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Martha wächst in einem kleinen Dorf in der Heide als Flüchtling auf. Das Gefühl, dort nicht erwünscht zu sein, lässt sie schnell die verlogene Erwachsenenwelt durchschauen. Doch ihre offenen Fragen machen sie nicht beliebter, ganz im Gegenteil. Als Jugendliche lehnt sich Martha auf. Sie randaliert, treibt sich herum und erlebt Schreckliches. Doch trotzdem findet sie mutig ihren Weg - dank einer gütigen Oma an ihrer Seite. Sie kämpft für ihre Unabhängigkeit und wünscht sich nichts mehr als Liebe und Geborgenheit. So verlässt sie früh mit dem Erstbesten, der infrage kommt, das Dorf … Im Hier und Jetzt erlebt Martha eine schwere Krankheit, die Beziehung zu ihrem Partner ist nicht immer leicht. Doch endlich findet sie den Ort ihres Friedens, wo sie mit sich selbst im Einklang ist. Sie erkennt: Was gibt es Besseres, als zu leben? Ein ergreifendes, berührendes Buch, vollkommen unsentimental und ohne Schnörkel geschrieben. Ehrlich, offen und ganz ohne Scham, aber auch voller Witz und Humor.
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Seitenzahl: 547
Veröffentlichungsjahr: 2016
Inhalt
Impressum
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Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
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© 2016 novum Verlag
ISBN Printausgabe: 978-3-95840-108-2
ISBN e-book: 978-3-95840-109-9
Lektorat: Isabella Busch
Umschlagfotos: Thea Lindner, Ke77kz | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
1
Es war einer dieser Sommer, den man schleunigst vergessen sollte. Ein solcher Sommer, der irgendwann Ende April oder Anfang Mai stattgefunden hatte. Da war doch etwas? Was dann noch folgte, waren für die Jahreszeit zu kühle und nasse Tage, ja Wochen. Grau und trostlos; verhangener Himmel. Die Urlaube fielen im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Und dennoch: Ende August– die Wende. Der Altweibersommer setzte ein; stille Tage mit blauem Himmel. Die Sonne schon etwas verhangen, die Tage kürzer, und die Vögel waren auch schon etwas verhaltener; manche schon auf der langen Reise, andere bereiteten sich vor und die, die hierblieben, hatten wohl auch genügend zu tun. Etwas Herbstliches lag schon in der Luft. Diese bunte, ruhige Jahreszeit; aber noch war es nicht so weit.
Martha entschloss sich, ihre Schwester Elli zu besuchen, in die nördliche Heimat zu fahren. Kühle Winde, klare Luft. Bunte Astern, Spaziergänge. Das Künstlerdorf Worpswede besuchen, Bilder bewundern. Martha freute sich auf schöne Tage, und Heinrich brachte sie selbstverständlich dorthin. Elli bewohnte eine hübsche Wohnung mit Balkon und kleinem Fremdenzimmer. Das war besonders angenehm.
So saß sie, schneller als gedacht, auf dem gepflegten Balkon ihrer Schwester, lehnte sich bequem zurück und genoss den Augenblick. Sie schnupperte Heimat. Erinnerungen an Kindheit und Jugend. Das machte der frische Wind. Der blaue Himmel– so weit, so hoch, so fern und doch so nah. Die Vögel zwitscherten wie früher. Wann war das? Diese warmen, manchmal heißen Sommer? Ihr See, ihr Fluss, ihr Wald, die frischen Wiesen, die Blumen. Und dann die kalten, strengen Winter, klare Nächte mit klirrendem Frost. Die Zeit– wo war sie geblieben? Nicht wehmütig werden, dachte Martha. Alles vorbei, alles ist vergänglich. Alles hat seine Zeit. Und was kommt? Das weiß niemand. Das Jetzt, das Hier und Heute genießen. Anderes zählt nicht. Sie hörte Elli in der Küche mit Geschirr klappern. Sie wollten Kaffee trinken und Kuchen essen. Martha saß unter einem knallgelben Sonnenschirm. Alles war so hell und luftig. Kaiserwetter, mit frischer Brise, und sie fühlte sich gut, glücklich. Ja, das musste Glück sein. Was sonst?
Später trank sie mit Elli Kaffee, und sie aßen einen Keks dazu, natürlich selbst gebacken von Martha. Sie unterhielten sich über dies und das, und seit Neuestem war das Älterwerden ein beliebtes Thema. Wie der Körper sich veränderte, alles hing, und nichts war mehr so wie es war. Eben die Schwerkraft, sie sorgte für Veränderung. Die Haare wurden dünner, die Lippen schmaler, die Oberschenkel weniger und der Bauch dicker. Bei allem Gemäkel konnten beide zufrieden sein. Sie waren fit und fidel. Martha hatte immer noch ein schönes Gesicht, ebenmäßig und wenig Falten. Sie trug eine fesche Kurzhaarfrisur in hellem Blond, da half sie nach. Und überhaupt. Unzufrieden brauchten sie nicht zu sein, achteten auf ihre Figur. Was wollten sie mehr? Meckern natürlich. Unter dem großen Sonnenschirm war es angenehm. Das Telefon klingelte. Elli ging ins Wohnzimmer. Martha beugte sich nach vorn, so konnte sie in den Garten sehen. Sie wollte doch mal schauen, wo die kleine Amsel saß, die so unermüdlich tirilierte und eine Melodie nach der anderen schmetterte. Martha erblickte sie auf dem Zweig einer hellen Birke. Unten befand sich ein sehr gepflegter Garten: kurzer Rasen, schöne Blumenrabatten mit Rittersporn und vielen Rosensträuchern. Elli wohnte wirklich in einem schönen Haus, frei stehend, weiß mit grauem Schieferdach und Butzenscheiben. Das sah so schön vornehm aus. Überhaupt, hier wohnten fast ausschließlich alte Frauen, die etwas betucht waren. Jedenfalls keine Familien mit Kindern. Und alles Eigentumswohnungen. In der Mitte des Gartens sah Martha eine zugeschüttete Sandkiste. Komisch, dachte Martha, hier gab es doch offensichtlich gar keine Kinder. „Natürlich nicht“, meinte Martha später und schüttelte missbilligend den Kopf. Aber es gab hier welche, und viele dieser alten Giftnattern hatten den Familien das Leben mehr als schwer gemacht. So zogen sie aus und nie wieder welche ein. Basta. Ziel erreicht. Martha dachte an ihre eigenen Kinder und wie das früher so zuging. Kinderfreundlich war das Land wohl noch nie. Die Zeiten werden sich ändern müssen; Kinder sind Zukunft und Leben. Wer soll diesen alten Frauen in ihrem Egoismus ihre gute Rente zahlen? Wer bitte schön?
So kamen sie auf das Thema Kinder, und Elli erkundigte sich nach Marthas beiden. Martha hatte eine Tochter und einen Sohn, der vor einigen Jahren fast fluchtartig seinen Wohnsitz verließ und in Österreich ein neues Leben begann. Von jetzt auf gleich. Vor wem oder was floh er? Ganz einfach. Es war alles zu eng, zu muffig, und er führte eine Ehe, die nur auf dem Papier bestand. Zwölf Jahre als Zeitsoldat hatten ihn wohl auch etwas geprägt. Und seine Mutter und seine Schwester? Sie würden schon zurechtkommen. Und wie. Außerdem hatte er geheiratet– ohne die beiden. Keine Einladung! Später legte er zur Kenntnisnahme zwei Hochzeitsfotos auf den Tisch: das strahlende Brautpaar mit Trauzeugen. Alles in engstem Kreis, ohne Familie. Für Martha ein Schlag in die Magengrube; lange Zeit hatte sie daran zu knacken. Gleichwohl, er fand sein Glück anderswo. Berge, blauer Himmel, Freiheit. Den ganzen Ballast hinter sich lassend. Martha konnte ihn verstehen. Obwohl, sie hätte wenigstens…– ja was denn? Eine Erklärung. Wofür? Als Jugendliche hatte sie doch selbst mit dem Erstbesten die Flucht ergriffen, raus aus dem Dorf. Allerdings blieb das, was sie erwartet hatte, aus. Enttäuschung und Tränen für lange Zeit.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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