Das vergessene Fort - Pat Urban - E-Book

Das vergessene Fort E-Book

Pat Urban

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Beschreibung

Als in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts Regierungsbeamte neue Siedlerparzellen in der Nähe von Sargent (Nebraska) abschreiten, finden sie die Überreste einer Verteidigungsanlage: die Reste eines unbekannten Forts. Was es mit diesem Fort auf sich hat und warum es in späteren Jahren niemand kennt, davon erzählt diese Geschichte:
Wir schreiben das Jahr 1858. In Fort Calhoun am Missouri River herrscht der Befehl, den Alkohol- und Waffenschmuggel an die Indianer unter allen Umständen zu unterbinden. Leutnant Wymore, jung und unerfahren, aber ein äußerst erfolgreicher, selbstbewusster Kämpfer, der Indianer als Menschen achtet – keine Alltäglichkeit jener Zeit –, macht sich zum Ziel, diesen Befehl mit allen Konsequenzen in die Tat umsetzen und will nicht eher ruhen, bevor er restlos erfüllt ist.
Auch Kingsley, Chef der Hudson Bay Company, hat ein Ziel. Doch er ist in der Wahl seiner Mittel und Wege, dieses Ziel zu erreichen, mit allen Wassern gewaschen. Man spricht bei ihm vom brutalsten und skrupellosesten Geschäftemacher jener Tage, der zudem mächtige Verbündete hat.
Beide Seiten haben herbe Niederlagen einzustecken, bis sie sich im Kampf gegenüberstehen. Es wird ein kurzer, harter Kampf, bei dem es, wenn es nach Kingsley geht, auf der gegnerischen Seite keinen Überlebenden geben wird, weil es keinen geben darf …

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Pat Urban

 

 

Das vergessene Fort

 

 

Western-Roman

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

 

 

Copyright © by Authors/Bärenklau Exklusiv

Cover: © by Firuz Askin mit Bärenklau Exklusiv, 2023

Korrektorat: Bärenklau Exklusiv

 

Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang

 

Die Handlungen dieser Geschichte ist frei erfunden sowie die Namen der Protagonisten und Firmen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.

 

Alle Rechte vorbehalten

Inhaltsverzeichnis

Impressum 

Das Buch 

Das vergessene Fort 

1. Kapitel 

2. Kapitel 

3. Kapitel 

4. Kapitel 

5. Kapitel 

6. Kapitel 

7. Kapitel 

8. Kapitel 

9. Kapitel 

10. Kapitel 

11. Kapitel 

12. Kapitel 

13. Kapitel 

14. Kapitel 

15. Kapitel 

16. Kapitel 

17. Kapitel 

18. Kapitel 

19. Kapitel 

20. Kapitel 

21. Kapitel 

22. Kapitel 

23. Kapitel 

24. Kapitel 

25. Kapitel 

26. Kapitel 

27. Kapitel 

28. Kapitel 

29. Kapitel 

30. Kapitel 

31. Kapitel 

32. Kapitel 

33. Kapitel 

34. Kapitel 

35. Kapitel 

36. Kapitel 

37. Kapitel 

38. Kapitel 

39. Kapitel 

40. Kapitel 

41. Kapitel 

42. Kapitel 

43. Kapitel 

44. Kapitel 

45. Kapitel 

Von Pat Urban sind ebenfalls erhältlich oder befinden sich in Vorbereitung 

 

Das Buch

 

 

 

 

Als in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts Regierungsbeamte neue Siedlerparzellen in der Nähe von Sargent (Nebraska) abschreiten, finden sie die Überreste einer Verteidigungsanlage: die Reste eines unbekannten Forts. Was es mit diesem Fort auf sich hat und warum es in späteren Jahren niemand kennt, davon erzählt diese Geschichte:

Wir schreiben das Jahr 1858. In Fort Calhoun am Missouri River herrscht der Befehl, den Alkohol- und Waffenschmuggel an die Indianer unter allen Umständen zu unterbinden. Leutnant Wymore, jung und unerfahren, aber ein äußerst erfolgreicher, selbstbewusster Kämpfer, der Indianer als Menschen achtet – keine Alltäglichkeit jener Zeit –, macht sich zum Ziel, diesen Befehl mit allen Konsequenzen in die Tat umsetzen und will nicht eher ruhen, bevor er restlos erfüllt ist.

Auch Kingsley, Chef der Hudson Bay Company, hat ein Ziel. Doch er ist in der Wahl seiner Mittel und Wege, dieses Ziel zu erreichen, mit allen Wassern gewaschen. Man spricht bei ihm vom brutalsten und skrupellosesten Geschäftemacher jener Tage, der zudem mächtige Verbündete hat.

Beide Seiten haben herbe Niederlagen einzustecken, bis sie sich im Kampf gegenüberstehen. Es wird ein kurzer, harter Kampf, bei dem es, wenn es nach Kingsley geht, auf der gegnerischen Seite keinen Überlebenden geben wird, weil es keinen geben darf …

 

 

***

Das vergessene Fort

 

 

1. Kapitel

 

»Salve!«, bestimmt der junge Offizier. »Nur ruhig Leute, durchatmen und Druckpunkt nehmen!« Dann fliegt seine erhobene Rechte mit dem blanken Degen in der Faust nach unten: »Feuer!«, kommandiert er.

Dreißig fest eingezogene Volcanic Rifles krachen wie ein Schlag und eine Sekunde blendet das grelle Mündungsfeuer die Soldaten des zweiten Zuges.

»Ziel nehmen! Druckpunkt!« Wieder gibt Leutnant Wymore nur die allernotwendigsten Befehle. Seine Stimme klingt gleichgültig. Nichts deutet darauf hin, dass der junge Offizier erregt ist, obwohl dies sein erstes Gefecht ist.

Es ist der zwanzigste Juli 1858 gegen Nachmittag, als sich die auf dem Heimweg befindliche Patrouille aus Fort Calhoun, einem Überraschungsangriff durch Sioux Indianer erwehren muss.

Wohl hatte der erfahrene Sergeant Shoup seinem Leutnant geraten, sich nicht zu stellen, sondern zu fliehen. Aber Wymore hatte nur die sich nähernden Roten beobachtet und dann seine entsprechenden Befehle gegeben.

Die Sioux greifen nach dem alten Schema an. Wie eine geballte Faust stürmen sie gegen die rasch formierten Soldaten, als wollten sie diese im ersten Ansturm überrennen.

Die Salve aus dreißig Gewehren schlägt eine sichtbare Lücke in die heranreitenden Indianer. Aber noch jagen sie weiter und ihr anschwellendes Kriegsgeschrei übertönt auch den nächsten Befehl des jungen, aber kaltblütigen Offiziers.

Der hebt nur seine Stimme und befiehlt nochmals eine Salve.

Schon schnellt sein Arm mit dem Degen hoch. Und wie ein Erfahrener wartet er ab, bis die Roten auf noch kürzere Distanz heran sind.

Eben bricht der Reiter Cleve still zusammen und Corporal Latenser sagt wütend, da ihn ein Pfeil trifft:

»Ihr verdammten Teufel!«

»Feuer!«, schreit Wymore in den Lärm und lächelt jungenhaft.

Aber dann, als mehr als zwanzig Pferde stürzen, wiehernd klagen und ihre Reiter in diesem Chaos von Leibern und Hufen verschwinden, da atmet Wymore tief durch und verflucht sich selbst. Wie ein Schlächter kommt er sich in diesem Moment vor, der durch seine Überlegenheit den primitiven Roten keine Chance lässt, ihn im fairen Kampf zu schlagen.

Aber was hilft es? Die Sioux sind in der Überzahl. Er hat schon drei Mann verloren, auch das schmerzt ihn und so befiehlt er Einzelfeuer.

Doch die Roten geben schon auf. Sie wenden schnell, versuchen aber, ihre Brüder mitzuziehen, die gebückt heranlaufen, humpelnd aufstehen oder die Arme ausstrecken, wenn ihre Stammesvettern auf schnellen Ponys vorbeijagen.

Begeistert schießen die Soldaten so rasch wie sie können, um noch recht vielen Indianern das Leben zu nehmen. Dabei schreien sie laut auf und rufen sich gegenseitig zu, wenn sie getroffen haben.

Eben legt Sergeant Shoup erneut an, da er einen Sioux entdeckt hat, der zwischen zwei toten Pferden liegt und nun kriechend fliehen will.

»Aufhören!«, schreit Leutnant Wymore angewidert. »Zum Teufel noch mal, das Feuer einstellen!«

Und als der Sergeant nicht augenblicklich seinem Befehl nachkommt, setzt er bei seinem Gaul die Hacken ein, sodass dieser erschrocken vorwärtsspringt und schlägt dem Sergeanten den blanken Degen über den Kopf.

Der Schuss verlässt noch krachend den Lauf. Aber er wird abgelenkt und aus der Richtung gerissen. So trifft die Kugel nicht. Sie streift dem Sioux durch die Haare, versengt die Kopfhaut und hat noch die Kraft eines Huftrittes. Der Indianer geht wie erschlagen zu Boden und streckt sich.

Sergeant Shoup ist über die Behandlung durch den jungen Offizier so wütend, dass er sein Gewehr herunternimmt und den Lauf auf Wymore richtet.

»Das war ein Fehler, Leutnant«, sagt er bebend vor Zorn. »Sie sind noch zu frisch in diesem Land und glauben wohl gar, Indianer sind Menschen, was? Ich werde Captain Jones Meldung machen. Ich bin Sergeant und kein Prügelknabe, Leutnant. Das müssen Sie erst einmal begreifen lernen, wenn Sie hier alt werden wollen.«

Die letzten Worte sind eine nackte Drohung. Aber Wymore nimmt sie nicht ernst, weil er schon selbst seinen Fehler einsieht. Es reut ihn, sich so weit vergessen zu haben. Darum sagt er entschuldigend, wobei er den Lauf von Shoups Gewehr zur Seite drückt:

»Sie haben recht, Sergeant. Aber auch Sie haben weit gefehlt. Ich müsste Sie augenblicklich niederschießen. Oder was würden Sie tun? Vergessen wir es also beide. Nur eines merken Sie sich: Jeder Gegner ist ein Feind, aber kein Opfer. Was Sie vorhatten war Mord!«

Shoup dient schon lange in der Armee. Wenn man ihn reden hört, so hat sein Vater mehr Indianer erschlagen als Ratten. Und die Shoups wohnen am großen Strom. Auch sein Großvater soll keinem Roten gegenüber Pardon gekannt haben.

Jetzt murrt der Sergeant, als er sich von Leutnant Wymore abwendet. Aber nur die umstehenden Soldaten können ihn verstehen, als er sagt:

»Es kommt schon noch eine Gelegenheit, mein Kleiner, da werde ich dir den Schlag zurückgeben. Mich wegen eines roten Teufels mit dem Degen anfallen, das vergesse ich nie.«

 

 

2. Kapitel

 

Wymore bestimmt den Soldaten, die Feldspaten abzuschnallen und ein Loch auszuheben, in das er die gefallenen Indianer legen will, damit diese ein christliches Begräbnis erhalten.

Auch sollen die Waffen zusammengesucht werden, Wymore will sie unbrauchbar machen lassen. Und den Pferden, die verwundet sind, soll man den Gnadenschuss geben.

Diese Befehle erwecken bei den Soldaten leises Lachen und noch stillere Flüche. »Dieser Narr von Leutnant scheint nicht ganz richtig im Kopf zu sein«, murmelt einer von ihnen. Das haben sie noch nie erlebt; einen Indianer zu begraben.

Nun, einen Vorteil haben diese Anordnungen wenigstens: Wenn sie wieder im Fort sind, haben sie allen Grund zum Erzählen. Das wird einen Spaß geben, denn die Kantine wird auch von den Offizieren besucht. Leutnant Wymore ist schon jetzt blamiert.

Drei Reiter müssen sich um die Pferde kümmern. Alle anderen gehen daran, das Loch auszuheben, anschließend werden die Toten eingesammelt.

Für den jungen Offizier sind dies heute die ersten Toten. Als er bemerkt, dass zwei Soldaten einen Schwerverwundeten mit dem Gewehrkolben vollends erledigen, kommt er angerannt und sagt empört:

»Das mag bisher so üblich gewesen sein und ich will nicht einmal wissen, wer von meinen Vorgängern derartige Maßnahmen duldete. Ich dulde sie nicht und bestrafe Sie beide mit zehn Tagen Wachdienst, zusätzlich zum allgemeinen Dienst.«

Danach gibt Wymore den Befehl, sich zunächst um die Verwundeten zu kümmern. Er ordnet an, dass man die Indianer verbindet und in den Schatten einiger Bäume legt, wo sie von ihren Stammesbrüdern gefunden werden können.

Aber nun kann sich Sergeant Shoup nicht länger zurückhalten, schließlich hat auch er seine Order und die lautet: dem jungen Leutnant mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. So will es sein Kommandant, der Captain Jones.

»Sir«, sagt er deshalb mit verhaltenem Grimm, »das kann doch wohl nicht Ihr Ernst sein? Wer von den roten Teufeln noch lebt, wird erschossen! Wir haben schon so viel Zeit durch Ihren Begräbnisfimmel verloren …«

Eigentlich hat Shoup recht. Er ist der Erfahrene und muss seinem Vorgesetzten, dem es an dieser nötigen Erfahrung mangelt, unterstützen und unauffällig leiten.

Wie leicht könnten es sich die Sioux anders überlegen und nochmals zurückkommen. Was wäre, wenn es in einer halben Stunde keinen zweiten Zug mehr gäbe?

Schon für die drei Gefallenen muss Wymore Rede und Antwort stehen. Shoup wird man fragen und vorwerfen, nicht genügend Dampf gemacht zu haben.

Doch der Sergeant macht den Fehler und gibt sich von einer Seite, als wäre Unvernunft und Unmenschlichkeit die einzige Methode, um hier im Westen überleben zu können.

Shoup ist genau das Gegenteil von Wymore: kalt und brutal. Trotzdem ist der Sergeant ein guter Soldat und Kämpfer. Aber was nun folgt, hat der Vierzigjährige noch nicht erlebt.

Dieser junge Hüpfer mit dem einen Balken auf den Schulterklappen ist auch als Kämpfer dem Sergeanten überlegen. Wymore zieht unheimlich schnell seinen Fünfschüsser aus der offenen Revolvertasche an seinem Gürtel und setzt ihn Shoup auf die Brust.

»Nehmen Sie die Arme hoch!«, sagt er eisig. »Aber beeilen Sie sich, ehe ich es mir anders überlege.«

Er ruft Corporal Latenser herbei, der den Sergeanten entwaffnen muss und ihm die Hände auf den Rücken binden soll.

»In meinen Augen sind Sie kein Sergeant mehr«, stößt der Leutnant beherrscht hervor. »Doch diese Entscheidung überlasse ich unserem Kommandanten. Los Corporal, bringen Sie den Gefangenen zu den Pferden!«

Äußerlich gibt sich der junge Offizier ruhig, aber in ihm kocht es. Er weiß, dass sich viele seiner Befehle von denen seiner Offizierskameraden unterscheiden; und zwar zugunsten der Indianer, aber nie gegen die Dienstvorschrift.

Denn die kennt er auswendig. Trotzdem überdenkt er seine Handlungsweise nochmals und versucht, sich in die Rolle von Shoup zu versetzen. Er ist bereit, dem Sergeanten jede Chance zu geben, wenn der nur einsehen würde, dass Kampf nicht Morden bedeutet.

Leutnant Wymore kennt nur Gerechtigkeit, darin ist er unbestechlich. Der Grund aber, dieses seines toleranten Verhaltens wurzelt im Unterbewusstsein seiner Jugenderinnerung.

Als Kind wurde er von einem Oto Indianer behütet, der im Hause seiner Eltern lebte und sich bald mit dem Jungen angefreundet hatte. Von jenem stammt also der Einfluss, auch die Indianer als Menschen zu begreifen und zu achten.

Der Leutnant ist völlig in Gedanken und sieht nicht einmal, was vor ihm ist. Er stolpert fast über einen Toten, der aber in gleicher Sekunde, da ihn Wymore in die Seite rennt, zu einem Lebenden wird.

Der Sioux ist verwundet. Mit Sorge hat er beobachtet, dass die Toten eingesammelt werden. Er will nicht lebendig begraben werden. Doch genauso schlimm ist es, wenn man entdeckt, dass er noch lebt.

Und diese Angst gibt ihn den verzweifelten Mut zur Gegenwehr.

Er hält sein Messer bereit und will aufschnellen.

»Fahr zur Hölle!«, zischt er dabei und sagt es in der Sprache des Weißen Mannes.

Aber dieser junge Siouxkrieger hat sich ein bisschen zu viel vorgenommen. Als er hochkommt, entschlossen und bereit, sein bisschen Leben recht teuer zu verkaufen, da vergisst er seine Verwundung.

Mit einem Schmerzensschrei bricht er gurgelnd in die Hocke. Dann sinkt er zur Seite und verliert das Bewusstsein.

Wymore ist sehr erschrocken und in diesem Moment fällt ihm Sergeant Shoup ein, der sicher genügend Erfahrung hat, denn um ein Haar wäre er jetzt tot gewesen.

Aber als ein Soldat herbeispringt, sein Gewehr umdreht, weil er dem Indianer den Schädel zertrümmern will, da erinnert sich der Leutnant an seine eigenen Worte: »Verwundete töten ist Mord!«

»Kümmern Sie sich um die Befehle Ihres Corporals, Soldat!«, bestimmt er scharf und bückt sich nach dem besinnungslosen Sioux.

Dieser ist von drei Kugeln getroffen. Den Rest aber hat ihn das Geschoss aus Shoups Gewehr gegeben. Seufzend lässt Wymore den Körper los und ruft zwei seiner Leute.

»Tragt ihn zu den anderen. Ich glaube, er wird durchkommen.«

Er selbst geht rasch zu seinem Pferd und kramt Verbandszeug aus den Satteltaschen. Während er den Verwundeten verbindet, kommt dieser wieder zu sich und versucht zu fliehen.

Wymore beißt die Zähne zusammen, als er den verängstigten Blick aus den Augen des Sioux auffängt. In diesem Moment schämt er sich für alle schlechten Taten und Gerüchte, die diese Angst entstehen ließen.

»Keine Bange mein Freund«, sagt er radebrechend in der Sprache der Oto Indianer und fügt in seiner eigene fließender hinzu: »Ich bin kaum älter als du und will dir doch nur helfen. Du kannst hier liegenbleiben. Deine Brüder werden dich schon finden. Nur ruhig, Junge. Leutnant Wymore hat noch keinen Menschen getötet. Lieg still, ich muss den Verband festmachen!«

»Soldaten«, antwortet der Indianer kraftlos, »lügen sehr gern, Leutnant Wymore. Aber du bist gut, ich sehe es. Und eines Tages kann vielleicht ich dir helfen. Aber sieh dich vor, denn du bist noch ziemlich ungeschickt, kleiner Häuptling.«

Leutnant Wymore verbindet schon lange nicht mehr. Er lauscht erstaunt den Worten des Indianers nach und sagt dann völlig überflüssig:

»Du sprichst die Sprache der Weißen ausgezeichnet. Sicher hast du die Schule bei den Patern besucht. Oh mein junger Freund, warum bist du nicht dortgeblieben? Was ist das für ein Leben …?«

»Spuck mich mal an«, erwidert der Sioux und zeigt auf seine bemalte Brust. »Und dann reibe ein bisschen, Leutnant, doch erschrick nicht. Ich bin ein Weißer.«

 

 

3. Kapitel

 

Zwei Tage später erreicht der zweite Zug unter Leutnant Wymore Fort Calhoun in den River Bluffs am Missouri. Und schon zwei Tage danach bringt der Omaha World Herald eine haarsträubende Geschichte von der Errettung eines Weißen durch die Armee.

Leutnant Wymore wird dabei lobend erwähnt, der dank seiner Redekunst den Jungen überzeugen konnte, das Leben eines Wilden aufzugeben, um wieder ein normaler, ein zivilisierter Mensch zu werden.

Tatsächlich hatte Wymore allerlei Überredungskunst angewendet, um Logan Fontanelle, so heißt der junge Mann, wieder mit in die Zivilisation zurückzunehmen.

Logan hatte an die sechs oder sieben Jahre bei den Sioux gelebt, er weiß es nicht mehr genau. Auch nicht, wo man ihn gefangen hatte und wer seine Eltern gewesen waren.

Doch das wusste der Zeitungsreporter der Omaha World Herald besser. Er machte aus einem Drama ein Schauspiel. Captain Jones kam nicht daran vorbei: Er musste die Sache weitermelden.

Und so wurde der junge Leutnant rasch zum Captain ernannt. Sergeant Shoup dagegen, vergaß man zu bestrafen. Doch dieser hatte nichts vergessen.

Der Kommandant von Fort Calhoun, ein subalterner Captain, ein Überbleibsel aus der Zeit der »Freiwilligen Miliz« erhält durch die Reklame in der Zeitung, verbunden mit Wymores Heldentat, nun doch noch das begehrte Eichenblatt. Das heißt also: Er wird Major.

Von dieser Minute an erinnert sich Jones seines Diensteides, den er bei so manchem kleinen Geschäft außer Acht gelassen hatte. Denn schließlich will man leben und dazu braucht man Geld. Und ein Captain bekam damals nicht mehr als sechzig Dollar im Monat.

Und Major Jones hat Glück. Genau in diesen Tagen, da er sich vornimmt, nun mit frischen Kräften auf den Leutnant Colonel hinzuarbeiten, da wird sein Versucher, sein Geldgeber, der Stationsleiter der Hudson Bay Company versetzt.

An seine Stelle tritt einer der ungewöhnlichsten Männer, die zu dieser Zeit im Westen leben: George R. Kingsley.

Der Anstandsbesuch des Agenten der Frachtwagengesellschaft verläuft zunächst noch harmlos. Natürlich weiß Kingsley, dass Jones für Geld zu haben ist. Doch schon eine kleine Andeutung, dass alles so weiterlaufen kann wie bisher, stößt bei Major Jones auf Widerstand.

»Ich lasse Sie gleich hochgehen, Sie alter Narr!«, droht Kingsley unerschüttert. »Dafür stecken Sie einfach zu tief mit drin.«

Aber Jones lässt sich nicht bluffen und entgegnet scharf:

»Wenn ich mitgespielt habe, dann nur, weil ich so viel besser kontrollieren konnte, was an Waffen und Feuerwasser an die Roten geliefert wurde.

---ENDE DER LESEPROBE---