Das letzte Signal - G.F. Waco - E-Book

Das letzte Signal E-Book

G. F. Waco

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Beschreibung

Der Autor steht für einen unverwechselbaren Schreibstil. Er versteht es besonders plastisch spannende Revolverduelle zu schildern und den ewigen Kampf zwischen einem gesetzestreuen Sheriff und einem Outlaw zu gestalten. Er scheut sich nicht detailliert zu berichten, wenn das Blut fließt und die Fehde um Recht und Gesetz eskaliert. Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen). »Da ist er«, sagt Cliburn mit seiner tiefen und harten Stimme gefährlich ruhig. »Ich habe es gewusst. Lingos Informationen sind immer gut gewesen – gewesen!« Der kleine Mann neben ihm an der Ecke des General-Store zieht den Kopf etwas ein. »Lee«, sagt er, »du kannst nichts beweisen. Du allein hast ihn gesehen, du und Lingo. Aber der ist tot. Du hast keinen Zeugen, Lee.« Er bringt ihn um, denkt der kleine Mann entsetzt, ich weiß es. Mein Gott, wenn Lee Cliburn doch nur nicht getrunken hätte. Im Haus über ihnen steckt jemand im Zimmer eine Lampe an. Lichtschein fällt aus dem Fenster, ehe der kleine Mann es bemerkt. Aber Cliburn hat es erkannt. Der große, breitschultrige Cliburn, dessen Jackenärmel Büffelhaare schmücken, streckt die Hand aus. Es ist dem kleinen Mann, als wäre die ungeheure Kraft, die schon immer in Cliburns Armen gesteckt hat, noch größer geworden. Obwohl Lamison, der Mann neben Cliburn, zwar klein, dafür aber breit und schwer ist, hebt ihn Cliburn hoch und stellt ihn an der Wand außerhalb des Lichtscheines ab. »Mein Gott, Lee, sei vernünftig, es drängt dich doch niemand.« »Das denkst du, das denkt ihr alle.

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Seitenzahl: 147

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Die großen Western – 441 –Das letzte Signal

G.F. Waco

»Da ist er«, sagt Cliburn mit seiner tiefen und harten Stimme gefährlich ruhig. »Ich habe es gewusst. Lingos Informationen sind immer gut gewesen – gewesen!«

Der kleine Mann neben ihm an der Ecke des General-Store zieht den Kopf etwas ein.

»Lee«, sagt er, »du kannst nichts beweisen. Du allein hast ihn gesehen, du und Lingo. Aber der ist tot. Du hast keinen Zeugen, Lee.«

Er bringt ihn um, denkt der kleine Mann entsetzt, ich weiß es. Mein Gott, wenn Lee Cliburn doch nur nicht getrunken hätte.

Im Haus über ihnen steckt jemand im Zimmer eine Lampe an. Lichtschein fällt aus dem Fenster, ehe der kleine Mann es bemerkt.

Aber Cliburn hat es erkannt. Der große, breitschultrige Cliburn, dessen Jackenärmel Büffelhaare schmücken, streckt die Hand aus.

Es ist dem kleinen Mann, als wäre die ungeheure Kraft, die schon immer in Cliburns Armen gesteckt hat, noch größer geworden. Obwohl Lamison, der Mann neben Cliburn, zwar klein, dafür aber breit und schwer ist, hebt ihn Cliburn hoch und stellt ihn an der Wand außerhalb des Lichtscheines ab.

»Mein Gott, Lee, sei vernünftig, es drängt dich doch niemand.«

»Das denkst du, das denkt ihr alle. Für euch war Lingo nur ein schmutziges Halbblut, ein Mann ohne Anspruch auf einen Ehrenplatz neben dir oder deinen Vorgesetzten. Dass er für euch geritten und gestorben ist – für das Fort, für die Armee, für den Staat Texas, seine Bürger, für dieses großartige Amerika, das sich frei nennt, das zählt nicht?«

»Lee, du hast zu viel getrunken, du bist wild. Lass meinen Arm los, sonst zerbrichst du ihn mir noch!«

»Zum Teufel!«, brummt Cliburn und gibt Lamison einen Stoß, der ihn in das Licht befördert. »Ich sollte euch alle über meinen Knien zerbrechen. Er ist tot. Armeescout Larabee Lingo, ein schmutziges Halbblut, gebunden an einen Pfahl, gefesselt mit nassen Lederriemen. Die Sonne hat auf das Lederband geschienen und es ausgetrocknet, weißt du, was dann geschehen ist?«

»Hör auf«, keift Lamison und blickt auf die Uniform eines Sergeanten der dritten Kompanie des 27. Kavalleriebataillons.

»Du wirst jetzt schon schwach, aber was glaubst du, wie es mir gewesen ist, als ich ihn fand?«

»Und darum hast du getrunken, was?«

»Genau«, erwidert Cliburn.

Lamison zieht sich in den Schatten zurück.

»Lee, ich soll dich zum Major bringen, du musst erst mit ihm reden.«

»Weißt du, was dein Major mich kann? Du darfst mal raten. Da drüben ist ein ganz harmloser Mexikaner, wie? Er hat noch zwei harmlose Mexikaner bei sich. Aber ich bin sicher, dass sie genau das sind, was er ist: Banditen.«

»Banditen? Sie nennen sich Soldaten.«

Plötzlich lacht Cliburn auf.

»Das ist euer Irrtum«, sagt er dann keuchend. »Nicht nur euer, sondern auch der unserer Regierung in Washington. Jeder von euch weiß, dass sie keine Soldaten sind, sondern elende Banditen.«

»Aber wir tun doch alles, um …«

»Tun alles«, wiederholt Lee Cliburn ironisch. »Sie tun alles, ich weiß. Ihr schickt Patrouillen aus, ihr reitet an der Grenze entlang, aber auf texanischem Gebiet, nicht da drüben. Da sind nur wir, eine Handvoll Scouts, Männer wie Larabee Lingo, ein schmutziges Halbblut. Erwischt man sie, dann bringt man sie um – wie Larabee Lingo. Weißt du, dass es so nicht weitergehen darf? Weißt du, dass ihr endlich Nägel mit Köpfen machen müsst und die Armee in Mexiko einmarschieren muss, um diese verfluchten Mörderbanden zu stellen und sie unschädlich zu machen? Weißt du das, du nachgemachter Master-Sergeant?«

»Lee, jetzt ist es genug. Wir haben Befehle.«

»Einen Dreck habt ihr. Ihr hört ja nicht die Bürger schreien, die ihr beschützen sollt, ihr hört nicht die gellenden Schreie der Frauen, nicht das Wimmern der Kinder und sterbender Männer. Ihr sitzt auf euren Ohren und klammert euch an Befehle.«

»Cliburn, du hast ja recht, aber wir können nicht über die Grenze.«

»Ihr könnt nicht? Es gibt nur einen Willen und den Mut, gegen einen Befehl zu handeln. Aber diesen Mut bringt keiner auf. Nicht mal mein lieber Freund, der große Major Rufus Wardson. Ich werde ihm sagen, wie Larabee Lingo gestorben ist, ich werde ihm sagen, dass er in meinen Augen ein Feigling ist. Das alles werde ich tun, sobald ich mit den drei Kerlen da drüben fertig bin.«

»Allmächtiger, du willst es mit allen dreien aufnehmen?«

»Ja. Und ich will sie lebendig haben. Verstehst du?«

Dieser Scout Lee Cliburn ist noch vor etlichen Jahren in einer anderen Uniform für die Armee der Südstaaten geritten.

Diesen Lee Cliburn würde jedes Armeekommando der US-Army sofort einstellen. Und vielleicht nicht nur als Captain, sondern um einen Dienstgrad höher. Aber, und das ist es, was sie alle wissen, Cliburn wird nie eine Uniform anziehen, solange die Armee der Vereinigten Staaten Gewehr bei Fuß an der mexikanischen Grenze sterben und zusehen muss, wie drüben, keine sechshundert Schritte jenseits des Rio Grande, mexikanische Banditen texanisches Vieh abtreiben.

*

Cliburn klemmt die Zigarre zwischen den Lippen fest, zieht seine Jacke bedächtig aus und hängt sie dem Sergeanten über den Arm.

»Bring sie zu meinem Pferd, verstanden? Dort wartest du, bis ich komme.«

»Und wenn sie mich sehen?«

»Mann, stell dir vor, ich wäre jetzt dein Major und könnte dir einen Befehl geben.«

»Du bist es aber nicht. Und – du wirst es nie sein.«

»Sicher nicht. Es reizt mich zum Brechen, wenn ich nur euer Fort sehen muss.«

Cliburn zieht die Stirn kraus, dann stößt er sich von der Wand ab und geht los.

Die beiden Revolver, die er ziemlich hochgeschnallt an den Hüften trägt, ragen mit den Kolben nach außen. Eins der Messer trägt er am Gurt in einer Scheide.

Er geht mit langen Schritten auf die Tür des Saloons zu. Er kommt an den drei Pferden vorbei, blickt sich um, sieht aber niemanden und bückt sich dann blitzschnell.

Cliburn steht unmittelbar neben den Pferden und blickt auf ihre Hufe, die staubbedeckt sind. Das aber hat Cliburn erwartet. Seine rechte Hand nimmt hastig den Hut ab, dann schlägt er zweimal gegen die Hufe, dass der Staub wegfliegt. Jetzt sieht er es genau: An den Hufen und am Fell klebt rötlicher, vollkommen erhärteter Lehm. Er nimmt einen kleinen Klumpen ab, prüft dessen Härte zwischen den Fingern und nickt.

Vierundzwanzig Stunden mindestens, denkt er. Sie sind also schon länger hier. Dann treffen sie sich kaum noch mit dem Mann, mit dem sie Verbindung haben müssen. Das Treffen liegt hinter ihnen, aber es kann nicht weit von hier stattgefunden haben. Der Rückweg führte sie durch die Stadt und am Tor des Forts vorbei. Sie reiten hier spazieren unter den Kanonen von Fort Clark und werden dabei lachen und sich ganz sicher fühlen. Sie werden über jeden Soldaten unserer Armee lachen, den sie sehen. Und über die Fahne, die am Mast des Forts im Wind flattert. Vielleicht würden sie sogar auf sie spucken, wenn sie es könnten. Ich werde euch helfen, auch nur daran zu denken.

Der kleine Lehmbrocken fällt in den Sand neben dem Balken und den Hufen der Pferde. Dann tritt Cliburn auf den Vorbau.

Er blickt, durch die Tür tretend, von links nach rechts.

Hinter dem Tresen steht Smith, der Besitzer des Saloons, zu dem noch ein Hotel gehört. An der linken Ecke des Tresens lehnen die drei Mexikaner. Keiner von ihnen trägt eine Pistole oder einen Revolver. Jedoch ist er sicher, dass unter ihren Jacken zumindest einige Wurfmesser stecken. Ob sie mich kennen?

Vier Männer sitzen hinten an einem Tisch. Rechts sind zwei, die gerade trinken, Bürger aus der Stadt. Am anderen Ende des Tresens, wie durch eine Schranke getrennt, stehen drei Cowboys und der Vormann der Sheedy Ranch, der ihn gut kennt.

Cliburn sieht den Seitenblick des Vormannes, nickt ihm zu und tritt dann an den Tresen, und er macht es mit voller Absicht, als er freundlich zu Smith sagt: »Bring mir einen Whisky, Adam, einen großen! Ich weiß schon alles, was du mir sagen willst. Er sucht mich, wie? Ich weiß, ich werde auch bald mit ihm reden.«

Er wendet den drei Mexikanern halb den Rücken zu und redet leise. Und wenn Smith ihn auch erstaunt ansieht, der sicher keine so lange Erklärung erwartet hat, so bringt Cliburns Gerede Smith doch wenigstens nicht gleich dazu, über die Suche zu sprechen, die der Major seit Tagen nach Cliburn veranstaltet hat.

Smith nimmt eine Flasche, gießt ein Glas voll und sieht dann Cliburns Augenwink nach links zu den Mexikanern. Irgendetwas scheint Smith, der Cliburn seit vielen Jahren kennt, nicht ganz in Ordnung vorzukommen, denn er beugt sich vor, schiebt Cliburn das Glas hin und bemerkt, dass Cliburn etwas sagen will.

»Hör zu«, sagt Cliburn so leise, dass sein Gezische im Gerede der Männer hinten am Tisch untergeht. »Nenne mich nicht bei meinem Namen. Und schenke mir statt Whisky nur Wasser ein. Kümmere dich nicht um das, was ich tun werde. Larabee ist tot!«

Smith zuckt zusammen. Larabee Lingo hat sieben Jahre lang für ihn gearbeitet und Waren aller Art aus Mexiko gebracht, um andere hinzuschaffen.

»Zeig es nicht, bück dich!«

»Allmächtiger Gott, steh seiner Seele bei!«, sagt Smith in einem Ton, als würde sein Atem versagen.

Dann bückt er sich unter den Tresen, stellt die Flasche weg und taucht nach einem Augenblick wieder auf. Diesmal hat er eine leere Flasche in der Hand, auf der kein Etikett klebt. Mit dieser Flasche verlässt Smith den Raum. Er wird wiederkommen und auf der Flasche wird ein Etikett, aber in der Flasche wird kein Whisky, sondern Wasser sein.

Cliburn aber hebt das Glas an und gießt den Inhalt mit einer ruckhaften Bewegung auf die zertretenen Dielen. Er wird in zehn Minuten so viel trinken, dass er volltrunken sein muss von Wasser. Er steckt sich eine seiner Zigarren an, lehnt sich, die drei Mexikaner kaum beachtend, fest auf und sieht gleich danach Adam Smith wieder hereinkommen. Tatsächlich hat Smith sogar die Flasche verkorkt und zieht den Kork umständlich ab.

»Noch einen, Adam, voll bis an den Rand!«

»Heh, du hast schon genug getrunken. Du riechst auf zehn Meilen nach Whisky, mein Freund«, sagt Adam brummig. »Bis an den Rand …, nun, wie du willst.«

»Das will ich auch meinen. Ich kann trinken, so viel wie ich will«, erwidert Cliburn scharf. »Solange ich bezahlen kann, Mister Adam, schenkst du mir ein. Ist dir das klar?«

Obwohl Cliburn in den Spiegel sieht, senkt er den Kopf so weit, dass er nur unter dem Hutrand her die Leute beobachten kann.

Sie kennen ihn hier alle. Und sie wissen genau, zu welchen Dingen Cliburn fähig ist.

Der Vormann der Sheedy Ranch wirft ihm einen seltsamen Blick zu. Man sieht sich nach ihm um.

Cliburn trinkt das nächste Glas leer. Und wer ihn so sieht, muss ihn für einen Mann halten, der Whisky wie Wasser hinuntergießen kann.

»Noch einen, Adam! Lass die Flasche stehen, ich kann mich allein bedienen!« Smith gehorcht. Cliburn nimmt das Glas, trinkt es mit einem Ruck leer und stellt es hin. Cliburn gießt wieder ein, verschüttet beim Trinken die Hälfte, sodass der angebliche Whisky über seine Mundwinkel und das Kinn abwärts rieselt, und rülpst zweimal laut.

»Hör auf, Mensch!«, herrscht Smith ihn an. »Du hast sie gleich leer. Das verträgt kein Bulle.«

»Bi … bin ein Rie … Riesenbullenvieh«, lallt Cliburn gekonnt und erkennt aus den Augenwinkeln die Bewegung des einen Mexikaners, der die Hand hebt und Smith winkt.

Dann gießt er wieder ein und trinkt. Die Flasche ist leer.

In diesem Augenblick sagt der Mexikaner mit den Calzones und der bestickten Weste: »Mister, ich möchte zallen, biiittä.«

Sie wollen also gehen, meine lieben Freunde? Es wird ihnen unheimlich, denn ein betrunkener Mann fängt leicht Krach an, wie? Das habt ihr euch so gedacht, zahlen und verschwinden.

»Adam, bi … bist mein Freund. Hol mir noch ’ne Fla … Flasche, hipp!«

Er klammert sich mit beiden Händen am Tresen fest, dann dreht er sich, will Adam die Flasche reichen und – greift daneben. Cliburn bekommt das Übergewicht und schießt auf die drei Mexikaner zu. Der eine Mexikaner macht einen heftigen Schritt zur Seite.

Cliburn lallt: »Tschu … ’tschuldigung. Komm … komme von ganz allein … hipp, in deine … hipp!«

Cliburn stößt in dieser Sekunde leicht gegen den Mann und gibt dabei einen heiseren Laut von sich. Dann knickt Cliburn etwas ein und stöhnt. Lee Cliburn, ehemaliger Captain und Scout der Armee, sinkt in die Hocke, presst beide Hände vor den Magen und droht umzufallen. Nur seine Bewegung nach rechts, die ihn mit den Schultern gegen den Tresen bringt, bewahrt ihn vor dem Sturz.

»Yeah!«, flucht Cliburn gurgelnd und hält die Hände auf den Bauch. »Oaah, du hast – hast mich gestoßen … Oaaah!«

Keiner der Männer im Saloon hat genau sehen können, was eigentlich passiert ist. Sie sehen nur, dass Cliburn, nachdem er auf den schlanken, zäh wirkenden Mexikaner geprallt ist, beinahe zu Boden geht. Was in der Sekunde des Zusammenpralles aber geschehen ist, das haben sie nicht bemerkt.

Cliburn kommt, beide Hände auf dem Bauch und mit dem Rücken am Tresen entlangschiebend, zum Stehen. Dann nimmt er die linke Hand hoch und packt den Mexikaner bei der Jacke, genau an der schönen Silberstickerei.

In diesem Augenblick sagt der Vormann der Sheedy-Ranch: »Cliburn, musstest du denn unbedingt dieses verdammte Zeug …«

Genau das ist die Sekunde, auf die Cliburn zwar nicht gewartet hat, die ihm aber gelegen kommt.

»Cliburn!«, zischt der Vormann.

Und der schlanke, zäh wirkende Mexikaner zuckt plötzlich wie unter einem Peitschenhieb zusammen.

Wenn Cliburn jemals noch einen Beweis gebraucht hat, dann hat er ihn jetzt. Der Mann kennt ihn dem Namen nach. Er weiß, wer Cliburn ist.

Aber er kennt ihn nicht von Angesicht zu Angesicht.

Der Mexikaner holt mit der rechten Faust aus. Er boxt Cliburn in den Magen, will ihn auf die Bretter legen, um aus dem Saloon zu entkommen.

Dies ist der Beweis, den Cliburn gebraucht hat: Der Mann will schlagen. Also kennt er Cliburn dem Namen nach, also weiß er auch, dass Cliburn der Chef der Armee-Scouts ist, also weiß er auch von Larabee Lingo und dessen Tod.

Kaum bewegt sich der Mexikaner mit einem Ruck nach rechts, kaum feuert er die Rechte heraus, als sich Cliburn jäh duckt und den Hieb, der seine Rippen zu brechen droht, mit der Seite auffängt.

Mit einem gewaltigen Ruck reißt Cliburn den Mann an der Jacke herum, setzt dann links die Faust ein und schlägt, die Jacke jäh loslassend, den Arm nach oben. Cliburn brummelt irgendetwas, taumelt scheinbar und kommt nach vorn geschossen. Aus dieser Bewegung heraus schießt er die Rechte auf das Kinn des Mexikaners ab.

»Helft mir, helft!«

Mehr als diese drei Worte bekommt der Mexikaner nicht heraus.

Cliburns große Faust trifft den Mexikaner und schleudert ihn halb auf den Tresen. Der Hieb ist so wuchtig, dass der Banditenführer mit dem Schlag auch die Besinnung verliert und am Tresen wegrutscht. Er ist ohnmächtig, aber seine beiden Leute sind es nicht.

»Ojo – ojo! Vorsicht!«

Es ist links hinter Cliburn, der immer noch den Betrunkenen spielt und sich, scheinbar durch seinen eigenen Hieb aus dem Gleichgewicht gebracht, nach unten wirft. Er kommt mit der linken Hand dicht über dem zu Boden gefallenen Mexikaner an den Tresen und stößt blitzschnell ab. Er wirbelt herum und sieht den einen Mexikaner über sich. In diesem Moment lässt er die Maske des Betrunkenen fallen, denn er kann nichts anderes mehr tun.

Aus dem Spiel wird tödlicher Ernst. Der Mexikaner sticht mit einem langen, spitzen Dolch zu.

Cliburn trifft das Handgelenk des Mexikaners, kann aber nicht verhindern, dass der Dolch seinen Handballen tief aufritzt.

Der Arm fliegt zurück, der Dolch zeigt nach hinten, aber er wird immer noch vom Mexikaner festgehalten. Blitzschnell, mit der anderen Hand nachgreifend, erwischt Cliburn den Unterarm des Gegners und reißt ihm, nun vor dem Messer sicher, zu sich heran.

Dann aber macht Cliburn aus der Hocke einen Sprung nach vorn auf den Tresen zu. Er reißt den Arm dabei mit, er taucht praktisch an der Seite des Mexikaners vorbei, dreht den Mann, der schrill losbrüllt, durch den Zug herum und kann nun erst nach hinten blicken.

In dieser Sekunde ist es Cliburn, als liefe eine eiskalte Welle über seinen Nacken, denn kaum sieht sich Cliburn um, als er entsetzt die erhobene Hand des dritten Mexikaners sieht.

Im nächsten Augenblick zuckt die Hand rasend schnell.

Ein Wurfmesser zischt los.

Cliburn reißt an dem Arm, den er umfasst hat.

Er will herum, will weg und den anderen Mexikaner zur Seite auf den Messerwerfer schleudern.

Dann aber erkennt er es. Und es ist zu spät, irgendetwas zu tun.

Der Mexikaner, dessen Arm Cliburn umklammert hält, schnellt seinen linken Fuß ab. Er will Cliburn haken, er schafft es auch und kommt mit seinem Stiefel zwischen Cliburns Beine. Doch er kann unmöglich gesehen haben, dass sein Freund das Wurfmesser schleuderte.

Der Mexikaner bringt Cliburn zum Straucheln.

Cliburn knickt ein, der Mexikaner stürzt auf ihn und deckt ihn zu.

Und im gleichen Moment zischt das Wurfmesser heran.

In Cliburns Rücken gibt es einen matten Laut, dann stößt der Mexikaner einen heiseren, lang gezogenen Schrei aus. Das Messer, das Cliburn treffen sollte, hat den anderen erwischt.

Cliburn, der den Entsetzensschrei von drei, vier Männern hört, lässt den Mexikaner los. Er dreht sich, kommt hoch und sieht den Mexikaner zu Boden rutschen. Auf den Knien kauernd, sieht der Mann ihn seltsam leer an, versucht, mit der Hand nach seinem Rücken zu greifen, und kippt dann nach vom. Der andere, vor Schreck und Entsetzen über seinen fehlgegangenen Wurf erstarrt, steht keine sechs Schritte von Cliburn entfernt.

»Mensch«, sagt Cliburn fauchend, »das hast du aber gut gemacht, was?«

Cliburn ergreift den nächsten Stuhl und sieht die Hand des Mexikaners schon wieder unter die Jacke zucken.

Lebend muss ich sie haben, denkt Cliburn, tot nützen sie mir nichts.