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Ein Leben zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Mit der Tatsache, inwiefern die Lebensgeschichte des Ole Kosche authentisch ist, lasse ich meine Leser absichtlich im Unklaren und fordere damit ihre Fantasie heraus. Klar ist jedoch, dass ich mich an realen zeitgeschichtlichen Hintergründen orientiert habe. Die gesellschaftlichen Verhältnisse, vor allem in der DDR und den USA, bilden das Szenario, in dem sich das Leben von Ole Kosche abspielt. Mein Aufbau der Geschichte führt etappenweise in die Kindheit des Hauptdarstellers, der auf der Flucht 1945 als ostpreußisches Findelkind in einem brandenburgischen Dorf ein Zuhause findet. Persönliche Lebensumstände zwingen den Halbwüchsigen zur riskanten Flucht über die deutsch-deutsche Grenze, von wo er rasch den Sprung in sein gelobtes Land, die USA schafft. Doch schon bald wird er enttäuscht. Letztlich bringen seine Erfahrungen im Vietnamkrieggroße Ernüchterung. Voller Rache gegen die fanatische Gesellschaft nimmt er nach seiner Rückkehr aus dem Krieg seine Zukunftsplanung in die Hand und wird teils illegaler weise, teils dank seiner Intelligenz und Cleverness im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ein sehr vermögender Mann. Sein Leben mutet wie ein erfüllter Wunschtraum an. Und doch: Erst als er nach der Wende 1990 erstmals in die alte Heimat zurückkehrt und alte Jugendfreunde ihn mit offenen Armen empfangen, erhält das bislang Erreichte einen wirklichen Wert. Ich nehme sehr dezidiert Stellung zu politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, wobei jedoch kein trockener zeitgeschichtlicher Bericht entstanden ist. Ich denke, es ist mir gelungen, die Menschen und ihre Charaktere, die in Kosches Leben eine Rolle spielen, lebhaft und nachvollziehbar zu beschreiben, wobei für einen höheren Unterhaltungswert ironische, moralische und erotische Sequenzen zusätzlich eine prickelnde Note vermitteln.
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Seitenzahl: 377
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Reimer Loop
Das schillernde Leben des O.K.
eine amerikanische Erfolgslegende
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Das Versprechen
Wie alles begann
Heimkehr des Republikflüchtlings
Kindheitserinnerungen
Aufgestaute Wut
Entspannung
Tränen der Freunde
Im Kutscherhaus
Nur ein Mitläufer
Die Flucht
Amerika ist da, ...
Ein Freund namens Pigy
Vietnam und zurück
Lust der Rache
Süßes Leben
Karriere als Befriedigung
Luxus erleben
Wiedersehen der Zecher
Oles Ankunft 1945
Frühstück im Siedlungshaus
Ein Lehrer denkt um
Ole wird erfasst
Felix' Heimkehr
Jüdische Asylanten
Der Krieg ist aus
Dankbarkeit der Sieger
Russen Folter
Felix' Verführung
Der Wendehals Beamte
Neues Deutschland
Illusionen und Träume
Ein ganzes Volk wird eingemauert
Reifezeit und Eros
Zwei gehen durch's Feuer
Felix führt Regie
Engel und Mietwagen
Zauberwort Investor
Wie sagt man es seinem Kind?
Ein Kind entlarvt den Vater
Die Kronprinzessin
Frauenfreundschaft
So eine Tochter!
Er ist es.
Nach Amerika
In der neuen Welt
Der Antrag
Hochzeitsplanung
Karibische Hochzeit
Schloss Renovierung
Lebensaufgaben
Verkuppelt
Violetta und Walter
Kunstschätze
Einweihung
Freundschaften
Versuchung
Gewitter
Verloren
Feix' Abschied
Das Manuskript
Sonnenaufgang
Impressum neobooks
Ich fühle Mut, mich in die Welt zu wagen;
der Erde Weh, der Erde Glück zu tragen.
Goethe – Faust
Wir gingen an die Gruft, hielten inne, eine rote Rose als letzten Gruß, griffen in die feuchte Erde und ließen sie auf den Sarg plumpsen, erst Elke, dann die Kinder und dann wir, seine Freunde. „Mach’s gut Felix“, brummelte ich vor mich hin. Sein Tod ging auch mir sehr nahe. Wir haben uns gut verstanden und nun war er weg. Einfach weg. Und zu früh. Ein paar Jahre hätte er uns wirklich noch beehren können. Unwillkürlich sah ich ihn vor mir, den eleganten Graubart, und musste daran denken, dass er nun auch ohne seinen rechten Fuß seine letzte Reise antrat. - Woran denkt man überhaupt, wenn man von oben auf den Totenschrein blickt? - Woran dachten die anderen, wenn sie nicht mit absoluter Trauer und mit Weinen beschäftigt waren? - Ja, und warum dachte ich so etwas?
Felix hatte mir einst ans Herz gelegt, das zu beenden, was er nicht mehr zu schaffen vermochte. „Ja, mein Lieber, heute verspreche ich es dir. Felix, du hast mein Wort.“ Ich hätte es mir schon angesehen und mir schon meine Gedanken gemacht, hatte ich ihm kürzlich noch zur Beruhigung vorgeflunkert, dabei wusste ich eigentlich noch nicht einmal, worum es dabei tatsächlich ging. Es handelte sich nämlich um den Inhalt eines alten Pappkartons, den er mir vor ein paar Monaten ohne viele Worte in die Hand gedrückt hatte, mit dem ich allerdings nicht so recht etwas anzufangen wusste, weil ich die Sache für einen drolligen Entsorgungstrick gehalten hatte: ‚Zum Wegwerfen zu schade, nimm du’s’. Ich stellte das Ding damals beiseite, eben dort hin, wo alles stand, was noch unbedingt irgendwann zu erledigen war. Jetzt aber, nachdem Felix seine letzte Ruhe gefunden hatte, wollte ich versuchen, meine Zusage so gut ich konnte einzulösen und flüsterte ihm noch zu: „Versprochen, Felix, versprochen, ich mache es!“
Wieder zu Hause begann ich in der Kiste zu kramen und entdeckte ein kunterbuntes Sammelsurium: Tagebücher, alte Fotos, handschriftliche Aufzeichnungen, die Begebenheiten und den Zeitgeist in seiner Jugend beschrieben, Briefe und Aufsätze, amouröse Geschichten und schnurrige oder kritische Notizen aus dem Dörfchen Radow und dem Kutscherhaus. Teilweise waren es recht intime Anmerkungen, von Beziehungen und von Gefühlen. Wie sollte ich denn so etwas zu Papier bringen? Ich war doch kein Poet! Ich war Ingenieur und für ein Industrieunternehmen in Berlin tätig. Ich sollte Geschichten schreiben? Doch ich hatte es versprochen! Je mehr ich mich allerdings damit befasste, desto spannender fand ich Felix Nachlass und es reizte mich letztlich, sein Vermächtnis in die Tat umzusetzen, das zu vollenden, was er schon so umfangreich begonnen hatte: Das außergewöhnliche Leben unseres gemeinsamen Freundes Ole Kosche aufzuschreiben. Felix war sein Vorbild gewesen und hatte auch in vielerlei Hinsicht Oles Leben geprägt. Die Sehnsucht nach all dem, was er einst daheim in der DDR zurückgelassen hatte, die Sehnsucht sollte immer bleiben. So hatte Felix sich das gedacht, so sollte die Geschichte aussehen. Den Schluss allerdings, den Schluss ersehnte er sich etwas anders.
Ich war der einzige, der das Vertrauen und die Freundschaft zum ganzen Kosche Clan besaß. Somit fühlte ich mich von daher schon berufen, Felix Bitte zu erfüllen. Wieder zuhause breitete seine Papiere und Skripte auf dem Fußboden aus und versuchte, das Durcheinander chronologisch zu ordnen und mich in sein Konzept hinein zu versetzen. Schließlich schrieb ich einfach alles auf, was ich in der Kiste fand, was mir zu Ohren gekommen war und was ich erlebte.
Ich begegnete Ole Kosche während der Antigua Sailing Week in English Harbour, als er mit einigen amerikanischen Yachties in dem historischen Restaurant am Hafen zum Dinner war und ich mit meiner Crew am Nebentisch saß. Eine der vielen Small-Talk-Bekanntschaften, bei denen die Visitenkarten ausgetauscht werden – und das war’s dann, dachte ich damals.
Es war schon spät an jenem Abend. Die Amerikaner am Nebentisch und wir waren die letzten Gäste, weil zwei schwarze Musikanten mit Gitarre uns belustigten und aus jedem zugerufenen Wort einen witzigen Vers machten. Während die alkoholisierten Amerikaner sich vor Lachen kringelten, reichte es an unserem Tisch meist nur für ein müdes Grinsen, wobei wir uns allerdings mehr über die Amerikaner amüsierten als über die eher mäßigen Songs. Als dann auch etliche Drinks unsere Zungen schon merklich gelockert hatten, kommentierten wir laut lästernd das Niveau der Amis als Kulturbanausen, ausgehend davon, dass jene die deutsche Sprache ohnehin nicht verstünden.
Doch dann drehte sich einer zu uns um, ein großer Junge, hellblond, mit blauen Augen wie das Wasser der Karibik als trüge er gefärbte Kontaktlinsen, ein netter Vierziger:
„Ihr kommt aus Deutschland?“
Oh, da haben wir wohl ins Fettnäpfchen getreten, dachte ich unwillkürlich ein wenig betreten. In akzentfreiem Deutsch hatte er artig gefragt, wobei er wie ein amerikanischer Präsident vor der Fernsehkamera lächelte.
„Ja“, kam es zögerlich, kleinlaut zurück. Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet und es folgte auch kein Benimmvortrag. Als ob es zuvor keine dummen Bemerkungen gegeben hätte, fragte er freundlich weiter:
„Und woher?“
Brav und bereitwillig kamen unsere Antworten.
„Aus Berlin kommt keiner?“
„Na ja, ich arbeite zeitweilig in Berlin und habe dort ein Büro“, tat ich mich ein wenig wichtig hervor.
„West oder Ost?“
„Im Osten kann man doch nicht wohnen oder noch nicht - aber bald werden wir dort blühende Landschaften haben, sagt unser Kanzler Kohl“, antwortete ich fast ein wenig dünkelhaft. Meine Kameraden lachten.
„Und, wie sieht es jetzt in Berlin aus?“
„Wie sieht es aus? - Nun, irgendwie sind die Westberliner mit der neuen Situation überfordert und machen durchweg einen reichlich nervösen Eindruck. Es gibt jetzt Ossis und Wessis, natürlich mit den entsprechenden Vorurteilen und Witzen“, erklärte ich, dabei um Neutralität bemüht.
Kommentarlos wandte sich der Fremde wieder von uns ab. Ein wenig betretenes Schweigen an unserem Tisch. Wir sahen uns an, als wollten wir mit Blicken das größte Lästermaul strafen. Doch dann begannen wir allesamt plötzlich laut an zu lachen. In unserer leicht alkoholisierten Stimmung war doch so ein wenig Frozzeln bestimmt nichts Schlimmes. Keiner von uns hatte ihn gefragt, wieso er so gut Deutsch sprach, oder woher er kam, oder was ihn möglicherweise an Berlin so interessierte. Ach was soll’s, war doch nicht so wichtig. Nach einer Weile drehte er sich erneut zu mir um:
„Wie ist dein Name?“
„Reimer“.
„Ich heiße Ole. Was hältst du davon, wenn wir beide morgen Abend zusammen essen? Mich interessiert es, wie es jetzt nach dem Mauerfall bei euch läuft.“
Er reichte mir seine Karte, auf der nur sein Name, ‚Ole Kosche’, und seine Telefonnummer standen. Seine kurze Art empfand ich wie eine Aufforderung. Er sagte es so verbindlich, dass ich ein wenig überrascht nicht ‚Nein’ zu sagen vermochte und wandte mich an meine Leute:
„Haben wir morgen etwas Besonderes vor?“
Die schüttelten die Köpfe.
„Also, Reimer, morgen Abend sieben Uhr im Old Inn“.
Es klang nicht wie eine Frage aber auch nicht wie ein Befehl, es klang so, als wäre es ganz normal, dass wir da am nächsten Tag gemeinsam essen würden. Ich kritzelte noch eben meinen Namen auf eine Serviette, auch den Namen von unserer Yacht und reichte sie ihm der Form halber, bevor wir uns davon machten. Auf dem Heimweg spotteten meine Segelkameraden, dass ich wohl einem Schnorrer auf den Leim gegangen wäre und am Ende die Zeche zu zahlen hätte. Es fehlte nur noch, dass der Knabe mich zum Schluss noch anpumpen würde, lästerten sie. Ich verteidigte mich nicht und schlug noch mit in ihre Kerbe: Auch das könnte ich noch verkraften.
Nachdem am nächsten Abend die rundliche, schwarze Bedienung mit fossiler Miene wortkarg die Bestellung zum Dinner im Garten des Old Inn entgegen genommen hatte, schlürfte sie zum Tresen, orderte zunächst den Aperitif, die beiden Whisky mit Eis, und erkundigte sich beim Servieren der Drinks ein zweites Mal nach unserem Menüwunsch. Als das Essen schließlich kam, und sie es wortlos auf dem Tisch platzierte, da hatte sie dann doch noch einiges durcheinander gebracht. Es wäre Oles Sache gewesen, sich zu beschweren. Nein, er tat es nicht, merkte aber, dass ich mich normalerweise dazu geäußert hätte.
„Weißt du, Reimer, ich gehe davon aus, dass die Leute ihr Bestes geben. Die sind so, karibisch eben. Die haben nichts gegen uns.“
Auf dem Weg zu unserem Date hatte ich mir Gedanken gemacht, was der Knabe eigentlich und ausgerechnet von mir wollte, und worüber ich wohl die ganze Zeit mit ihm reden sollte, über Berlin? Doch dann, ohne dass es mir bewusst wurde, schwatzten wir, als seien wir schon alte Bekannte. Er hatte eine so lockere Art ein Gespräch zu führen, wobei er es seinem Partner leicht machte, sich einzubringen. Wir plauderten über Gott und die Welt, Land und Leute, über Segeln, Politik und Wirtschaft. Ole war nicht verheiratet. Er kannte zwar viele Ladys, aber zur Familiengründung hat es bislang noch nicht gereicht. Da konnte ich allerdings schon mit mehr Erfahrung aufwarten. Finanziell hätte er sich schon eine Familie leisten können, denn er litt keine Not. Seinen Lebensunterhalt verdiene er hauptsächlich im Dienstleistungsbereich und in der Computerbrache. Na ja, dachte ich mir, der hat als Immigrant sicherlich in den USA den Dreh bekommen und sich monetär unabhängig gestrampelt. Es war kein gegenseitiges Ausfragen und keiner machte dem anderen etwas vor, um in einem besseren Licht dazustehen. Wozu auch? Recht sachlich erwähnte er in knappen Sätzen, dass es ihm in der DDR zu eng gewesen war, und er damals als Siebzehnjähriger nach einem Streit wegen einer Liaison in den Westen geflohen und seit dem ohne jeglichen Kontakt zur alten Heimat sei. Er habe auf seine vielen Briefe nie eine Antwort erhalten und irgendwann beschlossen, seine Heimat zu verdrängen. Ich machte ihm klar, dass alle Briefe aus dem Westen kontrolliert, sehr viele dabei aussortiert würden und deshalb ihren Empfänger nicht erreicht hätten. Zurzeit mache Ostdeutschland den Eindruck eines gestrandeten Schiffes, an dem sich die Strandräuber zu schaffen machten, kleine und große, von innen und außen, erzählte ich ihm.
„Ich wollte ja schon gleich nach der Grenzöffnung rüber kommen, aber irgendwie hat es nicht geklappt. Das klingt lächerlich, aber ich denke immer, die könnten mich noch heute für einen Drückeberger halten, für einen Deserteur, weil ich mich damals ohne Abschied einfach so bei Nacht und Nebel aus dem Staub gemacht habe.“
Ich ließ ihn reden. Hatte er etwa Dreck am Stecken, oder war es wirklich nur Heimweh?
„Die längste Zeit meines Lebens bin ich in Amerika, aber jetzt muss ich immer häufiger an die Heimat denken, besonders dann, wenn ich zur Ruhe komme. Man hört ja augenblicklich nach dem Fall der Mauer auch so viel von Deutschland.“
Ole machte eine Pause, wobei er nachdenklich auf seinen sauber geleerten Teller sah.
„Ich weiß auch nicht, warum ich ausgerechnet dir das alles erzähle, aber im Moment ist mir so danach, vielleicht auch, weil hier um mich herum so viel Deutsch gesprochen wird.“
Er hatte eine angenehme Art sich zu outen, und weil er spürte, dass ich ihm wirklich zuhörte merkte ich, wie gut es ihm tat.
„Mein lieber Ole, bevor ich jetzt das Tränentuch rausholen muss, machen wir Nägel mit Köpfen. Ich werde mich erst einmal in deinem Dorf erkundigen, wie es dort aussieht und dann kommst du nach Berlin, damit wir die Sache gemeinsam angehen können. Wirst schon sehen, dann sieht die Welt wieder ganz anders aus. Ich besorge dir ein Hotel oder du kannst auch bei mir schlafen. Ich habe dort zwar nur ein kleines Büroapartment, aber es wird schon irgendwie gehen. Die Hotels haben jetzt nach der Wende nämlich kräftig ihre Preise erhöht. Dabei kannst du arm werden.“
Ole schmunzelte und bat mich schließlich, wenn ich wieder in Berlin sei, mich in dem Dörfchen Radow umzusehen und mich unter anderem nach der Familie Kosche, nach Elke, Marlen und Heinz zu erkundigen und nach Felix Jodelt, na eben auch die Stimmung dort so ein wenig abzuklopfen. Ich sollte so nebenbei auch mal fragen, ob denn noch jemand den Ole Kosche kannte, aber nicht sagen, dass wir uns getroffen hätten.
Das ist schon ein komischer Kauz, dachte ich bei mir. Ich hatte den Eindruck, ihm fiel ein Stein vom Herzen, nachdem er jemandem begegnet war, der Verständnis für ihn hatte. Ach was, wenn es ihm gut tat, warum sollte ich ihm nicht ein bisschen die Seele schmieren? Der Mann hatte Heimweh und ich wollte ihn an die Hand nehmen, denn er schien wirklich ein feiner Kerl zu sein, hatte ich mittlerweile festgestellt. Nur eins wollte mir nicht so richtig in den Kopf, warum machte er so viel Theater um die Sache, die Grenze war doch schon fast ein halbes Jahr offen. Warum fuhr er nicht einfach hin? Nachdem ich mir ein paar Notizen auf einer Serviette gemacht hatte, verließen wir das 'Old In' und schlenderten, auf meinen Vorschlag hin, rüber zur 'Galley Bar', dem Meeting-Point der Partylöwen unserer großen Regatta.
Auf der historischen Kaimauer tasteten wir uns über die lang kniehoch gespannten Achterleinen, die damals in Ermanglung entsprechender Festmacherpoller irgendwo festgeknotet waren und erreichten ohne Schaden unser Ziel, wo sich ein internationales Stimmengewirr gegen die laute Musik durchzusetzen versuchte. Auf der Suche nach bekannten Gesichtern machte ich einen langen Hals. Obwohl sich viele der Anwesenden für einen kleinen Schwatz offen zeigten, so blieb eine flüssige Konversation wegen der Sprachbarrieren auf ein ‚Hallo, wie geht’s’ beschränkt. Da waren dann schon einige von uns und winkten. Mit Ole im Schlepp steuerte ich sie an, wobei wir uns durch die Sailors mit ihren bunten Crew T-Shirts drängten. Das war Heiko, Sportlehrer und Regattatrainer; Ulf, genannt Otto, Luftkutscher bei der Lufthansa; Herrmann, Computerspezialist bei MAN; Marie-Luise, Advokat in Hamburg; Peter, der Zahnarzt und da war Christel – „Wo ist Gatte Harald?“ Sie zeigt zur Bar, wo er Rumpunschnachschub holte. Ich rief ihm zu und streckte für zwei Punsche mehr Mittelfinger und Zeigefinger hoch.
„Das ist Ole von gestern Abend. Er segelt auf dem großen Racer mit dem schwarzen Spinnacker und dem roten Adler drauf“, schrie ich stolz gegen die laute Musik an. Den kannten alle.
„Das ist der Brandenburger Adler“, erklärte Ole. Da hätte es bei mir ‚Klick’ machen müssen, denn nur der Eigner selbst dieser stolzen Rennziege würde wohl das Logo auf dem riesig großen Spinnacker auswählen. Sie hatten nun wieder ein tolles Thema und dann, wem denn wohl die Yacht gehörte.
„Irgend so ein verrückter Amerikaner“, lachte Ole. Darauf, dass er es selbst war, kam ich nicht im Traum. Dann stutzte ich:
„Die beiden Typen da hinten saßen doch gestern ein paar Tische weiter bis zum Schluss noch im Restaurant. Heute im Old Inn waren sie auch da und jetzt schon wieder und gaffen hier zu uns rüber. Die verfolgen uns, wir werden beschattet – Stasi oder so“, lachte ich.
„Nein, nein“, kam es scherzend von Ole zurück, „die gehören zu uns und passen auf, dass ich nicht zu viel trinke, damit ich morgen zur Regatta wieder fit bin.“
Jetzt musste ich aber die Story mit Harald vom Nachmittag zum Besten geben, die ja letztlich der Grund für das Gelage war. Harald war nämlich Eigner einer Zahnprothese, die ihm zwar keine Schmerzen, jedoch Kummer bereitet hatte, als sie sich infolge des Genusses von Erdnüssen zwischen den oberen Schneidezähnen zweigeteilt hatte. Seine Versuche, zunächst in Eigenleistung mit Bordmitteln, mittels Tesafilm, Kaugummi und so weiter, wenigstens optisch das Problem zu beheben, scheiterten, da sie den Anforderungen in der Praxis nicht gerecht wurden. So tanzten beim Sprechen die beiden Schneidezähne ständig auseinander und wieder zusammen, dass man sich verzückt mehr auf dieselben konzentrierte als auf das, was Harald mitzuteilen hatte. Sicherlich müsste doch in dem deutschen Seglertross irgendwo ein Zahnarzt dabei sein, hatten wir resümiert. Folglich wandte ich mich per Funk an alle Schiffe und schilderte Haralds Problem. Schon kam der erlösende Rückruf von Peter, der kurz nach unserem Ankerplatz fragte und wenig später mit dem Gummiboot heranrauschte. Er stürzte wie ein Erste-Hilfe-Sanitäter mit seinem Werkzeugkoffer aufs Schiff und setzte am Kartentisch mit gekonnten Eingriffen Haralds Kauwerkzeug wieder dauerhaft benutzbar instand. Als Honorar wurde ein Rumpunsch abends vereinbart, und da kamen wir gerade richtig. Nach Lage der Dinge allerdings artete die Honorarbegleichung zu einem Besäufnis aus, denn wie bei derartigen Gelagen meist üblich, so verpflichtete sich jeder der Anwesenden zu weiteren Revanchen.
Auch Ole empfand das Prothesendankfest so unkompliziert lustig und war wie ausgewechselt. Schließlich versackten auch wir mit den übrigen Sailors fürchterlich und verließen zum Schluss wie zwei Saufbrüder umgefasst, jeder noch mit einem Becher Rumpunsch in der Hand, dumme Sprüche lallend, die Open-Air-Bar. Mein Gast fand es ’great’. Plötzlich wurden unsere Schatten, die beiden Kerle, aktiv. Sie übernahmen meinen Part, hängten Ole in ihre Mitte, und als seine Beine nicht mehr wollten, pfiffen und sangen die Männer ein Marschlied, worauf auch Oles Beine wieder Tritt fassten. Ole hatte mir zuvor noch signalisiert, dass es sich um keine Entführung handelte und dass es schon O.K. sei mit den beiden. Beruhigt und vergnügt steuerten auch wir mit unserem Gummiboot unsere Kojen an.
Der Thrombosebomber brachte uns von Martinique, wo wir unsere Charteryacht zurückgeben mussten, wieder nach Europa. Obwohl in meiner Abwesenheit recht viel Arbeit angefallen war, erfüllte ich Oles Wunsch, schon aus eigener Neugierde, und sah mich in Radow um. Auf den ersten Blick ein unscheinbares Bauerndörfchen in sozialistischem Grau aber wunderschön am See gelegen mit einer kleinen, recht reparaturbedürftige Kirche und einem romantischen Schloss auf einem herrlichen Seegrundstück. Hier und da verschandelte, für meinen Geschmack, DDR-Flickarchitektur die ländliche Idylle. Wenn man sich Derartiges weg dachte, so wäre es ein schönes Fleckchen Erde. Die Personen, nach denen ich mich erkundigen sollte, wohnten noch dort, so erfuhr ich, bis auf den Lehrer Heinz Kosche, der sei gestorben, ein Unfall. Und Ole Kosche? Warum ich danach fragte, der sei schon lange tot, und ich, wer ich denn überhaupt wäre. Die Frage machte mich ein wenig stutzig, ein entfernter Verwandter sei ich, ein Cousin zweiten Grades aus dem Westen. Seltsam das Verhalten, dachte ich – und wieso war er tot? Mochte sein, dass derartige Fragerei wegen der Stasischnüffelei in der Vergangenheit bei den Ossis noch immer Misstrauen verursachte.
Ich kabelte Ole meine knappe Recherche, und schon einige Tage später meldete er sich frühmorgens erneut:
„Da bin ich nun. Ich habe dir versprochen, dich in Berlin
zu besuchen.“
„Du bist in Berlin, seit wann?“
„Wir sind gestern Abend gelandet. Sehen wir uns heute Abend?“
„Tut mir leid, aber heute habe ich ein volles Programm. Das kann spät werden. Und morgen?“
Spontan wollte ich mich ein wenig interessant machen wegen angeblich wichtiger Termine.
„O.K., morgen Abend sieben Uhr im Hotel Adler.“
„Im Grandhotel Adler? Schön, ich freue mich, bis morgen“.
Dann kamen noch ein paar knappe Sätze und tschüß. Eigentlich war ich doch ein wenig überrascht, dass er Wort gehalten hatte und tatsächlich gekommen war. Zu häufig waren derartige Versprechen nur freundliche Gesten. Dass er im teuren Adler abgestiegen war, machte mich etwas stutzig. Hatte er damals auf Antigua mein Angebot doch nicht abgelehnt, in meinem Büroapartment zu schlafen.
Offiziell wollte Ole sich informieren, was an Volkseigentum der DDR durch die Treuhandgesellschaft versilbert und privatisiert werden sollte. Deshalb waren seine Sekretärin Ann und seine rechte Hand Walter mit gekommen und auch sein Freund Joe. Ole wollte sich dann mit mir absetzen und nach Radow fahren. Da ich aber keine Zeit hatte, musste er umdisponieren, und so beschlossen die vier, sich erst einmal einen Tag zu akklimatisieren. Eine Limousine mit Fahrer hatten sie schon von drüben gechartert, die sie durch die ehemalige DDR chauffieren sollte, um einen allgemeinen Eindruck zu bekommen. Ann zog es allerdings vor, einen Stadtbummel zu machen.
Ole saß vorn neben dem Chauffeur, ein mittelgroßer Mittfünfziger mit Teilglatze, die er unter seiner Schirmmütze verbarg. Man spürte, dass ihm die Dienerhaltung eines Profikutschers schwer abging. Mag auch sein, dass er aus dem Osten kam und in der alten Republik einen angenehmeren Posten bekleidet hatte. Er sprach kein Englisch und glaubte, amerikanische Touristen oder Geschäftsleute zu kutschieren, denn die drei Herren trugen dunkle Anzüge mit Krawatte. Sie sprachen Englisch, denn Ole wollte nicht, dass der Fahrer ihm möglicherweise die Ohren voll schwatzt. Hier und da brachte Ole ein paar deutsche Worte mit amerikanischem Akzent heraus, die der Fahrer entsprechend beantwortete wie ‚russisch Frau’ oder ‚Schwarzhändler Zigarretts’, wobei der auf irgendwelche Asylanten wies, die an bestimmten Stellen ihre Schmuggelware anboten. Joe und Walter im Fond kommentieren die schmalen, gewölbten Straßen, die hüpfenden, stinkenden Trabbis und die grauen Fassaden.
„Wir sollten hier Farbe verkaufen. Es ist alles so schrecklich grau in grau“, versuchte Walter Stimmung zu machen.
„Das verstehst du nicht Walter, Grau ist hier die ausgesprochene Modefarbe“, hielt ihm Joe lachend entgegen. Ole war nicht sehr gesprächig. Ihm schienen die Straßen unverändert seit damals zu sein und registrierte es kommentarlos.
Die Ränder des Kopfsteinpflasters waren ausgewaschen und von wunderschönen Alleebäumen gesäumt, keine Fahrbahnmarkierungen, wenige Verkehrsschilder, jedoch malerisch, wie die Kulisse in einem uralten Heimatfilm. Für Ole war es noch wie damals, als sie mit ihren Fahrrädern Ausflüge machten. Es hatte sich wirklich nichts verändert. Ihm war seltsam zu Mute und er versuchte seine Gefühle zu verbergen, denn dies alles hatte er einmal von Herzen geliebt. Nur heute gab es mehr Autos, meist Trabis, teilweise mit kleinen Anhängern, die ‚Klaufix’ genannt wurden, und Wartburgs mit ihren knatternden, stinkenden Zweitaktmotoren. Putzig anzusehen, wie sie jede Straßenunebenheit durchhüpften, wobei alle Autos die Mitte benutzten wegen der rund gewölbten Fahrbahn eben und den noch schlechteren Rändern. Kam ihnen ein Fahrzeug entgegen, flitzten sie schnell nach rechts, um wenige Sekunden später wieder auf der Fahrbahnmitte weiter zu sausen. Sicherlich würden all diese lustigen Vehikel bald ausgestorben sein, denn gelegentlich begegneten sie schon einem komfortableren ‚Westwagen’ mit neuem Ost-Kennzeichen und leuchtender roter, gelber, grüner oder blauer Lackierung, denn die Ostwagen waren in der Regel alle in Grautönen lackiert, eben in der DDR Modefarbe. In den Westländern gab es ja auch in der Landschaft und in den Orten etliche Bereiche, die weniger gepflegt waren, aber hier? Hier machte ja alles irgendwie einen schmuddeligen Eindruck. Es gab nirgends elegante Highlights, die dem Betrachter aus dem Westen Bewunderung abverlangte. Auch erhaltenswerte alte Bausubstanz bot sich ihnen durchweg in beklagenswert heruntergekommenem Zustand, wenn sie nicht schon einfach abgerissen worden war, wie die Baulücken zeigten, weil mit den geringen Mieterträgen keine Reparaturen möglich waren. In Amerika war ja auch nicht alles Glanz und Gloria, aber hier erzeugte die Fahrt bei den Besuchern nach kurzer Zeit schon etwas Deprimierendes, vielleicht auch weil man automatisch an die Bewohner dachte, die hier die ganze Zeit leben mussten, da sie in ihrer Republik eingesperrt waren.
In gemächlichem Tempo rollten die Amerikaner mit ihrem schweren Wagen durch die schöne Landschaft, wobei die wuchtigen Reifen auf das Kopfsteinpflaster trommelten und Ole bewusst wurde, wie viel von alle dem er damals als Junge gar nicht wahrgenommen hatte, weil es früher einfach so normal war. Heute mutete ihn alles winzig und peinlich schäbig an, deshalb mochte er gar nicht betonen, dass dieses einmal seine Heimat war. Und immer wieder kamen sie an Russenkasernen vorbei. Schäbige, heruntergekommene Einrichtungen mit zerbrochenen Fensterscheiben und von ewig langen, grauen hohen Mauern uneinsehbar umgeben, hinter denen man kein menschliches Leben vermutete. Vor den Einfahrten waren große Blechtore mit einem roten Stern darauf. Unterwegs stand hier und da ein schmächtiger Sowjetsoldat und schien zu winken, doch der Fahrer klärte seine Fahrgäste auf, das seien Streckenposten, die die Straßen zu sperren hätten, wenn eine Militärkolonne käme, aber die Kameraden mit der anderen Feldpostnummer hätten sie nicht zu fürchten – nicht mehr. Arme Schweine seien es und die winkten auch nicht, die bettelten um Zigaretten, meinte der Fahrer. Walter übersetzte, sonst würde Joe von all dem nichts verstehen. Ole besann sich auf sein bisschen Schulrussisch und verspürte das Bedürfnis, einen kleinen Soldaten anzusprechen. Er ließ halten, fuhr die Scheibe herunter und sagte freundlich auf russisch zu dem schüchternen Jungen:
„Guten Tag, wie geht’s?“
„Zigaretten?“ kam es zurück.
„Darfst du denn schon rauchen?“
Der Russe lachte nicht und wiederholte monoton:
„Zigaretten.“
Ole griff in seine Jackentaschen und holte eine Aluminiumkartusche mit einer seiner guten Zigarren heraus.
„Nicht doch“, meinte der Fahrer, „damit wisse der doch nichts anzufangen.“ Er reichte Ole mit den Worten, er habe noch mehr, eine DDR Zigarettenschachtel ‚f6’, und Ole gab sie dann dem Soldaten, der sich mit einem verlegenen Lächeln bedankte. Noch erstaunt darüber, dass sein amerikanischer Gast russisch sprach, reichte Walter von hinten dem Fahrer über die Schulter sogleich ein Fünfmarkstück für die Schachtel. Ole freute sich, als hätte er gerade ein paar Enten am Teich gefüttert. Seine beiden Begleiter beobachteten stumm, staunend den Vorgang aus dem Fond.
„Die Russen behandeln doch noch immer ihre Soldaten wie den letzten Dreck, wie Vieh, auch heute noch. Das müsstet ihr mal sehen, wie die hausen, nicht nur die Soldaten in den Kasernen auch die Familien in den schon seit Kriegsende besetzten Häusern. Da hat sich mit Sicherheit seit damals nichts geändert. Und wie die saufen! Und beim Militär wird auch noch geprügelt“, erklärte Ole seinen staunenden Begleitern und weiter: “Dabei fällt mir ein, in der Schule hing ein Transparent ’Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen’. Seht ihr, und so sehen nun die Sieger aus.“
Ja, es hatte sich in all den Jahren wirklich nichts geändert. Den Amerikanern erschien alles so unwirklich, jetzt nach dieser stillen, historisch einzigartigen, Revolution in Ostdeutschland, sich mit dem ehemaligen Feind so auf Tuchfühlung zu bewegen. Es war für sie jedenfalls ein seltsames Gefühl, einfach hier seien zu können, so zu sagen im einstigen Feindesland.
„Das alles hier kann einen schon ein wenig depressiv machen“, meinte Walter schließlich nachdenklich, „so habe ich es mir nicht vorgestellt.“
Ole navigierte den Fahrer auf Umwegen nach Radow, ohne seinen Begleitern zu sagen, dass es einmal sein Heimatdorf gewesen war, und ließ ihn unten am See halten.
„Lasst uns ein wenig die Füße vertreten“, meinte er. Es war für ihn ein unbeschreibliches Gefühl, als freier Mensch diesen Boden wieder zu betreten. Er war überglücklich und fühlte sich als Feigling und zerrissen zugleich. Wie würde er reagieren, wenn er jetzt jemandem von früher gegenüber stünde. Unwillkürlich setzte er sich zur Tarnung Baseballkappe und Sonnenbrille auf. Es war ihm, als wäre er der Junge von damals, der zu spät nach Hause gekommen war, und eine Moralpredigt oder Prügel zu erwarten hatte. Nein, dieses Wiedersehen hätte er wohl doch besser alleine, ohne Begleitung planen sollen, denn er befürchtete, seine Gefühle nicht in den Griff zu bekommen.
Der kleine Ort schien wie ausgestorben, als die drei auf dem Kopfsteinpflaster hinauf zu seinem Elterhaus am Ende der Dorfstraße spazierten, wo sie kurz verweilten, und Ole unauffällig mit Herzklopfen nach irgendeinem Lebenszeichen im Bereich des Hauses suchte. Nein, da war nichts. Und auch auf den Nachbarsgrundstücken konnte er niemanden entdecken. Doch auf dem Rückweg sahen sie, wie auf dem kleinen Friedhof gerade jemand zur letzten Ruhe gebettet wurde. Deshalb also waren im Dorf keine Leute anzutreffen. Die drei änderten ihren Kurs und steuern geradeswegs auf die kleine HO-Gaststätte zu, die ganz früher mal privat gewesen war, um dort einen kleinen Imbiss zu einzunehmen oder wenigstens eine Tasse Kaffee zu trinken.
An der Tür hing ein Schild:‚Vorübergehend geöffnet’. Ole registrierte auch hier fast keine Veränderung in all den Jahren, im Gegenteil, er empfand es jetzt nur noch viel schlampiger, und so war es auch. Auf der Terrasse standen einige Stühle und Tische angeschmuddelt kreuz und quer herum, in der Ecke ein vergammelter Sonnenschirm, der dort sicherlich schon überwintert hatte, und die Bodenplatten waren uneben und grün bemoost.
Der Gastraum mit seinen faden Neonleuchten an der Decke kam Walter vor, wie ein Lagerschuppen in dem man nur ein paar Tische und Stühle lieblos abgestellt hatte. Nein, da hatte die billigste Fernfahrerbude im mittleren Westen mehr Charme. Die Parolen an den Wänden aus der DDR Zeit, die Ole damals so albern empfunden hatte, waren allerdings nicht mehr da, nur an den hellen Stellen und den dunklen Rändern konnte man erkennen, dass sie all die Jahre überlebt haben mussten. Aber der Mief war geblieben. Ja, der Geruch war es, der Ole seine Erinnerungen gleich wieder lebendig werden ließen. Hier hat damals sein Vater in seiner Eigenschaft als kommunistischer Vorturner und Aktivist im Arbeiter- und Bauernstaat die politischen Phrasen gedroschen von Planerfüllung, dem sowjetischen Brudervolk, von Imperialisten und Kriegstreibern. Ja, das konnte sein Vater – aber saufen, das konnte er auch. Hier haben sie die sozialistische Internationale und ‚Auferstanden aus Ruinen’ gebrüllt – und das besonders, wenn sie besoffen waren. Demnächst allerdings sollte Ole erfahren, dass das von seinem Vater alles nur Show gewesen war, aber im Augenblick empfand er es wie damals als äußerst primitiv.
Eine mollige Bedienung mittleren Alters mit blank gescheuertem Dress und fettem Hinterteil, die strähnigen Haare zu einer Art Pferdeschwanz zusammengeschnürt, nahm die elegant dunkel gekleideten Herren in Empfang:
„Wenn sie zur Beerdigung wollen, die ist da drüben“, und zeigte dabei in Richtung Kirche. Verdutzt über diesen unfreundlichen Ton blickten die drei die Frau wortlos an.
„Wenn sie essen wollen, wir haben heute kein Essen. Wir haben nur Beerdigungskaffee.“
Die Gäste schüttelten die Köpfe und murmelten so etwas wie einen Gruß, während die Frau ihnen den Platz anwies:
„Sie sind sicher von drüben?“
Dann sah sie Ole unvermindert an.
„Irgendwie kenne ich sie. Waren Sie schon einmal hier?
Ich vergesse kein Gesicht.“
Ole tat so, als verstünde er kein Wort und verzog auch keine Miene, weil er die Frau wieder erkannte, denn sie waren einmal gemeinsam in einer Grundschulklasse gewesen, kam aber nicht auf ihren Namen. War ja auch unwichtig. Als die drei sich setzten, kommandierte sie:
„Hier wird aber nicht geraucht!“
Walter staunte über den rüden Ton, Ole und Joe sahen sich belustigt an. Dieser Empfang war natürlich etwas für Oles Verfassung.
„Three coffee, please“, sagte er lässig, als könnte er kein Deutsch. „Drei Kaffee“, kam es zurück und sie wackelte davon. Ole griff in seine Brusttasche, holte in aller Ruhe zwei Zigarren heraus, reichte Joe eine, um dann gemeinsam mit ihm dieselben in hoffähiger Zeremonie in Brand zu setzen, wobei sie genüsslich, provozierend den blauen Dunst in die leere Halle bliesen, in der sie die einzigen Gäste waren. Die Bedienung brachte den Kaffee mit dem nachdrücklichen Befehl:
„Hier wird nicht geraucht! Nix schmoking!“ wiederholte sie. Ole sah die Frau freundlich an und drehte die Zigarre ruhig zwischen den Lippen hin und her, während Joe mit seiner Zigarre auf Walter zeigte und lachend erwiderte: „No smoking – this man“, und sich lächelnd für den Service bedankte.
„Seht ihr“, sagt Ole, als die Frau sich kopfschüttelnd davon machte, „mit dieser Situation ist sie überfordert. So etwas kennt sie nicht. Hier werden Gäste von der Bedienung noch immer nur geduldet, eben weil Service für sie Arbeit bedeutet, und solche Flegeleien sind nach wie vor untersagt.“
Es waren Oles Erinnerungen, die hier rebellierten. Die Umgebung, der Geruch, der Ton der Bedienung und diese absolut billige Atmosphäre hatten all die Jahre gut überlebt. Es war für Ole eine innere Genugtuung, eine Art Befreiung, sich hier und heute nicht zu ducken.
„Lasst uns gehen, ich ersticke hier in der Bude“, sagte er kurz darauf, wobei er einen 10 DM-Schein auf den Tisch legte und mit Joe und Walter aus dem ungastlichen Haus floh.
Um zu ihrem Wagen zu kommen, mussten sie den Weg entlang der kleinen, maroden Natursteinmauer am Friedhof gehen, wo auf der anderen Seite mittlerweile die Trauergemeinde um ein Grab versammelt stand. Joe und Walter sahen kurz und interessiert hinüber, Ole blickte ein wenig peinlich berührt gerade aus, weil er befürchtete, es könne ihn doch jemand erkennen, und er sich dann in der Pflicht fühlte, irgendwie zu reagieren.
Dort, wo der Wagen parkte, unten am See, waren zwei Jungen am Angeln. Ole ging zu ihnen:
„Hallo Jungs, beißen sie?“
„Nee, ist nicht so doll“, kam die Antwort, wobei einer der
beiden den Beuteeimer ein wenig schräg hielt.
„Wer ist denn da gestorben?“ fragte Ole, wobei er in Richtung Friedhof nickte.
„Die Frau von dem Lehrer.“
„Von welchem Lehrer?“
„Von Kosche.“
„Marlen Kosche?“
Ole blieben fast die Worte im Hals stecken.
„Ja“, antworteten die Jungen zugleich gelangweilt mit Blick auf ihre Angelposen. Wie Blitz und Donner zugleich traf es Ole, und er stand da, wie zur Salzsäule erstarrt. Er wollte einen lauten Schrei auf den See hinausbrüllen, aber er hatte keine Stimme. Er empfand plötzlich das Rauschen der Zitterpappel über ihm als ein ohrenbetäubendes Getöse, bis es allmählich in ein grandioses Vogelkonzert überging, das er zuvor nicht wirklich registriert hatte. Und dann setzte der Kuckuck noch einen drauf, indem der seinem Ruf ein „Chra-Chra-Chra“ folgen ließ, als wollte er Ole auslachen. Wie häufig hatte sein Vater Heinz ihm vorgehalten, dass er doch ein Kuckucksei sei und es sich im gemachten Nest gut gehen ließ. Als Kind hatte er es anfangs nicht begriffen, aber irgendwann wurde ihm die Bedeutung klar, obwohl doch keine Geschwister da gewesen waren, die er aus dem Nest hätte werfen können. Joe spürte, dass mit Ole etwas nicht stimmte, ging zu ihm, legte ihm die rechte Hand auf die Schulter, wartete einen Moment und sagte ruhig, ohne nach dem Grund zu fragen:
„Komm, Ole, komm.“
„Das war meine Mutter, die sie da beerdigt haben“, antwortet er leise monoton, „auch ihretwegen bin zurück gekommen.“
Ole und Joe waren in Vietnam unzertrennliche Freunde geworden. Niemand kannte Ole so gut wie Joe. Heute sah er zum ersten Mal wieder den Ausdruck im Gesicht seines Freundes, dass dieser jetzt bereit gewesen wäre, durch das Sperrfeuer eines Maschinengewehrs zu laufen. Doch dann zog Ole sein Gesicht gerade, drehte sich um und marschierte mit Joe wortlos zum Wagen.
Sie fuhren den direkten Weg zurück nach Berlin.
Glaubte Ole vor wenigen Stunden noch, seine Kindheit wieder finden zu können, so empfand er es jetzt, als ob sie gerade für immer zu Grabe getragen worden war. Er war zurückgekehrt, um seine geliebte Mutter ganz fest in die Arme zu nehmen. Er wollte ihr doch noch so vieles erklären, sich dafür entschuldigen, dass er damals so ohne Abschied auf und davon gelaufen war. Er hatte sich alles dies vorgenommen, nachdem er sich zur Rückkehr durchgerungen hatte, und nun musste er erfahren, dass sie gerade gestorben war.
Nein, seine Eltern hatten es nicht leicht gehabt bei all dem Unsinn, den er immer wieder verzapft hatte. Wenn er dann von seiner Mutter Dresche bekam, war es wohl berechtigt, auch wenn es ihr danach jedes Mal wieder leid tat. Doch wenn Vater Heinz in seinem Alkoholrausch sich an dem Jungen austobte, dann musste Mutter Marlen ihn schon in Schutz nehmen. Aber es waren nicht alleine die Prügel, die Ole geschmerzten, viel mehr tat es weh, wenn Vater Heinz dabei jedes Mal darauf hinwies, dass Ole nicht sein Kind sei, und dass seine Erzeuger nicht die besten gewesen sein konnten, und er wohl sehr schlechte Erbanlagen mit bekommen habe. Ole konnte es anfangs nicht verstehen, bis er irgendwann vom Marlen aufgeklärt wurde, mit dem Hinweis, dass es für sie keinen Unterschied gäbe, ob er wie Elke aus ihrem Bauch oder aus dem Bauch von jemandem anderes gekommen sei. Aber Streiche konnten auch zu einer gefährlichen strafbaren Handlung werden, wenn man sie im Entferntesten politisch interpretierte. Doch so lange Heinz Kosche in Radow über die Einhaltung der roten Bekehrung zu wachen hatte, gab es keine Mitteilung über derartige Entgleisungen.
Aber alles in allem hatte Ole eine glückliche Kindheit gehabt in dem kleinen Dörfchen Radow, deren Bewohner sich weder in der DDR noch in der wechselvollen Zeit davor politisch besonders hervor getan hatten. Man kannte sich wie in einer großen Familie und keiner machte dem anderen etwas vor. Es änderte sich auch nichts, als das Schloss nach dem Krieg zum Waisenhaus wurde und die vielen elternlosen Kinder hier aufwuchsen. Sie wurden so selbstverständlich in die Dorfgemeinschaft integriert, als wären sie hier geboren.
Oles Erinnerungen wurden lebendig, als er daran dachte, wie häufig er einst mit seiner Schwester Elke im Gras gelegen, den Vogelflug beobachtet und davon geträumt hatte, wie die da oben die Freiheit zu genießen und über alle Grenzen hinweg in die Welt zu fliegen. Auch sein großer Freund Felix, dem eine Granate am Kriegsende noch einen Fuß abgerissen hatte, träumte mit, wenn sie in der Abenddämmerung auf der Bank hinter dem Kutscherhaus saßen. Sie träumten von Amerika, dort, wo die Sonne unter ging. Doch sie konnten nur träumen, denn ihnen war klar, dass diese Sehnsucht wohl nie gestillt würde, so lange sie die DDR gefangen hielt, so lange sie dort eingesperrt waren.
Die Tatsache, dass Ole schon frühzeitig wusste, dass Heinz und Marlen nicht seine leiblichen Eltern waren, sensibilisierte unterschwellig seinen Familiensinn, er wollte diese Familie. Hätten bei Kriegsende die Kosches ihn nicht als Säugling behalten, so wäre irgendein kaltes Waisenhaus sein Zuhause geworden. Das war es wohl auch, weshalb er seinen Vater Heinz trotz allem mochte, weshalb er seine Mutter Marlen liebte, und weshalb er seine Schwester Elke vergötterte, eben seine Familie. Ole liebte sein Paradies, die Menschen und die Tiere. Er mochte die im Kutscherhaus, seine Freunde im Dorf und die im Waisenhaus. Und alle mochten Ole, mochten seine Art, seine Freundlichkeit und akzeptierten seine unaufdringliche Dominanz.
Es war still im Wagen auf der Rückfahrt zum Hotel, denn die Erinnerungen hielten Oles Gedanken gefangen. Diesen Weg hatte er damals auf seiner Flucht in der Nacht mit dem Fahrrad genommen, und heute ließ er sich hier auf derselben Straße in einer Luxuskarosse chauffieren. Tausend Dinge gingen ihm wieder und wieder durch den Kopf, doch er bemühte sich, seine Gefühle zu beherrschen.
Sie kamen an die Stelle, wo er sich damals als Siebzehnjähriger in die Spree gleiten ließ, um nach Westberlin zu flüchten und ließ den Fahrer halten.
„Halt hier Grenze“, sagte der spontan, ein wenig scherzhaft, ironisch. Ole schwieg eine Weile, wobei er stumm durch die Windschutzscheibe aufs andere Ufer starrte. Wieder sah er im Geiste die Scheinwerfer über das Wasser gleiten, und wieder spürte er, wie sie ihn ins Visier nahmen. Hatte man ihn damals überhaupt angerufen, oder hörte er gleich die Maschinengewehre und wie die Geschosse um ihn herum einschlugen bis eins seine Schulter traf und gleich darauf eins seinen Kopf streifte? Und wieder war da der kurze Schmerz, denn gleich danach hatte er die Besinnung verloren. – Obwohl er es schon herausgefunden hatte, fragte Ole monoton:
„Ossi oder Wessi“, wobei er mit dem Finger auf den Fahrer zeigte, ohne ihn dabei anzusehen.
„Ossi“, antwortete er mit einem leichten Grinsen, weil sein amerikanischer Gast diese Bezeichnungen benutzte. Der war ein paar Jahre älter und könnte theoretisch damals auch ein Grenzschütze gewesen sein, überlegte Ole ruhig und fragte in reinem Deutsch:
„Hier sind die Flüchtlinge rüber nach Westen geflohen?“
Der Fahrer stutzte, war sein Gast gar kein Amerikaner?
„Ja, hier haben sie es auch versucht.“
„Was waren das für Leute and warum?“, versuchte Ole die Einstellung des Fahrers zu ergründen.
„Kriminelle, Deserteure, die wohl keine Lust zum Arbeiten hatten, Republikflüchtlinge eben.“
„Alle?“
„Na ja, warum sollten sie sonst die DDR verlassen.“
„Dann habt ihr auf sie einfach geschossen?“
„Ja, das waren ja Republikflüchtlinge, Staatsfeinde sozusagen“.
„Warum? Warum habt ihr die Staatsfeinde nicht einfach laufen lassen?“
Keine Antwort. Der Fahrer wusste es nicht. Wie sollte er heute die kommunistischen Argumente für Republikflucht erklären. Diese Form von Konversation wurde ihm äußerst unangenehm und dann:
„Weiß nicht.“
„Warum habt ihr sie einfach tot geschossen, warum? Komm, sag es!“
Ole kochte, weil er merkte, dass neben ihm einer von denen saß, die er zu tiefst hasste und bedrängte ihn weiter:
„Du hast auch geschossen, was?“
„Nein, ich nicht“.
„Nein, ich nicht, Nein, ich nicht, immer nur die anderen!“
Wieder keine Antwort. Dem Fahrer wurde diese Fragerei immer unangenehmer und überlegte, wie er diesen Dialog beenden könnte. Hätte er sich doch nur nicht diesen, anfangs so netten Amerikanern, geoutet. Oles ganze Wut richtete sich jetzt stellvertretend gegen diesen Mann für alles, was man ihm damals angetan hatte. Unterschwellig machte er ihn dafür verantwortlich, dass die Mutter gestorben war, bevor Ole sie noch einmal in den Arm nehmen konnte und ihr alles sagen konnte, was ihn die vielen Jahre bewegte. Nach einer Weile angespannter Ruhe im Wagen zischte Ole den Fahrer an:
„Komm, steig aus!“.
Der stieg aus, während Ole langsam seine Tür öffnete und vor den Wagen trat. Er zog seine Jacke aus, warf sie auf die Motorhaube, dann seine Krawatte. Er knöpfte sein Hemd auf, zog es aus und zeigte ihm die Narbe auf dem Rücken, wobei er in der anderen Hand das Hemd hielt und den Kutscher dabei anbrüllte:
„Hier, das wart ihr erbärmlichen Kommunistenschweine. Genau hier im Wasser wolltet ihr mich umbringen. Und du hättest mit Sicherheit auch geschossen oder hast es sogar getan. Ihr seid doch alles Arschlöcher und bleibt unverbesserliche, faule Kommunistenarschlöcher. Was habt ihr mit meiner Heimat und den Menschen hier gemacht?“
Oh, ein ehemaliger Landsmann! Der Fahrer war geschockt und wollte noch was sagen.
„Halts Maul!“ herrschte Ole ihn an und „zum Hotel“, wobei er sein Hemd wieder anzog und in die Hose steckte. Seine Krawatte knotete er während der Fahrt wieder zurecht. Funkstille. Dann drehte Ole sich zu den beiden im Fond um. Walter blickte wie erstarrt, Joe sah ihm in die Augen und schmunzelte. Er kannte Ole zu gut, er kannte auch seine Geschichte und wusste, dass er sich normalerweise nicht wirklich aufregte, aber heute? Ihm schienen der heutige Tag und der Tod seiner Mutter wirklich sehr nahe gegangen zu sein.
Zurück im Hotel sagte Ole an Walter gewandt:
„Den Kerl will ich nicht mehr sehen.“
„Das war mir schon klar“, kam es monoton zurück. Ann hatte die drei schon in der Halle erwartet. Ole und Joe setzten sich in eine ruhige Ecke, während Ann und Walter zur Rezeption gingen, um die eingegangene Korrespondenz zu holen. Ole griff in die Brusttasche und zog sein Zigarrenetui heraus.
„So, jetzt wollen wir aber erst einmal in Ruhe unsere Cohiba rauchen, die uns heute Morgen vergönnt war“.
Als Ann und Walter sich zu ihnen setzten meinte Joe:
„Zum Lunch ist es nun wohl zu spät. Sollen sie uns ein paar nette Häppchen machen.“
„Burger?“, fragte Ann schmunzelnd.
„Untersteh dich! Mit der Burgerproduktion werden sie hier wohl Schwierigkeiten haben“, warf Walter ein und bestellte zwei Whisky mit Eis zur Zigarre, zwei Milchkaffee und ein paar ‚nette Häppchen’.
Wohl nie hatte Ole anderen von sich erzählt, nur Joe kannte ein paar Begebenheiten und Anekdoten. Damals in Vietnam, als beide wochenlang am Boden zerstört und allein hinter den feindlichen Linien im Dreck gelegen hatten und jeden Tag glaubten, es sei ihr letzter. Ja, damals hatten die beiden sich gegenseitig vieles aus ihrem jungen Leben, das noch nicht einmal zwanzig Jahre alt war, anvertraut und sich gegenseitig das Versprechen abgenommen, irgendjemanden aus ihrem bisherigen Dasein, der ihnen nahe gestanden hatte, über die
