Das Tantalus-Projekt - Christina Kade - E-Book

Das Tantalus-Projekt E-Book

Christina Kade

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Beschreibung

Wem kann Temmerman wirklich vertrauen? Nachdem der Oberst sich bereit erklärt, seinen Ruhestand zu unterbrechen, um für das Projekt Tantalus zu arbeiten, hat er zunächst nur eine vage Vorstellung von dem, was ihn erwartet. Früher war das für ihn genug gewesen. Fragen hatte er keine gestellt. Stattdessen erledigte er seinen Job und kontrollierte den Informationsfluss. Darin war er gut gewesen. Dieses Mal ist die Vertuschungsaktion größer, viel größer. Was es zu verbergen gilt, könnte die fragile Balance der Welt zerstören und sie aus den Angeln heben. Dem Oberst kommen Zweifel daran, ob die Informationen in den Händen einer kleinen Gruppe von Menschen tatsächlich am besten aufgehoben sind. Würde er je erfahren, ob die Daten dieser uralten Rasse halten, was sie versprechen? Also trifft Temmerman eine folgenschwere Entscheidung. Allerdings gestaltet sich die Suche nach Verbündeten schwieriger als erwartet. Deshalb sucht er unter anderem Hilfe bei Benjamin Verheyen, dem er einst übel mitgespielt hat. Schließlich läuft Temmerman die Zeit davon, denn nicht nur eine ehemalige Verbündete ist ihm dicht auf den Fersen.

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Seitenzahl: 355

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

1. Ablenkungsmanöver

2. Tantalus

3. Geronimo

4. Es war einmal …

5. Medizinrat

6. Muttertag

7. Die letzte Reise

8. Komplizen

9. Neuanfänge

10. Die Demonstrantin

11. Die Macht der Daten

12. Der Geschäftsmann

13. Wendepunkt

14. Nichts wie weg

15. Technomagie

16. Die Welt von morgen

17. Die Arche Lyra

18. Erkenntnis

19. Tabula Rasa

20. Durch das Raue zu den Sternen

21. Weggabelungen

22. Wega

Epilog

Für meine Familie.

Niemand kann dir sagen, wann die Zeit zum Aufbruch gekommen ist. Du weißt es einfach. Die einzige Frage, die sich dir stellt: Wirst du auch den Mut haben, den entscheidenden Schritt zu machen?

Prolog

„Wie lange geht das schon?“, fragt Lars.

Seine Stimme klingt auffallend ruhig und genau das beunruhigt Jeremy.

„Keine Antwort?“, fährt er fort. „Ein Jahr? Zwei Jahre? Ich hätte es merken müssen. Früher konnten es gar nicht genug Überstunden sein. Und jetzt? …“

„Komm schon, Lars. Nicht nur ich, alles hat sich verändert. Willst du wirklich andauernd deinen Kopf hinhalten?“

„Scheiße, nein“, sagt Lars laut. „ICH … wollte das nie. Du hingegen …“

„Also, was ist dein Problem? Sieh dich doch mal um und dann sag mir, ob du all das noch richtig findest.“

„Das werde ich sicher nicht tun. Denn es ist schlicht nicht meine Aufgabe. Wir entscheiden nicht, was richtig und was falsch ist. Wir machen unseren verdammten Job. Früher hast du das verstanden.“

Jeremy schweigt.

„Wir waren mal so etwas wie Freunde“, sagt er schließlich.

„Bitte was?“, fragt Lars. „Glaubst du das wirklich? Ich war doch nur dein Sidekick. Du bist der freundliche und smarte Typ, dem alle Herzen zufliegen. Selbst jetzt noch gibt es da draußen Menschen, die glauben, du seist so etwas wie ein Held. Was meinst du, wie sich das anfühlt?“

„Meine Menschenkenntnis ist wirklich erschütternd“, geht es Jeremy durch den Kopf. „Wahrscheinlich war ich nicht nur auf der falschen Seite, sondern die ganze Zeit über im falschen Job.“

„Vielleicht solltest du dich dann nicht ständig aufführen wie ein Kotzbrocken“, antwortet Jeremy stattdessen trotzig.

„Mag sein, dass ich für die anderen der Kotzbrocken bin. Aber nicht ich, sondern du wirst demnächst vor Gericht landen.“

Lars grinst. Er scheint die Situation voll auszukosten. Jeremy fühlt sich tatsächlich elend. Allerdings mehr, weil er sich derart hatte provozieren lassen. Lars nimmt auf dem Stuhl gegenüber von ihm Platz und sieht Jeremy nun direkt in die Augen.

„So still auf einmal? Keine Witze mehr? Keine Sprüche?“, fragt Lars, immer noch mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Jeremy versucht es zu ignorieren.

Er denkt darüber nach, welche Vorteile es gehabt hatte, wenigstens eine Zeit lang. Sie wären ohne ihn kaum so weit gekommen, auch wenn das im Moment eher ein schwacher Trost ist. Jeder hatte seine Rolle gespielt und seinen Teil beigetragen. Jetzt allerdings sitzt er in diesem Verhörraum fest. Er ist sich nicht einmal sicher, wie viele Stunden er bereits hier ist. Seine Gedanken beginnen sich wieder zu überschlagen, aber sie sind klar. Lars und er hatten viele Einsätze zusammen durchgestanden. Dabei war die Zusammenarbeit nicht immer das gewesen, was er als harmonisch bezeichnen würde.

Doch bei der Arbeit spielt das keine Rolle. Letztlich waren sie immer ein Team gewesen – mehr oder weniger. Vielleicht ist das hier also nur Show. Aber auch wenn er meint, was er sagt, ist es kaum von Bedeutung.

Viel wichtiger wäre es, die anderen zu warnen. Vermutlich würde ihnen viel weniger Zeit bleiben, als sie ursprünglich geplant hatten.

Lars würde ihm ganz sicher nicht helfen. Wenigstens das hatte er ihm deutlich zu verstehen gegeben.

Für einen Moment taucht Jeremy aus seinen Gedanken auf. Einige Sekunden blicken sich die beiden Männer direkt in die Augen. Keiner von ihnen sagt etwas. Der Gesichtsausdruck von Lars scheint unergründlich. Also versucht Jeremy, seinen ursprünglichen Gedankengang wieder aufzunehmen.

Dann öffnet sich die Tür. Es ist David.

„Der Boss persönlich“, denkt Jeremy.

„Wird das jetzt ein Spiel – guter und böser Polizist?“, fragt Jeremy unvermittelt, ohne sich den etwas gelangweilten Unterton verkneifen zu können.

Manchmal hatte er eine ähnliche Show mit Lars abgezogen. Das Spiel war meist sehr durchschaubar gewesen. Die Szenen wirkten oft sehr viel peinlicher als in einer schlechten Krimi-Serie, und doch hatte es ihnen gelegentlich geholfen.

„Meininger“, sagt David an Lars gewandt. „Würden Sie uns allein lassen? Gehen Sie einen Kaffee trinken oder sonst irgendwas.“

Die beiden schienen sich nie besonders gemocht zu haben, und der misstrauische Blick, den Lars auf David wirft, als er den Raum verlässt, bestätigt zumindest diese Einschätzung.

Nachdem Lars die Tür hinter sich geschlossen hat und sich seine Schritte langsam entfernen, nimmt David auf dem Stuhl Platz, auf dem gerade noch Lars gesessen hatte. Seine Miene ist mehr ein Fragezeichen als ein Rätsel.

„Ich hätte gleich mehrere Fragen“, bricht David schließlich das Schweigen, „aber wo fange ich an?“

1 Ablenkungsmanöver

„Alpha Lyrae“, sagt Jeremy gelangweilt in Richtung des Lautsprechers.

Er blickt einmal rechts und einmal links die Straße entlang, doch um diese Zeit treibt sich kaum noch jemand im alten Industriepark herum. Die meisten Gebäude stehen ohnehin leer. Nur die Hallen der Fabrik, die von Peer angemietet wurden, sind offenbar in Benutzung. Andererseits deutet nicht allzu viel darauf hin. Also …

Er bemerkt ein kurzes Aufblitzen und zuckt zusammen. Als er den Kopf nach links dreht, sieht er gerade noch, wie ein unbekannter Wagen von der Straße verschluckt wird. Eines der Fenster hatte das Licht der untergehenden Oktobersonne reflektiert.

Fast hatte er befürchtet, es seien seine Kollegen. Manchmal fragt er sich, ob wirklich keiner von ihnen einen Verdacht hegt. Eigentlich hält er sich für keinen guten Schauspieler.

Dann öffnet sich die Schranke und er fährt vor bis zum Hauptgebäude. Der Parkplatz ist nahezu leer.

Am Eingang steht Gerry und wartet bereits auf ihn. Er grinst.

„Bis Weihnachten sind es noch ein paar Monate und ich weiß nicht, ob wir uns darauf freuen sollten“, sagt Jeremy mürrisch. „Wieso also das breite Grinsen?“

„Wir haben wieder Strom“, entgegnet Gerry, während er die Tür schließt.

„Hatten wir bisher keinen Strom?“

„Ja, Generatorstrom, aber seit der große ausgefallen ist … Es würde leider nicht für das große Finale reichen“, entgegnet Gerry immer noch mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

„Dann ist es also endlich so weit?“, fragt Jeremy.

„Beinahe, wir benötigen den Strom, um das Feld zu erzeugen. Nur so können wir sie in der Schwebe halten und die letzten Arbeiten vornehmen. Bernburg wartet im Büro.“

So nannten sie den Professor, wenn er nicht dabei war. Insgeheim hatten einige sehr wohl Zweifel an seinem Plan. Dabei hatte gerade Gerry vermutlich schon einiges gesehen, jedenfalls mehr als Jeremy. Dessen ist er sich sicher. Das meiste davon behält er jedoch für sich. Was allerdings alle hier eint, ist die Hoffnung auf einen Neubeginn und gleichzeitig die Angst vor dem, was wohl als Nächstes auf sie zukommt.

Professor Bernburg ist ungefähr 70 Jahre alt, oder wenigstens schätzen die meisten ihn auf dieses Alter. Um ausreichend Zeit zu haben, sich solch einen Plan auszudenken, muss er emeritiert sein. Was er einst unterrichtet hatte, weiß keiner so genau. Manchmal hatten sie vorsichtige Fragen in diese Richtung gestellt, aber der Professor ging nie darauf ein. Einige meinten, er müsse Physiker sein oder sonst irgendein Naturwissenschaftler, um ein solch ehrgeiziges Projekt anzustreben.

So ganz abwegig scheint diese These nicht. Jedenfalls würde es zu allem passen, was Jeremy hier gesehen hatte, auch wenn es nicht erklärt, woher all die Informationen und das Geld für das Projekt stammen.

„Vielleicht hat der Professor nur ein Faible für unmöglich scheinende Projekte“, denkt sich Jeremy. Dieses hier wäre möglicherweise seine letzte Chance, etwas Großes zu erreichen.

Es gibt allerdings noch einige andere Spekulationen, die in ihm einen Archäologen vermuten, und einige weniger verbreitete Meinungen. Veröffentlichungen des Professors hatte keiner gefunden und auch sonst nichts über den Mann. Manchmal beunruhigt Jeremy dieser Gedanke. Immerhin ist er Polizist und hat dadurch deutlich weitreichendere Möglichkeiten, um jemanden zu durchleuchten, als eine Suchmaschine im Internet.

Die neuen Befugnisse der Solidaritätsgesetze sind dabei allerdings ziemlich nützlich, auch wenn sie einigen der am Projekt Beteiligten schon das ein oder andere Mal Ärger eingebrockt hatten.

Gerry hatte sich mit Spekulationen immer sehr zurückgehalten und auch sonst nichts zum Thema beigetragen, wie Ben übrigens auch. So richtig fällt Jeremy das erst in diesem Moment auf.

Als die beiden an die Tür des Büros klopfen, passiert nichts, obwohl die Stimmen dahinter deutlich zu vernehmen sind. Jeremy klopft erneut. Dieses Mal mit etwas mehr Nachdruck.

Das Gespräch verstummt.

„Herein“, sagt eine Frauenstimme.

Als Gerry die Tür öffnet, sitzt Helena auf einem Stuhl vor dem Schreibtisch. Es war ihre Stimme, die die beiden hereingebeten hatte. Professor Bernburg steht mit auf dem Rücken verschränkten Händen am Fenster und starrt in die große Lagerhalle.

Helena hatte sich zu den beiden umgedreht. Der Professor bleibt reglos am Fenster stehen, ohne sich ihnen zuzuwenden.

Gerry und Jeremy machen einige Schritte auf das Fenster zu. Jeremy staunt. Die Halle ist hell erleuchtet und dort ist eine ganze Menge los.

„Was für ein Anblick. Wir haben es wirklich fast geschafft“, erklärt Gerry.

„Noch sind wir nicht am Ziel“, entgegnet der Professor, während er seine Aufmerksamkeit auf die beiden richtet.

Helena steht umständlich auf. Ihren Gesichtsausdruck vermag Jeremy nicht zu deuten. Sie wirkte auf eine schwer erklärbare Weise unnahbar, manchmal ein wenig schwer zu durchschauen und unheimlich, im Gegensatz zu Karina. In solchen Momenten fragt er sich häufig, wieso er eigentlich Polizist geworden ist. Eigentlich sollte er viel besser darin sein, Menschen „zu lesen“.

Andererseits hat wohl jeder hier seine eigene Geschichte. Wahrscheinlich haben sie nur deshalb überhaupt eine Chance, weil sie alle hervorragend ein Geheimnis bewahren können. Immerhin hält Jeremy es ja ebenso.

Nachdem Helena den Raum verlassen hat, kehren seine Gedanken wieder in die Gegenwart zurück. Gerry grinst noch immer, wenn auch nicht mehr so breit. Die Miene des Professors zeigt keine Regung. Mit einer einfachen Geste bedeutete er den beiden, sich zu setzen.

„Und Herr Kramer, haben Sie Neuigkeiten?“, fragt der Professor an Jeremy gewandt.

Tatsächlich gibt es keine Neuigkeiten.

„Nein“, erklärt Jeremy mit leicht besorgter Miene. „Wenn es so ruhig ist, dann könnte etwas in Vorbereitung sein, von dem keiner wissen soll.“

„Ich schätze … wir könnten eine Ablenkung gebrauchen …, um einige Ressourcen zu binden“, sagt der Professor nachdenklich, während er leicht in seinem Schreibtischstuhl wippt und an die Decke starrt. „Karina könnte ein letztes Mal ihre Talente einsetzen, damit niemand auf die Idee kommt, uns einen weiteren Besuch abzustatten.“

„Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist“, entgegnet Jeremy. Es wird zunehmend durchschaubarer und gefährlicher.

„Ja, ganz sicher ist es das, aber wir haben über ein Jahr an diesem Projekt gearbeitet. Wir sind sehr dicht dran, es zu beenden. Helena und Jana haben alle Daten zusammengestellt, die wir benötigen. Einige andere haben sie ebenfalls geprüft. Kleine Fehler können große Auswirkungen haben.“

„Wie sieht der Zeitplan aus?“

„Nun, wir werden noch einige Wochen benötigen, um unauffällig genug Material zu beschaffen. Immerhin sind wir inzwischen über hundert Menschen. Außerdem wird es mit jedem Tag schwerer, das Geheimnis zu bewahren. Für die letzten Tage sollten so viele von uns auf dem Gelände bleiben, wie es irgend geht. Sonst verplappert sich am Ende noch jemand. Dass wir offiziell Strom beziehen und vorgeben müssen, als würden wir etwas produzieren, ist ebenfalls wenig hilfreich.“

„Das könnte Aufmerksamkeit auf uns lenken“, meint Gerry nachdenklich. „Und wir dürfen nicht vergessen, dass wir sehr viel Strom verbrauchen. Wir sollten das Feld jeden Tag für einige Stunden abschalten. Ich weiß, wir brauchen den Strom, aber es wäre dumm zu erwarten, dass niemand mehrere Wochen lang Fragen stellen wird.“

„Ja, ich weiß“, entgegnet der Professor verärgert. „Der Ausfall des großen Wasserstoffgenerators hat uns zurückgeworfen. Dabei sind wir ohnehin schon spät dran. Wir sollten längst verschwunden sein. Auch ohne die Energiekrise ist das hier schwer genug. Ich hoffe, wir schaffen es, bevor die Rationierungen einsetzen …“, sagt er mehr zu sich selbst als zu Gerry und Jeremy.

„Die was?“, fragt Jeremy.

„Nicht so wichtig. Wurde der Polizei hier schon Unterstützung angeboten?“

„Soweit ich weiß bislang nicht. Die letzten Wochen waren erstaunlich ruhig. Karina hat ganze Arbeit geleistet und jeden Versuch ihrer „Freunde“ unterbunden, etwas Großes aufzuziehen. Vermutlich werden die Soldaten in anderen Städten gebraucht. Die Unruhen halten sich hier in Grenzen. Gewalt gibt es außerdem so gut wie keine. Wahrscheinlich ist das Militär dankbar für jede Stadt, die keine Hilfe anfordert.“

Der Professor nickt.

„Oder man hat vergessen, dich zu informieren“, erklärt Gerry mit einem Stirnrunzeln und rührt damit an einer Angst, die Jeremy tief in sich vergraben und bisher nicht auszusprechen gewagt hatte. Gerry grinst jetzt nicht mehr.

Bei diesem Gedanken fühlt Jeremy sich unbehaglich, aber wirklich ausschließen kann er es selbstverständlich nicht.

„Deswegen brauchen wir die Ablenkung. In absehbarer Zeit wird sich auch hier die Situation zuspitzen, und wenn andere Städte „befriedet“ wurden, dann gibt es freie Ressourcen. Wir sollten ihnen zuvorkommen. Karina sollte ein letztes Mal den Widerstand hier mobilisieren – das volle Programm.

In der aktuellen Situation sollte es leicht sein, Unterstützer zu finden. Immer mehr Menschen sehen sich mit einer Realität konfrontiert, die vor drei Jahren undenkbar gewesen wäre. Deshalb werden sie alles auffahren, was ihr Repertoire zu bieten hat.“

„Karina gerät leicht in Schwierigkeiten“, entgegnet Jeremy.

„Dann wirst du wohl auch dort sein müssen“, erklärt Gerry.

„Okay, aber wann?“

„Am 14. November, unserem Starttermin“, erklärt Bernburg.

„Ein Wochentag?“, entgegnet Jeremy entgeistert.

„Ganz richtig.“

„Die Menschen werden arbeiten müssen“, erwidert Jeremy skeptisch.

„Glaubst du das wirklich?“

Gerry sieht ihn ernst an.

„Sieh dich doch einmal dort draußen um. Jeden Tag gibt es neue Horrormeldungen. Aber auch wenn sie arbeiten ‚müssen‘, was nützt eine Arbeit, von der man kaum noch die Energiekosten bezahlen kann?“

Darauf hat Jeremy keine Antwort. Aber was hatte er eigentlich gedacht? Dass es sich bei alledem um ein Spiel handelt? Hatte er wirklich geglaubt, es würde immer so weitergehen? Schließlich hatten sie auf diesen einen Tag hingearbeitet. Doch vermutlich haben die wenigsten von ihnen eine Vorstellung davon, was all das wirklich bedeutet. Sie wollen die Erde verlassen – für immer.

Vorsichtig formuliert er seine Frage. „Wenn wir auf der Demo sind und an diesem Tag starten wollen …?“

„Wir lassen niemanden zurück.“

Der Professor steht auf und beugt sich über den Schreibtisch. Jeremy sieht in seine klaren Augen und er weiß, dass er meint, was er sagt.

Um seine Worte zu bekräftigen, streckt der Professor seine Hand aus.

„Jeremy Kramer, ich gebe Ihnen mein Wort darauf.“

Etwas unsicher reicht er dem Professor die Hand. Jetzt müsste er die Details mit Karina besprechen, und es wäre seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sie sich von Schwierigkeiten fernhielt. Wahrscheinlich wäre das der schwierigste Teil.

Einige Minuten später betritt Jeremy Kramer die Lagerhalle. Der Blick von oben war bereits imposant, aber in der Weise, wie das Schiff in der Mitte des Raumes zu schweben scheint, sieht es noch beeindruckender aus. Das Kraftfeld, das es stabil im Schwebezustand hält, wird von großen Metallplatten im Boden und in der Decke der Halle erzeugt. Gerry hatte ihn gewarnt, keine davon zu berühren. Die Seile dienen dazu, das Schiff an Ort und Stelle zu halten.

„Es ist wie ein gigantischer Kondensator“, hatte er gesagt. „Wer ihn berührt wird wahrscheinlich sofort gegrillt. Außerdem könnte es das Kraftfeld schwächen.“

Schließlich wendet er seinen Blick von dem Schiff ab. Fünfundzwanzig Lichtjahre weit würde es sie durch den Weltraum tragen müssen.

„Hoffentlich hat keiner einen Fehler gemacht“, denkt er, „oder schlimmer noch, wir kommen dort an und der Planet ist unbewohnbar.“

Er findet Karina am ‚Desk‘. Eigentlich eine unzutreffende Beschreibung, denn unter einem Schreibtisch stellen sich viele etwas anderes vor. Tatsächlich ist die gesamte Tischplatte ein riesiges Display. Wenn man die Scheiben an der Seite hochfährt, kann ein Bild in die Mitte projiziert werden. Etwas Vergleichbares hatte Jeremy noch nie zuvor gesehen.

Peer, der Karina gegenübersteht, sieht sichtlich genervt aus. Jeremy fragt sich schon länger, wie er überhaupt so weit kommen konnte, aber das ist jetzt unwichtig. Helena und Karina scheinen gemeinsam auf ihn einzureden.

„Wir sollten das wirklich jetzt klären“, sagt Helena. Man merkt ihr an, dass sie Lehrerin ist oder es wenigstens eine Zeit lang war.

„Es sind noch Wochen bis zum Start. Wer hat euch überhaupt zu den Oberaufsehern ernannt?“

„Hast du überhaupt zugehört?“, fragt Karina. „Es sind ZWANZIG JAHRE! Zwanzig verdammte Jahre. Das ist kein Wochenendtrip. Jeder auf dieser Liste …“

Mit einer Geste zieht sie eine Tabelle auf die Größe des gesamten Bildschirms.

„…, wirklich jeder muss wissen, worauf er sich einlässt und was seine Aufgaben sind. Ein winziger Fehler und alles hier war umsonst. Wir alle müssen die Kontrollen des Schiffes im Schlaf bedienen können und wissen, was im Falle eines Fehlers zu tun ist. Sonst war alles vergeblich und mehr als hundert Menschen werden sterben.“

„So ist es“, bekräftigt Helena wieder mit ihrer lehrerhaften Miene.

Alle sind vollkommen in ihren Streit vertieft. Es ist, als würden sie Jeremy gar nicht bemerken.

„Wir sind noch nicht einmal gestartet und streiten schon“, denkt er.

„Hör zu, Peer“, fährt Helena fort, „wir müssen jetzt klären, wer von uns die Schichten übernimmt. Zehn Monate sind eine lange Zeit. Einigen dürfte diese Aufgabe auch zu zweit schwerfallen und anderen fehlt die technische Begabung.“

Die entstehende Pause nutzt Jeremy. Er tippt Karina auf die Schulter. Sie zuckt erschrocken zusammen und dreht sich blitzschnell um. Er springt einen Schritt zurück. Eine Lektion, die er aus seiner ersten Begegnung mit ihr gelernt hatte. Doch auch sie hatte einiges dazugelernt und unternimmt inzwischen nicht mehr den Versuch, sofort wild um sich zu schlagen. Stattdessen schaut sie ihn verwirrt an.

„Jeremy?“

„Entschuldigung, aber können wir uns kurz unterhalten? Am besten unter vier Augen.“

Sie wirft noch einen kurzen Blick auf die Tabelle und auf Peer und geht dann voran in Richtung Küche.

„Willst du auch?“, fragt sie an Jeremy gewandt, während sie sich einen Kaffee einschenkt.

„Danke, nein.“

Sie setzt sich an den Tisch und sieht Jeremy fragend an.

„Willst du dich nicht setzen?“

„Zögerlich nimmt Jeremy sich einen Stuhl.“

Er überlegt kurz, ob das klug ist, falls sie wütend wird. Doch er setzt sich und schaut ihr fest in die Augen. Viel hatte sich seit ihrer ersten Begegnung verändert.

„Bernburg möchte ein letztes Mal deine Kontakte nutzen. Er meint, wir brauchen ein Ablenkungsmanöver. …“

Karina reagiert nicht, aber ihre Miene verfinstert sich.

„Und? Was denkst du?“, fragt sie schließlich.

„Er könnte recht haben.“

„Ein letztes Mal“, sagt sie vor sich hin. „Wie oft ich das schon gehört habe.“

„Ja“, entgegnet Jeremy. „Das haben wir wohl alle.“

Die beiden schweigen eine Weile.

„Ich weiß nicht, ob ich es noch in mir habe“, erklärt sie schließlich. „Ich bin müde.“

Sie sieht Jeremy ernst an und tatsächlich, ihre Augen sehen müde aus. Die Wildheit und die Wut, die er bei ihrer ersten Begegnung darin gesehen hatte – beide waren verschwunden. Nur das Funkeln, das Funkeln ist geblieben.

Jeremy berichtet ihr, was der Professor erwartet.

„Der Tag des Starts also“, sagt sie schließlich. „Wenn wir auf der Demo sind …?“

„Bernburg hat mir sein Wort gegeben.“

„Wir … ich könnte verhaftet werden.“

„Du bist ruhiger geworden.“

„Ja, weil ich müde bin. Aber die Zeiten sind stürmisch und die Stimmung kocht leicht über. Wenn ich verantwortlich bin, dann brauchen sie vielleicht keinen Grund. Du kennst deine Leute …“

„Ich werde auch da sein. Im Zweifel bringe ich dich raus. Bernburg glaubt, wir brauchen dieses Ablenkungsmanöver“, erklärt er erneut und dieses Mal mit Nachdruck.

„Gibt es denn niemand anderen?“

„Du hattest immer den größten Erfolg, wenn es darum geht, Menschen zu mobilisieren“, sagt er mit einem gequälten Lächeln.

Karina lacht bitter.

„Und was hat es gebracht? Wir sitzen hier und klammern uns verzweifelt an den Plan eines Mannes, den vor zwei Jahren keiner von uns kannte. Noch dazu eines Mannes, der offenbar gar nicht existiert, oder hast du inzwischen eine Spur von ihm gefunden?“

„Nein. Da ist nichts. Wenn ich nicht gerade in seinem Büro mit ihm zusammengesessen hätte, würde ich meinen, es hat ihn nie gegeben.“

„Macht dir das keine Sorgen?“

„Doch, schon“, erwidert Jeremy etwas zögerlich, „aber was ist die Alternative?“

Während Karina auf den Boden ihrer leeren Tasse starrt, fällt eine Strähne ihrer schwarzen, langen Haare in ihr Gesicht.

„Wenn du ihm nicht vertraust, wenn du das alles für unrealistisch hältst, wieso bist du dann hier? Weshalb verschwendest du so viel Energie in Streitgesprächen …?“, bohrt Jeremy weiter, „… mit Peer?“, ergänzt er nach einer kurzen Pause mit dem Anflug eines Grinsens.

Sie hebt ihren Kopf und schaut Jeremy mit ernster Miene direkt in die Augen.

„Weil jeder von uns etwas braucht, an das er glauben kann. Etwas, das größer ist als wir selbst – eine Perspektive, eine Zukunft. Das hier ist anders. Ich kann zum ersten Mal etwas Richtiges tun. Ich bin es, die handelt, und niemand kann über mich bestimmen. Wir haben tatsächlich die vage Chance, wirklich frei zu sein. Peer mag ein Idiot sein, aber auch er verdient es, frei über sein Leben zu bestimmen.“

„Ist das ein ‚Ja‘?“

„Welche Art von Ablenkung brauchen wir?“

„Nun ja … ich will nicht lügen. Es ist ungewöhnlich still. Vielleicht braut sich da etwas zusammen. Wir brauchen eine Ablenkung, die groß genug ist, um den Start zu verschleiern. …“

Er hält kurz inne.

„… Glaubst du? „… Ich meine, es ist wie eine UFO-Sichtung, die man überbieten möchte.“

Karina presst die Luft hörbar durch ihre Lippen.

„Das ist keine Antwort“, stellt Jeremy fest.

„Wärst du zu mir gekommen, wenn du meine Antwort nicht kennen würdest?“

„Danke“, antwortet Jeremy knapp.

Obwohl er erleichtert ist, ärgert er sich über sich selbst. In diesen Zeiten ist sogar eine Demonstration ein Wagnis.

„Hoffentlich schaffen wir es rechtzeitig zurück“, denkt er.

„Ich verspreche nichts“, erklärt Karina, „aber ich fahre morgen in die Stadt und rede mit ein paar Leuten.“

„Was für Leute?“

„Ist vielleicht besser, wenn du das nicht weißt.“

Jeremy schaut sie fragend an.

„Nun ja, maximale Aufmerksamkeit bekommen wir doch nur, wenn es auch eine Gegendemonstration gibt, oder?“

„Hältst du das für klug?“

„Ich werde sie ja nicht persönlich kontaktieren, aber ich muss sicher gehen, dass die Informationen durchsickern und zwar schnell. Ihr wollt maximale Mobilisierung? Die sollt ihr bekommen. Nur so können wir auch viele Ressourcen binden.“

Jeremy schluckt. Nachdem in letzter Zeit alles ruhig war, löst die Aussicht auf eine Konfrontation gleich mehrerer Gruppen miteinander ein unbestimmtes Unbehagen in ihm aus. Was, wenn er Karina aus den Augen verlieren würde? Außerdem fühlt es sich falsch an, in der aufgeheizten Stimmung die Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Doch seine Bedenken behält er für sich.

Auf dem Heimweg denkt er an seine Mutter. Die ganze Zeit war es ihm gelungen, alles für sich zu behalten. Das ist er von der Arbeit gewohnt. Über viele Dinge darf er nicht sprechen. Doch ohne „Leb wohl!“ zu sagen, will er nicht verschwinden. Er würde seine Mutter wissen lassen, wer er wirklich ist und wieso er diesen Weg gewählt hatte, aber vor allem, aus welchem Grund er es die ganze Zeit für sich behalten musste.

Nur einmal, da hatte er einen Versuch unternommen und war dabei unterbrochen worden. Eine andere Möglichkeit hatte sich nie ergeben.

Leider würde das warten müssen, wie ihm ein Blick auf die Uhr verrät. Am Wochenende wäre sicher noch genug Zeit dafür, oder vielleicht auch erst am Wochenende vor dem Start.

„Morgen sehe ich klarer“, ist sein letzter Gedanke, bevor er nachts in einen unruhigen Schlaf versinkt.

2 Tantalus

„Was ist so unglaublich wichtig, dass ich meinen Ruhestand ‚unterbrechen‘ muss?“, fragt Temmerman.

„Wir brauchen jemanden, der sich eines ‚Problems‘ annimmt. Einen Spezialisten, wenn Sie so wollen“, erklärt der Generalmajor.

„Sind sie so verzweifelt unterbesetzt?“, spottet Temmerman.

Die beiden schweigen einige Sekunden. Offenbar hatte Temmerman einen Nerv getroffen. Dann fährt der Generalmajor fort.

„Wir können keinen unserer Leute damit beauftragen. Es handelt sich um eine sehr heikle Angelegenheit. Um die Wahrheit zu sagen, ist die Mission nur halboffiziell.“

„Ich bin neugierig“, erklärt Temmerman. „Bedeutet das, die Luftwaffe bestreitet im Zweifelsfall ihre Beteiligung?“

„Wie gesagt, die Mission sollte nicht an die große Glocke gehängt werden. Allerdings ist sie möglicherweise sehr bedeutungsvoll für uns“, weicht der Generalmajor aus. „Wir können einen gewissen Grad an Sicherheit bieten und auch dazu stehen. Schließlich handelt es sich um ein Projekt auf unserem Territorium. Falls es jedoch eines Gesichts für die Öffentlichkeit bedarf …“

Wieder schien Temmerman ins Schwarze getroffen zu haben.

„Sagen wir ich bin dabei. Was ist für mich drin und viel wichtiger noch: Wie lange wird die Mission dauern?“

„Nun ja, sie werden in ihren alten Dienstgrad als Oberst befördert.“

„Wie lange?“, fragt Temmerman ungeduldig.

„Wir wissen es nicht.“

„Bis jetzt nicht“, ergänzt der Mann hastig. „Sie selbst müssten sich einen Überblick verschaffen und abschätzen, was notwendig sein wird, um unser Ziel zu erreichen und wie lange es dauert.“

Der Generalmajor öffnet seine Tasche und zieht eine Zeitschrift heraus. Er schiebt sie langsam über den Tisch, in Temmermans Richtung.

„Seite 33.“

Temmerman schlägt die Zeitung auf und blättert bis Seite 33.

„Der Beweis“, prangt als Überschrift in großen Lettern oben auf der Seite.

Darunter eine Frage: „Muss die Menschheitsgeschichte nicht nur umgeschrieben, sondern neu geschrieben werden – und zwar ganz neu?“

Es folgt ein reich bebilderter Artikel über eine angebliche Ausgrabungsstätte in den Ardennen. Auf den ersten Blick kann Temmerman keine Besonderheiten feststellen. Offenbar handelt es sich um einen Artikel über eine Höhle. Der genaue Standort ist nicht festzustellen, da die Bilder nur das Innere zeigen, darunter einige schöne, aber leicht vergilbt scheinende Malereien. Die Autorin des Artikels nennt sich Nicole de Vos. Sie behauptet, dass die Malereien einige zehntausend, vielleicht sogar mehrere hunderttausend Jahre alt sind.

Temmerman runzelt die Stirn und schlägt die Zeitschrift wieder zu. Er schaut auf das Titelblatt und die Furchen in seiner Stirn vertiefen sich. Dann wirft er einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis.

„Wieso ist das für uns von Bedeutung? Niemand, der noch bei Sinnen ist, glaubt diesen Schwachsinn.“

Der Generalmajor setzt ein ernstes Gesicht auf.

„Sie wären überrascht … und ich rede hier nicht von einigen Spinnern.“

„Soll das heißen, Sie glauben das auch?“

Temmerman kann sich nicht beherrschen und fängt an zu lachen.

„Es gibt wichtige Leute, die das glauben …“

Der General macht eine Pause.

„Sie selbst haben oft genug Indizien nach Sichtungen verschiedener „Phänomene“ verschwinden lassen. Sie wissen, da gibt es mehr – Dinge, die man nicht wegdiskutieren kann.“

„Das habe ich doch hauptsächlich getan, um diesen UFO-Spinnern den Zahn zu ziehen. Außerdem haben wir auf diese Weise einiges sehr erfolgreich wegdiskutiert“, erklärt er grinsend.

„Der Ort existiert“, erklärt der Generalmajor schließlich. „Das wissen wir. Ihre Aufgabe soll es sein, sich einen Überblick zu verschaffen.“

Temmerman wird hellhörig. Dieses Mal hat der General offenbar den richtigen Knopf gedrückt.

„Verdammt“, denkt Temmermann.

„Wieso diese Geheimniskrämerei? Überlassen wir die Arbeit der Wissenschaft und sehen, wo es uns hinführt.“

„Das geht nicht. Wenn es stimmt, was uns erzählt wurde, dann müssen wir die Informationen eindämmen. Wenn das an die Öffentlichkeit gelangt, dann wird nichts mehr sein, wie es war. Alles steht dann zur Debatte. Alles würde wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. Außerdem …“

„Was, außerdem?“

„Unsere Informationen stammen von Menschen, die auch ein wirtschaftliches Interesse daran haben.“

„Okay, ich bin raus“, erklärt Temmerman und erhebt sich von seinem Stuhl.

„Dann finden wir jemand anderen, aber hier geht es möglicherweise ebenfalls um militärische Vorteile. Das dort verborgene Wissen könnte uns auf eine ganz neue Entwicklungsstufe katapultieren.“

„Woher haben Sie all diese Informationen und wieso halten Sie so viel davon zurück?“

„Unsere Quelle hat wohl einen Insider an der Ausgrabungsstelle.“

„Wofür werden wir dann gebraucht?“

„Um alles abzusichern und vor neugierigen Blicken zu schützen. Private Firmen, die plötzlich in einem Berg graben, ziehen zu viel Aufmerksamkeit auf sich. Wir sollen alles absichern, und falls es dort etwas von Wert gibt, entwickelt die Industrie die Technologie für uns.“

„Wir spielen Wachdienst?“, fragt Temmerman vollkommen entgeistert.

„Ja, wir spielen verdammt noch einmal Wachdienst und wir sorgen für Geheimhaltung“, erklärt der Generalmajor mit etwas zu lauter Stimme.

Temmerman lässt sich auf den Stuhl zurückfallen.

„Sind Sie denn gar nicht an der Wahrheit interessiert? Wollen Sie nicht wissen, was alles möglich ist?“, fragt der General.

Das ist der einzige Grund, warum Temmerman überhaupt noch im Raum ist. Er sieht den Mann auf der anderen Seite des Schreibtisches an und sagt mit fester Stimme:

„Ich bin dabei.“

„Sie werden es sicher nicht bereuen“, sagt der Generalmajor, nun mit dem Anflug eines Lächelns.

Er öffnet wieder die Schreibtischschublade und zieht eine Mappe heraus.

„Das ist alles, was wir haben.“

Oberst Temmerman nimmt die Mappe und schlägt sie auf. Im Gegensatz zu den kitschigen Spionagefilmen steht hier nirgends der Hinweis auf eine „geheime“ Akte oder „vertrauliche“ Informationen. Er ist schlicht unnötig.

Stattdessen prangt in einfachen und unspektakulären Lettern auf der ersten Seite:

„Projekt Tantalus“

„Tantalus?“

„Es ist eine Metapher“, erklärt der Generalmajor.

Temmerman hatte sich für einen Geländewagen entschieden, nachdem er in Lüttich angekommen war. In den Bergen wäre das wahrscheinlich am sinnvollsten und dort will er schließlich hin. Hier in der Tiefgarage des Hotels hingegen ist das ein Nachteil. Vielleicht hätte er lieber zu Hause bleiben sollen. Am Meer schien alles so klar und die Luft so frisch. In der Stadt fühlt sich Temmerman irgendwie unwohl. Er hatte sich schon seit vielen Jahren gefragt, ob Menschen wirklich dafür gemacht sind, so zu leben. Deshalb war er zur Luftwaffe gegangen. Das Fliegen erschien ihm wie ein Ausbrechen aus allen Begrenzungen.

Bevor er den Wagen verlässt, sieht er sich prüfend in der Tiefgarage um. Dann fährt er mit dem Aufzug in die Hotellobby.

Noch bevor er einchecken kann, wird er allerdings von einem jung aussehenden Stabshauptmann in Uniform abgefangen.

„Der Generalmajor hat uns zu ihrer Unterstützung herbeordert“, erklärt der Offizier etwas verlegen und macht Anstalten zu salutieren.

„Uns?“, fragt Temmerman.

Der Stabshauptmann hält inne und sieht sich kurz um. Er deutet auf eine noch jünger wirkende Frau, die in einiger Entfernung ein Bild zu betrachten scheint, „Leutnant Brasseur und mich. Ich bin Stabshauptmann Hendrickx.“

Vielleicht täuscht sich Temmerman, aber Hendrickx scheint sehr stolz auf seinen Dienstgrad zu sein. Temmerman fragt sich prompt, wie er den wohl „erworben“ hat.

„Also gut, Hauptmann …“

Der Stabshauptmann verzieht das Gesicht, enthält sich aber eines Kommentars.

„Ein Ehrgeizling“, geht es Temmerman durch den Kopf.

„Stabshauptmann“, sagt er schließlich, „noch auffälliger ging es wohl nicht? Soweit mir bekannt ist, sollten wir doch ein wenig zurückhaltender auftreten.“

„Wir treffen hier unseren Kontakt, und so sieht er, dass wir ‚echt‘ sind“, belehrt ihn der Stabshauptmann.

„Ein Klugscheißer ist er auch noch“, denkt Temmerman, während er seine Schritte in Richtung der Rezeption lenkt.

Hendrickx folgt ihm und die Frau, die er als Leutnant Brasseur vorgestellt hatte, schließt unterdessen zu ihnen auf.

„Wie viele der hundert reichsten Menschen auf diesem Planeten könnten Sie auf Anhieb aufzählen?“, fragt er.

„Ich … ich … keine Ahnung. … vielleicht ein Dutzend“, stammelt er.

„Und was glauben Sie, wieso das so ist?“

„Nun ja, abgesehen von einem mangelnden Interesse sind die Informationen nicht gerade omnipräsent“, erklärt er nun wieder selbstsicherer.

„So ist es. Bis auf einige wenige Ausnahmen scheuen Menschen mit viel Macht und viel Geld die Öffentlichkeit und insbesondere die Medien. Was denken Sie, wie der ‚Kontaktmann‘ es damit hält?“

„Ich weiß es nicht“, stammelt er wieder.

Temmerman grinst zufrieden in sich hinein.

„Was kommt als Nächstes?“, möchte der Oberst wissen.

„Wir treffen den Mann um 18:00 Uhr im Hotelrestaurant.“

„Dann bleibt mir ja noch ein wenig Zeit. Wir sehen uns später … und ziehen Sie sich etwas weniger Auffälliges an.“

Als Temmerman das Restaurant um 17:45 betritt, ist weder Brasseur noch Hendrickx zu sehen. Er setzt sich an die Bar und bestellt einen Martini. Einige Minuten später kommt Hendrickx hinzu.

„Genau genommen sind wir im Dienst“, sagt er, als er das leere Glas sieht. Brasseur, die hinter ihm steht, kann sich ein Grinsen allerdings kaum verkneifen.

Temmerman zieht nur eine Augenbraue hoch, hält sich jedoch ausnahmsweise zurück.

„Wo ist nun der große Unbekannte?“

Hendrickx sieht sich um und setzt sich dann neben Temmerman an die Bar. Um Punkt 18:00 Uhr betritt ein Mann das Restaurant.

„Das ist unser Mann“, erklärt der Stabshauptmann und geht direkt auf ihn zu.

Hendrickx stellt alle drei vor, doch der Fremde zeigt keine Regung.

„Gut, wir sollten beginnen. Ich erkläre Ihnen, wie es laufen wird.“

Zum ersten Mal scheinen Temmerman und Hendrickx einer Meinung zu sein. Jedenfalls möchte Hendrickx protestieren.

Unbeeindruckt fährt der Fremde fort:

„Hören Sie, ich habe keine Zeit für Spielchen und auch nicht für diesen Militär-Zivil-Quatsch. Das hier ist eine Kooperation, von der im Idealfall beide Seiten profitieren. Da wir allerdings alles finanzieren und somit das unternehmerische Risiko tragen, dürfen wir uns wohl die ein oder andere Extravaganz leisten, oder?“

„Das nehme ich jedenfalls an“, entgegnet Temmerman nun grinsend.

„Ich wusste, wir verstehen uns“, sagt der Fremde nun wieder etwas gelassener. „Wir wissen doch noch gar nicht genau, was uns erwartet. Sie sollen sich ein Bild davon verschaffen, ob etwas in diesen Höhlen von Interesse für uns sein könnte. Sicher wurde keiner von Ihnen zufällig ausgewählt. Jemand muss sich um das Rundum-sorglos-Paket kümmern, damit kein Zivilist in die Nähe der Höhlen gelangt.“

„Das ist vermutlich meine Aufgabe“, meldet sich Hendrickx.

„Und wir brauchen natürlich jemanden, der evaluieren kann, ob das, was wir finden, auch von Wert ist.“

Brasseur runzelt die Stirn.

„Was sollte es dort von Wert geben? Alles, was ich gesehen habe, sind ein paar Malereien.“

„Warten Sie es doch einfach ab“, sagt der Fremde mit einem gönnerhaften Lächeln.

Temmerman fragt sich, ob Brasseur wohl gleich ausholen wird, um dem Fremden eine saftige Ohrfeige zu verpassen. Doch sie scheint sich im letzten Moment zu entscheiden, es bleiben zu lassen, und ihr Blick schweift stattdessen mit gespieltem Interesse durch den Raum.

„Ich nehme an, Sie sind dafür zuständig, die Informationen zu kontrollieren, Oberst Temmerman? Jedenfalls haben Sie damit einige Erfahrung, falls ich nicht gänzlich falsch informiert bin.“

Zum ersten Mal scheint Temmerman so etwas wie Bewunderung in der Stimme des Fremden zu hören. Diese Gelegenheit will er nutzen.

„Sie … haben uns noch gar nicht Ihren Namen verraten und auch nicht, für wen wir arbeiten.“

Der Fremde grinst wieder.

„Beides ist ohne Bedeutung. Wir würden uns gerne etwas im Hintergrund halten, wenn Sie verstehen. … Für den Moment.“

„Also sollen wir einfach dorthin fahren und sagen: Wir übernehmen jetzt den Laden?“, fragt Temmerman mit breitem Grinsen.

„Ein wenig subtiler darf es ruhig sein. Prof. Vanhalme verbringt seine Wochenenden immer in Lüttich. Sie statten ihm einen Besuch ab und machen ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Entweder er akzeptiert ihre ‚Unterstützung‘ oder ihm wird die Grabungslizenz entzogen.“

Temmerman fragt sich in diesem Moment, wie weit der Arm dieses Mannes wohl reichen würde. Er kann über ihn verfügen und offensichtlich hat er sogar auf die Behörden starken Einfluss. Bei diesem Gedanken fühlt sich der Oberst irgendwie unbehaglich.

Um das darauffolgende betretene Schweigen zu brechen, erklärt der Fremde, „Wir wollen ihm die Lizenz nicht wirklich entziehen. Dann müssten wir ein eigenes Team zusammenstellen und außerdem könnte unser Informant auffliegen. Zunächst würden wir seinen Geldgebern das Leben ein wenig schwerer machen.“

„Wieso machen Sie das nicht sofort und bieten sich selbst an?“, möchte Hendrickx wissen.

„Risikomanagement. Im Moment bezahlt jemand anderes die Ausgrabungen, und solange wir nicht wissen, ob es dort etwas von Wert gibt, darf das auch gerne so bleiben.“

„Sie haben doch einen Informanten?“, fragt Brasseur.

„Wir hätten gerne noch weitere Expertise“, antwortet der Fremde.

„Nicole de Vos? Wie bekommen wir sie aus dem Projekt? Ich kann den Informationsfluss nicht steuern, solange sie dabei ist und jederzeit wieder einen Artikel veröffentlichen könnte“, sagt Temmerman.

„Wir arbeiten daran“, erklärt der Fremde knapp.

„Meinen Sie …?“, fragt Hendrickx und wirkt dabei nicht wirklich entsetzt.

„Das wäre eine Verschwendung ihres Talents. Nicole de Vos hat einige interessante Fähigkeiten offenbart. Solange wir an einer dauerhaften Lösung arbeiten, ist sie ihr Problem. Ich bin sicher, Ihnen fällt etwas ein, Oberst.“

Tatsächlich war es viel leichter, als er gedacht hatte, den Professor zu überzeugen. Er schien fast dankbar für die Unterstützung zu sein. Wenn die anderen genauso reagierten, wäre das die leichteste Aufgabe, die Temmerman je übernommen hatte, und das, obwohl er im Grunde für einen dubiosen Geschäftsmann zu arbeiten scheint, dessen Einfluss offenbar sehr weitreichend ist.

Als Erklärung hatte Vanhalme nur gemeint, seit dem Artikel in der Zeitschrift würden sich viele Spinner in der Nähe der Ausgrabungsstelle herumtreiben und dass es sicher nur eine Frage der Zeit sei, bis sie die Höhle fänden. Temmerman fand das sogar einleuchtend. Er fragt sich, ob Nicole de Vos die Wirkung ihres Artikels überhaupt bewusst ist. Wollte sie vielleicht genau das erreichen? Möglichst viel Aufmerksamkeit.

Nun ja, der Artikel hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass sie es als Recht jedes einzelnen Menschen betrachtet, darüber Bescheid zu wissen.

Mit Brasseur und Hendrickx hatte er sich eine kleine Pension in einem der Dörfer in den Bergen gesucht, um näher am Geschehen zu sein. Jetzt, wo Vanhalme kooperierte, brauchten sie noch weitere Unterstützung, um das Gelände abzusichern. Damit sie weniger Aufsehen erregten, verteilten sich die anderen Soldaten in den umliegenden Dörfern.

Nachdem Temmerman einiges darüber gelesen hatte und alle ziemlich viel Wind um die Sache machten, ist er inzwischen ziemlich neugierig. Zu gerne würde er wissen, wer der Informant ist und was für eine Frau derart verzweifelt die Wahrheit ans Licht bringen wollte, dass ihr gleichgültig ist, wer sie veröffentlicht.

Er lenkt den Jeep in den schmalen Weg und parkt ihn schließlich hinter einigen anderen Fahrzeugen. Am Eingang – kurz vor der Höhle – stehen zwei Soldaten Wache, die offensichtlich von Hendrickx hierher beordert wurden. Die beiden stellen sich demonstrativ in den Weg. Als er seinen Ausweis zeigt, salutieren beide und lassen ihn eintreten.

„Sehr subtil“, denkt der Oberst und ärgert sich. Er hofft, niemand hat die Szene beobachtet.

Er tritt in die Höhle ein und ist überrascht von ihrer Größe. Sie ist hell ausgeleuchtet – ein atemberaubender Anblick. Am Eingang befindet sich eine leicht lädierte Stele; offenbar eine Art Lageplan. Er studiert ihn einige Minuten und sieht sich dann genauer um. Irgendwo in diesem Labyrinth würde er sicher auch Brasseur und Hendrickx finden.

Angespannt versucht er zu lauschen, aus welcher Richtung die Geräusche kommen, die zu hören sind. Nach kurzer Zeit gibt er auf. Alle Schallwellen verstärken sich in der Halle und ihr Echo hallt von den Wänden wider. Als er durch einen der Gänge geht, werden die Geräusche deutlicher. Unterwegs wirft er einen Blick in die verschiedenen Räume, die in den Fels gehauen wurden, wenn auch sehr akkurat. Er betritt eine weitere Halle und staunt über ihr Ausmaß und die Malereien an den Wänden.

„Allmählich lässt sich die Tragweite dieser Entdeckung erahnen“, denkt er. „Was, wenn sie recht hat, diese Nicole de Vos? …“

Er versucht wieder zu lauschen. Dieses Mal sind die Geräusche deutlich lauter. Sie kommen aus einem der Seitengänge und es klingt, als würde jemand streiten.

Als er den Raum betritt, sieht er Hendrickx und Brasseur hinter dem Professor stehen, der offenbar eine hitzige Diskussion mit einer Frau führt. Sie ist groß und schlank. Ihre braunen Haare hat sie hinten zu einem Pferdeschwanz gebunden. Alles in allem wirkt sie auf Temmerman eher unscheinbar. „Ihr Temperament sieht man ihr jedenfalls nicht an“, denkt er grinsend.

Die beiden Streithähne scheinen ihn gar nicht zu bemerken. Er räuspert sich.

In eine kurze Pause hinein fragt er, „Kann ich vielleicht etwas zur Lösung dieses Konflikts beitragen?“

Unvermittelt sehen die beiden ihn an.

„Oh, Oberst, würden Sie Nicole bitte erklären, dass ihr Artikel diesen Schutz überhaupt erst nötig macht?“, fragt Vanhalme beinahe schon flehend.

Eigentlich würde Temmerman das sehr gerne tun, aber irgendwie bringt er es nicht über sich, nun, da er mitten in der Höhle steht und mit eigenen Augen sieht, was die Gruppe gefunden hat. Wie ist das überhaupt möglich? Man stolpert doch nicht einfach beim Sonntagsspaziergang über eine solche Entdeckung, und wieso ausgerechnet jetzt? Diese Fragen würden allerdings warten müssen.

„Hören Sie, Frau de Vos. Es liegt mir wirklich fern, diesem Projekt zu schaden. Ganz im Gegenteil, wir wollen es fördern.“

„Ja, sicher wollen Sie das, und natürlich werden Sie allen Menschen davon erzählen, und zwar alles, egal was Sie finden?“

„Autsch!“, denkt Temmerman. „Damit hat sie wohl direkt den Kern des Problems erfasst.“

„Nun ja, vielleicht nicht alles und nicht auf einmal“, setzt er vorsichtig an.

Gerne hätte er sich selbst für so viel Ehrlichkeit geohrfeigt, aber etwas sagte ihm, dass jede Lüge an dieser Stelle nur schaden würde.

„Oh mein Gott! Sie hat recht“, entfährt es dem entgeisterten Professor. „Sie wollen es unter den Teppich kehren.“

„Nein, wir wollen den Menschen das zugänglich machen, was für sie relevant ist. Kommen Sie! Die meisten Menschen da draußen sind doch gar nicht bereit für ‚Ihre‘ Wahrheit. Die ganze Welt ist im Moment ohnehin anderweitig beschäftigt.“

„Gerade noch einmal die Kurve bekommen“, denkt Temmerman.

Der Professor steht regungslos vor ihm, während Nicole an ihm vorbei in Richtung Ausgang stürmt.

„Frau de Vos, lassen Sie uns doch …“, ruft er ihr hinterher, aber sie ist bereits verschwunden.

„Jemand sollte ihr nachgehen“, meint Hendrickx. „Wer weiß, was sie vorhat.“

„Damit hat er wahrscheinlich recht“, geht es Temmerman durch den Kopf.

„Ich schätze, jetzt bin ich gefragt“, seufzt Temmerman und setzt sich in Bewegung.

Besonders vorsichtig scheint diese Frau nicht gerade zu sein. Jedenfalls ist es für Temmerman ein Leichtes, sie zu verfolgen. Vielleicht ist das sogar ihre Absicht. Einige Kilometer entfernt biegt sie in einen Waldweg ein. Ihr Auto findet er verlassen und sieht gerade noch, wie sie einen steilen Pfad hinaufläuft, bevor sie hinter einer Biegung verschwindet.

„Mist!“, denkt er und macht sich daran, ihr zu folgen.

Der Weg kommt ihm endlos vor, aber schließlich öffnet sich eine Lichtung vor ihm. Nicole de Vos sitzt dort im Gras, als ob alles in bester Ordnung wäre, und scheint Löcher in die Luft zu starren.

Unschlüssig, was er jetzt tun soll, lehnt Temmerman sich an einen Baum und wartet. Worauf, weiß allerdings selbst er nicht.

Nach einer Weile fängt es an zu nieseln. Nicole de Vos bleibt sitzen.

„Verflucht!“, denkt der Oberst. „Wie kann man nur so stur sein?“

Temmerman entscheidet sich für die Flucht nach vorn und geht langsam auf sie zu.

Als er nur noch wenige Meter von ihr entfernt ist, sagt sie, ohne sich umzudrehen, „Sie sind wirklich mies darin.“

„Worin?“

„Darin jemanden zu verfolgen“, erklärt sie und sieht ihn nun direkt an.

„Zu meiner Verteidigung, ich war eigentlich bereits im Ruhestand und außerdem bin ich bei der Luftwaffe. Anschleichen ist nichts für mich.“

Sie lächelt zum ersten Mal.