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Die neue Erde wird von dunklen Mächten bedroht. Ihre Bewohner müssen eine Entscheidung treffen. Im Einsatz für die Rettung Gaias erleidet Joana einen schweren Verlust, der ihr beinahe das Herz bricht. Doch es bleibt keine Zeit für Trauer. Joana und ihre Freunde wissen, dass sie nicht auf konventionelle Weise gegen die Übernahme Gaias kämpfen können. Schnell wird klar, dass sie diese Herausforderung nur mit Hilfe ihrer Sternengeschwister und mit außergewöhnlichen Maßnahmen bewältigen können. Jetzt wird sich zeigen, was sie in den vergangenen Jahren gelernt haben. Wird es ihnen gelingen, die Lösung zu finden und ihr Paradies zu schützen? Im dritten Band der romantischen Fantasyserie "Das Licht von Avalon" geht es um nichts Geringeres als wahre Meisterschaft. Wenn du aufregende Geschichten magst, in denen Menschen ihr volles Potenzial leben und sich mit den Bewohnern anderer Planeten verbünden, dann wirst du an diesem Liebesroman deine helle Freude haben. Lass dich inspirieren von dem Licht von Avalon.
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Seitenzahl: 622
Veröffentlichungsjahr: 2019
AMIE SAN
DAS LICHT VON AVALON
DIE ENTSCHEIDUNG
Band III
Copyright © 2019 by Amie San
Umschlaggestaltung: German Creative
Titelbild: Alena Lazareva / Shutterstock
Lektorat: Cornelia Schell
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN: 978-3-7482-6288-6 (Paperback)
ISBN: 978-3-7482-6290-9 (e-Book)
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I
„Erinnerst du dich noch, wie wir damals aus Agartha zurückkamen?“ Joana strich Tom liebevoll durch sein mittlerweile silbergrau gewordenes Haar, welches leichtgewellt bis auf seine Schultern fiel. „Allerdings“, Tom lächelte versonnen. „Ich war damals noch ganz schön durch den Wind. Aber immerhin wieder in der Lage, mich an alles zu erinnern, besonders an dich, mein Liebling.“ Er schlang seine starken Arme sanft um ihre schlanke Taille und küsste sie zärtlich. „Es ist jetzt schon zehn Jahre her“, sinnierte Joana. „Unglaublich, was sich seitdem alles verändert hat. Man könnte sagen, wir leben in einer anderen Welt, findest du nicht?“ Sie schaute Tom fragend an. „Allerdings“, Tom nickte bestätigend. „Und nicht nur das, wir haben nun eine erwachsene Tochter und das finde ich noch viel unglaublicher.“
Just in diesem Moment stürmte Lucia auf Joanas Veranda. „Da seid ihr ja“, rief sie aufgeregt. „Ich suche schon überall nach euch.“ „Was gibt es denn so Dringendes?“, erkundigte Tom sich leicht amüsiert. Er liebte das feurige Temperament seiner Tochter über alles und wie immer, wenn er sie sah, wurde ihm ganz warm ums Herz. „Ihr werdet es nicht glauben.“ Lucia ließ sich in einen der bequemen Sessel fallen, die rund um den energetischen Springbrunnen, den Oleyon, standen. Ihre schwarze Lockenpracht, die ihr bis zu den Hüften reichte, glänzte in der Abendsonne und ihre außergewöhnlich tiefblauen Augen sprühten vor Begeisterung. „Es ist noch nicht offiziell, aber Mauro hat es mir verraten. Ihr kommt auf eure alten Tage noch zu hohen Ehren.“ „Na, na, na, du willst ja wohl nicht sagen, dass wir mit unseren sechzig Jahren zum alten Eisen gehören“, warf Joana lachend ein. „Das liegt im Auge des Betrachters.“ Luci grinste. „Jedenfalls, was ich sagen wollte, ist, ihr werdet als erste Erdenbewohner in den Rat der galaktischen Föderation berufen. Was sagt ihr jetzt?“ Sie blickte ihre Eltern erwartungsvoll an.
„Na, das ist ja mal eine Neuigkeit“, reagierte Tom bedächtig. „Ist das alles, was du zu sagen hast?“ Lucia war entrüstet. „Mensch, Tom, das ist die Nachricht des Jahres. Das hat es noch nie gegeben, noch nie! Und was sagst du?“, wandte sie sich an ihre Mutter. „Ich habe es erwartet“, antwortete diese gelassen. „Echt, ich fasse es nicht. Euch wird die größte Ehre zuteil, die jemals einem Menschen widerfahren ist und ihr findet es total normal.“ Lucis Augen schossen Blitze. „Genau deshalb haben sie ja uns ausgewählt“, fuhr Joana lächelnd fort. „Sie wissen, dass wir die nötige Reife und Gelassenheit für diese Aufgabe haben. Aber ich kann dir versichern, es berührt mich zutiefst und ich bin mir der Ehre durchaus bewusst“, versicherte sie. „Dito.“ Tom ging zu seiner Tochter und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Wann wird es denn offiziell?“, erkundigte er sich. Lucia zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, aber das kann bis zum nächsten Ekoljo dauern.“
Die Bewohner der neuen Erde, von Gaia, wie sie sie nannten, trafen sich immer noch regelmäßig zu diesen Ratsversammlungen, auf denen alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam gefällt wurden. Joana dachte an den letzten Ekoljo, der erst vergangene Woche getagt hatte und schauderte. Normalerweise liebte sie diese Zusammenkünfte, doch das, was sie bei dieser Veranstaltung erfahren hatte, beunruhigte sie zutiefst. Die sechs Weisen hatten verkündet, dass es auf der alten Erde, dort, wo die meisten Bewohner Avalons ursprünglich herkamen, durch einen wochenlangen Stromausfall in den europäischen Atommeilern riesige Explosionen gegeben hatte, die ihre alte Heimat vollkommen verwüstet hatten. So wie Angelon es geschildert hatte, war kein Stein auf dem anderen geblieben und der Planet hatte das heftigste Erdbeben aller Zeiten erlitten.
Dieses Beben wiederum hatte dazu geführt, dass der Vulkan unterhalb des Yellow Stone Parks ebenfalls in die Luft gegangen war, was zu allem Unglück auch noch eine gigantische Aschewolke ins Universum geschleudert hatte, welche die Temperaturen dramatisch hatte sinken lassen. Die Aschewolke konnte zwar die fünfte Dimension, in der sich Gaia befand, nicht erreichen, aber sie würde die alte Erde für viele Jahre in Dunkelheit hüllen und das wiederum wirkte sich auf den Lichtquotienten in der gesamten Galaxie aus. Obwohl die beiden Welten schon seit Jahren physisch voneinander getrennt waren, bestand jetzt die Gefahr, dass innerhalb der kommenden Tage auch Gaia von einem schlimmen Erdbeben heimgesucht werden könnte. Die Vibrationen, welche die Atomexplosionen ausgelöst hatten, beeinflussten das ganze Sternensystem.
Die Sternenflotte der galaktischen Föderation war seitdem ununterbrochen im Einsatz und arbeitete fieberhaft daran, die Folgen dieses Unglücks zu minimieren. Seit all das bekannt geworden war, lag ein Schatten über der sonst so lichtvollen, neuen Welt. Tom und Joana bemühten sich, besonnen und gelassen mit der Bedrohung umzugehen, aber wer genau hinsah, konnte sehen, dass Toms Gesicht angespannt war und Joana hatte tiefe Schatten unter den Augen. Dennoch hatte Tom mit seiner Vergangenheit abgeschlossen und wenn auch mit tiefem Schmerz akzeptiert, dass er für seine Exfrau Lisa und seine Tochter, die in der alten Welt gelebt hatten, nichts mehr tun konnte.
Seit Archies Tod waren nun schon fast elf Jahre vergangen und auch, wenn er seinen Sohn immer noch in seiner physischen Erscheinung vermisste, so war er doch in der Lage, den Tod als das zu sehen, was er ist, als einen Übergang in die geistige Welt, eine Heimkehr auf der Seelenebene. Toms übersinnliche Wahrnehmung hatte sich, seit sie damals aus Agartha zurückgekehrt waren, drastisch entwickelt und er konnte nun beinahe so viel wahrnehmen wie Joana. Er hatte sich sogar daran gewöhnt, dass Archie regelmäßig als Geist erschien. Die beiden führten lange und tiefgehende Gespräche und verbrachten mehr Zeit zusammen, als zu Archies Lebzeiten.
„Dich scheinen die jüngsten Geschehnisse ja nicht sonderlich zu beunruhigen“, wandte sich Tom an seine Tochter. „Es liegt nicht in unserer Hand“, antwortete Luci schlicht. „Außerdem vertraue ich auf die Sternenschiffe. Unsere Brüder und Schwestern von den anderen Planeten verfügen über solch weit entwickelte Technologien. Wenn die es nicht schaffen, uns zu retten, dann wird es keinem gelingen, aber ich bin durchaus optimistisch.“ Ihre Abgeklärtheit und ihr Urvertrauen verblüfften Tom wieder einmal. Luci hatte sich zu einer wunderschönen, jungen Frau entwickelt. Ihre gertenschlanke, hochaufgerichtete Statur hatte etwas Hoheitliches und sie strahlte eine, für ihre dreiundzwanzig Jahre ungewöhnliche, vollkommen natürliche Autorität aus. Es stand ihr förmlich auf die Stirn geschrieben. Lucia war die geborene Anführerin. Sie war hochintelligent, mutig, glasklar, umsichtig, gerecht und sie sprühte vor Energie. Tom war stolz auf seine Tochter und er wusste, dass sie eine entscheidende Rolle beim Schicksal Avalons und in der Geschichte der Menschheit spielen würde. „Also ich habe jedenfalls riesigen Hunger. Kommt ihr mit zum Abendessen?“, unterbrach Luci seine Gedanken. Joana und Tom erhoben sich und sie schlenderten gemeinsam zum Gemeinschaftshaus.
Dort gab es, wie nicht anders zu erwarten, nur einen einzigen Gesprächsstoff. „Würde die neue Erde von einem Erdbeben verschont bleiben?“ Diese Frage bewegte einen jeden Einzelnen. Tom und Joana setzten sich zu Ivys Eltern Katie und Bashan an den Tisch, während Lucia sich zu deren Tochter gesellte. „Und, wann siehst du ihn wieder?“, begrüßte ihre beste Freundin sie. „Das kann ich dir nicht sagen.“ Luci zuckte mit den Schultern. „Alles, was ich weiß, ist, dass er auf einem der Sternenkreuzer ist, die unsere Galaxie beschützen. Wir haben zurzeit nur telepathischen Kontakt und er darf mir nicht mehr verraten. Die Mission ist so geheim, dass selbst Mauro mir keine genauen Details geben kann. Alles, was ich erfahren habe, ist, dass die Situation wirklich brenzlich ist. Ich will gar nicht daran denken, dass er eventuell nicht wiederkommt.“ Lucis Gesicht verfinsterte sich und sie schob den kaum berührten Teller von sich weg. „Er wird wiederkommen. Da bin ich mir ganz sicher“, versuchte Ivy Lucia zu beruhigen. „Woher willst du das so genau wissen?“ Luci wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.
„Ich weiß es eben“, meinte Ivy bestimmt. „Wenn ich daran denke, dass ihr euch beinahe einmal getrennt hättet, weil Mauro nicht wollte, dass du durch den Weltraum reist.“ Ivy musste kichern. „Und jetzt bist du diejenige, die auf ihn wartet und er fliegt von Stern zu Stern, schon verrückt, nicht?“ Luci musste ebenfalls grinsen. „Jedenfalls hat er seine Angst vor dem Fliegen überwunden“, stellte sie pragmatisch fest.
Nach dem Abendessen machten Joana und Tom einen langen Spaziergang am Strand. „Ich vermisse sie immer noch“, sagte Joana leise, während sie gemeinsam zuschauten, wie die Sonne romantisch im Meer versank. „Ich auch, sie war ein Teil von uns“, erwiderte Tom und dachte an die letzten Tage mit Sina, Joanas großer, weißer Hündin, die vor einem Jahr im stolzen Alter von vierundzwanzig Jahren gestorben war. „Ich kenne keinen Hund, der so alt geworden ist“, fuhr er fort. „Sie wird immer und ewig in meinem Herzen sein.“ Joana griff nach Toms Hand. „Möchtest du nicht doch einen neuen Hund haben?“, fragte Tom sanft. Joana schüttelte den Kopf. „Nein, nicht jetzt. Ich habe ja die Ponys und Lilith. Wer weiß, wie lange wir noch hier sein werden. Ich könnte es nicht ertragen, einen Hund zurückzulassen, auch wenn ich weiß, dass er gut aufgehoben wäre. Meine Verbindungen zu meinen eigenen Tieren sind einfach zu intensiv.“
„Glaubst du, dass wir bald sterben werden?“ Tom blickte sie beunruhigt an. „Nein, mein Liebster. Soweit ich es überblicken kann, ist das nicht der Fall. Aber wer kann schon sagen, was die nächsten Jahre bringen. Mir scheint zurzeit unsere Zukunft sehr ungewiss. Wer weiß, vielleicht müssen wir sogar Avalon verlassen.“ „Das wäre furchtbar“, Tom schauderte. „Ich hänge so sehr an diesem Ort und an dem, was wir hier erschaffen haben. Das würde mir das Herz ein zweites Mal brechen und ich bin nicht sicher, ob ich das überleben würde.“ „Natürlich würdest du das.“ Joana küsste ihn auf den Mund. „Erstens hast du mich und zweitens wissen wir beide, dass das Leben Wandel ist. Immerhin sind wir göttliche Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen dürfen. Da sollten wir wohl in der Lage sein, dies mit Würde und Dankbarkeit zu tun, findest du nicht?“ Tom lachte. „Damit hast du allerdings recht, mein Herzblatt. Aber jetzt lass uns nach Hause gehen, ich bin müde und morgen retten wir dann, was noch zu retten ist.“ Sie standen auf und schlenderten gemächlich zu ihrem gemütlichen Heim. Sie lebten in Joanas Haus, seit sie nach Toms Genesung aus Agartha zurückgekehrt waren.
In Toms Haus hatten sich vor drei Jahren Luci, Ivy und die Zwillinge Jim und Freddy einquartiert, die es vorzogen, in Avalon, anstatt im Inneren der Erde bei ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Luka zu wohnen. Die Zwillinge waren mit ihren achtzehn Jahren zu stattlichen jungen Männern herangewachsen und sahen sich zum Verwechseln ähnlich. Der einzige sichtbare Unterschied war, dass Freddy Jim um circa einen Zentimeter überragte. Aber das konnte man nur ausmachen, wenn sie direkt nebeneinanderstanden. Zum Glück hatte Freddy eine etwas tiefere Stimme als Jim. So konnte man sie wenigstens einigermaßen auseinanderhalten. Der kleine Luka war nun auch schon elf Jahre alt und seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. Tom war jedes Mal tief berührt, wenn er ihn sah, denn es erinnerte ihn an die Zeit mit Archie, als der noch ein kleiner Junge gewesen war.
Zuhause angekommen, begab sich Joana ins Bad und flocht ihr langes, rotes Haar zu einem kunstvollen Zopf. Auch wenn sich mittlerweile erste silberne Strähnen durch ihre wilden Locken zogen, sah es immer noch majestätisch aus. Sie schaute in den Spiegel. Feine Fältchen umspielten ihre leuchtend grünen Augen, in denen nach wie vor tausend Sterne tanzten. Es schien beinahe, als sei die Zeit an ihr vorbeigezogen. Ihre Ausstrahlung war noch genau so frisch wie in den Tagen, in denen sie Avalon aufgebaut hatten, wenn auch vielleicht ein wenig reifer. Die Schönheit ihrer Seele spiegelte sich in ihrer Erscheinung wider. Sie streifte ihr langes Gewand ab und betrachtete aufmerksam ihren wohlgeformten Körper, den sie liebte und verehrte. Dann drehte sie sich um und erblickte Tom, der lässig im Türrahmen lehnte und sie verliebt ansah.
„Wahre Liebe kennt keine Zeit“, meinte er versonnen. „Ich liebe dich nur noch mehr mit jedem Tag.“ „Und ich dich“, erwiderte Joana aus ganzem Herzen. „Ich möchte wirklich keinen Tag mehr ohne dich sein, solange wir auf der Erde inkarniert sind. Unsere Stunden, die uns noch bleiben, sind einfach zu kostbar.“ „Dann lass sie uns nutzen.“ Tom hob sie sanft auf und trug sie zum Bett. Wie jedes Mal, wenn er Joana berührte, fing er leicht an zu zittern und konnte es beim besten Willen nicht kontrollieren. Das erstaunte ihn immer wieder. Wenn sie sich liebten, war es noch genauso schön und aufregend wie am ersten Tag. Obwohl sie sich nun schon so viele Jahre lang kannten, schien das Feuer ihrer Leidenschaft unerschöpflich. Auch jetzt versanken sie vollkommen in ihrer Hingabe füreinander und schliefen schließlich beide mit einem Lächeln auf den Lippen ein.
Mauro starrte angestrengt aus dem kleinen Fenster seiner Kabine. Der Sternenkreuzer, auf dem er seine Ausbildung zum Piloten machte, befand sich in einer prekären Lage. Die Atomexplosion auf der alten Erde hatte das gesamte Universum aus dem Gleichgewicht gebracht. Die Druckwellen waren so stark gewesen, dass sie immer noch weiter ausuferten und einige Planeten aus ihrer bisherigen Umlaufbahn warfen. Es waren zwar keine großen Abweichungen, aber sie reichten aus, um das gesamte System durcheinander zu bringen. Die Mission der Sternenschiffe bestand darin, mit besonderen Lasertechnologien diese Druckwellen zu durchbrechen und dadurch zum Stillstand zu bringen. Und das war extrem gefährlich. Wenn auch nur eine Kleinigkeit dabei schiefging, würde dies das Schiff in tausend Stücke zerreißen.
Glücklicherweise befand sich Mauro an Bord des Schiffes, welches von Sui Yin kommandiert wurde. Sie war eine der erfahrensten Kommandeurinnen und hatte schon einmal bei einer solchen Katastrophe Hilfe geleistet. Damals hatte ein massiver Meteoriteneinschlag ähnlich verheerende Folgen ausgelöst. Sui hatte seit zwei Tagen die Brücke nicht verlassen und auch nicht geschlafen. Dennoch sah sie erstaunlich frisch aus und zeigte keinerlei Spuren von Erschöpfung. Gerade war sie dabei, eigenhändig einen riesigen Laserstrahl ins Universum zu senden. „Wenn es uns gelingt, die Druckwelle zu unterbrechen, die wir gerade gemessen haben, können wir das Erdbeben, das Gaia treffen wird, extrem minimieren“, sagte sie zu Malu, ihrer ersten Offizierin. Malu war die Tante von Katies und Bashans Ziehtochter Mary und gehörte dem Stamm der Erdenhüter an. Sie hatte sich kurz nach Madavis Besuch bei ihrem Volk berufen gefühlt, auf einem Sternenschiff zu dienen und dort eine rasante Karriere hingelegt. Mittlerweile war sie die rechte Hand von Sui und verfügte, trotz ihres jungen Alters, über ein umfangreiches Wissen, was den Aufbau der Galaxie anging, in der sie sich befanden. Sie liebte ihre kleine Nichte über alles und besuchte sie, so oft es ihre Einsätze zuließen. Aber es kam durchaus vor, dass sie sich für viele Monate nicht sahen. Mary lebte immer noch bei Bashan und Katie und verehrte ihre Tante. Sie wollte, wenn sie groß war, auch auf einem Sternenschiff dienen, aber das würde noch einige Jahre dauern.
Das Schiff begann auf einmal so stark zu vibrieren, dass es sie beinahe von den Beinen gerissen hätte. Sui hielt sich an der Kante des Steuerpults fest. Dann ließ sie sich erleichtert in den hinter ihr stehenden Sessel fallen und rief mit einem Blick auf die Messanzeigen: „Es hat funktioniert!“ Und in der Tat konnte man sehen, wie die Welle, die zuvor einen extrem hohen Ausschlag verzeichnete, schlagartig abebbte und sich nun mit wesentlich kleineren Amplituden fortsetzte. „Das sollte reichen, um Gaia zu retten“, verkündete Sui freudestrahlend. An Bord brach ein großer Jubel aus und man konnte deutlich spüren, wie die immense Anspannung, unter der alle gestanden hatten, langsam von ihnen abfiel.
Am nächsten Morgen ging in Avalon nicht wie gewohnt die Sonne auf. Eine riesige, so noch nie gesehene Wolke verfinsterte den Himmel. „Oh mein Gott, das erinnert mich an die drei Tage Dunkelheit, als wir auf der Dragon Queen unterwegs waren.“ Joana schaute aus dem Fenster und schüttelte sich. Auch Tom wand sich innerlich. „Ich habe ein ungutes Gefühl“, meinte er. „Da bist du nicht alleine“, erwiderte Joana. Und dann ging es auch schon los. Das Haus begann so zu wackeln, dass die Tassen vom Küchentisch auf den Fußboden fielen und zerschellten. „Nichts wie raus“, brüllte Tom und zog Joana mit sich aus dem Haus. Sie rannten so schnell sie konnten zur Pferdeweide, die an ihren Garten angrenzte.
Die Ponys standen gelassen da und schauten verdutzt auf das zitternde Gras. „Guck mal, sie sind ganz entspannt“, stellte Joana erstaunt fest. Dann kam Ashanti zu ihnen herüber und legte ihren Kopf auf Joanas Schulter. „Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, es ist gleich vorbei“, sandte die Stute ihr eine telepathische Nachricht. Und in der Tat ebbte das Beben ab und dann war alles wieder ruhig. „Wie ein Spuk.“ Tom setzte sich in das noch taunasse Gras, aber das war ihm egal. Er hatte weiche Knie. Joana schwang sich vorsichtig auf Ashantis Rücken. „Ich muss nach Lilith sehen“, rief sie und galoppierte auch schon mit dem kleinen Pony Yogi im Gefolge davon.
Tom rappelte sich auf. „Na, dann werde ich wohl auch nicht hier hocken bleiben“, murmelte er leicht verstört und stapfte in Richtung Gemeinschaftshaus. Auf dem Weg dorthin überkam ihn eine große Erleichterung. Das ganze Dorf schien unversehrt und ebenso seine Bewohner und die Tiere. „Es ist alles in Ordnung.“ Luci rannte auf ihn zu. „Wir haben gerade eine Nachricht von dem Sternenkreuzer reingekriegt, auf dem auch Mauro ist. Sie haben die Druckwelle ausgeglichen und deshalb war das Erdbeben nur so schwach. Mensch Papa, das hätte echt ins Auge gehen können. Mauro hat mir eine telepathische Botschaft gesandt. Sie werden morgen zu ihrem Stützpunkt zurückkehren und dann kommt er für zwei Wochen nach Hause.“ Ihre blauen Augen strahlten.
Ihr Vater nahm sie dankbar in den Arm. „Ich hätte es nicht ertragen, wenn unsere geliebte Heimat zerstört worden wäre“, gestand er ihr. „Mach dir keine Sorgen, Tom. Mauro sagt, die Gefahr ist von Gaia abgewendet. Du kannst dich also entspannen.“ „Weißt du was, genau das werde ich tun. Ich werde mir für heute frei nehmen und die Seele baumeln lassen. Immerhin sind wir nur knapp einer Katastrophe entgangen, das sollte gefeiert werden“, entschied Tom. „Ich glaube, da bist du in guter Gesellschaft“, lachte Lucia und wies in Richtung Gemeinschaftshaus. Dort hatte sich bereits eine große Gruppe versammelt und die Bewohner des Dorfes saßen draußen auf den Bänken und unterhielten sich aufgeregt.
Tom und Lucia gesellten sich zu ihnen. „Wir feiern heute den ganzen Tag“, empfing Bashan sie euphorisch. Er hob die kleine Mary in die Luft und wirbelte sie herum. „Dank unserer Freunde von der galaktischen Föderation des Lichts sind wir von einem schlimmen Unglück verschont geblieben. Wir haben also allen Grund, ihnen diesen Tag zu widmen. In diesem Moment ertönte ein seltsames Geräusch direkt vom immer noch verdunkelten Himmel. Es hörte sich an wie überdimensionale Trompeten, auf denen jemand einzelne Töne bläst. Alle zuckten zusammen und starrten in die schwarzen Wolken. Aber es gab nichts zu sehen.
„Was ist denn das jetzt schon wieder?“, fragte Tom ratlos in die Runde. Aber keiner konnte darauf eine schlüssige Antwort geben. „Ich werde mal den Weltenempfänger einschalten“, meinte schließlich Piet. „Vielleicht erfahren wir dort etwas.“ Er eilte davon und kam nach einer halben Stunde enttäuscht zurück. Die Geräusche waren verstummt. „Viele haben die Geräusche auch gehört, sie scheinen rund um den Erdball aufzutreten, aber keiner kann sagen, was es ist“, teilte er seinen Freunden mit.
„Dann müssen wir halt damit leben, bis wir herausgekriegt haben, um was es sich handelt.“ Bashan war wie immer pragmatisch. „Ich schlage vor, wir genießen einfach den Tag. Es ist zwar nicht sonderlich hell, aber es ist warm und wir sind alle gesund und munter, was brauchen wir mehr?“ Die meisten nickten zustimmend und griffen nach den köstlichen Früchten, die die Köche auf den Tischen verteilt hatten. Es wurde trotz der beunruhigenden Ereignisse ein schöner Tag. In Avalon verstand man es, die Feste zu feiern, wie sie fielen und dieses hier endete erst tief in der Nacht.
Wie in so vielen Nächten verließ Joana auch heute wieder ihren physischen Körper und reiste mit ihrem Ätherkörper in höhere Dimensionen. Tagsüber arbeitete sie hauptsächlich mit Tieren und Naturwesen, doch wenn alle schliefen, traf sie sich mit aufgestiegenen Meistern, Bewohnern anderer Galaxien und Planeten und manchmal auch mit Engeln oder Verstorbenen. Sie ging oft an Bord eines Raumschiffes und verbrachte dort viel Zeit mit ihren außerirdischen Freunden. Da Zeit und Raum in diesen Dimensionen keine Rolle spielten, konnte sie sogar an mehreren Orten gleichzeitig sein. Das war für jemanden, der so etwas noch nicht erlebt hatte, schwer zu verstehen, doch ihr erschien es mittlerweile vollkommen natürlich. Sie hatte sich im Laufe der Jahre an diese Multidimensionalität gewöhnt.
Kaum hatte sie sich in die dafür notwendige, tiefe Trance versetzt, erschien auch schon Ashtar Sheran, einer ihrer engsten Freunde und lud sie ein, an Bord seines Raumkreuzers zu kommen. Er war immer noch der oberste Kommandeur der gesamten Sternenflotte und Joana hatte mit ihm geistigen Kontakt, seit sie ein junges Mädchen war. Aber erst seit sie nach Avalon gekommen war, konnte sie ihn auch physisch sehen. Im Sonnenschein glitzerte seine Haut wie bei allen aufgestiegenen Meistern, als sei sie von Diamantsplittern durchsetzt. Es sah wunderschön aus und faszinierte Joana immer wieder aufs Neue. „Sei gesegnet, liebe Schwester“, begrüßte er sie mit seiner tiefen, samtweichen Stimme. Joana liebte deren Klang und hätte ihm stundenlang zuhören können.
„Ich bin tief erfreut, dich zu sehen, großer Bruder“, entgegnete Joana und verneigte sich andächtig. Der Kommandeur verbeugte sich ebenfalls. „Lass uns keine Zeit verschwenden“, fuhr er dann in seiner direkten Art fort. „Ich möchte dich einladen, uns heute Nacht auf eine Versammlung des Rates der galaktischen Föderation zu begleiten, es gibt wichtige Dinge zu besprechen.“ Er nahm Joanas Hand und schon befanden sie sich an Bord des Raumschiffes, welches nun mit Lichtgeschwindigkeit durch das Weltall schoss. Ein paar Minuten später landeten sie bereits auf dem Stern Arkturus. Sie verließen das Schiff und schritten einen langen Gang mit weißen Marmorsäulen entlang, der in eine riesengroße Halle mündete.
Dort waren schon Abgeordnete verschiedenster Planeten versammelt. Es herrschte ein buntes Treiben und Joana konnte sich gar nicht sattsehen an den vielfältigen Erscheinungsformen. Manche Sternenbewohner sahen aus wie Engel, andere hatten tierische und insektoide Körper. Wieder andere waren bis zu zehn Metern groß, während einige winzig klein waren. Es war schon ein skurriler Anblick, all diese Wesenheiten um einen gigantischen Tisch herum versammelt zu sehen. Ashtar wies Joana an, neben ihr Platz zu nehmen. „Du bist hier als die Vertreterin der menschlichen Rasse“, teilte er ihr mit. Joana richtete sich kerzengerade auf. Sie war sich der Ehre und Verantwortung, die diese Aufgabe mit sich brachten, absolut bewusst. Und auch, wenn ihr ein bisschen mulmig zumute war, so konnte sie doch auch diese ganz besondere Erfahrung in vollen Zügen genießen.
Im Sternenrat sprach man die Sprache des Lichts, die mehr auf Vibrationen und Lautbildern als auf Grammatik beruhte. Man konnte sie nicht lernen wie eine andere Sprache, man konnte sich nur daran erinnern und sie intuitiv erfassen. Es war die älteste Sprache, die es gab und zugleich die Ursprache des Universums. Bei Joana hatte es vor einigen Jahren angefangen, dass sie in der Lage war, die Sprache zu verstehen und mittlerweile konnte sie sie auch fließend sprechen. Das war erhebend und bewusstseinserweiternd zugleich. Joana liebte diese Sprache. Dank ihrer fortgeschrittenen Entwicklung konnte sie der Konversation mühelos folgen. Es war die Rede davon, dass es an der Zeit sei, auch menschliche Wesen in den Sternenrat aufzunehmen und ihnen Gehör zu schenken. Das war eine unglaubliche Innovation. Denn bisher hatten die Menschen als nicht weit genug entwickelt gegolten, um dort als vollwertige Mitglieder anerkannt zu werden. Soweit Joana es verstand, sollte sich das in Kürze ändern und dies erfüllte ihr Herz mit großer Freude. Sie wusste, dass sich dadurch der Status von Gaia ändern würde und sie damit auf dem besten Wege waren, in die galaktische Föderation des Lichts aufgenommen zu werden. „Bald schon wird es geschehen“, bestätigte ihr Ashtar. „Ihr müsst nur noch eine letzte, große Hürde nehmen.“ Doch bevor sie ihn fragen konnte, um was es sich dabei handelte, war die Versammlung auch schon zu Ende und sie machten sich auf die Heimreise. Ashtar deutete ihr an, keine weiteren Fragen zu stellen. „Die Dinge werden sich jetzt schnell entfalten und dann wirst du es wissen“, sagte er nur.
Tom wälzte sich unruhig im Schlaf hin und her. Er träumte von der unterirdischen Kathedrale, an der er schon seit einigen Jahren in Marunda baute. Es hatte sich herausgestellt, dass es viel aufwendiger war, tief im Berg zu bauen, als sie erwartet hatten. Der einzige Weg dieses zu tun, ohne den Berg von innen heraus zu zerstören, war, den Stein per Hand mit Hammer und Meißel zu bearbeiten und dann das Geröll mit dem Eimer hinaus zu tragen. Das war mühselig und zeitraubend.
Dennoch waren sie jetzt dabei, die letzten Handgriffe bei der Aushöhlung des Hauptgewölbes zu vollbringen. Die Statik war vollkommen stabil und sie konnten nun bald mit den vier Nebengewölben anfangen. Da diese wesentlich kleiner waren, rechnete Tom damit, dass sie pro Gewölbe circa ein Jahr brauchen würden. Während das erste Nebengewölbe entstand, wollten sie bereits das Hauptgewölbe komplett fertigstellen, mit allen Wandmalereien, Glasfenstern zum Himmel, Nischen für Kunstwerke und einem großen, runden Altar in der Mitte, um den herum sich hunderte von Menschen versammeln konnten. Es war schon ein beeindruckendes Bauwerk, beinahe wie Agartha, eine eigene Welt im Inneren des Berges. Plötzlich war Tom hellwach und konnte beim besten Willen nicht mehr einschlafen. „Was, wenn der Berg während des Erdbebens Schaden genommen hatte? Das konnte das gesamte Projekt gefährden. Das Beben war zwar relativ schwach gewesen, doch Tom hatte keinerlei Erfahrungen damit, wie sich solche seismographischen Erschütterungen auf einen teilweise ausgehöhlten Berg auswirken würden. Er wunderte sich, dass er nicht im Laufe des Tages daran gedacht hatte, aber er war wohl zu beschäftigt gewesen.
Schließlich beruhigte er sich einigermaßen mit dem Gedanken, dass er morgen früh nach Marunda fahren würde, um sich selbst ein Bild zu machen. Er wollte dort einige Tage bleiben, um ganz sicher zu gehen, dass alles in Ordnung war. Auf dem Rückweg konnte er dann gleich Mauro mitnehmen, der in der Nähe der Hauptstadt landen würde. Es gab dort seit dem vergangenen Jahr eine Art intergalaktischen Flughafen, wo zumindest kleinere Sternenschiffe landen konnten. Die Mutterschiffe waren viel zu groß, um überhaupt irgendwo zu landen. Sie arbeiteten mit kleinen Shuttles, um ihre Besatzung zu transportieren.
Mauro und Lucia kannten sich nun schon über zehn Jahre und waren von Anfang an nahezu unzertrennlich. Sie hatten ihren Kontakt nur ein einziges Mal für ein paar Monate unterbrochen. Dies lag zurück in der Zeit, als Tom krank in Agartha daniederlag. Damals war Mauro so entsetzt über Lucis Vorhaben, später den Weltraum zu bereisen, dass er sich für eine gewisse Zeit von ihr zurückgezogen hatte. Aber das hatten beide nicht lange ausgehalten und so war Mauro, nachdem er seine Priesterschule im Inneren der Erde beendet hatte, nach Avalon gezogen und fühlte sich hier pudelwohl. Obwohl er Agartha aus tiefstem Herzen liebte, genoss er es, auf der Erdoberfläche zu verweilen und dort ganz neue Erfahrungen zu machen.
Als er sich entschlossen hatte, Ufo-Pilot zu werden, war Lucia zu Beginn nicht gerade begeistert gewesen, denn das bedeutete für das Paar, dass sie sich oft für lange Zeit nicht sehen würden. Aber letztendlich hatte sie ihn sogar dabei unterstützt, weil sie sehen konnte, wie wichtig es für ihn war. Er war nun schon im zweiten Jahr seiner Ausbildung und drei weitere würden folgen, bevor es ihm erlaubt war, ein Sternenschiff selbstständig zu steuern. Doch sie hatten sich beide mit der Situation arrangiert, zumal sie wussten, dass es auch Lucia beschieden war, im Orbit unterwegs zu sein, wenn auch noch nicht jetzt gleich. Luci war sich seit Langem dessen bewusst, dass es ihre Mission war, als Botschafterin des Friedens zwischen den Völkern des Weltraumes zu vermitteln. Kaum, dass es hell wurde, brach Tom auf. Er hinterließ Joana eine Nachricht, so dass sie wusste, wo er war und wann er wiederkommen würde. Am Strand angekommen, griff er sich eines der Hydromobile und sauste damit über das im Licht der aufgehenden Sonne glitzernde Wasser. Tom liebte diese Zeit des Tages, in der alles so unberührt und die Dinge noch ungeschehen waren. Es schien ihm wie ein Versprechen, dass etwas Wundervolles passieren konnte.
In Marunda begab er sich direkt zur Heimstatt seines alten Freundes Jarod. „Wir haben dich schon erwartet“, begrüßte ihn dieser und schloss Tom herzlich ich die Arme. „Es gibt Neuigkeiten, die dich nicht erfreuen werden.“ Jarods sonst so lichtes Antlitz verfinsterte sich. „Ist die Kathedrale eingebrochen?“, erkundigte sich Tom erschreckt. „Wenn es nur das wäre.“ Jarod führte ihn in den traumhaft schönen Garten hinter seinem Haus, in welchem tausend Blumen blühten und dufteten. Sie setzten sich auf die Bank vor dem Olyeon, der ganz ungewohnt milchig trüb vor sich hin blubberte.
„Was ist denn das?“ Tom war entsetzt. „Hat das Erdbeben so viel Schaden angerichtet? Ich habe noch niemals gesehen, dass ein Oleyon keine gute Energie von sich gibt.“ „Nein, das Erdbeben war im Grunde genommen nur ein Sturm im Wasserglas“, begann Jarod zögerlich. Tom konnte sehen, dass es ihm schwerfiel, darüber zu sprechen. Er wartete geduldig. Dann fuhr sein Freund mit leiser Stimme, in der unendlicher Schmerz mitklang, fort. „Gaia ist in Gefahr, von dunklen Mächten überrannt zu werden. Nachdem die alte Erde unbewohnbar geworden ist und ihren Nutzen für sie verloren hat, suchen die nun heimatlosen Machthaber nach einem neuen Domizil und einem Ort, den sie ebenfalls ausbeuten können. Bisher war ihnen der Zugang zur fünften Dimension verschlossen, aber sie haben eine Technologie entwickelt, die es ihnen erlaubt, ihre Schwingung künstlich soweit zu erhöhen, dass sie nun hier überleben könnten. Wenn uns nicht ganz schnell etwas einfällt, wie wir das verhindern, sieht es sehr, sehr böse aus. Diese Wesen kennen keine Gnade und sind bereit, mit allen Mitteln zu kämpfen, mit allen!“
Tom fühlte, wie das Blut in seinen Adern zu Eis gefror. „Sie würden alles zerstören, was wir lieben, nicht wahr?“, flüsterte er tonlos. Jarod nickte. „Wieso ist der Oleyon trüb?“, wollte Tom wissen. „Sie haben bereits begonnen, unsere Heilfrequenzen zu stören. Sie testen aus, wie verwundbar wir sind.“ Jarods Hand zitterte leicht, als er nach seinem Wasserglas griff. „Und wie verwundbar sind wir?“ Tom wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Zurzeit noch sehr. Niemand hat damit gerechnet, dass sie jemals in der Lage sein würden, die fünfte Dimension zu betreten. Also haben wir uns auch nicht mit dem Thema Schutzschilder beschäftigt. Um ehrlich zu sein, glaube ich auch nicht, dass dies die Lösung ist. Das gehört zur alten Welt. Ich denke, wir sind endgültig über das Stadium hinweg, in dem man sich gegenseitig die Köpfe einhaut und Schutzwälle errichtet. Es muss eine andere Lösung geben.“
„Seit wann weißt du es?“ Tom schaute ihn tief besorgt an. „Wir beobachten sie schon eine ganze Weile, aber der Durchbruch ist ihnen erst gestern bei dem Erdbeben gelungen. Irgendetwas ist während der Erschütterungen passiert, was so eine Art Tür für diese ungebetenen Gäste geöffnet hat und ich fürchte, sie werden auch versuchen, Freunde von anderen Planeten mitzubringen.“ „Wieviel Zeit haben wir?“ wollte Tom wissen. „Ein paar Wochen, im besten Falle bis zu zwei Monate. Solange brauchen sie, um alles vorzubereiten. Und dann käme die Phase der, wenn du so willst, Invasion. Die kann, soweit wir es einschätzen können, bis zur endgültigen Übernahme bis zu einem Jahr dauern. Aber glaube mir, mein Freund, uns bliebe sehr viel Leid erspart, wenn wir sie vorher stoppen könnten und dem einen endgültigen Riegel vorschieben.“
Jarod stand auf. „Kommst du mit? Für heute ist eine außergewöhnliche Versammlung einberufen. Neben den sechs Weisen werden auch Abgesandte aus dem Sternenrat dabei sein. Es ist ein nicht offizielles Treffen. Wir wollen die Lage erstmal soweit wie möglich sondieren, bevor wir das Ganze publik machen. Du kannst dir sicher vorstellen, was passiert, wenn unsere lieben Freunde davon erfahren. Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass eine Massenpanik ausbricht. Es würde die Schwingungsebene, auf der wir uns befinden, drastisch senken und damit den dunklen Mächten Tür und Tor öffnen. Das wäre extrem gefährlich, denn es könnte den Eroberungsprozess extrem beschleunigen. Und wir brauchen so viel Zeit wie möglich, um herauszufinden, wie wir die Übernahme unserer geliebten Welt verhindern können. Wie du siehst, bin ich im Moment selbst nicht wirklich in der Lage, meine Emotionen zu kontrollieren. Das hat es noch nie gegeben.“ Jarod zuckte resigniert mit den Schultern. Bedrückt machten sie sich auf den Weg.
Joana war schon den ganzen Tag lang unruhig. Seit Tom weg war, hatte sie das eindeutige Gefühl, dass irgendetwas ganz und gar nicht in Ordnung war, aber sie konnte es nicht greifen. Es fühlte sich fremd, kalt und gewaltig an. Gegen Abend beschloss sie, Lilith einen Besuch abzustatten. Sie schwang sich sanft auf den Rücken ihres Ponys und sie trabten mit Yogi im Gefolge zu dem Tempel, in welchem ihr Drache wohnte. Von dem Hügel aus, auf dem er gelegen war, hatte sie einen atemberaubenden Blick über das gesamte Dorf und sie genoss ihn andächtig, während sie der Drachin entgegen schritt. Die beiden waren über die Jahre zu einer Einheit verschmolzen. Seit sie damals das kleine Drachenbaby gefunden und großgezogen hatte, war nahezu kein Tag vergangen, an dem sie sich nicht sahen. Zudem standen sie in permanentem, telepathischem Kontakt und ihre Herzen waren tief verbunden.
„Ich sehe dunkle Wolken am Horizont der neuen Welt“, begann Lilith ohne Umschweife. „Die Drachen rufen zu einer wichtigen Zusammenkunft. Ich werde bald weg sein.“ „Darfst du mir sagen, um was es geht?“ Joana ließ sich zwischen Liliths mächtigen Vorderpranken nieder. „Nur so viel. Die Zukunft von Gaia hängt davon ab“, kam die knappe Antwort und der Tonfall, in dem die Drachin sprach, teilte Joana mit, dass es keinen Zweck hatte, weitere Fragen in diese Richtung zu stellen. „Muss ich mir Sorgen machen?“, sagte sie stattdessen. „Sorgen haben noch nie jemandem geholfen. Richte dich lieber darauf aus, dass alles gutgeht.“ Lilith schnaubte leise auf eine ganz besondere Weise. Das tat sie immer dann, wenn etwas sie sehr bewegte.
„Gibt es irgendetwas, was ich sonst tun kann?“, wollte Joana nun wissen. „Sorge dafür, dass du innerlich zentriert und ausgewogen bist. Wir werden in absehbarer Zeit Anführer brauchen, die in der Lage sind, ihre Emotionen zu meistern und einen kühlen Kopf zu bewahren“, verriet Lilith ihr. „Oh meine Liebe, du sprichst in Rätseln und ich kann nicht gerade behaupten, dass mich das beruhigt.“ Joana sprang auf und wanderte rastlos hin und her. „Die Zeit der Ruhe ist vorerst vorbei“, orakelte der Drache. „Auf uns alle kommen große Herausforderungen zu. Kannst du mich jetzt bitte allein lassen. Ich muss mich vorbereiten. Wir werden uns eine Weile nicht sehen, meine Herzensschwester. Doch sei gewiss, ich werde alles dafür tun, dass du sicher bist.“ Lilith vergrub ihren riesigen Kopf unter ihrem Flügel. Das hatte sie schon als Baby getan, um zu signalisieren, dass eine Konversation beendet war. Joana war mit den Antworten, die sie bekommen hatte, alles andere als zufrieden, aber sie wusste, dass sie nicht mehr aus der Drachin herausbekommen würde.
„Pass auf dich auf“, bat sie und dann ritt sie tief verstört davon. Ashanti trug sie vorsichtig durch die anbrechende Dunkelheit. Joana konnte spüren, dass auch die Stute angespannt war. Normalerweise war sie überhaupt nicht schreckhaft, doch heute zuckte sie mehrmals bei den kleinsten Geräuschen zusammen und auch der kleine Yogi sprang ein paar Mal zur Seite. „Ich habe zwar noch keine Idee, was hier vor sich geht“, sprach Joana zu den beiden, als sie auf der Weide hinter ihrem Haus ankamen, „aber ich verspreche euch, dass ich euch beschützen werde.“ „Wir spüren eine Bedrohung“, sandte Ashanti ihr eine geistige Botschaft. „Die Tiere sind in Gefahr.“ Nun war Joana völlig von der Rolle. Den Tieren galt neben Tom und Lucia ihre ganze Liebe. Sie konnte den Gedanken, dass ihnen ein Leid geschehen könnte, einfach nicht ertragen. „Ich werde für euch sorgen“, versicherte sie nochmals und dann wanderte sie schleppenden Schrittes zum Gemeinschaftshaus. Der Weg kam ihr endlos lang vor. Sie fühlte sich kraftlos und irritiert.
„Was ist denn mit dir passiert?“, empfing ihre beste Freundin Katie sie. „Du bist ja ganz durcheinander.“ „Irgendetwas stimmt überhaupt nicht“, teilte Joana ihr mit, während sie sich draußen auf eine Bank setzten. „Lilith sagt, dass sie weg muss, weil die Drachen sie wegen einer wichtigen Angelegenheit gerufen haben und die Ponys sprechen von einer Bedrohung. Mir geht es schon seit dem Erdbeben nicht gut und ich kann Tom telepathisch nicht erreichen. Er ist in Marunda und es ist, als wäre eine Nebelwand um ihn herum. Was hat das nur zu bedeuten?“ Joana rutschte auf ihrem Platz unruhig hin und her.
„Ich habe auch das Gefühl, dass etwas Ungutes im Gange ist. Es scheint mir, als käme es von außerhalb. Irgendwie hat es nichts mit uns zu tun. Alles was ich wahrnehme ist Kälte und ja, ich kann es nicht anders sagen, Gnadenlosigkeit. Und das passt doch so gar nicht zu unserem Leben.“ Katies spürte, wie Angst in ihr hochkroch.
In diesem Moment kamen Ivy und Luci um die Ecke. Sie erblickten ihre Mütter und setzten sich zu ihnen. „Ihr habt es also auch schon mitgekriegt“, meinte Lucia in ihrer forschen Art. „Ja“, erwiderte Joana. „Aber wir können nicht herausbekommen, was es ist.“ „Jedenfalls ist es etwas Ernsthaftes. Mauro hat den mentalen Kontakt zu mir abgebrochen, das tut er sonst nie. Aber ich kann spüren, dass es ihm nicht gut geht.“ Eine steile Falte zeigte sich auf Lucis Stirn und ihre Stimme zitterte leicht, während sie fortfuhr. „Mir ist seit gestern eiskalt und dass, obwohl wir Sommer haben. Das ist doch alles nicht normal.“ „Ich habe heute Nacht geträumt, dass Raumschiffe bei uns landen, viele Raumschiffe. Seltsamerweise konnte ich die Gesichter der Besucher nicht sehen. Sie waren wie eine weiße Fläche. Aber die Wesen, die aus den Schiffen strömten, strahlten Feindseligkeit aus. Nachdem ich schweißgebadet aufgewacht bin, konnte ich nicht mehr schlafen. Es war so realistisch.“ Ivy schüttelte sich.
Die vier blickten betreten auf die Zwillinge, die ihnen freudestrahlend entgegeneilten. „Stellt euch vor, Mama kommt heute zu Besuch“, sprudelte Freddy aufgeregt los. „Sie sagt, sie will länger bleiben und nach dem Rechten sehen. Keine Ahnung, wie sie auf diese komische Idee kommt. Aber egal, Hauptsache sie ist hier und sie bringt auch Luka mit. Wir fahren jetzt gleich los, um sie am Strand abzuholen. Sie sind schon aus den unterirdischen Gängen raus und auf dem Weg dorthin.“ „Wir sehen uns später“, unterbrach Jim ihn ungeduldig und zog seinen Bruder mit sich. Obwohl die beiden nun schon achtzehn Jahre alt waren, waren sie immer noch unzertrennlich. Wo der eine auftauchte, war der andere nicht weit.
„Langsam wird es richtig unheimlich. Mariah hat Agartha nicht mehr verlassen, seit sie nach Archies Tod dorthin gegangen ist. Dennoch schlage ich vor, dass wir das alles erstmal für uns behalten. Solange wir nicht wissen, was Sache ist, verbreiten wir nur unnötige Panik. Lasst uns einfach so weitermachen wie immer, bis wir mehr wissen“, schlug Joana vor. Die anderen waren einverstanden. Dennoch hatte niemand Appetit auf das ansonsten so leckere Abendessen und so beschlossen sie, stattdessen einen Strandspaziergang zu machen. Sobald sie das Dorf verlassen hatten, verschluckte sie die Dunkelheit.
Mariah saß mit Luka am Strand und blickte auf das nachtblaue Wasser. Obwohl die Sonne schon vor einigen Stunden untergegangen war, war es immer noch angenehm warm, doch auch sie fröstelte. Gerade stieg ein voller Mond aus dem Wasser auf und tauchte alles in ein milchig weißes Licht. Die Kulisse hatte etwas Malerisches. Aber Mariah hatte keinen Blick dafür. Auch, wenn sie äußerlich ruhig schien, so tobten doch in ihrem Inneren heftige Gefühle. Sie war nach dem Tod ihres Geliebten nie wieder hier gewesen und jetzt kamen Erinnerungen an die Zeit hoch, in der sie ihr viel zu kurzes, gemeinsames Leben begonnen hatten. Sie betrachtete ihren jüngsten Sohn Luka, der mit den Füßen im Wasser stand und Steine über die Oberfläche tanzen ließ. Er war das Ebenbild seines Vaters und sah mittlerweile genauso aus wie Archie, als sie ihn kennengelernt hatte. Sie waren damals ja fast noch Kinder gewesen.
„Da kommen sie“, rief Luka aufgeregt und riss sie aus ihren Gedanken. In der Ferne tauchten die Scheinwerfer des Hydromobils auf, das nach Mariahs Geschmack viel zu schnell über das Wasser schoss. Aber die jungen Männer landeten sicher am Ufer und man konnte ihnen ansehen, dass die rasante Fahrt ihnen einen Riesenspaß gemacht hatte. In der neuen Welt war es Gang und Gäbe, dass die Kinder ihre Eltern schon oft in jungen Jahren beim Vornamen nannten und so hielten es auch die Zwillinge. Obwohl sie ihre Mutter, die immer noch als Priesterin in Shambhala, im Inneren der Erde diente, nur selten sahen, hatten sie dennoch ein sehr inniges Verhältnis mit ihr. Freddy und Jim sprangen an Land und umarmten ihren Bruder und Mariah herzlich.
„Wenn das mal kein hoher Besuch ist“, witzelte Jim und legte liebevoll den Arm um die Schultern seiner Mutter, die er mittlerweile um stolze zwanzig Zentimeter überragte. „Manchmal habe ich den Eindruck, ihr wachst noch immer“, meinte Mariah mit einem Augenzwinkern. „Tun wir auch, aber mehr innerlich“, konterte Freddy und lachte sein bezauberndes Lachen. „Ich schlage vor, wir bleiben heute Nacht hier“, meldete sich nun Luka. „Ich finde, wir sollten ein bisschen Zeit für uns haben, bevor der ganze Trubel losgeht.“ „Was für ein Trubel?“, wollte Freddy wissen. „Ich hab‘s dir ja gesagt, sie haben mal wieder nichts mitgekriegt“, wandte sich Luka an seine Mutter. „Nicht alle sind so hellfühlig wie du.“ Archie materialisierte sich direkt neben Mariah, was allerdings niemanden verwunderte. Sie waren es gewohnt, dass ihr Vater sozusagen als Geist mehr oder weniger mit ihnen lebte und es verging kein Tag, an dem Mariah und er nicht wenigstens für ein paar Stunden zusammen waren. „Treu bis über den Tod hinaus“, pflegte Freddy zu sagen. Er bewunderte die Liebe, die seine Eltern füreinander empfanden.
„Wovon redet er?“, wandte sich Jim an seinen Vater. „Von einer Invasion dunkler Mächte“, um es kurz und bündig zu sagen. „Waaaas?“, riefen die Zwillinge wie aus einem Mund. „Aber doch nicht bei uns“, fügte Freddy mit unsicherer Stimme hinzu. „Leider doch“, entgegnete Mariah. „Es ist etwas geschehen, was niemals hätte geschehen dürfen. Deshalb bin ich hier. Die Bewohner von Agartha haben mich geschickt, um euch beiseite zu stehen. Wir müssen schnell eine Lösung finden, um die Invasion zu verhindern, sonst erwarten uns schwere Zeiten“, fuhr sie fort. „Das ist jetzt nicht wahr!“ Jim war viel mehr entrüstet als erschrocken. „Ihr habt doch immer gesagt, dass wir vollkommen sicher sind. Und jetzt steht auf einmal alles auf der Kippe?“ Er stampfte verärgert mit dem Fuß auf. „Was wollen die denn von uns?“, erkundigte er sich dann.
„Im Grunde genommen alles. Sie wollen unsere Bodenschätze, unsere Technologien und sie wollen unser Glück“, ließ Archie sie wissen. „Wie meinst du das?“, fragte Freddy verdutzt. „Diese, ich nenne sie mal Wesenheiten, kommen von Planeten, die eine wesentlich niedrigere Schwingung haben als Gaia und sie ernähren sich von negativen Gefühlen, hauptsächlich von Schmerz und Leid. Das heißt, sie werden versuchen, alles zu zerstören, was uns lieb und heilig ist. Und wenn es uns dann richtig dreckig geht, dann ist das ihre Nahrung“, führte Archie weiter aus. „Das klingt ja grauenhaft“, Freddy war geschockt. „Ist es auch, mein Sohn, ist es auch. Wir haben all das schon einmal erlebt, als wir noch auf der alten Erde lebten. Mutter Erde, die Menschen und die Tiere wurden gequält und ausgesaugt, wo es nur ging. Ich war damals so froh, das alles hinter mir lassen zu können. Es darf nicht noch einmal geschehen“, sprach Archie mit lauter Stimme und in seiner Aura leuchtete ein weißer Strahlenkranz auf.
„Du siehst aus, als hättest du einen Heiligenschein“, kicherte Luka. „Nun ja“, auch Archie musste schmunzeln. „Heiliggesprochen worden bin ich zwar noch nicht, aber ich habe immerhin Zugang zu besonderen Kräften. Und ich kann euch versprechen, die werde ich nutzen. Glaubt mir, um das hier wieder gerade zu biegen, ist eine göttliche Intervention nötig.“ Mit diesen Worten löste sich seine Gestalt auf und verschwand. „Dass Papa immer so theatralisch sein muss“, meinte Luka. Er war für sein Alter schon extrem weit fortgeschritten und verfügte über einen überdurchschnittlichen Wortschatz. „Lasst uns jetzt schlafen und morgen früh nach Marunda fahren“, bat Mariah. „Ich muss mit Jarod und Celeste sprechen.“ Ihre Söhne fügten sich diesem Wunsch ohne Widerrede und bald kehrte Ruhe in ihrem kleinen Lager ein.
Der nächste Tag begann mit einer unangenehmen Überraschung. Es regnete in Strömen. Aber es war kein gewöhnlicher Regen. Der Regen war tiefrot und dort wo er sich in Pfützen sammelte, sah es aus wie eine Blutlache. „Sie senden uns ein Zeichen ihrer wachsenden Macht“, murmelte Mariah. Luka war vollkommen entsetzt. „Das können die doch nicht machen“, stammelte er. „Doch, mein Schatz, und noch viel mehr, wenn wir nicht bald einen Weg finden, sie zu stoppen“, meinte Mariah ungewohnt grimmig. „Sollen wir gegen sie kämpfen?“, fragte Luka weiter. „Also ich bin dabei und ich auch“, kam es von Freddy und Jim.
„Nein, ihr Lieben, das würde nichts bringen. Ein Krieg würde sie nur stärken. Das wäre Wasser auf ihre Mühlen. Wir brauchen etwas, das sie umstimmt oder ihnen hilft, sich ebenfalls auf eine höhere Bewusstseinsebene zu entwickeln. Allerdings halte ich Letzteres eher für unwahrscheinlich.“ Mariah wies auf das Hydromobil. „Lasst uns aufbrechen. Wir haben keine Zeit zu verlieren.“
Während sie lautlos über das Wasser glitten, herrschte völliges Schweigen. Ein jeder war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Kaum angekommen, schritt Mariah leichtfüßig in Richtung des Atriums voran, welches den Mittelpunkt der Stadt bildete. Dort wurden sie schon von Jarod, Celeste und Tom erwartet. „Ihr könnt leider nicht mitkommen“, teilte sie den Jungen mit. „Wenn ihr mögt, schaut euch in der Stadt um oder wartet hier am Oleyon auf uns. Wir werden allerdings fast den ganzen Tag über weg sein.“ Dann eilte sie mit ihren alten Freunden davon.
Sie begaben sich schnurstracks zum Tempel der Erkenntnis, in welchem auch die Zusammenkunft des Vortages stattgefunden hatte. Hier waren die sechs Weisen, die schon seit vielen, vielen Jahren die gewählten Oberhäupter der Gemeinschaft waren und zu Toms Erstaunen nun auch Vertreter der anderen Dörfer versammelt. Er kannte jeden Einzelnen von den Ekoljos. Die Stimmung, die ihnen entgegenschlug, war bedrückt. Normalerweise wurde auf allen Treffen viel und gern gelacht, doch diesmal sah er nur ernste bis besorgte Gesichter. „Bitte entschuldigt, dass ich erst heute kommen konnte, aber auch die Priesterschaft im Erdinneren musste zuvor zusammenkommen und darüber abstimmen, wie und wo wir mit euch zusammenarbeiten können. Es ist das erste Mal seit dem Fall von Atlantis, dass die innere und die äußere Erde einer gemeinsamen Bedrohung ausgesetzt sind“, meinte Mariah bedeutsam. Dann schilderte Angelon nochmals in aller Ausführlichkeit, was bis zum jetzigen Zeitpunkt bekannt geworden war.
Tom wunderte sich insgeheim, dass es so schien, als würde Mariah nichts mehr mit den Bewohnern der Erdoberfläche verbinden. Immerhin hatte sie dort ja auch viele Jahre gelebt und war seine Schwiegertochter. Aber er sagte nichts, schließlich hatten sie im Moment ganz andere Probleme. Er dachte an Joana. Gegen Abend wollte er zurück nach Avalon fahren, denn er sehnte sich nach ihrer lichten Gegenwart in diesem düsteren Szenario. Wahrscheinlich spürte sie sowieso schon, dass etwas Ungutes im Gange war. Es drängte ihn, alles mit ihr zu besprechen. Diese Situation stellte sie vor nicht überschaubare Herausforderungen.
Dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder dem Treffen zu. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir das Unheil nur abwenden können, wenn wir uns noch viel weiter entwickeln als bisher und dadurch eine Ebene erreichen, die diesen machthungrigen Wesen niemals zugänglich sein wird. Zurzeit haben uns die Schatten der Vergangenheit, die wir für immer hinter uns wähnten, eingeholt. Uns wird nichts anderes übrigbleiben, als sie anzuschauen und ins Licht zu heben, damit sie sich für immer und ewig auflösen können“, sagte Mariah gerade. Die sechs Weisen nickten zustimmend und Tom konnte sehen, dass auch Celeste und Jarod ihre Ansicht teilten. Doch die Abgesandten der umliegenden Dörfer zeigten eine ganz andere Reaktion. Es brach nahezu ein Tumult aus.
Angelon klingelte mit der kleinen Glocke, die vor ihm auf einem Pult stand und mahnte zur Ruhe. „Liebe Freunde, glaubt mir, ich verstehe eure Ängste nur zu gut, aber bitte lasst uns zumindest einer nach dem anderen sprechen, damit wir einander zuhören können.“ „Du glaubst doch nicht, dass meine Leute tatenlos zusehen und beten werden, während da irgendjemand daherkommt und unsere Welt zerstört“, rief Marius tief empört. Er vertrat eine Gruppe kleiner Dörfer, die in einem weitläufigen Tal nicht weit von Marunda angesiedelt waren und er war normalerweise ein sehr weiser, bedächtiger Mann. Doch jetzt war er vollkommen außer sich.
„Ich weiß, es ist ein riesiger Schock, den es erstmal zu verkraften gilt“, versuchte Aviola ihn zu besänftigen. „Aber bedenke, mein Freund, dass wir hier in der fünften Dimension leben und da gelten andere Gesetze und Regeln als auf der alten Erde. Wir können dieses Problem nicht mit alten Verhaltensweisen aus dem Weg schaffen, es würde nicht funktionieren und wie gesagt, unsere Angreifer nur noch stärken. Kannst du das verstehen?“ „Ich schon“, murrte Marius. „Aber sag das mal unseren Feinden und den Bewohnern unserer Dörfer. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn sie es erfahren. Wir alle lieben unsere neue Heimat und viele von uns haben Kinder. Sie würden alles tun, um das zu verteidigen.“ Die meisten anderen stimmten ihm lebhaft zu. „Könnten wir nicht ein Schutzschild aus kristalliner Energie um unsere Welt legen?“, schlug Madana vor. Sie vertrat ein Dorf, das weit abgelegen auf einem hohen Plateau in den blauen Bergen lag. „Wenn wir das kristalline Gitternetz, welches unseren Planeten umspannt, stärken und verdichten, müsste das möglich sein“, überlegte sie laut. Ihre Gemeinschaft war mit diesem Gitternetz eng verbunden. Es war ihre Aufgabe, dieses zu heilen und auszubauen. „Wir sollten das auf jeden Fall ins Auge fassen“, bestätigte Angelon. „Das allein wird sie zwar nicht fernhalten, aber es wird mit Sicherheit dazu beitragen, unser Ziel zu erreichen und es ist zudem ein natürlicher Teil des Entwicklungsprozesses, den wir gerade kollektiv durchlaufen. Danke, Madana.“
Dann meldete sich Beri, dessen Name „Weisheit“ bedeutete, zu Wort. Er war mit seiner Schwester Alkira gekommen. Ihr Name bedeutete „vom Himmel gesandt“. Sie waren hohe Gäste und die Abgesandten von Ulora, einem Dorf, das am Fuße eines mächtigen, heiligen Berges lag. Ihr Stamm gehörte, wenn man so wollte, zu den Ureinwohnern des Landes. Sie lebten hier schon seit Ewigkeiten und hatten eigene Sitten und Bräuche. Erst seit kurzem hatten sie sich nach vielen Einladungen bereit erklärt, an den E-koljos teilzunehmen und aktive Mitglieder der großen Gemeinschaft zu werden. Ihre Meinung und ihre Sicht der Dinge wurden hoch geschätzt, denn sie verfügten über ein Wissen, was die Natur anging und eine spirituelle Weisheit, die ihresgleichen suchte.
„Ihr wisst, dass wir zu den Hütern von Mutter Erde gehören und dass es eine unserer Aufgaben ist, ihre Zukunft zu träumen und dann durch Gesang und Rituale dafür zu sorgen, dass sie in ihrer besten Version eintrifft. Bis zu eurem Erscheinen lebten wir in vollkommener Harmonie mit dem Universum und auch mit Gaia. Ihr habt viel Gutes mitgebracht und im Laufe der Jahrhunderte entwickelt. Dennoch sind dadurch auch einige Dinge aus ihrem ursprünglichen Gleichgewicht geraten. Ein anderes Wort dafür wäre Veränderung oder Wachstum. Die Dinge können sich nur verändern und weiterentwickeln, wenn das bisherige Gleichgewicht gestört wird und genau das habt ihr getan, aber auf eine positive Weise. Dafür sind wir euch dankbar.“ Er machte eine Pause und blickte in die Runde. Alle Augen waren mit Spannung auf ihn gerichtet.
So fuhr er fort: „Evolution ist Veränderung und manchmal braucht es gewaltige Veränderungen, um einen Evolutionssprung auszulösen. Um es klar zu sagen, die Bedrohung, der wir alle gerade ausgesetzt sind, ist immens. Unsere Existenz steht auf dem Spiel. Dennoch beinhaltet genau das die größte Chance, die wir seit der Zeit von Atlantis hatten. Damals ist das schlimme Unglück passiert, weil das Bewusstsein der Menschen einfach nicht weit genug entwickelt war, um die Katastrophe zu vermeiden. Gier und Größenwahnsinn haben die damalige Welt zu Fall gebracht. Einige wollten damals Gott spielen und das ist gegen die Gesetze des Universums und auch gegen das Gebot des freien Willens. Es gab Täter und Opfer, aber erst beide zusammen haben es möglich gemacht, dass Atlantis unterging. Könnt ihr die Parallelen zum jetzigen Geschehen erkennen?“
„Wow. Dann könnte man fast sagen, dass die Täter von einst die Opfer von heute sind“, rief Madana überrascht. „Genauso ist es“, bestätigte Alkira. „Wir sind die Nachkommen von Atlantis und wir sind friedlich und um unsere Entwicklung bemüht. Genauso ging es ehemals den größten Teilen der Bevölkerung von Atlantis. Und dann gab es die hohen Priesterkasten, die ihre Allmachtsfantasien verwirklichen wollten. Versteht ihr jetzt, wieso wir mit den Schatten der Vergangenheit konfrontiert sind?“
„Ich denke schon“, meinte Tom zögerlich. „Die Wesen, die unsere Erde besetzen wollen, haben ein ähnliches Bild von sich wie damals die Priesterkaste. Sie halten sich für allmächtig und glauben, dass sie das Recht haben, die Welt nach ihren Vorstellungen zu gestalten und sich zu nehmen, was sie dafür brauchen. Sie haben ein völlig anderes Verständnis von Gut und Böse und gehen davon aus, dass sie das einzig Richtige tun, stimmt‘s?“ „Du hast es erkannt“, lobte Alkira. „Allerdings gibt es etwas, das die jetzigen Angreifer vollkommen von den Priestern von Atlantis unterscheidet. Sie haben kein Herz oder man könnte auch sagen, keine liebevollen Gefühle oder Mitgefühl für andere und das macht sie so gefährlich und gnadenlos. Genau aus diesem Grunde sind sie so scharf auf Gaia. Wir haben so viel Liebe und Kreativität, dass, wenn sie uns ins Unglück stürzten, sie sich von dem unendlichen Leid, das sie dadurch erzeugen würden, ewig lange ernähren könnten.
Außerdem verfügen wir über riesige Bodenschätze wie Gold, hochenergetische Kristalle und seltene Erden, die für sie von unermesslichem Nutzen sind. Sie schlachten einen Planeten vollkommen aus, ohne Rücksicht darauf, dass sie alles zerstören und dann ziehen sie weiter. Ich kann euch auch noch nicht genau sagen wie, aber es ist an der Zeit, ihnen ein für alle Mal das Handwerk zu legen. Sie haben genug Schaden im Universum angerichtet und wir brauchen sie nach diesem Evolutionssprung nicht mehr, um uns weiterzuentwickeln. Sie haben dann endgültig ausgedient.“ Alle applaudierten.
„Aber wie machen wir das? Was ist der Quantensprung im Bewusstsein, den wir alle vollbringen müssen, damit wir diese Ebene in der kurzen Zeit, die uns bleibt, erreichen?“ Marius hatte seine gewohnte Umsicht wiedergefunden. „Ich fürchte, diese Frage werden wir heute nicht beantworten können. Es ist ein Lern- und Entwicklungsprozess, den wir allerdings in der Tat sehr zügig durchlaufen müssen und zwar alle“, erwiderte Aviola. „Lasst uns die Versammlung auflösen, damit ein jeder darüber meditieren und träumen kann. Ich schlage vor, wir treffen uns hier in drei Tagen wieder. Das sollte genügen, um die Informationen zu verarbeiten und erste Lösungsansätze zu finden. Nächste Woche werden wir dann einen außerordentlichen Ekoljo einberufen und dazu auch wieder unsere Brüder und Schwestern von den anderen Planeten einladen. Diese Angelegenheit geht unser gesamtes Sonnensystem an, auch wenn wir im Moment die Hauptleidtragenden sind. Es wäre gut, wenn ihr bis dahin dieses Wissen für euch behalten könntet.“ Nach und nach verließen die Anwesenden den Saal. Man konnte ihnen ansehen, wie schwer sie an dieser Bürde trugen.
Tom machte sich zusammen mit Mariah auf den Weg zum Atrium, wo ihre Söhne schon ungeduldig auf sie warteten. „Die Gerüchteküche brodelt bereits, die Menschen in der Stadt erzählen sich, dass eine große Invasion bevorsteht“, berichtete Jim. „Die Weisen haben uns gebeten, vorläufig nicht mehr darüber zu sprechen“, wies ihn Mariah freundlich, aber bestimmt ab. Ihr Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass dieses Thema vorerst beendet war.
„Schön, und was tun wir jetzt?“, wollte Freddy wissen. „Ich würde sagen, wir fahren nach Avalon, aber ich möchte euch Jungs wirklich bitten, über das, was ihr erfahren habt, zu schweigen. Es wird nicht für lange sein. Bereits kommende Woche werden wir alles öffentlich machen, doch wir brauchen einfach Zeit für die Vorbereitung. Davon hängt es ab, wie die Bevölkerung diese unschöne Angelegenheit aufnimmt. Es ist extrem wichtig, dass alle ruhig und gelassen bleiben, denn sonst könnte diese Geschichte wirklich aus dem Ruder laufen“, erklärte Tom.
Es war mittlerweile später Nachmittag und sie entschieden sich, den Landweg zu nehmen. Als sie schließlich im Dorf ankamen, waren die meisten der Bewohner bereits zu Bett gegangen. Doch in Joanas Haus brannte noch Licht. „Am besten, ihr nehmt Luka mit zu euch und Mariah kann bei uns wohnen, wenn sie mag“, bot Tom an. Mariah lächelte. „Danke, Tom, das ist sehr nett von dir, aber ich würde lieber mein Nachtlager in dem Tempel aufschlagen, den ihr einst für mich gebaut habt. Es gibt ihn doch noch, oder?“ „Aber sicher doch. Kann ich dir wenigstens Kissen und Decken anbieten?“, fragte Tom fürsorglich. „Das ist nicht nötig.“ Mariah wies auf ihren Rucksack. „Ich habe eine leichte Decke und eine Schlafmatte dabei. Das genügt vollkommen. In Agartha schlafe ich oft so, wenn ich in einem unserer Tempel übernachte.“ Mariah verschwand leise in der Dunkelheit. Auch die Jungs hatten sich schon in Toms ehemaliges Heim zurückgezogen. Tom rannte fast zu Joanas Haus, in dem sie zusammen so viele Jahre glücklich gelebt hatten. Nun kam es ihm so vor, als wäre ihre gesamte Liebe bedroht. Doch kaum hatte er seine Gefährtin in die Arme geschlossen, ging es ihm schon gleich besser und er wusste tief in seinem Inneren, dass nichts und niemand das, was sie miteinander hatten, jemals würde zerstören können. Ihre Verbindung war nicht von dieser Welt.
„Wo ist denn Mauro?“, erkundigte sich Joana überrascht. „Ich dachte, er würde wenigstens kurz vorbeischauen und Hallo sagen.“ Erst jetzt fiel Tom auf, dass er den jungen Mann in Marunda gar nicht angetroffen hatte. Er war so mit den sich überschlagenden Geschehnissen beschäftigt gewesen, dass er das glatt vergessen hatte. „Ich weiß nicht genau, wie ich es sagen soll, aber ich habe ihn vergessen“, gestand er verlegen. Joana sah ihn alarmiert an. „Mir war schon klar, dass etwas nicht in Ordnung ist, aber dass es so schlimm ist. Bitte erzähl mir alles bis ins letzte Detail.“ Sie zog in nach draußen auf die Veranda, wo sie sich in die gemütliche Hollywoodschaukel kuschelten, die Joana eigens hatte bauen lassen. Sie konnte darin Stunden verbringen, während sie geistig und energetisch an gewissen Themen arbeitete.
„Lilith sagt, dass sie weg muss. Die Drachen haben sie gerufen und unsere Zukunft hängt davon ab. Aber sie hat mir nicht verraten, um was es geht. Ich gehe mal davon aus, dass dein Zustand auch damit zu tun hat?“, meinte sie beunruhigt. „Eigentlich soll ich Stillschweigen darüber bewahren, doch ich kann dich nicht im Ungewissen lassen, das würde ich nicht aushalten“, begann Tom niedergedrückt. „Du weißt, dass ich nicht darüber reden werde, bis es an der Zeit ist“, versprach Joana. Dann erzählte Tom ihr die ganze Geschichte und seine große Liebe hörte ihm zu, ohne ihn ein einziges Mal zu unterbrechen. Das war ungewöhnlich.
Als Tom geendet hatte, schaute er sie unsicher an. „Und, was denkst du?“, fragte er schließlich. Joana holte tief Luft. „Ich kann nicht gerade sagen, dass ich begeistert bin.“ Sie strich sich die, im Lichte des Oleyons tiefrot leuchtenden Haare aus der Stirn. „Aber irgendwie habe ich Hoffnung und ein tiefes Vertrauen, dass wir auch diese Herausforderung meistern werden. Ich stimme dir zu, es sieht äußerst bedrohlich aus, aber wenn wir jetzt reagieren wie verschreckte Hühner, machen wir alles nur noch schlimmer. Deshalb bin ich dafür, dass wir unseren ganzen Mut zusammennehmen und uns der Tragödie stellen.“
