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Schon sehr früh eine leidenschaftliche Schreiberin, drängte sich schon lange der Wunsch in mir auf, beizeiten ein Buch zu veröffentlichen und mich davon überraschen zu lassen, was daraus wird und ob überhaupt etwas daraus entsteht. Selbst wenn es nicht auf Anklang stossen sollte, so ist dies für mich doch eine wertvolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Inhaltlich liess ich mich teilweise frei von Episoden aus meinem eigenen Leben inspirieren, liess jedoch vor allem meiner Fantasie freien Lauf, denn ich wollte nicht explizit ein autobiographisches Buch schreiben. Mit meinen Geschichten möchte ich inspirieren, ungewöhnliche wie auch gewöhnliche Einblicke in andere Welten ermöglichen. Doch schlussendlich geht’s mir vor allem darum, meine Beweggründe offen zu legen, weshalb mir LPPFusion so wichtig ist und ich daran glaube, dass diese einen für uns alle wichtigen Durchbruch schaffen werden, bekommen sie die richtige Unterstützung, und unsere Welt damit verändern werden.
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Seitenzahl: 151
Veröffentlichungsjahr: 2026
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EIN TAGEBUCH FAST WIE EIN TAGEBUCH: SO ETWAS WIE EIN VORWORT
LET IT GO: RÜCKBLICK IN EINE ZEIT VOR WENIGEN MONATEN, WO ICH NOCH IN EINEM JOB DRIN WAR …
MISSGUNST UND WIEDER MAL EINE KÜNDIGUNG
DAS SCHULTRAUMA
DIE TOUR
BRIEF AN JEMANDEN,: DEN MIR DAS SCHICKSAL SCHICKTE, BEVOR ICH AUS DEM SAUSTALL RAUSGESCHMISSEN WURDE
KRANKGESCHRIEBEN: ANSICHTEN AUS DEM MOMENT
SHOULD I STAY OR SHOULD I GO: ANSICHTEN AUS DEM MOMENT VOR DEM RAUSSCHMISS
DAS VEGANE EXPERIMENT: ANSICHTEN AUS DEM MOMENT
HOCHINTELLIGENT, DOCH NICHTS ÄNDERTE SICH
ES IST NICHT SCHÖN, HOCHINTELLIGENT ZU SEIN
DER TALENTSCOUT
DER EINTRITT IN DIE WELT DER SCHLAPPHÜTE
DIE ALLTÄGLICHE BANALITÄT
DIE INFORMATIONS-BESCHAFFUNG, BASIS FÜR DIE GEGENWEHR
GEBROCHENE RIPPEN
DER ERSTE »AUTOUNFALL«
DER ZWEITE »AUTOUNFALL«
DIE SACHE
DIE NAHTODERFAHRUNG
DIE TOTEN VON HIROSHIMA
WER BIN ICH WIRKLICH, WOHER KOMME ICH?
DER UFO-TRAUM
DAS HAUS UND DAS FINSTERE LOCH
DER SCHAMANE
DER KUGELBLITZ, DER WAHRSCHEINLICH KEINER WAR
DIE BESESSENE KATZE UND DAS ZEITLOCH
DER ALTE KUNZ
DAS LAND, IN DEM ICH ENDLICH GESCHÄTZT WURDE
KULTURSCHOCK
DIE NEUE SCHULE
DIE ASTROPHYSIK UND DER BRUCH
DIE HEITEREN MOMENTE
DER RAUM
ON FIRE
DIE JOBHÜLLE, DIE MICH ZUR VISION FÜHRTE
DER DIMENSIONSTUNNEL
SCHLUSSWORT: DEN URKNALL HAT ES NIE GEGEBEN
SO ETWAS WIE EIN VORWORT
Als ich mit ungefähr vier zu lesen lernte, hatte ich noch keine Vorstellung davon wie es sein würde, selbst zu schreiben. Alemannisch sprechend, war Hochdeutsch eine fremde Sprache für mich, die ich zwar gut verstand, von einigen Ausdrücken abgesehen, doch nicht selbst ausformulieren konnte. Hochdeutsch waren für mich zuerst einmal die Radiosendungen, ohne die meine Mutter nie konnte, und dann natürlich das Kinderbuch, an welches ich mich nicht mehr erinnere ausser dass es in einem Breitformat gehalten war, jede Seite bebildert und am unteren Rand mit Text versehen. Mein Vater las mir immer wieder daraus vor, viel Text war da nicht, eine einzige, gross geschriebene Zeile unter jeder Zeichnung. Es könnten Aquarelle gewesen sein, für mich damals unwesentlich, vielmehr faszinierten diese magischen Zeichen, die mein Vater lesen konnte, ich jedoch nicht.
Mit der Zeit konnte ich den Text aus dem Kinderbuch auswendig und erkannte schnell die Zusammenhänge, die Klänge, die mit den verschiedenen Buchstaben einher gingen. Das Lesen war für mich etwas Magisches, das Geschriebene etwas, das ich nun langsam immer besser, immer fliessender zu lesen in der Lage war. Es sog mich in sich hinein, in einen Bann, ich begann, den Schweizerischen Beobachter zu lesen, von dem sich ein Stapel, mehr oder weniger zerlesen, in der Toilette auftürmte. Die bunten Bilder mit den Texten, die im Nebelspalter, einem bekannten Satire- Magazin, publiziert waren, zogen mich zwischendurch gar noch mehr in den Bann. Karikaturen nannte man sie früher mal, heute Cartoons, und egal wie man sie auch nennen will, kann ich auch heute noch für kaum etwas anderes mehr Begeisterung aufbringen als für diese von Ausnahmetalenten gezeichneten Wunderwerke ausser-gewöhnlicher Brillanz.
Sehr lange hatten meine Eltern den Nebelspalter leider nicht abonniert, in regelmässigen Abständen wurde meinen Eltern jedoch ein Schweizerischer Beobachter zugeschickt. Zu Beginn konnte ich noch keine ganzen Artikel lesen, zu anstrengend, und vieles verstand ich auch nicht. Mit der Zeit kamen Jugendbücher mit grosser Schrift und Illustrationen hinzu.
Im Alter von sechs oder sieben Jahren erhielt ich von meiner Grossmutter, die nebenan wohnte, eine Jahreskarte der öffentlichen Bibliothek, wo ich vor allem Comics entdeckte, die ich jedoch immer ins Elternhaus schmuggeln und dort gut verstecken musste, da meine Mutter deren angeblich schlechten Einfluss verteufelte und mir die Comics immer wegnahm, was mich fürchterlich ärgerte und ich auch nicht verstand. Auch heute verstehe ich noch nicht, warum Comics, mit Ausnahme gewisser Inhalte natürlich, zu welchen ich damals überhaupt keinen Zugang hatte, verteufelt werden können. Comics haben mich, so wie gewisse Bücher und das Schreiben, buchstäblich gerettet, ich hätte die genetisch bedingte chronische Migräne, die ich von Geburt an hatte und mir daher auch nie als solche bewusst war, unmöglich überstanden. Comics, Romane, Bücher über ferne Länder, altes Handwerk, Pflanzen und manch anderes ermöglichten es mir, mich in eine andere Welt hineinzuträumen, um aus meiner oft nicht mehr aushaltbare Existenz zu entkommen.
Das Schreiben nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Wie oft habe ich mich durch exzessives Tagebuchschreiben in Trance versetzt, neue Welten entdeckt und unermessliche Erkenntnisse gewonnen. Ohne das Schreiben hätte ich nicht nur eine Handvoll Selbstmordversuche unternommen, sondern mich auch wahrhaftig aus diesem Foltergefängnis von einem Körper katapultiert.
Die ganzen Tagebücher voller oft finsterer Bilder und Filme, voller Extreme und Eindrücke von jenseits des menschlichen Verstands, habe ich nie mehr angerührt, sie befinden sich in einem Korb in einem Bücherregal, von einem prall gefüllten Bürokorpus verstellt. Ob ich sie jemals wieder in die Hand nehmen werde, ist fraglich, ich wollte sie sogar einmal alle draussen in einer Feuerschale verbrennen. Etwas hielt mich davon ab, vielleicht weil das, was dort in Papier gebrannt wurde, eines Tages für die Nachwelt eine Rolle spielen wird.
Das Tagebuch spielt in meinem Leben also eine existentielle Rolle, das vorliegende Tagebuch nun spiegelt meine Gefühle, die Bilder und Filme in mir, die Erinnerungen und Schlüsse, die ich heute ziehe, wider, die ich heute, im Moment und jetzt gerade, empfinde, vor mir sehe, erlebe. Die Tagebücher aus meiner Vergangenheit stammen aus einem anderen Leben, bevor ich vor Jahren meine intensive Dauermigräne durch mehrfache operative Eingriffe losgeworden bin und dadurch endlich in ein gutes Leben eintreten konnte.
Tagebücher hatte ich immer von Hand geschrieben, Zugang zu einem Computer hatte ich nicht, und das Tippen auf einer alten Schreibmaschine fand ich viel zu mühsam. Als ich mir dann mit dem Lehrlingslohn einen für heutige Massstäbe unglaublich leistungsschwachen Laptop für eine Summe kaufte, die mir gut in Erinnerung geblieben ist und für welche man heute eine richtig leistungsstarke Maschine bekommen würde, wusste ich erst gar nicht wirklich etwas damit anzufangen. Es war schweisstreibend, nervenaufreibend, trieb mich immer wieder zur Verzweiflung, bis ich mich zu einem einjährigen Computer- Anwenderkurs anmeldete. Auch dort, Samstag für Samstag, jeweils vier Lektionen lang, kämpfte ich mich durch, schwitzte Blut, verzweifelte manchmal fast.
Doch es nahm langsam Form an und ich traute mich dank des Kurses, mich für das Abschlussjahr für Konstrukteure zu bewerben, wo ich als einzige von acht Bewerbern ausgewählt wurde. Ein Jahr lang schwitzte ich da oben im technischen Büro Blut, ich wachte nachts manchmal gar schweissgebadet auf, doch schaffte es irgendwie, als Konstrukteurin gut abzuschliessen.
Kurz nach meinem Auszug aus dem Elternhaus in eine Region, in welcher ich mich nunmehr seit mehr als zwanzig Jahren bewege, hatte ich den Laptop auf einen roten Küchenstuhl von IKEA gestellt, den ich auch heute noch besitze, und hockte mich auf einen Hocker davor. Irgendwie hatte ich es geschafft, den Computer ans Internet anzuhängen, ich erinnere mich an ein kleines Kästchen und das Piepen, Ächzen, Quieken und Krächzen beim Einwählen, und die Telefonrechnung, auf welcher jede Sekunde, jede Minute abgerechnet wurde.
In welchem Jahrhundert hatte ich damals bloss gelebt? Es erscheint mir nun so, wenn ich mich jetzt wieder daran erinnere, als hätte ich damals in einem anderen Leben gelebt, woran ich mich heute doch noch recht genau erinnere.
Die Leidenschaft für das Schreiben konnte ich sehr lange nicht vom handschriftlichen Festhalten in den Computer übertragen. Die ersten Anläufe mit einer Software, die ich bekam, scheiterten an krachenden Amokläufen und abgründigen Schimpftiraden. Wegen der Kosten für die Luftpost nach Japan versuchte ich, meiner japanischen Brieffreundin offline eine Mail zu schreiben, doch das mühselige Picken auf der Tastatur endete nicht selten mit kleineren Nervenzusammenbrüchen.
Es war also eine Frage der Zeit und ich sollte das Zehnfingersystem, mit welchem es zuvor nicht geklappt hatte, erlernen, ja ich wusste, dass ich nicht darum herumkam. Diese nervenaufreibende Picktechnik konnte ich einfach nicht länger ertragen, mir war zudem bewusst, wie schwer mein Leben ohne schnelles, elegantes Tippen sein würde. Es würde die Hölle, eine nie enden wollende Teufelsqual.
Woher ich dann eine andere Lernsoftware hatte, kann ich nicht mehr sagen, doch nach mehreren Anläufen, weil ich musste, schaffte ich es dann tatsächlich, endlich ins Schnellschreiben hinein zu kommen.
Damit begann die Ära der langen Mails, unter welchen auch heute noch manche leiden müssen und andere schätzen. Es handelt sich bei den Mails fast ausnahmslos um schnell getippte, nicht überarbeitende, jedoch authentische Rohtexte.
Das Schnellschreiben trieb ich auf die Spitze, als ich vor über zehn Jahren einen Job bekam, in welchem ich von Beginn weg kaum etwas zu tun hatte und einen Teil der Zeit mit langen Mails vor allem an Fantomas vertrieb. Allzu lange am Stück konnte ich jedoch auch dort nicht tippen, da sich die Arbeitskollegen nach einer Weile am Geklapper der Tastatur störten.
Ich hatte mir damals eines der ersten Surfaces angeschafft, auf dessen Tastatur man fast geräuschlos arbeiten konnte. Dieses wäre auf dem Schreibtisch in dem Grossraumbüro jedoch zu sehr aufgefallen, und eine lautlose Tastatur war damals noch sehr teuer. Ein Balanceakt, doch dank dieses Schlafjobs kam ich überhaupt erst so richtig ins flüssige Schreiben hinein. Ich habe in dieser Zeit rund achthundert A4-Seiten gefüllt.
Viel lesen und viel schreiben, üben, üben, üben, selbst dann schreiben, wenn einem nichts gelingt.
Nachdem das immerhin sehr lange lebende Surface unlängst die Gewohnheit annahm, viel zu schnell zu überhitzen, zog ich es aus Sicherheitsgründen aus dem Verkehr. Ich kaufte mir ein etwas kleineres Surface, ein Ausstellungsmodell für sehr wenig Geld, welches ich neu aufsetzte und nun zum Schreiben verwende. Man kann es überallhin mitnehmen, im Bett sitzend schreiben, an einem Tisch sitzend. Tolle Sache, die ich mir früher gewünscht hätte, mir jedoch nicht einmal vorstellen konnte, da es damals ja noch nichts Vergleichbares gab.
Nach über einem Dutzend Jobs, die fast alle mehr oder weniger als Bullshit- Jobs etikettiert werden müssen, habe ich mich dazu entschlossen, Bestseller- Autorin zu werden mit der Absicht, davon möglichst bald und gut leben zu können und nie mehr auf einen einfallslosen Standardjob angewiesen zu sein. So ist der Plan.
RÜCKBLICK IN EINE ZEIT VOR WENIGEN MONATEN, WO ICH NOCH IN EINEM JOB DRIN WAR …
Erst kürzlich ass ich noch Fleisch, ein paar Scheiben saftigen Schinkens anlässlich der jährlichen Generalversammlung unseres Schützenvereins. Dazu grüner Salat und Karottenraspel mit nicht veganer Sauce, trotzdem sehr lecker, so wie immer. Ein paar schöne Gratins sowie ein Weissrüben- Gemüse an einer Rahmsauce, auch das nicht vegan. Ein sehr schokoladehaltiges, ultrasüsses Dessert mit Vanillesauce, ebenfalls nicht vegan. Vegan waren wahrscheinlich nur die Brotstückchen mit selbstgemachtem Tomatenaufstrich.
Eigentlich wollte ich mich ja vegan ernähren, doch ich beschloss, an besagtem Anlass noch einmal Allesfresser zu sein, der ich immer war, und somit den Abschied davon gebührend zu feiern. Die Umstellung auf vegane Ernährung soll eine Übertrittsphase in eine andere Ernährung sein.
Vielleicht könnte mir das sehr tierprodukthaltige Ernährungsselbstverständnis im Schützenverein in Hinsicht auf künftige kulinarische Anlässe Angst machen, doch das tut es nicht, man verliert nicht das Gesicht, wenn man auf Fleisch verzichtet.
Bevor wir dort hingefahren sind, habe ich mir den Film »The Meta Secret« von Mel Gill angehört. Nicht angeschaut. Ich habe versucht, das Gesprochene aus der viel zu lauten musikalischen Unterlegung herauszufiltern.
Was bei mir eine Woche davor zwar schon irgendwie hängen geblieben war, jedoch nicht obenauf schwamm, mich noch nicht direkt angesprochen hatte, war die wiederholte Aussage »let it go«. Lass es gehen, lass es einfach sausen, es spielt keine Rolle mehr, es liegt in der Vergangenheit.
Natürlich ist die Vergangenheit prägend, auch wenn ich sie auf Teufel komm raus nicht zurückhaben will, doch einfach so vergessen kann ich sie natürlich nicht. Ich müsste dafür ja meine gesamte Erinnerung löschen und, wie nach einer Geburt, von Grund auf neu beginnen.
Was machen wir also mit den Dingen aus der Vergangenheit, mit den ach so vielen schlechten, bösen Dingen, die mich so lange kaputt gemacht haben? Was tun mit jemandem wie mich, der ständig auf Draht sein muss, weil er keine nennenswerten energetischen Reserven hat, nie welche hat aufbauen können? Der manches einfach nicht verträgt und geschont werden muss, um sich am darauffolgenden Tag nicht fürchterlich durchquälen zu müssen? In einem Saustall von Firma sitzend, mittendrin in einem falschen Film, und sich ausmahlend, wie schön es jetzt wäre, sich einfach in eine Blumenwiese zu legen und diesen Körper, ja alles Materielle, vollkommen friedlich hinter sich zu lassen und abzulegen wie ein Tuch, das einem wie eine Fessel schon bei Geburt umschlungen wurde und mich bis heute auf eine unverzeihliche Weise einengt?
Was soll ich nun also loslassen? Jetzt gleich, mit aller Konsequenz? Den Job natürlich, denn ich sollte, nachdem ich ja so viel Geld für Operationen ausgeben musste, um eine Lebensqualität zu haben, nicht einfach weiter in diesem Saustall ausharren, sondern dort einfach locker vom Hocker machen, was gemacht werden muss, nicht mehr und nicht weniger. Mich am besten nicht anstrengen, sondern einfach machen, und dabei nach dem Leben, das meines sein sollte und auch meines sein wird, Ausschau halten. Es ist irgendwo da draussen, ich weiss es, und ich muss mich selbst dahin bewegen. Ganz alleine, so, wie ich dies bereits tun musste, um all diese genetischen Katastrophen auszuhebeln, die mich durch die Hölle hin und zurück geschickt hatten, durch das gesamte Programm eines Foltergefängnisses getrieben hatten.
Der Arbeitskollege, der eigentlich an seinem Teich sitzen und angeln sollte, der tagein, tagaus seine kranke Frau zu Hause umsorgen sollte und der meint, unentbehrlich zu sein, sollte ebenfalls endlich mal loslassen. Let it go. All sein Fachwissen, welches er in seiner beruflichen Laufbahn angesammelt hat, einfach mal loslassen, an uns alle weitergeben. Let it go. Doch er kann das nicht, und ich leide darunter, ich und andere.
Wie soll ich mit jemandem verfahren, der mir einfach nicht glaubt, dass ich geballte Information brauche, um effektiv oder überhaupt erst nennenswert lernen zu können? Der manchmal selbst durch einfachste Fragen überfordert ist und es nicht lassen kann, mich mit ihm selbst und seinen geistigen Kapazitäten zu vergleichen? Nein, dumm ist er nicht, ich mag ihn auch, doch ich kriege kaum Informationen aus ihm heraus. Er versteht einfach nicht, dass ich geschult werden muss, um seine Arbeit zeitnah übernehmen zu können. Theoretisch versteht er es zwar, praktisch jedoch nicht. Wie kann es bei jemandem nur so haken?
Er ist ein Migräne- Kind, so nannte er sich einmal, litt erst letzte Woche wieder einmal, wie so oft, unter fürchterlichen Kopfschmerzen. Kaum jemand, der das besser versteht als ich. Auch ich war, bevor ich mich mehrmals operieren lassen habe, ein Migräne- Kind. Trotzdem habe ich deswegen kaum jemals jemanden angegiftet, schon gar nicht verbal angegriffen. Mancher in der Firma hat offenbar auch ohne Migräne nicht verstanden, dass man mit anderen höflich umgehen sollte …
Ich habe, weil ich anders nicht weiterkam, ein Fachbuch der Holztechnik in eine Buchhandlung bei uns in der Nähe bestellt und später dort abgeholt. Meine Geduld ist schon länger aufgebraucht. Ich bin zu oft aufgelaufen und musste also handeln.
Das ständige Anpassen nach unten ist nicht richtig, mein Umfeld, überhaupt die gesamte Umwelt, muss endlich mal lernen zu akzeptieren, dass es auch noch Leute gibt, die vielleicht ein wenig intelligenter sind als sie selbst. Trotz Covid, trotz der Verblödung in Schulen und eine gefühlt endlose Verdummung durch eine unerträglich lange Verkettung an Bullshit-Jobs und zumeist dämlichen, unfähigen Vorgesetzten, verfügen mindestens 92 % der oft nicht so lieben Mitmenschen über einen geringeren IQ als ich. Ich bekomme dies fast täglich zu spüren. Der IQ spielt eben DOCH eine Rolle, auch wenn es die meisten nicht wahrhaben wollen, besonders nicht ein gewisser C, der sich gerne furchtbar aufplustert, obwohl oder gerade, weil er keine Leuchte ist.
Zu viel IQ für zahlreiche Bildungseinrichtungen, zu viel für all die missgünstigen Vorgesetzten und Arbeitskollegen, das ist meine leidige Bilanz.
Die Missgunst anderer, die mit mir nicht klarkommen, weil sie mit sich selbst nicht klarkommen, ist etwas, mit dem ich meist erstaunlich gut umgehen kann, doch manchmal engt es mich auch fürchterlich ein. Ich kann mit der Selbstverleugnung kaum mehr umgehen, weil es immer unerträglicher wird, wenn ich mich verstellen und verstecken muss, eine Rolle spielen muss. Auch früher hat es mir nie gutgetan. Verstellen muss ich mich jetzt auch nicht mehr, ich habe das Glück, keinen Fuss mehr in diesen Dreckstall setzen zu müssen, denn man hat mich dort rausgeschmissen. Unter einem Vorwand natürlich, was denn sonst. In einem anderen Buch werde ich genauer darauf eingehen.
Let it go – auch die Musiknoten werde ich jetzt sausen lassen. Diese Musiknoten, auf die ich so festgefahren wurde, dass sie mich unfrei machten. Klassische Musik ist schön und gut, aber sie wird fast überall gleich gespielt, entwickelt sich kaum weiter, lebt nicht richtig. Anders die Bluegrass Music, wo viele nicht einmal die einfachen Tabulaturen lesen können, wo niemand die Texte abliest, kaum jemand nach Noten spielt. Wo ein Song von fast jedem wieder anders gespielt wird. In einem der drei Songbooks ohne Tabulatur, welche ich neulich erworben habe, hatte ich unter einem Songtext schon damit angefangen, eine Tabulatur aufzuschreiben. Doch dann kam mir eine andere Tabulatur unter, die mir noch ein wenig besser gefällt und beschloss daraufhin, keine Tabulaturen zu notieren. Viel besser noch gefällt mir der Gedanke, einmal diese, ein andermal die andere und irgendwann gar die eigene Version zu spielen. Furchtbar, diese immer gleichen Noten, mich würgt das innerlich ab.
Auch wenn ich noch nicht an Jamsessions mitspielen kann, so werde ich alle paar Monate eine besuchen. Dank der drei Songbooks verfüge ich nun über mehr als 150 Songtexte von Songs, die ich, mit sehr wenigen Ausnahmen, noch nie gehört habe.
Mein Banjo ist ein Anfängermodell, nicht perfekt, nichts für mein absolutes Musikgehör, doch ich liebe es trotzdem. Die Saiten sind etwas zu eng aneinandergereiht, enger als bei den Modellen, die ich mal bei der Jamsession gesehen habe. Ich werde es sehr wahrscheinlich behalten, die Herausforderung der eng angeordneten Saiten könnte meine Technik verbessern. Es soll einem ja nicht zu leicht gemacht werden, im Leben genauso wenig wie in der Musik, nicht wahr …
