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Wer zweideutig denkt, hat eindeutig mehr zu lachen. Aufgewachsen in einer Zeit, in der es Schleckmuscheln und Flutschfinger gab, ist es kein Wunder, dass man dazu neigt, zweideutig zu denken. Denn Dinge sind oft nicht so, wie sie sich anfangs darstellen. Eine Kurzgeschichtensammlung, frech, lustig und zweideutig. Hier ist wirklich alles zweideutig! Da Lachen ja bekanntlich die beste Medizin ist, handelt es sich bei dem vorliegenden Buch gewissermaßen um ein therapeutisches Werk.
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Seitenzahl: 181
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Silvia Rottmar
Das Schleckmuschelsyndrom
Vorsicht, akute Zweideutigkeit! Hier ist nichts, wie es scheint.
Engelsdorfer Verlag 2019
Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Copyright (2019) Engelsdorfer Verlag
Alle Rechte bei der Autorin
Buchcover:
Gestaltung: Tino Hemmann
Foto: Silvia Rottmar
Lektorat:
Birgit Rentz, Itzehoe
E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2019
Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)
www.engelsdorfer-verlag.de
Cover
Titel
Impressum
Vorwort
Ich habe ihn rausgeschmissen!
Frühstück bei Ute
Eine Gruppe für sich
Das Rendezvous
Das heulende Elend
Das Fahrzeug der Zukunft
Abschied von einem guten Freund
In der Stille der Nacht
Engelsaugen
Horst und Hubsi
Oh du schöner Weihnachtsbaum
Wo ist Dietrich?
Treue Wegbegleiter
Die Einladung
Total durchgedreht
Ein Herz und eine Seele
Nicht mein Sport
Eine wahrhaft treue Seele
Wie scharf ist das denn?
Ganz schön dick, Mann!
Ein ganz normales Telefongespräch
Heiße Rippchen
Meine beste Freundin
Das Treffen
Eine Orgie für die Sinne
Der Hauptgewinn
Das Klassenzimmer
Die Familienfeier
Nachbarschaftshilfe
Sechs Stück
Ganz schön abgefahren
Der Unterschied liegt in der Anzahl der Ts
Mein Retter in der Not
Essen ist toll
Ein Mann für alle Fälle
Gewinngeheimnisse
Frauengeflüster
Kleidervorschrift
Millowitsch
Mutter verzweifelt gesucht
Die Last mit den Lastern
Im Ton vergriffen
Ein dickes Fettnäpfchen
Ein großer Sänger
Lebenslänglich
Rasen tötet
Ab jetzt ohne ihn
Die mitgenommene Alte
Ein heißer Sommertag
Fisch
Im falschen Film
Das Bauprojekt
Die Hochzeitsnacht
Herr Schröder
Saturday Night
Andere Länder, andere Sitten
Ein starkes Seil
Die letzten Worte
Heiße Liebe
Ist mir latte
Schaum vorm Mund
Ein Korb mit Stil
Die Beförderung
Eine Maus kommt selten allein
Prima, ’ne Ballerina!
Das Salz im Brot
Mord im Schrebergarten
Erklärungen
Danke
Die Autorin
So wie die Jungfrau zum Kind gekommen ist, so ähnlich ist auch die Idee zu diesem Buch entstanden.
Mein alter Backofen hatte den Geist aufgegeben, weshalb ich mir einen neuen kaufen musste. Über dieses Ereignis postete ich einen kleinen Beitrag auf einer Internetplattform. Ich versuchte, das Geschehene auf lustige Art und Weise an den Mann – und natürlich auch an die Frau – zu bringen, was mir offensichtlich sehr gut gelang.
Da mein Text ein wenig zweideutig geraten war, dachten viele meiner Freunde, ich hätte meinen Mann rausgeworfen und nicht den Herd. Selbst die Firma Bauknecht, von der der neue Backofen war, sah den Beitrag und fand ihn so lustig, dass ein Mitarbeiter im selben Stil auf diesen Post antwortete.
So entstand die erste zweideutige Geschichte zu diesem Buch. Schon bald stellte ich fest, dass mir Zweideutigkeit im Blut liegt. Das ist aber auch kein Wunder, denn schließlich bin ich – Baujahr 1966 – mit Flutschfingern und Schleckmuscheln aufgewachsen. So etwas musste Spuren hinterlassen!
Im Übrigen finde ich: Wer zweideutig denkt, hat eindeutig mehr zu lachen.
Im Laufe der Zeit schrieb ich weitere Geschichten zum Schmunzeln. Ich hoffe, du hast beim Lesen genauso viel Spaß wie ich beim Schreiben. Los geht es mit der Geschichte »Ich habe ihn rausgeschmissen« – die Geschichte, mit der alles begann.
Übrigens: Personen und Handlungen sind frei erfunden, außer ich erwähne ausdrücklich die Herkunft und somit den Geschichtengeber. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Handlungen sind rein zufällig – oder auch nicht. Wenn sie nicht zufällig passiert sind, dann entspringen sie einzig und allein meiner blühenden Fantasie.
Nun aber viel Spaß mit meinen Geschichten!
Eure
Silvia Rottmar
»Endlich!«, werden jetzt bestimmt einige von euch sagen. Ihr habt mir ja schon seit einiger Zeit gesagt, dass das mit uns beiden nicht mehr lange gut gehen kann. Ich habe mir diese Entscheidung auch wirklich nicht leicht gemacht. Eine Beziehung, die bereits seit mehr als zehn Jahren besteht, die schmeißt man nicht einfach so weg, und deshalb habe ich versucht, unsere Beziehung zu retten.
Wir hatten ja auch sehr schöne Zeiten, an die ich gerne zurückdenke. In besonderer Erinnerung ist mir der Tag, an dem wir diesen Kuchen gebacken haben. Mann, was hatten wir beiden für einen Spaß! Nur leider ist inzwischen die ehemals heiße Luft, die von ihm ausging, einem lauen Lüftchen gewichen. So kann es nicht weitergehen.
Ihr braucht euch aber um mich keine Sorgen zu machen. Ich habe mich in einen anderen verliebt, und der ist einfach toll! Ja, ich weiß, ich hätte ein bisschen warten sollen, bevor ich mir einen Neuen ans Bein binde, aber ich muss gestehen: Ich kann nicht ohne. Wo er doch so gut aussieht und von innen heraus strahlt. Einfach klasse, dieser Typ. Und was der alles kann – Hammer! Sogar Brot kann er backen. Wahnsinn, oder?
Na ja, es heißt schließlich nicht umsonst: »Bauknecht weiß, was Frauen wünschen.« Trotzdem, meinen armen alten Privileg-Backofen werde ich vermissen. Warum musste aber auch seine blöde Heißluftfunktion kaputt gehen?
Aufgrund dieser Kurzgeschichte, die ich in ähnlichem Wortlaut auf einer Internetplattform veröffentlichte, entstand die Idee zu diesem Buch. Der in meinem Vorwort angesprochene Kommentar der Firma Bauknecht lautete wie folgt:
Meine liebste Silvia,
auch wenn zehn Jahre eine lange Zeit sind und Du sicherlich noch das eine oder andere Mal an Deinen Verflossenen denken musst, freue ich mich auf die gemeinsame Zeit mit Dir. Auf ganz viele kreative Herausforderungen, die unsere Beziehung festigen und weiterbringen. Und auf so viel Spaß, dass Du Deinen alten Backofen bald vergessen wirst. Auf eine glückliche Zeit freut sich Dein »Neuer« Bauknecht Backofen.
Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen, hierauf zu antworten:
Ja, ich glaube auch, dass wir ein tolles Team werden.
Zurzeit stehst du noch etwas hilflos hier herum, aber das liegt sicher daran, dass du bisher keinen richtigen Anschluss gefunden hast. Ich habe einen Freund – er ist Elektriker – gefragt, ob er sich nicht mal mit dir unterhalten kann. Von Mann zu Mann sozusagen. Leider hatte er bis jetzt keine Zeit, aber er wird das sicher in den nächsten Tagen nachholen.
Ich hoffe, du bist nicht sauer, weil ich dir nicht gleich von meiner Tochter erzählt habe. Wenn man in eine komplette Familie hineinkommt, ist es immerhin etwas schwierig. Na ja, dich habe ich ja auch nicht so ganz allein bekommen, denn du bist quasi ein Set. Dein Sohn ist aber auch zu niedlich, und ich habe mich sofort in euch zwei verliebt, als ihr da so hilflos in der Haushaltswarenabteilung herumstandet. Besonders niedlich fand ich diese vier großen Kreise auf seiner Kleidung.
Hach, ich glaube, wir werden eine ganz tolle Zeit miteinander haben und eine glückliche Patchworkfamilie werden. Wir müssen uns nur erst aneinander gewöhnen.
Neulich war ich mit zwei meiner Freundinnen bei unserer Freundin Ute zum Frühstück eingeladen. Alle paar Wochen wechseln wir uns gegenseitig mit einem Frühstück ab.
Als ich in Utes Küche kam, war der Frühstückstisch festlich gedeckt und es standen allerlei Köstlichkeiten für ein richtiges Schlemmerfrühstück bereit. Nachdem ich all die Leckereien bewundert hatte, fiel mein Blick plötzlich auf ihn. Er sah schlecht aus, völlig blass, und wie ich fand, auch ziemlich mager. Ich konnte meinen Blick nicht mehr von ihm abwenden. Was war denn nur los mit ihm? So farblos hatte ich ihn noch nie gesehen!
Eigentlich war er sonst immer ziemlich braun, zu braun für meinen Geschmack, aber das muss ja jeder selber wissen. Ich habe bisher unter keinem Solarium eine solche Bräune erreicht, und glaubt mir, ich werde für gewöhnlich sehr schnell braun!
Mein fragender Blick in Utes Richtung, die gerade den Raum betrat, wurde nicht beantwortet. Ich glaube, sie hatte noch gar nicht bemerkt, wie schlecht er an diesem Tag aussah.
Nachdem ich ihn mir aus der Nähe angesehen hatte, wirkte er auf mich, als sei ihm kalt. Wer weiß, wo er wieder übernachtet hatte. Wahrscheinlich war er in dieser kalten, kleinen Bleibe gewesen. Da musste er sich ja nicht wundern, wenn er krank wurde.
Ute schien meine Gedanken nun doch zu erraten, denn sie zischte mich an: »Ich habe ihn schon heiß gemacht!«
Pah! Das hätte ich ja gerne gesehen, wie sie ihn heiß gemacht hatte. Vielleicht hätte sie das lieber mir überlassen sollen. Es schien ja nicht funktioniert zu haben, sonst würde er jetzt wohl kaum so aussehen.
Während meine Freundinnen in ein Gespräch über den neusten Nachbarschaftsklatsch vertieft waren, schweiften meine Gedanken ab. Vielleicht würde er mit etwas mehr Farbe nicht mehr ganz so blass wirken? Es musste ja nicht Braun sein. Rot vielleicht? Ja, Rot würde ihm gut stehen!
So tauchte ich schließlich meinen Kaffeelöffel tief ins Marmeladenglas und verpasste ihm einen ordentlichen Klecks schöner roter Marmelade. Farblich sah er zwar jetzt um einiges besser aus, doch dann konnte ich nicht mehr an mich halten. »Mensch, Ute, ich glaube, dein Toaster ist defekt – oder du hast die falsche Bräunungsstufe eingestellt! Was ist denn das für ein Toastbrot? Bäh! Das ist ja total weich und labberig. Du hattest es bestimmt in der Gefriertruhe, oder? Wenn du es aus der Gefriertruhe holst, musst du die Toastbrotscheiben einfach länger toasten«, belehrte ich sie.
»Ach ja, stimmt«, gab sie kleinlaut zu. »Ich habe nicht daran gedacht, dass er gefroren länger braucht.«
»Weißt du was? Gib mir einfach das Toastbrot und ich mache uns schnell ein paar frische Scheiben«, bot ich an.
Kurze Zeit später hatten wir dann schöne, braune, knusprige Toastbrotscheiben und damit ein perfektes Schlemmerfrühstück.
Er hasst sie wirklich, und nicht nur einen aus ihrer Gruppe, ich glaube, er hasst sie einfach alle.
Okay, manche von ihnen finde ich auch etwas sonderbar, aber direkt hassen tue ich sie nicht. Man weiß ja auch gar nicht, welche Lebensgeschichte im Einzelnen hinter dem jeweiligen Gesicht steckt.
Etwas seltsam sind sie ja schon. Man sieht sie ganz selten allein und ich habe noch keinen von ihnen sprechen hören. Vielleicht sprechen sie aber auch unsere Sprache nicht. Da ich sie nicht so oft sehe, weiß ich nicht viel über sie und kann hier nur Vermutungen anstellen. So denke ich, dass sie aufgrund ihres Aussehens aus einem anderen Land hierhergekommen sind. Ich tippe da mal auf die asiatische Gegend. Na ja, eigentlich kann man heute anhand der Hautfarbe und der Form der Augen auch keine Herkunftsländer mehr sicher bestimmen. Ein Afrikaner kann beispielsweise genauso gut in Köln-Nippes geboren sein wie in Afrika. Nur weil er beliebt ist und mit vielen Leuten Kontakt hat, ist das ja nicht gleich sein Stamm.
Sie sind auf jeden Fall schon früh unterwegs. Heute Morgen zum Beispiel ist mir bereits um 7.36 Uhr der Erste von ihnen begegnet, und ein paar Minuten später waren sie schon wieder eine ganze Gruppe.
Das ist aber auch ein komischer Haufen, wenn sie da so zusammen sind. Ich habe sie mir jetzt einmal genauer angesehen. Völlig unterschiedliche Typen sind dabei. Der eine guckte total schüchtern, ein anderer hatte wohl gerade einen Lachkrampf, denn ihm standen Tränen in den Augen. Wieder ein anderer sah mich ängstlich an. Einer fiel mir besonders auf. Der hatte vielleicht einen bösen Blick drauf. Also, dem möchte ich nachts nicht allein begegnen. Da kann es einem angst und bange werden. Vielleicht war er aber auch einfach nur schlecht drauf und guckte deshalb so grimmig in die Weltgeschichte.
Ich fange wohl langsam damit an, die negative Einstellung ihnen gegenüber zu übernehmen. Und das nur, weil einer meiner Freunde sie hasst? Sollten etwa aus meiner kritischen Betrachtungsweise Vorurteile gegen sie entstanden sein? Eigentlich ist so etwas nicht meine Art, denn grundsätzlich mag ich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, erst einmal jeden. Ich habe es nämlich schon oft erlebt, dass der erste Eindruck auch täuschen kann.
So hatten wir mal einen Lehrer, der sah total blöd aus. Am Ende war es aber der Lehrer, von dem wir am meisten lernten und der immer für uns da war und sich für uns einsetzte.
Manchmal mag man ja auch jemanden nicht, nur weil er Ähnlichkeit mit einer anderen Person hat, die man nicht leiden kann.
So sehe ich mir dann doch lieber jeden genau an, und daher werde ich auch dieses Grüppchen im Auge behalten. Solange sie niemandem etwas antun, können sie machen, was sie wollen. Von mir aus auch in Gruppen.
Wie ist das denn eigentlich mit euch? Mögt ihr diese Smileys in eurem Smartphone, oder findet ihr sie auch so doof?
Kennt ihr das? Ihr habt am Abend etwas vor und freut euch den ganzen Tag wie Bolle darauf und zählt die Stunden, bis es endlich so weit ist? Dabei bekommt ihr dieses blöde Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht und es kann euch niemand – aber auch wirklich niemand! – den Tag versauen?
Tja, so ein Tag ist heute. Um 20.00 Uhr wird es so weit sein. Ich habe mindestens schon tausend Mal auf die Uhr gesehen, aber die Zeit scheint heute irgendwie zu kriechen. Komischerweise läuft die Zeit ja doppelt so schnell, wenn man etwas Unangenehmes vor sich hat.
Trotzdem konnte mir an diesem Tag bisher nichts und niemand die gute Laune verderben. Ich habe die ganze Zeit gegrinst, was das Zeug hielt, und hatte sogar ein Lächeln für den Typen übrig, der mir den Parkplatz vor der Nase wegschnappte.
Was sollte es auch, bei mir ist ja heute eh Kriechuhrzeit, da konnte ich locker auf den nächsten freien Parkplatz warten. Auch der trödeligen Alten an der Kasse vor mir gelang es nicht, mich aus der Ruhe zu bringen, nachdem sie der Kassiererin ihr ganzes Kleingeld auf das Laufband gekippt hatte. Diese musste dann mühselig zwölf Euro siebenundsechzig zusammenzählen. Ich war so gut gelaunt, dass ich ihr sogar noch beim Einpacken ihrer Ware half.
Wenn man gut drauf ist, dann ist man auch automatisch doppelt so nett.
Nun ist es inzwischen kurz vor acht, als ich ihm endlich gegenüberstehe. Ich schaue mich kurz um und finde, dass hier alles ziemlich perfekt aussieht. Die Kerzen brennen, der Wein ist eingeschenkt und sein Duft raubt mir fast den Atem. Ich habe das Gefühl, dass sogar meine Brille beschlagen ist – einfach irre!
Ich gehe einen Schritt auf ihn zu und öffne dabei den obersten Knopf meiner Bluse, als mich plötzlich ein lautes Klingeln an der Türe, aus meiner – ziemlich guten – Stimmung reißt. Untermalt wird das Ganze von einem lauten Schrei meiner Tochter: »Maaaaaaaamaaaaaaaaaaaaa, es ist Julia! Sie fragt, ob ich noch mit ihr nach draußen gehen darf!«
»Jaaaaaaaaaaa, geh nur, mein Kind!«, brülle ich im gleichen schrillen Ton zurück. Ich kann mein Glück kaum fassen, denn wenn sie jetzt geht, dann bin ich ganz allein. Na ja, genau genommen sind wir dann allein. Könnte es besser laufen? Wohl kaum!
Ich höre, wie die Türe ins Schloss fällt, und dann ist es ruhig. Sofort ist diese Spannung wieder da – und ähm, wo war ich noch gleich stehen geblieben?
Ach ja, ich war dabei, meine Bluse aufzuknöpfen.
Während ich den zweiten Knopf öffne, muss ich plötzlich laut lachen. Mein Blick fällt nämlich auf den Namen meines Schaumbades. Er, der Badeschaum meiner Wahl, heißt »Welcome Sunshine« und ist aus der »Feel Good Edition«. Was für ein bescheuerter Name für ein Schaumbad!
Was soll es, denn was gibt es Schöneres, als nach einem anstrengenden Tag ins warme Badewasser zu gleiten und in Schaumbergen zu versinken?
Ach ja, meine Brille ist tatsächlich beschlagen. Ich habe viel zu heißes Wasser in die Wanne laufen lassen.
Eigentlich war es ein Tag wie jeder andere auch. Auf dem Weg vom Sport nach Hause hielt ich, wie so oft, noch kurz am Supermarkt an, um ein paar Besorgungen zu machen.
Zwischen all den Leuten sah ich sie plötzlich stehen. Sie stand dort, einsam und verlassen. Niemand nahm Notiz von ihr, und das schien sie umso trauriger zu machen. Sie sah ziemlich heruntergekommen aus. Ein fröhlicher Anblick war weiß Gott etwas anderes.
Ich weiß auch nicht, warum mich ihr Anblick so berührte. Heute sieht man fast an jeder Ecke großes Elend, und jedem zu helfen ist eigentlich fast unmöglich. So lief ich auch erst einmal weiter und setzte meinen Einkauf fort.
Sie ging mir jedoch nicht mehr aus dem Kopf. Wenn es mir derart schlecht ergehen würde, dann wäre ich auch froh, wenn mir jemand helfen würde. So vergewisserte ich mich nach meinem Einkauf, ob sie noch immer da war. Ja, ich fand sich gleich wieder, denn sie stand unverändert an derselben Stelle wie zuvor. Auch weiterhin nahm keine Menschenseele Notiz von ihr.
Plötzlich konnte ich nicht anders. Ich ging zu ihr und erklärte ihr, dass ich sie jetzt mitnehmen würde. Ich wusste zwar nicht, ob sie mich verstand und was mein Mann dazu sagen würde, wenn er sah, dass ich sie mitgenommen hatte. Aber ich musste es einfach tun, ja ich fühlte, dass es die richtige Entscheidung war. So ging ich mit ihr zum Auto, lud sie ein und fuhr nach Hause.
Zuerst war ich etwas unsicher, wie ich mit ihr umgehen sollte. Als Erstes gab ich ihr ein großes Glas Wasser, denn sie schien schon ewig keine Flüssigkeit mehr zu sich genommen zu haben. Zum Dank gab sie ein paar glucksende Geräusche von sich. Sollte das ihre Sprache sein, dann würde ich mich erst einmal daran gewöhnen müssen. Ich nahm aber an, dass die Geräusche aufgrund der trockenen Blumenerde um sie herum entstanden waren.
Wahrscheinlich stand sie schon tagelang, wenn nicht gar seit Wochen, im Supermarkt, ohne versorgt zu werden. Leider sieht man es dort häufiger, dass die angebotenen Blumen und Grünpflanzen nicht versorgt werden und sie langsam, aber sicher vertrocknen.
Da sie ein Namensschild trug, wusste ich wenigstens, mit wem ich es zu tun hatte. Ihr Name lautete Amaryllis (Hippeastrum). Ich hoffte sehr, dass es für sie noch nicht zu spät war und ich sie retten konnte.
Deshalb holte ich auch erst einmal einen großen Blumentopf aus meiner Abstellkammer und befüllte ihn mit frischer Blumenerde, in die ich sie sanft bettete. Danach bekam sie einen schönen hellen Platz auf meiner Fensterbank im Büro. Ich konnte nur hoffen, dass ihr das neue Zuhause gefiel. Jetzt blieb mir nur abzuwarten, ob meine Rettungsaktion geglückt war.
Eigentlich habe ich ja überhaupt keinen grünen Daumen. Ich schaffe es sogar, Kakteen eingehen zu lassen, und dazu gehört schon einiges.
Jetzt, ein paar Wochen später, jedoch steht meine Amaryllis wie durch ein Wunder in voller Blüte. Sie hat drei dicke rote Blüten und sieht richtig toll aus.
Mag ja sein, dass es Einbildung ist, aber ich glaube, die Pflanze will mir hiermit ihre Dankbarkeit zeigen. Auf jeden Fall hat sich die Rettungsaktion gelohnt und ich hoffe, dass meine Amaryllis noch viele Jahre so schön blühen wird.
Sie heißen Liberty, Ligero, Roomba, Drive Kombi, Nitro, Topro Troja, Dolomite Jazz oder Drive Migo. Es gibt sie in so tollen Farben wie Midnight Blue, Titanium, Champagne, Mokka, Anthrazit, Saphirgrau, Caffee Latte, Kelly Green und sämtlichen Metallicfarben.
Noch nie gehört? Es sind aber alles aktuelle Fahrzeuge, die anscheinend besonders bei der älteren Generation gut ankommen. Ich vermute mal, weil diese Fahrzeuge eine super Ausstattung wie zum Beispiel Flexspiegel, Doppelfunktionsbremsen, pannensichere Bereifung, LED-Rückleuchten und Multihalter haben und einfach zu bedienen sind.
Wie viel PS man mit diesen Fahrzeugen erreichen kann, weiß ich allerdings nicht. Hierzu habe ich keine Angaben gefunden. Allerdings sind es nicht wenige, denn letzte Woche wurde ich beinahe von einer älteren Dame in einem Affentempo über den Haufen gefahren. Ich konnte gerade noch zur Seite springen, sonst hätte sie mich voll erwischt.
Je nach Marke und Modell verkörpert so ein Fahrzeug ja für den Fahrer ein bestimmtes Lebensgefühl, eine Aussage an die Umwelt oder eine echte Leidenschaft. Was diese Fahrzeuge und deren Besitzer mir jedoch mitteilen wollen, weiß ich noch nicht so genau. Vielleicht: »Hey, guck, ich bin der King of the Road!«, zumindest fahren und parken manche ihre Fahrzeuge so. Vielleicht ist es aber auch: »Schau, ich kann schneller fahren, als ich gucken kann!« Oder aber: »Ich kann viel langsamer fahren, als eine Schnecke läuft.«
Meine Oma hatte auch so einen Rollator oder Gehwagen, aber sie fuhr damit immer sehr rücksichtsvoll und parkte ihr Gefährt ordentlich ein.
Wäre es nicht sinnvoll, wenn Rollatorfahrer ein kleines Fahrtraining absolvieren müssten und dann für ihre Fahrkünste einen Rollatorführerschein erhielten? Ein spezielles Sicherheitstraining wäre auch gut, denn es ist schließlich nicht so einfach, Kurven, Kanten, Schrägen und Unebenheiten mit einem Rollator zu meistern. Ein Rollatorkennzeichen fände ich auch gut, damit ich anhand dessen herausfinden kann, wer seinen Rollator mitten im Weg geparkt hat.
Die etwas Rüstigeren unter den Rollatorfahrern könnten kleine Arbeitsgänge mit ihrem Rollator erledigen. Vorne ließe sich eine große Bürste anbringen, mit der die Straße gereinigt werden könnte, oder im Winter ein Schneeschieber. Hiermit könnte sich mancher Rentner seine Rente aufbessern.
Es ist aber schön zu sehen, dass auch in dieser Fahrzeugsparte an den Modellen gearbeitet wird und sie im Laufe der Zeit moderner werden. Auch die Ausstattung bietet immer mehr Hilfe.
Sollte ich in ferner Zukunft mal so ein Fahrzeug benötigen, dann aber bitte eins mit allen Schikanen, zum Beispiel mit eingebautem Navigationssystem und Smartphonehalterung. Damit ich zusammen mit meiner Freundin auch auf jeden Fall das nächste Tanzlokal finde.
Ich habe mich an dich gewöhnt. Du bist ein Teil der Familie. Wir kennen dich nun schon so lange. Das Alter hat im Laufe der Jahre einige Spuren an deinem Aussehen hinterlassen. Tja, der Zahn der Zeit nagt an uns allen. Da geht es dir nicht anders als uns.
Ich weiß noch, als wir uns zum ersten Mal begegneten. Du sahst einfach prächtig aus und wir mochten dich sofort. Stolz standst du im Raum und im Vergleich zu mir hattest du eine enorme Größe. Du warst ein ruhiger Typ und ertrugst alle meine Launen. Nie hast du dich eingemischt, wenn es Streit gab. Das war einfach super!
