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Ohne Freiheit in der DDR zu leben, ist in den 1960er Jahren nicht immer leicht. Und dann verliebt sich die junge Chirurgin Roswitha auch noch in einen Mann aus der Bundesrepublik! Sie will der DDR den Rücken kehren, doch der Fluchtversuch misslingt und ein schlimmes Jahr beginnt … Roswitha Breitschaft schildert den menschenverachtenden Alltag im Gefängnis, in dem der Einzelne kaum noch etwas wert ist. Aber sie erzählt auch vom ganz normalen Leben in der DDR, von den Absurditäten der sozialistischen Planwirtschaft, von der Verlogenheit der Funktionäre, der Allgegenwärtigkeit der Stasi und von dem verinnerlichten Prinzip der Bürger, das es zu verfolgen gilt, wenn man unbehelligt leben will: Sage nie laut, was du denkst - sage immer das, was von dir erwartet wird. Ein wertvoller Zeitzeugenbericht, geschrieben von einer hochintelligenten Frau, die auch unter härtesten Lebensumständen ihre moralischen Werte und ihr Mitgefühl nicht einen Augenblick lang verloren hat.
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Seitenzahl: 157
Veröffentlichungsjahr: 2016
Inhalt
Impressum
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Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
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© 2016 novum Verlag
ISBN Printausgabe: 978-3-95840-072-6
ISBN e-book: 978-3-95840-073-3
Lektorat: Susanne Schilp
Umschlagfoto: Roswitha Breitschaft
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum Verlag
www.novumverlag.com
1
Krachend fiel die Tür hinter mir zu – eine Tür, die innen keine Klinken hat.
Dann hörte ich das widerliche Geräusch des sich im Schloss drehenden riesigen Schlüssels und das Ratschen des Riegels, der die schwere Tür doppelt sicherte.
Da stand ich nun in einem kleinen Raum – meiner Zelle.
Zum ersten Mal in meinem Leben stand ich in so etwas, was man sonst nur aus einem Krimi kennt und auf dessen Bekanntschaft ich liebend gern verzichtet hätte: einer Gefängniszelle!
Ich schaute mich um: Drei Augenpaare richteten sich neugierig und erwartungsvoll auf mich, die neue Mitgefangene.
Langsam tröpfelte die Erkenntnis in mein Gehirn: Ich, Dr. Roswitha Dierschke, war im Gefängnis!
Plötzlich kam mir die ganze Absurdität dieser Situation zum Bewusstsein. Schließlich war ich ein Spross einer seit Jahrhunderten redlichen Familie, war als Ärztin hauptsächlich auf das Wohl anderer bedacht. Von meinen Eltern war ich mit hohen moralischen Ansprüchen erzogen worden. Nun saß ich im Gefängnis und hatte ja doch tatsächlich nichts Böses getan!
Und weil mir diese Situation auf einmal so absurd vorkam und meine Nerven stark überreizt waren, fing ich plötzlich fürchterlich an zu lachen. Ein nicht zu stoppendes Gelächter brach aus mir heraus. Ich konnte einfach nichts anderes als lachen und lachen.
Meine drei Mitgefangenen trauten ihren Augen nicht und glaubten sicher, ich sei total durchgeknallt (und vermutlich war ich das auch irgendwie!). Sie hatten Weinen oder Fluchen, depressives Schweigen oder Toben erlebt, aber nicht lachen. Und so zogen sie sich ängstlich auf ihre Betten zurück.
Nachdem ich mich einigermaßen beruhigt hatte, schaute ich mich um: Die Zelle war winzig.
An den Seiten stand je ein Doppelstockbett. Zur Tür hin war ein Waschbecken und eine Kloschüssel ohne irgendeinen Sichtschutz; gegenüber der Tür waren schmalbrüstige Spinde, davor ein Tisch mit vier Hockern. Dazwischen war so wenig Platz, dass wir vier Gefangenen kaum alle gleichzeitig im Mittelgang stehen konnten.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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