Das Medaillon - Brian Micklisch - E-Book

Das Medaillon E-Book

Brian Micklisch

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Beschreibung

In einer dunklen Welt überschwemmt mit Verrat, Gier und Leid, in der es schier keine Hoffnung gibt, beginnen Strahlen voller Freundschaft, Treue und Liebe sie zu erhellen. In dieser Zeit werden Helden geboren! - Lese jetzt ein spannendes Werk aus dem Reich der Fantasie, viel Spass!

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Seitenzahl: 216

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Brian Micklisch

Das Medaillon

Band 1

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

1. Erkal

2. Die Jagd

3. Ein neuer Freund

4. Drohende Schatten

5. Alfar

6. Die Dinge nehmen ihren Lauf

7. Der dunkle Wald

8. In Danna

9. Düstere Zeiten

10. Arix

11. Krieg bricht los

12. Das Medaillon

Impressum neobooks

Prolog

Langsam und vorsichtig setzte er einen Fuß vor den Anderen. In den Händen zuckte sein Schwert in jede Richtung, wo ein Geräusch oder Knacken entstand. Laute von anderen Lebewesen vernahm er keine, obwohl er sich durch einen sonst sehr belebten Wald bewegte. Es war Nacht. Er stellte sich an einen Baum, um die nähere Umgebung zu beobachten. Durch seine sehr weit zugekniffenen Augen erkannte er nichts außer annähernd schwarz gefärbte Stämme, die ihm die weitere Sicht verdeckten. Einzig durch ein paar schwach schimmernde Sterne am Nachthimmel musste er sich nicht durch die komplette Dunkelheit tasten.

Er verließ sein vorübergehendes Versteck und setzte sich wieder in Bewegung. Für seine Feinde war er schwer auszumachen, denn er schritt zum einen sehr langsam, und gab so, wenn dann kaum hörbare Geräusche von sich, zum anderen war er komplett in schwarz gekleidet. Er trug hohe, feste Stiefel, die seine Hose mit einschnürte. Unter seinen langen Rock schimmerte an wenigen Stellen ein schützendes Kettenhemd hervor, welches von seiner Haut durch eine dicke Lederweste getrennt wurde. Darüber lag ein langer, ebenfalls schwarzer Mantel über seinen breiten Schultern. Als Kopfbedeckung wirkte ein einzigartig gefertigter, schwarz-gefärbter Stahlhelm mit drei kurzen spitzen Zacken, die seine imposante Gestalt vervollständigten. Mit seinen Händen führte er ein kräftiges Langschwert mit sorgfältig gefertigtem Ledergriff, der speziell für seine Hand geformt und schon viele Leben von Monster beendete. Mit diesem stärkenden Gefühl schritt er weiter durch den dunklen, angsteinflößenden Wald, bis er in einiger Entfernung eine kleine Lichtung entdeckte.

Langsam näherte er sich und schien noch wachsamer zu sein. Doch alles blieb still. So bewegte er sich vorsichtig auf die Lichtung um der nächtlichen Jagd ein Ende zu bereiten. Er ging bis in die Mitte der kahlen Stelle, richtete sich in voller Größe auf und streckte sein Schwert in den Nachthimmel. Silber blitzte es gut sichtbar für seine Beobachter in den Verstecken auf.

"Zeigt euch ihr Gesindel!", sagte er ruhig und selbstbewusst und es war weithin zu Gehör gekommen.

Die nächtliche Stille war vorüber, von allen Seiten schossen wilde Bestien aus dem Dickicht, bewegten sich aber nicht näher auf der Lichtung. Es waren kleine, dreckige Kobolde auf ihren Reittieren, den Sknavs, die eher wildgewordenen Wölfen glichen, die am Rand der Lichtung lauerten. Wild zischend und gehässig grunzend begrüßten sie ihren Jäger, der immer noch in der Mitte verharrte.

“Nun seid nicht allzu hochtrabend, ihr seid bereits besiegt. Seht es ein!”, sagte er in Richtung eines Kobolds, der sich in der Größe deutlich von den Anderen unterschied. Der Mensch wusste, dass er der Anführer war.

“Mein Volk wird euch alle vernichten. Doch nur ihr könnt diese Gewissheit abwenden”, fügte er hinzu in der Hoffnung, dass diese Kreaturen noch ein Stückchen Hirn besitzen. “Gebt mir eure Seelen”, bei diesen Worten kramte er gezielt in einer seiner Taschen und holte ein uraltes, Macht ausströmendes Medaillon heraus. Er öffnete es, hielt es für alle sichtbar in die Höhe und drängte weiterhin auf Antwort.

“Hier hinein!”

Die Kobolde und auch die Orks, die inzwischen dazugekommen waren, konnten ihre drohende Vernichtung nicht mehr abwenden, das war ihnen bewusst, was ihre eher zurückhaltende Art begründete. Sie würden eigentlich niemanden am Leben lassen, doch schließlich gaben sie ihre Seelen preis.

“Nehmt unsere Seelen von dieser Welt”, grunzte der Anführer. Der Mensch schloss die Augen, murmelte ein paar Worte in einer uralten, vergessenen Sprache, selber ungewiss ob dem was kommen mag. Er schloss das Medaillon und öffnete wieder die Augen. Auf der Lichtung stand er nun allein. Weit und breit nichts zu sehen oder zu hören von den Bestien, die ihn eben noch umzingelten.

Sein Schwert fand den Weg zurück in die Scheide und er verließ die Lichtung. Das Medaillon knotete er an eine Kette, die er von nun an um seinen Hals trug.

1. Erkal

Unaufhaltsam lief das Wasser auf die Felsen zu. Begrub den fast getrockneten, lehmigen Boden nach dem Zyklus der Ebbe wieder unter sich und drang zu der Küste Erkals vor. Auf einem dieser Felsen saß Merna, die ihre nackten Füße ins ansteigende Wasser hielt und in der Morgensonne badete, die sich langsam hinter dem Meer erhob. Sie war eine Frau unglaublicher Schönheit. Ihre schwarzen langen Haare wehte leicht im warmen Wind, der vom Meer kam. Ihm schien die Anwesenheit Mernas zu gefallen. Den Weg durch das dünne Stoffkleid bahnend umschlängelte er ihren Körper. Sie war diese Aufmerksamkeit gewohnt. Wo immer Merna war, wurde nur über sie geredet. Viele falschen Liebeleien wurden ihr von den anderen Weibern der Stadt angereimt, zum einen des Neides wegen und zum anderen um Merna endlich aus dem Kopf von Meldon zu treiben, der über diese Lästereien nur schmunzeln konnte. Sein Herz würde doch auch noch wenn möglich in zehntausend Jahren ihr gehören und das wusste Merna, was sie natürlich sehr freute.

Soweit sie sich erinnern konnte, verbrachte sie ihre Zeit an seiner Seite. Jede freie Sekunde genossen sie ihre Zweisamkeit. Als Kinder spielten sie stets zusammen, selbst das Laufen lernten beide gemeinsam. So entstand ein innerliches Band der tiefsten Verbundenheit und Zuneigung.

Im Nordosten hörte Merna laut die Hörner von Krokas schallen, die wie jeden Tag die Stadt mit Leben erweckte. Aber es war ein ganz besonderer Tag. Wie jedes Jahr am vierten Morgen, nachdem die Sonne am höchsten stand, wurde durch die Hörner der Tag der Jagd eingeläutet. In Krokas bereiteten sich jetzt schon viele darauf vor.

Auch Mernas Spannung stieg und ihre tiefen, leuchtenden Augen blickten suchend auf das Meer. Tief unten lag das Reich der Nixen und Meermenschen. Meldon besuchte oft alte Freunde und Bekannte, die diesen Weg des Lebens wählten, anstatt ihre Kräfte an Erkal oder anderen Ländereien zu verkaufen. Meldon respektierte diese Entscheidung und konnte so auf das Vertrauen und die Freundschaft der Meermenschen bauen. Hin und wieder besuchte er sie, um zu erfahren was es neues von dem Land unter dem Meer gibt. Es sind außergewöhnliche Städte, in Felsen und Kluften gehauene Höhlen und Nischen sind so mit Sauerstoff gefühlt, dass riesige Lufträume entstehen konnten. Damit wurde Lebensraum für hunderte von Menschen geschaffen.

Doch auch er musste den lauten Rufen der Hörner Folge leisten und Vorbereitungen für die Jagd treffen. Merna hatte schon die vielen Leckereien, die sie mitgebracht und zum Teil auch verzehrt hat, in ihren Flechtkorb verstaut, als sie ein leichtes Kribbeln an dem im Wasser hängenden Fuß spürte. Es folgten sanfte Streichler, die sich den Weg an den Beinen entlang an die Wasseroberfläche bahnten. Langsam stieg Meldon aus dem Wasser empor und gab Merna einen zärtlichen Kuss, der seine Liebe ausdrückte.

“Schön, dass ich dich wieder bei mir habe. Du hast mir gefehlt, doch nun ist mein Herz wieder in voller Freude.”

Merna erwiderte sein glückliches Lächeln.

“Doch nun müssen wir uns auf den Weg machen. Du weißt wie dein Vater reagiert, wenn etwas Unvorbereitetes geschieht und seine Freude auf die Jagd trübt. Die Hörner haben längst gerufen”, sagte sie in voller Eile, als sie auf ihr Pferd stieg.

Zuvor hatte sie Meldon ihren Korb vor die Nase gehalten und er bedankte sich dafür mit einem verzehrten Gesicht. Sie lachte leise und ritt los. Meldon folgte ihr auf Abrog, einem stolzen dunkelbraunem Hengst, der des einen Königssohnes würdig war.

Abrog konnte den schnellen Tritten des Vorderpferdes nicht folgen, da sein Herr nasse Kleidung trug und der restliche Inhalt des getragenen Korbes bei der Ankunft noch vollständig sein sollte. Merna liebte solche Spiele.

Meldon folgte mit seinen Blicken den aufgewirbelten Sand, der die näherkommende Stadt verdeckte, und ließ Merna ihren Spaß.

Nach einer Weile kam er auf eine riesige Wiesenlandschaft, wo nur vereinzelt Büsche und Baumgruppen standen. Sie reichte im Nordenbis an den kleinen Wald und wurde dort nur selten von Feldern und Plantagen unterbrochen. Diese Landschaft wurde Ebene von Kalisien genannt und wurde auch schon so vorgefunden, als sich die ersten Menschen hier ansiedelten und dieses Land Erkal nannten. Damals bildete sich auf einer Insel eine Ansiedlung von Häusern, die sich bis zur Hauptstadt Krokas entwickelten. Seit jeher fand die Burg des Königs auf der sicheren Insel Platz, was viele Kaufleute und Bauern anzog, die ihr Glück in der blühenden Handelsmetropole suchten. Wackelige Laufstege wichen hölzernen, breiten Zugbrücken, die nach Errichtung der hohen, starken Mauer, die fast bis ins Wasser reichte und die gesamte Insel umlief, die einzige Verbindung zum Land waren.

Viele Schlachten wurden an den mächtigen Mauern und der tiefen Strömung des Krokassel gewonnen. Doch da die Letzte schon über zwei Dutzend Sommer zurücklag, hat sich die Stadt auf über das zehnfache ausgedehnt und das bunte Treiben stark zugenommen. An den Gewässern entwickelte sich ein ausgedehntes Hafengebiet, was den Handel mit den südlichen Ländern und somit den Reichtum ermöglichte. So hat sich Krokas zur wohlhabendsten Stadt des Landes entwickelt.

Meldon erreichte die ersten Häuser, die den Weg säumten. Schnell wurden die Gebäude dichter und ließen nur viele irreführende Gässchen und eine große Straße frei, die direkt auf die imposante Insel zuhielt. Meldon ritt zügig vorbei an den geselligen Geschäftstreiben, vorbei an gut gefüllten Gaststuben, wo einmal ein Trunkenbold sich aufmachte Abrog‘s Weg zu kreuzen und laut grölte. Niemand verstand ein Wort aber alle lachten laut als er stolperte und auf die Nase fiel. Lallend erhob er sich und suchte wackeln den Weg zurück in die Gaststube.

Als Meldon das Hafenviertel erreichte, überwogen laute Marktschreier und Verkaufsstände das Geschehen. Die verschiedensten Anbieter lockten die Bewohner mit ihren reichgefüllten Warenkörben und die Käufer ließen sich natürlich ob der guten Qualität nicht lumpen. Auch Merna hatte sich bei diesem Angebot vor dem Verlassen der Stadt ihren Korb gut gefüllt. So gut, dass Meldon‘s Arm von leichten Krämpfen heimgesucht wurde, als er der Zugbrücke immer näher kam. In ihm kam die Frage hoch, wie Merna diese Last nur hatte tragen können, aber es verwunderte ihn nicht, denn er war zuvor viel geschwommen und einige Kraft gelassen.

Gerade als er anfing an seine alten Freunde zurückzudenken, krachten Abrog‘s Hufe auf das harte Holz der Brücke. Meldon hatte das Hafenviertel hinter sich gelassen. Vor ihm, imposant und mächtig, stand nun in voller Größe die unüberwindbare Mauer, durch dessen offenes Tor er ritt. Wieder auf festem Boden tat sich nach dem äußeren Ring die eigentliche Stadt auf. Meldon ritt auf den riesigen Platz, der genau auf der Mitte der Insel für Festlichkeiten oder andere Anlässe genutzt wurde.

Sofort befand er sich in einer Menge von Reitern, die sich bereits für die Jagd rüsteten, um ein besonders gutes Ergebnis zu erlangen. Der Glanz der frühen Morgensonne schimmerte leicht auf den vielen glatten Lederwesten, denn die Jagd, die seit dem Ende der großen Kriege stattfindet, wird nicht veranlasst wegen gerissenen Wölfen oder unberechenbaren Sknavs, sondern aufgrund der sonst so elegant und wunderschön anzuschauenden Rasse der Ramben, um die nördliche Ernte zu sichern. Schon oft musste der Teil des Volkes, der sich den gehobenen Handel nicht leisten konnte der Ramben wegen Hunger leiden und die Vertreibung dieser Rasse wurde so zu einer großen Festlichkeit des Jahres.

Meldon durchritt die Menge und Abrog‘s Sinne führten direkt zu einem alten Freund. Er sprang vom Pferd und konnte seine Begeisterung kaum zurückhalten.

“Bagad, alter Freund”, rief er und auch das sonst so kalte und steinerne Gesicht des Gastes überfiel ein lautes Lachen.

Die Beiden umarmten sich lange.

“Seit scheinbar ewigen Zeiten waren wir getrennt. Du bist mir wie ein Bruder und deine Anwesenheit ist mir sehr teuer”,

“ Ja”, antwortete Bagad in einer tiefen Stimme, dessen Besitzer stolz und selbstbewusst zu sein schien. Seine Rüstung war von besonderen Markierungen verziert, die von alten Zeiten und großen Helden deuteten, dennoch war Bagad etwa im selben Alter wie Meldon.

“Du weißt, dass die Sauberkeit und Verteidigung der Stadt Brosa mir eine besondere Ehre ist. Und für die Ehre, mein lieber Meldon, gibt ein guter Soldat auch sein Leben. Truppen befehligen und Taktiken zu studieren ist das Größte. Doch heute Abend nach der Jagd, mein Bruder, lass uns all das Verbrechen vergessen...”,

“...und einfach nur trinken!”, konterte Meldon und die Freunde fielen in erneutes Gelächter.

Zwischen den Soldaten bildete sich eine kleine Gasse, die als Weg für Merna galt. Die Menge wollte ihr nicht zumuten ihren Körper durch die selbige zu drückenund vielleicht wollte jeder einen freien Blick erhaschen.

“Meldon, mein goldener Stern des Morgens.” lächelte sie, “schön dass du endlich da bist. Dein Vater verlangt sofort nach dir.”

Die Liebenden gaben sich einen kleinen Kuss und Meldon machte sich auf den Weg.

“Dann bis heute Abend, Bagad.” Der erwiderte den Wink und machte sich weiter daran das Geschirr seines Pferdes zu festigen.

Meldon umkurvte die menschlichen Körper, bis er die Häuser erreichte, die den kurzen Weg zur Königshalle säumten. Er huschte durch die engen menschenleeren Gassen, denn es schien, dass beinahe das gesamte Volk der Insel bereits versammelt war und die Bürger von außerhalb würden noch dazu stoßen, dessen war er sich sicher. Seine Beine waren schnellen Schrittes und prompt stand er vor der uralten holzbeschlagenen Flügeltür, hinter der sein Vatersaß. Mehrere vertraute Soldaten des Königs öffneten das Tor und ließen Meldon mit einer tiefen Verbeugung passieren.

Vor ihm tat sich die von außen so klein wirkendeimposante Halle auf. Meldon‘s Füße glitten über den glänzenden, fast leuchtenden Marmor, aus dem die Halle zu bestehen schien. Zu beiden Seiten standen menschengroße Abbilder früherer Könige und geradezu hinter dem Thron eine riesige Statue des größten und tapfersten Königs, der jemals in Erkal regierte. Vor knapp zwei Dutzend Jahren wurde diese besondere Statue gefertigt und aufgestellt, in Andenken an Meldon‘s Großvater und des jetzigen König Elosons Vater, der damals spurlos verschwand.

Gerüchte sagen, dass seither ein böser Geist den an Erkal grenzenden Verbotenen Wald regierte und nicht wenige flüsterten, dass der damalige König selbst sein Unheil treibt. Doch ihm war es zu verdanken, dass die Zeit der großen Kriege ein Ende nahm. Mit einer List überraschte er die Monster und nahm sie allesamt in einem Medaillon gefangen. Nie wieder wurde dieses Medaillon gesehen, selbst an der Statue hing nur ein aus Marmor gefertigtes Replikat.

Am Fuße der Skulptur stand ein goldener Thron, in dem ein lächelnder, ältlicher Mann saß.

“Vater!”, rief Meldon erfreut, als er sich näherte.

“Komm her, mein Sohn. Erzähl mir wie es unseren alten Freunden in der Stadt im Meer ergeht!”

“Ich kann dir nur von ihrem Wohlbefinden berichten. Die Stadt wächst immer weiter heran und die Bewohner sind weit mehr als noch vor einiger Zeit”, antwortete er beruhigend.

“Doch ich glaube nicht, dass dies der Anlass meines Erscheinens ist”, drängte er, denn auch Meldon musste sich für die Jagd bereit machen, sein Pferd würde Merna übernehmen, das wusste er.

“Nein”, sagte Eloson und versank in seinem Thron.

“Meldon, hör mir gut zu! Ich spüre, wie meine Zeit abläuft. Ich weiß nicht warum, aber ich spüre es...”

“Nein”, flüsterte Meldon. “Ich werde für dich da sein”

“Du kannst nicht immer für mich da sein, lieber Meldon. Du bist derjenige, der hier meinen Platz einnehmen wird. Aber was wird passieren?”. Meldon blickte ihm tief in die Augen.

“Dein Bruder wirkt von Tag zu Tag unheimlicher. Er scheint mit jedem Erwachen mehr bösere Absichten zu haben.”

Meldon nickte zustimmend.

“Pass auf dich auf mein Sohn, ich glaube Ammon will den Thron für sich. Ja, er ist ein guter Kämpfer, aber ich würde ihm keinen Deut Macht anvertrauen. Vorletzte Nacht sah ich ihn auf den Mauern stehen. Er blickte lange in Richtung des Verbotenen Waldes. Ich weiß nicht, was er denkt, was er fühlt, er redet nicht sonderlich viel, aber mir scheint, er glaubt die Gerüchte seien wahr und der Geist existiert. Die folgende Frage wäre natürlich ob das Medaillon seinen Hals schmückt.”

“Warum sollte das Medaillon im Verbotenen Wald versteckt sein?”, fragte Meldon, der sämtlichen Gerüchten um den Geist und dem Medaillon Gehör geschenkt hat. Eloson schien offenbar ratlos und blickte zur Decke, was Meldon nicht sah, das unterdrückt gewollte Tränen aus seinen Augen liefen.

“Vielleicht starb er dort, fand aber keine Ruhe”, flüsterte Eloson leise, mehr zu sich selbst als zu seinem Sohn.

Meldon spürte, dass er seinen Vater besser allein ließ, erhob sich von seinem Kissen und gab dem König einen Handkuss.

“Die Jagd rückt näher, mein Vater, ich werde jetzt gehen!”, er drehte sichum und lief durch die Halle zurück.

“Ja, mein Sohn, pass auf dich auf!”

Nachdem Meldon seine Vorbereitungen getroffen hatte, erreichte er endlich sein gesatteltes Pferd. Wie dankbar er Merna doch war, dass sie ihm oft bei seiner Arbeit behilflich war. Als Andenken für die Abwesenheit bei der Jagd hatte sie eine dunkelviolette Veilchenelfenblume an den Sattel gesteckt. Er roch an ihr, der sanfte Duft der Lieblingspflanze seiner Liebe durchnebelte seinen Geist.

Und er saß auf. Gerade als er seine Position im Sattel gefunden hatte, durchlief ein eisiger Schauer seinen Rücken. Es war als würden tausend Speere ihn durchstoßen.

Er drehte sich um und am Ende des Platzes suchte sein Bruder Ammon sich einen Weg durch die dichtstehende Menge, was ihm nicht sehr schwer fiel. Die Pferde wichen zurück vor dem Anblick. Ammon war komplett in schwarz gekleidet, ein riesiger Umhang bedeckte die breiten Schultern und ließen die Stärke nur erahnen.

Alle fühlten sich in die Zeit der großen Kriege zurückversetzt.

Ein mächtiges Schlachtross trug Ammon. Schwarze Panzerung bedeckten Stirn und Seiten des Tieres. Hinter ihm folgten seine drei treuen Diener, die weit weniger Respekt erhielten. Sein Blick traf Meldon, der von dem hässlichen Grinsen Ammons tief durchbohrt wurde.

Nun verstand er endgültig, was sein Vater ausdrücken wollte.

Die Hörner der Stadt wurden erneut geblasen. Laut und niederschmetternd hallten sie bis in weite Ferne. Das Echo in den Stadtmauern ließ nach, da erschien der König zwischen den Häusern, er ritt langsam und von Stolz überdeckt zur östlichen Zugbrücke. Sein Pferd steuerte ihn zum Ende des Holzes, damit jeder ihn sehen konnte.

“Mein Volk, lange haben wir auf die Jagd warten müssen, doch nun ist sie da!”

Die Menge tobte.

“Haltet euch im Westen vom Tal der Sknavs fern! Gebt euer Bestes, aber verausgabt euch nicht zu sehr, denkt an die Feierlichkeiten nach der Heimkehr. Möge die Jagd beginnen!”

Jubel ertönte von allen Seiten, als die Hufe auf das Brückenholz schlugen und die Jäger die Stadt verließen. Der Tross ritt zügiges Tempo in Richtung Norden um den kleinen Wald schnell zu erreichen.

2. Die Jagd

Ein Pfeil zischte durch die Luft. Zwischen den Bäumen erklang ein lautes Heulen. Der Pfeil verfehlte sein Ziel nicht gänzlich und hatte den Ramben eineklaffende Wunde in seinen Hals gerissen. Die stolze Erscheinung des übermenschlich großen Tieres war Vergangenheit, die bunten Federn zitterten am ganzen Leib, als mehrere verrückt scheinende, mit Pfeil und Bogen bewaffnete Jäger aus dem Gebüsch schossen um ihn zu töten. Allein die Todesangst half dem Ramben die Hinrichtung abzuwenden, seine staksigen Beine setzten sich in Bewegung und liefen riesigen Schrittes zwischen die Bäume davon. Lautes Gebrüll folgte ihm, aber war nicht schnell genug.

Die so unendlich zu seiende Stille war damit gebrochen.

Jagdrufe und Todesschreie der Ramben hallten durch den kleinen Wald.

Als Echo durch die Bäume lallend, drangen sie bis zu Meldon vor, der sich jedes Mal aufs Neue wunderte warum sein Volk diesen schönen Lebewesen Leid zufügen konnte, wo man auch friedlich miteinander zu leben vermochte. Meldon überlegte, ob Ramben wohl schneller als Pferde seien und ob man so in kürzerer Zeit längere Entfernungen hinter sich ließ. Aber dieses zittrig wirkende Wesen war wohl nur im Wald besser geeignet, wo hingegen die Pferde Nachteile hätten. Wieder vernahm Meldon einen Rambenschrei.

“Euer Blutdurst wird nie enden!”, erwähnte eine leise Stimme, dessen Herrin auf Meldon‘s Schulter Platz fand.

Er räusperte sich.

“Aber ich bin froh, dass du dem Töten nicht verfallen bist und deine Sucht nach anderen Dingen strebt.”

“Ohne diese Sucht hätten wir uns nie kennen gelernt”, antwortete Meldon.

“Das stimmt, als kleiner Junge warst du oft im Wald um bei den Pflanzen und Tieren die Gegensätze zu beobachten in denen sie leben. Seitdem bist du viel gewachsen, aber ich bin die Gleiche geblieben.” Meldon schaute sie an.

“Du wirst auch ewig meine Kleine Manala bleiben, die alles weiß, aber niemand Wissen über sie besitzt.”

Manala musste kichern.

“Es hat eben auch Vorteile so klein zu sein.”

Es knackte. Meldon schaute erschrocken über die Schulter.

“Versteck dich!”, flüsterte er zu der kleinen Elfe, die sofort nicht mehr zu finden war, aber ihren Platz nicht verlassen hatte.

Sie folgte Meldon‘s Blick. Beide starrten in die Richtung, wo die Jagd sein musste, aber wer mag sich hierher verirrt haben?

Es knackte abermals. Diesmal hörten die Schritte nicht auf und die Geräusche kamen näher, bis Meldon ein riesiges schattenhaftes Tier ausmachte. Manala verschwand von seiner Schulter. Er spürte für kurze Zeit die Einsamkeit, die sein Körper erschlaffen ließ. Sich ebenso unsichtbar machen wollend, an einen alten Baum gepresst, harrte er aus. Doch plötzlich war er nicht mehr allein.

“Dein Bruder kommt, und wie es aussieht, nicht in Frieden. Du weißt, dass du ihm mehr als ebenbürtig bist Meldon, handle nach deinen Sinnen und hab keine Furcht!” Manala hatte ihren alten Platz eingenommen.

Meldon erhob sich und schaute gebannt auf das schwarze Ross, das aus dem Schatten stieg. Die schwere Rüstung schimmerte nicht. Sie wurde getragen als sei sie aus feinster Seide, so stark war das Tier. Die lange, dunkle Mähne ließ an manchen Stellen die bedrohlich und zugleich tödlich blitzenden Augen freie Sicht auf Meldon. Der aber schenkte dem Tier keinerlei Beachtung mehr, denn auf dessen Rücken saß Ammon.

“Sei gegrüßt, großer Bruder. Was treibt dich denn so weit abseits der Jagd?”

“Ich nehme nie daran teil. Mein Wille beugt sich dieser Tradition nicht!”, antwortete Meldon.

“Kannst du mir sagen, welches Volk einen König ehren soll, der alte Traditionen nicht schätzt und kein Tropfen Blut vergießen kann?”, forschte Ammon ihn an.

“Besser als ein König der schon zu viel Blut vergossen hat. Was treibst du abseits der Jagd, wo du doch so gut vorbereitet scheinst?”, versuchte Meldon ihn zu besänftigen.

“Ich führe meine eigene Jagd!”, sagte Ammon, ohne auch nur ansatzweise das vernarbte Gesicht zu verziehen. Er zog sein Schwert. Ein Hauch von Furcht überkam Meldon, doch er musste handeln. Blitzschnell führte er seine Hand an den Mund und ein schriller Pfiff entfuhr ihn, der hörbar sämtliche Vögel aus den Baumkronen fliehen ließ. Sogar Bagad, der sich weit entfernt befand, vernahm das Geräusch, da er es noch aus alten Zeiten von Meldon kannte und so wusste er, dass er sein Pferd rief.

Bagad fühlte keine Not und konzentrierte sich weiter auf den Ramben, der vor ihm einsackte und kreischend zu Boden ging.

Meldon entfuhr ein trotziges Lachen, was Ammon fast zur Weißglut trieb. Plötzlich ging alles ganz schnell. Aus dem Gebüsch hinter Ammon schoss Abrog hervor. Das Ross erschrak und ließ seinen Herren fast aus dem Sattel fallen, nachdem ihn Abrog‘s vorbeiziehender Windstoß traf. Meldon erkannte die Situation und krallte seine Hand an den Sattelriemen seines Hengstes, so dass dieser ihn mitriss. Er konnte sich gerade noch in den Sattel ziehen und sicheren Halt finden, bevor Ammons Schwert ihn traf, denn das Schlachtross hatte seinen Schrecken überwunden und folgte Abrog. Der Verzicht auf schwere Rüstungen zahlte sich für Meldon aus, und er erkämpfte sich einen kleinen Vorsprung.

Die Gegenden wurden dunkler. Hier und da schimmerten zwischen den vorbeiziehenden Baumstämmen schwach grün- leuchtende Elfen hervor, wobei sich Meldon nicht sicher war, ob es nicht doch neugierige Blicke der Sknavs waren, die jederzeit über ihn herfallen würden. Ammon, der die Beobachter nicht vernahm, hätte es sicherlich gefallen seinen Bruder so enden zu sehen. Seit Lebzeiten hat er auf den passenden Moment gewartet sein Dasein zu beenden, denn er sah nur sich auf den Thron Erkals. Dieser Wahn ließ ihn nicht vom Weg abkommen und er konnte den flinken Tritten Abrog‘s folgen. Sein Blick war jederzeit auf Meldon gerichtet, er wollte ihn nicht aus den Augen verlieren und er erkannte, dass sein Bruder langsam dem Schatten entkam.

Beide jagten in die Helligkeit und der Waldrand kam auch für Ammon immer näher. Meldon hatte die letzten Baumgruppen bereits hinter sich gelassen. Doch plötzlich war er verschwunden.

Ammon traute seinen Augen nicht. Er zügelte sein Ross und erreichte die Stelle, wo er Meldon zum letzten Mal gesehen hatte. Vor ihm tat sich das Tal der Sknavs auf und von weitem schon bestaunte Ammon die Höhlen der Tiere, die sich im Inneren des Gebirges wie ein Irrgarten schlängelten.

Direkt unter seinen Füßen führte ein Abgrund ein Stück weit in die Tiefe und nun wusste er wo der zukünftige König sich befand. Ammon genoss den Anblick, der sich ihm bot. Sein Bruder lag regungslos auf dem Boden, sein Kopf in den staubigen Sand gedrückt. Er vernahm nicht das kleinste Lebenszeichen. Abrog schnüffelte an seinen Herren und stupste ihn mehrmals an, doch nichts tat sich. Allein Ammon zeigte keine Reaktion ob des Opfers und beobachtete nur das Geschehen.

In Gedanken versunken sah er sich in der ewigen Halle sitzen, stolz und mächtig in den goldenen Thron gepresst. Vor ihm die tapfersten Soldaten des Landes, die sich der Ehre erfreuten die Aufständischen aus Krokas hinzurichten. Sirrende Schwerter gingen durch die Luft und Massen von Blut platschen auf den Boden. Ammon fühlte sich stolzer denn je in den goldenen Sitz und er spürte die Anwesenheit einer Person in seinem Rücken. Er wendete den Kopf und blickte einzig und allein auf den riesigen alten König, mit dem er sich verbunden fühlte. Er stand auf, watete durch die Blutlachen und Gedärme, die den Boden verschwinden ließen und entfernte sich von dem normal gewordenen Spektakel. Es zog ihn in den Verbotenen Wald.