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Als Schöpfungsgeschichte bezeichnen Theologen und Gläubige die Erzählung, mit der das meist verlegte und gelesene Buch, die Bibel, beginnt. Aber was, wenn nicht Gott in seinem Sechstagewerk die Schöpfung, also Trennung von Licht und Finsternis, Erschaffung des Himmelsgewölbes, Trennung von Land und Meer, sowie Pflanzenwachstum, die Schaffung der Himmelskörper, Erschaffung der Tiere an Land, im Wasser und in der Luft, Erschaffung des Menschen, vollbracht hätte? Was, wenn andere Wesen aus einem längst untergegangenen prähistorischen Universum dafür verantwortlich wären? Hier erfährst du eine andere Version der Schöpfungsgeschichte, wie sie hätte passieren können. Außerdem erfährst du, welche Probleme das für die Menschheit der Zukunft bedeuten könnte.
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Seitenzahl: 531
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Als Schöpfungsgeschichte bezeichnen Theologen und Gläubige die Erzählung, mit der das meist verlegte und gelesene Buch, die Bibel, beginnt.
Aber was, wenn nicht Gott in seinem Sechstagewerk die Schöpfung, also Trennung von Licht und Finsternis, Erschaffung des Himmelsgewölbes, Trennung von Land und Meer, sowie Pflanzenwachstum, die Schaffung der Himmelskörper, Erschaffung der Tiere an Land, im Wasser und in der Luft, Erschaffung des Menschen, vollbracht hätte?
Was, wenn andere Wesen aus einem längst untergegangenen prähistorischen Universum dafür verantwortlich wären? Hier erfährst du eine andere Version der Schöpfungsgeschichte, wie sie hätte passieren können. Außerdem erfährst du, welche Probleme das für die Menschheit der Zukunft bedeuten könnte.
Wir wünschen dir viel Spaß mit diesem ungewöhnlichen Science-Fiction-Roman.
Der Autor Terra, im Jahre A.D. 2025
Teil 1: Die Bedrohung
01. Muteki Senshi
02. Der neue Kampfanzug
03. Mein neues Team
04 Eine erste Spur
05. Schlacht über Barilim
06. Von Hütern und Wächtern
07. Der Weltenbaum von Ona
08. Die Jagd hat begonnen
09. Das vergessene Volk
10. Ein beunruhigendes Ereignis
11. Grönland-Kälte & Sahara-Hitze
12. Die Hohepriesterin von Siwa
13. Yggdrasils Vermächtnis
14 Das Tal der Hoffnung
Teil 2: Operation Horizon
15. Den Feind an Bord
16. Hinter dem Ereignishorizont
17. Gefangene der Creators
18. Ruchtwege
19. Verrückten Gehirne
20. Eine toten Stadt
21. Die neue Bedrohung
22. Zwischen Trauer und Hoffnung
23. Finale furioso
Epilog
Der unbesiegbare Krieger - Marty Finn - stand mit den anderen 300 Scribern auf dem Appellplatz und wartete. Seine Augen wanderten von der kleinen Tribüne zu den zahlreichen Besuchern. Es waren vor allem Familienangehörige und Freunde seiner Kameraden, mit denen er ein halbes Jahr lang gelitten und eine knochenharte Ausbildung durchgestanden hatte. Nun war es endlich vorbei und sie hatten die Abschlussübungen erfolgreich absolviert.
Die täglichen Schikanen durch ihre Ausbildung waren endlich Vergangenheit. Heute war der Tag, an dem man sie in den Kreis der Muteki Senshi, eine neue Elitetruppe der vereinigten Thalensischen Armeen, auf genommen wurden. Fast alle, denn einige wenige Scriber standen abseits von ihnen und ließen förmlich die Köpfe hängen. Sie waren den harten Anforderungen nicht gewachsen gewesen und hatten die Abschlussübungen nicht bestanden. Für sie und ihre Familien eine Schmach und niemand von ihnen wusste, wie ihre Zukunft aussah.
Nur einer unter den Scribern kannte seinen weiteren Weg - Marty Finn - der erste Muteki Senshi von der Erde. Er würde sich anschließend mit Chiwa van Heda und seinem neuen Team aufmachen, um den gefährlichsten Feind des Tridekagon zu jagen.
Ich kehrte mit meinen Gedanken zurück in die Realität, denn eine mir bekannte Stimme dröhnte über den Appellplatz. Der Befehlshaber der dritten Scriber-Hundertschaft hatte die Ehre, die heutige Abschlussfeier zu leiten und die erfolgreichsten Absolventen der Militär-Akademie auszuzeichnen.
Turba Isconir war der dienstälteste Hundertschaftsführer an der Akademie und so war es gleichsam logisch, dass ihm diese Ehre gebührte. Dann begann er seine Ansprache.
„Scriber! Stillgestanden!"
Der Turba hatte alle neuen Muteki Senshi im Blick. Ein Ruck ging durch alle Reihen. Die Hände an der Hosennaht, das Kinn selbstbewusst erhoben, so standen wir da. Nicht die geringste Bewegung. Ich hasste diese Appelle.
„Ich begrüße Euch an Eurem letzten Tag hier an der Militärakademie. Und ich heiße alle anwesenden Angehörigen herzlich willkommen zur traditionellen Abschlusszeremonie, bei der wir auch unseren besten Scriber Muteki Senshi ernennen!"
Minutenlange Stille. Einige Zivilisten hatten doch in der Tat die Absicht zu Applaudieren. Sie wurden aber durch die ungewöhnliche Stille erkennbar irritiert und schnell eines Besseren belehrt! Dass dies hier unangebracht war.
„Scriber! Rührt euch und steht bequem!"
Ein leises Aufatmen lief durch die Reihen. Die Hände lösten sich von der Hosennaht und das rechte Bein knickte leicht ein.
Dann setzte Turba Isconir zu seiner Rede an. Doch er sprach nicht, verwirrt schaute er auf das kleine Display auf dem Rednerpult. Nichts! Seine Rede war verschwunden. Ursprünglich war vorgesehen, dass sie auf dem Display erschien und er dort ablas.
Der Turba schaute sich hilflos um. Sofort eilte ein diensteifriger Techniker herbei, berührte eine Taste, woraufhin sich das Gesicht des Turba Isconir vor Freude erhellte. Er und seine Ehre waren gerettet. Der Techniker verschwand mit einem hämischen Grinsen wieder hinter der kleinen Tribüne.
Selbst ich lächelte über diesen scheinbaren Fauxpas. Das kam auch auf der Erde vor, dass so manch hoher Militär zwar in der Lage war, laut zu brüllen, aber nicht frei zu sprechen.
„Scriber! Heute ist für euch ein wichtiger Tag. Ihr habt eure sechsmonatige Spezialausbildung abgeschlossen und schon bald werdet ihr in unsere neue Elitetruppe abkommandiert. Doch dies geschieht nicht, bevor wir euch nicht zu unschlagbaren Kriegern ernannt haben, zu Muteki Senshi!
Fast täglich seid ihr mit diesem Begriff konfrontiert worden und immer wieder habt ihr euch gefragt, was er grob gesagt bedeutet und woher er kommt. Dazu muss etwas weiter ausholen.
Wie inzwischen allgemein bekannt ist, haben wir einen neuen kampfstarken Verbündeten an unserer Seite. Und was das Besondere daran ist, dass dieser Partner nicht aus unserem Universum stammt. Oftmals wurde in den letzten Monaten darüber berichtet, wie es uns gelang, einen Weg ins Parallel-Universum, zu unseren neuen Verbündeten zu finden. Bisher war die Verbindung zur Erde, zu unseren Brüdern und Schwestern allein eine behelfsmäßige Verbindung. Und dieses GAP war anfällig für äußere kosmische Einflüsse.
Doch wir haben eine akzeptable Lösung gefunden. In wenigen Tagen ist es soweit, wir werden das erste Weltentor in Betrieb nehmen. Und dann beginnt ein reger wirtschaftlichen und militärischen Austausch zwischen unseren Welten. Sollte es sich bewähren, dieses Weltentor, werden wir alle Welten innerhalb des Tridekagon mit diesem Wunderwerk der Technik verbinden.
Doch nun bin ich etwas vom Thema abgekommen. Wie schon gesagt, ist die Bezeichnung Muteki Senshi von unseren Brüdern und Schwestern der Erde. Dort lebt eine ethnische Gruppe, welche man Japaner oder auch Yamatoe nennt. In einer langen Tradition gab es dort zahlreiche berühmte Krieger, sogenannte Samurais und waren diese unbesiegt, dann nannte man sie Muteki Senshi.
Und nun haben wir euch zu unbesiegbaren Kriegern ausgebildet. In den drei Scriber-Hundertschaften haben fast alle die Abschlussübungen bestanden. Allein fünf Scriber waren diesen Anforderungen nicht gewachsen. Doch auch für diese Unglücklichen werden wir eine wichtige Aufgabe in den vereinten Thalensischen Armeen finden, denn sie haben ihr Bestes gegeben und werden in ihrer Schmach nicht allein gelassen.
Besonders hervorheben möchte ich dennoch, dass die Scriber der 3. Hundertschaft zu hundert Prozent bestanden haben!..."
Turba Isconir hob die linke Hand und wie auf Kommando ließ die 3. Hundertschaft ein lautes und dreifaches Hurra ertönen. Voller innerer Genugtuung schaute der Turba auf seine Männer herab. Dann sprach er weiter.
„... Alle Muteki Senshi erhalten spezielle gepanzerte Kampfanzüge und werden schon morgen auf den Schlachtschiffen der Thalensis-Flotte ihren Dienst antreten, wozu ich ihnen alles Gute wünsche. ... Doch kommen wir nun zu dem Scriber, der mit dem besten Ergebnis die Abschlussübung bestanden hat. Ich rufe rufe den Scriber Marty Finn zu mir!"
Oh mein Gott, der Turba hatte es angekündigt, dass etwas ganz Besonderes auf mich zukommen würde. Nun war es so weit. Ich trat aus der Reihe, wandte mich mit einer zackigen Bewegung nach rechts und nach genau fünfzig Schritten wieder nach links. Dann machte ich noch zehn Schritt vorwärts und stand vor der Tribüne. Mein Arm zuckte nach oben und militärisch korrekt grüßte ich den Turba Isconir.
„Scriber Finn, sie haben als erster Nicht-Thalensis die Ausbildung zum Muteki Senshi mit einer Bestleistung bestanden, indem sie die optimale Punktzahl von einhundertundeins erreichten. Dies hat bisher keiner der ausgebildeten Scriber erreicht. Meinen herzlichen Glückwunsch an unseren ersten Scriber von der Erde!..."
Applaus brandete auf und ich fühlte mich plötzlich unwohl in meiner Haut. Es ist nun einmal nicht so mein Ding, wenn ich im Mittelpunkt des Interesses stand.
„... Hiermit ernenne ich sie als Ersten feierlich zum Muteki Senshi. Für die Eingangs erwähnte Leistung in der Ausbildung und sowie in der Abschlussprüfung erhalten sie den goldenen Kampfanzug der Vereinten Thalensischen Armeen. Dieser Anzug spiegelt die Wertschätzung ihrer gezeigten Leistungen wider und möge er bei ihren nächsten Aufgaben gute Dienste leisten und zuverlässig vor dem Feind schützen!"
Turba Isconir kam von seiner kleinen Tribüne herunter. Ich salutierte und er überreichte mir einen kleinen goldenen Kasten. Scheinbar muss ich den Kasten etwas ungläubig betrachtet haben, denn der Turba flüsterte mir zu:
„Lassen sie sich nicht täuschen, dies ist wirklich ihr Kampfanzug! Sie werden staunen!..."
Dann hallte seine Stimme wieder über den Appellplatz. „... Ich bin sehr stolz auf sie, auch wenn ich ihnen am Anfang nicht sehr viel zugetraut habe. Gratulation, Muteki Finn!"
„Danke, Turba Isconir, es war mir eine Ehre, in ihrer Hundertschaft dienen zu dürfen!"
„Nach den offiziellen Feierlichkeiten kommen sie in mein Büro. Ich werde ihnen einiges zu dem kleinen Kasten erklären müssen!"
„Zu Befehl, Turba!"
Dieser schnappte sich kurzerhand meinen Arm und hob ihn in die Luft, wie bei einem Champion. Wieder Applaus und meine Leidensgefährten während der Ausbildung ließen ein donnerndes „Hurra, hurra, hurra" ertönen. Danach durfte ich in die Reihen meiner Kameraden zurücktreten.
Anschließend wurde die Prozedur fortgesetzt. Jeder Scriber wurde namentlich aufgerufen und erhielt seinen persönlichen Kampfanzug, entsprechend seinem Ergebnis bei der Abschlussprüfung in Rot, Grau oder Schwarz! Und infolgedessen dauerte diese offizielle Zeremonie, wie sie genannt wurde, weitere drei Stunden. Schon nach einer Stunde machte sich jedoch eine gewisse Unruhe unter den Besuchern breit.
Am schlimmsten traf es jedoch die fünf Scriber, die den Anforderungen nicht gewachsen gewesen waren und somit nicht zum Muteki Senshi ernannt wurden. Sie harrten bis zum Ende der Zeremonie aus und erhielten für ihr Versagen lediglich den Marschbefehl zur weiteren Ausbildung als Techniker auf einem Kriegsschiff der Thalensis-Flotte.
Dann war es endlich vorbei. Knapp dreihundert Scriber mischten sich unter die Besucher, suchten ihre Angehörigen. Es dauerte lediglich fünf Minuten und die strenge militärische Ordnung hatte sich aufgelöst.
Auch auf mich warteten einige Besucher, von denen ich nur wenige kannte. Die komplette Familie von Chiwa war angereist, um den Freund ihrer Tochter und Schwester zu begutachten. Innerlich war ich froh, dass ich mit meinem goldenen Kampfanzug bei ihnen gewissermaßen punkten konnte.
Zunächst wurde ich von der Mutter beglückwünscht und dabei intensiv beäugt. Und offensichtlich schien ihre Einschätzung meiner Person sehr positiv auszufallen, denn ihre Augen strahlten, und sie plauderte munter mit mir drauflos. Bis Chiwa kam.
„Hallo Mutter! Bist du mit der Wahl meines Partners zufrieden?", fragte sie schnippisch.
„Aber Kind, wir sprechen hier über deinen Freund und nicht über ein Kleid, welches du dir sowieso nicht kaufen würdest. Dein bestes Kleid ist doch der Kampfanzug.", entgegnete diese entrüstet. „Aber wenn du schon fragst, will ich dir auch antworten. Marty ist ein sehr angenehmer Gesprächspartner und ich bin mir sicher, dass er sich problemlos in unsere Familie integrieren wird. Zufrieden, Tochter?"
„Bin ich, Mutter!", antwortete Chiwa und schaute mich dabei an. Was soviel heißen sollte, du hast die erste Eignungsprüfung zwar bestanden, aber die schwerste steht dir noch bevor. Dann hakte sie ihre Mutter unter und beide ließen mich einfach stehen.
Dies war offensichtlich für die zwei halbwüchsigen Geschwister von Chiwa das Zeichen, sich auf mich zu stürzen. Sofort begannen sie mich mit Fragen zu traktieren. Dies dauerte sage und schreibe fast eine weitere Stunde. Wobei ich bemüht war nach bestem Wissen und Gewissen zu antworten, gleichzeitig aber nicht in eines der berühmten Fettnäpfchen zu treten.
Plötzlich hörten sie auf auszufragen, drehten sich um und marschierten geradewegs auf Onkel Jeremias zu, der sich mittlerweile zu uns gesellt hatte. Die beiden Halbwüchsigen hakten sich bei ihm unter und begannen eine fröhliche Plauderei. Immer wieder ertönte ihr helles Gelächter. Vor Staunen blieb mir der Mund offen stehen und dabei hörte ich den Jungen sagen:
„Onkel Jeremias, die bist halb so langweilig wie dein Neffe!"
„Na, das sind mir ja ein paar nette Früchtchen! Ich und langweilig? Die haben noch nicht die Geschichten meine Abenteuer gehört! ich bin nicht langweilig!"
Unbemerkt war Chiwa wieder an mich herangetreten.
„Wer hat gesagt, dass du langweilig bist?", fragte sie und schaute mich an.
„Diese beiden jungen Hüpfer, mit denen sich gerade Onkel Jeremias amüsiert und wie es scheint, sehr gut sogar!"
„Das sind meine jüngeren Geschwister! Hab ich dich nicht vor ihnen gewarnt? Und ...?"
„Sie haben mich mit ihren Fragen gelöchert und plötzlich sind sie einfach abgedampft!"
„Ich sagte doch, sie nehmen dich Stück für Stück auseinander und wenn du nicht in ihr jugendliches Schema passt, lassen sie dich so zerlegt wie du bist, einfach links liegen!"
„Das war es dann wohl. Ich werde mit Sicherheit nicht in eure Familie aufgenommen, oder?"
„Mutter ist hier der Boss und nicht die beiden Rotznasen, die noch nicht einmal Respekt vor ihren großen Geschwistern haben. In den Augen meiner Mutter bist du mit Sicherheit ein gut erzogener Junge! Alles wird gut, Marty!"
„Oh bitte nicht, Chiwa! Nicht schon wieder dieser abgedroschene Spruch! Lass uns irgendwo hingehen, wo es ruhig ist!"
Geschickt lotste mich Chiwa in ihr Quartier, welches sie für die Zeit als mein militärischer Mentor bezogen hatte. Die Besuchszeit war auf vier Stunden festgelegt und es waren gerade erst einmal dreißig Minuten vergangen. Wir hatten reichlich Zeit für uns.
Rechtzeitig zur Verabschiedung erschienen wir wieder auf der Bildfläche. Artig verabschiedeten wir uns vom Rest der Familie van Heda. Mutter van Heda küsste mich wohlwollend auf die Wange, während die beiden halbwüchsigen Geschwister mich erneut taxierten und zur Verabschiedung zu mir sagten:
„Wir sind geteilter Meinung, Muteki Senshi. Meine Schwester findet dich charmant mit Umgangsformen, die uns angeblich fehlen würden. Doch uns musst du erst überzeugen, was in dir steckt. Wir werden dich weiter beobachten!"
„Dann müsst ihr euch aber beeilen. Allzu viel Zeit bleibt euch nicht mehr dazu!"
„Das wissen wir! Zeit ist irrelevant. Nur Taten entscheiden!"
Nachdem alle gegangen waren, verabschiedete ich mich auch von Chiwa. Doch diesmal war es nur eine Trennung von Stunden. Zunächst jedoch hatte ich den wichtigen Termin bei meinem Hundertschaftsführer, dem Turba Isconir. Fast hätte ich es vergessen!
*
Ich klopfte und augenblicklich ertönte eine Stimme. „Herein!"
Automatisch öffnete sich die Tür und ich trat in das Büro des Turba Isconir.
„Turba Isconir, Scriber Finn meldet sich wie befohlen zur Stelle!"
„Falsch! Es heißt Muteki Senshi Finn ab heute!"
„Verzeihung Turba, alte Gewohnheit! ... Muteki Senshi wie befohlen zur Stelle!"
„Na sehen sie, geht doch. Und legen sie schnellstens alte Gewohnheiten ab. Sie sind nun durch und durch ein Militär!"
„Zu Befehl, Turba! Es unterscheidet sich kaum vom Militär auf der Erde. Eine Frage hätte ich dazu! Ist es gestattet?"
„Fragen sie!"
„Weshalb wählten die Thalensis für sich den Begriff Erde und nicht, wie es seit Jahrhunderten bei uns üblich ist, den Namen Terra?"
„Weil es geschichtlich und traditionell viele Generationen lang einfach Erde hieß. Wir Thalensis sind der Geschichte und der Tradition aller Spezies verpflichtet. Und so ist euer Heimatplanet für uns immer die Erde."
„Danke Turba Isconir, dann werde auch ich fortan nur noch Erde sagen."
„Ihr tut gut daran, Muteki Senshi, denn schon bald werden die Menschen von der Erde ihre Geschichte und ihre Traditionen mit anderen Augen sehen. Der Name Terra wird wieder verschwinden und die Bezeichnung Erde wird sich wieder durchsetzen."
„Das mag schon sein, Turba, aber ansonsten unterscheidet sich das Militär der Erde vom Militär von Domus keineswegs."
„So ist nun einmal das Militär. Aber sobald ein Kämpfer der vereinten Thalensischen Armeen einer Einheit angehört, sieht alles ein wenig anders aus. Dann kommt es auf die Fähigkeiten an oder bei den Technikern auf ihr Wissen.
Während ihres bevorstehenden Spezialeinsatzes werden militärische Ränge und Gepflogenheiten weitestgehend in den Hintergrund treten. Glauben sie mir, ich weiß, wovon ich spreche. Bevor ich hier an die Militärakademie kam, habe ich viele Jahre eine Spezialeinheit geführt. In dieser Truppe zählten nicht Dienstgrade, sondern Kameradschaft und Vertrauen. Und wenn dieses Vertrauen nicht da ist, überlebt niemand einen solchen Einsatz."
„Ganz meiner Meinung, Turba. Auf der Erde habe ich über die Jahre eine wunderbare Truppe zusammengeschweißt. Einer stand für den anderen ein. Wir waren Kameraden und Freunde, doch nur einer hatte das Sagen."
„Sie werden auch hier eine eingeschworene Truppe formen, denn ich habe sie während ihrer Ausbildung stets im Auge gehabt und dabei ist mir klar geworden, dass sie eine Führungspersönlichkeit und für diesen Einsatz in der Tat der richtige Mann sind!"
„Danke, Turba Isconir!"
„Keine Ursache, Muteki Finn. Das ist meine persönliche Meinung und dazu stehe ich. Übrigens, morgen treffen sie sich mit ihrer Einsatztruppe. Aber jetzt wollen wir uns erst einmal ihren neuen Kampfanzug genauer ansehen und ihn auch anprobieren. Denn er ist ihre eigentliche Lebensversicherung in jedem Einsatz. Er ist eine Neuentwicklung unserer Militärwissenschaftler und sie haben den ersten Anzug erhalten, der demnächst in Serie produziert wird."
„Ich fühle mich geehrt, aber ich weiß gar nicht, wie ich diese Ehre zurückgeben soll! Eigentlich ist es zu viel der Ehre".
„Keine falsche Bescheidenheit. Ihr Spezialauftrag ist nicht ungefährlich, und wir wollen doch nicht gleich unseren besten Muteki Senshi verlieren, indem wir ihm einen alten Kampfanzug geben. ... Haben Sie ihre kleine Schatzkiste dabei?"
„Jawohl!"
„Gut, ich erwarte in wenigen Minuten den Vater und Erfinder des neuen Kampfanzuges hier bei mir. Er wird ihnen alles genau erklären."
Wie auf das Stichwort klopfte es.
„Da ist er schon!... Herein!", rief der Turba Isconir.
Die Tür öffnete sich automatisch und herein trat ein kleines graues Männlein. Nur ganze einhundert und sechzig Zentimeter groß. Mit einer einzigen Bewegung seiner kleinen Äuglein hatte er sofort das Büro vom Turba inspiziert. Abwartend blieb er an der Tür stehen.
„Kommen sie nur näher, Vycter, sie großes Genie!", lachte der Turba und wandte sich wieder mir zu. „Das ist Vycter, wissenschaftlicher Leiter der militärischen Entwicklungsabteilung. Klein von Gestalt, aber ein ganz Großer auf seinem Fachgebiet. Er ist der geistige Vater ihres neuen Kampfanzuges, Muteki Finn!"
Während der Turba Vycter vorstellte, hatte ich diesen ständig im Visier. Schließlich stand ich auf, trat auf ihn zu und drückte seine kleine feingliedrige Hand.
„Es freut mich, sie kennenzulernen, Vycter. Wenn ich es richtig einschätze, sind sie Zivilist, da man sie ohne Dienstgrad anspricht!"
„Die Freude ist ganz meinerseits. Und es ist mir eine Ehre, den besten Muteki Senshi, den die Akademie bisher ausgebildet hat, kennen zu lernen! ... Nun, das wissenschaftliche Personal der Akademie besteht ausschließlich aus Zivilisten. Es ist erstaunlich, was sie bereits über uns Thalensis wissen, besonders über unser Militär!"
„Nun, das hat die Ausbildung so mit sich gebracht!"
Wir schüttelten uns die Hände und ich bemerkte, dass dieser kleine, unscheinbare Mann einen festen Griff hatte. Er strahlte viel Selbstvertrauen aus und schien voller Energie zu sein. Nach ein paar Worten kam er sofort zur Sache, ohne weiter auf den Turba zu achten.
„Sie haben ihn dabei, Muteki?"
„Natürlich", antwortete ich und zeigte ihm mein auffälliges Kästchen.
„Sehr schön! Aber erst noch ein paar erklärende Worte und dann probieren wir das Schmuckstück einmal an!"
Er schaute mich an und ich sah deutlich, wie stolz er war, auf seine Erfindung. Dann sprach er weiter.
„Der Kampfanzug, den ich entwickelt habe, ist das Optimum, das an Sicherheit erreicht werden kann. Er besteht aus Milliarden frei beweglicher Nanobots. Das sind winzige Roboter mit eigener Energieversorgung, die jeweils von einem Nano-Computer gesteuert werden. Wenn sich alle Bots zu einem fertigen Kampfanzug zusammenschließen, also miteinander vernetzt sind, erreicht die Rechenleistung aller Nanocomputer das Hundertfache des bisher leistungsfähigsten Supercomputers. Dieser Supercomputer würde allerdings nicht in dieses Büro passen."
Ich schaute den Wissenschaftler mit großen Augen an und versuchte, mir im Geiste den Kampfanzug vorzustellen und nicht das goldene Kästchen.
„Der nanomorphe Kampfanzug, wie er genau heißt, ist kein einfacher Supercomputer, wenn er getragen wird. Er ist dann eine Super-KI, die selbst unsere wissenschaftliche Elite wie Urmenschen aussehen lässt.... Diese KI wird sofort beim ersten Anlegen des Anzugs mit dem Gehirn seines Trägers verbunden. Davon bemerkt man aber kaum etwas. Ein Piks im Nacken und sie sind verbunden. Von diesem Augenblick ansieht die KI, was sie sehen. Nur mit dem Unterschied, dass die KI wesentlich schneller auf jegliche Situation reagieren kann und entsprechende Befehle an ihr Gehirn weiterleitet. Sie wehren daraufhin im Bruchteil einer Sekunde jegliche Bedrohung ab oder gehen zum Gegenangriff über. ... Die Nanobots des Anzugs verleihen ihnen Schnelligkeit, Ausdauer, Kraft und hundertprozentige Unverwundbarkeit. Jede Einwirkung einer Waffe auf den Anzug und damit auf ihren Körper wird neutralisiert und mit entsprechender Gegenwehr beantwortet...."
„Entschuldigen sie, Vycter, wenn ich sie unterbreche! Woher bezieht der Anzug, also die Nanobots und die KI eigentlich ihre Energie?"
Der Wissenschaftler lachte. Ihm schien mein Interesse zu gefallen.
„Man merkt, dass sie kein Thalensis sind. Ein geborener Kämpfer würde sich keinerlei Gedanken darüber machen, woher die Energie kommt, hauptsache sie ist da, wenn sie gebraucht wird. Sie dagegen wollen wissen, wie alles funktioniert. Unser Militär hingegen interessiert nur, wie schnell man damit eine unschlagbare Armee ausrüsten kann. Das ganze Drum und Dran geht ihnen gänzlich ab! ... Schauen sie sich Turba Isconir an. Er ist bereits gelangweilt von meinen Ausführungen!"
Vom Schreibtisch kam eine nicht verständliche Bemerkung. Und dazu der lustlose Versuch, Interesse zu zeigen. Aber Vycter winkte nur ab und begann mir weitere Einzelheiten zu erzählen.
„Also zur Energieversorgung! Der ganze Anzug wird von Nanorobotern, den Bots, mit Energie versorgt. Ihre Oberflächen sind mit winzigen Solarzellen ausgestattet, die selbst die geringste Menge Licht in Energie umwandeln. Bei ihrem Anzug sind dies vergoldete Spiegel und deshalb erscheint ihr Anzug dem Betrachter aus reinstem Gold zu sein. Mein Anzug dagegen hat herkömmliche Spiegel und sieht aus wie ein verchromter Taxigleiter in Luminis!"
„Sie tragen auch so einen Anzug?", fragte ich erstaunt.
„Natürlich, ich bin sein geistiger Vater und ich teste alle meine Erfindungen selbst. Bei ihrem Anzug lief es genaus ab."
„Aber ich sehe nichts bei ihnen von einem Anzug!"
„Weil er sich momentan im NK-Modus befindet, dem sogenannten Nicht-Kampf-Modus! Würden sie mich jetzt angreifen, würde er automatisch in den K-Modus wechsel und mich komplett einhüllen. Die Nanobots sind jetzt auf engstem Raum zusammengezogen. ... Sehen sie den schmalen Reif um meinen Hals?"
Ich nickte. Tatsächlich trug Vycter am unteren Ende vom Hals einen silbernen Reif.
„Genau dies ist der Nanomorphe Anzug. Im Nacken ist er mit meinem Gehirn verbunden und er wird aktiviert, sobald ich es gedanklich wünsche oder mich irgendetwas bedroht. Passen sie auf!"
Vor meinen Augen geschah plötzlich eine Art Wunder. Von dem Reif aus verteilten sich die Nanobots blitzschnell über seinen Körper. Nur sein Gesicht blieb frei. Nach nur einem Wimpernschlag stand ein silberner Supermann vor mir.
„Sie sehen hier den Aktiv-Modus und gleich wechsle ich in den Kampf-Modus!"
Dazu verdeckten die Nanobots auch sein Gesicht. Seine Stimme war dennoch deutlich zu verstehen.
„Es sieht etwas gewöhnungsbedürftig aus!", sagte ich zu ihm.
„Alles mit Absicht! Wie wirkt das wohl auf einen potentiellen Gegner? Furchterregend und demoralisierend, oder?"
„Wie atmen sie? Und wie können sie weiterhin alles sehen, was um sie herum geschieht?"
„Ich habe wirklich an alles gedacht, auch an die Versorgung mit Atemluft. Alles gesteuert von der KI. Etwas Schwierigkeiten gab anfangs mit dem Sehen. Aber auch dieses Problem habe ich schließlich lösen können. Auf der Außenseite arbeiten kleinste Kameras für mich. Alles hergestellt aus unzerstörbarem Material. Wenn sie so wollen, sehen die Nanobots für mich. Die Bildinformationen werden ohne Verzögerung an die KI übertragen und die leitet sie an das Sehzentrum weiter und ich sehe, was um mich herum vor sich geht!"
„Es ist unglaublich. Soweit ist man auf der Erde noch lange nicht!", begeisterte ich mich für die Ausführungen des geistigen Vaters dieses Anzugs.
„Alles zu seiner Zeit! Wenn ihr Menschen von der Erde euch als zuverlässige Partner erweist, wird euch der Zugang nicht nur zur Technik des nanomorphen Anzugs gewährt!"
Ich war jetzt kaum noch zu bremsen und voller Spannung betrachtete ich meinen kleinen goldenen Kasten. Und darin sollten Milliarden von Nanobots schlummer? Ich vermochte es kaum zu glauben.
Vycter schien meine Zweifel bemerkt zu haben. Er deaktivierte seinen Anzug und sofort stand vor mir wieder dieses kleine unscheinbare Genie.
„Jetzt öffnen schon ihr goldenes Wunderkästchen!"
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich öffnete das Kästchen und darin lag ein ähnlicher Ring, wie er ihn um den Hals trug. Nur das meiner golden glänzte.
„Nicht enttäuscht sein. Sie haben ein goldenes Accessoire bekommen, welches sie in gefährlichen Situationen wahrlich Gold wert ist und ihnen das Leben retten kann! ... Nehmen sie den Ring heraus und legen sie ihn so an, wie ich ihn trage. Aber nicht erschrecken! Sie werden im Nacken einen winzigen Einstich bemerken, aber kaum Schmerz verspüren. Das ist der Moment, in dem sich die KI mit ihrem Gehirn verbindet!"
Etwas skeptisch betrachtete ich den goldenen Ring. Doch dann nahm ich ihn heraus. Er öffnete sich so, dass ich ihn mir um den Hals legen konnte.
Der Ring war sehr flexibel und in meinen Fingern verspürte ich ein leichtes Kribbeln.
„Das sind die Nanobots, die sind ständig in Bewegung.
Wobei sie nur dieses Kribbeln verspüren!"
Ich legte den Ring an. Sofort schloss sich der Ring um meinen Hals und wirklich spürte ich den erwähnten Piks im Nacken.
„Die KI kalibriert sich einige Sekunden lang. Dabei ist es möglich, dass ihnen etwas schwindelig wird. Verspüren sie etwas?"
„Nichts! Es ist alles normal!"
„Nun, bei ihren durchtrainierten Körper ist es durchaus möglich, dass sie absolut nichts spüren. Geben sie jetzt gedanklich den Befehl, dass sich der Anzug aktivieren soll!"
Gut gesagt, aber so auf Anhieb klappte es leider nicht. Denn genau wie ich den Befehl zum Aktivieren gab, dachte ich sofort an den Kampf-Modus. Doch dies hätte ich lieber bleiben lassen sollen. Blitzartig bedeckten die Nanobots meinen gesamten Körper. Das war ja noch erträglich. Aber in dem Moment, in dem sie mein Gesicht einhüllten, geriet ich doch etwas in Panik und begann hektisch zu atmen.
„Beruhigen sie sich. Atmen sie ganz normal weiter!"
Wieder so ein gut gemeinter Rat, der aber bei einem Neuling wie mir, kaum zum Gehirn vordrang. Ich hyperventilierte und ging zu Boden. Erst dort gelangte die Erkenntnis in mein Bewusstsein, dass der Anzug mich mit Atemluft versorgte. Ganz allmählich beruhigte ich mich.
Nachdem sich mein Puls wieder normalisiert hatte, stand ich langsam auf und kam in den Genuss hervorragender Funktionen des Anzugs. Ich konnte alles um mich herum sehen. Vycter, den Wissenschaftler, der mich besorgt beobachtete und Turba Isconir, der scheinbar immer noch desinteressiert an seinem Schreibtisch saß.
Vorsichtig tastete ich mein Gesicht ab. Ich hatte keines mehr, denn überall waren die Nanobots. Und als ich meine eigenen Finger sah, hatte ich mich wieder vollkommen im Griff. Zudem hörte ich die beruhigende Stimme von Vycter.
„Ich weiß genau, woran sie als Erstes gedacht haben, an den Kampf-Modus. Das war jetzt die radikale Methode, den K-Modus kennenzulernen. Versuchen sie, in den Nicht-Kampf-Modus zu gehen.
Das klappte diesmal auf Anhieb. Mein Gesicht wurde wieder frei von Nanobots und der Turba grinste mich von seinem Schreibtisch aus an.
„Willkommen zurück, Muteki Senshi!"
„Wow, das war tatsächlich die Holzhammermethode!", sagte ich nur. Dann betrachtete ich meinen Körper, welcher nun im Kampfanzug steckte und in reinstem Gold glänzte. Was für eine geniale Technik, dachte ich.
„Nun deaktivieren sie ihren Anzug wieder. Wir wollen doch auch sehen, wie ihnen ihr neues Schmuckaccessoire am Hals steht.", meinte Vycter lächelnd.
Ich dachte an >Anzug deaktivieren< und sofort zogen sich die Nanobots am Hals zusammen und bildeten nur noch einen goldglänzenden Ring. Man spürte kaum etwas, so leicht wirkte alles und dennoch war die KI mit meinem Gehirn verbunden.
„Na, das hat doch wunderbar geklappt und chic sehen sie jetzt auch noch aus. Währenddessen ist ihre KI stets auf der Hut und wachsam, um Gefahren von ihnen abzuwenden!"
Plötzlich sprang der Turba Isconir hinter seinem Schreibtisch hervor und wollte mich mit einem Messer attackieren. Noch ehe ich es registrierte, was geschah, hatte die KI bereits reagiert und den Anzug aktiviert. Die wuchtigen Messerstiche des Turba Isconir prallten am Anzug ab und letztlich brach die Klinge des Messers.
Die Attacke hattte mir kein bisschen geschadet. Kein Schmerz oder Druck von der Wucht. Immer dort, wo die Messerspitze auf den Anzug traf, hatten sich die Nanobots derartig verstärkt, so dass jede Wirkung der Waffe auf meinem Körper ausblieb.
Der Nanomorphe Anzug war einfach genial. Da würden die Militärs der Erde aber große Augen machen, wenn ich den dort präsentieren würde. Doch bis dahin hatte ich mit meinem neuen Team wichtige Aufgabe zu erfüllen und wann ich die Erde wiedersehen sollte, das stand allein in den Sternen.
*
Der nanomorphe Kampfanzug war nun ein Teil von mir. Er gehörte ab jetzt sozusagen zu meinem Leben und ich trug meinen Schmuck Tag und Nacht um den Hals.
Noch am Tag meiner Ernennung zum Muteki Senshi traf ich mich wieder mit Chiwa und wir machten uns auf den Weg zum Raumflughafen. Dort lag abflugbereit, die generalüberholte >Vulkron<. In den Monaten meiner Ausbildung auf der Akademie hatte sie ein technisches Upgrade bekommen, wie es so schön in der Technikersprache hieß.
„Und?", fragte Chiwa gleich, als wir uns trafen. „Wie zufrieden bist du mit deinem Kampfanzug?"
„Er ist phantastisch. Im Übrigen habe ich sofort nachgefragt, ob du auch einen davon bekommst! Aber leider existieren nur zwei Prototypen. Einen trägt Vycter, der Entwickler des Anzugs und den zweiten habe ich! Doch schon bald soll die Serienproduktion anlaufen!"
„Ach weißt du, Marty, ich bin ganz zufrieden mit meinem Anzug. Er war zwar rot, aber ich wollte Partnerlook tragen und so habe ich ihn mit einer goldenen Spezialfarbe versehen lassen!"
„Also bist du nicht traurig, dass du diesen Superanzug erst später bekommst?"
„Absolut nicht!... Wir müssen hier raus! Wir sind da!"
In diesem Moment hatte die Einschienenbahn den Raumflughafen erreicht und die Mehrzahl der Fahrgäste stieg hier aus. Wir ebenso. Sofort wurden wir von der Masse der Menschen in Richtung Abfertigung geschoben.
Chiwa pack mich fest am Arm und wir arbeiteten uns aus dem Menschenstrom heraus. Wir hatten es nicht eilig und so warteten wir, bis sich die Massen etwas verlaufen hatten.
„Mein Gott, was ist denn hier los?", fragte ich überrascht über diesen Trubel.
„Die Feiertage stehen vor der Tür. Viele besuchen aus diesem Anlass Verwandte und Freunde oder kehren einfach zu ihren Familien zurück!"
„Und wir?"
„Für uns fällt Feiertag und Freizeit aus. Die >Vulkron< liegt im Hochsicherheitsbereich des Raumflughafens und sie ist abflugbereit".
Dann sah ich das Schild: Abfertigung für Militär und Diplomaten. Dort war es völlig leer und so wurden wir sofort abgefertigt.
„Willkommen, Muteki Senshi und herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Ernennung. Ich habe die Ehre, ihnen einen Ausweis zu überreichen. Damit können sie alle Abfertigungen auf den Raumflughäfen ohne große Kontrollen passieren!"
Ein fast menschlich aussehender Cyborg drückte mir diesen Ausweis in Form einer kleinen Plakette, welche ich mir an die neue Uniform heften musste, in die Hand.
Chiwa grinste und flüsterte: „An Bord der >Vulkron< brauchst du das Ding nicht. Und bei mir wirst du sowieso vorrangig abgefertigt!" Dann schob sie mich durch die sich öffnende elektronische Sperre.
Kurze Zeit später standen wir vor der >Vulkron<, dem Kronjuwel der Familie van Heda und schon in dritter Generation in ihrem Besitz.
„Mein Großvater würde heute sein Schiff gar nicht wiedererkennen.", rief Chiwa sichtlich überrascht aus. Ich, der ich dieses Schiff erst einmal gesehen hatte, erkannte sie sowieso nicht wieder. Das Schiff hatte sich offenbar vollkommen verändert.
„Das ist schon ein himmelweiter Unterschied zu meiner >Blue Pearl<. Trotz aller modernen Technik, die sich in der >Vulkron< versteckt, werde ich die gute alte Perle dennoch vermissen!"
„Keine Sorge, wenn wir alles hinter uns haben, wirst du deine Perle wiedersehen. Doch nicht wiedererkennen. ...
Aber sag einmal, bin nicht ich in Wirklichkeit deine Perle?"
„Aber selbstverständlich, meine süße Perle!", lachte ich und küsste sie auf die Wange.
„Untersteh dich, ich habe auch einen militärischen Dienstgrad. Vergiss das nicht, wenn wir an Bord sind!", erwiderte Chiwa schnell und boxte mir in die Seite. Auf einmal ertönte eine bekannte Stimme über uns.
„Hey, ihr zwei verliebten Hühner! An Bord mit euch, aber schnell. Auf euch wartet jede Menge Arbeit und außerdem dein ungeduldiger Commander!"
„Das hörte sich wiw Onkel Jeremias an!", sagte ich erstaunt.
„Gut erkannt. Der Gute ist einfach Gold wert. Der hält die gesamte Besatzung auf Trab!"
„Hat sich offensichtlich schnell mit der >Vulkron< getröstet!"
„Einmal Pilot, immer Pilot. Wie er mit dem Schiff umgeht, ist einfach genial. Mein Bruder Rashei hält große Stücke auf ihn und wie mir zu Ohren gekommen ist, wird er ihn als Piloten und gleichzeitig als seinen Ersten Offizier einsetzen."
„Was? Ich glaub es nicht! Der Mann legt auf seine alten Tage noch eine Bilderbuchkarriere hin. Aber was wird mit deinem Vater?"
„Als neuer Curator hat er andere Sorgen. Allein schon deshalb kann er uns nicht begleiten!"
„Was? Curator Photh ist noch immer erkrankt und nun führt dein Vater die Amtsgeschäfte?"
„Das stimmt so nicht ganz! Es hat sich herausgestellt, dass Curator Photh vergiftet wurde ...!"
„Das ist doch wohl nicht dein ernst, oder?"
„Oh doch, aber es kommt noch schlimmer. Tatsache ist, was du bisher noch gar nicht weißt, dass während eurer Abschlussprüfung Curator Photh plötzlich verstorben ist!"
„Oh mein Gott! Und nun ist dein Väter zum neuen Curator gewählt worden."
„Nein, nicht gewählt! Er wurde von seinem Vorgänger zu seinem Nachfolger bestimmt worden. Curator Photh war nie verheiratet und hat daher keine Nachkommen, die sein Amt hätten übernehmen können. Heute tritt das Curatorium zusammen und wird meinen Vater als neuen Curator bestätigen!"
„Andere Frage! Hat man schon eine Spur, wer für die Vergiftung von Curator Photh verantwortlich ist?"
„Man verfolgt die verschiedensten Spuren. Aber so einen Fall hat es in der langen Geschichte des Protektorats noch nie gegeben. Manche sagen, die Untergrundbewegung Dark Peoples sei dafür verantwortlich. Andere sprechen von einer politischen Gruppierung, die gegen eine Allianz mit der Erde ist. Und die dritte Version ist, dass es reiner Zufall war und der Kurator an einer Lebensmittelvergiftung gestorben sei!
„Eine politische Gruppierung, das wäre durchaus möglich.
Obwohl ich das in dieser perfekten Gesellschaft von Domus nicht erwartet hätte. Ich frage mich nur, warum sie dagegen sind. Die kennen die Erde doch gar nicht!"
„Gehört habe ich in letzter Zeit auch davon. Meines Erachtens sind das nur Spinner, die hinter jeder politischen Entscheidung eine Verschwörung gegen das Protektorat wittern. Dazu kommt, dass sie jeglichen Fortschritt in der Gesellschaft ablehnen!"
„Oh ja, dies sind die schlimmsten Gegner der Gesellschaft.
Verschwörungstheoretiker! Irgendetwas behaupten, auch wenn man nichts davon beweisen kann. Ich kann nur hoffen, falls diese Leute für den Tod vom Curator verantwortlich sind, dass man sie bald dingfest macht und zur Verantwortung zieht."
„Es wird weiter intensiv in alle Richtungen ermittelt. Eines steht aber fest, wir werden ohne meinen Vater auskommen müssen!"
„Eigentlich schade, denn ich hatte mich schon darauf gefreut ihn näher kennenzulernen!"
„Das wird warten müssen, Marty! Nun lass uns aber endlich an Bord gehen!"
In der kleinen Kommandozentrale wurden wir von Rashei van Heda, dem Commander der >Vulkron< und Bruder von Chiwa, bereits erwartet. Nach einer freundschaftlichen Begrüßung konnte ich auch schließlich meinen Onkel wieder in die Arme schließen. Er freute sich riesig über meinen sehr guten Abschluss an der Militärakademie.
„Schön, dass ihr wieder da seid!"
„War dir etwa langweilig, Onkelchen? Hast du uns etwa vermisst?"
„Also über Langeweile konnte ich mich absolut nicht beklagen. Um euch zu vermissen fehlte mir einfach die Zeit dazu. Commander Rashei war ein strenger Lehrer und inzwischen kenne ich fast jede Route zu den inneren und äußeren Planeten des Systems. ... Und dann musste ich sogar eine Abschlussprüfung über mich ergehen lassen, mein lieber Neffe. Mit Benak von Äon 7 durfte ich zum ersten Mal die Wall passieren. Mit ihm an meiner Seite war es aber ein Kinderspiel. Er weilt übrigens hier an Bord der >Vulkron<."
„Wie das?", fragte ich verwundert und schaute Commander Rashei an.
„Den Navigator von Äon 7 habe ich angeheuert. Er erwartet dich schon, Muteki Senshi!"
„Das ist ja wunderbar! Benak war mir von der ersten Minute an sympathisch und hat mich sehr beeindruckt.
Eine gute Wahl, Commander!"
„Freu dich nicht zu früh. Viel Zeit bleibt dir nicht bis zum Abflug und es warten weitere neue Teammitglieder auf dich. Du solltest bevor wir aufbrechen noch ihre persönlichen Daten einsehen!" Commander Rashei drückte mir mit diesen Worten einige Daten-Kristalle in die Hand und grinste. „Büroarbeit für den frischgebackenen Muteki Senshi!"
„Womit habe ich das verdient?", stöhnte ich.
„Hast dich lange genug auf der Akademie ausgeruht!", meinte der Commander und sein Grinsen wurde immer breiter, so dass seine Ohren fast Besuch bekamen. „Im Moment jedoch sind alle Neuen damit beschäftigt, die >Vulkron< kennenzulernen und sich mit ihren spezifischen Aufgaben hier an Bord vertraut zu machen. Unter ihnen ist übrigens einer, mit dem du am wenigsten rechnen wirst!"
„Na, da bin ich aber gespannt. Am besten ich ziehe mich zurück und schaue mir die Lebensläufe der Teammitglieder genauer an. Erst dann werde ich das persönliche Gespräch suchen!"
„Sehr lobenswert. Im Übrigen habe ich für dich und Chiwa eine Doppelkabine als Quartier herrichten lassen. Pilot Jeremias wird euch dorthin führen!"
Die wenigen Dinge, die mir von der Akademie geblieben waren, hatte ich schnell verstaut. Überrascht stellte ich fest, dass sich meine persönlichen Sachen von der >Blue Pearl< bereits auf der >Vulkron< befanden, was ich offensichtlich meinem Onkel zu verdanken hatte. Und um nicht in den Ruhemodus zu verfallen, setzte ich mich sogleich an den Schreibtisch.
„Dann schaue ich mir mal unsere neuen Teammitglieder an.
Mal sehen, was sie bisher in ihrem Leben gemacht haben!
Und was hast du vor?", frage ich Chiwa.
„Na ja, ich dachte, ich sollte die Neuen ein wenig testen, damit mein schwer geprüfter und geliebter Muteki Senshi nicht zu sehr belastet wird!"
„Du bist ein richtiger Schatz", lachte ich und sie drückte mir einen Kuss auf die Wange.
„Das weiß ich. Aber schön, dass du das auch erkannt hast", sagte sie lächelnd und verschwand schnell aus unserer gemeinsamen Kabine.
Gut gelaunt aktivierte ich das Terminal, es verband mich blitzschnell mit dem Bordrechner.
„Mal sehen, wen ich hier zuerst erwischt habe!", sagte ich laut zu mir selbst und legte den Datenkristall in das Lesegerät im Terminal. Sofort leuchtete der Holoschirm auf und ein mir bekanntes Gesicht blickte mich an.
Benak von Äon 7
Benak ist 25 Jahre alt und blind geboren. Bei den Thalensis ist es seit Generationen Brauch, Blindgeborene zu sogenannten Navigatoren auszubilden. Und das hat seinen guten Grund.
Die drei inneren Planeten des Calidus-Systems sind von einer dichten kosmischen Staubsphäre umgeben, und nur dank der blinden Navigatoren konnte sich dennoch eine aktive Raumfahrt entwickeln. Blinde Navigatoren besitzen eine besondere Gabe. Sie erkennen die sogenannten Sternenstraßen, die die Raumschiffe sicher durch den Wall, wie die Staubsphäre genannt wird, führen. Navigatoren sind nach dem Curator, dem Staatsoberhaupt des Protektorats, und den Mitgliedern des Curatorium die angesehensten Thalensis. Sie werden verehrt und genießen, wenn ihr Talent im Alter nachlässt, ihren wohlverdienten Ruhestand. Zu diesem Zweck werden sie von Familien adoptiert. Für diese Familien ist es das größte Privileg, einen blinden Navigator bei sich aufzunehmen und für sie zu sorgen.
Innerhalb und außerhalb der Sphäre aus kosmischen Staub, der Wall, gibt es insgesamt zehn sogenannte Äon-Stationen.
Dort leben die aktiven Navigatoren und tragen neben ihrem Geburtsnamen auch den Namen ihrer Station.
Benak von Äon 7 lebt also auf der Äon-Station Nummer 7.
Benak wurde auf dem Planeten Mar'Sula geboren und kam schon als kleines Kind in die Schule der Navigatoren auf Domus. Dort wuchs er auf und besuchte eine Schule für Blinde. Hier wurden seine Talente und Fähigkeiten besonders gefördert.
Nach seinem Abschluss ging er nach Holis, dem Mond von Domus. Dort setzte er seine Ausbildung an der Navigatorenakademie fort. Mit 22 Jahren schloss er die Akademie mit sehr guten Ergebnissen ab und wurde nach Äon 7 versetzt. Dort absolvierte er eine einjährige praktische Ausbildung und führt seit seinem 23. Lebensjahr erfolgreich Raumschiffe durch den Wall. Er ist für seine gute Arbeit und sein freundliches Wesen bekannt.
„Hm!", sagte ich laut zu mir. „Keine besonderen Auffälligkeiten. Die Daten bestätigen mein Bild, welches ich von Anfang an von Benak habe."
Im Gegensatz zu seinen offiziellen Daten kannte ich Benak persönlich viel besser. Unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit verriet er mir sogar, dass er noch weitere Fähigkeiten besitzt. So kann er buchstäblich die Emotionen der Wesen in seiner Umgebung lesen, wie in einem Buch.
Selbst dann, wenn diese Wesen ihre Gefühle bewusst zu unterdrücken versuchen. Zwei Fähigkeiten, die ihm erst im Laufe seiner Arbeit bewusst wurden, sind zum einen, dass er Gestaltwandler, sogenannte Shapeshifter, spüren und entlarven kann. Zum anderen erzählte er mir, dass er für zehn Sekunden in die Zukunft sehen könne. Benak von Äon 7 ist mit Sicherheit eine große Bereicherung für unser Team.
Cresban,
Der jüngere Bruder von Crion, einer Schulfreundin von Chiwa van Heda. Die Geschwister Crion und Cresban wurden zusammen mit ihren Eltern von der Elite von Domus in die unterste Etage der Hauptstadt Luminis verbannt. Dies nur, weil sie sich für die Ärmsten der Armen in Domus einsetzten und bessere Lebensbedingungen für die Dark People forderten. Nicht jede Gesellschaft ist perfekt, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint.
Es war ein tiefer sozialer Absturz, den die Eltern nicht verkraftet haben. Sie erkrankten und starben ohne ärztliche Hilfe schon bald darauf. Die zurückgebliebenen Kinder Crion und Cresban schlugen sich mehr schlecht als recht durch das harte Leben. Chiwa van Heda ließ den Kontakt zu ihrer Freundin jedoch nie abreißen und half ihr und ihrem Bruder, wo sie nur konnte. Sie versorgte sie mit Lebensmitteln und Medikamenten.
Während Crion der ruhende Pol der Geschwister war, entwickelte sich der jüngere Cresban zum Draufgänger und Rebellen. Er nahm es sogar mit Diabolo auf, einem der gefährlichsten Anführer einer Straßengang in den unteren Straßenschluchten der Hauptstadt.
Da er sich gegen diese Bande von Verbrechern zur Wehr setzen musste, schuf er sich eine eigene wirksame und lautlose Waffe. Er schmiedete sich heimlich ein Krummschwert mit gezackter Klinge, das Batlak. Und nur so überlebte er.
In einem Zweikampf mit Diabolo fügt Cresban mit seinem Batlak dem Gegner tiefe, schlecht heilende Wunden zu. Wer von einem Batlak verwundet wird, stirbt oft einen qualvollen Tod.
Der Name Batlak wurde von Cresban vom Namen eines berühmten Heerführers abgeleitet. Dieser war ein gefürchteter Krieger während des 1000-jährigen Krieges in der mittleren Epoche der Geschichte der Thalensis. Diese Epoche entspricht etwa dem Mittelalter auf Terra.
Cresban ist ein Meister des Batlak geworden und sein Kampf mit Diabolo ist inzwischen schon legendär. Cresban hat danach noch viele dieser gefährlichen Waffe die Dark People geschmiedet. Der Bruder von Crion ist zwar oftmals ungeduldig und ungestüm, aber für unser Team wird er eine perfekte Ergänzung sein. Denn nicht jeder Kampf lässt sich mit modernen Waffen gewinnen.
Primo und Quinto
Diese beiden Männer waren ehemalige Bandenmitglieder von Diabolo. Ich erinnere mich noch gut an unsere erste Begegnung. Diabolo war überzeugt, dass er mit mir, dem Fremden in seiner dunklen Welt, dank seiner beiden Bogenschützen leichtes Spiel haben würde, und ging mir prompt in die Falle, indem er auf eine Wette einging, die ich ihm vorschlug.
Sie schossen ihre Pfeile auf mich, aber an diesem Tag war ich gut in Form und meine Reaktionen war einfach fantastisch.
Einem Pfeil wich ich blitzschnell aus, den anderen fing ich im Flug. Gleichzeitig holte ich sie mit gezielten Schüssen aus meiner damals neuen Desintegrator-Waffe aus ihren Verstecken. Dennoch bewunderte ich ihre perfekte Handhabung von Pfeil und Bogen. Und schon bald wechselten sie auf unsere Seite.
Ich hatte also die Wette gewonnen und damit Diabolo besiegt, ohne dass irgendwer ernsthaft zu Schaden kam. Wie ich später in der Akademie erfuhr, hat er seinen Wetteinsatz tatsächlich eingelöst. Er verhandelte mit Crion. Und kurze Zeit später verband beide eine gemeinsame Aufgabe. Der Kampf gegen die soziale Ungerechtigkeit zwischen dem Volk der Dunkelheit und der in luftigen Höhen lebenden Elite von Luminis. Die Straßengang von Diabolo löste sich auf. Crion und ihr Bruder rekrutierten für mich die beiden Bogenschützen für unser Team. In meinen Augen sind Primo und Quinto absolute Könner im Umgang mit dieser alten Waffe. Sie können in einer schwierigen Situation das Zünglein an der Waage sein, denn ihre Waffen töten, wenn es sein muss, fast lautlos. Diabolo war von diesem Tag an spurlos verschwunden. Die beiden sind mit Feuereifer bei der Sache und damit eine hervorragende Verstärkung für uns.
Chiwa van Heda
Sie gehört bereits längere Zeit zu unserem Team.
Zusammen mit Sergej Arranca, meinem langjährigen und besten Freund, trafen wir Chiwa auf unserer jagd nach dem seltsamen Mister Bellago. Damals trug sie noch den Decknamen Dejah Narris.
Als sie kurz darauf zu uns stieß und wir gemeinsam versuchen diesen Mister Bellago zu fangen, hat es zwischen ihr und mir spontan gefunkt. Es geknistert direkt. So elektrisiert waren wir voneinander. Schließlich trat sie sogar unserem Team bei und sie erzählte uns, dass Bellago zwischen den Zeiten hin und her springt, und sie ihm schon längere Zeit auf der Spur sei. Und sie stamme aus der Zukunft und dass ihr plötzlich die Rückkehr in ihre Zeit verwehrt sei.
Eine perfekte Geschichte als Tarnung, wie sich später noch herausstellen sollte.
Nach vielen gemeinsamen Einsätzen für die Protection-Society for interstellar Artefacts hatte sich Dejah Narris plötzlich verändert. Immer wieder wurde sie von Mister Trinxton mit besonderen, streng vertraulichen Aufgaben betraut. Unsere Beziehung driftete auseinander und drohte zu zerbrechen. Erst vor einem halben Jahr offenbarte sie sich dem gesamten Team. Diese Wahrheit hat uns aus allen Wolken fallen lassen, so ungeheuerlich war sie.
Heute gehört das Geheimnis von Chiwa zu unserem Alltag.
Sie war nicht aus der Zukunft zu uns gekommen, sondern aus einem Paralleluniversum, und damit nahmen die Ereignisse ihren Lauf. Onkel Jeremias und ich landeten im Universum Thalensis und erfuhren, dass Dejah Narris in Wirklichkeit Chiwa van Heda hieß. Aber das ist in meinem letzten Bericht unter dem Titel „Dejahs Geheimnis" nachzulesen.
Als 2er-Team wurden Chiwa und ich mit einer schwierigen Aufgabe betraut. Wir sollten das Schicksal von dreizehn Paralleluniversen in unsere Hände nehmen und das Überleben aller dort lebenden Spezies sichern. Chiwa ist für mich dabei ein unverzichtbarer Partner und es wird ab sofort keine getrennten Missionen mehr geben.
Rashei van Heda
Zwillingsbruder von Chiwa van Heda! Er ist ganze fünf Minuten älter als seine Schwester und dies lässt er sie oftmals deutlich merken. Aber er meint es nicht ernst.
Er ist auf Grund seines hohen Dienstgrades der Commander des Raumschiffes seines Großvaters, der >Vulkron<, welches dieser einst für seine Verdienste in den Vereinten Thalensischen Armeen erhalten hatte. Im hohen Alter übergab er das Raumschiff seinem Sohn Jeeicus van Heda.
Dieser wiederum machte es später seinem Sohn Rashei zum Geschenk, als dieser zum Colonellus, zum Oberst, ernannt wurde.
Und so wunderte es mich nicht, dass auch Commander Rashei van Heda an unserer Mission teilnehmen sollte. Auch sein Vater Jeeicus wollte sich uns anschließen. Doch noch während meiner Ausbildung zum Muteki Senshi erkrankte der amtierende Curator und so wurde Jeeicus beauftragt, dessen Amtsgeschäfte zu übernehmen. Insgeheim hatte Curator Photh das Oberhaupt der Familie van Heda bereits zu seinem Nachfolger bestimmt. Eigentlich wird das Oberhaupt des Thalensis-Protektorats nicht gewählt, sondern an den Sohn vererbt. Da Curator Photh aber keine Familie und somit keine Nachkommen hatte, trat eine von ihm erlassene Sonderregelung in Kraft. Und jetzt, während ich hier sitze, wird Jeeicus vom Curatorium bereits zum neuen Curator ernannt. Somit fällt er für unsere Mission aus.
Ich nahm den Speicherkristall mit den Daten von Rashei van Heda aus dem Lesegerät. Dann griff ich zum vorletzten Kristall und setzte ihn ein. Sofort lächelte mir ein nur allzu vertrautes Gesicht entgegen.
Jeremias Finn
Mein Onkel, dieser unermüdliche und abenteuerlustige Mann.
Dass er uns und vor allem mich, seinen Neffen, auf dieser Mission begleitet, freut mich umso mehr, da Onkel Jeremias der letzte lebende Verwandte meiner Familie ist.
Meine Mutter starb, als ich noch ein kleiner Junge war. Schon bald merkte mein Onkel, dass ich meinem Vater ein Klotz am Bein war. Denn mein Vater lebte eigentlich nur für seinen Beruf und so übernahm Onkel Jeremias ungewollt die Vaterrolle und meine Erziehung. Obwohl er das Abenteuer in den Weiten des Universums genauso liebte, wie seinen Neffen, verzichtete er darauf und stand mir zur Seite, bis ich eine Ausbildung zum Piloten begann. Er meinte nur, ich sei Jetzt alt genug, um für mich selber sorgen zu können, und verschwand mit seinem Raumschiff, der >Blue Pearl<, in den unendlichen Weiten des Universums. Danach hörte ich Jahrelang nichts mehr von ihm. Dann galt er eines Tages als verschollen. Als man Lichtjahre von Terra sein verlassenes Raumschiff entdeckte, wurde er schließlich für Tod erklärt. In seinem Bordcomputer fand man ein Testament von ihm, in dem er mir die >Blue Pearl< vererbte. Doch ich wollte nicht an seinen Tod glauben und so trat ich in seine Fußstapfen.
Und genau dies brachte uns eines Tages wieder zusammen.
Bei einer abenteuerlichen Mission, ich arbeitete damals bereits für die PSIA, auf den dunklen Welten im Hyperraum, befreiten wir ihn aus der Gefangenschaft des Fürsten der Finsternis. Und seitdem ist er fast immer an meiner Seite. So war er auch dabei, als Dejah, oder besser gesagt Chiwa, uns ihr größtes Geheimnis offenbarte.
Und jetzt ist er sogar von Rashei van Heda zum Piloten der >Vulkron< ausgebildet worden. Dabei ist mein Onkel bereits über die Siebzig. Aber immer noch frisch wie ein zwanzigjähriger Jungspund.
Ich freue mich für ihn und bin froh, dass er uns auch auf dieser Mission begleiten wird. Ich kann auf Onkel Jeremias absolut nicht verzichten. Er ist und bleibt ein wichtiger Teil meines Lebens.
Ich reckte und streckte mich. In meinem Alter wird man schon mal lahm, vor allem, wenn man zu Schreibtischarbeit verdammt ist. „Danke, Commander Rashei!", murmelte ich vor mich hin. Dabei setzte ich den letzten Speicherkristall ein, in Gedanken schon in den Weiten des Thalensis-Universums unterwegs. Dann bekam ich aber einen gehörigen Schreck und zuckte zusammen. Mit diesem Gesicht hatte ich nun wirklich nicht gerechnet, schon gar nicht als neues Teammitglied.
Ich las den Namen und begann laut zu lachen. Wie nannte sich der Kerl jetzt? Ich konnte es einfach nicht fassen, aber offensichtlich hatte sich der Saulus zum Paulus gewandelt.
Ansonsten hatte ihn der Commander niemals in mein Team genommen, geschweige denn auf seine >Vulkron< gelassen.
Einst Diabolo und nun Ivar der Narbigen.
Ivar der Narbige
Ich kannte dieses Gesicht nur zu gut. Hatte ich ihn doch vor einem halben Jahr zum ersten Mal gesehen, von Angesicht zu Angesicht. Damals nannte sich dieser Mann noch Diabolo und war der Anführer der gefürchteten Straßengang im untersten Lebensbereich von Luminis.
Und nun besaß dieser Mann, dessen Gesicht eine schlecht verheilte Narbe quer über das Gesicht zierte und welche ihm Cresban mit seinem Batlak zugefügt hatte, die Dreistigkeit in mein Team aufgenommen zu werden! Aus welchem Grund?
Gut, ich hatte eine Wette gegen ihn gewonnen, an der auch Primo und Quinto nicht ganz unbeteiligt waren. Aufgrund einer Wette musste der Verlierer, in diesem Fall ihr Anführer Diabolo, Verhandlungen mit Chiwas Freundin Crion aufnehmen und gemeinsam mit ihr den Kampf gegen die soziale Unterdrückung der Dark People fortsetzen. Zu meiner Überraschung kam es schnell zu einer Einigung und die Straßengang wurde aufgelöst. Was ich jedoch nicht wusste, war, was aus ihrem Anführer geworden war. Ich vermutete ihn weiterhin in der untersten Lebensebene der Hauptstadt Luminis.
Und nun diese Überraschung. Der lange Zeit gefürchtete Verbrecher war offensichtlich geläutert worden oder was war der Grund dafür, dass er sich uns anschließen wollte? Das musste ich unbedingt in einem persönlichen Gespräch klären.
Vorerst verweigerte ich meine Zustimmung zu dieser Personalie.
Kurzerhand stellte ich eine Rundsprechverbindung her, die meine Stimme innerhalb der >Vulkron< bis in die hinterste Ecke hören ließ:
„Ivar der Narbige! Unverzüglich in das Büro des Teamleiters. Wohnebene zwei, Kabine dreizehn!... Ende der Durchsage!"
Ich setzte mich wieder an den Schreibtisch. Dabei dachte ich: ,Mal schauen, wie schnell der Kerl ist, der es plötzlich so eilig hat meinem Team beizutreten!'
Ich war noch dabei meine innere Erregung herunter zu fahren, als es an meine Kabinentür klopfte.
„Herein!", brüllte ich und setzte mein coolstes Gesicht auf.
Es war Ivar der Narbige. Mit Sicherheit hatte er schon von meiner Ankunft erfahren und förmlich darauf gewartet, dass ich ihn zu mir rief.
„Ivar, wie befohlen zur Stelle, Muteki Senshi!"
„Hört hört! Den Titel meiner Ausbildung weiß er auch schon!
Und wer hat dir eigentlich diesen bescheuerten Namen gegeben? Du nanntest dich doch mal großspurig Diabolo.
Also raus mit der Sprache und dazu auch gleich den Grund weshalb du plötzlich in mein Team willst!"
Ich bot dem Mann keinen Platz an, sondern ließ ihn an der Kabinentür stehen.
„Diabolo ist tot, Muteki!"
„Aber du stehst doch vor mir! Oder glaubst du, dass ein neuer Name einen Mann von Grund auf verändern kann?"
„Nein! Aber ich habe meine Lektion von damals gelernt. Ich habe meine Wettschuld eingelöst und habe gemeinsam mit Crion für ein besseres Leben der Dark People gekämpft...."
„Rede nicht drum herum! Wie bist du auf diesen Namen gekommen?"
„Euer Onkel ist schuld, Muteki!"
„Immer schön langsam mit den alten Pferden. Erzähl!"
„Ich kam noch als Diabolo an Bord der >Vulkron< und der Commander wollte mich gleich wegsperren. Aber euer Onkel hat ihn davon abgehalten. Anschließend hatten wir eine lange Unterhaltung und erst da wurde mir klar, dass ich mal ein abgrundböser Typ war. Bis zu dem Punkt, an dem wir beide uns das erste Mal begegneten. Lange hat die Niederlage gegen euch an meiner Seele genagt, aber sie hat mich letztendlich gereinigt vom Bösen. ... In unseren folgenden Begegnungen und Gesprächen hat mich euer Onkel immer Ivar genannt. Er erzählte mir von einem alten Volk auf eurem Planeten, den Wikingern und dabei fiel immer dieser Name. Und so habe ich ihn angenommen, mit einem kleinen persönlichen Zusatz von mir. Und nun heiße ich überall nur noch Ivar der Narbige. Was auch der Wahrheit entspricht. Schaut mich doch an."
„Das ist wahr, eine Schönheit bist du nicht! Und wie steht es mit dir und Cresban?"
„Ich habe ihm vergeben. Wir haben miteinander gekämpft, als ich noch seine Leute ausraubte, plünderte und auch tötete. Einfach so, weil sie mir im Weg standen. Und wenn man kämpft, so wie ich, wird man auch mal verletzt und im schlimmsten Fall getötet. Zu meinem Glück wurde ich nur verletzt, aber dieses narbige Gesicht wird mich mein Lebens lang an meine böse Zeit als Diabolo erinnern!"
„Okay, das wäre geklärt. Aber warum gerade in mein Team?"
„Cresban erzählte mir von euch. Das ihr auf der Akademie seid und irgendwann sickerte auch das Geheimnis durch, dass ihr eine ganz besondere Mission anführen würdet. ...
Ich bat Cresban, mich mitzunehmen. Anfangs lehnte er ab.
Doch ich ließ nicht locker und er brachte mich schließlich doch hier an Bord. Und so traf ich auch auf euren Onkel. Ein guter Mann.
Doch ihr, Muteki Senshi, habt die letzte Entscheidung.
Entweder darf ich bleiben oder ihr schickt mich wieder hinab in die unterste Ebene!"
„Okay, du sollst eine Chance bekommen, Ivar!..."
„Danke, Muteki Senshi! Ihr seid wahrlich gerecht und weise.
Ich werde euch nicht enttäuschen."
„Ich war noch nicht ganz fertig. Solltest du falsches Spiel treiben und in deinem Inneren doch noch der Bösewicht und Verbrecher Diabolo sein, werde ich nicht zögern, dich gnadenlos zu töten. Haben wir uns verstanden? Es wird kein Vergnügungsausflug! Hier geht es um mehr, als um dich und mich! Verstanden?"
„Jawohl, Muteki Senshi!"
„Und womit beschäftigst du dich gerade?"
„Ich werde von Cresban momentan am Batlak ausgebildet!"
„Gut und worin bist du noch gut, außer im Umgang mit Waffen?"
„In Antriebstechnik!"
„Und weshalb gerade auf diesem Gebiet?"
„Bevor ich in die unterste Ebene verbannt wurde, war ich Antriebsingenieur auf einem Schiff der Thalensischen Flotte. Leider verstand ich mich mit meinem Vorgesetzten nicht besonders. Oftmals gab es Streit und als er mich wieder einmal unberechtigter Weise beschimpfte, habe ich zugeschlagen. Leider traf der Schlag ihn so unglücklich, dass er mit dem Nacken auf eine Pultkante aufschlug und sich das Genick brach.... Zur Strafe wurde ich aus der Flotte verstoßen und in die unterste Etage verbannt. Dort traf ich auf die Männer meiner späteren Gang und deren Anführer.
Dieser nahm mich unter seine Obhut und bildete mich zu dem aus, was ich dann war, zu einem Verbrecher...."
„Und was wurde aus deinem sogenannten Ausbilder?"
„Ich hab ihn abgesetzt und dann seine Position übernommen. Dafür wollte er mich umbringen, doch ich bin ihm zuvorgekommen."
„Du hast ihn also auch getötet?"
Ivar der Narbige nickte stumm. Doch dann brach es aus ihm heraus.
„Es war Notwehr, dies müssen sie mir glauben, Muteki.
Hätte ich ihn nicht getötet, dann wäre ich heute nicht hier, sondern meine Knochen würden in einer dunklen Ecke liegen und dem Ungeziefer als Spielzeug dienen."
„Okay, das ist ab heute Geschichte. Aber vergiss nie, was ich dir gesagt habe. Und glaube mir, ich bin schneller und ausgefuchster als dein toter Ausbilder."
„Ja, Muteki Senshi!"
„Du kannst jetzt gehen!"
„Danke, Muteki Senshi, ich werde euch wirklich nicht enttäuschen!"
Mit diesen Worten verschwand Ivar der Narbige aus meiner Kabine. Meine leisen Worte hörte er schon nicht mehr.
„Das will ich auch stark hoffen, Diabolo! Ich lasse mich nicht so schnell überrumpeln oder für dumm verkaufen! Ich werde ein Auge auf dich haben!"
Kurze Zeit später rief ich Benak von Äon 7 zu mir. Wir führen ein langes und angeregtes Gespräch. Wir freuten uns beide auf die gemeinsame Mission. Als er sich schließlich verabschiedete, beauftragte ich ihn damit, unser neues Teammitglied Ivar insgeheim mittels seiner Fähigkeiten zu überwachen. Gern übernahm Benak nicht diese Aufgabe, aber er sah die Notwendigkeit ein.
Danach streckte ich mich auf meiner Koje aus und ließ in Gedanken noch einmal alle Teammitglieder an mir vorbeiziehen. Darüber muss ich wohl eingeschlafen sein.
Erst die Berührung zärtlicher Fingern weckte mich. Chiwa saß auf der Kante meiner Koje und lächelte.
„Hab ich wirklich geschlafen?"
„Und ob, wie ein Murmeltier, wie man auf Terra sagt!",
lachte sie.
„Wie spät ist es eigentlich?"
„Genau der richtige Zeitpunkt für ein gemeinsames Essen mit unserem gesamten Team. Um die Teamfähigkeit schon mal ein wenig zu testen!"
„Okay, etwas Essen ist immer gut. Ich hoffe der Replikator der >Vulkron< versteht sein Handwerk!"
„Nix Replikator! Dein Onkel wirbelt seit zwei Stunden in der Kombüse herum."
„Onkel Jeremias kocht! Dann los, dass kann nur hervorragend schmecken! Er ist berühmt für seine Kochkünste!"
Ich sprang aus der Koje, machte mich ein wenig frisch und dann liefen wir Hand in Hand in Richtung Messe. Dabei hatte ich das Gefühl, endlich auf der >Vulkron< angekommen zu sein. Die Militärakademie war Geschichte.
Auf mein Team und mich wartete eine weitaus schwierigere Aufgabe. Wir waren gute gerüstet und Willens, diese Aufgabe auch zu meistern.
*
Die >Vulkron< verließ die Reparaturwerft REPARANA. Bedächtig fuhr der riesige Aufzug nach oben. Dort hatte sich bereits der Schacht geöffnet und zur Begrüßung schickte die Sonne Calidus ein paar Sonnenstrahlen nach unten. Unsere Mission begann. Die letzten Tests der >Vulkron< lagen hinter uns.
In der Kommandozentrale befanden sich die diensthabenden Besatzungsmitglieder, von denen allein Onkel Jeremias zwei Funktionen innehatte. Zum einen war er am Vortag von Commander Rashei zum ersten Offizier ernannt worden, zum anderen war er der Pilot der >Vulkron<. Außerdem waren noch Chiwa, ich und der erste technische Offizier anwesend. Kurz vor dem Abflug erreichte uns noch eine wichtige Nachricht.
Kurz vor der Abfahrt kam Ivar ganz aufgeregt zu mir. „Was ist denn passiert, Ivar? Du bist ja völlig außer Atem!"
„Ich habe gerade eine wichtige Nachricht für dich erhalten, Muteki Senshi!"
„Aber warum stellst du keine interne Kommunikation zu mir her und rennst durch das ganze Schiff? Du bist ja völlig außer Atem. Musst mehr trainieren, Ivar, oder?"
„Oh, ich muss mich erst daran gewöhnen, dass hier alles mit Technik vollgestopft ist. Da, wo ich die letzten Jahre gelebt habe, gab es das nicht. Da gab es nur Melder, die man hin und her schickte, wenn man etwas Wichtiges zu sagen hatte und der Gesprächspartner zwanzig Straßen entfernt war!".
„Okay, merk es dir für das nächste Mal. Und nun sag mir, was du für eine Nachricht für mich hast!"
„Da ich immer noch einige Verbindungen zu Informanten pflege, die für mich arbeiteten, habe ich einen von ihnen damit beauftragt, sich nach Veneficus und seinem möglichen Aufenthaltsort umzuhören. Und siehe da, er hatte Erfolg!...".
„Mach es nicht so spannend, Ivar!"
