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Bei der Aufklärung eines Verbrechens in dem kleinen Ort Q. wird ein mysteriöses Portrait und eine Familienchronik aus der französischen Revolution von 1789 gefunden. Die Chronik berichtet zunächst von den dramatischen Ereignissen auf einer Baumwollplantage in Louisiana, die dazu führen, dass der junge Amerikaner Julien 1787 nach Frankreich zu seinem Onkel, den Baron Henry de Brandt reist. Auf dessen Schloss Q. geschehen zwei Morde, die Adrien, dem Jäger des Barons, angelastet werden. Adrien entzieht sich auf kühne Weise der Justiz und schließt sich im revolutionären Paris einer Verbrecherbande an. Als er erfährt, dass sich auch der Baron und Julien in Paris aufhalten, versucht er sich an ihnen zu rächen. Den Gejagten gelingt mit knapper Not die Flucht aus dem von königlichen Truppen eingeschlossenen Paris auf ihr Schloss Q. Mit Hilfe des verschlagenen Politikers Piqueur macht Adrien eine Karriere vom Bandenchef zum Revolutionskommissar. Damit beginnt für Schloss Q. eine heiße Phase. Am 13. Juli 1793 wird der Revolutionsführer Marat ermordet. In Paris verschärft sich die Versorgungslage, die Radikalen schreien nach Rache und die Köpfe der Adligen rollen. Auch für Baron de Brandt und seine Angehörigen geht es um Leben oder Tod. Es fragt sich nur, wer schneller ist: der Henker mit seiner Guillotine oder Baroness Regine mit ihrem Rettungsplan oder der rachedurstige Jäger Adrien. Im Roman werden historische Fakten, Zitate und Augenzeugenberichte verwendet. ISBN: 978-3-7450-5080-6 (ebook) oder 978-3-7450-3118-8 (Softcover)
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Seitenzahl: 351
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Ronald Fuchs*******Das Portraitder Toten Roman
ImpressumBuchtitel: Das Portrait der Toten Autor: Ronald Fuchs Copyright: ©2017 Ronald Fuchs Verlag/Druck: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.deISBN 978-3-7450-3118-8 (Softcover)ISBN: 978-3-7450-3117-1 (Hardcover)Diese Publikation ist in derDeutschen Nationalbibliothek verzeichnet: https://portal.dnb.de/
Der RomanDas Portrait der Totenist meiner lieben MutterRose-Lene Fuchs, geb. Brandt (*12.12.1921 in Wilhelmshaven, †20.06.2012 in Köln) gewidmet.
Inhaltsverzeichnis des RomansDas Portrait der TotenIm Ort des Verbrechens01. ― Das Haupt 02. ―Zum Postillion 03. ―Die Erleuchtung 04. ― Der schwarze Pier 05. ―Unter Verdacht 06. ―Das Spukschloss 07. ―Die Spur 08. ―Der Kelch 09. ―Das Pokerspiel 10. ―Die StreitaxtDie Aufzeichnungen der Baronin Rose-Lene de Brandt11. ―Chapitre I ―Der Brief 12. ―Chapitre II ―Die Ereignisse in Louisiana 13. ―Chapitre III ―Rivalen 14. ―Chapitre IV ―Hinkefuß 15. ―Chapitre V ―Das Sommernachtsfest 16. ―Chapitre VI ―Die Soiree 17. ―Chapitre VII ―Der Überfall 18. ―Chapitre VIII ―Die Säuberung 19. ― Chapitre IX ―Der Kommissar 20. ― Chapitre X ―Das Portrait ------- 21. ―Der Schatz
Das Portrait der Toten Im Ort des Verbrechens1/21― Das Haupt
„Ich hab's doch gewusst! Du hast dich schon wieder verfahren ‒ und das bei diesem Unwetter! Immer verfährst du dich! Dabei bist du doch schon einmal hier gewesen ‒ und trotzdem verfährst du dich!“ „Ich war noch nie hier, Liebling.“ „Du hast mir doch selbst erzählt, dass du schon einmal an der Loire gewesen bist!“ „Ja, vor sieben Jahren, kurz vor unserer Hochzeit ‒ aber nicht hier, sondern in der Gegend von Nantes. „Natürlich ‒ und auf unserer Hochzeitsreise bist du dann mit mir nur an die Nordsee nach Büsum zu deinem Onkel gefahren.“ „Wir hatten doch damals nicht viel Geld und das Haus von meinem Onkel stand leer, weil er mit einem Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus lag.“ „Tja, das war eine billige Hochzeitsreise für dich gewesen: kostenloses Hausen ‒ denn Wohnen konnte man das ja wohl nicht nennen, in dem Saustall! Und sagtest du gerade "Haus" zu der Kate deines Onkels?“ „Na, so schlimm war es ja nun auch wieder nicht.“ „Es war sogar noch schlimmer! ‒Erst musste ich den Dreckstall deines Onkels aufräumen und putzen ...“ „Nur ein paar Kleidungsstücke in den Schrank hängen und etwas Geschirr spülen.“ „Und die herumliegenden Zeitungen und die vollen Aschenbecher und die halbvollen Groggläser?“ „Da war nur ein Glas und eine Zeitung und ein voller Aschenbecher.“„Nein, da waren zwei Gläser und zwei Aschenbecher und überall Staub und der Mülleimer war auch voll, und ich musste das alles wegmachen ‒ auf meiner Hochzeitsreise!“ „Ich habe dir doch geholfen.“ „Das wäre wohl auch noch schöner gewesen, wenn du dich einfach aufs Sofa gelegt und mich hättest schuften lassen ‒ nach der anstrengenden Reise in unserem kleinen Auto!“ „Ich bin doch gefahren, du warst nur Beifahrerin.“ „Ja, meinst du vielleicht, dass mich die Fahrt nicht angestrengt hat? Willst du mir jetzt vorwerfen, dass ich nicht Autofahren kann? Ich habe nun mal keinen Führerschein!“ „Ich werfe dir gar nichts vor ‒ aber müde war ich auch und habe dir trotzdem geholfen.“ „Das war ja auch keine große Arbeit. ‒ Außerdem mussten wir dauernd deinen Onkel im Krankenhaus besuchen.“ „Du bist nur zweimal mitgekommen ‒ bei unserer Ankunft, weil wir den Hausschlüssel abholen mussten und vor unserer Abreise, um ihn wieder zurückzugeben. Das hat jeweils nur zehn Minuten gedauert, also zusammen ganze zwanzig Minuten von zwei Flitterwochen.“ „Das waren keine Flitterwochen, das waren Zitterwochen da oben an deiner Nordsee!“ „Wir hatten auch ein paar schöne Tage.“ „Auch an den "schönen" Tagen war es eisig kalt an deiner Nordsee, und dauernd wehte der Wind und machte hohe Wellen.“ „Warum störten dich die Wellen? Du gehst doch sowieso nicht ins Wasser, weil du nicht schwimmen kannst, und in die Sonne legst du dich auch nicht, weil du Angst vor einem Sonnenbrand hast.“ „Was kann ich dafür, dass meine Haut so empfindlich ist?! ‒Jedenfalls fährst du mit mir immer nur dahin, wo das Wetter schlecht ist!“„Entschuldige mal, Edith, für das Wetter kann ich nun wirklich nichts!“ Es wurde dunkel und Robert schaltete die Scheinwerfer ein. „Pass auf wo du hinfährst! Beinahe wären wir im Graben gelandet! Willst du mich umbringen?“ kreischte seine Frau Edith auf dem Beifahrersitz. „Ich passe schon auf, Liebling. Es ist ja nichts passiert.“ „Nur, weil ich dich rechtzeitig gewarnt habe!“ „Ja, Liebling, natürlich.“ „Sag nicht immer "Liebling"! Konzentriere dich lieber auf diese schmale Straße und fahr langsamer! ‒ Dieser Regen wird auch immer stärker. Genau so, wie an deiner Nordsee ‒ immer nur Regen!“ Der Wagen machte ein verdächtiges Geräusch. „Was war das? Hast du das gehört?“ „Ja, Lieb...., reg dich nicht auf.“ „Ich soll mich nicht aufregen? Der Wagen geht kaputt in dieser Einöde, bei strömendem Regen und ich soll mich nicht aufregen?!“ „Wir sind nicht in der Wüste. Hier gibt es Ortschaften mit freundlichen Leuten, die uns helfen werden.“ „Wo denn? Ich sehe keine! Und das sag' ich dir gleich: ich steige bei diesem Wetter nicht aus!“ Der Wagen fing an zu ruckeln. „Hahaa, jetzt bockt dein Autochen auch noch wie ein Rodeopferd. Fahren wir noch oder reiten wir schon? Bleib bloß nicht stehen bevor wir ein Hotel gefunden haben ‒ dann ist mir alles egal. ‒ Wenn ich das vorher gewusst hätte, wär' ich gar nicht erst mitgefahren. ‒ Das Geruckel ist ja unerträglich!“ „Ich schalte mal einen Gang zurück, vielleicht wird es dann besser.“ Robert schaltete. „Tatsächlich, ein Wunder, dein Autochen bockt nicht mehr ‒ dafür ist es jetzt langsam wie eine Schnecke.“ „Wir sind im Urlaub, wir haben Zeit.“ „Aber ich habe Hunger und bin müde und will ins Bett, und wenn du weiter so herumzuckelst, werden alle Restaurants und Hotels geschlossen sein und wir werden hungrig im Auto übernachten müssen! ‒ Aber das sage ich dir: wenn du mir das zumutest, fahre ich morgen mit der Bahn erster Klasse zurück nach Hause!“ Während Robert noch das Für und Wider dieser Option erwog, tauchte vor ihnen im Scheinwerferlicht die Einfahrt zu einem burgartigen Landsitz auf. Das schmiedeeiserne Hoftor stand offen und die Fenster in der ersten Etage waren hell erleuchtet. „Fahr sofort da rein und frag nach dem Weg!“, befahl Edith. „Warum? Wir müssen einfach nur der Straße folgen, dann kommen wir automatisch in die nächste Ortschaft.“ „Du gehst da jetzt rein und fragst, wo das nächste Hotel ist! Das kann man wohl mindestens von dir verlangen, nach dieser Fahrerei!“ Robert fügte sich, fuhr auf den Hof und hielt vor dem Portal des Gutshauses. Blitze zuckten, der Donner grollte, der Regen trommelte aufs Autodach. Robert zögerte. „Na los, steig aus! Worauf wartest du?“, drängte ihn Edith ungeduldig. „Landhäuser werden oft von großen Hunden bewacht“, gab Robert zu bedenken. „Siehst du hier irgendwo einen Hund?“, fauchte Edith. „Bei diesem Wetter geht doch kein Hund vor die Tür! ‒ Also los, steig aus!“ Robert verließ den Wagen und eilte zum Hauseingang. An der Decke des Vordaches schaukelte quietschend eine Laterne im Wind und verbreitete ein fahles Licht. Huschte da nicht eben jemand über den Hof? Die schwere hölzerne Eingangstür war nur angelehnt. Er zog an der Türglocke und hörte ihr schrilles, durchdringendes "Bimbim, Bimbim." Er wartete. Nichts rührte sich. Er läutete noch einmal. Wieder nichts. ‒ Vorsichtig öffnete er die Tür einen spaltbreit und blickte in eine geräumige Eingangshalle, die nur von einer alten bronzenen Petroleumlampe beleuchtet wurde. Der Fußboden war mit hellgrauen Fliesen belegt. In der Mitte waren farbige Mosaiksteine zu einem Wappen zusammengefügt. Robert scheute sich, ungebeten einzutreten. Gerade wollte er wieder zum Wagen zurück gehen, als er Edith durch das geöffnete Seitenfenster keifen hörte: „Nun geh schon hinein, die Tür ist doch offen! Wie lange soll ich denn noch warten?“ Zögernd betrat Robert die Eingangshalle. Hinter ihm fiel die Tür zu. Robert erschrak. Schnell drehte er sich um und zog an der Türklinke. Gott sei Dank, die Tür öffnete sich wieder, der Rückweg war noch frei. Robert fühlte sich als Eindringling unbehaglich, wagte aber nicht, sofort umzukehren. Er wollte ein Weilchen hier an der Tür stehen bleiben. Dann würde Edith glauben, er habe mit dem Hausherrn gesprochen. Die Halle war unmöbliert. Auf der linken und rechten Seite vom Eingang befanden sich vergitterte Fenster, durch die der gespenstische Schein der schaukelnden Außenlaterne fiel. „Hallo, ist jemand zu Hause?“, fragte Robert zaghaft in die Stille. Visavis der Haustür, auf der anderen Seite der Halle, führte ein unbeleuchteter Korridor ins Innere des Gebäudes. Ein schwacher Lichtschein fiel aus einem Zimmer in diesen Gang. Magisch angezogen bewegte sich Robert in Richtung des dunklen Korridors. Er erreichte die Mitte der Halle und stand nun auf dem im Boden eingelegten Hauswappen unter der Petroleumlampe. Es zeigte einen Ritterhelm und einen Schild, auf dem eine Rose prangte. Robert trat einen Schritt vor, weil er nicht auf dem Wappen stehen wollte. Nun war die Deckenlampe hinter ihm und blendete ihn nicht mehr, sodass er jetzt sehen konnte, dass da etwas schwarz gerahmt über dem Flureingang hing. Er trat noch einen Schritt näher. Was für ein Bildnis! Es schien ihn anzublicken. Robert ging noch näher heran ‒ dann erkannte er zu seinem Schrecken, was dort vor einem dunklen Hintergrund mit stechenden Augen auf ihn herab blickte: der von wirren roten Haaren, von denen drei Strähnen wie Blutspuren auf dem bleichen Antlitz lagen, umgebene Kopf einer Frau. Robert machte auf dem Absatz kehrt und rannte aus dem Haus ‒ fast so leichenblass wie das Gesicht in dem schwarzen Schellackrahmen.
2/21― Zum Postillion
„Weißt du jetzt den Weg?“, fragte Edith als Robert in den Wagen stieg und fügte gleich hinzu: „Verfahr' dich bloß nicht wieder!“ Noch schaudernd tuckerte Robert durch das Hoftor. „Ist das auch der richtige Weg?“, zweifelte Edith schon nach ein paar Minuten. „Ja, Liebling, ich glaube schon.“ „Was soll das heißen ‒ ich glaube? Weißt du es, oder glaubst du nur, es zu wissen?“ Noch bevor Edith richtig in Fahrt kommen konnte, tauchten aus der Dunkelheit Häuser und ein Ortsschild mit dem Namen Q. auf. „Siehst du, da ist ein Dorf“, sagte Robert aufatmend. „Ja, ein Kuhdorf ‒ wahrscheinlich ohne Hotel“, grantelte Edith. Mit stotterndem Motor erreichten sie den Dorfplatz und blieben vor dem Gasthof Zum Postillion stehen. Robert stieg aus und spurtete durch den strömenden Regen zum Eingang. „Frag nach einem Zimmer!“, rief ihm Edith überflüssigerweise nach. Triefend nass betrat er den Schankraum und erntete mitleidige, aber auch neugierige Blicke von der Wirtin, einer drallen Brünette, und den vier alten Kartenspielern an dem großen Eichentisch. Robert grüßte und fragte nach einem Zimmer. Die Wirtin bot ihm ein mit Blümchentapete verziertes Fremdenzimmer im ersten Stock an. Robert holte Edith und die Koffer. Während des Abendessens murrte und mäkelte Edith ständig. Das Gasthaus war ihr nicht fein genug und die Treppe zu steil. Nach dem Essen war sie jedoch müde und ging schlafen. Robert blieb in der Wirtsstube, bestellte sich einen Loirewein und fragte die Wirtin nach dem Gutshaus. „Dort wohnt die Baronin. Ihrer Familie hat früher das ganze Dorf mit dem Land drumherum gehört. Warum fragen Sie, Monsieur?“ „Weil ich vorhin in dem Haus gewesen bin, um nach dem Weg zu fragen. Aber es hat sich niemand gezeigt, obwohl im Obergeschoss Licht brannte.“ „Dann war auch jemand zu Hause“, sagte die Wirtin. „Aber, Monsieur, wie sind Sie denn in das Haus hineingekommen, wenn ihnen niemand geöffnet hat?“ „Die Tür war offen.“ „Ach ‒ und da sind Sie einfach hineinspaziert?“ Die Wirtin schaute missbilligend. „Nur bis in die Eingangshalle“, antwortete Robert verlegen. „Dort habe ich gerufen und kurze Zeit gewartet. Als niemand kam, bin ich wieder gegangen.“ „Nun“, meinte die Wirtin, „wenn das Licht brannte und die Eingangstür offen war, muss die Baronin zu Hause gewesen sein. Vielleicht haben sie nicht lange genug gewartet.“ „Kennen Sie die Baronin persönlich?“, fragte Robert. „Nein, ich habe sie noch nie gesehen, aber mein Mann kennt sie. Wir haben dieses Wirtshaus von ihr gepachtet.“ „Ich habe vorhin dort in der Vorhalle etwas ganz Schreckliches gesehen: das gerahmte Haupt einer Toten!“, berichtete Robert aufgeregt. „Nein, nein, junger Mann“, mischte sich ein wohlbeleibter älterer Herr aus der Kartenspielerrunde ein, „das habe ich auch geglaubt, als ich es zum ersten Mal sah. ‒ Aber tatsächlich ist es nur ein Ölbild. Es ist wirklich grausig anzusehen und erschreckt jeden, wie der Kopf der Medusa. Es ist ein wahres Meisterwerk. Ich würde gern mehr über dieses seltsame Portrait wissen und habe die Baronin auch schon danach gefragt ‒ aber leider vergebens.“ „Sie kennen die Baronin persönlich?“ Robert war wie elektrisiert. „Ich kenne hier jeden. Ich bin nämlich der Dorfpfarrer“, lachte der Alte und reichte Robert die Hand. Robert stellte sich dem Pfarrer und dessen Freunden vor. „Sind Sie ein Verwandter unserer Baronin Rose-Lene de Brandt?“, fragte der Pfarrer überrascht. „Ja, ich bin ihr Enkel. Mein Vater, der kurz vor meiner Geburt verstorben ist, war ihr Sohn. Auch meine Großmutter kenne ich nicht persönlich. Meine Mutter und ich hatten überhaupt keinen Kontakt zu ihr. Sie war gegen die Heirat meiner Eltern, weil sie die Deutschen nicht mochte. ‒ Eigentlich bin ich nur hier, weil ich mich verfahren habe, aber jetzt freue ich mich darauf, morgen den Geburtsort meines Vaters besichtigen zu können.“ „Na, dann sollten Sie aber auch ihre Großmutter besuchen“, meinte der Pfarrer. „Ich weiß nicht, ob ich ihr überhaupt willkommen bin“, sagte Robert zögernd. „Nun, das werden wir ja sehen. ‒ Kommen Sie morgen früh erst einmal zu mir in die Kirche. Nach der Messe nehme ich ihnen die Beichte ab. Anschließend werden wir hier im Gasthaus zu Mittag speisen und dann, nach ein paar kleinen Pastis, gehen wir zu ihrer Großmutter.“ Robert war etwas verblüfft über des Pfarrers Ansinnen, ihm die Beichte abnehmen zu wollen, beschloss aber leicht amüsiert, dem Wunsch seiner Geistlichkeit nachzukommen, weil ihm der kauzige alte Kerl sympathisch war.
3/21―Die Erleuchtung
„Hast du dich nach einer Werkstatt erkundigt?“, fragte Edith ihren Mann beim Erwachen am nächsten Morgen. „Liebling, heute ist Sonntag, heute wird nicht gearbeitet“, gähnte ihr Mann. „Aber morgen ‒ und heute kannst du dein Schrottauto schon vor die Werkstatt fahren ‒ wenn das überhaupt noch möglich ist! Du weißt doch, wo die Werkstatt ist, nicht wahr? Du hast dich doch erkundigt ‒ oder etwa nicht?“ Robert schluckte: „Nein, Liebling.“ „Ich hab's doch gewusst! Du hast es vergessen! Willst du denn ewig in diesem blöden Kuhdorf bleiben? Was hast du denn gestern Abend solange da unten in der Kneipe gemacht?“ „Ich hatte ein interessantes Gespräch mit dem Dorfpfarrer. Er hat mich zur Messe eingeladen.“ „So, zur Messe, dann wirst du jetzt wohl auch noch fromm? ‒ Es ist nicht zu fassen: der Mann hat ein kaputtes Auto und unterhält sich mit dem Pfarrer! ‒ Mit dem AUTOMECHANIKER musst du reden, oder glaubst du, der Pfarrer kann dein krankes Auto gesundbeten?“ Edith war wieder voll in Fahrt. Robert kleidete sich rasch an und flüchtete in die Gaststube. Nach einem hastigen Frühstück schlenderte er durch den ruhigen Ort mit seinen alten Bauernhäusern. Eine mit Feldsteinen gepflasterte Allee führte durch Felder und Wiesen geradewegs zu einem schmiedeeisernen Gittertor in einer langen, hohen Mauer. Hinter dem Tor war in einem verwilderten Park schemenhaft ein dunkles Gemäuer erkennbar. Robert ging ins Dorf zurück, wobei er sich immer wieder nach dem Gittertor und dem Park umdrehte, mit dem unangenehmen Gefühl, beobachtet zu werden. Die Straße endete an der Dorfkirche, einem einfachen, schmucklosen Feldsteinbau mit einem Glockentürmchen über dem Eingang. Nur durch einige kleine, verstaubte Fenster hoch über dem Altar im Osten, an den Seitenwänden und über dem Eingang im Westen fiel Licht in das schlichte Kirchenschiff mit seinen alten, abgewetzten Holzbänken. Unter einem großen Eichenkreuz an der Wand hinter dem Altar hing ein Tabernakel. Ein pausbackiger Bauernjunge legte eine schwere Bibel auf den Altar und zündete die Kerzen des dreiarmiger Bronzeleuchters an. Robert setzte sich in die erste Bankreihe. So konnte er im Licht der Kerzen das Bild auf dem geöffneten Tabernakel besser sehen. Es zeigte die Auferstehung Christi. Ein schöner, schwarzhaariger Heiland schwebte aufrecht stehend, dem Betrachter zugewandt, aus einem Sarkophag, dessen Deckplatte zerbrochen am Boden lag. Eine Aureole umgabt sein Haupt und eine Taube, Symbol des Heiligen Geistes, geleitete ihn zum Himmel. Unten rechts am Fußende des Sarkophags lagen zwei hübsche römische Soldaten schlafend im Staube. Erstaunlicherweise war einer der beiden Römer blond. Auf der linken Bildseite, am Kopfende des Sarkophags, kniete eine betende weibliche Gestalt in einem himmelblauen Gewand ‒ Maria. Unter dem herabgestürzten Sarkophagdeckel lag mit gebrochenem Rückgrat ein Krokodil, als Symbol des Bösen, und starrte boshaft aus gelbgrünen Augen den Betrachter an. Über all dem, hoch oben in einer kleinen Wolke, wachte ein gütig blickender Gottvater. Er wurde umringt von fünf in hellblaue Kleidchen mit weißen Kragen und Säumen gekleidete Putti, von denen das eine rot, das nächste weiß, das dritte schwarz, das vierte gelb und das fünfte braun war. Der Messdiener läutete die Kirchenglocke und das Gotteshaus füllte sich langsam ‒ hauptsächlich mit alten Männern, Frauen und Kindern. Als letzte erschien der dürre Apotheker mit seiner ebenso hageren Gattin. Sie schritten eingehakt, huldvoll nach links und rechts grüßend durch das Kirchenschiff und setzten sich in die vorderste Bankreihe neben Robert. Endlich erschien auch der Pfarrer in seiner Soutane, schlug die Bibel auf und verkündete das Thema der heutigen Predigt: "Licht und Erkenntnis." Er begann den Gottesdienst mit einem alten Kirchenlied. Gebete, Fürbitten und Gesänge folgten einer etwas eigenwilligen Liturgie. Da Robert weder die Gebete noch die Lieder kannte, wandte sich seine Aufmerksamkeit wieder dem Tabernakel zu. Irgend etwas irritierte ihn daran ‒ war es die Reliquie, angeblich ein Zeigefingerglied des Heiligen Florian, die in dem Sarkophag, aus dem Jesus aufstieg, hinter einer kleinen Glasscheibe aufbewahrt wurde oder war es das Hostienkästlein, das vor der knienden Maria in das Bild eingelassen war? Während Robert noch darüber grübelte, hörte er die Worte des Pfarrers: „...unser Herr Jesus Christus ist also der Überwinder des Todes und der Finsternis. Er führt uns in die lichte Freiheit des christlichen Glaubens und spendet uns Trost, wenn wir die göttliche Wahrheit erkennen. Amen.“ Plötzlich wusste Robert, was so seltsam war an dem Tabernakelbild: es war die Vielzahl der Lichtquellen. Das Licht ging nicht nur von dem Herrgott, dem heiligen Geist und dem Heiligenschein des Erlösers aus, sondern auch von den beiden aufgemalten Fackeln auf den Innenseiten der linken und rechten Tabernakeltür. Diese Fackeln wurden von zwei blonden Frauen, die sich wie Mutter und Tochter ähnelten, gehalten und sandten ihr Licht gewissermaßen von außen auf die zentrale Szenerie der Auferstehung. „Wenn das Licht ein Symbol für Erkenntnis und Freiheit ist“, überlegte Robert, „wollte der Künstler dann vielleicht andeuten, dass diese auch noch aus anderen Quellen als denen des Glaubens entspringen können?“ Die Gläubigen beteten das Vaterunser und sangen zum Abschluss noch ein Lied. Dann verließen sie das Kirchenschiff. Währenddessen stand der Pfarrer betend vor dem Altar. Schließlich begab er sich, Robert aufmunternd zunickend, in den Beichtstuhl. Robert folgte ihm artig. Die Situation erschien ihm unwirklich. Er hatte schon seit seiner Kommunion nicht mehr gebeichtet, und auch in die Kirche ging er seitdem nur noch zu Weihnachten ‒ aus Tradition. Jetzt überlegte er, was er wohl beichten könne. Er ging jeden Morgen ins Büro und abends wieder nach Hause, ohne Umweg über irgendwelche Kneipen oder gar Bordelle. Höchstens kaufte er auf dem Rückweg noch ein paar Lebensmittel im Supermarkt und flirtete ein wenig mit der jungen Kassiererin. Abends musste er meist Edith beim Fernsehen Gesellschaft leisten, wenn sie sich nicht über ihn geärgert hatte und wie ein Rohrspatz schimpfte. Am Wochenende mutierte Edith immer zum Putzteufel und Robert fragte sich, warum dies nicht werktags, wenn er im Büro war, geschah. Warum mussten schon samstagmorgens, wenn er mal richtig ausschlafen wollte, die Waschmaschine und der Staubsauger losheulen, Küche und Badezimmer unter Wasser gesetzt, die Fenster und jedes Möbelstück staub- und keimfrei geputzt werden? Robert musste dann die Betten beziehen, Mülleimer entleeren, Teppiche ein- und wieder ausrollen, Stühle, Tische, schwere Sessel und sogar das Sofa verrücken und nach der Putz- und Saugorgie das Essen zubereiten. Wenn dann am Samstagnachmittag die Hausarbeit erledigt, die Wäsche zum Trocknen aufgehängt, Töpfe und Geschirr gespült, abgetrocknet und weggeräumt waren, wollte Edith bei gutem Wetter in Mode-, Schuh-, Kosmetik-, Einrichtungs- oder gar Juweliergeschäfte gehen. Bei schlechtem Wetter saß sie vor dem Fernseher oder tratschte stundenlang am Telefon mit ihrer Mutter oder alten Schulfreundinnen über andere Leute, Mode oder die jüngsten Offenbarungen der Regenbogenpresse. Robert durfte sich dann in sein Arbeitszimmer zurückziehen, aber alleine ausgehen, das durfte er nicht. Einmal hatte er es gewagt. Edith hatte ihm damals eine Szene gemacht, als habe sie ihn mit zwei hübschen Frauen gleichzeitig ertappt. Die Sonntage verliefen immer auf die gleiche Weise: nach dem Frühstück 200 km mit dem Auto zu Ediths Mutter fahren, Mittagessen, Kaffee trinken und wieder nach Hause. Der Pfarrer im Beichtstuhl räusperte sich ungeduldig, und plötzlich hörte ihn Robert lospoltern: „Nun mal los, mein Junge, raus mit der Sprache, was hast du zu beichten? Ich will hier nicht sitzen bis zum Jüngsten Tag!“ Beinahe hätte Robert aufgelacht. „Ich flirte mit der Kassiererin im Supermarkt“, flüsterte er. „So, so“, brummte der Pfarrer nicht sehr beeindruckt und fragte: „Ist das alles?“ „Ja, Hochwürden.“ „So brav seid ihr Städter?“, zweifelte der Geistliche. „Da haben ja meine Landeier mehr zu beichten!“ Nach einer kurzen Pause hörte ihn Robert brummen: „Nun ja, ein Flirt ist auch schon ein Anfang, und den Anfängen muss man wehren ‒ "principiis obsta", wie der Lateiner sagt. ‒ Mein Sohn, bete drei Vaterunser und widerstehe der Versuchung!“, verordnete der Beichtvater und schloss mit den Worten: „Ego teabsolvo a peccatis tuis in nomine Patris,et Filii, et Spiritus Sancti. Amen.“ Robert war erlöst.
4/21― Der schwarze Pier
Robert verließ den Beichtstuhl und wartete vor der Kirche auf den Pfarrer. Der erschien auch bald in einem feierlich dunklen Anzug und erklärte: „Sonntags speise ich immer im Postillion, damit meine Haushälterin den Feiertag genießen kann. Doch bevor wir essen gehen, werden wir im Schloss mal nach dem Rechten sehen.“ „Meinen Sie das dunkle Gebäude im Park?“, fragte Robert. „Ach, du hast es also schon gesehen“, konstatierte der Pfarrer. „Nur schemenhaft von weitem, durch das Torgitter.“ Robert bemerkte, dass ihn der Pfarrer seit seiner Beichte duzte und vermutete amüsiert, dass er nun eingemeindet sei. „Das Schloss gehört deiner Großmutter. Leider ist es eine Ruine.“ „Es macht einen unheimlichen Eindruck“, bemerkte Robert. „Ja und viele Leute hier glauben, dass es dort spukt“, bestätigte der Pfarrer. „Sie glauben das nicht?“, fragte Robert. „Natürlich nicht, ich bin ein katholischer Priester!“, erwiderte der Geistliche leicht pikiert. „Gerade deshalb“, lachte Robert. „Unsere Kirche kennt doch viele übernatürliche Ereignisse und Wesen, wie Wunder und Engel und Teufel.“ „Das ist doch etwas ganz anderes! Das alles gehört zur christlichen Mythologie und ist zum Teil auch nur symbolisch gemeint.“ „Ach so, das sind alles nur fromme Märchen“, stichelte Robert weiter. „Für den Gläubigen ist das Realität, du ungläubiger Robert!“, erwiderte der Pfarrer. „Dann sind die Spukgespenster für ihre abergläubischen Bauern wohl ebenfalls Realität.“ „Ja, leider“, bestätigte der Pfarrer seufzend. „Was gibt es denn in einer Ruine "nach dem Rechten" zu sehen?“, wunderte sich Robert. „Das wirst du schon sehen, wenn wir dort sind“, war die geheimnisvolle Antwort des Priesters. Inzwischen waren sie bei dem verwilderten Schlosspark angekommen. Mit einem großen Schlüssel öffnete der Pfarrer das eiserne Gittertor. Robert zögerte. Er hatte wieder dieses mulmige Gefühl. „Worauf wartest du, mein Sohn? Glaubst auch du lieber an heidnische Gespenster als an den heiligen Geist?“, spöttelte der Pfarrer. Verlegen grinsend schlüpfte Robert durchs Tor, das sich hinter ihm quietschend und scheppernd schloss. Über dem breiten, leicht ansteigenden Parkweg hatten sich die Baumkronen vereinigt, so dass ein dunkler Tunnel entstanden war, an dessen Ende die schwarze Schlossruine aufragte. Robert hob einen abgebrochenen Ast vom Weg auf. „Gegen Gespenster helfen keine Knüppel“, lachte der Pfarrer. Bevor sich Robert rechtfertigen konnte, wurde er vom Knacken eines Astes, dem ein lautes Grunzen aus einem Gebüsch folgte, erschreckt. „Ganz ruhig stehenbleiben“, flüsterte der Pfarrer. „Das ist ein Wildschwein. Wir wollen es nicht reizen.“ Nach einer Weile setzten sie ihren Weg fort. „Ist vielleicht doch ganz gut, wenn man hier einen Knüppel zur Hand hat“, meinte Robert. „Der würde dir gegen ein wütendes Wildschwein kaum helfen“, entgegnete der Pfarrer. „Aber doch besser als gar nichts, nicht wahr?“, erwiderte Robert. „Ich habe gebetet. Das hat uns gerettet“, behauptete der Pfarrer lächelnd. Endlich hatten sie das "Tunnelende" erreicht und überschritten eine steinerne Brücke, die wie ein Katzenbuckel den versumpften Schlossgraben überspannte. Durch ein türloses Torhaus gelangten sie in den Schlosshof. Dem Torhaus gegenüber befand sich das freistehende Hauptgebäude. Es wurde von kleineren Bauwerken für Küche und Werkstatt flankiert. Neben dem Torhaus befanden sich Stallungen für die Pferde und die Remise. Die Gebäude waren ausgebrannt und ihre dicken, rußgeschwärzten Wände trugen keine Dächer mehr. Sie überquerten den Schlosshof, in dessen Mitte sich ein Ziehbrunnen befand, stiegen die mit Unkraut überwachsene Freitreppe des Hauptgebäudes empor und betraten durch das wie ein gähnendes Maul geöffnete Portal die erstaunlich gut erhaltene, repräsentative Empfangshalle. Wie in dem Gutshaus war auch hier das Familienwappen im Fußboden eingelegt, aber größer und kunstvoller, mit mehrfarbigen, polierten Steinen. Dem Eingang gegenüber führte eine breite Steintreppe zum oberen Stockwerk. Darüber wölbte sich eine löchrige hohe Decke. An der rechten Seite der Halle befand sich ein schöner, großer Kamin aus farbigem Marmor, in dem ein alter Kessel über einem Feuer hing. Der Pfarrer bewegte sich auf den Kamin zu. Plötzlich erscholl vom oberen Stockwerk ein so schauriges Geheul, das einem das Blut gefrieren wollte. Auf dem oberen Treppenabsatz stand ein Wesen in schmutzigen Jeans und einer dunklen Jacke mit einem Beil in den Händen. Die Jackenkapuze war über den Kopf gezogen und überschattete das Gesicht. Obwohl von kleinwüchsiger Statur, machte das Wesen einen bedrohlichen Eindruck. Robert hob seinen Holzknüppel, zum Schlag bereit. Wieder erscholl dieser schrille, tierische Schrei. Der Pfarrer hob beschwichtigend die Hand und rief Robert zu: „Das ist der schwarze Pier. Bitte leg den Knüppel weg. Ich glaube, er hat Angst vor dir.“ Dann forderte er die unheimliche Kreatur mit einer einladenden Geste auf, in die Halle zu kommen. Zögernd stieg der schwarze Pier mit seinem Beil die Treppe herab, misstrauisch Robert beäugend. Der Pfarrer reichte ihm die Hand, was ihn zu beruhigen schien. Die beiden gingen zum Kamin. Vom Kaminsims nahm Pier einen in Zeitungspapier eingewickelten Gegenstand und überreichte ihn dem Pfarrer. „Das hab' ich mir doch gedacht“, sagte der Pfarrer mit offensichtlicher Erleichterung und drückte dem schwarzen Pier einen Geldschein in die Hand. Der bedankte sich artig mit einer Verbeugung. Der Pfarrer machte schmunzelnd eine segnende Handbewegung und wandte sich zum Gehen. Doch Pier hielt ihn wild gestikulierend am Ärmel fest. „Ja, was willst du denn noch?“, wunderte sich der Pfarrer. Pier deutete auf Robert und machte eine Bewegung, als würde er ein Auto steuern. Der Pfarrer nickte bestätigend und sagte: „Ja, ja, Robert hat ein Auto.“ Daraufhin deutete Pier abwechselnd zu Robert und zum Kamin. „Ach, er will uns wohl zum Essen einladen“, meinte der Pfarrer zu Robert gewandt. „Das ist zwar nett von ihm, aber wir sollten doch lieber ablehnen. Ich habe nämlich in den Topf geschaut. Was da drin herumschwimmt, sieht nicht sehr appetitlich aus!“ Kopfschüttelnd drückte der Pfarrer dem schwarzen Pier noch einmal freundschaftlich die Hand und verließ mit Robert die Schlossruine. Schweigend gingen sie durch die dunkle Allee. Als sie den Park verlassen hatten, fragte Robert neugierig: „Was haben Sie denn da gekauft?“ „Och, das ist ein Abendmahlskelch“, antwortete der Pfarrer etwas unwillig. „Ach, ist der schwarze Pier ihr Lieferant für Abendmahlskelche?“ „Nööö, das nich'“, war die wortkarge Antwort. „Woher hatte er denn den Kelch?“ „Aus unserer Sakristei.“ „Wie bitte ‒ der Kerl klaut Ihnen den Abendmahlskelch und Sie kaufen ihn teuer zurück?!“, wunderte sich Robert. „Ich hab' ihm die 50 Franc nicht für den Kelch gegeben ‒ der ist viel mehr wert ‒ sondern als Almosen.“ „Wollen Sie den Kerl nicht anzeigen?“ Der Pfarrer schaute Robert missbilligend an: „Nur, weil er sich ein altes Trinkgefäß ausgeliehen hat, soll ich den armen, taubstummen Teufel der Polizei ausliefern?“ „Ausgeliehen nennen Sie das?“, lachte Robert. „Wenn wir heute nicht zufällig ins Schloss gegangen wären, hätten Sie ihren wertvollen Kelch wahrscheinlich nie wieder gesehen!“ „Wir sind nicht zufällig ins Schloss gegangen. Ich hatte vermutet, dass Pier wieder dort ist. Er pflegt nämlich jeden Sommer ein paar Tage im Schloss zu hausen. ‒ Ich hatte auch geahnt, dass er sich den Kelch geholt hatte. Allerdings hat er das jetzt zum ersten Mal getan und ich hoffe, das es ihm nicht zur Gewohnheit wird. ‒ Dennoch glaube ich, dass Pier den Kelch nur ausleihen wollte, sonst wäre er schon längst mit ihm über alle Berge“, erklärte der Pfarrer. „Und wenn Ihnen der Kerl mit seinem Beil ...“ Der Pfarrer unterbrach Robert: „Ich kenne den Pier schon lange. Er ist nicht gewalttätig!“ Inzwischen waren sie wieder an der Dorfkirche angelangt. Der Pfarrer brachte den Kelch in die Sakristei. Dann gingen die beiden zum Postillion.
5/21―Unter Verdacht
An einem Tisch im Postillion saß Edith mit einem Gesicht wie drei Tage Regenwetter. Robert machte sie mit dem Pfarrer bekannt. „Der Herr Pfarrer ist heute unser Gast“, sagte er und hoffte, das sich Edith nun ihre gefürchtete Nörgelei verkneifen würde. Nach einer kräftigen Bouillon servierte Yvonne einen knusprigen Schweinebraten in köstlicher Sauce. Dazu gab es Kartoffeln mit Rotkohl, frischen Salat und einen guten Loirewein. „Der Pfarrer will mich meiner Großmutter, der Baronin de Brandt, vorstellen. Sie bewohnt das einsame Landgut, vor dem wir gestern Abend gehalten haben. Möchtest du mitkommen?“ fragte Robert seine Frau. „Deine Großmutter ist eine Baronin? Das hast du mir ja gar nicht erzählt! Dann bist du ja ein Baron und ich Baronin! Oh Robert, das ist ja wunderbar!“ „Das ist ein Irrtum“, bremste Robert sein Weib. „Erstens lebt meine Großmutter noch und ich wünsche ihr ein langes Leben. Zweitens muss sie mich nicht als Erben anerkennen und drittens sind Adelstitel in Frankreich seit 1958 nur ein Namensteil juristisch ohne Bedeutung.“ „Hm“, machte Edith. „Wieso will dich der Pfarrer deiner Großmutter vorstellen? Du hast doch gestern Abend schon mit ihr gesprochen!“ „Gestern, gestern habe ich nur mit ihrem Butler gesprochen“, stotterte Robert und wollte das Gespräch beenden. „Hast du ihm gesagt, wer du bist?“ „Nein, ich habe ihn nur nach dem Weg gefragt.“ „Du Esel!“, schnaubte Edith. „Du hättest ihm sagen sollen, wer du bist, dann hätten wir sicher bei deiner Großmutter übernachten können und nicht in diesem schäbigen Gasthaus!“ Robert war peinlich berührt: „Ich glaube, es ist besser, wenn ich nachher mit dem Pfarrer allein meine Großmutter besuche und dich ihr später einmal vorstelle.“ „Das kannst du machen, wie du willst, ich werde mich schon nicht langweilen!“, sagte Edith schnippisch und lächelte den kräftigen Wirt an, der drei Gläser Pastis auf den Tisch stellte. Im selben Moment stolperte der Bürgermeister in die Wirtsstube. „Da sitzt du in aller Ruhe beim Pastis und lässt den lieben Gott einen guten Mann sein, während deine Schäfchen dem Fegefeuer zum Opfer fallen!“, rief er dem Pfarrer zu. Der sah ihn entgeistert an: „Wer fällt dem Fegefeuer zum Opfer?“ „Die Baronin und ihr Butler! Sie sind beide im Gutshaus verbrannt!“ „Um Himmels willen, wann und wie ist das passiert?“ „Es muss letzte Nacht geschehen sein“, sagte der Bürgermeister. „Wie es passiert ist, weiß man noch nicht.“ „Ich muss sofort zum Gutshaus!“, rief der Pfarrer. „Die armen Opfer müssen gesegnet und würdig bestattet werden.“ „Nein, setz dich nur wieder hin“, winkte der Bürgermeister ab. „Die Polizei lässt niemanden auf das Anwesen, solange die Brandursache noch nicht ermittelt ist.“ „Welch ein Unglück auch für diesen jungen Mann“, sagte der Pfarrer. „Heute hätte er endlich seine Großmutter kennenlernen sollen.“ „Sie sind der Enkel der Baronin?“, fragte der Bürgermeister erstaunt. Robert nickte und stellte sich vor. „Er ist gestern Abend hier angekommen, um den Geburtsort seines Vaters zu besichtigen“, erklärte der Pfarrer. „Ich bin sogar in dem Gutshaus meiner Großmutter gewesen, weil ich nach dem Weg fragen wollte.“ „Was heißt "wollte"? Du hast doch gefragt, oder etwa nicht?!“, mischte sich Edith ein. „Ja doch, den Butler, das hab' ich dir doch schon gesagt“, bestätigte Robert nervös. „Sie waren gestern bei der Baronin?“, drängte sich ein salopp gekleideter Mann, der kurz nach dem Bürgermeister den Schankraum betreten hatte, in das Gespräch und stellte sich als Kommissar Simenon vor. „Man schickt uns einen Kommissar? ‒ Glaubt die Polizei an ein Verbrechen?“, fragte der Bürgermeister. „Unsere Ermittlungen haben erst begonnen. Deshalb auch gleich meine Frage an Sie, Herr de Brandt: wann waren Sie gestern Abend in dem Gutshaus ihrer Großmutter?“ „Um 22.00 Uhr!“, krähte Edith, bevor Robert antworten konnte. „Wurden Sie erwartet?“ „Nein, es war purer Zufall, dass wir bei ihr vorbeigekommen sind. Ich wusste zuerst auch gar nicht, dass es das Haus meiner Großmutter war.“ „Wann und wie haben Sie es erfahren?“ „Als ich in der Eingangshalle unser Familienwappen sah, habe ich es geahnt.“ „Wer hat sie ins Haus gelassen?“ „Niemand, die Tür war offen.“ Simenon runzelte die Stirn: „Und da sind sie einfach hineinspaziert?“ Robert nickte verlegen. „Wie ich vorhin dem Gespräch entnommen habe, kannten Sie ihre Großmutter gar nicht“, wunderte sich der Kommissar. „Ich bin ihr nie begegnet und hatte auch sonst keinerlei Kontakt zu ihr. Sie wollte weder von meiner Mutter noch von mir etwas wissen und ließ unsere Briefe unbeantwortet“, erklärte Robert. „Sie waren also in der Empfangshalle. Was geschah dann?“, bohrte der Kommissar weiter. Robert zögerte mit der Antwort. „Dann kam doch der Butler und du hast ihn nach dem Weg gefragt“, assistierte Edith ungebeten. Robert nickte. „Waren Sie auch im Haus?“, fragte der Kommissar Edith. „Nein, ich habe im Auto gewartet. Es hat ja so stark geregnet, geblitzt und gedonnert.“ „Woher wissen Sie dann, dass ihr Gemahl mit dem Butler in der Empfangshalle gesprochen hat?“ „Von meinem Gatten natürlich“, antwortete Edith. Simenon wandte sich wieder an Robert: „Haben Sie sich dem Butler zu erkennen gegeben?“ „Nein, ich wollte ja nur nach dem Weg fragen. Ich habe erst heute beschlossen, mich meiner Großmutter vorzustellen.“ „Wie lange haben Sie denn mit dem Butler gesprochen?“ „Vielleicht zwei Minuten!“ „Wie sah der Butler aus?“, fragte Simenon. Robert zögerte: „Ich weiß nicht mehr. Es war nicht sehr hell. In der Halle brannte nur eine alte Petroleumlampe.“ „Na, etwas müssen Sie doch wissen, wenn Sie gestern Abend mit dem Mann gesprochen haben“, insistierte der Kommissar. „War er groß oder klein, dick oder dünn? Trug er einen Bart? War sein Gesicht rund oder hager, faltig oder glatt, hell oder dunkel? Wie war er gekleidet?“ „Er, er trug einen Anzug“, stotterte Robert. „Das tun Butler meistens“, schmunzelte Simenon. „Welche Farbe, welches Muster hatte sein Anzug?“ Robert war am Ende. „Ich habe mit niemandem gesprochen“, gestand er kleinlaut. „Ich habe in der Empfangshalle gewartet und gerufen, doch es kam niemand. Es war so unheimlich. Und dann sah ich dieses grausige Portrait an der Wand und bin rausgerannt.“ „Waschlappen!“, entfuhr es Edith. „Ein erwachsener Mann ‒ und fürchtet sich vor einem Bild!“ Der Wirt hinter der Theke lachte schallend und Robert wäre am liebsten im Boden versunken. „Was war denn so grausig an dem Portrait?“, fragte der Kommissar. Robert beschrieb es ihm. „Ich glaubte, es sei ein präparierter Frauenkopf, bis mir der Herr Pfarrer sagte, dass es nur ein Portrait sei.“ Der Pfarrer nickte bestätigend. „Haben Sie in dem Haus Stimmen oder irgendein Geräusch gehört?“, wollte der Kommissar wissen. „Nein, es war totenstill, obwohl aus einem Zimmer ein schwacher Lichtschein in den dunklen Gang hinter der Vorhalle fiel und die ganze obere Etage hell erleuchtet war.“ „Herr de Brandt, ich muss Sie bitten, sich weiterhin zu unserer Verfügung zu halten: das heißt, Sie dürfen diesen Ort einstweilen nicht verlassen.“ „Sie glauben doch nicht etwa, dass ich nach Frankreich gekommen bin, um meine Großmutter zu verbrennen!“, rief Robert empört und sah den Kommissar fassungslos an. „Sie hätten ein Motiv: vielleicht haben sie ihre Großmutter gehasst und wollten sie beerben“, entgegnete der Kommissar kühl. „Ich fahre jetzt zum Brandort. Vielleicht haben meine Kollegen von der Spurensicherung schon etwas gefunden. Heute Abend werde ich wieder hier sein.“ Der Kommissar trank sein Bier aus und verließ das Gasthaus in Begleitung des Bürgermeisters. „Das ist ja eine schöne Bescherung!“, zischte Edith ihren Mann an. „Jetzt muss ich wohl in diesem Nest meinen ganzen Urlaub verbringen, weil du unter Mordverdacht stehst! Dauernd versaust du mir den Urlaub!“ Wütend schnappte sie ihre Handtasche und ging auf ihr Zimmer. Robert saß da, wie ein begossener Pudel. Er wollte sich bei dem Pfarrer für das Benehmen seiner Frau entschuldigen, doch der winkte lächelnd ab: „Frauen haben ein anderes Temperament als wir. ‒ Trinken wir lieber noch einen Pastis auf diesen Schreck.“ Der Wirt brachte sogleich zwei gefüllte Gläser. „Glauben Sie mir, Herr Pfarrer, ich bin kein Mörder!“, beteuerte Robert. „Ich glaube dir“, erwiderte der beruhigend. „Solch eine abscheuliche Tat traue ich dir gar nicht zu. Aber du warst ausgerechnet gestern Abend am Brandort und deine kleine Lügengeschichte hat auf den Kommissar keinen guten Eindruck gemacht.“ „Die Geschichte habe ich doch nur wegen Edith erfunden. Die hätte mir doch nicht geglaubt, dass niemand da war, weil doch im ganzen Haus das Licht brannte.“ „Tja“, sagte der Pfarrer nachdenklich, „das ist schon sehr seltsam. Ist dir vielleicht sonst noch etwas Ungewöhnliches aufgefallen?“ „Ja, doch ‒ als ich auf den Eingang zuging, glaubte ich im Lichte eines Blitzes auf dem Hof eine kleine Gestalt gesehen zu haben.“ „Das könnte der schwarze Pier gewesen sein“, meinte der Pfarrer „denn Paul, der Butler, hat ihm immer etwas Geld gegeben.“ „Warum tat der Butler das?“, wunderte sich Robert. „Man munkelt“, sagte der Pfarrer, „dass Pier sein Sohn sei. Paul war früher als Fremdenlegionär auf der Insel Mayotte stationiert. Nach seinem Austritt aus der Legion wurde er Butler bei der Baronin. Den schwarzen Pier hat er damals wohl mitgebracht.“ „Warum wohnt Pier in der Schlossruine und nicht bei seinem Vater?“ „Pier ist ein Herumtreiber. Er hält es nirgendwo lange aus und wollte offenbar nicht bei seinem Vater wohnen.“ „Wer und wo ist seine Mutter?“, fragte Robert weiter. „Über seine Mutter weiß ich nichts. Vermutlich war sie eine Eingeborene auf Mayotte. ‒ Jedenfalls hatte Pier keinen Grund, das Haus, in dem sein Vater lebte, niederzubrennen.“ „Es sei denn, der Butler hat ihm diesmal kein Geld gegeben“, wandte Robert ein. „Das ist doch kein Grund, Feuer zu legen!“, erwiderte der Pfarrer entrüstet. „Nicht für einen normalen Menschen“, stimmte Robert zu. „Der schwarze Pier ist völlig harmlos. Der tut niemandem etwas zuleide!“, bekräftigte der Pfarrer seine Meinung. „Aber vielleicht hat er etwas gesehen. ‒ Jedenfalls müssen wir heute Abend den Kommissar über deine Beobachtung informieren.“ Der Pfarrer verabschiedete sich und Robert blieb mit dem Wirt allein. Der putzte die Zapfhähne am Ausschank. Er war schwarzhaarig, groß und breitschultrig, hatte dichte Augenbrauen, einen schwarzen Vollbart und den braunen Teint eines Naturburschen. Robert hingegen war dunkelblond, schmal und hatte nur eine durchschnittliche Körpergröße und eine blasse Hautfarbe. Neben dem Wirt wirkte er fast zierlich. „Der Kerl hat bei den Frauen bestimmt gute Chancen“, dachte Robert. Wie höhnisch hatte dieser Hüne vorhin über ihn gelacht. Der Wirt war Robert unsympathisch. Hier wollte er nicht bleiben. Er beschloss, zum Landhaus seiner Großmutter zu gehen.
6/21 ― Das Spukschloss
Edith beendete ihren Mittagsschlaf um halb drei, trank einen Kaffee und spazierte danach missmutig durchs Dorf. Hier gefiel ihr gar nichts. Es gab keine Modegeschäfte und die Straßen waren fast menschenleer. Das halbe Dorf war zum Landsitz der Baronin gepilgert, denn die Nachricht von dem Unglück hatte sich in dem kleinen Ort in Windeseile herumgesprochen. Edith beschloss, auch dorthin zu gehen. An der Dorfkirche begegnete ihr der Wirt des Postillion. „Wohin wollen Sie denn?“, fragte er Edith. „Zum abgebrannten Landsitz der Baronin. Wollen Sie nicht mitkommen?“ „Ach nein“, sagte der Wirt. „Was gibt es an einer rauchenden Ruine schon zu sehen?“ „Wohin führt denn diese schöne Allee, aus der Sie gerade kommen?“ „Zum alten Schloss, einer hässlichen schwarzen Ruine in einem verwilderten Park.“ „Waren sie gerade dort?“ fragte Edith neugierig. „Nein, ich habe nur einen Verdauungsspaziergang durch die Felder gemacht.“ „Ich würde gern das Schloss sehen. Würden Sie es mir zeigen?“, fragte Edith charmant lächelnd. „Das wird nicht möglich sein, weil das Parktor immer verschlossen ist. Außerdem soll es dort spuken“, sagte der Wirt. Edith lachte: „Ach, wie interessant. Jetzt möchte ich erst recht dorthin ‒ wenigstens bis zum Parktor. Sie können ja mitkommen und mich beschützen.“ „Einverstanden, ich beschütze Sie.“ „Dann sollten Sie "Edith" zu mir sagen.“ „Bruce“, sagte der Wirt und reichte Edith seine Pranke. „Oh, Bruce, du bist ein richtiger Mann, groß und stark, bei dir fürchte ich mich vor gar nichts!“, säuselte Edith und Bruce grinste. Nach wenigen Minuten waren sie am Parktor. Edith drückte auf die Türklinke. Das Tor öffnete sich. „Es ist offen!“, rief sie übermütig und bat Bruce mit einer einladenden Geste einzutreten. Aber der zögerte: „Und wenn jemand das Tor hinter uns abschließt?“ „Dann klettern wir eben über die Parkmauer“, wischte Edith die Bedenken des Gastwirts hinweg. Auf der dunklen Allee schmiegte sich Edith an ihren neuen Freund. „An der Ruine gibt es eigentlich nichts zu sehen und der Garten hinter dem Schloss ist total verwildert“, sagte Bruce. „Ich möchte trotzdem dort hin“, beharrte Edith. „Dann sollten wir um das Schloss herum gehen“, schlug Bruce vor. „Warum ‒ weil es dort spukt? Hat der starke Bruce etwa Angst?“, fragte Edith keck. „Ach was“, entgegnete der, „ich möchte bloß nicht, dass dir in dem morschen Gemäuer ein Stein auf dein hübsches Köpfchen fällt.“ „So morsch sieht das Gemäuer gar nicht aus“, meinte Edith, als sie das Schloss erreichten. „Also ich gehe jetzt da durch. Du kannst ja außenrum gehen, dann treffen wir uns hinter dem Schloss im Garten wieder.“ Forsch marschierte Edith über die Katzenbuckelbrücke des Schlossgrabens. „Warte, warte, ich komme mit!“, rief Bruce und eilte ihr nach. „Ich kann dich doch nicht allein durch ein Spukschloss gehen lassen!“ Edith lächelte ihn an und gab ihm einen Kuss. Sie befanden sich jetzt im Schlosshof. „Das muss hier einmal herrlich gewesen sein!“, rief Edith begeistert. „Das müsste man restaurieren ‒ und dann hier leben, mit einem Mann wie dir!“ „Du bist schon verheiratet“, erinnerte sie Bruce.
