Das Kolibri Prinzip - Anne de Wild - E-Book

Das Kolibri Prinzip E-Book

Anne de Wild

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Beschreibung

Erkenne wer du bist - und tue, was du kannst. Globale Überforderung prägt unsere Zeit. Die Biografie des Menschen kann eine Orientierung bieten, um wieder bei sich selbst anzuknüpfen. Das Kolibri-Prinzip wird vorgestellt und in den Qualitäten der sieben klassischen Planeten sichtbar gemacht und diese bilden so den organisatorischen Rahmen. Schließlich gibt es eine Anregung zu einer möglichen Herangehensweise dieses (Arbeits-) Buches. 1 – Mond: Was brauche ich, um zu werden, wer ich bin? Zwischen Selfies und innerer Leere öffnet dieses Kapitel einen stillen Raum für kleine, rhythmische Schritte im Alltag. Es geht um das Annehmen eigener Schattenseiten, um Staunen und um das Ordnen innerer und äußerer Räume. Ob beim Aufräumen mit Mondminuten oder dem Loslassen gesellschaftlicher Erwartungen – das Kapitel lässt Mondlicht auf deine inneren und äußeren Räume scheinen und regt an, diese wieder in Einklang mit dir selbst zu bringen. 2 – Merkur: Der „Warum-Darum“-Impuls Merkur lädt zu einem Leben jenseits perfekter Planung ein. Fantasie, Scheitern und kreatives Entfalten brauchen Raum – für Kinder wie Erwachsene. Im Spannungsfeld von Struktur und Freiheit entstehen neue Formen des Miteinanders, die Individualität und Gemeinschaft verbindet. Neugier, Humor und Flexibilität eröffnen Wege des Entdeckens – manchmal sinnbefreit, aber niemals sinnlos. 3 – Venus: Was glaubst du eigentlich, wer ich bin? Venus beleuchtet Jugend, Identität, Schönheit und Generationenbeziehungen. Jugend erscheint nicht als Zukunft, sondern als lebendige Vergangenheit der Erwachsenen. Wenn jugendliche Leidenschaft auf Erfahrung trifft, kann echte, schöpferische Zusammenarbeit entstehen – jenseits von Oberfläche und Funktionalität. Es gilt, Wege neu zu denken! 4 – Sonne: Das Geschenk des goldenen Nichts Liebe, Wut, Hilfe und Selbstwert stehen im Mittelpunkt. Wahre Stärke zeigt sich im Mut zur Verletzlichkeit und im Annehmen von Hilfe. Wut, aus Mitgefühl geboren, kann eine heilende Kraft sein. Lebendigkeit entsteht im Gleichgewicht von Nähe und Loslassen, Geben und Empfangen. Es ist simpel – aber nie leicht! 5 – Mars: Ich fordere Freiheit! Mars steht für innere Stärke und verantwortungsvolle Tatkraft. Besonders in der Lebensmitte fordert er zur ehrlichen Selbstauseinandersetzung auf. Inspiriert von Superhelden- Prinzipien lernen wir, wie Fehler zu Chancen für Wachstum, Ausdauer und Zusammenarbeit werden. Mars verkörpert standhafte Transformation und Charakterkraft. Er sorgt für kreative Neuanfänge. 6 – Jupiter: Moment mal! Jupiter lädt ein, alte Rollen und Erwartungen loszulassen. Das Gefühl, „aus der Zeit gefallen“ zu sein, eröffnet Raum für ein neues Selbst. Innere „Soller“ werden hinterfragt. „Moment mal“ schenkt dir Momente zum Innehalten, zur Klarheit und zum Loslassen, damit du nicht im Perfektionismus erstarrst, sondern vollkommen unvollkommen an Tiefe gewinnst. 7 – Saturn: Der Mut zu sterben und die Angst zu werden An Übergängen begegnen sich Tradition und Innovation mit Spannung. Hier schaffen Mut, Angst und Begeisterung ein dynamisches Gleichgewicht, um Wandel zu gestalten. Letztlich entsteht wahre Freiheit dort, wo wir das freie Individuum im anderen anerkennen. Epilog: Zurück auf der Erde Nach jeder inneren Reise braucht es Zeit zum Ankommen. In der Stille reifen Erfahrungen zu Erinnerungen, die tragen. Dieses Buch war eine solche Reise. Vertraue darauf, dass das Wesentliche bleibt – manches zeigt sich erst, wenn die Zeit reif ist.

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Seitenzahl: 348

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Das Kolibri-Prinzip

Das Kolibri-Prinzip

Sieben Impulse für gelebte Menschlichkeit

Anne de Wild & Chris Burke

The Hummingbird Principle bei White River Press Amherst, Massachusetts erschienen• whiteriverpress.com

Deutschsprachige Ausgabe:

ISBN:     978-3-033-11802-7 (gebundene Ausgabe)

Deutschsprachige Ausgabe:

Copyright © 2025 by Anne de Wild, Chris Burke

Übersetzung: Lingidoo und Anne de Wild

Lektorat: Sibylle Schütz (deutsche Bearbeitung)

Umschlaggestaltung, Layout, Buchsatz: Chris Burke

Covergrafik: William Lizars, "The Natrualist's Library: Ornithology:

Hummingbirds, Volume2"

Das Werk, einschließlich seiner Teile, sind urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte sind die Autoren verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgt im Auftrag der Autoren, postalisch zu erreichen unter: Anne de Wild, Fiechthagstrasse 4, 4103 Bottmingen, Schweiz und per E-Mail unter [email protected]

Inhalt

Cover

Halbe Titelseite

Titelblatt

Urheberrechte

Einleitung

Anthroposophie und die Biografie des Menschen

Das Kolibri-Prinzip!

Grundlegende Konzepte der Biografiearbeit

Die Planeten als organisatorischer Rahmen

Wie du an dieses Buch herangehen kannst

1. MOND

Die Geburtsstunde des inneren und äußeren Raums

Die helle Seite und die dunkle Seite

Selfie-ish werden

Mond-Qualitäten

Arbeiten mit den Mondkräften im Alltag: Mondminuten

Eine weitere Möglichkeit, mit den Mondkräften zu arbeiten: Die Kraft des Sich-Wunderns und des Staunens

Über die Erwartungen hinaus

2. MERKUR

Hab dich – du bist!

Vortäuschung falscher Tatsachen

Alle Wege führen nach Rom

Merkur-Qualitäten

Arbeiten mit den Merkurkräften im Alltag: Auf der Welle reiten

Vom Lachen und Weinen – Freiheit der Tränen

Der „Warum-Darum“-Impuls

Fang mich, Merkur, wenn du kannst

3. VENUS

Achtung Baustelle: Betreten auf eigene Gefahr!

Der Laufsteg des Lebens

Mir fehlen die Worte

Venus-Qualitäten

Spieglein, Spieglein an der Wand . . .

In allen Farben des Lebens

Es ist (nicht) schwarz und weiß

Arbeiten mit den Venuskräften im Alltag: Wage es, neu zu denken

Freitag: Ein Tag der Schönheit

4. SONNE

3 – 2 – 1 – ernsthaft?

Halte es simpel

Gerechter Zorn: Ein Akt der Liebe

Sonne-Qualitäten

Arbeiten mit den Sonnenkräften im Alltag: Das Geschenk des goldenen Nichts

Das Geschenk eines Buddhas – oder – Wie du aufhörst, Komplimente zu verschwenden

Sonntag: Der erste Tag der Woche

5. MARS

Veni, vidi, vici!

Westarctica oder gar nichts!

Ein Rat in Sachen Freiheit

Mars-Qualitäten

Superman und Wonder Woman

Arbeiten mit den Marskräften im Alltag: Eine Fehlerkultur schaffen

Das letzte Wort haben

6. JUPITER

Solotheater

Ein Walzer, kein Marsch

Die Soller

Jupiter-Qualitäten

Moment mal – es gibt ein paar Regeln

Arbeiten mit den Jupiterkräften im Alltag: Vollkommen unvollkommen werden

Eine Schlange, ein Schauspieler und ein Soller betreten eine Bar …

7. SATURN

Angelegenheiten regeln

Nachklang der Reue (oder vielleicht: Ein Hauch von Reue?)

Saturn-Qualitäten

Arbeiten mit den Saturnkräften im Alltag: Tradition, Innovation und ein Funke Begeisterung

„Break Down the Wall“

Epilog

Danksagungen

Über die Autorin und den Autor

Anmerkungen

Einleitung

Kapitel 1 – MOND

Kapitel 2 – MERKUR

Kapitel 3 – VENUS

Kapitel 4 – SONNE

Kapitel 5 – MARS

Kapitel 6 – JUPITER

Kapitel 7 – SATURN

Epilog

Das Kolibri Prinzip

Cover

Titelblatt

Urheberrechte

Introduction

Einleitung

Epilogue

Anmerkungen

Das Kolibri Prinzip

Cover

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Einleitung

SIEDICH UM. WAS SIEHST DU IN DER WELT, DIE DICH UMGIBT? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass du Gründe zum Verzweifeln findest: Krieg, Armut, Angst und Hass auf jene, die anders sind; ein polarisierter und spaltender politischer Diskurs, die Ablehnung lange gehegter Traditionen und gesellschaftlicher Konventionen. Möglicherweise spürst du in deinem persönlichen Leben noch viel mehr den Stress des modernen Lebens: beruflicher Erfolg, den Familienalltag bewältigen, auf deine Gesundheit und Sicherheit und die anderer achten. Vielleicht bist du auch auf Arbeitssuche, kämpfst gegen eine Sucht an, machst dir Gedanken um Not leidende Ältere, suchst einen Weg aus der Einsamkeit, hast Eheprobleme oder setzt dich mit dem Thema Entfremdung auseinander. Die Welt scheint in Flammen zu stehen, da die Grundfesten des gesellschaftlichen Lebens ins Wanken geraten sind.

Nun richte deinen Blick nach innen. Was siehst du? Was kannst du sehen? Was weißt du wirklich über dich selbst? Versuche dich zu betrachten, losgelöst von den Gruppen, zu denen du gehörst, und von den Rollen, die du spielst. Versuche durch den Nebel der Schutzmechanismen hindurchzublicken, die du errichtet hast, um dich vor Zurückweisung, Verletzungen, Kritik oder Entmenschlichung zu bewahren. Kannst du einen flüchtigen Blick auf diesen winzigen, verletzlichen, kämpfenden und wunderschönen Kern erhaschen, den du „Ich“ nennen kannst? Wann hast du das letzte Mal das innere und äußere Getöse soweit zur Ruhe gebracht, dass du über solche Fragen nachdenken konntest?

Dieses Buch beginnt mit einer schlichten Annahme: Der gesellschaftliche Unfriede, den wir weltweit beobachten, nahm seinen Ursprung in unserer (eigenen) Entfremdung von uns selbst. Je mehr wir den Halt an unserem individuellen Sein verlieren, desto stärker klammern wir uns an Gruppen, die uns das Gefühl geben, wertvoll zu sein und dass die Welt in sich geschlossen und bedeutungsvoll ist. Werden diese Gruppen bedroht, verhärten wir unsere Positionen und verfallen in ein „Wir-gegen-die“-Denken und tragen damit weiter zur Auflösung des sozialen Gefüges bei. So kann es beispielsweise dazu kommen, dass Menschen aufgrund unterschiedlicher politischer Ansichten Angst davor bekommen, Familienmitgliedern an den Feiertagen zu begegnen. Ebenso kann innerhalb eines Wohngebiets der Sinn für Gemeinschaft abhandenkommen, weil sich die Menschen dort schwertun, Neuankömmlinge, die anders aussehen, anders denken oder anders beten, willkommen zu heißen. Zerbrechen Familie und Gemeinschaft, gewinnen autoritäre Strukturen an Bedeutung: die Polizei, das Militär, eine machtvolle, zentralisierte Regierung und auch die Rechtsordnung, da wir zudem die Fähigkeit verloren haben, uns um uns selbst zu kümmern. Und so verzweifeln wir: „Die Probleme sind so groß, was kann ich schon tun?“

Anthroposophie und die Biografie des Menschen

Mit diesem Buch soll ein Rahmen geschaffen werden, der es uns ermöglicht, wieder eine gesunde Verbindung zu uns selbst, unseren Nächsten und zu der Welt um uns herum herzustellen. Es basiert auf einem Ansatz, der als Biografiearbeit bekannt ist und seine Wurzeln in der spirituellen Philosophie hat, die als Anthroposophie bekannt ist und erstmals um die Wende zum 20. Jahrhundert von Rudolf Steiner beschrieben wurde. Das Wort Anthroposophie leitet sich von den griechischen Wörtern „ánthropos“ (Mensch) und „sophía“ (Weisheit) ab. Steiner beschreibt Anthroposophie als „einen Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltenall führen möchte“1 und als „Bewußtsein seines Menschentums“.2 Steiners Werk, das aus 28 Büchern und über 6000 Vorträgen besteht, spiegelt seine Hingabe an diesen Erkenntnisweg und sein Engagement wider, ihn mit anderen zu teilen. Seine Schriften lassen sich weitestgehend als philosophische Werke einordnen, in denen sprachlich das philosophische Fundament für die Anthroposophie gelegt wird. Es sind praktische Werke, in denen der Weg der spirituellen Entwicklung beschrieben und Anleitungen für alle angeboten werden, diesem Weg zu folgen. Zudem sind es Ergebnisse der spirituellen Forschung, innerhalb welcher Steiner das erlangte Wissen auf so unterschiedliche Bereiche, wie die Bildung, die Landwirtschaft und gesellschaftliche Reformen, anwendet. Diese Erkenntnisse bereiteten den Weg für die Waldorf-Pädagogik, die biodynamische Landwirtschaft und die Dreigliederung des sozialen Organismus; Konzepte, die ein Jahrhundert später erneut auf ein stark aufkommendes Interesse stoßen werden.

Für Steiner ist der Mensch insofern eng mit der Erde verbunden, sodass die Natur ihr volles Potenzial erst durch das Interesse und Handeln des Menschen entfalten kann: „Man sehe hin auf die Welt! Die Welt ist voller Rätsel, voller Geheimnisse … Man kann nämlich sagen: Alle Rätsel der Welt sind im Menschen gelöst – wieder im weitesten Umfange. Der Mensch selber, so wie er lebendig in der Welt herumläuft, ist die Lösung des Weltenrätsels!“3 Zu behaupten, der Mensch sei die Lösung der Welträtsel, bedeutet jedoch, diese Lösung wäre veränderbar. Sie ist so dynamisch wie der Mensch wächst und gedeiht und so vielfältig wie sich Menschen voneinander unterscheiden.4

In Steiners Vorstellung bedingt die maßgebliche Rolle des Menschen, dass jegliche Erkenntnis der Welt, auch die Erkenntnis des Menschen, unweigerlich subjektiv ist. Das bedeutet: Was wahrgenommen und verstanden wird, hängt vom jeweiligen Blickwinkel des Beobachters ab. Allerdings bedeutet dies für Steiner keineswegs, dass in Bezug auf eine etwaig beliebige Wahrheit „alles erlaubt“ wäre. Er plädiert vielmehr für eine Wahrheit, die erst erfasst werden kann, wenn alle Perspektiven miteinbezogen wurden:

„Einen Satz hören Sie heute immer wieder die Leute sagen: Das ist mein Standpunkt. – Jeder hat einen Standpunkt. Als ob es darauf ankäme, was man für einen Standpunkt hat! Der Standpunkt im geistigen Leben ist nämlich ebenso vorübergehend wie der Standpunkt im physischen Leben. Gestern stand ich in Dornach, heute stehe ich hier. Das sind zwei verschiedene Standpunkte im physischen Leben. Es kommt darauf an, dass man einen gesunden Willen und ein gesundes Herz hat, um die Welt von jedem Standpunkte aus betrachten zu können. Aber die Menschen wollen heute nicht das, was sie von den verschiedenen Standpunkten aus gewinnen können, sondern wichtiger ist ihnen die egoistische Behauptung ihrer Standpunkte. Damit schließt man sich aber in der rigorosesten Weise von seinem Nebenmenschen ab. Sagt einer etwas, geht man nicht ein auf das, was er sagt, denn man hat ja seinen Standpunkt. Aber dadurch kommt man sich nicht näher. Näher kommt man sich, wenn man seine verschiedenen Standpunkte in eine gemeinsame Welt hineinzustellen weiß. Aber diese gemeinsame Welt fehlt heute ganz. Eine gemeinsame Welt für den Menschen findet sich nur im Geiste. Und der fehlt.“5

Etwas aus vielen verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, verbindet Menschen miteinander und lässt sie in ihren Fähigkeit wachsen, einander zu verstehen und gemeinsam Gedanken zu entwickeln.

Steiner vermittelte darüber hinaus ein Bild des unaufhörlichen Entwicklungsprozesses des Menschen. Die Menschheit als Ganzes durchläuft eine Reihe von Entwicklungsstufen: einen allmählichen Prozess des Wachsens, des Erblühens, des Erneuerns und des Verfalls, der sich im Lebenszyklus jedes einzelnen Menschen wiederfindet. Mit anderen Worten: So wie ein Individuum als Säugling geboren wird und durch Kindheit und Erwachsenenalter ins hohe Alter hineinreift, so entwickelt sich auch die gesamte Menschheit. Diese Beziehung der Makrozur Mikroebene bedeutet, dass das Studium dessen, wie sich die Menschheit über Jahrtausende hinweg entwickelt hat, Aufschluss darüber geben kann, wie sich die Entwicklung im Lebensverlauf eines Individuums vollzieht. Es bedeutet auch, dass wir ein tieferes Verständnis für die Vielschichtigkeit des menschlichen Wesens gewinnen können, indem wir ein deutlicheres Bild unserer eigenen Lebensgeschichte – unserer Biografie – zeichnen.

In gewisser Weise wiederholt sich in der Lebensgeschichte jedes Einzelnen die Urform des menschlichen Daseins. Wir sind also alle Teil derselben menschlichen Geschichte, und es kann von großem Wert sein zu erkennen, dass eine schwierige Erfahrung, die wir für unsere eigene halten, in einer bestimmten Lebensphase allgemein verbreitet ist. Die Vorstellung dieser Urform kann als Bezugspunkt dienen, an dem wir unsere eigenen Erfahrungen oder die anderer bewerten können. Erziehungsratgeber beinhalten zum Beispiel oft Informationen darüber, wann bestimmte Entwicklungsschritte, sowohl positive als auch herausfordernde, typischerweise eintreten, um Eltern dabei zu helfen, die wachsenden Fähigkeiten ihrer Kinder besser zu verstehen.

Gleichwohl sind wir vom Augenblick unserer Geburt an, im Grunde sogar schon davor, einzigartige Wesen. Wir werden in unterschiedliche Familien hineingeboren, an verschiedenen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten, mit unterschiedlichen familiären Strukturen, Neigungen, physischen und psychischen Grenzen sowie Veranlagungen. Selbst eineiige Zwillinge, die buchstäblich zur selben Zeit am selben Ort geboren werden und im selben Umfeld aufwachsen, entwickeln mit der Zeit ihre ganz eigenen Lebensgeschichten.

Wie lassen sich diese Unterschiede erklären? Die Umstände, in die ein Mensch hineingeboren wird, sind wohl die offensichtlichsten Ursachen für Unterschiede. Der Existenzphilosoph Martin Heidegger prägte den Begriff Geworfenheit6, um die Tatsache zu beschreiben, dass wir in bestimmte Lebensumstände hineingeworfen werden und dass diese Faktoren, die sich unserer Kontrolle vollständig entziehen, einen großen Einfluss auf unseren Lebensweg haben können (zum Beispiel ob wir in unserer Kindheit von Sicherheit, Chancen und Wohlstand oder von Instabilität, Armut und Missbrauch umgeben waren). Abgesehen von diesen „Gegebenheiten“ bewegen wir uns in verschiedenen sozialen Sphären – Eltern, Großeltern, Nachbarn, Lehrerinnen, Freunde –, die sich im Laufe der Zeit immer weiter individualisieren. Wir sammeln zudem unterschiedliche Erfahrungen, manche davon aufgrund eigener Entscheidungen oder aus eigenem Antrieb; andere sammeln wir, ob wir es wollen oder nicht. Letztendlich scheint es etwas zu geben, das durch uns wirkt. Es ist der Funke der Begeisterung für Buchhaltung oder Botanik, Kundenbetreuung oder Kletterrouten, den deine Freundinnen nicht teilen. Oder das Gefühl, deinen Seelenverwandten zu finden, während du dich fragst, wie niemand zuvor sehen konnte, wie vollkommen dieser Mensch in all seinen Aspekten ist. Oder dein eigenwilliger Sinn für Humor. Du kannst nicht nachvollziehen, woher diese Neigungen kommen, aber du weißt mit absoluter Gewissheit, dass sie ein integraler Bestandteil deiner Persönlichkeit sind.

Natürlich bringt das Leben auch für jeden von uns ein gewisses Maß an Widrigkeiten, Schmerz und Leid mit sich. Einige von uns versuchen vielleicht, diese Erfahrungen als Teil ihrer Biografie abzulehnen oder zu verdrängen, während andere sie so sehr verinnerlichen, dass sie an ihnen scheitern. Wir können Schutzmechanismen entwickeln, um uns nicht mit ihnen auseinandersetzen zu müssen oder um zukünftige Probleme zu vermeiden. Solche Schutzmechanismen können sich in den unterschiedlichsten Verhaltensweisen äußern: von Mobbing über sozialen Rückzug bis hin zum Drogenmissbrauch. Auch wenn wir die schmerzhaften Erfahrungen unseres Lebens oft vergessen wollen, bilden – aus anthroposophischer Sicht – alle unsere Erfahrungen, sowohl angenehme und unangenehme, ein zusammenhängendes Ganzes, das die eigene Biografie verständlich macht.

Denke an das letzte Mal, als du die Biografie einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens gelesen hast. Stell dir vor, wie anders die Geschichte ausgefallen wäre, wenn sie nur die Erfolge der Person enthalten hätte. Für viele wäre ein solches Buch nicht mehr lesenswert – wie ein Film ohne Konflikte oder Spannung. In diesem Zusammenhang erkennen wir implizit den Wert der Schwierigkeiten und Rückschläge an. Solche Hindernisse können eine notwendige Kurskorrektur darstellen, auf Fehler in der Strategie oder Planung hinweisen, oder Charakterzüge ausbilden, die später von Nutzen sein werden. So können wir die Notwendigkeit dieser Erfahrungen für die Geschichte erkennen, ohne die Person für ihr Unglück verantwortlich zu machen und ohne Personen zu entlasten, die möglicherweise das Leid der Person verursacht haben.

Dieselbe unvoreingenommene, objektive Sichtweise auf unsere eigene Biografie einzunehmen, ist jedoch nicht so einfach. Warum? Nun, einer der Gründe ist, dass sich unsere eigene Geschichte weiterhin entfaltet. Wir können noch nicht klar erkennen, wo wir letztlich ankommen und was wir vollbracht haben werden. Daher fällt es schwer, die schwierigen Erlebnisse als wesentliche Bestandteile unseres Weges zu begreifen. Ein weiterer Grund hängt mit den bereits erwähnten Abwehrmechanismen zusammen: Du wolltest diese Beförderung so sehr; du warst dir sicher, dass du mit dem Partner, der dich verlassen hat, alt werden würdest; und was ist denn gut daran, dass du durch eine Naturkatastrophe oder einen Krieg entwurzelt wurdest?

Wie kannst du genug Abstand zu den Ereignissen in deinem Leben gewinnen, um ihre gegenseitigen Wechselwirkungen, ihre Einheit zu erkennen? Biografiearbeit ist ein Ansatz. Die Biografiearbeit ist eine besondere Art der Selbstfindung, bei der sich der Einzelne langsam ein Bild vom Menschen an sich und von sich selbst als einzigartigem Menschen macht. Bei der Biografiearbeit öffnen wir uns für vergangene Erfahrungen und sammeln diese, um die Muster und Fäden, die Helfer und die Wendepunkte zu finden, die zusammen unsere Lebensgeschichte bilden. Die Arbeit an der Biografie beginnt damit, dass du deine Aufmerksamkeit einfach auf die Ereignisse in deinem Leben lenkst, ohne sie zu bewerten. Hierbei kannst du eine Haltung der Neugier und des Staunens einnehmen: „Ich wundere mich, warum das nicht so gekommen ist, wie ich es erwartet habe. Ich frage mich, ob diese Ereignisse in irgendeiner Weise zusammenhängen. Ich wundere mich, warum mir diese Erinnerung in den Sinn gekommen ist.“ Das Ziel besteht nicht darin, eine bestimmte Geschichte zu erzwingen, die zu den Erfahrungen passt, sondern vielmehr darin, das Unbekannte zu akzeptieren und Erkenntnisse zuzulassen, wenn die Zeit dafür reif ist. Wie der Dichter Rainer Maria Rilke es so treffend formulierte, müssen wir lernen, „Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben …“.7

Die Art und Weise, wie wir in diesem Buch arbeiten, hat ihren Ursprung in unserer Ausbildung in „Biografie und soziale Kunst“. Während viele der Biografie-Aktivitäten allein durchgeführt werden können, sind wir der Meinung, dass die Zusammenarbeit mit anderen einen enormen Mehrwert bietet. Nicht nur, dass das Hören der Geschichten anderer dazu beiträgt, die eigene Einzigartigkeit und das Menschsein besser zu begreifen, sondern es liegt auch eine Art alchemistischen Zaubers darin, wenn einem selbst zugehört wird. Wenn du deine Geschichte in den wertungsfreien Spiegel einer anderen Person hineingeben kannst, kannst du dich selbst irgendwie klarer sehen. Bei der Arbeit mit Gruppen, ob persönlich oder online, nutzen wir auch kreative Aktivitäten, um verschiedene Arten von Erinnerungen für die Teilnehmenden in den Fokus zu rücken. Zum Beispiel bitten wir die Teilnehmenden, eine Skizze oder ein Gedicht zu einem vergangenen Erlebnis zu erstellen und die Ergebnisse der Reflexion dann mit anderen zu teilen. Damit etwas von dieser Arbeitsweise in einem Notizbuch festgehalten werden kann, haben wir in den folgenden Kapiteln Denkanstöße eingefügt, anhand derer deine Aufmerksamkeit auf bestimmte Ereignisse in deiner eigenen Biografie gelenkt werden soll.

Wir legen großen Wert auf die Qualität des Zuhörens, die die einzelnen Personen bei dieser Arbeit einbringen. Im Alltag hören Menschen oft nicht wirklich zu, wenn andere sprechen. Ihre Gedanken sind mit anderen Dingen beschäftigt. Die Menschen wollen ihre eigene Meinung kundtun und warten regelrecht auf eine Gelegenheit ihren Senf zu einer Unterhaltung dazuzugeben. Sie planen bereits eine Antwort auf das, was der Redner sagt; oder sie hören zwar zu, sind aber währenddessen anderweitig beschäftigt. Diese Art des Zuhörens gibt dem Sprechenden nicht das Gefühl, wirklich gehört zu werden, und schränkt den Nutzen ein, den der Zuhörende selbst aus dem Gespräch ziehen könnte. Stattdessen schlagen wir vor, offenes und wertfreies Zuhören zu üben. Bei dieser Form des Zuhörens hat der Sprechende deine ungeteilte Aufmerksamkeit und du nimmst einfach auf, was er dir gibt. Du bereitest keine Entgegnung vor, weil du keine Entgegnung geben wirst. In dem so entstandenen Raum kann sich die Geschichte, die kommen möchte, entfalten. Du lässt ganz einfach seine Worte in dein Herz hinein, wo du ihnen die Möglichkeit gibst, in aller Ruhe auf den Sprechenden zurückzuwirken, ohne ihn dabei zu unterbrechen oder darin zu bestätigen; als böte ihm allein deine Anwesenheit die Möglichkeit, ein Echo seiner Erzählung wahrzunehmen, wodurch er mehr über sich lernen und sein Verständnis sich selbst gegenüber, vertiefen kann. Sei aber – obwohl du nicht vorhast, auf das, was mit dir geteilt wird, zu antworten – nicht überrascht, wenn dich am Ende ein kleines Geschenk erwartet: ein Stück deiner eigenen Geschichte, das der Fremde vor dir all die Jahre bei sich trug, bis er es in diesem heiligen Augenblick an dich zurückgeben kann.

Das Kolibri-Prinzip!

Unsere Arbeit ist von einer wunderbaren Geschichte der Ureinwohner Südamerikas inspiriert, die von Michael Nicoll Yahgulanaas in dem Buch The Little Hummingbird (Der kleine Kolibri) nacherzählt wurde. Die Geschichte handelt von einem großen Waldbrand, der alle Tiere in Angst und Schrecken versetzt. Sie sind orientierungslos, vor Angst wie gelähmt und hoffnungslos, während das Feuer weiter wütet. Einzig ein kleiner Kolibri flitzt zwischen dem Fluss und dem Feuer hin und her, jedes Mal mit einem einzelnen Wassertropfen, um das Feuer zu löschen. Als die anderen Tiere den Kolibri kurz aufhalten und ihn fragen, was er da tue, antwortet dieser schlicht: „Ich tue alles, was ich kann“, und setzt seine Bemühungen fort.8

Diese Geschichte steckt voller Weisheit. Erstens: Große Probleme erfordern kollektive Lösungen. Aufgrund ihrer winzigen Größe und der geringen Wirkung eines einzelnen Wassertropfens könnte man sagen, dass die Bemühungen des Kolibris vergeblich waren. Aber was wäre, wenn alle Tiere etwas tun würden? Mit vereinten Kräften könnten sie das Feuer vielleicht eindämmen. Wenn wir dies auf uns Menschen übertragen, dann stehen wir vielleicht nicht vor einem Waldbrand, sondern vor der Klimaerwärmung, drohenden Kriegen oder anderen riesigen Problemen unserer Zeit, die unüberwindbar scheinen. Doch diese Herausforderungen konnten sich nur aufbauen aufgrund der Handlungen und Unterlassungen von vielen Individuen. So braucht es die vereinten Kräfte vieler einzelner, diese Probleme nun in mannigfacher Weise anzugehen. Das bringt uns zur zweiten Weisheit: Angst und Hoffnungslosigkeit können lähmend sein und es erfordert Mut und Entschlossenheit, in schwierigen oder gefährlichen Situationen zu handeln. Mut und Entschlossenheit entstehen aus einem klaren Sinn für die eigene Aufgabe: „Das ist es, was ich tun muss.“ Ist dieser Zustand der Klarheit erst einmal erreicht, kann die Handlung ganz natürlich daraus hervorgehen.

Drittens, und das ist vielleicht der wichtigste Punkt in diesem Buch, hat sich der Kolibri entschieden, seine einzigartigen Fähigkeiten zu nutzen. Er ist schnell, er kann Wasser transportieren und ist in der Luft sicher. Kein anderes Lebewesen des Waldes hätte das tun können, wozu der Kolibri imstande war. Der Kolibri war sich auch seiner Grenzen bewusst. Er hätte versuchen können, zwei oder drei Tropfen auf einmal zu transportieren, aber das wäre womöglich zu viel gewesen. Wenn er über seine Grenzen hinausgegangen wäre, hätte dies zu Erschöpfung, Fehlern oder sogar Gefahren führen können. Der Kolibri kannte sich selbst gut genug, um genau zu wissen, wozu er in diesem Moment fähig war, und er konnte die Situation klar genug erkennen, um Maßnahmen zu ergreifen und angesichts von Schwierigkeiten durchzuhalten. Die Vorgehensweise des kleinen Kolibris stellt die Essenz dessen dar, was wir als „Kolibri-Prinzip“ bezeichnen. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das Kolibri-Prinzip, dass man klar erkennt, was man in einer bestimmten Situation tun kann, und es dann auch tut. Dazu benötigst du eine realistische Einschätzung der Situation – der anstehenden Probleme, der Hindernisse oder Herausforderungen und der verfügbaren Ressourcen – sowie eine realistische Einschätzung dessen, was du einbringen kannst – deine Talente und Fähigkeiten, deine Schwächen und situativen Einschränkungen. Wenn du einen klaren Blick auf dich selbst und die Situation hast, kannst du auch die Vorteile schätzen, die andere in die Situation einbringen, und sie sinnvoll einbeziehen.

Das Kolibri-Prinzip befreit von starren Erwartungen und Vorurteilen. Es schreibt kein „Sollen“ oder „Müssen“ vor, sondern entspringt einem inneren Impuls, der auf einer realistischen Einschätzung der jeweiligen Situation beruht. In jeder Situation gilt es, sowohl die eigenen Talente als auch die Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und dann den Weg zu wählen, der den Umständen am besten entspricht. Es geht nicht darum, sich ausschließlich auf die eigenen Stärken zu beschränken. Der Kolibri würde in einer anderen Situation nicht weiterhin Wasser tragen, wenn eine andere Handlung sinnvoller wäre. Ebenso mag jemand eine bezaubernde Stimme haben, aber wenn das Nachbarhaus brennt, ist es besser, die Feuerwehr zu rufen, als ein Lied darüber zu singen. Vielmehr geht es darum, flexibel und situationsangepasst zu handeln.

Rudolf Steiner verwendet den Begriff „moralische Intuition“, um die Fähigkeit zu beschreiben, aus sich selbst heraus zu handeln:

„Die Handlung ist also keine schablonenmäßige, die nach irgendwelchen Regeln ausgeführt wird, und auch keine solche, die der Mensch auf äußeren Anstoß hin automatenhaft vollzieht, sondern eine schlechthin durch ihren idealen Gehalt bestimmte. Zur Voraussetzung hat eine solche Handlung die Fähigkeit der moralischen Intuition. […] Der gerade Gegensatz dieses Sittlichkeitsprinzips ist das Kantische: Handle so, daß die Grundsätze deines Handelns für alle Menschen gelten können. Dieser Satz ist der Tod aller individuellen Antriebe des Handelns. Nicht wie alle Menschen handeln würden, kann für mich maßgebend sein, sondern was für mich in dem individuellen Falle zu tun ist.“9

Eine der großen Herausforderungen unserer Zeit ist es, genau diese moralische Intuition zu entwickeln, anhand derer wir unsere individuelle Wahrnehmung von Situationen, mit denen wir konfrontiert werden, mit einem klar verständlichen Selbstbild zusammenführen, um hieraus einen inneren Handlungsimpuls entstehen zu lassen. Die „Lagerbildung“ in den gesellschaftlichen Debatten erschwert diese notwendige Entwicklung der Intuition noch zusätzlich.

Um diese Ideen zu konkretisieren, können wir ein Beispiel aus den täglichen Nachrichten nehmen, wie etwa eine rassistisch oder religiös motivierte Gewalttat, die in einem anderen Staat verübt wurde. Wenn man von einem solchen Ereignis erfährt, könnte man versucht sein, alles stehen und liegen zu lassen, in ein Flugzeug zu steigen und sich der Situation direkt zu stellen. Das mag zwar manchmal die beste Vorgehensweise sein, aber es ist wahrscheinlicher, dass es etwas gibt, das du dort, wo du lebst und arbeitest, tun kannst, und du dort deine einzigartigen Fähigkeiten besser einbringen kannst. Wer sind die Menschen in deiner Umgebung, die von der Situation betroffen sein könnten? Wie kannst du dich bei ihnen melden, um zu sehen, wie es ihnen geht? Gibt es Möglichkeiten, wie du deine Fähigkeiten und Fertigkeiten einsetzen kannst, um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass solche Ereignisse in Zukunft eintreten, und sei es auch nur in geringem Maße? Gibt es Dinge, um die die Betroffenen bitten und zu denen du beitragen könntest, wie Blut- oder Lebensmittelspenden?

In einer bestimmten Situation nach dem Kolibri-Prinzip zu handeln, setzt voraus, dass man vorbereitet und handlungsbereit ist, und ein Großteil dieser Vorbereitung besteht darin, ein realistisches Verständnis der eigenen Fähigkeiten und Grenzen zu entwickeln. Die Biografiearbeit spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Kolibri-Prinzips. Indem du dich mit deiner Lebensgeschichte auseinandersetzt, gewinnst du ein tieferes Verständnis für deine Stärken, Schwächen, Prägungen und wiederkehrenden Muster. Du erkennst, welche Ressourcen du im Laufe deines Lebens entwickelt hast und welche Herausforderungen dich geprägt haben. Diese Selbsterkenntnis ist die Grundlage, um in gegenwärtigen Situationen klar zu erkennen, was du beitragen kannst. Die Biografiearbeit zeigt dir auch, dass deine Fähigkeiten und Grenzen nicht statisch sind, sondern sich im Laufe der Zeit verändern. Diese Erkenntnis ermöglicht es dir, flexibel auf neue Situationen zu reagieren und deine Handlungen den jeweiligen Umständen anzupassen. So wird die Biografiearbeit zum Kompass für dein Handeln nach dem Kolibri-Prinzip. Durch deine Lebenserfahrungen konntest du bestimmte Fähigkeiten entwickeln – vielleicht aus der Not heraus –, auf die du in Zukunft zurückgreifen kannst. Du wirst vielleicht auch feststellen, dass deine Fähigkeiten mit zunehmendem Alter nachlassen. Diese Veränderungen zu akzeptieren, ist ein Schlüssel, um auch im Alter effektiv zu bleiben. Und da sich auch die Welt ständig verändert, werden deine Stärken manchmal dringend gebraucht oder auch nicht mehr dienlich sein. Schließlich wirst du vielleicht zu schätzen wissen, dass verschiedene Lebensabschnitte mit unterschiedlichen Arten der Orientierung am Selbst und an der Welt verbunden sind und dass diese unterschiedlichen Orientierungen eine echte Bereicherung sein können, wenn es darum geht, komplexe Probleme gemeinsam anzugehen. Wenn du dich selbst klarer siehst, kannst du auch die Gaben der Menschen in deiner Umgebung erkennen und anerkennen, dass diese Gaben durch Lebenswege entwickelt wurden, die andere Herausforderungen und Möglichkeiten als deine eigenen mit sich brachten.

Grundlegende Konzepte der Biografiearbeit

Um die folgenden Kapitel angemessen einzuleiten, folgen hier einige grundlegende anthroposophische Konzepte in Bezug auf das Wesen des Menschen. Zunächst besteht der Mensch aus mehr als nur physischem „Material“. Tatsächlich gibt es gemäß der Anthroposophie vier Daseinsformen des menschlichen Wesens, was als viergliedriger Mensch bezeichnet wird.10 Auf der ersten Ebene befindet sich der physische Leib. Die Elemente, aus denen der physische Leib besteht, unterscheiden sich nicht so sehr von denen eines Steins oder der Erde und sobald ein Mensch stirbt, kehrt der physische Leib gemäß den Gesetzen der materiellen Welt allmählich in diesen Zustand zurück. Wir können also feststellen, dass wir durch unseren Körper auf gewisse Weise mit dem Mineralreich verwandt sind, das wir uns auch mit den Pflanzen und Tieren teilen.

Die Tatsache, dass wir nach dem Tod „zu Staub werden“, verdeutlicht, dass wir etwas brauchen, das uns Form verleiht und diese zeitlebens aufrechterhält. Diesen Körper nennen wir den Ätherleib oder Lebenskörper. Der Ätherleib funktioniert nach den Gesetzen von Rhythmus und Zeit: Atmung, Kreislauf und Wachstum. Alles, was als Gewohnheit und Wiederholung in uns lebt, ist im Ätherleib verankert. Der Ätherleib wird niemals müde, er arbeitet zu jeder Zeit ohne jegliche Mühe. Alle Lebewesen besitzen einen Ätherleib, doch wenn wir nur aus diesen beiden Ebenen (physischer Leib und Ätherleib) bestünden, befänden wir uns im Reich der Pflanzen. Diese haben einen Leib, der im Raum existiert, und eine lebende Form, die dem Rhythmus und der Zeit folgt.

Die nächste Ebene wird als Astralleib bezeichnet. Der Astralleib ist der Sitz des Bewusstseins – das Bewusstsein für die eigene Umgebung und ihre Eventualitäten. Das Bewusstsein ermöglicht Empfindungen, Instinkte, Leidenschaften, Begierden und andere Impulse. Die Eigenschaft des Astralleibs ist innere und äußere Beweglichkeit, und die Anwesenheit eines Astralleibs unterscheidet Tiere und Menschen von den Pflanzen. Obwohl Pflanzen also sensibel auf ihre Umwelt reagieren, können sie nicht aktiv auf ihre Umgebung einwirken. Diese Unterscheidung findet sich auch in der Alltagssprache, etwa in der unangemessenen Bezeichnung „dahinvegetieren“ in Bezug auf eine im Koma befindliche Person, welche mit einem impliziten Eingeständnis einhergeht, dass ein lebender, aber bewusstloser Mensch in seiner Eigenschaft einer Pflanze gleichkommt.

Schließlich gibt es noch etwas, das den Menschen von Tieren unterscheidet – die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung, die durch die Anwesenheit dessen entsteht, was in der Anthroposophie als das „Ego" oder „Ich" bezeichnet wird. Das heißt, wir haben die Fähigkeit, aus unseren eigenen Gedanken, Gefühlen, Absichten und anderen inneren Zuständen herauszutreten und über sie nachzudenken. Wir können uns fragen: „Wie fühle ich mich dabei?“. Oder: „Was ist meiner Meinung nach die einfachste Lösung für diese Situation?“ Wir können mit uns selbst in Dialog treten und unsere Denkfähigkeit einsetzen. Wichtig ist, dass wir uns auch selbst zügeln können, dass wir uns zum Wohle wichtiger Ziele zurückhalten können. Das Ego oder Ich ist der Kern der Person und macht jeden Menschen zu einem Individuum. Der Begriff „Ego“ hat im modernen Leben eine negative Konnotation entwickelt. Menschen wird oft vorgeworfen, ein „aufgeblähtes Ego“ zu haben oder auf einem „Egotrip“ zu sein – Begriffe, die auf Selbstbezogenheit oder Selbstherrlichkeit hindeuten. Derartige Formulierungen deuten auf eine Bindung an ein niederes Selbst hin, das mit egoistischen und materialistischen Zielen verbunden ist. Das in der Anthroposophie gemeinte Ego oder Ich ist ein höheres Selbst, das in der spirituellen Welt verwurzelt ist und nach höheren Zielen strebt. Rudolf Steiner sagt hierzu:

"[…] daß dieses Ich zugleich dasjenige ist, was dem Menschen seine Selbständigkeit, seine innere Freiheit gibt, was den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes erhöht. In diesem Ich ist seine Würde begründet. […] der Mensch muß vor allen Dingen nach der starken Kraft streben, wenn er die Weltenmission versteht, dieses Ich immer innerlicher, immer göttlicher zu machen.“11

Dieser Auszug weist auf eine weitere einzigartige menschliche Aufgabe des Ichs hin – die persönliche Entwicklung. Im Gegensatz zu Pflanzen und Tieren sind wir dafür verantwortlich, unser volles Potenzial zu entfalten. Menschen können sagen: „Ich bin“, und sie können danach streben, menschlicher zu werden, während ein Hund nicht „hundiger“ werden kann. Sein Hund-Sein ist angeboren und muss nur trainiert werden, um es an die Beschränkungen der menschlichen Kultur anzupassen. Der Mensch hingegen ist dazu aufgerufen, seine individuellen Talente und Möglichkeiten über die gesamte Lebensspanne hinweg aktiv zu entwickeln.

Wie also verbinden sich diese Ebenen, um den einzelnen Menschen zum Individuum werden zu lassen? Der physische Leib ist der Träger des Menschen in seiner Urform. Sobald wir jemanden sehen, erkennen wir sofort dessen Mensch-Sein – „Aha, das ist ein Mensch!“ Wir erkennen jedoch auch, inwiefern sich die Körperlichkeit dieser Person von der „Standardform“ unterscheidet. Wir bemerken vielleicht eine lange, gerade Nase, einen breiten Kiefer oder tiefliegende Augen und so weiter. Wenn wir die Eltern oder Großeltern der Person treffen, sehen wir vielleicht eine gewisse Ähnlichkeit und verstehen, dass der physische Leib auch Träger der Vererbung ist – der physischen Merkmale und Veranlagungen, unserer Ahnenreihe. Einige dieser körperlichen Ähnlichkeiten sind möglicherweise schon bei der Geburt erkennbar und besonders in der frühen Kindheit auffällig. Eltern sagen oft bei ihren Kleinkindern: „Sie hat deine Füße“ oder „Er hat die Ohren meines Vaters.“ Wenn das Kind heranwächst, können sich diese Merkmale verändern und ihre Bedeutung kann abnehmen, wenn die einzigartige Persönlichkeit des Kindes erwacht.

Der Ätherleib trägt den ersten Keim unserer Persönlichkeit, den wir Temperament nennen, in sich. Entwicklungspsychologen haben sich auf Eigenschaften wie Impulskontrolle und die Tendenz, positive und negative Emotionen zu erleben, als Kerndimensionen des Temperaments konzentriert. Einige dieser Eigenschaften sind bereits früh erkennbar und sie bleiben während der frühen Kindheit in gewisser Weise veränderlich.12 Die anthroposophische Temperamentenlehre konzentriert sich auf vier Typen – Choleriker, Sanguiniker, Phlegmatiker und Melancholiker –, deren Geschichte bis zu Hippokrates (ca. 460–375 v. Chr.) und seiner Theorie der Viersäftelehre zurückreicht. Es war Galen von Pergamon (129–ca. 200 n. Chr.), der den Begriff „Temperament“ einführte, was so viel wie „Mischung“ bedeutet.

Choleriker sind feurige Macher, die viel Energie haben, Dinge anzustoßen, und die die Entschlossenheit haben, jedes Hindernis zu überwinden, das ihrem Ziel im Weg steht. Sie übernehmen die Führung und können Menschen dafür gewinnen, sich ihren Ideen anzuschließen, um Dinge zu erledigen. Taktgefühl und andere soziale Kompetenzen fallen ihnen nicht leicht, und aufgrund ihrer Abneigung unerledigter Aufgaben gegenüber können sie sich leicht übernehmen.

Die Sanguiniker sind gesellige Menschen – sie lieben Aufmerksamkeit, sind umgänglich, freundlich und unbeschwert. Sie begeistern sich schnell für etwas, können aber genauso schnell das Interesse verlieren und sich etwas anderem zuwenden. Ein tiefgründiges Nachsinnen und langfristige Planung gehören nicht zu ihren Stärken. Sie leben eher im Hier und Jetzt und sind oft von unvollendeten Projekten umgeben.

Die Phlegmatiker sind Menschen, die sich „treiben lassen“. Sie sind gelassen, umgänglich und schwer aus der Ruhe zu bringen und werden nur selten wütend oder verärgert über andere. Sie arbeiten gut unter Druck; mit ihrer langsamen, methodischen Herangehensweise können sie Schwierigkeiten bewältigen, ohne in Stress zu geraten. Das gemächliche Tempo der Phlegmatiker kann manchmal nicht mit dem ihrer Umgebung mithalten, und sie können Schwierigkeiten haben, Entscheidungen zu treffen, Maßnahmen zu ergreifen und Veränderungen zu akzeptieren.

Melancholiker sind äußerst gewissenhaft, organisiert, nachdenklich und konsequent in der Umsetzung von Plänen. Familie und ein enger Kreis von Freunden und Freundinnen sind ihnen besonders wichtig, und Loyalität hat für sie oberste Priorität. Sie haben hohe Ansprüche an sich selbst und andere und tun sich schwer damit zu vergeben und zu vergessen. Sie können ernst und schwermütig wirken, mit einer ausgeprägten Sensibilität für ihr eigenes Leid und ihre eigenen Schmerzen, die ihnen zugleich die Fähigkeit schenkt, tiefes Mitgefühl für das Leid anderer zu empfinden.

Vielleicht spricht dich eine dieser Beschreibungen besonders an. Laut der Anthroposophie festigt sich das Temperament in der mittleren Kindheit und stellt die Grundstimmung des Einzelnen dar, sich mit der Welt auseinanderzusetzen. Auch wenn die meisten Menschen eine dieser vier Temperamenttypen als vorherrschend empfinden, ist niemand ein reiner Typ. Mit etwas Aufmerksamkeit können wir beginnen zu erkennen, wie mal der eine und mal der andere Typ in bestimmten Situationen zum Vorschein kommen kann. Daher hat jeder und jede seine eigene Mischung aus den vier Temperamenten – was wir in unserer Arbeit als das fünfte Temperament bezeichnen – die ganz und gar seine eigene ist. Wenn man sich diese Tatsache vor Augen führt, kann es Einzelnen helfen, dem Drang zu widerstehen, sich selbst oder andere in eine Schublade zu stecken oder das Verhalten einer Person darauf zu reduzieren, dass sie „so eine Cholerikerin“ oder er „so ein Phlegmatiker“ ist. Die Entwicklung eines Feingefühls für das fünfte Temperament bedeutet, offen dafür zu bleiben, welche Facette des Temperaments in einer bestimmten Situation am stärksten ausgeprägt ist. Durch unsere Arbeit und unsere eigene Erfahrung, haben wir entdecken können, dass gutes Zuhören und echtes Interesse am Gegenüber helfen, allmählich die verschiedenen Aspekte zu stärken und somit auch diejenigen, welche weniger häufig zum Vorschein kommen, Raum zu geben.

Wenn man sich auf die Astralebene begibt, werden die Dinge viel dynamischer. Auf dieser Ebene ist der stabile Teil der Person das, was wir als Persönlichkeit oder Charakter bezeichnen können. Untersuchungen aus dem Bereich der Persönlichkeit zeigen jedoch, dass das Verhalten der Menschen nicht so sehr mit der Persönlichkeit übereinstimmt, wie man es erwarten könnte. Die Astralqualität ermöglicht es dem Einzelnen, auf die sich ändernden Anforderungen der Situation zu reagieren. Diese Charakterdynamiken umfassen Stimmungen, Denkweisen und Motive, die sowohl von inneren als auch äußeren Faktoren beeinflusst werden. Ähnlich wie bei den Temperamenten gibt es auf der Astralebene bestimmte Grundmuster, die sich bei verschiedenen Personen und in verschiedenen Situationen unterschiedlich miteinander vermischen. (Diese sind der Hauptschwerpunkt der späteren Kapitel.)

Schließlich ist die Ebene des „Ichs“ oder des „Selbst" etwas, das für jeden Menschen völlig einzigartig ist. Wir wertschätzen die Tatsache, dass jeder Mensch einen einzigartigen Lebensweg beschreitet und eine völlig unterschiedliche Erfahrungsgeschichte hat, die ihn in die Gegenwart geführt hat. Wir könnten diese Perspektive noch weiter ausdehnen und sagen, dass dieser individuelle Weg als ein Wesen, das aus dem Reich des Geistes kommt, noch weiter zurückreicht, bis in die Zeit vor der Geburt. Das heißt, vielleicht bringt das „Ich“ bestimmte Aufgaben mit sich und sucht während des Lebens nach bestimmten Erfahrungen, um bestimmte spirituelle Ziele zu erreichen. Wir können noch einen Schritt weiter gehen und die Möglichkeit von Reinkarnation und Karma miteinbeziehen. Dann wären gewisse Aufgaben noch mit früheren Inkarnationen verbunden und wir können zum Beispiel bestimmte Themen in Beziehungen lösen oder versöhnen, oder vergangene Fehltritte wiedergutmachen. Sich für die Möglichkeit solcher Einflüsse auf den Lebensweg zu öffnen, kann zu einer neuen Wertschätzung der kleinen und doch so prägenden Erlebnisse führen oder der tiefgreifenden Wirkung bewusst machen, die bestimmte Menschen auf uns gehabt haben.

Die Planeten als organisatorischer Rahmen

Der Fokus dieses Buches liegt auf den dynamischen Eigenschaften des Astralkörpers – manchmal auch als Seeleneigenschaften bezeichnet – die auf die unterschiedlichen Anforderungen der Situationen, in denen wir uns befinden, reagieren. Wir werden sieben prototypische Stimmungen der Seele beschreiben und sie sowohl mit alltäglichen, weltlichen Erfahrungen als auch mit größeren gesellschaftlichen Spannungen oder Konflikten, die wir in der Welt beobachten können, in Verbindung bringen. Diese Prototypen leiten sich von den Eigenschaften ab, die den sieben klassischen Planeten zugeschrieben werden – jenen Himmelskörpern im Sonnensystem, die mit bloßem Auge sichtbar sind. Dazu gehören Sonne und Mond sowie die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. In der gesamten Antike wurden diese Himmelskörper als mächtige Einflussfaktoren auf Menschen angesehen. Deren Eigenschaften lassen sich vielleicht am besten in den dramatischen Mythen Griechenlands und Roms erkennen, in denen Götter die gleichen Namen wie diese Planeten tragen. So wie Märchen als Allegorien für innere Erfahrungen betrachtet werden können, lassen sich auch diese Mythen als Ausdruck zutiefst menschlicher Erfahrungen verstehen.