Das Lied der Papierblumen - Eri Maryana - E-Book

Das Lied der Papierblumen E-Book

Eri Maryana

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Beschreibung

Ein Tatsachenroman aus Indonesien. Wenn das eigene Kind von einer tödlichen Krankheit bedroht wird, ändert das schlicht alles. Dies muss auch eine junge Mutter auf Java erleben, einer der Hauptinseln Indonesiens. Wie aus heiterem Himmel erfährt sie, dass ihre beim Vater lebende 6-jährige Tochter Kinan als Notfall in eine Klinik eingeliefert wurde. Die Diagnose ist ein Schock: Leukämie – und zwar in einer besonders aggressiven Form. Die Mutter nimmt zwar sofort den Kampf auf, um das Leben ihrer Tochter zu retten. Aber welche Therapie ist die wirksamste? Welcher Arzt der beste? Welche Klinik die richtige? Was sagt die Familie? Immer neue Fragen türmen schier unlösbare Probleme auf.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 46

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Der Roman »Das Lied der Papierblumen« basiert auf wahren Begebenheiten.

Aus der englischen Fassung »The Paper Flower´s Song«

Inhalt

1. Kleines Tagebuch

2. Vorahnung

3. Andere Meinungen

4. Buntstiftgekritzel

5. Zweifel

6. Thrombozyten-Transfusion

7. Leukämie

8. Erholung

9. Helles Licht?

10. Leberversagen

11. Bin ich eine Mörderin?

12. Das Lied der Papierblumen

Von Herz zu Herz – Danksagungen

Über die Autorin

Glossar

›Ich möchte eine neue Mutter.‹

1. Kleines Tagebuch

Immer noch liegt ein Stoß Malbücher samt Buntstiften quer über den Lesetisch mit dem Prinzessinnenmuster verstreut. Seit langer Zeit hat niemand sie mehr angefasst.

Das bedeutet nicht, dass ich die Lieblingsspielzeuge meiner Tochter Kinan nicht aufräumen will. Sie ist vor vier Jahren gestorben. Sogar die Kritzelei, die ein spielendes Mädchen im Park zeigt, ist immer noch auf dem kleinen Tisch zu sehen. Die unvollendete Buntstiftzeichnung begleitet mich in Gedanken, ganz so, als ob Kinan immer noch malen und ihren Träumen nachhängen würde. Aber ich lasse ihre persönlichen Sachen einfach so liegen, wie sie sind, um mich selbst ein wenig aufzumuntern, wenn das Verlangen nach meinem Liebling wieder einmal übermächtig wird.

Auf dem winzigen Tischchen liegt auch das kleine Tagebuch meiner Tochter. Es bringt mich jedes Mal zum Weinen, wenn ich die erste Seite aufschlage. Irgendwie habe ich dann das Gefühl, als Mutter versagt zu haben.

Ich kann mir selbst nicht vergeben, wenn ich dort lese, was meine Tochter geschrieben hat: ›Ich möchte eine neue Mutter‹, geschrieben in unregelmäßigen Großbuchstaben, mit Punkten dazwischen.

***

Nach der Scheidung lebte ich ein Jahr getrennt von meiner Tochter. Sie wohnte mit ihrem Vater und ihrem älteren Bruder Bagas in einer anderen Stadt. Fajar, der Jüngste, lebte bei mir in Solo.*

Als Kinan dann zu mir zurückkehrte, da war sie akut an Leukämie erkrankt. Ich blieb bei ihr, bis die Krankheit ihr das Leben nahm. Danach habe ich versucht, mich von meinen Schuldgefühlen durch regelmäßige Besuche im Waisenhaus zu erlösen, wo ich Kindern Geschichten erzählte. Außerdem wurde ich für einige Krankenhäuser, die gegen Leukämie bei Kindern zu Felde ziehen, zur Krebsbotschafterin. Ich beschloss, Frieden mit mir selbst zu finden, indem ich in gleicher Funktion für einige Krebsgesellschaften in Jakarta aktiv wurde. Dazu gehörten auch kirchliche Aktivitäten.

Doch für mich gibt es nur noch eine Sache, an die ich glaube. Es geht mir nicht darum, mich jemandem anzuvertrauen, sondern wichtig ist es für mich, meinen Lebensmut mit Kindern zu teilen, die an Leukämie leiden.

***

Dann, eines Morgens, kann ich mich nicht dazu durchringen, mein Schlafzimmer in Temanggung zu verlassen. Diese kleine Stadt liegt in einer immer noch weitgehend natürlichen Landschaft mit üppiger Vegetation.

Genau wie die Berge Sumbing und Sindoro, die sie flankieren, ist auch die Stadt selbst heute in Nebel getaucht. Mir ist, als brächte dieser Nebel eine längst vergangene Erinnerung zurück, eine ausgesprochen bittere Erinnerung an Dinge, die mich einst sehr niedergedrückt haben.

Gefangen in meiner Erinnerung, in dieser Stadt, in der die Kultur Javas so reich blüht, kämpfe ich wieder mit meinem Schicksal, wie vor vier Jahren.

* Für Orte in Indonesien und besondere Begriffe, die kursiv gesetzt sind, gibt es ab Seite → ein kleines Glossar.

Mein Herz zieht sich zusammen, als ich sehe, wie sehr

2. Vorahnung

Mittägliche Hitze, zusammen mit dem Staub, den der Wind in eine der Hauptstraßen von Solo bläst, treibt die Autofahrer zu noch höherer Geschwindigkeit. Sie überfahren rote Ampeln und missachten die Sicherheit anderer Fahrer. Auch meine Laune ist nur mäßig, aber ich fahre weiter. Meine Freundin D. hat mich zum Essen eingeladen, in eines der Restaurants in der Innenstadt.

»Was für eine plötzliche Einladung zum Essen«, begrüße ich meine Freundin.

»Ich habe da etwas Interessantes. Es geht um ein Gemeinschaftsprojekt. Da möchte ich Dich dabei haben«. D. lächelt mich an.

»Lass uns erst essen. Wir reden später«, schlage ich vor, um erst einmal das Eis zu brechen.

Gerade habe ich drei Löffel Reis zu mir genommen, als das Handy klingelt. Ich nehme den Anruf an und spüre, wie sich mein Hals zuschnürt, als ich höre, dass meine Tochter Kinan ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Mir vergeht schlagartig der Appetit.

»Kinan ist im Krankenhaus. Tut mir leid, ich muss sofort los«, sage ich halblaut. Ich laufe los und lasse D. einfach sitzen, die völlig perplex ist. Auf dem Weg zum städtischen Krankenhaus im Osten Solos hole ich alles aus meinem Motorroller heraus.

In einer Ecke der Notaufnahme warten schon zwei Verwandte meines Ex-Ehemanns.

»Kinan muss neun Tage im Krankenhaus bleiben«, sagt eine von ihnen rundheraus ohne Rücksicht auf meinen schockierten Gesichtsausdruck.

Ich gehe sehr schnell, renne fast, um Kinans Zimmer zu finden. Ich entdecke sie auf einer Isolierstation, zusammen mit sieben anderen Kindern, die fast komplett ihre Haare verloren haben. Kinan liegt völlig apathisch da. Ihr Gesicht ist bleich. Sie sieht so dünn aus.

»Mama, bitte verzeih mir«, das ist der erste Satz aus dem Mund meiner Tochter, als sie mir die Hand gibt.

»Du hast doch nichts verkehrt gemacht, Nduk. Du musst Dich nicht entschuldigen. Ich müsste mich eher bei Dir entschuldigen«, sage ich und versuche meine Tränen zurückzuhalten.

»Komm, Du musst essen.« Ich nehme das kalte Essen vom Tablett, das am Bett meiner Tochter befestigt ist.