2,99 €
Er sehnt sich nach Ruhe und bekommt einen weiteren Krieg.
Roy Smot wünscht sich nach vierjähriger Abwesenheit, wegen des Bürgerkrieges, nur noch den Seelenfrieden und die familiärer Geborgenheit. Was ihn jedoch zu Hause erwartet, ist absolut niederschmetternd. Haus und Hof, sein früherer ganzer Stolz, sind völlig verwahrlost, seine beiden Söhne Giles und Mike sind zu aufsässigen Burschen herangewachsen und seine Frau, mit der er bis zu seinem Fortgang glücklich verheiratet war, ist mit einem Yankee, einem Sergeant Ken Gross, durchgebrannt. Für Roy kein Unbekannter, kennt er doch dessen wahre Identität aus früheren Tagen. Es kommt zum Kampf zwischen den beiden, deren Ausgang Roy dazu treibt bei den Aufständischen Unterschlupf zu suchen. Er wird kurze Zeit später gefasst, verurteilt und als lästiger, widerspenstiger Rebell gehängt.
Giles verschwindet ohne ein Wort und auch Mike hält nichts mehr in der Heimat. Zwar sind ihre Wege getrennt und ihre Ansichten verschieden, in einem Punkt aber sind sich beide Brüder einig: die Ehre ihres zu Unrecht getöteten Vaters wiederherzustellen, der zwar ein verdammter Rebell war, aber dennoch alles nur aus Liebe zu seiner Familie und der Heimat getan hatte.
Doch da gibt es einen, der auf Rache sinnt, der den Smots den Krieg erklärt hat, sie regelrecht jagt und keine Gelegenheit auslässt, ihnen zu schaden, um sie am Ende vernichten zu können …
Damit beginnt für Giles und Mike ein Wettrennen mit dem Tod auf dem Weg durch die Hölle des Lebens. Wer gewinnt am Ende dieses Rennen, dessen Wegegeld Blut und das Leben selbst sind?
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2023
Pat Urban
Sein Vater war ein verdammter Rebell
Western-Roman
Copyright © by Authors/Bärenklau Exklusiv
Cover: © by Bärenklau Exklusiv nach Motiven, 2023
Korrektorat: Bärenklau Exklusiv
Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang
Die Handlungen dieser Geschichte ist frei erfunden sowie die Namen der Protagonisten und Firmen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.
Alle Rechte vorbehalten
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Das Buch
Sein Vater war ein verdammter Rebell
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
21. Kapitel
Von Pat Urban sind ebenfalls erhältlich oder befinden sich in Vorbereitung
Er sehnt sich nach Ruhe und bekommt einen weiteren Krieg.
Roy Smot wünscht sich nach vierjähriger Abwesenheit, wegen des Bürgerkrieges, nur noch den Seelenfrieden und die familiärer Geborgenheit. Was ihn jedoch zu Hause erwartet, ist absolut niederschmetternd. Haus und Hof, sein früherer ganzer Stolz, sind völlig verwahrlost, seine beiden Söhne Giles und Mike sind zu aufsässigen Burschen herangewachsen und seine Frau, mit der er bis zu seinem Fortgang glücklich verheiratet war, ist mit einem Yankee, einem Sergeant Ken Gross, durchgebrannt. Für Roy kein Unbekannter, kennt er doch dessen wahre Identität aus früheren Tagen. Es kommt zum Kampf zwischen den beiden, deren Ausgang Roy dazu treibt bei den Aufständischen Unterschlupf zu suchen. Er wird kurze Zeit später gefasst, verurteilt und als lästiger, widerspenstiger Rebell gehängt.
Giles verschwindet ohne ein Wort und auch Mike hält nichts mehr in der Heimat. Zwar sind ihre Wege getrennt und ihre Ansichten verschieden, in einem Punkt aber sind sich beide Brüder einig: die Ehre ihres zu Unrecht getöteten Vaters wiederherzustellen, der zwar ein verdammter Rebell war, aber dennoch alles nur aus Liebe zu seiner Familie und der Heimat getan hatte.
Doch da gibt es einen, der auf Rache sinnt, der den Smots den Krieg erklärt hat, sie regelrecht jagt und keine Gelegenheit auslässt, ihnen zu schaden, um sie am Ende vernichten zu können …
Damit beginnt für Giles und Mike ein Wettrennen mit dem Tod auf dem Weg durch die Hölle des Lebens. Wer gewinnt am Ende dieses Rennen, dessen Wegegeld Blut und das Leben selbst sind?
***
Als Roy Smot seine kleine Hütte sieht, ist für ihn der Krieg aus und vergessen. Vier Jahre war er fort gewesen, aber in dieser Sekunde erscheinen ihm die vergangenen Jahre nur wie ein böser Traum.
Er reckt seinen großen, hageren Körper, wirft den Stock zur Seite, den er bisher benutzte, und läuft nun, wenn auch hinkend, die letzten zweihundert Yards.
Es ist noch früh am Morgen, trotzdem erwartet Roy, dass eine gewisse Ahnung seine Familie vor die Tür treibt. Aber nichts geschieht. Je näher Roy kommt, desto deutlicher kann er feststellen, dass hier die starke Hand des Mannes, seine Arbeitskraft, gefehlt hat.
Das Dach der Hütte ist schadhaft. Der Kamin sieht verfallen aus, überall fehlt ein frischer Anstrich. Der Hof ist verwahrlost, und von dem Küchengarten stehen nur noch ein paar Pfähle der Umzäunung. Vom Korral am Haus ist nicht einmal das noch geblieben.
Roy ist bitter enttäuscht. Auf einmal hat er Angst, die Seinen nicht mehr anzutreffen. Nein, so weit hätte es Betty, seine Frau, nun doch nicht kommen lassen, denn sie ist nicht allein. Roy hat zwei Söhne, zwei echte Smots, die ohne ihn zu Männern herangereift sein mussten.
Giles muss fast zwanzig sein, und Mike, dieser Teufelskerl, ist doch schon achtzehn. Als Roy dies denkt, friert er plötzlich. Er schluckt schwer an einem eingebildeten Kloß im Hals und spürt, wie seine Knie weich werden.
»Betty!«, schreit er verzweifelt auf. Noch während die schwere Klinke an die starken Bohlen der Hauswand schlägt, erscheint in ihrem Rahmen der Arm eines Jungen.
Roy sieht zunächst nur den Colt, der auf ihn gerichtet ist. Als er in das Gesicht seines Sohnes sieht, erkennt er nur kühle, abweisende Augen, die ihn fremd betrachten.
»Verschwinde, du Strolch! Hier gibt es nichts zu betteln.«
So wird Roy von seinem eigenen Sohn empfangen. Doch dann, beim näheren Hinsehen, erkennt Mike, dass ein Soldat der Südarmee vor ihm steht. Das stimmt ihn sofort weicher. Beschämt fügt er hinzu:
»Die Zeit … zu viele kommen hier vorbei, entschuldige, Soldat, wir haben nichts.«
In diesem Moment drängt sich noch ein Junge durch die Tür, sieht scharf auf den Fremden, der abgerissen auf dem Hof steht, und fragt erschrocken:
»Vater, du?«
»Giles, sag deinem Bruder, er soll den Colt wegnehmen, euer Vater ist heimgekehrt.«
Ehe sich die beiden Söhne von diesem Schreck erholen können, fragt er voller Sorge:
»Jungs, musstet ihr alles so verkommen lassen? Habt ihr nie daran gedacht, zu arbeiten? Wo ist Mutter?«
Die letzte Frage ist schon eher ein Schrei. Roy kann nun nichts anderes mehr denken, als dass seine Betty tot ist. Eine Mutter würde jeden Tag vom Vater reden, würde ihn jede Stunde erwarten, sodass die Söhne ihn auch in den Lumpen erkannt haben würden.
Giles sieht zu Boden. Er legt beruhigend den Arm auf die Colthand seines Bruders. Mike bleibt kühl. Fast feindlich betrachtet er den Vater, ehe er sagt:
»Dort!« Die Rechte mit der Waffe zeigt nach Westen, wo der kleine Ort Petterstown liegt. »In der Stadt, Frem… Vater. Bei irgend so einem Strolch von Yankee, der die Steuern eintreibt.«
»Dann kommt sie also …«
»Du hast uns nicht verstanden, Vater«, übernimmt Giles das Wort. Er löst sich von Mike und kommt ein Yard näher. »Sie ist fortgelaufen. Damals, als die ersten verdammten Blauröcke kamen, war auch Ken Gross dabei, Sergeant Ken Gross. Mutter kannte ihn, er soll aus der Gegend sein.«
»Du sollst nicht Mutter sagen!«, schreit Mike wild. »Zum Teufel mit dieser …«
»Halt!«, donnert Roy dazwischen. »Vergiss nicht, dass es deine Mutter ist. Noch ist Betty Smot meine Frau.«
»Ich weiß nicht, Vater …«, gibt Giles zu bedenken und steht damit eindeutig aufseiten des Bruders. »Mike hat schon recht. Ohne jeden Abschied wegzulaufen und uns hier einfach sitzenzulassen …«
»Wir sind alt genug, um uns eine eigene Meinung bilden zu können«, sagt Mike feindselig und zieht damit einen Schlussstrich unter diese Aussprache.
Was will dieser Kerl überhaupt noch?, denkt Mike. Befehlen vielleicht? Das hat uns noch gefehlt. Wenn er hier schon leben will, dann soll er sich gefälligst anpassen. Laut, fährt er fort:
»Vater und Mutter … wenn ich das schon höre, wird mir schlecht. Zum Teufel, bisher sind wir ganz gut allein fertig geworden, Alter.«
In dieser Sekunde lernen die beiden Jungen mehr als in all den Jahren, da ihr Vater nicht zu Hause war. Das erste ist der Respekt vor den Eltern.
Trotz seines steifen Beines springt Roy vor und schlägt so blitzschnell seine Rechte Mike zweimal ins Gesicht, dass dieser von der Wucht der Schläge in die Knie geht.
Als sich Giles erschrocken in die Hütte retten will, peitscht die Stimme seines Vaters auf:
»Pfui, Teufel, du Feigling. Bist du auch ein Smot?«
Da dreht sich Giles ganz langsam um. Er schluckt, um die Angst zu überwinden, und kommt mit schweren Schritten zurück. Groß sind seine Augen auf den Vater gerichtet und leise gibt er Antwort:
»Schlag nur zu, Vater. Ich bin ein Smot!«
»Dann schluck es«, brüllt Roy voller Wut und trifft ihn hart. »Ihr verdammten Burschen habt wohl ganz vergessen, dass ein Vater nicht nur Pflichten hat, sondern auch Rechte. Noch bin ich das Oberhaupt der Familie, und als solches will ich respektiert werden.«
Roy sagt seinen Söhnen noch eine ganze Menge. Er sagt es so, dass sie es auch begreifen. Nun, da sein Zorn verraucht ist und er die erste Enttäuschung überwunden hat, findet er die richtigen Worte.
Giles und Mike machen sich bald darauf an die Arbeit. Er selbst aber muss auch noch Klarheit über seine Frau haben. Zu diesem Zweck geht er in die Stadt.
Gerade und leicht hinkend sehen ihn die beiden Jungen vom Hof gehen. Doch in sein Gesicht können sie nicht schauen. Das ist gut so. Sie haben eben einen harten Mann kennengelernt, Roy Smot, ihren Vater.
Erst jetzt lösen sich in Roy alle Angst und Sorge. Die Enttäuschung ist bitter für ihn. Der Krieg war schrecklich, aber diese Heimkehr ist noch schrecklicher.
*
Am späten Mittag trifft Roy Smot in Petterstown ein. Obwohl er müde und hungrig ist und sein Bein schmerzt, geht er ohne Umschweife auf sein Ziel los. Dieses Ziel ist das Hauptquartier der Unionssoldaten.
»Halt!«, ruft der Posten scharf. »Was willst du hier, du stinkender Rebell? Einen Colt hast du auch noch? Mann, kannst du denn immer noch nicht begreifen, dass ihr den Krieg verloren habt? Verschwinde, heute ist kein Sprechtag. Der Major ist über Land.«
»Mein Name ist Roy Smot. Ich wünsche den Sergeanten Ken Gross zu sprechen. Gib den Weg frei, Kerl! Schließlich bin ich ein Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika und habe das gleiche Recht …«
»Lass ihn eintreten, du Narr!«, schreit innen im Haus eine Stimme, die aber deutlich auf der Straße zu verstehen ist.
Sie verwandelt den Posten in eine Salzsäule. Auch Roy horcht beim Klang dieser Worte auf. Aber ihn durchzuckt keine Angst. Es trifft ihn tiefer, trifft ihn ins Herz, denn diese Stimme kennt er. Er kennt auch den Mann, dem diese Stimme gehört.
Mit wenigen Schritten ist er im Haus. Gleich rechts die Tür muss es sein. Hätte er es nicht gewusst, so würde ihm ein Schild Aufklärung gegeben haben, dass in jenem Zimmer Ken Gross residiert, Sergeant Ken Gross, Leiter der Steuerberechnungsabteilung.
Roy wundert sich nicht. Was bedeutet schon der Name, denn er ist falsch. Aber das ist nicht alles, was an Ken Gross falsch ist. Als Sergeant bei der Nordarmee, als Steuereintreiber, ist aus dem Mann mit dem falschen Namen ein legaler Bandit geworden.
Noch einmal holt Roy tief Luft, ehe er mit einem gewaltigen Tigersatz und mit gezogenem Colt in den Raum springen will. Doch er ist ein hungriger, kaum genesener Mann, dem der Zorn alle Vorsicht wegwischte. Er vergisst, dass er nur ein halber Mann ist, so sehr denkt er an die Stimme.
Damals nannte sich Ken Gross Hal Miles.
Er war Cowboy auf einer Nachbarranch, und Roy war es, der ihn als Pferdedieb entlarvte. Aber einen Tag später war schon Krieg, und Ken Gross sprach von Vaterland, von wiedergutmachen, von kämpfen bis zum letzten Blutstropfen.
Zwei Jahre später traf Roy ihn wieder. Ken Gross stand als Sergeant vor einem Kriegsgericht. Er war ein Deserteur geworden. Doch hatte er auch damals Glück gehabt und mit vaterländischen Reden seine Richter beeinflusst, die ihn zu einem Sonderkommando abschoben.
Roy weiß, wie selten Männer solcher Sonderkommandos überlebten. Der Gedanke, dieser falsche Lump hat auch Betty durch seine Reden gewonnen, macht ihn rasend. Er nimmt Anlauf und springt gegen die Tür.
In diesem Moment geht die Tür auf. Roy segelt wie eine lahme Ente in das Zimmer. Er schlittert über die Dielen und prallt dann gegen einen großen eichenen Tisch.
Als er dennoch hochschnellen will, erstarrt er mitten in der Bewegung. Zu deutlich ist der Vorteil für Ken Gross. Roy hat schon oft in eine Mündung gesehen. Aber hinter dieser Mündung stehen das überlegene Lächeln seines Gegners und gleich daneben die weit aufgerissenen Augen seiner Frau.
Da gibt Roy auf. Das ist verständlich. Auch wenn ihm Betty nicht mehr gehört, wie er deutlich sieht, ihr Anblick macht ihn zahm.
»Steh auf!«, bestimmt Ken Gross jovial. »Aber lass den Colt am Boden. Guten Tag, Roy Smot! Das hast du wohl nicht erwartet, was?«
Einige Atemzüge lang braucht Roy Smot, um den ungewohnten Anblick überhaupt zu begreifen. Seine Frau hat Angst, er würde Ken Gross töten können. Eng umschlungen stehen die beiden vor ihm. Zwar gibt sich Ken Gross Mühe, wie ein Held zu wirken, aber Betty hat Angst, denn nur sie kennt Roy wirklich.
Auf einmal geht es ganz leicht. Roy erhebt sich und fühlt nicht einmal mehr Zorn. Ganz kalt ist es in seinem Innern, als er voller Verachtung entgegnet:
»Es waren meine Fehler, Sergeant. Du hast zu schöne Reden halten können. Damit hast du dich zweimal vor dem Galgen gerettet. Nun, was willst du mir jetzt erzählen, Bandit Hal Miles – ah – Sergeant Ken Gross?«
»Roy«, stöhnt Betty hohl und hebt bittend den linken Arm, denn den rechten hat sie um Ken Gross geschlungen.
»Sei ruhig, Darling!«, bestimmt Ken Gross mit einem Blick auf Betty. »Du hältst dich raus. Wenn Roy will – es ist schließlich Männersache.«
Ehe Roy zustimmen kann, fährt Ken Gross schon fort. Er erzählt, was für ein wichtiger Mann er wäre und dass der Norden den Krieg gewonnen hätte. Wenn Roy sich vernünftig verhält, würde er hinsichtlich des Anwesens der Smot ein Auge zudrücken.
Dann sagt Ken Gross noch etwas. Betty blickt stolz auf diesen und wirft schnell ein:
»Ken meint es wirklich gut, Roy.«
»Im Ort und draußen auf den Ranchen«, beginnt Ken Gross geheimnisvoll, »leben noch ehemalige Soldaten. Männer wie du, Roy, die aber den Krieg, und vor allen Dingen, dass sie diesen Krieg verloren haben, nicht vergessen können.«
Ken Gross erzählt Roy, dass diese Soldaten Banditen sind und Wagenzüge der Unionsarmee, Postkutschen oder die Ranch eines Nordstaatlers überfallen. Dass sie morden, rauben und Krieg spielen.
»Es sind Banditen, Roy!«, erklärt er bestimmt. »Doch das Volk verehrt sie wie Helden, weil sie noch immer gegen den Norden kämpfen. Wenn du mir helfen willst, diese Schädlinge auszumerzen – natürlich ebenfalls als Bandit getarnt …«
»Roy!«, schreit Betty in dieser Sekunde, denn sie kennt ihn und sieht, wie er sich entspannt. Das ist ein sicheres Zeichen. Die Frau hat sich nicht getäuscht.
Aber es ist bereits zu spät. Ganz plötzlich ist das gleichgültige Grinsen in Roys Gesicht wie weggewischt. Aus dem Stand heraus wirbelt er auf dem gesunden Bein herum, ergreift mit unwahrscheinlicher Kraft den eichenen Tisch und stemmt ihn hoch.
Er schafft es auch noch, nach rückwärts Schwung zu nehmen, dann knickt sein verdammtes Bein um, und er bricht mit der schweren Last zusammen.
Ken Gross steht aschfahl dabei. Er hätte keine Chance mehr gehabt. Der Tisch hätte ihn und Betty glatt erschlagen.
Aufstöhnend geht Roy zu Boden und sagt würgend das eine Wort, das nur auf Ken Gross passt:
»Bandit!«
Aber jetzt hat Ken Gross seinen Schreck überwunden. Der Zorn macht ihn rasend. Er springt vor und wirft sich über Roy, der halb unter dem Tisch liegt und fast so gut wie wehrlos ist.
Es wird ein gnadenloser Kampf, den Roy nicht mehr gewinnen kann. Als er Ken Gross noch einmal schmerzhaft trifft, greift dieser in seiner Wut zur Waffe. Nur Betty, die sich dazwischenwirft, verhindert, dass Roy getötet wird.
»Schon gut, Darling«, beherrscht sich Ken Gross. »Dieser Schuft hätte uns beinahe erschlagen. Aber ich habe es mir überlegt. Ich werde ihn ein paar Tage einsperren. Dann kommt er zur Besinnung und wird mir noch dankbar sein.«
Einen Moment sieht er hasserfüllt auf Roy und überlegt, auf welche Art er den unbequemen Mitwisser loswerden könnte, ohne dass Betty ihm eine Schuld an Roys Tod vorhalten dürfte. Er steckt den Colt zurück und wischt sich die Haare aus der Stirn. Laut schreit er dann über den Flur:
»Wache! Zum Teufel, ihr verdammten Narren, schlaft ihr auf euren Ohren? Los, her mit euch und schafft mir diesen Kerl ins Jail! Greift so ein stinkender Rebell doch einen Sergeanten der Nordarmee an, verdammt noch mal. Weg mit ihm und in die Zelle, wo die anderen schweren Fälle sitzen.«
*
Schon wenige Stunden später ist allen Bewohnern Roys Verhaftung bekannt, obwohl sie kaum gewusst haben, dass er zurückgekommen war. Auch Giles und Mike hören davon, als sie nach langem Warten den Vater suchen.
Die Söhne sind zu stolz, um direkt zu Ken Gross zu gehen. Über ihre Mutter hätten sie den Vater schon herausgepaukt. Nein, sie gehen einen anderen Weg. Sie suchen die Rebellen auf, von denen sie ahnen, einen Helden vor sich zu haben und nicht nur einen armen Cowboy.
Man schickt die Jungen mit beruhigenden Worten nach Hause und rät ihnen, einen Verwalter zu nehmen, damit ihre kleine Ranch nicht verloren ginge.
Dieser Mann, der offiziell die Smotsche Ranch übernimmt, ist ein Spitzel von Ken Gross. Jeder weiß es. Aber nur wenige wissen, dass der Mann mit dem einen Arm, der Dave Hught heißt, das eigentliche Haupt der Rebellen ist.
Dave Hught erfährt auch rechtzeitig, dass die gefährlichsten Rebellen nach Fort Worth verlegt werden sollen. Der ganze Trick dabei ist die Erschießung flüchtender Gefangener. Es ist eine Idee, die nur Ken Gross haben kann.
Der Sergeant baut auch die Falle für diesen Zweck. So kommt es, dass zum eigentlichen Transport der Gefangenen nur wenige Bewacher zur Verfügung stehen. Das soll die Rebellen ermutigen zu fliehen.
Am hellen Mittag, eine Stunde vor dem Abtransport, dringen wagemutige Rebellen in Petterstown ein und überfallen das kaum bewachte Jail, denn jetzt ist Mittagsstunde.
Ehe die verstreut untergebrachten Soldaten aus den Häusern eilen, ist der Spuk schon vorbei. Roy Smot ist wieder frei. Aber es ist keine richtige Freiheit, denn er ist jetzt ein Bandit. Er hat keine Familie mehr, keinen Besitz, kein Recht. Er wurde ein Outlaw, ein Gesetzloser.
Roy wird nie wieder die Chance haben, als Bürger zu leben. Er kann nur noch zurückbeißen, wie ein umstellter Wolf. Roy Smot, der immer das Gesetz achtete, wird ein guter Bandit. Schon ein paar Wochen später ist er der Kopf der kriegführenden Banditen. Wenn Roy mit seinen Männern zuschlägt, stöhnt jeder Soldat, der eine blaue Uniform trägt und in Nordtexas Dienst macht.
Nur einer traut sich zu, Roy Smot zu fangen: Ken Gross. Es ist kein Mut, der den Sergeanten dazu treibt, es ist eher eine Verteidigung. Weil er nun einmal kein unbedingter Held ist, versucht er das Problem auf seine Art zu lösen.
Ken Gross lässt die einbringende Steuereintreibung sausen und meldet sich zum Sondereinsatz gegen die Rebellen. Er bekommt eine halbe Schwadron unterstellt.
Er weiß, dass er mit diesen Reitern Roy Smot nicht gewachsen ist. Darum lässt er die Waffen zu Hause und die Pferde im Stall. Er kriecht mit seinen Leuten im Gelände umher und beobachtet die beiden Söhne des Rebellenführers.
Giles wird recht bald als harmlos eingestuft, doch Mike ist ein lohnendes Objekt. Der Junge ist rein verrückt vor Begeisterung über jeden blutigen Streich seines Vaters gegen die Armee.
Wenn Roy nicht eisern befohlen hätte, seine Söhne sollten sich aus diesem Kriegsgeschäft heraushalten, Mike wäre schon längst bei seinem Vater, um mitzuhelfen, Texas wieder freizukämpfen.
