Das Jahr 2967- Utopia - Gerda Roth - E-Book

Das Jahr 2967- Utopia E-Book

Gerda Roth

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Beschreibung

Arne, ein Junge am Ende der Pubertät, will sich nicht der üblichen Weihe unterwerfen, welche man beim Eintritt in das Erwachsenen Leben erhält. Mit Hilfe eines Schäfers schafft er, einen Weg zu beginnen, der ihn über einige Stationen führt. Dieser Weg führt in nicht überall bekannte Orte, wo er die Gelegenheit hat Dinge zu lernen, welche er zu Hause niemals erfahren hätte. Er überquert Meere, Flüsse, Wüsten und Berge, begegnet Menschen, wie er sie zu Hause nie gesehen hätte, lernt Gefühle wie Hilflosigkeit kennen. Aber erlebt auch Situationen in welchen er Selbst der Einzige ist, der ihm helfen kann. So reift er in dieser fast 1 Jahr andauernden Reise von einem Jungen zu einem jungen Mann. Einem Mann der einen klaren Weg vor sich sieht, mit verantwortungsvollen Aufgaben.

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Seitenzahl: 241

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Gerda Roth

Das Jahr 2967- Utopia

die Welt wie sie war und doch eine andere

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Das Dorf

Der Anfang des Weges

Das große Wasser zum Süden

Das Haus im Fluss

Wieder auf dem Weg

In der Wüstenstadt

Eine Wüstenreise

Die Festung

Weiter auf dem Weg

Ein Dorf in der Steinwildnis

Auf gefährlichen Wegen

Alleine

Das Warum

Das Ziel ist der Anfang des Neuen

Impressum

Das Dorf

Ein friedlicher Sommertag ging auf die Mittagszeit zu. Die Großmutter kam mit ihrem jüngsten Enkel aus dem grossen Garten. Einen kleinen Eimer voll mit Erbsenschoten trug der Enkel, die Großmutter schritt forsch voran." Mädi“, rief sie nach ihrer Schwiegertochter, "sollen wir die Erbsen drinnen oder draußen auslösen?" "Das könnt ihr tun wie ihr wollt- aber bedenkt, dass jetzt bald die Regenzeit ausbricht, während der wir wieder drinnen sitzen müssen."

"Oh drinnen, da ist es immer so langweilig, seit Erik nicht mehr da ist." nörgelte Neyl, der Kleinste. "Dann setz dich zu mir. Wir brechen die Erbsen gemeinsam. Wir können dabei singen." schlug die Großmutter vor.

Wenig später saßen sie gemeinsam im Hof auf dem Boden, brachen die Erbsenschoten auf, legten die Erbsen vorsichtig in eine Schüssel. Derweilen sangen sie gemeinsam die bekannten Kinderlieder.

"Nicht wahr, Oma, die Erbsen sind gut zu essen. Die schmecken so süß, so köstlich und sie sind so kostbar.“ Überrascht sah die alte Frau ihren Enkel an. „Wie kommst du auf kostbar- kostbar ist Gold, Silber oder edle Steine sind ebenso kostbar.“ "Aber Mama hat zu Papa neulich gesagt, dass es ein kostbares Geschenk ist, dass wir einen Garten haben, in dem so viel Gutes wächst."

Die alte Frau runzelte die Stirn "Ja“, murmelte sie, „ Mama und Papa haben recht, wir haben immer zu essen, weil wir einen Garten haben.“

Sie blickte sich um, sah über dem Haus die Silhouette des Berges, der zu diesem Dorf ebenso gehörte, wie der zu den anderen um ihn herumliegenden Dörfern gehörte. Die Dörfer, welche vor langer Zeit, so erzählte man, absichtlich um den Berg herum gebaut worden waren, weil die Hütte dort seit Menschengedenken stand. Die Hütte, die alt war, sehr alt. Weshalb diesevon jedermann nur mit ehrfürchtigem Ton erwähnt wurde.

Aus der Ferne hörte man Kinderstimmen. Die Stimmen kamen näher. Kurze Zeit später kamen zwei Kinder in den Hof. Ein Junge und ein Mädchen.

Das Mädchen klein und zierlich, konnte höchstens 11-12 Jahre alt sein. Der Junge war älter. Hoch gewachsen und ungelenk wirkte er, aber sein Bartwuchs zeigte an, dass er wohl am Ende der Pubertät angekommen, und nicht weit vom Erwachsenen-Sein war.

"Jule und Arne“, jubelte der Kleine. Er lief ihnen entgegen, sprang seinem Bruder in die ausgebreiteten Arme. Dieser liess sich fallen.

Die beiden wälzten sich balgend auf dem Boden, bis der Ältere lachend ausrief: "Genug, genug, ich ergebe mich, du hast gewonnen.“ Er stand auf, klopfte seine Kleider ab, ging zu seiner Großmutter, begrüßte sie, indem er mit Ehrerbietung den Kopf neigte.

Gemeinsam mit seiner Schwester, die bei der Großmutter auf ihn gewartet hatte, ging er zur Mutter ins Haus, um auch diese zu begrüßen. „Vater wird etwas später kommen, soll ich dir sagen, er hat neue Bücher bekommen, die will er einordnen.“

Der Vater war einer der drei Lehrer in der Schule, die alle Kinder aus den Orten um den Berg herum besuchten.

Er war derjenige der die Bücher bestellte, der sie verwaltete. Er schrieb die Stundenpläne, er prüfte die Schüler, er erläuterte den anderen Lehrern was ein Schüler noch nicht konnte. Er stellte fest, wenn sie einem der Schüler in einem Fach Nachhilfen geben mussten. Er erklärte was solch ein Schüler noch nicht verstanden hatte, noch nicht konnte. Er war der Verwalter des Wissens in der Schule der kleinen Orte.

"Wir werden essen, Vater wird später alleine essen.“ erklärte die Mutter in bestimmtem Ton.

Die Großmutter schien nichts dabei zu finden, dass die Familie ohne den Vater aß. Sie setzte sich hin und wartete, bis die Mutter die Töpfe mit dem Essen auf den Tisch gestellt hatte.

Die Kinder jedoch starrten die Mutter an, denn, wenn es etwas in dieser Familie vorher noch nie gegeben hatte, war es, dass man mit dem Essen nicht auf die wartete, die noch nicht da waren. Sie hatten bisher immer gemeinsam gegessen.

Nach dem Essen, die Familie hatte gemeinsam den Abwasch gemacht, die Großmutter legte sich zu einem Mittagsschläfchen hin, die beiden Kleinen spielten im Hof, wandte sich der ältere Sohn an seine Mutter.

"Warum haben wir heute alleine, ohne Vater, gegessen?“ Die Mutter war überrascht. "Oh“, ihre Antwort kam sehr verlegen, „Vater hatte zu mir gesagt, dass er dieses Mal sehr viele Bücher bestellen müsse, und dass es länger dauern würde als sonst. Er bat mich; mit euch schon zu essen. Er würde das Essen dann später einnehmen.“ Der Sohn sah seine Mutter erstaunt an.

Er kannte das Wesen seiner Mutter genau. Verlegenheit bei einer so einfachen Aussage, war völlig gegen ihre Art. Er sah seine Mutter forschend an, versuchte in ihrem Gesicht etwas zu finden. Aber ihre Augen waren ruhig. Soweit er dies feststellen konnte, ging sie mit gewohnt sorgfältiger Ausführung ihrer Arbeit nach.

Er atmete tief durch, ging dann hinaus zu seinen Geschwistern. Im Vorbeigehen nahm er einen Ball mit, um mit den beiden Kleinen ein Ballspiel zu spielen, mit dem jedermann Kinder ihres Alters beschäftigte: Wörterball. Man warf den Ball rief derweilen ein Wort, und der Fänger setzte ein passendes Wort daran. Arne warf den Ball zu Jule, rief 'Fass', 'Boden' antwortete die, warf den Ball zu Neyl der 'Teppich' antwortet und den Ball zu Arne zurückwarf.

Die Mutter stand am Fenster, sah ihren Kindern beim Spielen zu. Sie lächelte, als sie das Spiel sah. Sie selbst hatte es ihren beiden Ältesten, den Zwillingen Erik und Anata beigebracht. Diese hatten dann das Spiel an Arne weitergegeben, und dieser spielte es jetzt mit den Jüngsten Die Großmutter kam aus dem Haus, stieg die Treppe hinab, öffnete die Holztüre unter der Treppe. Sie holte einen Besen und eine Schippe heraus, fing an den Hof zu fegen, wie sie es jeden Tag machte. Aber die Mutter schien sehr wenig Interesse an dem zu haben, was sich in ihrem Hof abspielte. Denn immer wieder streifte ihr Blick über den Hof hinaus, auf die weiten Wiesen die zwischen den Ortschaften lagen.

Auch der Vater sah aus dem Fenster der Schulbibliothek. Er hatte die neuen Bücher schon eingeräumt, in der Bücherliste eingetragen. Alles weggeräumt, was wegzuräumen war: Papier in die Bücherkartons, Schreibutensilien ihn die Schublade. Dann war er an ein Fenster getreten, auch er blickte auf die Wiesen, über die Wiesen hinweg. Obwohl er völlig ruhig stand, ihm sah man eine innere Unruhe an. Deutlich erkannte man in seiner angespannten Miene, dass er auf etwas wartete. Dass er hoffte, dass etwas in seinem Blickfeld auftauchen würde, von dem er sicher wusste, dass es sich heute zeigen würde. Seine Ruhe wich einer Unruhe, die ihn immer wieder zu ein paar Schritten durch seinen Arbeitsraum trieb, aber auch wieder zurückzog an das Fenster.

In der Ferne sah er am Horizont einen kleinen weißen Punkt über den Wiesen. Zuerst nur ein Punkt, der sich zum Strich ausbreitete. Ein weißer, dünner Strich, der langsam länger zu werden schien. Er wurde breiter. Dehnte sich aus. Wurde breiter, wurde länger, zerfiel endlich in einzelne weiße Flecke. Man sah nun deutlich, wie die Flecken immer breiter, immer höher wurden, je näher diese dem Dorf kamen. Der Wind trug den Ton einer Flöte aus der Ferne zu der Schule hin. Die Melodie schwang sich leise an der Schule vorbei in das Dorf hinein.

Schnell schloss der Lehrer, der Verwalter des Wissens, die Türe zu seinem Zimmer ab, ging aus dem Schulgebäude hinaus. Mit großen, weitausholenden Schritten eilte er seinem Hause entgegen. Seine Frau sah ihn kommen, lief auf den Hof, winkte die Kinder herbei. Diese hörten auf mit ihrem Ball zu spielen, hüpften, jeder auf einem Bein, nun um die Wette dem Vater entgegen.

„Der Schäfer kommt“, teilte dieser, etwas atemlos, seiner Familie mit. Die Augen seiner Frau strahlten ihn an. Auch die Kinder hüpften vor Freude, denn, wenn der Schäfer kam, war die Schule geschlossen. Dazu liess der Schäfer seine Schafe immer bei Ihnen weiden. Schon das war eine kurzweilige Abwechslung, denn einzelne SCHAFE waren ebenso wie die Schafsherde, mit spannenden, erfreulichen Ereignissen verbunden. Selbst das, an jedem Morgen und Abend stattfindende, Zählen der Schafe war für die Kinder kurzweiliger, als in die Schule zu gehen.

Einzig die Großmutter schien von der Aufregung nicht betroffen zu sein. Ruhig setzte sie ihre Arbeit fort, fegte den Hof zu Ende, räumte den Besen in den Schuppen, setzte sich dann auf die Vortreppe des Hauses, wartete, die Hände in ihren Schoss gelegt, was kommen würde.

Das Lied einer Flöte kam näher, wurde lauter, klang zum Haus der Familie hin. Die Mutter und der Vater warteten am Tor, als die Schafherde hinter dem Buschwerk hervortauchte. Irgendwann waren die ersten Schafe am Zaun des Gartens angelangt, der Schäfer mit seiner Flöte war jetzt an den Büschen sichtbar.

Gleich hinter ihm tauchte ein zweiter Mann auf. Er trug die Kleidung eines Wanderers, pfiff die Melodie der Flöte mit. Seine Schritte wurden länger, er zog den Hut vom Kopf, warf ihn in die Luft und fing ihn mit dem Kopf wieder auf.

„Erik“, jubelten die Geschwister, rannten auf ihren ältesten Bruder zu, aber dieser wich Ihnen geschickt aus, ging auf die Eltern zu, nahm sie beide gleichzeitig in seine Arme. „Endlich wieder einmal zu Hause“, sagte er strahlend. Er liess sich von seiner Mutter umarmen

„Mutter!“ mehr sagte er nicht, aber in dem Wort lag alles was er für seine Mutter empfand. Er gab dem Vater ruhig die Hand. Wandte sich dann seinen drei Geschwistern zu: “Wer wird wohl der erste bei den Schafen sein? Der bekommt das größte Stück von der Torte, die ich von der Reise mitgebracht habe. "

Sofort rannten die zwei kleineren los, der größere jedoch hielt sich zurück. „Gewonnen, gewonnen“, jubelte das Mädchen. Erik klopfte ihr auf die Schulter „Du bist schnell geworden in den letzten zwei Jahren, Jule. Jetzt Lauf zum Schäfer und sag ihm, er soll dir die Torte geben, und bring sie in die Küche. Das Beste wird sein, du stellst sie auf den Tisch.“ Zuletzt nahm er seinen jüngsten Bruder auf, wirbelte ihn im Kreis herum, dass dieser jauchzte. Dann, als er den Kleinen etwas atemlos seiner Mutter übergeben hatte, wandte er sich an den größeren der Jungen.

„Ich bin gekommen, weil du in wenigen Tagen zur Weihe gehen wirst, Arne. Nur noch sieben Tage- am Abend danach, wirst du an die Berghütte gehen aus der du nach kurzer Zeit mit dem Zeichen Deiner Weihe wieder herauskommst.“

Arne sagte nichts, er sah nur auf Eriks Stirn, auf der genau über den Nasenwurzel das Zeichen der Weihe zu sehen war.“ Ich wollte, dass ich noch etwas Zeit bis zur Weihe hätte.“ seufzte er.

Dennoch, es wurde ein fröhlicher Abend. Sie aßen die Torte, die Erik mitgebracht hatte, sie sangen die Lieder die sie von früher kannten. Irgendwann waren sie alle müde. Erik ging mit seinen Brüdern in den Knabenschlafraum, unterhielt sich mit Ihnen, bis sie müde wurden. Als die beiden eingeschlafen waren, stand er vorsichtig auf, stieg über die Treppe hinab in den Wohnraum in dem die Eltern und der Schäfer auf ihn warteten.

Wenn der Schäfer im Dorf war, das wußte ein jeder, war die Schule geschlossen. Solange das Wetter auch nur eine kleine Chance ließ, saßen die Kinder bei ihm. Er erzählte ihnen von der großen weiten Welt aus der er kam, und in die er weiter ging. Dieses Mal, so erklärte der Schäfer, war er in das Dorf gekommen, weil es für mehrere Kinder wieder eine Weihe geben würde, und Arne würde dazugehören.

Die Weihe war der wichtigste Tag im Leben eines Kindes.

Viele Verwandte kamen, sie brachten Geschenke mit, aßen und tranken, sie tanzten und sangen, unterhielten sich, und dennoch lag eine sonderbare Stimmung über der fröhlichen Gesellschaft. Jeder, ob Dorfbewohner oder Gast, wartete gespannt. Warf hin und wieder einen verstohlenen Blick hin zu einer unscheinbaren Hütte kurz unter der Bergspitze. Diese schien halb verfallen zu sein. Doch dann bekam die Hütte einem besonderen, geheimnisvollen Flair. Denn es flutete bläuliches Licht durch die Fenster der Hütte halb oben am Berghang.

Im Dorf war der zweite Lehrer die Person, welche die ehrenvolle Aufgabe hatte, die Hütte während des Festes zu beobachten. In der Hand trug er ein schmales Trichterförmiges Instrument. Sah er das blaue Licht in der Hütte, blies er in das Instrument. Ein fast schriller Ton erklang.

Ohne sich beim Tanzen und Singen stören zu lassen, bildeten die Bewohner jetzt eine Reihe, die sich den Bergpfad hinauf bewegte. Hinter ihnen schritten, zugleich ebenso angespannt wie ernst und feierlich, die jungen Menschen die an diesem Tag zur Weihe gingen. Die jungen Gesichter waren von hohem Ernst geprägt, dennoch sah man die Freude durchscheinen, ebenso wie den Stolz. Stolz weil sie jetzt den ersten wichtigen Schritt in ihrem Leben taten. Nach der Weihe würden sie noch einen Tag in die Schule gehen. Dort würde der Lehrer ihnen sagen zu welchen Berufen sie geeignet waren, und wo sie anfangen konnten diesen Beruf zu lernen, das war der zweite, wichtige Schritt im Leben eines jeden jungen Menschen. Vielleicht sogar der Wichtigste, sagten viele ältere Leute, diese sahen einander an und nickten einander mit freundlicher Miene zu.

Der Weg der zur Hütte führte war gewunden. Zehn Kurven führten deutlich sichtbar zur Hütte. In der siebten Kurve war am Ende ein großer Platz. An dieser Stelle tanzten die Dorfbewohner in den Platz hinein, formierten sich zu einem Spalier, ließen die jungen Menschen an sich vorbeigehen.

Oben an der Hütte standen die Jugendlichen vor der Tür und klopften an. Sie nannten ihre Namen, und warteten. Die Tür öffnete sich, der Erste konnte in das blendende, gleißende Licht treten. Ganz sanft verschloss sich die Tür hinter ihm.

Eine sanfte, schöne Melodie ertönte, die klang als käme sie aus allen Himmelsrichtungen.

Die Musik hörte auf, die seitliche Tür öffnete sich. Der Erste trat heraus, freundlich lächelnd ging er außerhalb des Weges den Berg hinab, nur beleuchtet von dem gleisenden hellblauen Licht. Das Zeichen, dass er jetzt ein Geweihter war, der kleine Punkt auf der Stirn, war deutlich zu sehen.

Er erreichte den Platz in der siebten Kurve, das Licht verschwand.

Im gleichen Augenblick öffnete sich die Tür erneut und der nächste konnte zur Weihe eintreten.

Arne blickte bei seinem Bruder Erik auf die Stirn. „Du hast das Zeichen der Weihe?“ stellte er fest.

„Ist das etwas besonderes?“ fragte Erik. Arne sah ihn an. „ Eigentlich nein, aber irgendwie bist du noch immer der gleiche Erik, während Deine Freunde aus der Schule irgendwie anders zu sein scheinen.“

Erik betrachtete seinen kleinen Bruder nachdenklich. „ Wieso anders und wie anders.“ fragte er jetzt.

„Aaach, „ Arne sah auf den Boden, „so kann ich das nicht beschreiben, sie sind so, so, so,........... so erwachsen.“

„Nun ja, "nickte Erik, „sie sind Erwachsene, das ist bei jedem Menschen so, dass er erwachsen wird.“

Arne schwieg eine Weile. „Da hast du sicher recht, aber trotzdem. Sie sind so anders erwachsen als du. Ich kann das nicht beschreiben.

Schau dir Anata, unsere Schwester an. Sie ist am gleichen Tag wie du geboren, drei Tage nachdem du weg gegangen bist, hat sie die Weihe erhalten. Mit ihr Kombo, Paula, Diedro.

Da ist mir das zum ersten Mal aufgefallen: Kombo, der sonst immer mit jedermann kämpfen wollte, hatte ungefähr eine Woche nach seiner Weihe einen Streit mit Pebra- aber er bot Pebra nicht an sich mit ihm zu schlagen, sondern sprach mit ihm wie mit einem kleinen Kind, bis beider Zorn verraucht war.

Wir hatten viele Weihen in den letzten Jahren, dabei fiel mir immer häufiger wieder und wieder auf, dass die Geweihten sich nach der Weihe anders verhalten.“ Wieder schwieg er eine kleine Weile. “Ich meine nicht, dass sie sich schlechter verhalten, sondern ich meine wirklich ‚A N-D-E-R-S.

Anata ist noch immer fröhlich, freundlich zu jedermann. Deshalb hat sie auch die Arbeit in dem grossen Haus mit den Kindern in der Stadt aufgenommen. Wenn wir sie besuchen ist sie glücklich, wir dürfen dort spielen mit vielen Dingen, die wir hier gar nicht haben.

Aber manches Mal habe ich das Gefühl, nein, den Gedanken, dass sie so ist wie Oma. Bei Oma habe ich schon sehr früh bemerkt, dass sie den Zorn von uns Kinder beim Streit nicht verstanden hat- und seit der Weihe scheint Anata auch keinen Zorn mehr zu kennen. Es nicht so, dass sie den Kindern dort alles erlaubt. Aber wenn sie den Kinder etwas verbietet, wenn sie die Kinder tadelt, ist sie dabei so ruhig wie Oma.“

„Da siehst du, dass Anata genau der richtige Mensch ist, um mit den kleinen Kindern umzugehen. Bei der Weihe lernen die Menschen sich selbst kennen. Das Leben ist danach leichter. „

Wieder sah er seinen jüngeren Bruder an. „ Wir sollten aufhören uns Gedanken zu machen- da vorne am Brunnen sind Combo, Paula, Diedro und Sonna. Es macht Freude zu sehen, dass die alten Kindheitskameraden sich noch immer am Abend am Brunnen treffen. Ganz wie früher.............unverändert.“

Mit lautem ‚Hallo‘ wurde Erik empfangen, es war ganz so, als wäre er nie weggewesen. Keiner fragte ihn, wo er gewesen war, was er in der Zeit getan hatte. Nur die beiden Schwestern Diedro und Sonna fragten ihn, ob er jetzt bleibe.

„Nein, ich muss wieder weg,“ schüttelte Erik den Kopf,“ ich bin dabei einen Beruf zu lernen, wenn ich dann wieder komme, werde ich die Wagen reparieren können, und vieles andere.“

Er blickte jetzt Diedro an, die schwarzhaarige Diedro, der er gesagt hatte, dass sie darauf warten solle, dass er wieder kommen würde. „Nach der Weihe muss ich wieder gehen, um zu Ende zu lernen, dann komme ich wieder wie ich es versprochen habe.“

Sonna antwortete für ihre Schwester. „ Wie lange wird das noch dauern?“

„Noch einmal 3 Jahre“, antwortete Erik.

Diedro selbst gab die Antwort darauf. „Es ist gut so, du musst deinen Beruf lernen. Ich werde warten.“

Erik ging auf sie zu, legte seinen Arm um sie, küsste sie vor allen auf die Stirn“, Ich würde mich freuen, wenn du mit uns heute zu meinen Eltern kommen würdest.“

„ Wir haben es gehört und verstanden“, Sonna sprach für die Gruppe“, ist Dir bekannt, dass Combo und ich heiraten werden? „ "Nein!“ schüttelte Erik den Kopf.“ Wir werden heiraten, wenn der Schnee fällt, weil dann die Arbeit weniger ist. Die Ernte ist in den Vorratshäusern, was wir nicht brauchen werden ist in der Stadt.“ „Und da es fast allen so geht, ist das die rechte Zeit ein großes Fest zu feiern.“ stellte Combo fest.

„Das ist richtig und vernünftig.“ war Eriks Antwort.“ Habt ihr Lust, alle mit zu uns zu kommen? Man kann noch auf der Wiese beim Schäfer sitzen.“

Sie alle hatten Lust dazu, so sass kurze Zeit später das Grüppchen auf der Wiese, unterhielt sich mit dem Schäfer. Auch die Eltern und die Großmutter kamen dazu. Erik wiederholte vor allen, dass Diedro auf ihn warten wolle. Seine Eltern nahmen das nickend auf „Wir werden Diedro wie unsere Tochter annehmen.“ Damit war alles gesagt, was für diesen Zeitpunkt notwendig war.

Ein paar Tage später, es war der vorletzte Abend vor der Weihe, erklärte der Schäfer, dass er am nächsten Nachmittag mit seiner Herde weiterzöge.

Erik hatte es sich angewöhnt jeden Abend ein wenig mit seinem kleinen Bruder Arne spazieren zu gehen. Dabei sprachen sie über vieles, das Arne bewegte. Sie sprachen über Dinge die er erfahren hatte, wenn er Anata besuchte, über Begebenheiten in den Dörfern, die ihm aufgefallen waren und über seine eigenen Gedanken. Die beiden Brüder hatten eine brüderliche Nähe erreicht, die sie noch nicht hatten, als Erik vor etwas mehr als 2 Jahren sein Elternhaus verlassen hatte.

Sie hatten erfahren, dass der Schäfer am nächsten Nachmittag weiterziehen würde und hatten beschlossen sich von ihm zu verabschieden. So führte ihr Weg sie auf die Wiese, auf der die Schafe grasten. Der Schäfer sass an einen Baum gelehnt. Er wog seine Flöte in der Hand, wollte diese zum Mund führen, als Erik den Kopf unmerklich schüttelte. Sie setzten sich zusammen: Der erste Schäfer der Ebene, der Meister der Schäfer, Erik und Arne.

Sie schwiegen eine ganze Weile. Plötzlich fing Erik an zu reden. „Arne, hast du dich je gefragt, wie ich vor Jahren hier weggekommen bin?“ Der Schäfer hob den Kopf, sah zuerst Erik ins Gesicht, dann Arne.

Arne wurde ein wenig rot im Gesicht, nickte etwas verlegen. „Ja, das habe ich mich gefragt, dabei habe ich überlegt, wer dir dabei geholfen haben könnte.“

„Das war ich“, erklärte der Schäfer einfach, „ich habe ihn mit genommen bis an das große Wasser. Wir haben Flüsse überquert, Städte gesehen, und zuletzt habe ich ihm den Weg beschrieben, der vor ihm liegt- ein langer, schwerer Weg, den nicht jeder gehen kann. Ein Weg auf dem du vieles kennen lernst, das Gute wie das Böse, auf dem du Erkenntnisse erhältst, ohne, dass du die Weihe erhältst. Ein Weg der dich endlich dahin führt, wo du die Welt und alles was wichtig ist erfahren kannst.“

Arne schwieg eine Weile, er starrte in das kleine Feuer, das der Schäfer entzündet hatte. „Schäfer“, seine Stimme hatte einen fragenden Klang, „ würdest du mich auch mitnehmen, damit ich diesen, wie du sagst, langen schweren Weg gehen kann. Damit ich nicht die Weihe wie Combo und unsere Freunde hier bekomme, sondern die Weihe wie Erik erhalten kann.

Wieder sah der Schäfer in Arnes Gesicht. Dann nickte er bedächtig.“ Ich sehe, du bist entschlossen, diesen Weg zu gehen. Komme morgen, nach dem Mittagessen zu mir. Deine Kleidung die du brauchst, wird Erik mir bringen. Sie wird in meinem Wagen für dich bereit liegen. Nun, so denke ich, hat Erik dir noch etwas zu sagen, das für ich wichtiger ist als alles Andere.“

Erik nickte. „ Du erinnerst dich, dass du mich gefragt hast, ob das Zeichen auf meiner Stirn das Zeichen der Weihe ist, und ich habe es bejaht. Jetzt muss ich dir sagen: Es ist nur das ZEICHEN der Weihe, damit uns niemand als Ungeweihte erkennt, es ist nicht die Weihe direkt, die du erhältst. Sondern nur das Mal auf der Stirn.“

„Jetzt, da du das weißt, “ erklärte zuletzt der Schäfer“, steht es dir frei, dich morgen auf den langen, schweren Weg zu begeben. So wie es dir jederzeit frei steht, zurück zu kehren oder dich am Tag nach meinem Weggang mit zur Weihe zu begeben.“

Arne nickte nur.

Sie waren schon fast wieder zu Hause, als Erik wieder zu sprechen begann. „ Gib mir morgen Bescheid ob ich deine Sachen zum Schäfer bringen soll.“ „Das werde ich tun“, antwortete Arne.

Erik und seine Eltern saßen am nächsten Abend nach dem Abendessen zusammen vor dem Haus. Die Großmutter und die Kinder schliefen schon. „Jetzt werden sie an der grossen Weide am Fluss das Feuer anzünden und essen, „ die Mutter lächelte ein wenig wehmütig. Der Vater und Erik sahen sich an. „ Es ist der Anfang, aber der Schäfer ist ein guter Lehrer. Arne wird es schaffen.“ sagte der Vater, „ wir sollten schlafen gehen.“

Der Anfang des Weges

Erik hatte Wort gehalten. Arnes Kleidung, sein Lieblingsbuch und ein Bild von seiner Familie hatte er in einem Rucksack zu dem Schäfer gebracht. Dieser hatte den Rucksack lächelnd auf das zweite Bett in seinem Karren gelegt, das er sehr weit oben aus der Wand heraus geklappt hatte.

Dann war Erik zurückgegangen. Nach dem Mittagsmahl- es hatte Arnes Lieblingsspeisen gegeben, eine Suppe aus Tomaten, einen Gemüseauflauf und zuletzt einen Pudding- ging Arne mit Erik vom Hof. „ Was ich dir noch sagen wollte“, Erik sprach nun ernst und ruhig“, egal was dir zustößt, denke immer daran: auch ich habe diese oder ähnliche Situationen erfahren, und ich habe den langen, schweren Weg geschafft. Wir haben den gleichen Vater und die gleiche Mutter. Du hast das Gleiche Wissen und Können wie ich, also kannst du es auch erreichen, den Weg bis zum Ende zu gehen.“

Ruhig, ohne ein weiteres Wort zu wechseln, gingen sie gemeinsam bis an eine Stelle, von der aus sie den Karren und die Schafherde erkennen konnten. Sie umarmten einander, dann ging jeder seines Weges, aber nur Erik drehte sich noch einmal um. “Auf Wiedersehen kleiner Bruder, in einem Jahr.“ murmelte er vor sich hin, dann machte er sich auf den Weg zu seinem Elternhaus. Er hatte seine Aufgabe erledigt, er hatte Arne auf den Weg gebracht. Morgen in der Nacht würde auch er wieder seine Heimat verlassen.

Arne lag auf dem oben heraus geklappten Bett in der Schäferkarre. Er hörte dem Schäfer zu, der auf seiner Flöte eine sonderbare Melodie spielte, langsam glitt er in den Schlaf.

Nach kurzer Zeit kam der Schäfer ebenfalls in seine kleine Schäfer-Karre, still in sich hinein lächelnd legte er sich auf sein Bett. Er legte seine Hand auf eine Stelle, die ein Astloch zu sein schien. Ein undefinierbares Geräusch, ähnlich einem leisen Surren, ertönte. Nun war der Schäfer sicher, dass keiner sie stören würde, bis sie aufgewacht waren. Er würde als erster erwachen, ein kleines Feuer machen. Der Geruch des Feuers würde Arne wecken, sie würden ein einfaches Mahl einnehmen, dann würden die Hunde die Schafe zusammentreiben, sie würden den Fluss an der Furt überqueren.

Der Schäfer wusste, dass er der erste Lehrer für Arne war, der ihm die Techniken vermitteln musste, die er benötigen würde, wenn er auf dem langen, schweren Weg auf sich alleine gestellt war. Wie bei all den anderen jungen Menschen, denen er der erste Lehrer gewesen war, würde er auch hier all sein Können weitervermitteln, damit Arne nach einigen Monaten so viel wusste und konnte, dass er in der Stadt am Meer mit einem anderen Begleiter über das Meer reisen würde. Dort einen neuen Lehrer bekommen würde. Viele andere Lehrer würden folgen, aber sie mussten sich auf das verlassen können, auf das sie aufbauen konnten, was der Schäfer ihn gelehrt hatte.

Arne erwachte, er roch Feuer. Etwas verwirrt sah er sich einen Moment um. Dann fiel ihm wieder ein, dass er nicht mehr zu Hause war. Er war geflohen vor der Weihe, war mit dem Schäfer von zu Hause weggegangen, ohne sich von den Eltern zu verabschieden. Er hoffte, dass Erik den Eltern schonend beibringen würde wo er war. „Es gibt einen Weg“ hatte Erik ihm gesagt, „aber es wird ein langer, schwerer Weg.“

Arne hoffte, dass er immer Eriks letzte Worte im Gedächtnis behalten würde, den Hinweis, dass er Erik diesen Weg auch geschafft hatte. „Sonderbar, Erik hat mir nicht gesagt, woher er kommt", überlegte er, während er seine Kleidung zurechtrückte.

Er öffnete die Tür um hinauszutreten. Die Schafe lagen fast alle noch im Schlafe, vor der Schäferkarre brannte ein kleines Feuer, aber der Schäfer war nicht zu sehen. Das Feuer schien ausgehen zu wollen.

Arne sprang mit einem Satz über die drei Stufen der Schäferkarre, trat ans Feuer, beugte sich zu dem Bündel der aufgeschichteten Äste, zerbrach einen in mehrere Teile um das Feuer zu erhalten.

Als er sich wieder aufrichtete, sah er den Schäfer hinter einer Hecke hervortreten, in der einen Hand trug dieser ein Gefäß, das er auf das Feuer stellte. Er begrüßte Arne mit einem freundlichen Kopfnicken. „Komm, „ forderte er Arne auf, „wir wollen uns unser Frühstück holen.“

Sie liefen nebeneinander zu einer Gruppe von Sträuchern. „Butzelbeeren!“ Arne war enttäuscht, “die mag ich nicht, sie schmecken sauer.“

„Aber nur, wenn man sie roh und ohne die Kräuter isst, die hier wachsen.“ Der Schäfer zeigte auf eine Ansammlung von Kräutern, die um einen Baumstamm herum gewachsen waren. „Nimm von jeder Sorte fünf Blätter", forderte der Schäfer ihn auf. "Nur nicht dieSpeerkräuter, die mit den langen spitzen Blättern. Wenn wir diese für Butzelbeeren benutzen, können wir jene gleich wegwerfen. Diese Pflanzen mit dem langen, spitzen Blättern, sie heißen Speerkraut, sind nur geeignet um sie mit den Bodenbeeren zu kochen, denn sie machen die giftigen Bodenbeeren essbar. Nach dem Kochen muss man die Blätter wegwerfen, denn sie haben alles Gift von den Bodenbeeren in sich aufgesogen. Man kann dann die Bodenbeeren ohne Gefahr essen.“

Arne pflückte zuerst die Butzelbeeren direkt in den Kochtopf, den der Schäfer ihm gegeben hatte. Er hatte den Topf fast gefüllt, als der Schäfer, der das Feuer vergrößert hatte, zu ihm zurückkam.