» Stella graute davor, denn sie wusste, erneut würde sie jetzt alles wieder erleben müssen, was sie ja selber erlebt hatte. Doch das schien die Strafe zu sein, welche ihr auferlegt worden war.

Stella machte sich einen sehr starken Schwarztee. Sie musste auch etwas essen. Ja, sie hatte noch einen kleinen Rest vom trockenen Brot im Schrank. Heute würde sie sich etwas zum Essen holen, danach aufs Postamt. Anschliessend würde sie wohl bei dieser Polizeistelle vorbeigehen müssen. Sie wollte dies gleich hinter sich bringen!

Es war dort dann nicht so schlimm, die anwesende Beamtin war sehr einfühlsam. Sie quälte Stella nicht mit vielen Fragen. Stella war ihr sehr dankbar dafür.

Nun stand der Gang zum Mineralienhändler an. Stella hoffte, dass er wieder einiges für sie aufgehoben hatte. Ja, ein sehr grosser Karton stand für Stella bereit.

«Ich dachte, dass ich diese vielen Abfälle für dich aufhebe. Da die Uni im Moment geschlossen hat, wirst du jetzt ja viel freie Zeit zum Basteln haben.»

«Danke, dass Sie an mich denken. Ja, ich habe einiges vom letzten Karton verwerten können. Mal sehen, was ich davon anfertigen kann. Gibt ja immer wieder Mädchen, die sowas nachfragen. Danke und einen schönen Tag noch.»

Stella lud den schweren Karton auf ihr Rad und fuhr nun langsam heim. Doch erst danach ging Stella in den kleinen Markt, um sich etwas zum Essen zu holen. Dort reichte ihr die Bedienung einen Beutel mit Früchten, welche sonst wohl in den Abfall geworfen worden wären. Auch beim Brot reichte ihr die ältere Frau einen Beutel mit Gebäck. Stella kaufte sich noch ein kleines Brot und eine kleine Dose mit Fleisch. Das musste für die kommenden Tage reichen. Die Früchte würde sie einkochen und vieles frisch essen. Doch bald sollte sie sich mit den Schmuckstücken an die Arbeit machen. Die beiden Juweliere hatten ja sehr vieles aufgeschrieben. Zum Glück wollte niemand ein kleines Schaukelpferdchen für ein Baby haben. Denn dies würde Stella nur schwer schaffen. Gleich wollten ihr wieder die Tränen in die Augen steigen. Doch Stella unterdrückte diese jetzt. Erst sah sie sich die Früchte, danach das Gebäck an. Ja, von den Früchten würde sie gleich vieles einkochen müssen. Denn Stella wollte nichts verderben lassen. Danach besah sie sich den Karton mit den Abfallstücken vom Händler. Oh, der hatte ja sehr viele, sehr schöne Stücke aufbehalten. Das würde für die ganze Bestellung ausreichen. Nur die Kettchen und Lederbändchen musste sie sich noch besorgen. Doch auch da wusste Stella, wo sie diese fast umsonst bekommen würde. Nun fertigte Stella die Stücke aus, welche sie in der vergangenen Nacht vorbereitet hatte. Danach legte sie die Rohlinge bereit, für weitere bestellte Teile. Doch heute wollte sie ihre Arbeit im Café nicht verschlafen. Heute war ja der Tag, für welchen eine grosse Busladung von älteren Menschen angesagt worden war. Sicher würde es danach viel Arbeit geben. Stella stellte sich auf dem Handy den Wecker ein. Sie würde heute etwas früher losfahren, damit sie nicht so spät zurückkommen würde. Denn es lag am Abend ja nun wieder häufiger Nebel. Bald würde der Herbst beginnen, davor fürchtete sich Stella immer. Denn die frühe Dunkelheit, das war für sie immer bedrohlich. Auch diese schlimmen Stürme fürchtete Stella sehr.

Ja, heute gab es viel Arbeit, denn auch in der Küche stand viel an. Doch erst die WC-Anlage, danach die Küche. Als sie sich endlich umziehen wollte, eilte die Chefin zu ihr her. Stella wurde gebeten, am nächsten Tag schon um acht Uhr dort zu sein. Erneut waren gleich zwei Busse angemeldet worden. Doch ab Montag würde das Café für zwei Wochen geschlossen bleiben. Stella wollte diese Zeit gut einteilen. Denn sehr bald würden die Vorlesungen wieder beginnen. Sie wollte den grössten Teil der Bestellung bis dahin fertig haben.

Danach war wieder die Uni angesagt. Auch die Arbeit im Café würde wieder beginnen.

Stella war nun beruhigt, denn sie hatte alle offenen Rechnungen begleichen können. Das gab ihr eine grosse Sicherheit. Ja, sie war so dankbar, dass sie all ihren Schmuck bei den Juwelieren hatte verkaufen können. Stella wusste, die jungen Menschen hatten nicht so viel Geld und doch wollten sie sich ab und zu was Schönes kaufen können.

Kapitel 4

Emma genoss es immer sehr, wenn Antonia bei den Kindern blieb und sie zum Einkaufen gehen konnte. So langsam begann wieder fast der gewohnte Alltag. Auch hatte Emma wieder begonnen, die Lektionen für die beiden Azubis vorzubereiten. Zum Glück hatte sie vor der ungeplant frühen Geburt der Babys so viel davon schon vorbereitet. Doch nun musste Emma sehen, dass sie Nele, ihrer Vertreterin, bald wieder Unterlagen würde zukommen lassen können. Bald wollte Emma den Unterricht, wenn möglich wieder selber leiten. Doch erst wollte sie sehen, wie weit die Mädels gekommen waren.

Heute aber ging Emma wieder selber bei den Postfächern vorbei. Das hatte bis jetzt ja immer Sam tun müssen. Sie hatte mit Sam dann alles angesehen und das meiste der Post danach selber bearbeitet. Doch immer hatte Emma genug Zeit für ihre Babys eingeplant.

Sie wusste, sehr schnell würden die beiden Kinder grösser werden. Emma sah dies ja bei den Patenkindern von Sam und ihr. Klein Emmi und Samuel waren so schnell gewachsen, dass Emma nur staunen konnte. So wollte Emma diese kurze Zeit geniessen, in der die Babys noch so klein waren. Jetzt trank jedes Kind nur noch einmal am Tag bei ihr. Bald würden die Kinder nur noch vom Fläschchen trinken.

Auch mussten sich Emma und Sam nach Kinderbettchen umsehen. Denn bald würde die Wiege für die beiden zu klein sein. Emma hatte sich schon einiges am PC angesehen. Doch sie fand, dass Anton der Tischler diese Bettchen herstellen sollte. So beauftragte Sam Anton mit dieser Arbeit. Da er ja auch bald selber Papa sein würde, freute sich Anton sehr über den Auftrag von Sam und Emma.

Da ja nun die Arbeiten mit dem Einbau im kleinen Häuschen beendet waren, konnte Anton sich wieder mehr den Wünschen seiner Möbelkunden widmen. Auch das neue Kinderzimmer bei ihm war ja jetzt fertiggestellt. Anton war froh, dass es nun wieder etwas ruhiger sein würde. Doch schien es so, dass sich viele Menschen auf die Festtage hin etwas lange Haltbares schenken wollten, sodass Anton und sein Azubi Luke auch immer neue Aufträge bekamen.

Luke hatte von den kostbaren Hölzern, welche sie beim Juwelierladen eingebaut hatten, jedes kleinste Teilchen aufgehoben. Daraus erschuf Luke in seiner Freizeit sehr schöne, kleine Kästchen. Auf dem Deckel dieser Kästchen waren sehr schöne Einlegemosaike zu bewundern. Anton und Luke wollten für die Eröffnung einige dieser Kästchen den beiden Juwelieren schenken. Anton hatte aus Kleinteilen eine sehr kleine Wiege gebaut. Diese sollte auch als Geschenk an die beiden Juweliere gehen.

Doch jetzt war die Arbeit an den kleinen Holzhäuschen angesagt. Emma Frei hatte diese Häuschen für Anton gezeichnet. Denn Keller Senior hatte sich für die Eröffnung seiner neuen Filiale etwas sehr Spezielles einfallen lassen. Er wollte vor dem Haus, auf der einen Hälfte vom grossen Parkplatz, einen kleinen, feinen Adventsmarkt aufbauen lassen.

Schon sehr bald hatte er sich einige Kunstschaffende ausgesucht, hatte diese besucht und ihre Arbeiten angesehen. Es waren zwölf KünstlerInnen ausgesucht worden, welche ihre Arbeiten aus den kleinen Holzhäuschen heraus zum Verkauf anbieten würden. Auch hatte Keller Senior bei Anton Siegfried nicht zu grosse Fichten und Tännchen im Topf in Auftrag gegeben. Die Mitarbeiterinnen eines Blumenladens würden diese Bäumchen schmücken.

Der Eingang zum kleinen Markt sollte wie ein Torbogen gestaltet werden. «Willkommen», sollte an einer Tafel zu lesen sein. Alles sollte mit vielen grünen Zweigen und Zapfen versehen werden. Keller wollte nur sehr wenig Lichtchen daran haben. Denn alles sollte so natürlich wie möglich aussehen. Auch hier hatte Emma die Wünsche von Keller Senior im Bild festgehalten.

Nun sollten also die Aufbauarbeiten für diesen kleinen Markt am kommenden Montag beginnen. Einige Mitarbeiter von Sam würden mit Anton und Luke zusammen die kleinen Häuschen auf dem vorgesehenen Platz vor dem neuen Geschäft aufbauen. Keller Senior würde mit Beni, dem Vorarbeiter von Sam, zusammen diese Arbeiten überwachen. Fleissige Hände würden mit viel Grün den Torbogen gestalten. Floristinnen würden die Bäumchen schmücken. Im Innern des neuen Ladens würden die letzten Arbeiten vor der Eröffnung erledigt werden. Der ganze vorgesehene Platz war schon mit feinen Gittern abgesperrt worden, sodass niemand dort ungesehen würde eindringen können. Doch die Gitter würden von den kleinen Häuschen verdeckt sein.

Ferdinand Siegfried, der Stadtpräsident, der nun die Stadt führte, war über diese Arbeiten schon sehr früh informiert worden. Sam wusste, dass Ferdi sich schon vor der Eröffnung dort umsehen würde. Es war vorgesehen, dass ein als grosses Paket getarnter Felsbrocken vor den Toreingang hingefahren wurde. Dieses Paket würde wie ein Poller wirken und niemand könnte zu den Häuschen hin Rasen. Keller Junior wollte alle Besucher und Aussteller in Sicherheit wissen. Darum hatte er sich schon früh beim Sicherheitsdienst erkundigt.

Denn auch er wusste, dass man sich in dieser Zeit auf alles gefasst machen musste.

Kapitel 5

Auch Emma hatte sich überlegt, was sie mit Sam zusammen zu dieser Feier mitbringen konnte. Sicher würden dort auch einige kleine Häppchen und etwas zu trinken gereicht werden. So fragte Emma einfach bei Kellers nach. Da es ja Abend sein würde, wollte Emma diese leckeren Gewürzschnittchen backen. Die konnten sowohl zum Sekt wie auch zu Saft gereicht werden. Weil es ja dann das erste Wochenende im Advent sein würde, schienen Emma diese Schnittchen sehr passend. Beide Kellermänner waren von Emmas Vorschlag sehr begeistert. Ja, so konnten sie schon alles für die Verpflegung in Auftrag geben.

Auch Emma konnte nun alle benötigten Zutaten gleich einkaufen. Da Emma wusste, dass die meisten Besucher an diesem Abend Männer sein würden, sah sie die doppelte Zutatenmenge vor. Emma würde alles am Morgen backen, sodass die Schnittchen gut auskühlen konnten. Sicher würde Sam ja auch schon davon kosten. Das wusste Emma, denn Sam konnte solcher Süssigkeit nie widerstehen.

Jetzt hofften alle, dass das Wetter gut bleiben würde. Denn an einen Sturm oder an ein Wintergewitter mochte niemand denken.

Doch es gab Menschen, die hatten etwas anderes vor. Einer war Baggerfahrer, der andere war zuvor der Gruppenführer eines Bautrupps gewesen. Beide wurden von Ferdinand Siegfried entlassen. Ja, sie mussten eine begonnene Baustelle verlassen. Dabei hatte ihnen die damalige Stadtpräsidentin so vieles versprochen. Doch seit deren Unfall war ja der neue Präsident an der Macht. Leider liess dieser sich auf nichts ein, was zuvor immer möglich gewesen war. Darum hatten sich die beiden Männer, Rache geschworen.

Sie wussten vom grossen Felsbrocken, der als Poller den kleinen Markt beschützen sollte.

Doch sie hatten anderes vor. Ihr als Paket getarnter Felsbrocken war aus leichtem Material und grösser als der bereitgehaltene Granitbrocken. Ja, sie hatten sich gut vorbereitet. Ihr Paket sah genauso aus wie dieses schwere Ding, welches den Markt schützen sollte.

Die beiden Männer hatten ihr Paket schon auf dem kleinen Transporter verladen. Nun galt es, die Nerven zu behalten und zu warten.

Es war Donnerstag gegen 16 Uhr, als die beiden Kellermänner die Türe zum neu gestalteten Laden beim Häuschen neben dem kleinen Stadtpark aufschlossen. Sie wollten die letzten Vorbereitungen für die geladenen Gäste treffen. Diese würden ab 17 Uhr hier so langsam eintreffen. Alles war bereit. Eben waren die kleinen Häppchen von einem Partyservice angeliefert worden. Im Hinterzimmer standen Getränke und Gläser bereit. Die beiden Mitarbeiterinnen hatten zuvor schon alles gut vorbereitet. Auch Stella war mit den beiden Kellermännern hergefahren. Sie war ja von weiter hergekommen. Sie würde heute Nacht dann im Gästezimmer von Keller Senior übernachten und morgen erst zurückfahren.

Stella war noch immer überrascht, dass auch sie zu dieser kleinen Feier eingeladen worden war. Sicher, sie hatte schwer geschafft und noch einen weiteren grossen Auftrag für die Juweliere fertiggestellt. Doch nun freute sich Stella, dass sie sehen würde, wo ihre Kreationen in der Auslage zu sehen waren. Sie war entzückt, als sie herkam und diese kleinen Häuschen und die schönen Dekos sah. Ja, das würde sicher einen kleinen, feinen Markt geben. Noch war der Felsenpoller nicht vor den Eingang zum kleinen Markt gebracht worden. Dies würde erst am kommenden Morgen gemacht werden. Erst sollten alle Aussteller ihre Gegenstände hierherfahren können. Erst danach sollte dieser Felsenpoller hergebracht werden.

Fast alle eingeladenen Gäste kamen dann im Verlaufe des Abends in den neuen Juwelierladen. Sie liessen sich alles zeigen und wurden reichlich verpflegt. Von Emmas Gewürzschnittchen war im Nu das Tablett leer gefuttert worden. Die Männer liebten diese Süssigkeit sehr. Doch um 20 Uhr schloss Keller Junior die Ladentüre ab. Morgen um 10 Uhr sollte die Eröffnung sein. Ab da würde auch der kleine Markt für alle zugänglich und offen sein.

Sebastian der Patenonkel von Sam, holte wie jeden Morgen seinen Kumpel in der Wohnung vom Seniorenzentrum ab. Eben schob er den Rollstuhl durch die Eingangstüre und wollte den Weg zum kleinen Park einschlagen. Da sah er zu seinem grossen Erstaunen, dass vor diesen Häuschen ein kleiner Transporter stand. Dort luden eben zwei Männer ein recht grosses Paket mit dem Lastenkran ab. Sebastian wusste, dass dies so vorgesehen war. Doch wunderte er sich, dass dieser Poller schon jetzt dort abgeladen wurde. Auch schien dieses Paket nicht so schwer zu sein. Er fühlte, da war etwas sehr sonderbar. Schnell zog er sein Handy aus der Tasche und rief Sam von Burg an. Er war ja dessen Pate gewesen damals. Auch der Mann im Rollstuhl meinte, dass hier etwas gar nicht stimme.

Endlich meldete sich Sam mit verschlafener Stimme. Sebastian teilte Sam die Beobachtung schnell mit. Sam sagte nur: «Sebastian, rufe die Polizei her, geh nicht zum Paket rüber, ich komme sofort. Bitte, geh in den Park, aber nicht zum Paket hin.» Schon war die Verbindung weg und Sebastian rief umgehend auf dem Polizeiposten an und schilderte dort, was er gesehen hatte. Auch hier wurde er gebeten, nicht zum Paket zu gehen, sondern drinnen zu bleiben. Sofort würden Beamte kommen. Doch Sebastian wollte seinen gewohnten Morgenspaziergang nicht ausfallen lassen. Er wählte jedoch den Weg, der weiter weg vom Parkhäuschen lag, denn er traute dieser Sache gar nicht. Schon sah er das Blinklicht von zwei Polizeiwagen zum kleinen Markt hin einbiegen. Der kleine Transporter konnte jetzt nicht mehr wegfahren. Doch die beiden vermummten Männer, beim Lastenkran hatten die Flucht ergriffen. Als Sebastian mit seinem Kumpel im Rollstuhl vom Spaziergang zurückkam, sah er gleich, dass dort auch Sam in der Nähe stand. Was ihn jedoch sehr erstaunte, war, dass auch Emma neben Sam stand. Eben schob Emma ihr Handy in die Jackentasche. Vier Beamte standen in der Nähe von diesem sonderbaren Paket. Der Transporter war vom Abschlepper vom Autohaus abgeschleppt worden. Er stand jetzt in der Tiefgarage des Polizeipostens.

Alle schienen auf jemanden zu warten. Da hielt ein grauer Kastenwagen gleich in der Nähe von dem Paket. Zwei Männer in grauen Overalls verliessen ihn. Der eine der Männer holte schon Geräte herbei. Doch bald war klar, hier war kein Sprengstoff im Paket eingelagert. Da fuhr wieder der Abschlepper vom Autohaus her und lud das Paket auf die Ladefläche. Ja, dieses Teil war nicht sonderlich schwer. Doch eine Unsicherheit blieb, denn das Paket wurde in eine leerstehende Halle gebracht. Einer der Beamten kam mit Sam zusammen zu Sebastian herüber. Sam beruhigte seinen Patenonkel und versprach, ihn zum Protokoll bei der Polizei abzuholen und zu begleiten. Doch Emma wollte nun zurück, sie musste noch Olga füttern. Diese sollte ja noch bei ihr trinken. So brachte Linda, die junge Beamtin, Emma mit dem Einsatzwagen zur Mühle zurück. Sam würde später ja auch wieder zurückfahren.

Auch Kellers waren benachrichtigt worden. Diese hatten umgehend einen Sicherheitsdienst beauftragt, zwei Männer zum kleinen Markt zu beordern. Bis diese dort eintreffen würden, waren zwei Beamte dort zugegen, denn niemand wollte ein Risiko eingehen, da ja niemand wusste, was dort geplant war von diesen Vermummten. Doch alles blieb ruhig.

Kurz vor neun Uhr fuhren beide Kellermänner im Minivan vor, hielten weiter weg an und parkten auf dem vorgesehenen Feld. Beiden stand der Schrecken noch im Gesicht. Auch sie fragten sich, was hier geschehen sollte. Doch auch die Männer vom Sicherheitsdienst trafen jetzt ein. Das war schon mal beruhigend für alle.

Franz Bader, der Polizeichef der Stadt, befragte selber den etwas blass scheinenden Sebastian. Er wusste, Sam von Burg würde seinen Patenonkel wieder sicher in die Seniorenresidenz zurückbringen. Sebastian würde nicht alleine gelassen werden. Sam würde sicher bei seinem betagten Patenonkel bleiben oder diesen zu sich in die Mühle nehmen.

Nur gut, dass dieser bei Sam angerufen hatte, als er dieses sonderbare Paket dort stehen sah. Auch Franz fragte sich, was da nun wieder im Busch war. Jetzt war es doch einige Wochen ruhig geblieben. Er hoffte, dass sich hier nicht wieder Kriminelle zusammengefunden hatten. Das Paket in der Halle würde von Spezialisten untersucht werden.

In dieser Zeit waren die ersten Aussteller vorgefahren. Diese mussten sich erst ausweisen, danach durften sie ihre Gegenstände zu den für sie vorgesehenen Häuschen bringen. Doch alles blieb ruhig. Erst um 9.30 Uhr fuhr ein grosser LKW vor, der das Felsenpaket an der vorgesehenen Stelle ablud. Doch die beiden Sicherheitsmänner blieben vor Ort und hatten gleich alle und alles im Auge.

Um Punkt 10 Uhr wurde der Eingang zum kleinen Adventsmarkt freigegeben und auch die Türe zum neuen Juwelierladen wurde aufgeschlossen. Die ersten Besucher strömten herein. Bald war ein reges Treiben zu sehen. Handys wurden gezückt, Bilder wurden gemacht. Die ersten Kunden betraten den neuen Laden. Vor dem grossen Schaufenster waren schon recht viele Menschen zu sehen.

Doch die beiden Vermummten fluchten und fragten sich, wer sie denn verraten und die Polizei herbestellt habe. Sie hatten doch an alles gedacht. Nun hatte sich ihr Plan als Fehlschlag erwiesen. Doch es stand ja noch der grosse Weihnachtsmarkt der Stadt auf dem grossen Platz bevor. Sie würden sich dort rächen. Das hatten sie eben geschworen.

Das ganze Wochenende über war es ruhig geblieben. Nichts war vorgefallen. Sogar Sebastian wollte nach dem Mittagessen in der Mühle, wieder von Sam in die Stadt gefahren werden. Denn er wollte sich, wenn Sam weg war, diesen kleinen Markt selber ansehen gehen.

So vernahm niemand, was die Vermummten für Samstag vorgesehen hatten. Doch allen sass der Schrecken noch immer im Nacken.

Am Montag nach dem ersten Advent leitete Emma Frei die Ausbildung der beiden jungen Polizei Beamtinnen, wieder selber. Antonia hatte übers Wochenende ihre ersten freien Tage beziehen können. Nun würde die Nanny gut zu beiden Babys schauen.

Nele Danzer war erleichtert, als sie erfuhr, dass nun Emma die Ausbildung wieder selber übernehmen wollte. Auch die beiden jungen Beamtinnen freuten sich sehr, als Emma wieder vor ihnen im Schulraum stand. Denn sie hatten geglaubt, dass dies erst wieder nach dem Jahresbeginn so sein würde.

Doch Emma fühlte sich fit und wollte ihre Aufgabe wieder selber erfüllen. Antonia war ihr dabei eine sehr grosse Stütze. Sie hatte Emma sehr fest geholfen, dass sie sich schnell wieder, ganz erholen konnte. Sam nahm sich auch immer wieder Zeit, um beim Füttern und Betreuen seiner Kinder mitzuhelfen. Antonia hatte Sam sehr gut in alles mit der Babypflege eingewiesen. Denn Sam liebte seine Babys so sehr. Es war für ihn noch immer ein Wunder, dass diese Babys bei ihnen waren. Denn weder Emma noch Sam entsprachen der gängigen Körpernorm.

Doch zeigte ihnen auch jetzt der Vorfall beim kleinen Adventsmarkt, dass das Böse leider nicht schlief. Sie würden also weiterhin vorsichtig sein müssen.

In zwei Wochen würde der grosse Weihnachtsmarkt auf dem grossen Platz in der Stadtmitte die Tore für zehn Tage öffnen. Um den Platz herum standen viele Bäume. An den nun kahlen Ästen waren bei einigen grossen Bäumen, Lichterketten angebracht worden. In der Mitte vom grossen Platz wurde eben eine grosse Fichte aufgestellt. Bald waren fleissige Hände damit beschäftigt, diese Fichte noch fertig zu schmücken. In den kommen Tagen würden nun auch die kleinen Buden und Stände um die geschmückte Fichte herum, aufgebaut werden. Alle, die selber keinen Marktstand besassen, hatten sich beim Unterhaltsdienst melden können. Genau 65 Buden und Stände fanden dort Platz.

Auch hier hatte die Stadtverwaltung genau hingesehen, wer hier bei diesem Markt, seine

Arbeiten anbieten wollte. Alles wurde genau festgehalten: wer wo welche Bude oder welchen Stand belegen würde. Die eine kleine Seite des Platzes war ja von einer etwas höheren Mauer umgeben. Dort wurden die grösseren Buden und Stände aufgebaut. Es gab nur zwei Eingänge zum Markt. Auch diese würden mit Felsenpollern gesichert werden. Der Vorfall beim Markt beim Juwelier, der sass bei allen noch sehr in den Gedanken. Besonders der Polizeichef sass wie auf Nadeln. Zum einen, weil er genau in dieser Zeit, selber Vater werden würde. Zum andern, weil er fürchtete, dass auch bei diesem Weihnachtsmarkt, etwas in Vorbereitung zu sein schien. Denn noch immer blieben die beiden vermummten Gestalten verschwunden.

Franz Bader, der Polizeichef der Stadt war froh, dass Emma jetzt die Ausbildung wieder selber übernommen hatte. Denn so konnte auch Nele, die eine Beamtin, wieder ausrücken, wenn es die Zeit erforderte. Denn es schien, dass es eine sehr ungewisse und sonderbare Zeit war. Viele Menschen schienen sonderbar zu sein. Es lag etwas wie eine unsichtbare Bedrohung in der Luft.

Sogar Emma sprach dies bei ihren Lektionen heute an. Sie ermahnte die jungen Beamtinnen, auf alle und alles ein besonderes Augenmerk zu haben. Doch bis anhin blieb alles ganz ruhig. Emma regte an, dass alle leerstehenden Gebäude abgesucht werden sollten. Denn auch Emma fürchtete, dass der Weihnachtsmarkt ein Anschlagsziel sein könnte.

Der Tag rückte also immer näher, an dem die Tore zum Markt geöffnet werden sollten. Ferdi hatte angeordnet, dass auch auf diesem Platz ein Gitterzaun aufgebaut werden sollte, zum Schutze der Besucher und Marktfahrer. Die vier Poller waren bereit gemacht worden. Sie sahen aus wie ein buntes Paket.

Franz Bader war in der vergangenen Nacht, Vater von einem kleinen Jungen geworden.

Er war erleichtert, dass alles gut gegangen war und seine Frau und das Baby gesund waren, denn so viele Jahre hatten sie vergebens auf dieses Baby gehofft. Nun endlich hatte Mutter Natur doch noch ein Einsehen gehabt. Auch Anton der Tischler war heute Vater von einem kleinen Mädchen geworden. Der Storch schien sich in der Stadt wohl zu fühlen. Die Hebammen würden nicht arbeitslos werden. Denn immer noch wurde ab und zu ein Baby in die Babyklappe, bei der Klinik am Waldsee hineingelegt. Diese Sogwirkung konnten sich die Zuständigen noch immer nicht erklären. Doch nur Emma schien den Grund dafür zu ahnen. Denn was sie, oben im kleinen Parkhäuschen erlebt hatte, das bestätigte nun ihre Ahnung.

Kapitel 6

Zum Glück war dort jetzt alles Schlimme verschwunden. Der neue Juwelierladen wurde oft von den Kunden besucht. Auch junge Menschen wussten jetzt, dass auch sie dort fanden, was sie sich leisten konnten. Der Schmuck von Stella sprach sich ja sehr schnell bei allen herum. Bald konnte sich Stella ohne die Arbeit im Café ihren Lebensunterhalt nur von der Schmuckherstellung selber verdienen. Sie musste nur sehen, dass ihr genug Zeit blieb, um ihren Abschluss bald zu schaffen. Denn dies stand für Stella an erster Stelle.

Es war der vorletzte Tag des Weihnachtsmarktes. Sehr viele Menschen waren an diesem Tag dort unterwegs. Alle wollten wohl noch die letzten Geschenke vor dem Fest, dort besorgen.

Auch Emma war nach dem Lunch mit Antonia dorthin gegangen. Antonia wollte dort für ihre Lieben auch einige Geschenke einkaufen gehen. Sie würde über die Weihnachtstage zu ihren Eltern fliegen können. Sam und Emma hatten Antonia diese Flüge geschenkt. Tonia sollte diese Tage bei ihren Lieben verbringen können. So viele Jahre war sie ja von dort ferngehalten worden. Sam und Emma wollten alles tun, dass Tonia ihre Eltern nun öfter würde sehen können.

Niemandem war aufgefallen, dass in der Nacht zuvor bei einem der Eingänge die Poller durch leichte Pakete ausgetauscht worden waren. Alles schien ruhig zu sein.

Doch Emma hatte wieder dieses Kräuseln im Nacken, das sie immer bekam, wenn etwas Schlimmes bevorstand. So fragte Emma bald, ob Tonia jetzt alles gefunden habe. Emma hatte bei einer betagten Frau, sehr schön gestaltete Weihnachtskarten gekauft. Nun schien diese Frau die wenigen restlichen Karten in ihre Tasche zu stecken und die kleine Bude verlassen zu wollen. Emma sah, dass sich zwei Männer vor dem einen Eingang aufhielten. Diese Männer erschienen Emma sehr bedrohlich. Darum begleitete sie Antonia und die betagte Frau durch den anderen Eingang nach draussen. Kaum waren sie im Freien, flüsterte Emma zu Antonia: «Schnell, rufe die Polizei her und eile danach in meinen Wagen, ich komme dann später nach.» Denn das Vibrieren in Emmas Nacken war nun sehr stark. Sie rannte zum andern Eingang. Dort stand leicht verborgen, ein schwerer Geländewagen neben einem schrägen, kahlen Baum. Emma fühlte, dort würde gleich etwas geschehen. Sie hoffte, dass die Einsatzwagen bald eintreffen würden. Schon war das Zucken der Blaulichter zu sehen.

Emma schlich sich zum verborgenen Wagen hin. Niemand war dort zu sehen. Doch Emma tat jetzt, zu was sie ausgebildet worden war. Dieser Wagen würde nicht mehr wegfahren können.

Danach raste Emma zum eintreffenden Einsatzwagen. Sie bat um das Megaphon und kletterte auf die Mauer. Von dort oben bat sie jetzt alle Anwesenden, den Platz ruhig zu verlassen. «Gleich wird der Markt geschlossen, bitte verlassen Sie den Platz ruhig und benützen Sie den Ausgang neben der Mauer.» Nur langsam leerte sich jetzt der Platz. Emma wiederholte die Durchsage. Da endlich schien Bewegung in die Menge zu kommen.

Auch die hergeeilten Beamten bemerkten nun den verborgenen Wagen. Franz stellte den Einsatzwagen davor, doch Emma wies ihn schnell weg. Denn Emma sah jetzt, dass sich ein weiterer Geländewagen in rasender Fahrt näherte. Zum Glück waren dort jetzt keine Menschen mehr in der Nähe zu sehen. Nur mit einem Sprung zur Seite, konnten sich Franz und Jack, sein Vertreter retten. Denn dieser Wagen raste nun genau auf die Poller zu. Diese flogen federleicht zur Seite und der Wagen kam vor einem geschmückten, kahlen Baum zum Stehen. Emma war schon von der Mauer gesprungen und eilte in geduckter Haltung zum nun stehenden Wagen hin. Kaum, dass der Fahrer den Wagen verlassen hatte, schlug Emma zu. Der bullige Mann flog zum nächsten Baum hin. Emma langte in den Nacken des Bulligen und schleifte ihn weg vom Wagen. Danach brachte sich Emma hinter einer mächtigen Akazie in Sicherheit. Sie sah die Flamme, schon flog der Wagen in die Luft. Emma hörte Schreie, hörte die Sirenen der Rettungs- und Einsatzwagen. Doch sah sie keine Menschen mehr auf dem Platz. Emma liess sich gegen den Stamm des Baumes fallen. Sie atmete tief ein und rannte zum Ausgang. Schon raste ein weiterer Wagen durch den nun freien Eingang. Dieser Wagen hielt in der Mitte vom Platz. Gleich stieg ein Feuerwerk hoch, «Frohe Festtage», leuchtete Emma entgegen, doch sie liess sich nicht täuschen. Sie wusste, auch dieser Wagen würde gleich in die Luft fliegen. Mit einem ohrenbetäubenden Knall flog auch dieser Wagen in tausend Stücke. Emma wusste, dass der verborgene Wagen nicht weggefahren werden konnte, darum schrie sie jetzt allen zu, dass sie sich vom schrägen Baum wegbegeben sollten. Denn Emma fürchtete, dass auch dieser Wagen vollgepackt mit Sprengstoff sein würde. Alle hielten den Atem an, doch es blieb ruhig. Doch der Bullige raste jetzt auf den verborgenen Wagen zu. Aber Emma stellte dem Mann ein Bein und er flog genau vor den verborgenen Wagen. Was danach folgte, daran mochte sich niemand mehr gerne erinnern. Denn wo dieser Wagen gestanden hatte, klaffte jetzt ein sehr grosser Krater.

Die Männer vom herbestellten Leichenwagen konnten nur noch Leichenteile von zwei zerfetzten Männern einsammeln. Doch dies musste sich Emma nicht mehr ansehen, denn Sam war von Tonia losgeschickt worden. Antonia wusste gleich, als Emma sie losgeschickt hatte, dass sie weggehen musste, denn nur wenige Wochen zuvor war Tonia mit Emma, in eine schlimme Sache hineingeraten. Das wollte Antonia nicht noch einmal miterleben, denn diese Bilder verfolgten sie noch immer ab und zu.

Sam war gleich losgerast, als Antonia eintrat und sagte: «Sam, gehe sofort Emma holen, bevor es dort knallt.» Erst war Sam blass geworden, doch dann war er zum Wagen geeilt, welchen Tonia schon gewendet und beim Brunnen hatte stehen lassen. Als er einstieg, hörte er von ferne einen schlimmen Kracher. Kurz vor der Stadt erschütterte eine weitere Detonation die Erde. Sam parkte gleich beim Rathaus. Schon wurde alles von einer sehr heftigen Explosion erschüttert. Erst wollte Sam im Wagen bleiben, denn alles in ihm zitterte. Doch nur ein Gedanke durchraste sein Gehirn: «Emma!» Wo war Emma? War sie noch da? Wo sollte er sie suchen? Denn er sah jetzt die rennende Menschenmasse, welche sich nun rasch zerstreute. Da sah er das zuckende Blaulicht der Einsatz- und Rettungswagen. Wie ein Eisklotz ergriff die Angst sein Herz. Sam lehnte sich an eine Strassenlampe. Jetzt sah er Franz daher laufen, das Handy am Ohr. Doch Sam sah jetzt auch die grossen Aststücke auf der Strasse liegen, welche zum grossen Platz hinführte. Doch wo fand er Emma?

Da zupfte ihn jemand am Ohr. Gleich sah er Emma neben sich stehen. Sie flüsterte: «Schnell weg jetzt von hier, denn wer weiss, wann es wieder knallt?» Emma winkte zu Franz hin der zum herbeieilenden Ferdi Siegfried rannte. Sam packte Emma am Arm und zerrte sie zum geparkten Wagen. Dort schob er sie auf den Fahrersitz. Sam zitterte am ganzen Körper, selber würde er den Wagen nicht mehr lenken können. Denn er hatte beim Wegrennen den riesigen Krater gesehen. Wortlos fuhr Emma gleich zur Mühle hoch. Sie parkte beim Garten, rannte ins Haus und verschwand gleich im Bad. Sam torkelte in die Küche, da eilte ihm Tonia entgegen. Emma trat aus dem Bad und hauchte: «Ich will niemanden sehen, hören und sprechen. Ich lege mich gleich hin.» Schon schloss Emma die Türe zum Schlafzimmer.

Antonia war zum zitternden Sam geeilt und sah diesen fragend an. Doch Sam schüttelte nur den Kopf, reden konnte er jetzt nicht. Denn er sah noch immer diese schlimmen Bilder vor sich.

«Sam, was ist geschehen? Es waren drei heftige Kracher zu hören! Wo hat es geknallt?» Doch Sam liess sich auf den nächsten Stuhl fallen, legte die Arme auf den Tisch und barg den Kopf darin. Noch immer zitterte er sehr heftig.

Antonia holte ein Zuckerstück, griff nach dem kleinen Fläschchen, welches Emma bei den Tassen stehen hatte und gab wenige Tropfen vom Fläschchen auf den Zucker. Wortlos schob Tonia nun den Zucker, Sam einfach in den Mund. Danach bereitete Antonia einen starken Zitronen-Melissen-Tee zu. Dieser würde Sam bald helfen, dass der Schock verschwand, unter dem er litt.

Da klingelte Sams Handy, doch dieser reichte das nervende Teil an Tonia weiter. Sie sah gleich, dass es die Nummer der Polizei war, darum meldete sie sich. Franz Bader rief an und fragte gleich nach Emma und Sam. Doch Tonia sagte, dass beide im Moment nicht zu sprechen wären. Emma habe sich hingelegt und Sam sei nicht zu sprechen. Ob sie etwas ausrichten solle?

«Ja, wenn Emma wach ist, soll sie mich umgehend anrufen. Wir brauchen ihre Aussage, dringend. Denn sie ist wohl die Einzige, die weiss, was auf dem Weihnachtsmarkt vorgefallen ist. Danke, bis bald.» Sofort stellte Tonia das Handy auf stumm. Das tat sie danach auch mit dem Festnetzgerät im Wohnzimmer, denn sonst würden sie von Anrufen überrollt werden. Da sah sie Emmas Tasche im Wohnzimmer liegen. Schon klingelte auch Emmas Handy in der Tasche. Ja, sie würde auch diesen Quälgeist auf stumm stellen. Emma und Sam brauchten Ruhe und keine störenden Anrufe. Sam sah jetzt, dass sich Ursi vor ihn gesetzt hatte und ihn mit grossen Augen ansah. Sam trank den Becher leer, stand auf und zog sich Jacke, Mütze und Schal an und stieg in seine Stiefel. Dann griff er wortlos nach der Hundeleine und ging mit Ursi hinaus.

Doch Antonia ging nach den Babys sehen. Bald würden diese wach werden und etwas zu trinken und eine trockene Windel bekommen wollen. Leise schloss Antonia schon die Fensterläden, sogar in der Küche. Denn sie fürchtete, dass Neugierige hier auftauchen würden. Auch sah Tonia jetzt, dass es nun ganz leicht zu schneien begann.

Danach bereitete Antonia die Fläschchen für die Babys zu. Bald wollten diese gefüttert werden. Sie hoffte, dass Sam ihr dabei helfen würde. Doch Emma wollte sie schlafen lassen. Sie konnte sich nur ansatzweise vorstellen, dass Emma etwas sehr Schlimmes gesehen- und erlebt haben musste. Da trat auch Sam mit Ursi wieder in die Küche. Er säuberte ihre Pfoten und sagte: «Hast du gesehen, Tonia, dass es ganz leicht zu schneien beginnt?» Danach befreite sich Sam von Jacke, Mütze und den Stiefeln. Er eilte ins Bad und sah kurz ins Schlafzimmer. «Lassen wir Emma schlafen, ja, ich helfe dir mit den Babys. Danach sehen wir, was wir für uns zum Essen richten können.»

Als die Babys gefüttert und frisch gewickelt waren, meinte Sam: «Ich hätte nun Lust auf diese Kartoffelrösti. Braucht es dazu gekochte Kartoffeln? Oder kannst du die auch mit rohen Kartoffeln machen?» Antonia war schon etwas überrascht von Sams Wunsch nach einer Kartoffelrösti. «Ja, Sam, dazu verwendet man gekochte, ausgekühlte Kartoffeln. Doch solche haben wir nicht im Vorrat. Aber ich werde sehen, ob dir auch diese Rösti mit rohen Kartoffeln schmeckt. Wenn du mir also aus dem Keller, einen Korb voller Kartoffeln holen könntest? Es dauert danach doch noch etwas, bis wir essen können. Doch bis dahin ist vielleicht auch Emma wieder wach.» Antonia sah in den Kühlschrank, was noch da war für einen Salat. Oder wollte Sam lieber Fleisch, oder ein Ei dazu essen? Ja, Salat war noch da, Fleisch jedoch nur noch wenig. Doch für Spiegeleier wären noch genug Eier da.

Sam brachte die Kartoffeln in die Küche und begann schon, einige davon zu waschen. Doch Tonia legte noch mehr Kartoffeln dazu. Sie wusste, Sam war hungrig und würde wieder alles verschlingen. Eilig begann Tonia, die Kartoffeln zu schälen und schnitt diese anschliessend sehr fein. Jetzt war die Bratpfanne heiss genug, sodass Tonia die Kartoffeln schon braten konnte. «Sam, was möchtest du dazu, Salat oder ein Spiegelei?» Sam rieb sich übers Kinn und meinte dann: «Wenn noch genug Brötchen da sind, ziehe ich den Salat vor. Spiegeleier können wir dann am Morgen machen.»

Gerade wendete Tonia den Rösti Kuchen, als Emma in die Küche trat. «Oh, was riecht denn hier so köstlich, was hast du dort eben gewendet, Tonia?»

«Sam wollte eine Kartoffelrösti, doch ich habe nur rohe Kartoffeln hier. So bekommen wir heute eine Rösti aus rohen Kartoffeln. Sam wollte Salat dazu haben. Was möchtest du dazu, Emma?»

«Oh, gerne auch Salat, hast du den schon vorbereitet oder soll ich dir dabei helfen?»

«Du kannst gerne die Sauce dazu machen, Sam liebt deine Salatsauce ja sehr. Wie geht es dir Emma? Wie fühlst du Dich?»

«Wie von einer Dampfwalze geplättet, doch ja, so langsam wird es wieder. Nur gut, dass du Sam geholt hast. Es war nicht eben was für jedermann, was dort vorgefallen ist. Ich hoffe, dass Sam nicht zu viel davon gesehen hat. Er war ja weiss wie ein Laken und ich musste selber herfahren. Doch jetzt decke ich den Tisch. War Sam schon draussen mit Ursi, wo ist denn Sam jetzt?»

Sam sass im Schaukelstuhl im Wohnzimmer und schlief, Ursi lag vor seinen Füssen. Emma ging zu Sam hin und schlang die Arme um ihn.

«Hallo Sam, wie fühlst du dich? Warst du schon draussen mit Ursi oder soll ich mit ihr gehen?»

«Nein, wir gehen zusammen raus, ich fühle mich schon wieder recht gut. Doch wie geht es dir, mein Engel?»

«Sam, wir reden später, doch jetzt gehen wir mit Ursi raus. Tonia hat etwas Köstliches für uns in der Bratpfanne.»

Sam stand eilig auf, ihm war eingefallen, was Tonia kochte. Schon meldet sich sein Magen. Doch erst huschte Emma ins Kinderzimmer, danach zog sie sich warm an und folgt Sam mit Ursi nach draussen. Kaum waren sie vom Haus weg, trat Jochen, der Revieraufseher auch schon zu ihnen her.

«Emma, Sam, gut, dass ich euch treffe. Ich habe versucht, anzurufen, aber es ist wohl alles ausgestellt bei euch? Wisst ihr, was vorgefallen ist beim Weihnachtsmarkt? Es knallte ja nicht nur einmal dort. Doch niemand will wissen, was dort abgelaufen ist.»

«Jochen, siehe dir die Abend-Info im TV an, wir tun das dann auch. Sicher wissen wir danach mehr. Auch wird es am Morgen im Stadt-Infoblatt zu lesen sein. Doch jetzt müssen wir zurück, Tonia hat was Köstliches für uns gekocht. Komm Emma, das will ich mir nicht entgehen lassen.»

Damit zog Sam, Emma sanft am Arm mit sich zur kleinen Wiese hin. Dort erleichterte sich Ursi gleich. Dann trank sie eilig beim Brunnen und wollte schnell wieder ins Haus zurück.