Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Das Leben des Londoner Barkeepers David Cole wird aufgrund eines noch nie da gewesenen Ereignisses von einem auf den anderen Moment völlig auf den Kopf gestellt. Es folgt ein Wettlauf gegen die Zeit, in dem es um nicht weniger geht als den Untergang der Menschheit. Der uralte Kampf Gut gegen Böse wird dabei ein für alle Mal entschieden. Würde die Welt solche Veränderungen überleben? Ist die uns bekannte Realität das, was sie zu sein scheint oder liegt da noch viel mehr im Verborgenen unserer Geschichte sowie unseres Selbst?
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 370
Veröffentlichungsjahr: 2020
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Alexander Reiter
Das Schöpfer-Gen
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
Marylebone, Dorset Square, London/Samstag, 9.10 Uhr (GMT)
Downing Street Nr. 10, Westminster, London/10.30 Uhr (GMT)
Kings College, London/12.45 Uhr (GMT)
Royal Air Force Base Northolt/16.30 Uhr (GMT)
Über dem Nordatlantischen Ozean/18.45 Uhr (GMT)
Kings College, London/19.00 Uhr (GMT)
Nordatlantischer Ozean, Regierungsmaschine/19.15 Uhr (GMT)
Kings College, London/6.00 Uhr (GMT), 5 Tage bis zum Blutmond
Altiplano-Hochebene, Bolivien/4.00 Uhr (GMT), 0.00 Uhr(BOT)
Altiplano, Bolivien/6.15 Uhr (GMT), 2.15 UHR (BOT), 4 Tage bis zum Blutmond
Kings College, London/10.00 Uhr (GMT), T-4 bis zum Blutmond
Ticuanaco, Bolivien, Tempelanlage/5.00 Uhr (BOT), T-4 Tage
Rio Jucu, Bundesstaat Espirito Santo, Brasilien/6 Tage zuvor, T-10 bis zum Blutmond
Bolivien, Altiplano, Kommandozelt/7.30 Uhr (BOT), T-4
London, Downing Street 10, Büro des Premierministers/16.00 Uhr (GMT)
Ticuanaco, Bolivien, Tempelanlage/7.30 Uhr (BOT), T-4
Bolivien, Altiplano/8.20 Uhr (BOT)
Kings College, London/16.30 Uhr (GMT)
Altiplano, Bolivien/10.00 Uhr (BOT)
Altiplano, Bolivien, Verpflegungszelt/17.30 Uhr (BOT), T-4
Kings College, London/20.00 Uhr (GMT)
Altiplano, Bolivien, Camp der Abgesandten/18.00 Uhr(BOT)
Altiplano, Bolivien, Dr. Callahans Wohnwagen/18.00 (BOT)
Kings College, Hörsaal/2.30 Uhr(GMT), T-3
Church House, London/11.30 Uhr (GMT)
Altiplano, Bolivien/19.30 Uhr (BOT), T-3
Altiplano, Bolivien, Callahans Wohnmobil/20.30 Uhr (BOT)
Altiplano, Bolivien, Verpflegungszelt/10.15 Uhr (BOT)
Altiplano, Bolivien, Verpflegungszelt/11.00 Uhr (BOT)
Altiplano, Kommandozelt/12.00 Uhr (BOT)
Kings College ,London/22.30 Uhr (GMT), T-2
Downing Street, London/21.00 Uhr (GMT), T-2
Altiplano, Bolivien, Callahans Wohnwagen/T-2
Altiplano, Lager der Abgesandten/15.30 Uhr (BOT), T-2
Regierungsmaschine, Internationaler Luftraum, Ziel Bolivien/2.00 Uhr (GMT)
Altiplano, Bolivien, Wohnbereich/16.45 Uhr (BOT), T-2
Coles Erinnerungen
Altiplano, Lager der Abgesandten/21.15 Uhr (BOT), T-2 Tage
Coles Erinnerungen
Altiplano, Lager der Abgesandten/22.10 Uhr (BOT), T-2
Coles Erinnerungen
Kings College, London, DNA-Labor/14.00 Uhr (GMT), T-2
Coles Erinnerungen
Altiplano, Lager der Abgesandten/23.00 Uhr, T-2
Altiplano, Bolivien, Landebahn/4.00 Uhr (BOT)
Altiplano, Kommandozelt/4.30 Uhr (BOT)
Altiplano, Coles Wohnmobil/(BOT)
Altiplano, Prof. Callahans Wohnmobil/7.30 Uhr (BOT)
Altiplano, Coles Wohnmobil/10.00 Uhr (BOT)
Altiplano, Laborwagen/11.30 Uhr (BOT)
Coles Wiederkehr
Die Wächter
Das Fest des Lebens
Der Morgen danach
Tayna Aché
Der Einzug des Lebens
Es beginnt
Altiplano, Kommandozelt von General Mason/noch wenige Stunden bis zum Blutmond
Altiplano, Sonnentor/Stunde null
Die Fenris
Bere Shiit
Erstes Blut
Der Kampf
Engelstod
Mason
Ein Neubeginn
Epilog
Zu guter Letzt
Impressum neobooks
Der Schlüssel der Geschichte ist nicht in der Geschichte, er ist im Menschen.
Théodore Simon Jouffroy
Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, wäre ich wahrscheinlich verrückt geworden, andererseits hätte das ja auch nichts geändert.
Ich höre in meinem Kopf noch die mahnenden Worte meiner Mutter: „Bleib brav und mach mir keine Sorgen!“ Wenn sie wüsste, wie weit ich davon entfernt bin, nun da sich mein Leben von dem einen auf den anderen Moment in einen Wahnsinn ohne Ende transformiert hat. Eine einzelne Woche, und nichts ist mehr, wie es war. Ich bin nicht mehr derjenige, der ich war.
Wer – oder besser – was ist nur aus mir geworden? So, wie ich die Sache sehe, stehe ich wieder ganz am Anfang.
Vergangenheit, Zukunft, Zeit, Raum und Existenz sind seit ein paar Tagen schrecklich relativ.
Jeder ist seines Glückes Schmied? Ach, das ist doch lachhaft!! Hat man denn eine Wahl? Tausend Gedanken schwirren mir durch den Kopf, alles erscheint neu, muss neu bewertet werden. Gibt es eine Realität, die wirklich Bestand hat?
Vielleicht bin ich gar nicht mehr in der Lage, zu unterscheiden, was wirklich ist und was nicht, und finde Dinge heraus, die ich besser im Dunkel des Geistes gelassen hätte.
Ich gehe durch die Nacht – und muss plötzlich innerlich schallend lachen. Werde ich jetzt verrückt? O Mann, ich muss mich zusammenreißen! Ruhig bleiben, tief durchatmen und konzentrieren. Alles von Anfang an. Und wenn es der Anfang vom Ende ist.
Ich muss Gewissheit haben.
Rise and shine, Scheißwecker! Mein Kopf fühlte sich an, als hätte eine Horde Irrer in ihm eine Jamsession durchgezogen, mit Nutten, Bier und allem Drum und Dran. Gott, ich muss echt versuchen, mit dem Saufen aufzuhören, dachte ich.
Ich versuchte den Typen, der mir im Spiegel müde entgegenblickte, behelfsmäßig zu waschen, stellte die Kaffeemaschine an und fummelte aus meiner Jeans eine Zigarette heraus. Die Sonne schien durch die Vorhänge meiner Wohnung, es versprach, ein schöner Tag zu werden.
Langsam kamen meine Lebensgeister wieder. Ich zog mich an – das Übliche: Jeans und Poloshirt. Dafür, dass ich die ganze Nacht unterwegs gewesen war, sah ich eigentlich echt gut aus. Spieglein, Spieglein an der Wand … klar doch, ich! Na dann, David Cole, auf in die Arbeit – fuck, I love my job!
Auf dem Weg zur Haustür bemerkte ich, dass mein Anrufbeantworter blinkte. Ich wandte mich noch einmal um und lauschte amüsiert einer Tirade meines Chefs: „He, du Sack, es ist neun Uhr, wir haben heute Mittag die Bude voll und ich habe dir doch gesagt, dass Steve krank ist. Komm in die Gänge, du Arschloch, sonst kannst du morgen woanders arbeiten!“
Na, super. Irgendwann in dieser Nacht war mir entfallen, dass wir ausgemacht hatten, heute ein paar Stunden früher anzufangen. Also genau genommen hatte er mir das im Pub bei unserem Feierabendbier – dem ersten – gesagt.
Ich ging die Balcombe Street entlang Richtung Marlebone Station und kaufte mir im Corner Shop noch eine Dose Red Bull und Kippen. Mein indischer Freund dankte mir wie üblich mit „Thank you for your custom“ und ich drückte ihm einen Fünf-Pfund-Schein in die Hand, der irgendwie aussah, als hätte ich ihn letztens mit meiner Jeans mitgewaschen. Irgendwann würde ich ihn fragen, ob er wusste, dass er sich wie der Typ von den Simpsons anhörte.
Ich fuhr mit der Rolltreppe nach unten, sprang gerade noch rechtzeitig in den letzten Waggon der Bakerloo Line und trat an der Station Charing Cross wieder ins Freie. Meistens ging ich das letzte Stück ins Drunken Pony zu Fuß, so hatte ich noch genug Zeit für eine Zigarette. Mit einer Sonnenbrille auf der Nase ließ sich das grelle Morgenlicht auch einigermaßen ertragen.
Am Pony angekommen, schnippte ich den Stummel meiner Benson auf den Boden, marschierte die Stufen rauf ins Pub und drückte die Tür auf.
„Oh, wie schön, dass du es auch mal schaffst zu erscheinen!“, schallte es mir entgegen. Paul Richards, mein Chef, sah eigentlich aus wie immer. Seine Arbeitskluft bestand aus Jeans, weißem Baumwollhemd und seiner heißgeliebten Latzschürze. Sein Gesichtsausdruck war allerdings nicht wie immer.
„Sorry, Paul, ich hab verschlafen.“
Das Stirnrunzeln vertiefte sich.
Mist. Falscher Ansatz.
„Ach, fuck you! Ich will einmal erleben, dass du pünktlich bist, nachdem wir einen trinken waren.“
Ich versuchte es mit einem Witz. „Na, das könnte schwierig werden, Chef, es sei denn, wir gehen in ’ne Milchbar.“ Auch das zog nicht.
Paul rollte mit den Augen. „Du bist ein echter Arsch, weißt du das?“, sagte er und gab mir mit einer herrischen Handbewegung zu verstehen, dass ich mich an die Arbeit machen sollte.
Das Pony liegt direkt am Covent Garden und befindet sich im ersten Stock mit einer schönen Terrasse und direktem Blick auf den Platz, auf dem Straßenkünstler ihre Darbietungen zum Besten geben. Wir hatten meist jüngeres Publikum und es war immer viel los, so gesehen war es der beste Platz in London, um Mädels kennenzulernen. Seit nun drei Jahren stand ich hinter dem Tresen, zapfte Bier, mixte Drinks und beglückte die Ladies mit selbsterfundenen Kreationen mit mehr oder weniger Zündstoff. Ein cooler Job – und mal davon abgesehen, dass mir Paul manchmal auf die Nerven ging, wenn es um meine Arbeitsmoral ging, war er mein bester Freund.
Ich brachte also unter seinen kritischen Blicken die Bude auf Vordermann und stellte auch noch schnell ein paar Aschenbecher auf die Terrasse. Die Sonne strahlte, und es dauerte nicht lang, da kamen die ersten Gäste und verlangten Seelentröster oder einfach ein Steak mit Fritten und einem Bier. Pauls Laune besserte sich, der Laden brummte und ich sackte eine Menge Trinkgeld, nicht nur von den Chicas, ein. Alles war wie immer. Doch plötzlich änderte sich alles!
Zuerst hörte ich nur einen Aufschrei der Menge auf dem Platz. Eigentlich nichts Besonderes, denn wenn die Künstler gut waren, ging es hier schon mal ab. Aber dann stürzten die ersten Gäste geradezu brüllend von der Terrasse zu uns in den Gastraum. Ich warf das Handtuch, mit dem ich gerade ein Glas polierte, auf den Tresen und drängte mich durch die Flüchtenden nach draußen. Was hatte die Leute nur so erschreckt? Ein Amokläufer? Doch es waren keine Schüsse zu hören.
Die Gäste rannten panisch umher, Stühle und Tische stürzten um, es herrschte das reinste Chaos. „Fuck! Was ist denn hier los?“, schrie Paul, fast gleichzeitig erreichten wir die Brüstung, blickten auf den Platz und – die Hölle tat sich vor uns auf.
Ich weiß nicht, wie lange wir schweigend dastanden, das war aber auch egal. „Wir sind im Arsch“, war das Einzige, was Paul über die blutleeren Lippen kam.
Da hatte jemand, oder etwas, ein etwa dreißig Meter breites Loch in den Platz gerissen, das alles in seinem Umkreis verschlang, zerfetzte und zermalmte. Wenn man hineinblickte, sah man – wie soll ich es beschreiben? – einen grässlichen, blutgetränkten Höllenschlund, und das Grauen, das er ausstrahlte, kroch mir durch Mark und Bein. Da war ein Loch in den Platz gerissen oder vielmehr in unsere Welt. Nicht durch eine Explosion, es war einfach nichts mehr da. Nur durch das Entfernen des Raumes, in dem sich gerade eben noch munter die Menschen an den Straßenkünstlern erfreuten. Es fehlte schlicht ein Stück der Welt, der Realität, wie wenn man ein Fenster von der anderen Seite geöffnet und dabei ein Loch in unsere Existenz gerissen hätte. Ich krallte mich am Geländer fest, mein Mund wurde trocken, ich brachte nur ein entsetztes Krächzen heraus. Das da unten, das war nicht die Welt, die ich kannte. Der Platz war dunkelrot vor Blut. Von den meisten Leuten, die darauf gestanden hatten, war nicht mal mehr genug übrig, dass man sie hätte identifizieren können. Doch das war noch nicht das Schlimmste. Es war der Blick in dieses Loch, der Blick auf das, was sich darin befand – ein Blick in eine andere Welt, der die Kälte des Todes ausstrahlte. Der Himmel, die Pflastersteine auf dem Platz, die Häuser, die ihn umrahmten: alles nur noch Kulisse in einem Theater des Wahnsinns. Doch nicht allein dieser Anblick war es, der mich erschauern ließ, da war noch mehr, ein Gefühl das sich in mir breitmachte und mich zu erfüllen begann.
Die Schreie verstummten, und es wurde langsam still. Nur vereinzelt war noch Schluchzen zu hören. Die Überlebenden auf dem Platz standen da wie versteinert. Es gab ja auch keinen Ort, an dem sie sich verstecken konnten, denn irgendwie war das alles … endgültig. Eine Welle von Hilflosigkeit und Ehrfurcht überflutete mich, gepaart mit einer Art Urangst die mich erschauern ließ.
Als wäre das alles nicht genug, erschien inmitten dieser grauenhaften Gegenwelt eine Frau. Sie schwebte über dem Loch, zumindest sah es so aus, als würden ihre Füße den Boden nicht berühren. Sie trug ein langes, weißes Kleid, ihr Gesicht war blass, ihr schwarzes Haar hing ihr bis auf den Rücken hinab, und sie musterte die Menschen um sich herum mit einem fast belustigten Ausdruck. Ich beugte mich vor, versuchte mehr zu erkennen, da wandte sie sich in unsere Richtung, als hätte sie meine Bewegung bemerkt.
Ihr Blick durchbohrte mich, und ich umklammerte mit zitternden Händen das Geländer. Ihre Lippen bewegten sich nicht, doch jetzt erklang ihre Stimme in meinem Kopf. „Mach dich bereit!!“, sagte sie. Und sie meinte ganz eindeutig mich. Nicht Paul, der wie vom Blitz getroffen neben mir stand, nicht das Mädchen, das unterhalb der Terrasse im Staub kniete, nicht einen der Menschen, die sich an die blutbesudelten Häuserwände pressten – nein, mich. Ganz klar mich.
Wofür? Wie? Wieso ich? Fragen rasten durch meinen Kopf, doch bevor ich nur eine einzige davon stellen konnte, war die Erscheinung verschwunden. Der Riss schloss sich geräuschlos, zurück blieben Angst, Verzweiflung und blutgetränkter Beton. Jetzt erst bemerkte ich, dass ich am ganzen Körper zitterte.
Als Paul neben mir seine Stimme wiederfand, klang er erstaunlicherweise weder verstört noch ängstlich. Er zündete sich eine Benson an und steckte mir auch eine in den Mund. Dann legte er mir die Hand auf die Schulter und spähte mir ins Gesicht. „Dave, du Penner, was für eine verdammte Scheiße hast du da wieder am Arsch? Ich sag dir, es ist echt nicht leicht, mit dir befreundet zu sein.“
Ich sog gierig an der Zigarette, sie war das, was mich in der Realität festhielt, und wartete, bis die Welt um mich herum aufhörte, sich zu drehen. Mit schleppenden Schritten ging ich von der Terrasse in den Gastraum und ließ mich auf den erstbesten Stuhl fallen.
„Hast du … hast du das auch gehört?“, fragte ich und erkannte meine Stimme kaum wieder.
Paul nickte. „Ich mach uns erst mal eine Tasse Tee! Mit Schuss, denn ich glaub, das ist jetzt auch schon egal. Und dann erklärst du mir bitte, warum und worauf du Vollhonk dich vorbereiten sollst. Ich kenn dich jetzt echt schon lange, und soweit ich das einschätzen kann, sind deine einzigen Talente Saufen und Weiber Klarmachen.“
„So viel Blut und so viel Tod, Paul“, flüsterte ich und presste die Hände auf die Knie, damit sie aufhörten zu zittern. „Hat sie wirklich mich gemeint? Was mach ich denn jetzt?“
„Ruhig, Dave, bleib ruhig, okay!“ Paul hantierte hinter der Theke mit dem Wasserkocher. „Fakt ist, Dave, da draußen ist die Kacke am Dampfen, wenn ich auch keine Ahnung habe, was ich da gerade gesehen habe, und ja, scheinbar hängst du da irgendwie mit drin.“
„Ach du Scheiße, das glaubst du doch nicht wirklich, oder?“
„David Cole, du warst gerade in meinem Kopfkino, und das ist ein Ort, wo ich dich eigentlich nie im Leben sehen wollte, comprende? Ich hab dich, also uns beide, mit ihren Augen gesehen, verstehst du? Das war vollkommen abgefahren! Und ja, sie sagte was von wegen du sollst dich vorbereiten.“ Paul schenkte Earl Grey in zwei große Tassen und gab einen großzügigen Schuss Rum hinein. Er kam um den Tresen herum, drückte mir eine Tasse in die Hand.
Ich beugte mich darüber, atmete tief ein, der Bergamotte-Duft und die Wärme drangen in meine Nase, wanderten in mein Hirn, und so langsam begann ich wieder zu fühlen, wer ich war. Ich war Dave Cole, ein ganz normaler Barkeeper ohne Ambitionen als Filmstar. Mehrere Schlucke Tee später holte ich mein Handy hervor und wählte die Nummer meiner momentanen Flamme.
„Hey Claire, alles klar bei dir?“
Sie schrie ins Telefon: „Dave, verdammt noch mal! Was läuft denn bei dir, um Himmels willen? Du warst in meinem Kopf, David, also eigentlich in allen Köpfen, um genau zu sein. Alle meine Kollegen … was war das?“
Also hatte sie es auch gesehen … Ich schüttelte verzweifelt den Kopf. „Geh heim, Claire, und schließ die Tür ab, ich ruf dich wieder an, sobald ich weiß, was hier los ist, okay?“
„Dave, ich konnte es sehen! Wir alle konnten es sehen! Sie hat uns so viel Leid, so viel Schmerz gezeigt …“
Jetzt weinte sie, ich konnte die Hoffnungslosigkeit und Hysterie in ihrer Stimme hören. „David“, sagte sie schließlich. „Ich kann das nicht!“
„Was meinst du?“, fragte ich.
„Ich weiß nicht, in was du da hineingeraten bist, aber ich kann das einfach nicht! Es ist aus mit uns.“
„Hey, easy Claire, keine Ahnung, was hier läuft, aber ich werde es rausfinden, okay??“
Sie schluchzte leise: „Mach ’s gut, Dave!“ Die Leitung erstarb.
„Scheiße, ich glaub, ich brauch ’ne neue Freundin“, sagte ich zu Paul, nachdem ich das Handy weggelegt hatte. „Sie hat es auch gesehen“, ergänzte ich nach einem weiteren Schluck Tee. „Anscheinend hatten wir eine London-weite Live-Sendung.“
Paul lehnte sich neben mir an einen Tisch, atmete tief durch und sagte: „Trink aus. Und dann sollten wir vielleicht abwarten. Denn wenn das alles wirklich so gelaufen ist, wenn alle das gesehen haben, ist hier gleich eine ganze Menge los, glaub mir. Du kannst raten, ob erst die Bullen kommen oder das Fernsehen. Und wenn nicht, sollten wir uns unbedingt einweisen lassen.“
Andernorts war hingegen an Tee nicht zu denken. Karen Stanley, die Bürochefin des englischen Premierministers Matthew Harper, führte ein Telefonat nach dem anderen. Die Informationen überschlugen sich regelrecht, aber es war meistens mehr wissenschaftliches Blabla, nicht die konkreten Erklärungen, die sie – und ihr Chef – sich dringend wünschten. Sie hätte am liebsten den Kopf in die Hände gestützt und in Ruhe darüber nachgedacht, was hier eigentlich vor sich ging, aber diesen Luxus konnte sie sich heute nicht leisten. Sie nahm die letzten Blätter aus dem Drucker, zupfte sich das Kostüm zurecht, warf einen kurzen Blick in den Spiegel und auf in den Kampf. Im Arbeitszimmer des Premierministers war der ganze Krisenstab zusammengekommen. Mit einem Wort: Ausnahmezustand.
„Wir müssen jetzt handeln, unbedingt eine Presseerklärung herausgeben, Sir“, ertönte es von einer Seite des Raumes.
„Wir sollten den nationalen Notstand ausrufen, Prime Minister“, hallte es von der anderen. Als Karen den Raum betrat, wurde sie von den Anwesenden kaum beachtet. In diesem Moment hörte sie gerade aus dem Lager der Royal Army verlauten: „Wir müssen jetzt unsere Truppen mobilisieren, Sir, jede Minute zählt.“
Premierminister Harper stand etwas abseits und blickte aus dem Fenster seines Arbeitszimmers. In der Ferne sah er Rauchsäulen aufsteigen, von mehr als nur einem Feuer.
„Prime Minister, wir müssen unsere Truppen mobilisieren“, wiederholte der General.
Jetzt drehte sich Harper um und verschränkte die Arme. „General, meine Herren, gegen wen sollen wir denn mobilmachen? Gegen eine unbekannte Frau? Was wollen Sie bekämpfen, General, von welcher Bedrohung reden wir denn hier? Wir müssen erst herausfinden, was genau geschehen ist! Also: Wenn jemand unter ihnen sein sollte, der mir sagen kann, wie ein Loch am Covent Garden entstehen kann und Augenblicke später wieder verschwindet, höre ich gerne zu. Und kann mir jemand erklären, warum scheinbar jeder Mensch auf der Welt diesen Wahnsinn vor seinem inneren Auge wahrgenommen hat?“
Nur Schweigen antwortete ihm. Die Mitarbeiter des Krisenstabs sahen ihn hilflos an.
Harper breitete die Arme aus. „Wir müssen erst einmal verstehen, womit wir es zu tun haben, dann können wir handeln.“
Die meisten nickten, nur General Mason schüttelte trotzig den Kopf. Karen seufzte lautlos. Für Mason gab es nur Angriff oder Niederlage, so kannte sie ihn.
Sie nutzte den Moment der Stille, trat auf den Premierminister zu und überreichte ihm die Mappe mit den Informationen, die sie bisher gesammelt hatte. „Sir, es gibt Neuigkeiten bezüglich des Mannes auf dem Balkon.“
„Danke, Karen, das ist sicher sehr nützlich. Schießen Sie los, wir sind ganz Ohr.“
„Ich, Sir?“
„Aber natürlich, es sind ja Ihre Recherchen.“
Karen wurde rot. Sie wusste, dass Harper ihre Arbeit schätzte, aber noch nie hatte er sie so in den Vordergrund geholt. Sie räusperte sich. „Der Mann, den wir alle auf dem Balkon gesehen haben, heißt David Cole. Er ist zweiunddreißig Jahre alt und arbeitet als Barkeeper in einer Bar, dem Drunken Pony. In Croydon aufgewachsen und zur Schule gegangen. Vater unbekannt, die Mutter Rosa ist 2010 verstorben. Cole war nach seiner Schulzeit bei der Horseguard und hat anschließend vier Jahre gedient. Während dieser Zeit wurde er einmal gerügt, wegen ungebührlichen Verhaltens. Man hat ihn sozusagen in flagranti mit einer Frau erwischt“, sie lächelte schief in die Runde, „und das auch noch während seiner Wache.“
Niemand lachte. Die Situation war zu ernst.
„Es gibt noch eine Anzeige wegen Körperverletzung“, fuhr sie fort, „die aber im anschließenden Verfahren fallengelassen wurde. Er ist in der Bar bei einem Ehestreit dazwischen gegangen und hat den Mann von der Terrasse über den Platz baumeln lassen, was der Richter als leicht übertrieben eingestuft hat. Es kam nur zu einem kleinen Bußgeld.“
Jetzt ertönte vereinzelt Gelächter.
„Cole lebt in einem Apartment in der Balcombe Street am Dorset Square. Aus Sicht der Nationalen Sicherheit gibt es keine Bedenken – er ist sauber.“
Der Premierminister nickte ihr zu. „Vielen Dank, Karen, wir sollten Mr Cole unverzüglich in die Downing Street einladen, um herauszufinden, was er damit zu tun hat. An seinem Lebenslauf kann es nicht liegen, vermute ich. Dennoch ist dieser Mann im Moment unsere einzige Option. Wir müssen feststellen, was hier vor sich geht. Ich will nicht, dass so etwas noch einmal passiert. Wir haben schließlich eine Verpflichtung gegenüber unserer Bevölkerung!“ Jetzt wandte er sich an den jungen Mann, der neben General Mason stand. „Blake, ich möchte unsere besten Wissenschaftler so schnell es geht hier haben. Und kümmern Sie sich darum, dass Callahan sofort eingeflogen wird.“
„Jawohl, Sir.“ James Blake, der persönliche Assistent, der mitverantwortlich war für die Sicherheit des Staatschefs, nickte.
„Und Blake, den Angehörigen der Opfer sprechen Sie bitte unser tiefstes Mitgefühl aus. Helfen Sie ihnen, wo es uns möglich ist. Stellen Sie sich ein Team zusammen und delegieren Sie, wenn nötig.“ Jetzt sah Harper alle Anwesenden der Reihe nach eindringlich an. „In fünfzehn Minuten werde ich eine Pressekonferenz geben, die Menschen brauchen Zuspruch. Karen, Sie bringen mir diesen Cole sofort hierher. Blake, geben Sie ihr die nötige Sicherheitsfreigabe.“
Blake sah Karen zweifelnd an. „Aber Sir, das verstößt gegen die Vorschriften …“
Harper hob die Hand. „Mr Blake, ich bin mir sicher, Sie werden das hinbekommen.“
Blake presste die Lippen zusammen. Karen wusste, dass sie in ihm keinen Freund hatte. Was daran liegen mochte, dass er sie mehrfach gebeten hatte, mit ihr auszugehen, und sie mehrfach abgelehnt hatte. Blake war seine Karriere wichtiger als alles andere, Karen wusste, dass er nur eine Trophäe in ihr sah.
„Ich sehe, wir verstehen uns“, sagte Harper jetzt, und ein stählerner Unterton schlich sich in seine sonst so sanfte Stimme. „General Mason, ich möchte, dass Ihre Truppen unsere Polizeikräfte unterstützen, um auf unseren Straßen wieder Ordnung herzustellen. Ziehen Sie öffentlich auf keinen Fall irgendwelche Schlüsse, spekulieren Sie nicht, sondern warten Sie die Konferenz ab, bevor Sie sich irgendwie äußern. Das gilt für alle hier! Das Meeting ist beendet. Wir treffen wieder zusammen, wenn wir mehr Informationen vorliegen haben. Gott schütze Britannien.“
Karen warf Blake einen auffordernden Blick zu. „Können Sie mir die Freigabe jetzt gleich erteilen? Ich kümmere mich selbst um einen Wagen und zwei Sicherheitsleute, die mich begleiten.“
Blake sah sie einen Moment an, als müsse er sich daran erinnern, wer sie war. „Natürlich“, erwiderte er kühl. „Sie erhalten das Dokument sofort über das Intranet.“
Covent Garden,London/11.15 Uhr (GMT)
Ich drehte die Teetasse in den Händen und starrte ins Leere. Das innere Zittern wollte einfach nicht nachlassen. Mach dich bereit, hatte sie gesagt. Paul fing an, die Aschenbecher einzusammeln und die Stühle hochzustellen, so dass Betty morgen leichter durchwischen konnte. Würden wir morgen öffnen? Oder überhaupt jemals wieder? Ich stemmte mich hoch, stellte die Tasse zu den gebrauchten Gläsern auf dem Tresen und ging noch einmal hinaus auf die Terrasse. Mittlerweile war die Polizei vor Ort, riegelte alles ab und hatte in Windeseile eine Art Plane über den ganzen Bereich gezogen. Doch ich würde das Bild vor meinem inneren Auge nie wieder vergessen, auch wenn sie den Platz neu betonieren würden.
„Dave, wir haben Besuch.“ Pauls Worte rissen mich aus meinem Gedanken. Sie wirkten zwischen den Tischen völlig deplatziert: zwei schwarz gekleidete Männer und eine junge Frau. Wow, ist die heiß, fuhr es mir durch den Kopf. Die Jungs hingegen sahen aus wie die typischen Bodyguards. Sonnenbrille, Bürstenhaarschnitt und – ich traute meinen Augen kaum – Halfter unterm Jackett. Was sollte das denn?
„David Cole?“, fragte die Hübsche ohne Einleitung.
„Das wäre dann ich, Miss.“ Ich stand auf und reichte ihr die Hand. Konnte ja nicht schaden, höflich zu sein. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Paul am Tresen lehnte. Seine lässige Haltung konnte nicht über seine Anspannung hinwegtäuschen.
„Karen Stanley, Büro des Premierministers, Mr Harper wünscht Sie zu sprechen.“
„Im Ernst? Der Premierminister? Hatte er auch, wie hast du das genannt, Paul? Kopfkino?“
„Soweit unsere bisherigen Informationen es zulassen, können wir sagen, dass jeder Mensch auf diesem Planeten Sie sehen konnte, Mr Cole.“
Ich warf Paul einen hilflosen Blick zu. „Na heilige Scheiße, eins zu null für dich.“ Ich fummelte mir eine Zigarette aus der Hose, und Paul gab mir ebenso wortlos Feuer.
„Mr Cole, Sie kommen jetzt mit uns“, sagte einer der beiden Herren.
„Nehmen Sie mich fest?“, fragte ich und trat vorsichtshalber ein paar Schritte zurück, bis ich an einen Tisch stieß.
Die Assistentin des Premiers hob beschwichtigend die Hände. „Nein“, sagte sie. „Aber wir müssen herausfinden, was hier vor sich geht und was Sie damit zu tun haben.“
„Gar nichts!“, betonte ich, doch ich wusste, dass ich gegen die zwei Gorillas keine Chance hatte. Um nicht völlig das Gesicht zu verlieren, antwortete ich schnoddrig: „Also, Schätzchen, da es sich scheinbar nicht vermeiden lässt, würde ich Folgendes vorschlagen: Wir haben uns alle lieb, die beiden Men in Black lassen ein bisschen Luft aus dem Hemd, und wir fahren auf dem Weg zur Downing Street noch schnell beim nächsten Corner Shop vorbei. Ich brauch noch Bensons.“ Kaum hatte ich meine Rede beendet, wusste ich, dass ich übers Ziel hinausgeschossen war.
Die junge Dame trat auf mich zu, bis sie direkt vor mir stand. In ihren Augen funkelte es, als sie trocken erwiderte: „Die Zigaretten sind Nebensache. Jeder Mensch auf der Welt kennt jetzt Ihr Gesicht. Glauben Sie mir, Mr Cole, ohne uns kommen Sie momentan maximal zwei Blocks weit. Leisten Sie keinen Widerstand, oder ich setze Sie auf dem Trafalgar Square aus … Schätzchen.“
Paul begann schallend zu lachen. „Aua, das hat gesessen“, sagte er, als er wieder reden konnte, klopfte mir auf die Schulter und warf sich seine Lederjacke über. „Ich komme mal besser mit, irgendjemand muss ja auf dich aufpassen.“
Karen Stanley musterte ihn kurz und gab mit einem fast unmerklichen Nicken ihr Einverständnis. Ehrlich gesagt, war ich froh darüber. Mir zitterten nämlich immer noch die Knie. Im Gänsemarsch verließen wir das Lokal, Paul zog die Tür mit einem heftigen Ruck zu und schloss sorgfältig ab.
Die beiden Gorillas positionierten sich links und rechts der schwarzen Limousine. Davor und dahinter stand jeweils ein Streifenwagen mit blinkenden Lichtern. Vor dem Einsteigen zögerte ich dennoch. „Ich weiß, dass wir es irgendwie eilig haben, aber könnten wir wirklich nicht kurz halten? Nur zwei Päckchen… Es dauert nicht lange, bestimmt…“
Karen Stanley ignorierte mich einfach. „Wir haben eine Polizeieskorte bis zur Downing Street, meine Herren. Also steigen Sie schon ein.“ Sie setzte sich uns gegenüber, schlug die Beine übereinander – schöne Beine in hochhackigen Schuhen, wie ich nicht umhin konnte zu bemerken –, und fixierte mich. „Und nun Folgendes, Mr Cole. Das gilt auch für Sie, Mr Richards: Alles, was Sie ab jetzt hören, unterliegt der Geheimhaltung. Ich weiß, Sie haben damit Erfahrung. Haben Sie das verstanden?“
Wir nickten beide wie die Schuljungen.
„Wenn wir angekommen sind, werden Ihnen einige Mitarbeiter Fragen stellen und Sie einer ärztlichen Untersuchung unterziehen. Wir gehen davon aus, dass Sie kooperieren.“
„Ich auch?“, fragte Paul dazwischen.
„Nur wenn Sie darauf bestehen“, gab Miss Stanley ungerührt zurück. „Anschließend wird Mr Cole dem Krisenstab bitte erklären, was er über diese Sache weiß. Bei Fragen wenden Sie sich bitte ausschließlich an mich. Diese beiden Herren“ – sie wies auf die Gorillas – „werden sich um Ihre Sicherheit kümmern. Sie sind bis auf Weiteres als stark gefährdet eingestuft, Mr Cole. Falls Sie etwas aus Ihrer Wohnung benötigen, werden wir es holen lassen. Und wenn Sie mir bitte noch Ihr Handy aushändigen würden.“ Sie streckte die Hand aus.
Verdattert griff ich in meine Hemdtasche und gab ihr mein Telefon.
„Danke. Alles klar? Mr Richards, für Sie gilt selbstverständlich das Gleiche. Ihr Handy, bitte.“
Paul sah erst sie, dann mich mit hochgezogenen Brauen an. „In Ordnung, Madam“, sagte er dann, und es schwang etwas wie Anerkennung in seiner Stimme mit. Er reichte ihr sein Telefon, und Karen steckte es ein. „Wie gesagt, da Sie beide militärische Vorkenntnisse haben, sollten Ihnen die grundsätzlichen Abläufe ja vertraut sein.“
„Äh …“, murmelte ich. Ich hatte keine guten Erinnerungen an meine Zeit in der Armee. Zu viele Regeln, zu viele Idioten, die einem Befehle gaben.
Paul verpasste mir einen Rippenstoß. „Das wird dann wohl nichts mit meinem Fernsehabend auf der Couch mit einem schönen Film und ein paar Bier!“
„Du hast keinen Fernseher mehr, der ist kaputt“, erinnerte ich ihn.
„Aber nur, weil du Wichser ihn von der Wand gerissen hast.“
„Das war ein Versehen“, protestierte ich.
„Ein Versehen? Dass ich nicht lache, du warst stockbesoffen, Mann!“
Jetzt grinste ich. „Sieh es mal von der positiven Seite, so erlebst du endlich mal was.“
Paul lehnte seufzend den Kopf an die Lehne. „Du blöder Volltrottel. Das Ende der Welt mit dir, ein super Erlebnis, willst du mich verarschen? Entschuldigen Sie meine Ausdrucksweise, Miss Stanley.“
Karen hatte unserem Wortwechsel mit unbewegtem Gesichtsausdruck zugehört. Vor und hinter uns warfen die blinkenden blauen Lichter der Eskorte geheimnisvolle Muster auf die Polster. Wir passierten den St. James Park, doch hier war keine Menschenseele zu sehen. Hatten sich alle in den Häusern verkrochen?
Als wir so durch die Stadt fuhren, wurde mir langsam bewusst, dass das Ganze vielleicht doch größer war als ich mir eingestehen wollte. Dass für mich mehr auf dem Spiel stand, als ich noch vor einer halben Stunde geahnt hatte. Dieses Gefühl von völliger Auslöschung, Hilflosigkeit und Angst – und ich mittendrin. Ich lehnte meinen Kopf zurück und schloss die Augen. Der Geruch von frisch poliertem Leder stieg mir in die Nase. Neben mir spürte ich Paul. Seine bloße Anwesenheit samt seinem beißenden Humor verhinderten, dass ich der Panik in meinem Inneren nachgab und anfing zu schreien.
„Mr Cole, wir sind da. Downing Street.“
Ich zuckte zusammen und öffnete die Augen. „Entschuldigen Sie, ich war gerade etwas abwesend.“
„Das ist nachvollziehbar, Sir.“ Sie lächelte mir plötzlich aufrichtig zu; mit einem Lächeln, das ich aus meiner Kindheit kannte. Meine Mutter hatte immer auf dieselbe Weise gelächelt, vor allem, wenn sie wusste, dass sie mir nicht helfen würde oder konnte, weil ich mich mal wieder allein in irgendeinen Mist hineingeritten hatte, den ich selbst ausbaden musste. Ihr sanftes Lächeln hatte ich das letzte Mal an ihrem Sterbebett gesehen. Reiß dich zusammen, du Trottel, sonst fängst du noch an zu flennen, fuhr ich mich innerlich an, setzte mich auf und richtete den Blick aus dem Fenster.
Wir fuhren nicht durch die bekannten Eisentore der Downing Street, sondern nahmen die Auffahrt hinter dem Haus unweit des Imperial War Museums.
Paul, der bisher ebenfalls geschwiegen hatte, pfiff durch die Zähne. „Also wenn du dich da drinnen bitte wie ein zivilisierter Mensch verhalten würdest, wäre das echt super, Alter. Versuch um Himmels willen nicht, auf den Teppich zu pinkeln.“
„Du bist ein echter Freund, weißt du das?“ Als wir das Haus betraten, wurden wir von zwei weiteren Gorillas wie am Flughafen durchgecheckt. Anschließend schickte man mich in ein Untersuchungszimmer, wo mir Blut- und Speichelproben abgenommen wurden, Paul wartete vor dem Untersuchungszimmer auf mich. Dann eskortierten uns die Sicherheitsbeamten in einen kleinen Salon.
Ich ließ meinen Blick durch das Zimmer wandern. Der Salon war ein Paradebeispiel für englischen Einrichtungsstil, mit vielen Details und einer sehr einladenden Sitzgarnitur. Die Wände des Salons waren mit goldornamentierten grauen Stofftapeten bespannt und das Mobiliar war mit handgeschnitzten Verzierungen versehen. Wahrscheinlich sündhaft teuer, Mahagoni oder so. Drei Männer, einer davon schon deutlich jenseits der fünfzig, eine fremde Frau und Karen Stanley sahen uns gespannt entgegen. Mein Mund wurde trocken, wer waren die denn nun schon wieder? Noch mehr Untersuchungen? Mich kribbelte es bereits unter dem Pflaster, das man mir in die Ellbogenbeuge geklebt hatte.
Miss Stanley schien mir mein Unbehagen anzusehen, denn sie sagte rasch: „Mr Cole, Mr Richards, ich darf Ihnen Prof. Keith Woods vorstellen, Leiter der Abteilung für theoretische Physik in Oxford. Dr. Woods kann uns vielleicht bei einer Erklärung des Phänomens in Covent Garden helfen.“
Der Grauhaarige schüttelte uns die Hand.
Jetzt war ein Typ mit roten Haaren und Sommersprossen dran. „Des Weiteren Mr Ben Wright, Parapsychologe und Grenzwissenschaftler Der führende Experte auf seinem Gebiet.“ Grenzwissenschaftler? Glaubte der an Geister? Er bot uns nicht die Hand an, sondern nickte lediglich.
Karen Stanley lächelte und fuhr fort: „Eine weitere Spezialistin in ihrem Fachgebiet, Dr. Ann Marie Singer, Neurowissenschaftlerin von der Universität Glasgow.“ Ihr Händedruck war überraschend kräftig, sogar Paul zuckte kurz zusammen.
„Und last but not least, Mark Stettler, Genetiker und Forschungsleiter der Universität von Birmingham “, wurde ein junger Mann mit Hornbrille vorgestellt. Dieser musterte mich misstrauisch wie einen Studenten, der eine Klausur verhauen hatte.
„Wir hoffen, dass Sie sich in der Zwischenzeit schon einmal untereinander bekannt machen können. Ich darf mich nun kurz entschuldigen, wenn Sie irgendetwas benötigen, wenden Sie sich bitte jederzeit an einen meiner Kollegen. Ich werde in Kürze wieder zu Ihnen stoßen.“
Paul goss ohne Weiteres zwei Gläser Single Malt auf dem neben uns stehenden Barwagen ein, ließ sich dann auf einer Couch in der Mitte des Raumes nieder und zerquetschte dabei fast die kleinen Samtkissen.
Ich setzte mich neben ihn, und er reichte mir das Glas mit den Worten: „Auf das Ende der Welt, mein Freund.“
„So weit sind wir noch lange nicht“, sagte die Neurowissenschaftlerin und ließ sich in einen Sessel sinken. „Paul, ich darf doch Paul sagen, oder? Bekomme ich bitte auch einen Drink?“
„Aber gern doch, kommt sofort.“ Paul erhob sich, schenkte ihr ein Glas ein und reichte es ihr. „Cheers!“
Sie leerte ihr Glas mit in einem Zug, lächelte und sagte: „Ich glaube nicht, dass es das Ende der Welt wird. Ich glaube, was wir gerade erleben, ist der Beginn von etwas Neuem.“
„Und wie sieht das Ihrer Meinung nach aus?“, fragte Paul interessiert.
Ann Singer lehnte sich zurück.
Die anderen nahmen sich nun ebenfalls etwas zu trinken, suchten sich eine Sitzgelegenheit und lauschten gespannt.
„Während dieses Vorfalls wurde weltweit mehr neuronale Tätigkeit gemessen als je zuvor.“
„Hä? Und was genau bedeutet das?“, schaltete ich mich ein.
„Oh, Entschuldigung, Mr Cole, ich vergaß – wie Sie wissen, arbeite ich als Neurowissenschaftlerin und wir haben ständig Testreihen bei uns im Forschungszentrum. Meine Kollegen und ich haben in den letzten Stunden bei unserer Testgruppe eine so hohe Gehirntätigkeit gemessen, wie nie zuvor für denkbar gehalten wurde. Einige von ihnen benutzten Gehirnareale, die für gewöhnlich nicht stimuliert werden können. Sie nutzten für einen kurzen Moment fast fünfundneunzig Prozent ihrer Gehirnkapazität.“
„Und das wissen Sie woher?“, fragte ich skeptisch.
„Einige meiner Kollegen führten während des Events zufällig Gehirn-Scans an Primaten durch. Und der Computer hat während der ganzen Zeit weiter aufgezeichnet, mit dem gleichen Ergebnis.
„Was? Wollen Sie damit sagen, dass uns dieser schreckliche Vorfall schlauer gemacht hat?“
„Nein, Mr Cole, schlauer nicht. Ich will damit sagen, dass die durchgeführte Übertragung, die wir alle von Ihnen in unserem Geiste gesehen haben, die Menschen für einen kurzen Zeitraum evolutionär um Tausende von Jahren nach vorne katapultiert hat. Wissen Sie, wie unfassbar eine globale Suggestions-Übertragung ist? Bis jetzt hat niemand so etwas überhaupt für möglich gehalten.“
Ich trank mein Glas in einem Zug aus und sah sie ungläubig an. „Entschuldigung, wenn ich Ihre Begeisterung nicht ganz teilen kann, aber dabei sind eine ganze Menge Menschen gestorben. Jeder Vollidiot auf der Welt hat mich gesehen und glaubt wahrscheinlich, ich sei dafür verantwortlich. Und Sie erzählen mir, dass Sie deswegen aus dem Häuschen sind, weil irgendwo Affen jetzt schlau genug sind, um allein aufs Klo zu gehen? Hurra, die Welt ist ein besserer Ort!“ Je mehr ich redete, desto wütender wurde ich.
Ann Singer sah mich irritiert an und holte tief Luft, da schaltete sich der junge Genetiker ein.
„So ganz unrecht hat Mrs Singer da nicht. Es könnte schon sein, dass in unserem Erbgut Änderungen eingetreten sind. Gravierende Änderungen.“ Er hob die Hand. „Lassen Sie mich kurz erklären, Mr Cole. Keiner von uns möchte, dass Menschen zu Schaden kommen oder auf diese grausame Weise sterben. Trotzdem können wir nicht ignorieren, was hier in uns drin geschieht.“
„Ich höre Ihnen zu.“
„Unsere DNA besteht zu etwa acht Prozent aus Material, das von Retroviren in unser Erbgut eingeschleust wurde. Bisher waren wir der Ansicht, dass dieses Material keinen Nutzen hat. Aber möglicherweise hat sich das durch die Geschehnisse gerade grundlegend geändert, denn wir konnten eine neuronale Interaktion feststellen, die eindeutig mit der Retro-DNA zusammenhängt. Wenn diese Veränderungen nicht mehr rückgängig zu machen sind, müssen wir davon ausgehen, dass diese Frau etwas in uns ausgelöst hat.“
„Ich glaube, wir müssen noch einmal einen Schritt zurückgehen und das Ganze eher von außen als von innen betrachten.“ Jetzt meldete sich der Geisterseher zu Wort. „Ich glaube, dass das, was wir heute erlebt haben, schon einmal passiert ist.“
„Ach ja? Wann denn?“, Paul klang süffisant. Er nippte an seinem Glas und sah Wright mit hochgezogenen Augenbrauen an.
Wright ließ sich nicht aufhalten. „Und ich denke, dass wir es hier mit einem Portal zu tun haben. Die Gestalt, die wir gesehen haben, ist möglicherweise auch nicht das erste Mal auf Erden. Ich beschäftige mich seit Jahren mit Grenzwissenschaften und ich glaube, diese Events decken sich mit einigen meiner Forschungen.“
Der hatte sie doch nicht alle … Ich warf Paul einen unübersehbar zweifelnden Blick zu. Portal? Gleich würde er uns erklären, dass wir es hier mit kleinen grünen Männchen zu tun haben.
Paul grinste, sagte aber nichts.
Ben Wright dozierte indessen weiter: „Viele Kulturen bauen auf dem Glauben an eine Urmutter auf – Griechen, Römer, Thraker und viele Weitere haben hier sehr ähnliche Vorstellungen. Und so viel wir wissen, ist die einstige Herrin der Stadt Karkemisch am Euphrat die Basis für diese Verehrung. Sie soll vor über 2000 Jahren geherrscht haben und wird in fast allen Kulturen der Frühgeschichte erwähnt, als Erneuerin oder Magna Mater. Sogar der Mithras- und Attiskult gehen auf sie zurück. Den Überlieferungen zufolge erschien sie den Menschen das letzte Mal in der Türkei, in einem Tempelkomplex in Pamukale. Man spricht davon, dass sie durch ein Portal wie aus dem nichts zu den Menschen kam. Was sich mit den Ereignissen von heute deckt. Und wenn meine Hypothesen zutreffen, haben wir es mit Kybele zu tun.
Einen Moment lang herrschte Stille.
„Sie wollen uns jetzt wirklich erzählen, dass wir es mit einer 2000 Jahre alten Göttin zu tun haben?“ Paul setzte sein Glas auf einem Tischchen ab. „Das erscheint mir nun doch etwas weit hergeholt. Ihre Göttin sah für mich eher wie eine junge Frau aus. Wie kann sie 2000 Jahre alt sein?“
Jetzt wurde es mir zu viel. „Über was reden wir denn hier eigentlich? Sind wir hier auf der Enterprise oder was?? Himmel, wir reden über Götter und Portale, fehlt nur noch Mr Spock …“
Wright sah mich missbilligend an. „Nur, weil Sie keine Ahnung haben von …“, begann er, biss sich dann auf die Lippen und stürzte seinen Whisky hinunter, den er bislang nicht angerührt hatte.
„Was Sie gerade erleben, Mr Cole, Mr Richards, ist der ewige Diskurs der Theoretischen Physik.“ Prof. Woods hatte eine ruhige, beherrschte Stimme. Er war der Einzige, der statt Whisky Tee trank. Oder vielleicht hatte er sich den Whisky in den Tee gekippt. „Es ist sozusagen der heilige Gral. Was wir heute gesehen haben, war möglicherweise wirklich ein Portal oder ein kontrolliertes Wurmloch. Den Begriff kennen Sie aus der Science Fiction, nicht wahr? Wie Sie es nennen würden.“ Er ging langsam durch den Salon, wie wenn es ihm große Anstrengungen abverlangen würde, sich in verständlichen Worten auszudrücken. „Wenn man ein Blatt Papier in der Mitte biegt und die zwei Enden verbindet, dann verringert man signifikant die Entfernung dieser beiden Punkte. Das gleiche Prinzip gilt bei einem Wurmloch. Zwei weit voneinander entfernte Punkte werden durch die Krümmung des Raums einander signifikant näher gebracht. So können unendlich weit entfernte Ziele erreicht werden, rein theoretisch natürlich. In der Physik nennen wir das die Einstein-Rosen-Brücke.“
Leider verstand ich noch weniger als vorher. „Paul, hilf mir mal, ja?“, fuhr ich meinen Freund an, der bereits wieder gelassen als Barmann fungierte.
Dieser trat hinter mich und legte mir beruhigend die Hand auf die Schulter. „Leute, ich bin mir nicht ganz sicher, ob es uns hilft zu wissen, dass sich eine 2000 Jahre alte Göttin durch ein Portal nach London gebeamt hat, um meinem Freund hier, der von Gott mit einem besseren Aussehen als Hirn gesegnet wurde, zu sagen, er soll sich bereitmachen. Erstens, wofür? Und zweitens, warum gerade er? Ich kenne diesen Kerl schon fast mein ganzes Leben – und er ist bei Gott weder Bruce Willis noch Einstein.“
„Also langsam wird ’s beleidigend, Alter“, warf ich ein, doch Paul hatte auf seine sehr direkte Art den Nagel auf den Kopf getroffen.
„Was Mr Cole damit zu tun hat, werden wir schon noch herausfinden“, sagte Mark Stettler.
Ich sah ihn finster an. „Ich bin vielleicht kein Einstein, aber ganz sicher auch keine Laborratte.“
„Jetzt schon“, erwiderte er ungerührt.
Pauls Finger drückten in meine Schulter. Ein unmissverständliches „Halt dich zurück Alter, bevor du weißt, was hier vorgeht.“
„Nun ja “, meldete sich Wright. „Wenn wir einmal die Rolle von Mr Cole außer Acht lassen, gibt es in der Menschheitsgeschichte viele Punkte, an denen wir scheinbar aus dem Nichts große technologische, kulturelle oder künstlerische Sprünge gemacht haben. Vieles ist in der Vergangenheit vergessen worden oder verloren gegangen. Möglicherweise ist jetzt die Zeit für die Antworten auf die großen Fragen der Menschheit gekommen. Was ich eigentlich damit sagen will, ist, dass wir vielleicht nicht immer der Herr unserer Entwicklung und Evolution waren. Was wäre, wenn wir immer wieder gelehrt und geleitet wurden?“ Wright blickte erwartungsvoll in die Runde.
Alle Anwesenden starrten ihn an. Ich starrte hingegen die anderen an. Hier in diesem Raum saßen angeblich die klügsten Köpfe Großbritanniens! Zogen die das tatsächlich in Erwägung? Entwicklungshilfe von Vulkaniern oder so?
„Wir haben also eine neue Entwicklungsstufe erreicht und nun kommt die gute Fee und gibt uns Flügel?“, fasste Paul in seiner üblichen Art zusammen und räumte einige Gläser in der Runde ab. „Und warum killt sie dann den halben Platz vor meinem Lokal, wenn sie so wohlwollend ist? Bei allem Respekt, welcher Gott tut so etwas?“
„Eigentlich jeder Gott der uns bekannten Kulturen, soviel ich weiß. Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege“, sagte eine Stimme im hinteren Teil des Raumes.
Der Premierminister. Unwillkürlich richtete ich mich auf und strich mir mit der Hand über die Haare.
Er stand am Türrahmen der Eingangstür. Vermutlich hatte er einen Großteil des Gesprächs mitverfolgt. Er wirkte erstaunlich gelassen für einen Mann, der gerade einen nationalen Notstand zu bewältigen hatte. Hinter ihm erkannte ich Karen, die einen Stapel Akten trug.
„Prime Minister, bitte entschuldigen Sie“, murmelte Paul.
„Nicht doch“, winkte dieser ab. „Bitte, Mr Wright, fahren Sie fort, lassen Sie sich durch mich nicht stören. Ich werde Sie alle gleich auf den aktuellen Stand der Lage bringen, aber ich möchte noch hören, was Sie sagen wollten. “
„Nun, Sir, Sie haben recht. Die meisten uns bekannten Götter sind zerstörerischer Natur, wenn sie mit den Taten der Menschen nicht zufrieden sind.“
„Also“, unterbrach ihn Professor Woods nachdenklich. „Wenn man davon ausgeht, dass diese fremde Macht tatsächlich bei Mr Cole erscheinen wollte und es sich wirklich um ein Wurmloch handelt, war dies, mit Verlaub, ein Eingriff mit geradezu chirurgischer Präzision, wenn man von galaktischen Dimensionen ausgeht. Soll heißen, hätte man uns auslöschen wollen, wären wir wohl schon alle tot.“
Wright nickte eifrig. „ Ich persönlich glaube, dass viele unserer Entwicklungsschritte, unserer Kulturen und der Gottheiten, an die viele Menschen glaubten und glauben, auf Ereignissen beruhen, ähnlich dem, dessen Zeuge wir heute wurden. Ich könnte mir vorstellen, dass sich so etwas im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder zugetragen hat. Und da die Menschen dazu neigen, zu vergessen, oder eben Dinge verschiedentlich auslegen und interpretieren, ist es immer wieder neu. Heute liegt es an uns, den wahren Kern dieser, nennen wir es einmal Besuche, zu entschlüsseln.“ Er hob die Schultern. „Möglicherweise haben wir es aber auch mit einer einfachen Drohung zu tun.“
„Well spoken, Mr Wright“, antwortete der Premierminister, der trotz seines Alters von fast sechzig Jahren noch sehr jugendlich wirkte. Er löste seine Krawatte, warf sein Jackett über den Stuhl und zog sich aus der Ecke einen freien Sessel heran.
