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Witzige, satirische und sensible Momente, die sich hinter und vor den Kulissen des Showgeschäfts abgespielt haben könnten. Anekdoten und Erlebnisse einer Künstlerin, die ihr gesamtes Leben reflektiert, abseits der Regenbogenpresse.
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Seitenzahl: 365
Veröffentlichungsjahr: 2020
Hans-Peter Schmidt-Treptow
Das Leben ist kein Vollplayback
… ein Star ist auch nur ein Mensch
© 2020 Hans-Peter Schmidt-Treptow
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
978-3-347-02250-8 (Paperback)
978-3-347-02251-5 (Hardcover)
978-3-347-02252-2 (e-Book)
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Dies ist eine fiktive Geschichte. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen und Gegebenheiten sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Layout und Design: www.carolicious.de / Carolin Runge
Cover: © Schmidt-Treptow Medienkontakte 2009
für A.
Der Ruhestand beginnt?
Verdammt lange her
So schnell geht das Unbekannt Werden doch nicht
Das kleine Häuschen in Portofino
Die Zirkuspferde – the show must go on
Italienischer Zickenkrieg
Zwischenstopp bei Gladys Grace
Das Königreich ruft
Der Clown
Die Ochsentour beginnt wieder
Die Schöne aus dem Morgenland
Nicht alle Tassen im Schrank
Das monatliche Schlagerderby
Alles nur Theater
Martin
Paris, mon Amour
Der Urfan
Goldener Orpheus, die Zweite
Evelyn
Show, Show, Show … und sonst?
Betsy
Das Chaos herrscht immer und überall Die Abschiedstournee
Fünf Jahre später
Comeback als Schauspielerin?
Epilog
Personenverzeichnis
Danke!
1. Der Ruhestand beginnt?
„Uff, geschafft!“, mit diesem Seufzer ließ sich Jana in ihren Stressless fallen. Alles um sie herum in ihrer Luxuswohnung in Bremen-Schwachhausen machte einen unbewohnten, fast sterilen Eindruck, was darauf zurückzuführen war, dass sie zwar immer wieder die Auszeiten zwischen den Auftritten genießen konnte, sich aber letztlich allein auf ihren privaten 180 Quadratmetern fühlte. Die Abschiedstournee durch mehrere Länder hatte die Mittsechzigerin Kraft und Nerven gekostet. Jetzt, im Herbst ihres Lebens, hatte die Künstlerin den Entschluss gefasst endgültig aufzuhören. Sie sehnte sich nach Ruhe, Entspannung und Harmonie. Manchmal – so wie jetzt – gingen ihr aber Gedanken durch den Kopf, wie diese neue Situation eigentlich aussehen sollte. Wirkliche Hobbys hatte sie nicht, der sogenannte Freundeskreis bestand aus Kollegen und manchmal aus Fans, die wenig Schamgefühl besaßen und sich natürlich nie als Anhänger eines Stars betitelt hätten, sondern als beste Freunde. Gut, Jana liebte Wellness und guten Rotwein aus dem Piemont, aber tagefüllend war das nicht. Vor allem aber freute sie sich auf viel gemeinsame Zeit mit Martin. Er war zwar zwölf Jahre jünger als sie und stand als Choreograf mit beiden Beinen fest im Leben und vor allem im Job, der ihn ständig rund um den Erdball führte. „Irgendwann wird auch er kürzertreten, dann haben wir Zeit für uns. Endlich kann ich ihn ab und zu auf seinen Gastspielreisen begleiten. Dann fange ich wirklich an, meine ehemaligen Auftrittsorte von ihrer schönen Seite kennenzulernen. Bisher waren es ja meist nur Studios, Hotelzimmer und Theater, die ich zu sehen bekam.“, sinnierte sie. Die Abende zunächst allein zu verbringen und dem Barolo zu frönen machte sie nicht sonderlich glücklich. „Herrlich!“, dachte sie trotzdem, „morgen früh klingelt kein Wecker, ich kann ausschlafen.“ Sie schaute auf ihr Handgelenk, das eine Santos de Cartier zierte. „Mist, schon halb sechs!“, schoss es ihr durch den Kopf. Blitzschnell sprang sie auf, suchte nach ihrem Portemonnaie, warf sich ihren Mantel über und verließ das Apartment. In der Tiefgarage bestieg sie ihren nagelneuen Porsche 718 Cayman GT4, drückte auf die Fernbedienung für das Gatter und düste, wie immer zu rasant, ins Freie. „Und jetzt in mein zweites Zuhause!“ Mit obligatorischer Sonnenbrille steuerte sie ihren Wagen durch die Marcusallee direkt zum Parkhotel. Es dämmerte bereits ein wenig als sie auf den Parkplatz fuhr. Der Doorman Alfons kam ihr mit ausgebreiteten Armen entgegen und begrüßte die Sängerin fast wie eine alte Freundin: „Liebe Frau Levin, schön, Sie wieder einmal in unserem Hause begrüßen zu können!“ Wortlos nahm sie den Empfang huldvoll entgegen und lächelte wohlwollend. Es war zwar hinlänglich bekannt in der Branche, dass sie immer Eins zu Eins war, es gab keine Privatperson, die sie nach außen kehrte. Jana Levin war immer Jana Levin, im Privatleben, auf der Bühne oder vor der Kamera agierte sie ohne Allüren, freundlich, allen immer zugewandt. Nur ganz wenige Menschen wussten, dass sie eigentlich Mathilde Müller hieß, aber den Namen hatte sie ja vor über vierzig Jahren über Bord geworfen und sich den Künstlernamen zugelegt. Die sechs Stufen schritt sie wie eine Königin hinauf, schenkte Alfons ein weiteres mildes Lächeln als er ihr, eine Spur zu devot, die Eingangstür aufhielt. Die Lobby war zu dieser Zeit gut gefüllt mit Managertypen und älteren, mit
Brillanten behängten blau-rosa gefärbten Damen, die entweder mit anderen Frauen ihrer Art gepflegte Konversation betrieben oder sich allein Champagner einflößten. Jana blickte sich unauffällig um, niemand schien sie zu erkennen. „Dann eben nicht!“, dachte sie und steuerte direkt auf die Rezeption zu. Dort vernahm sie von einem jungen Mädchen, das sie mit Kuhaugen anstarrte, diesmal kein „Wie schön Sie zu sehen, liebe gnädige Frau!“ Die kleine Blonde hinter dem Tresen war erst einige Monate im Hotel tätig und kannte die Künstlerin nicht. „Guten Abend, haben Sie reserviert?“ „Das brauche ich nicht, ich bin hier Stammgast!“. Ihr Tonfall klang eine Spur zu zickig. Als ihr die Kuhäugige mitteilte, dass das Haus ausgebucht sei, stieg eine Ungeduld in Jana auf: „Meine Liebe, ich bin Jana Levin und möchte lediglich ein paar Stunden im Spa-Bereich entspannen, Sie sind wohl neu hier!“ „Ja, seit zwei Monaten.“, kam eine demütige Antwort. „Also ich nehme die Thalasso-Behandlung und später den Wellnessteller, aber ohne Bananen!“ „Möchten Sie gleich oder hinterher zahlen?“, erkundigte sich die Neue. Die Künstlerin wurde langsam etwas ungeduldig, wollte sich aber nichts anmerken lassen und schob ihrem Gegenüber wortlos ihre Visakarte über die Theke.
Kurz darauf betrat sie den Wellnessbereich der Luxusherberge, zog sich aus und hüllte sich in einen schmuseweichen Bademantel. Inge Breitenbach, die Jana seit vielen Jahren als hervorragende Kosmetikerin und Therapeutin schätzte, begrüßte sie freundlich. Die Frau und die Sängerin waren seit Jahren ein eingespieltes Team hier im Spa. Die Künstlerin schätzte die unaufdringliche Art der Enddreißigerin, die nicht sensationslüstern mit Fragen aus der Branche nervte.
Trotzdem fiel Jana auf, dass Frau Breitenbach ihr etwas sagen wollte. „Nun schießen Sie schon los, ist etwas mit Ihnen?“ „Ähm, ihre Kollegin Juanita Gonzalez lässt sich hier heute Abend auch gerade von meiner Kollegin verwöhnen.“, entgegnete Inge ganz leise, da sie wusste, dass die beiden Frauen nicht gerade die besten Freundinnen waren. „Ach, die!“, brach es aus Jana heraus.
Die Deutsch-Spanierin und sie waren etwa im gleichen Alter, nur gehörte Juanita zu den Kolleginnen, die natürlich niemals sechzig Jahre alt werden. In jedem Interview und jeder Talkshow wies sie darauf hin, dass sie weltweit hundertzwanzig Millionen Schallplatten verkauft habe und den Beruf der Sängerin eigentlich rein zufällig ausübe. Ihr Vermögen wurde auf zweihundert Millionen Euro geschätzt, das sie allerdings nicht nur selbst ersungen hatte. Schon in den 1950 er Jahren war ihr Vater aus Spanien nach Deutschland gekommen und hatte sich hier sehr schnell einen Namen als Sänger, Komponist und Produzent gemacht. Juanita muss ihm als Kind schon unmissverständlich zu verstehen gegeben haben, dass sie nichts anderes als Sängerin werden wolle. Was blieb Sergio Gonzalez also anderes übrig als seine Tochter mit sechzehn auf die Bretter der Welt zu stellen und sie aufzubauen. Inzwischen war der Vater über neunzig und lebte zurückgezogen in Madrid. Man munkelte, dass sein Immobilienbesitz dort ganze Straßenzüge umfasse.
Entspannt legte sich Jana auf die Massagebank und ließ ihren Körper mit einem Salzpeeling verwöhnen. „Sie haben Hände, die sind einfach Gold wert.“, stöhnte sie Inge entgegen. „Nun relaxen Sie erst mal und denken Sie an schöne Dinge, ich bin in einer halben Stunde wieder bei Ihnen.“ Die Sängerin dämmerte vor sich hin. „Ach, ich habe es doch gut, das werde ich mir jetzt häufiger gönnen!“ Sie sah plötzlich ihre private Zukunft in rosa Farben. Kurz darauf wurde sie von Frau Breitenbach sanft in die Realität zurückgeholt, die vorsichtig das Salz auf ihrer Haut entfernte. „Ich mache noch einen Saunagang!“ „Das wird Ihnen guttun und danach dann viel stilles Wasser und Ihr Wellnessteller ohne Bananen!“, entgegnete die Therapeutin freundlich. Jana warf sich erneut den Bademantel über und machte sich auf den Weg in die Sauna. Dass sie diese menschenleer vorfand erfreute sie sehr. Sie hasste es Gespräche von Frauengruppen ertragen zu müssen die nur um die Themen: Kinder, Enkelkinder, untreue Ehemänner etc. kreisten. Wohlig streckte sie sich auf der oberen Bank des Heißluftbades aus. Kurz darauf perlten erste Schweißtropfen aus ihrem frisch-gepeelten Körper. „Hm, fühlt sich gut an.“, stöhnte sie leise. Sie ließ dabei die Hand über ihren Busen gleiten. „Alles noch ganz knackig, für mein Alter!“, stellte sie zufrieden fest.
Zwölf Minuten später ergoss sich ein eiskalter Wasserstrahl über sie. Jana stöhnte laut auf und hatte ein sehr wohliges Gefühl dabei. Kurz darauf betrat sie den eleganten Restaurantbereich des Spas.
„Oh, die spanische Hexe!“, schoss es ihr beim Eintreten durch den Kopf als sie Juanita Gonzales an einem Einzeltisch erblickte, die sich an einem Glas Dom Pérignon labte. „Jana, Jana, setz dich zu mir!“, forderte die Kollegin sie untypisch gutgelaunt auf. „Wo ist das nächste Erdloch, in das ich versinken kann.“, ging es Jana durch den Kopf, versuchte aber anmutig auf die Spanierin zuzuschreiten. Indem sie sehr gezielt aneinander vorbeiküssten begrüßten sich die beiden Frauen. „Ich freue mich so sehr über den Erfolg deiner Abschiedstournee!“, säuselte Juanita mit gekünstelter Freundlichkeit. „Dann hast du ja jetzt freie Bahn, da ich aufhöre!“, erwiderte Jana und versuchte ihre Zickigkeit zu unterdrücken. Der Schlagabtausch begann. Jana Levin war bewusst, dass ihre Konkurrentin immer eleganter war als sie. Sie trug bei ihren Auftritten teuerste Roben von Luxusdesignern. Jana dagegen lief oft privat besser gekleidet rum als auf der Bühne. Selbst hier ungeschminkt im Wellnessbereich strahlte Juanita eine Grazie und Eleganz aus, die ihrer Kollegin fremd war. Mehrfach konnte sie in der Klatschpresse lesen, wie sich Journalisten über ihren Kleidungsstil fast lustig machten. So ganz hatte sie es in all den Jahren eben doch nicht geschafft aus Mathilde Müller Jana Levin werden zu lassen. „Deine letzte CD hatte ja gute Charterfolge!“, lächelte Juanita. „Ja, wie deine, du müsstest jetzt bei hunderteinundzwanzig Millionen Tonträgern liegen!“ „So schnell geht das heute nicht mehr, ich plane jetzt etwas mit Juan Carlos Marquez auf Deutsch zu machen, wir sind seit Jahren gut befreundet.“ „Ach, Marquez, seine Musik ist ja sehr zeitgenössisch!“, konterte Jana, ohne einen Hauch von Ahnung zu haben um wen es sich dabei handelte. Dann machte sie ihrer Kollegin noch einmal deutlich klar, dass es wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt zu finden mit dem Tingeltangel aufzuhören. Davon wollte Juanita aber nichts hören. „Ich werde immer singen, mein Publikum verlangt das einfach und ich enttäusche so ungern!“ „Wie man’s nimmt!“, entgegnete sie spöttisch. Im Verlauf der Unterhaltung wurde immer deutlicher, wer die Fäden in der Hand hielt. Während Juanita mit ganz feinen Nadeln zustach, konterte Jana mit der Mistgabel. „Wir planen nächstes Jahr eine Welttournee mit dem
Marquez-Projekt. Selbst die Mailänder Scala hat angefragt, obwohl die ja sonst nur E-Musik zulassen!“ Jana versuchte nicht laut aufzulachen. Ihr fiel ein, wie sich vor ein paar Wochen eine Münchner Kollegin, die Jazz und Soul auf Bayrisch singt, über Juanita ausgelassen hatte indem sie lästerte: „Host du de spanische Guak’n moi Weihnachtslieder singa hean, do rollt’s da de Zehanägl auf!“ Im Grunde hatte die Spanierin Ihren Zenit vor über zehn Jahren bereits überschritten. Die ganz großen Hallen füllte sie nicht mehr, ab und zu ließ ihr Management sie sogar in Festzelten auftreten, was sie – wenn auch widerwillig – mit sich machen ließ. Jana war da bodenständiger. Sie hatte nun ihren Abschied beschlossen, bevor sie auf einer Ochsentour dem Erfolg hinterherlaufen musste. „Läuft deine Scheidung eigentlich glatt?“, fragte sie die Spanierin herablassend. „Na ja, ähm, er will die Hälfte meines Vermögens und einen monatlichen Betrag von …, aber darüber sollen sich die Anwälte streiten.“, kam zögerlich. Eigentlich hätte Jana noch große Lust gehabt in dieser Wunde zu bohren, es gelüstete sie aber nach einer Flasche Barolo im eigenen Heim. So wie sie sich begrüßten verabschiedeten sie sich. „Du musst mir dann unbedingt von deinem Auftritt in Mailand erzählen, ruf mich an!“ Dann suchte sie das Weite, wollte nur noch raus, nach Hause. Als sie sich noch einmal umdrehte machte sich Juanita über ihren vergessenen Wellnessteller ohne Bananen her.
Auf der Rückfahrt musste sie ständig grinsen. Sie erinnerte sich an eine Begegnung, die über vierzig Jahre zurücklag. Jana und Juanita waren damals Anfang zwanzig und wurden von Sergio Gonzalez in die teure Wohnung am Ostertor zum Essen eingeladen. Als Jana danach den Tisch abräumen wollte wies Juanita sie darauf hin, das bitte bleiben zu lassen, es sei Aufgabe des Personals. „Die war damals schon versnobt!“, schüttelte sie den Kopf.
Gegen halb elf betrat sie ihre Wohnung, fühlte sich, trotz der abendlichen Begegnung, wohl. Genüsslich füllte sie ein Glas mit Rotwein und zündete ein paar Kerzen an. Danach legte sie ihre eigene CD in den Player, ließ sich auf die Couch fallen und summte mit. Da es keine konkreten Pläne für die nächste Zeit gab versuchte Jana welche zu machen. Überfälliger Zahnarztbesuch, Termine beim Friseur und der Kosmetikerin mussten organisiert werden. Sie war schon im Begriff zum Hörer zu greifen, um Margarete Loew anzurufen, die seit Jahren ihr Büro managte, als ihr plötzlich bewusstwurde, dass sie ihr gekündigt hatte. „Das muss ich dann wohl zukünftig selbst erledigen.“, seufzte sie und goss sich Barolo nach. Merkwürdige Gedanken gingen ihr durch den Kopf. Jana war klar, dass sie auf der Bühne und vor der Kamera immer funktionierte, ein Profi eben. Aber im wahren Leben taten sich Schwächen auf. Als sie mit neunzehn ihre erste Ehe mit dem Engländer Brian einging, der sie fortan managte ging ihre Karriere steil bergauf. Brian organisierte auch das Privatleben. Er hielt alles fern von ihr, was sie belastete und ließ alles zu, was sie aufbaute. Es war eine großartige Zeit, die ihr sehr erfüllt schien, sie aber auch zur Unselbständigkeit erzog. Nach der Scheidung brach der berufliche Erfolg ein wenig ab, sie musste lernen den Wahnsinn des Alltags zu bewältigen. Erst Jahre später lernte sie Margarete kennen, die die beruflichen Zügel schnell und erfolgreich in die Hand nahm. Erst jetzt merkte sie, dass die Sekretärin ihr auch viel aus dem privaten Bereich abgenommen hatte. Jana ließ sie gern gewähren, es war alles so angenehm, trotz mancher Reibereien und Meinungsverschiedenheiten. „Jetzt also alles wieder auf Anfang, der Ruhestand kann beginnen!“ Sie gönnte sich das nächste Glas.
2. Verdammt lange her
Als Jana am nächsten Morgen erwachte fühlte sie sich elend. Wann sie ins Bett gegangen war, fiel ihr beim besten Willen nicht mehr ein. Die Zeit mit sich allein und dem Barolo hatte keinen wirklich klaren Gedanken hinterlassen. Es war schon neun Uhr als sie sich aufrichtete und die milde Morgensonne des Spätsommers auf ihr Gesicht fiel.
Langsam bewegte sie sich ins Badezimmer, streifte ihren Seidenpyjama ab und begab sich in die Dusche. Der prickelnde Regenwaldschauer tat gut. Minutenlang richtete sie ihr Gesicht dem zarten Wasserstrahl entgegen. Merklich erfrischt trat sie vor den Spiegel, das Licht war damals bewusst so ausgesucht worden, dass es ihr in jeder Situation schmeichelte. Heute funktionierte das aber nicht. Die Künstlerin erblickte eine ungeschminkte und ältliche Frau, die ihr gegenüberstand. „Oh, ich muss haushalten mit mir, weniger Roten, soviel Collagen Booster Creme wie ich heute Morgen wieder nötig habe, gibt es doch gar nicht!“, stellte sie zermürbt fest. Sie füllte das Glas mit lauwarmem Wasser, warf zwei Alka Seltzer hinein und lauschte dem Sprudeln. Als die Tabletten sich aufgelöst hatten trank sie den Inhalt auf Ex. Damals – sie war gerade um die fünfzig - hatte sie ein Album aufgenommen, das sich mit den Belangen und Nöten der reifen Frau beschäftigt. Unweigerlich musste sie an einen Song denken: Mein Makeup, das jetzt bis morgen wieder für mich lügt – und wie es will auch über mich verfügt. Marcel Parcel, der seinerzeit den Text geschrieben hatte, hatte also doch recht. Vor zehn Jahren tolerierte sie das Lied, machte sich aber über den Inhalt noch keine Gedanken. „Oh ja, er hatte Weitsicht, das Alter erreicht irgendwann jeden, jetzt also mich!“. Behände griff sie zu ihrer Tagescreme und balsamierte sich ausgiebig Dekolleté, Hals und Gesicht. Danach hüllte sie sich in ihren Hausmantel und verließ das Bad.
Im Wohnzimmer entdeckte Jana noch eine Neige Barolo im Glas von gestern Abend, was ihr ein leichtes Übelkeitsgefühl vermittelte. Sie öffnete die Flügeltüren zu ihrer Dachterrasse und trat ins Freie. Die leichte Kühle des Morgens und der Duft der Lavendel- und Weihrauchblüten wirkten wie ein Jungbrunnen. Sie setzte sich auf den bequemen Balkonsessel, schloss die Augen und fing an zu dösen. Minutenlang dachte sie an nichts. Als sie die Augen wieder aufschlug erkannte sie: „Dieses wunderbare Nichts, abseits von allen Unwägbarkeiten des Alltags, herrlich!“ Sie war jetzt wieder bei sich angekommen, stand auf und ging in die Küche.
Hier war auch alles vom Feinsten. Bulthaup hatte vor zwei Jahren ganze Arbeit geleistet: Granitarbeitsplatten, Ceranfeld-Herd, teuerster Edelstahl, Kochblock in der Mitte des Raumes. Leider waren Janas Kochkünste nicht sonderlich groß. Martin meinte immer wieder, dass sie so untalentiert sei beim Kochen und sogar noch Wasser anbrennen lassen würde. Dieser Raum ihrer Wohnung war eher ein Vorzeigeobjekt. Vor kurzem diente die Küche noch als Kulisse für ein Promi-Kochduell, auf das sich die Sängerin tagelang vorbereiten musste. Beim anschließenden gemeinsamen Essen mit ihren Kollegen wurde sie in höchsten Tönen gelobt. Als dann aber geheim über die Kochkünste jedes Teilnehmers abgestimmt wurde, erreichte sie, weit abgeschlagen, den letzten Platz. Jetzt stand sie vor ihrer vollautomatischen Kaffeemaschine, das einzige Gerät im gesamten Umfeld, das sie aus dem Stegreif bedienen konnte. Jana brauchte einen doppelten Espresso. Sie griff ins Eisfach und holte ein Croissant heraus, das sie in der Mikrowelle auftaute. Als alles vorbereitet war nahm die Künstlerin an der Küchenbar Platz und nahm einen kräftigen Zug des schwarzen Gebräus. Gedankenversunken stippte sie das aufgetaute Blätterteigstück in den Espresso, zog es wieder heraus und biss genüsslich hinein.
Ihr Blick fiel auf ein altes Familienfoto, das neben der Kühlkombination an der Wand hing. Eine Aufnahme noch in schwarz/ weiß, die die ganze Familie abbildete. „Verdammt lang her, da kannte mich noch keiner.“, sinnierte sie. Das Bild musste Mitte der 1960 er Jahre entstanden sein. Die Familie betrieb damals eine Bäckerei in Braunschweig. Papa Albert war der beste Vater, den man sich vorstellen konnte. Er erkannte schon früh das Talent seiner Tochter. Mit vier Jahren wurde sie widerwillig ins Ballett geschickt, entwickelte sich dort aber ganz gut. In den jährlichen Weihnachtsaufführungen mit den Eleven spielte sie fast immer die Hauptrolle. Mutter Gertrud und die Geschwister Klara und Henning waren jedes Mal sehr stolz auf sie. Mama lief jährlich einmal vier Wochen vor dem Spektakel die Straße rauf und runter und machte Reklame für Mathilde. „Aus meiner Tochter wird einmal eine ganz Große!“, tat sie jedem kund, der es hören wollte. Die Aktivitäten in Bezug auf Promotion im Ladengeschäft der Bäckerei von Müllers konnten sich sehen lassen und brauchten einen Vergleich mit heutigen Werbemaßnahmen nicht zu scheuen. Gertrud Müller ließ sogar Flugblätter mit dem Konterfei ihrer Tochter drucken, die auf das Tanzereignis hinwiesen. Jedes Jahr freute sie sich diebisch, wenn der kleine Saal der Stadthalle wieder voll besetzt war. Jana lächelte: „Sie war schon so etwas wie eine Eislaufmutter, wollte immer, dass ich berühmt werde!“ Obwohl die finanziellen Verhältnisse eher bescheiden waren, hatte Jana nie den Eindruck etwas versäumt zu haben. Die Musikalität hatte sie von ihrem Vater geerbt, der hervorragend Klavier spielte. Ihr Talent hielt sich in Grenzen, sie hasste Fräulein Redlich, die ihr einmal wöchentlich Unterricht erteilte, diese war streng und unnachgiebig. Wenn sich das Mädchen bei den Akkorden verhaspelte gab es Schläge auf die Finger. Irgendwann blieb Mathilde den Klavierstunden einfach fern. Als Gertrud das herausbekam gab es zu Hause ein Donnerwetter. Noten waren ihr sowieso immer fremd geblieben, aber sie hatte das absolute Gehör, merkte sofort, wenn jemand im Chor schräg sang und die Töne nicht traf. Vater Albert war ein gutmütiger Mann, seine drei Kinder waren sein Ein und Alles. Er stand immer auf ihrer Seite. Seine Frau ärgerte das oft maßlos. „Was du den Gören alles durchgehen lässt!“, hörte er so oft. Jana hatte mal in einer Talkshow erzählt, dass er selbst Schmiere gestanden hätte, wenn seine Kinder in der Nachkriegszeit Briketts geklaut hätten. Bei diesem Gedanken liefen ihr Tränen übers Gesicht.
Vor fünf Jahren starben beide Eltern bei einem Autounfall. Sie war gerade in Wien und zeichnete ihre eigene Personality-Show für den ORF auf, als die Horrormeldung sie ereilte. Während Jana in der Maske saß, reichte ihr ein Regieassistent das Handy. Umnebelt vernahm sie die Nachricht von Henning und brach weinend zusammen. Ein sofort herbeigerufener Arzt gab ihr eine Beruhigungsspritze und empfahl die Dreharbeiten abzubrechen. Der Produzent war außer sich. Nachdem sie sich ein wenig beruhigt hatte, ging sie aber in die Offensive und ließ verkünden, dass sie die Aufzeichnung auf jeden Fall beenden wolle. Die folgenden Tage funktionierte sie einfach nur. Alles lief fast wie von selbst. Tanzeinlagen, Duette mit Kollegen, Sketche waren fast alle sofort im Kasten. Drei Tage nach der schlimmen Nachricht flog sie nach Hannover und fuhr von dort aus direkt nach Braunschweig. Die Journalistenmenge vor ihrem Elternhaus war erbarmungslos. Henning und seine Frau Gitta hatten sie vom Bahnhof abgeholt und vorgewarnt. Als sie sich einen Weg durch die Menge ins Haus gebahnt hatten, brach die Künstlerin erneut zusammen. Erst jetzt wurde ihr die Schwere der Situation bewusst. Der alte Hausarzt der Müllers, der sie immer noch Mathildchen nannte, riet zu einer Auszeit. Wie in Trance durchlebte sie die nächsten beiden Tage bis zur Beerdigung. Martin war nicht greifbar, er befand sich mit seiner Dance-Company auf einer Tournee durch Südamerika. Die wenigen und kurzen Telefonate, die sie führten, halfen Jana nicht wirklich weiter. Ihre Cousine Evelyn, die ebenfalls Sängerin war und unter dem Künstlernamen Milly Mirror arbeitete, meinte ernsthaft, dass sie für die nächste Zeit die Engagements ihrer Base übernehmen könnte. Jana war außer sich über den Vorschlag. „Du machst Tingeltangel, ich mache Kunst!“, schrie sie Evelyn an. Worauf sie nichts Besseres zu sagen hatte als: „Ich habe die größeren Hitparadenerfolge!“ Die Sängerin war zu erschöpft und traurig, dass sie so eine Unterhaltung in dieser Situation führen konnte. Mit letzter Kraft bäumte sie sich auf und verpasste ihrer Cousine eine Ohrfeige. Der Kontakt der beiden Künstlerinnen ist seit dem Vorfall stark eingeschränkt.
Nach der Trauerfeier verbrachte sie noch einige Zeit in ihrem nun verwaisten Elternhaus in Braunschweig. Klara und Henning kümmerten sich rührend um sie. Auch ihre Tochter Beatrice blieb ein paar Tage. Sie betrieb seit Jahren ein erfolgreiches Restaurant in Lüneburg. Der Kontakt zwischen Mutter und Tochter war nicht immer einfach. Beatrice war erst fünf Jahre alt, als sich Jana von ihrem Vater scheiden ließ. Die Presse zwang den Eheleuten eine Schlammschlacht auf, die so nicht beabsichtigt war. Manfred Heise war ein Clown von Weltrang, der unter dem Namen Peppilito oft mit dem Zirkus Krone auf Gastspielreise ging. Wenn er mal zu Hause war, war er für Beatrice der liebende Vater, das wusste selbst Jana. Aber die Fassade bröckelte schon nach drei Ehejahren. Auf der ganzen Welt pflegte Manfred seine Affären. Manchmal riefen die jungen Dinger sogar in Bremen an, selbst wenn Jana anwesend war. Sie war es auch, die die Fassade immer aufrechterhalten wollte. „Bloß keinen Dreck in die Öffentlichkeit schütten!“, sagte sie oft zu ihrer Sekretärin Margarete. Als eine junge Chinesin sich eines Tages meldete und behauptete von Peppilito schwanger zu sein platzte ihr der Kragen. Sie schmiss Manfred aus dem Haus und reichte die Scheidung ein. Wieder begann eine Zeit der Neuorientierung. Sie war jetzt alleinerziehende Mutter, die berufstätig war. Behutsam versuchte sie das alles ihrer Tochter zu erklären, aber sie war eben erst fünf Jahre alt und hing abgöttisch an ihrem Vater. Jana blieb nichts anderes übrig als dauerhaft eine Nanny für das Kind zu organisieren. Die Schweizerin Vroni Hirsbrunner war ein Glücksfall. Beatrice und sie müssen sich vom ersten Augenblick ineinander verliebt haben. Gleichzeitig überkam Jana aber immer wieder ein Eifersuchtsgefühl, wenn sie nach ihren Gastspielreisen einige Zeit daheim weilte. Ihr missfiel die Vertraulichkeit zwischen Vroni und Beatrice, andererseits war sie aber froh, dass ihr Kind in so guter Betreuung war.
Als ihre Tochter zehn Jahre alt war sackte sie in ihren schulischen Leistungen massiv ab. Das Kindermädchen versuchte über alles den Mantel des Schweigens zu decken. Nach einem Halbjahreszeugnis, das den Vermerk hatte ‚Versetzung stark gefährdet‘ reichte es der Sängerin. Kurzerhand meldete sie ihre Tochter im Internat Stiftung Louisenlund in Güby im Norden Schleswig-Holsteins an. Die Reaktion der Zehnjährigen war entsetzlich. In ihrer kindlichen Naivität schrie Beatrice ihre Mutter an: „Erst schmeißt du meinen Vater aus dem Haus und jetzt bin ich dir auch zu viel und du schiebst mich ab!“ Jana fühlte in diesem Moment, wie ihr der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Es kam zum Zerwürfnis zwischen Mutter und Tochter. Immer wieder versuchte sie in den nächsten Wochen einzulenken, aber die Kleine blieb stur. Als nach den Sommerferien für Beatrice nun die Abreise nach Güby anstand, versuchte die Künstlerin noch einmal auf ihre Tochter einzuwirken. „Wenn du dort angekommen bist, lass bitte nicht so heraushängen woher du kommst und wer ich bin!“ das Mädchen sah sie mit leeren Augen an, dann schrie sie: „Ich werde allen erzählen, dass meine Eltern tot sind!“ Das saß! Jana brach in Tränen aus. Vroni, die bereits im Wohnzimmer auf Beatrices Koffern saß und das Kind begleiten sollte schrie jetzt ebenfalls: „Dann haben Sie ja alles richtig gemacht, Rabenmutter!“. Das war mehr als zu viel. Die beiden Frauen gerieten in einen so heftigen Streit, dass Jana ihr die
Kündigung aussprach. Beatrice eilte herbei und brüllte ihre Mutter an: „Die nimmst du mir jetzt auch noch weg!“ Dann schlang sie ihre Arme um ihre Nanny und drängelte jetzt abzureisen. „Okay, Vroni dann bringen Sie meine Tochter ins Internat und danach will ich sie hier nicht mehr sehen. Ihr Gehalt erhalten Sie noch für drei Monate, aber verschwinden Sie bitte einfach!“ Grußlos verließ Frau Hirsbrunner mit Beatrice an der Hand das Haus und stieg ins bereits wartende Taxi. Jana Levin konnte nicht glauben, was sie soeben erlebt hatte, sie ging ins Bad schmiss sich fünf Milligramm Valium ein.
Der Kontakt zu ihrer Tochter war wirklich für Jahre abgebrochen. Wesentliche Kommunikation mit ihr verlief über das Sprachrohr Manfred. Er teilte ihr von Zeit zu Zeit mit, wenn die Tochter etwas benötigte. Dankesbriefe für Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke bekam sie nicht. Die Ferienzeiten im Internat verbrachte Beatrice bei ihrem Vater. Erst sechs Jahre später näherten sich Mutter und Tochter wieder allmählich an. Auch heute ist das Verhältnis nicht ganz lupenrein. Obwohl ihr Kind erfolgreich als Gastronomin in Lüneburg arbeitet, missfällt Jana diese Tätigkeit. „Sie macht sich kaputt durch diese elende Nachtarbeit!“, sinniert sie oft, würde es aber nicht noch einmal wagen sich einzumischen, um wieder einen neuen Eklat zu riskieren.
„Ich liebe sie einfach, sie ist die Einzige, die mir wirklich geblieben ist!“, stöhnte sie auf und sah in ihren kaltgewordenen Espresso. Sie beschloss, die Vergangenheit für heute auf sich beruhen zu lassen, warf einen erneuten Blick auf das Schwarzweißbild und griff zu ihrem Handy. „Was habe ich gestern gedacht … alles auf Anfang, dann los!“
3. So schnell geht das Unbekannt werden doch nicht
Inzwischen war es Herbst geworden. Seit Janas Rückzug aus der Glitzerbranche waren einige Wochen ins Land gegangen. Margarete Loew rief sporadisch an, um ihr mitzuteilen, dass immer noch Anfragen von Magazinen, Auftritten oder Talkshows kämen. „Nein, nein, nein und nochmals nein, du kennst meinen Entschluss!“, antwortete sie jedes Mal, fühlte sich aber trotzdem geschmeichelt, immer noch so gefragt zu sein. Das Motto stimmte also: ‚Mach dich rar, um erfolgreich zu sein!‘. Der Kontakt zu den sogenannten befreundeten Kollegen riss allerdings ziemlich abrupt ab.
Die Einzige, die sich regelmäßig meldete, war Sarah Silver, mit der sie gerade sprach. Erst in den letzten drei Jahren hatte sich zwischen den beiden Frauen so etwas wie eine Freundschaft entwickelt. Sahra kam in den 1950 er Jahren mit ihrer Familie aus Schweden nach Deutschland zurück. Sie war Deutsche, ihre Eltern emigrierten aber in den 1930 er Jahren nach Schweden. Sie waren Juden und mussten vor den Nazis fliehen. Die ganze Sippschaft Silberstein, so der bürgerliche Name, siedelte nach Westdeutschland über. Auch hier war es anfänglich schwer. Sarah machte aber ihr Abitur in Augsburg und arbeitete anschließend als Fahrkartenverkäuferin bei der Bahn. Sie war schon als junges Mädchen eine Schönheit und modelte nebenher für Brigitte und Burda Moden. Bei einem Shooting summte sie vor sich hin und fiel einem Musikproduzenten auf. Erste Schallplatten in den sechziger Jahren brachten allerdings noch keinen Durchbruch. Erst als sich ein paar Jahre später George Green ihrer annahm begann der tatsächliche Aufstieg. Er verpasste ihr eingängige Melodien mit höchst anspruchsvollen Texten. Bis heute sind ihre Lieder wie ‚Tränen des Regens‘ oder ‚Egal, wie es weitergeht‘ Evergreens. Sarah, runde zehn Jahre älter als Jana, sah immer noch blendend aus. Heute lebt sie in Stuttgart, tritt aber nur noch höchst selten auf. Seit Jahren ist sie verwitwet und lebt vor allem für ihre drei Kinder und Enkel. Fast vierzig Jahre war sie skandalfrei mit dem Moderator Claus Bruns verheiratet, bis dieser plötzlich und unerwartet nach seinem ersten Herzinfarkt den Sekundentod starb. Sarah zog sich danach jahrelang von der Bühne zurück und ertrank in ihrer Trauer.
Erst George gelang es vor ein paar Jahren sie aus ihrer Lethargie zu befreien. Er verpasste ihr neue Lieder und stellte sie wieder auf die Bühne. Ihr Erfolg war jetzt noch größer als damals. Ohne sich neu zu erfinden gelang ein fulminantes Comeback. Sarah gilt in der Branche als vermögend, konnte es sich leisten, viele Auftrittsanfragen abzulehnen, was sie auch tat.
Gerade gestern hatten die beiden wieder stundenlang telefoniert und beschlossen demnächst eine Schrotkur in Oberstaufen zusammen zu machen. Jana mochte ihre Kollegin sehr. Sarah besaß Witz, Charme und Klugheit. Kürzlich lachten sich beide halb tot am Telefon als Sarah vom Heiratsantrag eines schwulen Kollegen erzählte. Lag zwar Jahrzehnte zurück, aber erzielte immer noch eine gewisse Wirkung. Damals gab es einen unheimlich gutaussehenden Schlagersänger, der sich Tim Bravo nannte. Im wahren Leben hieß er Walter Deininger und war in Rosenheim zur Welt gekommen. Die gesamte Branche wusste, dass er homosexuell war, hielt aber dicht. Zu Beginn der 1960 er Jahre, als seine Karriere begann, war das Thema einfach verpönt.
Es gab in der Musikszene keine Schwulen. Als er 1968 eine Frau heiratete waren alle sehr verwundert. Den Fans, vor allem den älteren Damen unter ihnen, wurde von jetzt auf gleich jede Illusion geraubt, ihn als Schwiegersohn zu ergattern. Als der Paragraf 175 dann 1969 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen wurde, wurde Tim mutiger und tauchte ab und zu in Bars auf, wo er mit jüngeren Männern gesehen wurde. Später stellte sich dann heraus, dass seine Ehefrau seine ehemalige Fanclubleiterin war, mit der ein Arrangement getroffen worden war. Irgendwann uferte sein Privatleben doch aus. In der Regenbogenpresse las man immer wieder Andeutungen, die auf seine Homosexualität aufmerksam machten. Tim Bravo wurde der Boden zu heiß und er verwickelte sich in Widersprüche. Zu der Zeit begegnete er Sarah und war fasziniert von ihr. Sehr schnell entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den beiden. Sie sprachen über alles, nichts blieb verborgen. Sarah und er wurden häufig zusammen im Fernsehen und bei Auftritten engagiert. „So ein schönes Paar!“, hörte man oft aus Fankreisen. Beide forcierten dieses Wunschdenken der Anhänger anfänglich, indem sie sich zum Essen oder auch mal im Theater verabredeten. Auch Claus wusste Bescheid über Tim und konnte das Treiben ohne Eifersucht geschehen lassen. Als plötzlich wieder verstärkt Gerüchte auftauchten, hatte Tim eine Idee. Bei einem gemeinsamen Abendessen, bei dem auch Sarahs Ehemann anwesend war, druckste der Schlagersänger rum: „Was hältst du von zwei Millionen Mark für dich?“ „Viel!“, sah ihn die Freundin verwundert an. „Du weißt ja, welche Parolen gerade wieder im Umlauf sind über mich …!“ „Ja, du musst besser auf dich aufpassen oder du gehst in die Offensive und machst Nägel mit Köpfen!“, entgegnete Sarah mahnend. „Wäre es nicht großartig, wenn wir ein Paar werden würden für die Öffentlichkeit, ich lasse mich von Heidi scheiden, du dich von Claus und dann heiraten wir. Ich überlasse dir dafür die zwei Millionen, ohne Gegenleistungen zu erwarten!“ Sarah glaubte sich verhört zu haben, Claus verschluckte sich und bekam einen Hustenanfall. „Das ist jetzt nicht dein Ernst, tickst du noch richtig?“, fauchte sie ihn an. Claus kam wieder zu sich, grinste und meinte: „Ein ziemlich schlechter Scherz, erneute Verarschung der Fans!“ Tim war aber regelrecht verliebt in den Gedanken und ließ nicht locker. „Was müsste ich dir bieten, damit du …?“, weiter kam er nicht, denn Sarah fiel ihm sofort ins Wort: „Gar nichts! Da mache ich nicht mit, Claus und ich sind glücklich. Du wirst immer mein Freund sein, aber so etwas kommt überhaupt nicht in Frage, basta!“ „Okay, okay, war ja nur so ein Gedanke.“, versuchte der Schlagersänger die Situation zu entschärfen. „Ein schlechter und perfider Gedanke, lass uns über einen solchen Unsinn nie wieder reden. Überleg dir lieber, was du stattdessen für deine Glaubwürdigkeit tun kannst!“ Sarah merkte plötzlich wie hilflos und allein ihr Freund in seiner Situation sein musste. Beide pflegten noch lange Jahre eine Freundschaft, Sarah verzichtete aber seit dem Abend darauf mit Tim irgendwo gemeinsam fotografiert zu werden. Als er ein paar Jahre später an Krebs verstarb, ereilten sie aber doch Gewissensbisse. „Hätte ich damals doch anders reagieren sollen?“, fragte sie sich oft.
„Das glaube ich jetzt nicht!“, lachte Jana ins Telefon. „Ja, heute können wir darüber lachen, aber sein zu früher Tod stimmt mich immer noch traurig!“ „Er hat die letzten Jahre doch noch ein akzeptables Leben geführt, fand diesen jungen Schauspieler … wie hieß der doch gleich?“ „Leopold Dornbichler, ich begegne ihm manchmal in Stuttgart, er scheint hier zu wohnen!“, entgegnete Sarah. Sie hatten jetzt fast zwei Stunden am Telefon verbracht, als Janas Handy klingelte und Beatrice anrief. „Ich muss jetzt Schluss machen, meine Tochter ist auf der anderen Leitung!“, verabschiedete sie die Freundin. „Okay, lass uns die Tage noch mal über Oberstaufen sprechen, tschüss!“
„Beatrice, schön dass du anrufst, heute scheint jeder an mich zu denken, was gibt es denn?“ „Hallo Mama, ich komme nächste Woche für ein Gastro-Seminar nach Bremen und wollte fragen, ob ich zwei Nächte bei dir schlafen kann?“ Jana war hocherfreut und stimmte zu. Danach plauderten beide noch eine Weile. Nach dem Gespräch fiel ihr ein, dass sie Henning und Gitta noch anrufen wollte, um sich demnächst für einen Kurzbesuch in Braunschweig anzusagen.
Am frühen Nachmittag leerte sie ihren Briefkasten, der fast überquoll. Margarete, die jetzt ab und zu auf Honorarbasis für sie tätig war, hatte in zwei dicken Umschlägen Autogrammwünsche an sie geschickt. „Es hört eben doch nicht so schnell auf, das Berühmtsein!“, stellte sie nicht unglücklich fest.
4. Das kleine Häuschen in Portofino
Jana kam gerade von ihrem Ausflug aus Braunschweig zurück. Die A2 zwischen Hannover und ihrer ursprünglichen Heimatstadt war wieder mal restlos überfüllt. Statt der üblichen zwei Stunden, die sie für die Route brauchte, war sie jetzt fünf Stunden unterwegs gewesen und entsprechend gestresst. Sie wuchtete ihren – wie immer – zu großen Koffer aus ihrem Porsche und fuhr mit dem Fahrstuhl nach oben.
Etwas außer Atem betrat sie ihre Wohnung und strahlte. Alles war blitzsauber. Zena, ihre bosnische Zugehfrau, die alle zwei Tage alles in Schuss hielt, hatte wieder ganze Arbeit geleistet. Sie ließ ihr Gepäck einfach fallen und sah zur antiken Rokokoanrichte, die das Prunkstück ihres Korridors war. Ganz akkurat hatte ihr Faktotum darauf die Post sortiert. „Das hat Zeit.“, dachte sie. Ihr war nach einer ausgiebigen Regenwalddusche. Gesagt – getan. Kurz darauf ließ sie die milden Wassertropfen auf ihrem Körper perlen. Sie stand minutenlang unter dem Schauer und allmählich verwandelte sich ihr eben noch empfundener Stress in ein Wohlgefühl. Sie griff zum Badetuch, das am beheizten Handtuchständer hing, und frottierte ihre Haut. Seit Jahren wusste Zena, wie dieses Utensil vorzubereiten war. Jana liebte dieses luftgetrocknet und bretthart. Den Wäschetrockner dafür zu benutzen empfand sie als Energieverschwendung. Der Bademantel aber bedurfte einer anderen Behandlung. Er musste flauschig sein, ein Effekt, der sich nur mit zu viel Weichspüler und Trockner erzielen ließ. Beatrice regte sich über diese Umweltversaunung, wie sie es nannte, auf und nannte ihre Mutter dann immer Salon-Grüne, was die Sängerin ärgerte.
Nachdem sie sich nun ins superweiche Frottee gehüllt hatte, ging sie in die Küche und genehmigte sich einen Barolo, mit dem sie es sich auf der Couch gemütlich machte. Auf der Marmorplatte des Beistelltisches lag noch die Biografie der österreichischen Operndiva Kyra Huba, die sie vor geraumer Zeit angefangen hatte zu lesen, obwohl sie für diese Freizeitgestaltung immer zu wenig Ausdauer und Interesse zeigte. In einer Fernsehtalkshow wurde ihr vor einiger Zeit mal die Frage gestellt, welches ihr Lieblingsbuch sei. Sie schwafelte nur herum, dass sie täglich die Süddeutsche lesen würde aber auch ab und zu mal zu einem guten Buch greife und erzählte einen Blödsinn von einer Schweizer Schauspielerin, deren Lebenserinnerungen sie gelesen habe. Als der Moderator sie unterbrach und ihr mitteilte, dass diese Akteurin ihre Memoiren noch gar nicht veröffentlicht habe, wechselte sie geschickt das Thema und konterte: „Ich komme jetzt nicht auf den Titel, aber es war sehr interessant und ich habe es gern gelesen!“ Das Studiopublikum bog sich vor Lachen. Sie schlug das Buch auf und blätterte lustlos darin herum. Es dauerte keine drei Minuten bis sie es wieder beiseitelegte. Ihr fiel die Post im Flur ein, sie stand auf und holte sich den Stapel ins Wohnzimmer. Gleichgültig fing sie an die Briefe zu öffnen. „Alles nur Mist und Dinge, die erledigt werden müssen!“, regte sie sich auf. Tatsächlich, sie hielt diverse Rechnungen von Verkaufssendungen in der Hand, die ihr Geld für Unnötigkeiten haben wollten, die sie bei ihren nächtlichen Shopping-Attacken am Fernseher gekauft hatte. Meistens verschwanden dann unsichtbare Insektennetze, todsichere Fleckenentfernungssprays, die auf Teppichen eher noch größeres Unheil anrichteten, als der schon vorhandene Fleck an sich, ferngesteuerte Trockenhauben oder Schwitzanzüge aus ekligem Plastik im geräumigen Abstellzimmer neben der Küche, das mittlerweile aber so vollgestellt war und jeden Durchblick, was tatsächlich vorhanden sein könnte, im Keim erstickte. „Da muss ich mit Zena unbedingt mal ran und ausmisten.“
Plötzlich entdeckte sie einen grauen Umschlag mit dem Absender Carina Coreen, Via Roma, 27, 16034 Portofino GE, Italia. „Von der habe ich ja ewig nichts mehr gehört.“ Neugierig riss sie das Kuvert auf und las:
Liebe Jana,
wir haben uns so lange nicht gesehen. Wie du ja weißt, feiere ich am 5. März meinen 55. Geburtstag und würde mich freuen, wenn du Zeit und Lust hättest diesen Tag mit mir zu begehen. Bitte gib mir bis 15. Februar Bescheid, ob ich mit deinem Erscheinen rechnen darf. Für Übernachtungsmöglichkeit ist selbstverständlich gesorgt.
Ich freue mich auf Dich!
Deine Carina
„Woher soll ich wissen, wann deren Geburtstag ist?“, schüttelte sie den Kopf. Es war hinlänglich bekannt, dass sie kein Gedächtnis für Daten, Geburtstage und ähnliche Festivitäten hatte. Lediglich den ihrer Tochter wusste sie, was sie aber erst in den Jahren, als ihr Kind in Güby lebte, schmerzlich verinnerlichte. Damals erhielt sie von Beatrice nicht einmal Dankesbriefe für Glückwünsche und Geschenke. Ansonsten war Margarete verlässlich und erinnerte sie immer pünktlich daran, Glückwünsche an Kollegen oder Verwandte zu übermitteln. Jana hatte einfach keinen Bezug zu Ereignissen wie diesen. Selbst ihren eigenen Jubeltag nahm sie jedes Jahr kaum zur Kenntnis.
Sie starrte eine Zeitlang ins Leere, goss Rotwein nach. „Warum eigentlich nicht? Ligurien ist im März noch relativ leer und der Frühling hat dann dort schon Einzug gehalten, man hat seine Ruhe – und Carina – na ja … das geht schon.“, überlegte sie und der Gedanke fing an ihr zu gefallen. Sie zog ihr Handy aus der Handtasche und rief die Kollegin an, um ihr Kommen zu avisieren. „Scheibenkleister, nur der Anrufbeantworter!“, fauchte sie in den Hörer, riss sich aber sofort zusammen und fuhr wesentlich freundlicher fort: „Hallo, liebe Carina, ich habe deine Einladung bekommen. Wie du ja weißt, habe ich meine Karriere beendet und endlich Zeit für solche Dinge. Ich muss das organisieren, aber ich komme gern zu deinem Geburtstag, gebe dir in den nächsten Tagen meine An- und Abreisedaten durch. Liebe Grüße Jana!“ Sie legte ihr Telefon zur Seite, trank einen Schluck Barolo und dachte an Carina. Sie und ihre Kollegin hatten etwa zur gleichen Zeit ihre Laufbahn begonnen, waren schnell Dauergäste in Fernsehshows. 1978 nahmen beide beim Musikwettbewerb Goldener Orpheus in Bulgarien teil. Jana hatte das Festival für Deutschland gewonnen, knapp vor Juanita Gonzalez, die für Spanien sang. Carina landete weit abgeschlagen auf den hinteren Rängen für Luxemburg. Ihre Karriere beeinflusste das aber nicht. Das Festival galt zwar damals als hochkarätig fand aber bei den westeuropäischen Fans kaum Beachtung. Zu dieser Zeit sang Carina Coreen Stimmungslieder. Jeder kennt heute noch ihre Titel wie Auf auf zur fröhlichen Jagd der Herzen oder Du willst mirnur den Kopf verdrehen. Sie war kommerziell unheimlich erfolgreich, aber stets unzufrieden mit dem Liedgut, das ihr ihr erster Mann, der Arrangeur Paul Blackwill, verpasste. Zwischen 1965 und 1980 hatte sie mindestens fünfzehn Nummer-Eins-Hits in ihren Massenproduktionsjahren, wie sie später diese Zeit bezeichnete. Als die Ehe mit Paul in die Brüche ging, soll sie mehrere Millionen Mark bekommen haben, von denen sie sich die Villa in Portofino kaufte. Nach außen vertrat sie aber immer die Meinung, dass sie sich das alles selbst erarbeitet habe und es sich ja nur um ein kleines Häuschen in einem norditalienischen Fischerdorf handeln würde. Während einer Gastspielreise hatte Jana Levin einmal die Möglichkeit sich das Objekt anzusehen und staunte. Was sie vorfand, war keine kleine Hütte, sondern eine Industrieellenvilla mit Meerblick. „Okay, wenn sie da eben glücklich ist, es sei ihr gegönnt!“, seufzte Jana damals. Als der Erfolg mit den Light-Schlagern deutlich nachließ, wechselte ihre Kollegin das Fach. Sie nahm Schauspielunterricht und erhielt auf nicht unbedeutenden Bühnen in Bochum und Wien ein neues Aufgabenfeld. Schnell wurde die Filmbranche auf sie aufmerksam. In einer Neuverfilmung von Ibsens Nora wurde sie sogar für die Lola nominiert, daraufhin erhielt sie ein Engagement bei den Salzburger Festspielen im Jedermann. Obwohl sie beim Publikum dort ankam schrieb die Presse vom ‚Ausflug ins Engagement’. Sie heiratete ein zweites Mal. Hans Preiser war zehn Jahre jünger als sie. Der Österreicher galt damals als der Filmdramaturg und Autor überhaupt. Er verpasste Carina den letzten Schliff, ließ seine Kontakte spielen. Alles lief wie geschmiert, bis ihn eine Stoffwechselerkrankung ereilte und er binnen weniger Monate verstarb. Das war jetzt etwa sieben Jahre her. Zu diesem Zeitpunkt hatten die beiden Künstlerinnen viel Kontakt miteinander. Jana war hin und wieder in Portofino zu Gast. Gleichzeitig stellten sie aber auch fest, dass ihre Lebensgewohnheiten nicht zusammenpassten. Während Jana gern dem Rotwein frönte, war Carina fast Antialkoholikerin, die den Tag liebte und abends früh zu Bett ging, um am anderen Morgen spätestens gegen sechs aufzustehen. Jana machte gern die Nacht zum Tage und schlief lang. Politisch war die Schauspielerin ganz eindeutig Christdemokratin und machte damals sogar für Angela Merkel Wahlwerbung. Jana hingegen interessierte sich nicht sonderlich für Politik. Carina sagte oft zu ihr, dass sie wohl mit dem Grün-Gewähle ihrer Tochter einen Gefallen tun wolle. Ab und zu gerieten die beiden auch regelrecht aneinander. Alles was Carina von sich gab klang durchdacht, fundiert und klug. Jana hingegen plapperte einfach drauf los und verhaspelte sich in Widersprüchen.
Dieses Desinteresse hatte sie wohl von ihrer verstorbenen Mutter geerbt, die einmal vor einer Bundestagswahl sagte, dass es am besten wäre, wenn es nur eine Partei geben würde, die machen doch sowieso alle, was sie wollen. Als Gertrud diesen Satz damals beim Mittagessen fallen ließ, herrschte plötzlich eisige Kälte am Tisch. Albert schrie seine Frau an, was für eine blöde Kuh sie sei. Worauf sie entgegnete: „Wir leben ja wohl in einem freien Land, da darf ich ja meine Meinung äußern!“ Jana musste zu diesem Zeitpunkt etwa fünfzehn gewesen sein und schaltete sich in den Streit ein: „Ich halte mich auch davon weitestgehend fern, um Politik kümmere ich mich, wenn ich wählen darf!“ Ihr Vater
