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Ein atemberauschendes, episches Weltraumabenteuer für Liebhaber der klassischen Science-Fiction Literatur. Ein UFO wird in der Nähe des Pluto gesichtet. Die Kentucky, unter dem Kommando von Jesus Carter, wird losgeschickt, um nach dem Rechten zu sehen. Sie treffen dort auf Außerirdische und erfahren von ihnen Unglaubliches. Die Menschheit ist in Gefahr und die Bedrohung ist so groß, dass sie das Ende der Menschheit bedeuten könnte. Kapitän Carter und seine Crew versuchen in einem Akt der Verzweiflung, das Unvermeidliche noch zu verhindern. Dabei kommen sie einer wahrlich kosmischen Intrige auf der Spur, in dessen Mittelpunkt die Menschheit zu stehen scheint. Kann das Unvermeidliche noch aufgehalten werden oder ist das Ende der menschlichen Rasse längst besiegelt? Erleben sie ein spannendes Sci-Fi Abenteuer um Macht, Lüge und Verrat. Erleben sie Action und Spannung bis zum überraschenden Ende! Leserstimmen: Über eine Fortsetzung würde ich mich freuen. Denn insgesamt ist der Plot stimmig und flüssig geschrieben. Ich habe das Buch in fast einen Zug gelesen es hat mir sehr gut gefallen Kritikpunkte habe ich keine an dieser Story ein empfehlenswertes Science Fiction Abenteuer. Eine interessante Lektüre, spannend und unterhaltsam. Der Schluss lässt für mich eigentlich genug Platz offen um die Story weiter zu führen? �� Ich bin gespannt und werde es beobachten
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Veröffentlichungsjahr: 2020
Inhaltsverzeichnis
1 – Entdeckung
2 – Untersuchungen
3 - Alien Gespräch
4 – Kentucky
5 – Niepsaweo
6 – Ankunft
7 - Die Suche
8 - Das Weltenschiff
9 - Ankunft Erde
10 - Jesus Erwacht
11 - Ankunft der Basss
12 - Jesus und die Basss
13 - Flug zur New World
14 - Ankunft New World
15 - Xincho Lastorksai
16 - Mars Station
17 - Xincho Lastorksai 2
18 - Der Angriff
19 – Aufbruch
20 – Xalmanan
21 – Hope
22 - Verzweifelt
23 - Xalmanan 2
24 - 3 Jahre später
25 - Der Diranokristall
26 - Jesus und der Kristall
27 - Kristall Vision
28 - Treffen Xalmanan
29 - Die Suche nach der Wahrheit
30 - Kristall Vision II
31 - Xalmanan 3
32 - Kats suche
33- Gespräch mit John
34 – Untersuchungen
35 – KI
36 - Jesus` Falle
37 - Kat und die KI
38 - Jesus` Falle 2
39 - Kat und die KI 2
40 - Jesus` Falle 3
41 - Kat und die KI 3
42 - Das fremde Schiff
43 - Niepseweo 2
44 – Kurzschluss
45 – Alleine
46 – Verfolgung
47 – Alarm
48 - Die zweite Kentucky
49 - Xalmanan 4
50 - Der NS Blocker
51 - Planet Orsokei
52 - Der Genmanipulator
53 - Die Befragung
54 - Der Plan
55 – Vernichtung
56 - Ein neues Zuhause
57 - Xalmanan´s Rückkehr
Lexikon
Völker
Nachwort
Handy Newsletter
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Über den Autor
Impressum
Kosmische Intrigen
Das Weltenschiff
Science Fiction Abenteuer
von
Toby Winter
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Vorwort:
Meine Bücher werden lektoriert und korrigiert. Leider ist ein superprofessionelles Lektorat teuer, und so kann es trotz großer Sorgfalt passieren, dass einige Rechtschreibfehler durchrutschen. Dafür entschuldige ich mich schon einmal im Voraus.
Ich hoffe, dass sie beim Lesen genauso viel Spaß haben wie ich es beim Schreiben hatte.
Sollte das der Fall sein, würde ich mich freuen, wenn sie mir eine hoffentlich positive Rezession schreiben. Damit würden Sie meine Arbeit würdigen und anderen Lesern helfen, sich in dem Meer von Büchern die guten Perlen herausfischen zu können
Für Anregungen, Kritik oder Verbesserungsvorschläge empfehle ich Ihnen, mir eine E-Mail zu schreiben, da ich immer darauf bedacht bin, Ihnen ein bestmögliches Lesevergnügen zu bieten, ist es sehr wertvoll für mich, wenn ich von Ihnen konstruktives Feedback erhalte. Ich freue mich über jede Mail, da sie mir hilft, meinen Schreibstil zu optimieren und das beste Buch zu schreiben, das ich und Sie sich wünschen.
Ihr
Toby Winter
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Zum Inhalt des Buches:
Sämtliche Personen und Orte in diesem Buch sind frei erfunden.
Sollte es dennoch Parallelen zur Wirklichkeit geben, handelt es sich um reinen Zufall.
Das Werk, einschließlich aller Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, auch in Teilen, ist ohne Zustimmung des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigung jeder Art, Übersetzungen und die Einspeicherung in elektronische Systeme.
»Verdammt, Jesus! Sie sind immer noch hinter uns. Ich kann sie nicht abschütteln«, jammerte Susie Shong, die Navigatorin der Kentucky.
Jesus blickte auf den Hauptschirm. Die Verfolger kamen der Kentucky gefährlich nahe.
»Jesus, was sollen wir machen?«, Susies Stimme klang schon fast flehend.
Langsam strich sich Jesus mit der Hand übers Kinn. Die Bartstoppeln seines Drei-Tage-Bartes knisterten dabei leise. Man sah ihm deutlich an, wie es hinter seiner Stirn arbeitete. »Susie, wie weit ist der Kitara-Nebel entfernt?«
Susie drehte sich in ihrem Sessel und schaute Jesus fragend an. »Was sollen wir im Kitara-Nebel? Der ist für Schiffe gefährlich, das weißt du doch«, ihre Stimme zitterte nervös bei ihren Worten.
Selbst Kat starte Jesus mit großen Augen an. Was hatte er vor?
»Susie! Du vertraust mir doch?«, Jesus schaute sie mit zusammengekniffenen Augen an.
Susie schluckte hörbar. »Ja, natürlich Kapitän«, stammelte sie hilflos.
Jesus wusste, dass er sich auf seine Mannschaft verlassen konnte. Er war ein hervorragender Stratege, der oftmals Dinge tat, mit denen seine Gegner nicht rechneten. Seine Manöver waren unkonventionell, aber er würde niemals etwas tun, was seiner Mannschaft schaden könnte. Er plante immer mehrere Züge im Voraus und scheute sich auch nicht davor, direkte Befehle zu ignorieren. Er war der geborene Anführer und trieb gerne seinen Vorgesetzten in den Wahnsinn. Mittlerweile hatte er den Ruf, einer der besten Strategen in der Flotte zu sein. Seine verrückten Aktionen waren weit über alle Grenzen bekannt. Sie hatten ihm schon das eine oder andere mal in ausweglosen Situationen geholfen. Auch diesmal brauchte es wieder eine seiner genialen Ideen. Sonst könnte das heute ihre letzte Mission sein. Der Befehl, den sie vom Flottenkommando erhalten hatten, war denkbar einfach. Sie sollten einige hochbrisante Datenscheiben zum Uranus-Stützpunkt bringen. Dies sollte möglichst unauffällig geschehen. Daher hatte man Jesus und seine Mannschaft für diese heikle Mission ausgesucht. Die Kentucky war genau das richtige Schiff für so eine Aufgabe. Sie war schnell und gut bewaffnet für ihre Größe. Kapitän Jesus Carter und seine Crew galten als draufgängerisch und verwegen. Sie waren der Flotte treu ergeben und hätten niemals Informationen an den verhassten Pakt weitergegeben. Eher würden sie sterben.
Jesus Carter kommandierte die Kentucky, einen leichten Kreuzer der Bourbon-Klasse. Sie war mittlerweile in die Jahre gekommen, aber immer noch das schnellste Schiff ihrer Klasse. Jesus und seine Mannschaft hielten sie auf dem neusten Stand der Technik. Erst kürzlich hatte Jesus einen der neuen Holo-Schirme einbauen lassen. Das Neueste, was es an Bildschirmtechnologie in der Flotte gab. Jesus hatte ihn nur dank seiner hervorragenden Kontakte bekommen. Personen und Objekte wurden dreidimensional dargestellt, sodass man den Eindruck hatte, als würden sie direkt vor einem in der Luft schweben.
Die Mannschaft der Kentucky war ein verwegener Haufen, die ihrem Kapitän den letzten Nerv rauben konnte. Jesus hätte sie gegen keine andere im Universum eintauschen wollen. Allen voran Kat. Kat, das war Jesus` Nummer eins, sein erster Offizier. Eigentlich hieß sie Kathrin Suez, war Mitte Zwanzig, hatte kurze blonde Haare, leuchtend blaue Augen und eine sportliche Figur. Die Akademie hatte sie mit der höchsten Punktzahl abgeschlossen, die jemals erreicht wurde. Zu ihrem Leidwesen und dem ihrer Vorgesetzten hatte sie so ihre Probleme mit Befehlen. Sie ließ sich von niemandem verbiegen, selbst von Jesus nicht. Kat hatte die einzigartige Gabe, Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu können. Wenn sie alle Fakten im Kopf sortiert hatte, genügte ihr ein Blick, um mögliche Fehler sofort zu erkennen und gegebenenfalls korrigierend einzugreifen. Sie hörte nur auf ihr Bauchgefühl und traf so die richtigen Entscheidungen. Den Grund dafür konnte sie nicht bestimmen, es könnte aber mit ihrem Geister-Gen zu tun haben. So hatten ihre Ärzte die DNA-Anomalie genannt, die man vor ein paar Jahren zufällig bei ihr entdeckt hatte. Man hatte ihn als harmlos eingestuft, da er offensichtlich keine Veränderungen in ihrem genetischen Code verursacht hatte. Seine Funktion blieb genauso rätselhaft wie der Grund seiner Entstehung.
Viele ihrer Aktionen könnte man durchaus als Befehlsverweigerung ansehen, aber bisher hatte sie mit ihren Entscheidungen immer richtig gelegen. Der Posten auf der Kentucky war die letzte Chance, ihre Karriere als Offizier der Flotte noch zu retten.
Die Besatzung der Kentucky bestand aus insgesamt sieben Mann. Neben Jesus und Kat gab es noch vier Männer und eine weitere Frau. Alle hatten so ihre Probleme mit der Befehlsstruktur in der Flotte und zogen Ärger magisch an.
Bens großes Verlangen nach dem weiblichen Geschlecht hatte ihn schon des Öfteren in Schwierigkeiten gebracht. Als er eine Affäre mit der Frau eines Vorgesetzten anzettelte, wurde er degradiert und zur Strafe auf die Kentucky versetzt. Man munkelte, dass Jesus sich für ihn stark gemacht hatte, da er ein hervorragender Schütze war und man ihn sonst wohl aus der Flotte geworfen hätte.
Klaus saß meistens am Steuer der Kentucky. Jesus kannte niemanden, der ein Schiff unter schwierigsten Bedingungen so gut steuern konnte wie er, und gäbe es da nicht seine allzu ausgeprägte Spielsucht, hätte er wohl eine glorreiche Karriere in der Flotte hingelegt. Neben ihm saß ihr Navigator. Susie war gebürtige Asiatin. Ihre Eltern stammten aus Vietnam, was für sie und ihre Karriere in der Flotte mehr als hinderlich war. Immer wieder wurde sie angefeindet und musste sich mehr als nur einmal zur Wehr setzen. Als sie dem Sohn eines Admirals in der Kantine die Nase brach, ließ dieser sie aus der Flotte werfen. Nur mit viel Mühe und dem Einfordern mehrerer Gefallen war es Jesus überhaupt möglich gewesen, sie auf sein Schiff versetzen zu lassen. Susie war ihm unendlich dankbar für diese letzte Chance, aber zeigen konnte sie ihm das nicht. Dafür war ihr Stolz viel zu groß und stand ihr wie so oft im Weg.
Zu guter Letzt gab es da noch die Zwillinge Ari und Einar Leifsson. Sie kamen ursprünglich aus Island. Und stur wie Isländer nun mal waren, gab es für die Zwillinge keinen Vorgesetzten, den sie respektieren konnten. Nur Jesus war in der Lage, sie zu bändigen, zumindest ein bisschen. Er hatte ihnen vor ein paar Jahren bei einer wilden Kneipenschlägerei das Leben gerettet. Sie waren beim Poker Spielen mit einem ihrer Mitspieler in Streit geraten und dieser hatte schon seine Waffe gezogen. Wäre Jesus nicht dazwischen gegangen, wer weiß, ob die beiden heute noch leben würden.
Jesus liebte seinen wilden, aufmüpfigen Haufen. Er wusste um die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen und würde für jeden von ihnen durch die Hölle gehen. Das war ihm wichtiger als alle Auszeichnungen oder bloßer Befehlsgehorsam. Mit dieser Truppe konnte man Großes erreichen oder gnadenlos scheitern, da war sich Jesus sicher.
Ihren neuesten Auftrag hatten sie von Admiral Gneisenau höchstpersönlich, einem der höchstdotierten Offiziere der Flotte, erhalten. Wie er Jesus mitgeteilt hatte, waren die Informationen auf den Datenscheiben mehr als brisant und unterlagen der höchsten Geheimhaltungsstufe. Selbst hochrangige Mitglieder der Flotte durften von dieser Mission nichts erfahren. Zuerst lief auch alles reibungslos. Die Kentucky traf sich mit einem kleinen Kurierschiff der WEU und übernahm die Datenscheiben. Aber kaum hatten sich die beiden Schiffe getrennt, tauchten auch schon zwei Kreuzer des asiatischen Pakts auf. Bei einem kurzen, aber heftigen Feuergefecht wurde das Kurierschiff der WEU zerstört und die Kreuzer machten fortan Jagd auf die Kentucky.
Trotz ihres schnellen Antriebs war es ihnen nicht möglich gewesen, die beiden Kreuzer abzuschütteln. Vielmehr holten diese immer mehr auf und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie in Feuerreichweite gelangen würden.
»Wie weit noch bis zum Kitara-Nebel, Susie?«, rief Jesus nervös.
»Fünfeinhalb Minuten«, antwortete sie knapp.
»Wie lange brauchen die Schiffe noch, bis sie in Feuerreichweite sind?«
»Sechs Minuten! Das wird ganz schön knapp, Jesus.«
»Was machen wir, wenn wir den Nebel erreicht haben?«, erkundigte sich Kat mit brüchiger Stimme.
»Wir fliegen hinein! Was denn sonst?«, antwortete Jesus.
Kat sah ihn entsetzt an. »Aber wir können nicht durch den Nebel fliegen, das ist viel zu gefährlich. Die Sicht ist gleich null, alle unsere Sensoren werden ausfallen und wir müssten blind durch den Nebel fliegen. Wir werden den herumfliegenden Asteroiden im Nebel niemals rechtzeitig ausweichen können. Wir sollten uns lieber den Schiffen des Pakts stellen. Gegen deren Feuerkraft haben wir zwar eigentlich keine Chance, aber ich sterbe lieber in einem Kampf als sinnlos in so einem blöden Nebel!«
Jesus lächelte in sich hinein. »Kat! Habe ich schon jemals sinnlose Befehle erteilt?«, seine Stimme klang kalt und berechnend.
Kat schaute berührt zu Boden. Jesus hatte ja Recht mit dem, was er sagte. Sinnlose Befehle kannte sie von ihm nicht.
»Klaus, wenn wir in den Nebel eintauchen, lässt du sofort einige Haftminen fallen. Gleichzeitig steuerst du hart backbord, lässt uns um einhundert Meter abfallen und stoppst auf Null ab. Ben, du hältst dich bereit, sollten die Minen hochgehen, feuerst du alles, was wir haben, auf die Explosionen.«
Alle schauten Jesus überrascht an. Mit solch einem Manöver hatte niemand von ihnen gerechnet. Es war so einfach wie genial. Die Schiffe des Pakts waren deutlich besser bewaffnet und ihre Schutzschirme ließen sich von den Waffen der Kentucky kaum bezwingen. Nur mit Hilfe der Minen hatten sie überhaupt eine Chance, sie soweit zu überlasten, dass sie zusammenbrechen könnten.
»Noch zehn Sekunden bis zum Eintritt in den Nebel!«, bellte die Stimme des Computers aus den Bordlautsprechern.
»Vier, drei, zwei, eins, zero!«
Klaus ließ einige Haftminen aus dem Heck der Kentucky fallen. Gleichzeitig steuerte er das Schiff nach unten und führte einen Notstopp durch.
In dem dichten Nebel fielen sofort die Sensoren aus, da er voller magnetischer Teilchen war, die dafür sorgten, dass sämtliche Sensoren gestört wurden.
Da auch der Holo-Schirm nichts weiter als eine gelblich trübe Brühe zeigte, konnten sie nur noch nach Sicht operieren, die aber auch nicht viel weiter als ein paar hundert Meter zuließ. Alle starrten gebannt aus der Panzerplast-Kanzel. Würden die Kreuzer auf den Trick hereinfallen und sich wider besseres Wissen in den Nebel trauen? Nur langsam und zögerlich näherten sie sich dem Nebel. Auch ihre Sensoren würden ausfallen, sobald sie in den Nebel eintauchten. So konnten sie die Kentucky nicht wirklich verfolgen.
Als die ersten Minen hochgingen, feuerte Ben alles, was die Bordkanonen der Kentucky hergaben. Der Schirm des Kreuzers, durch die Minen schon aufs Äußerste belastet, fiel in sich zusammen, und als die Geschosse von Ben auf ihn trafen, verging er in einer grellen Explosion. In dem sich schnell ausbreitenden Feuerball hatte auch der zweite Kreuzer keine Chance. Die Waffen der Kentucky durchschlugen auch seinen Schirm und unter heftigen Explosionen zerbrach das Schiff in mehrere Teile, die brennend durch den Nebel drifteten.
Langsam steuerte Klaus die Kentucky wieder aus dem Nebel. Die Mannschaft atmete erleichtert auf, als sie endlich wieder die Sterne sehen konnten.
»Klaus, fliege uns auf direktem Kurs zur Uranus-Station. Ich ziehe mich bis zur Ankunft in meine Kajüte zurück«, ordnete Jesus an und zog sich zurück.
»Sie kommen, Buexxehm!«, flüsterte Niepsaweo.
»Wie viele sind es?«
»Nur ein kleines Schiff«, erwiderte er mit enttäuscht klingender Stimme.
»Nur ein Schiff. Sie sind vorsichtiger als erwartet. Mutter hatte mit einer Armada von Schiffen gerechnet. Was glaubst du, ist wohl einer der vier an Bord?«
»Schwer zu sagen, aber ich denke eher nicht. Das wäre schon ein sehr großer Zufall.«
»Mutter hat alles durchgerechnet. Wenn sie nicht an Bord sind, kommen sie mit einem der nächsten Schiffe.«
»Kann schon sein, aber es leben über zehn Milliarden Wesen dort unten. Da kann ich an so einen Zufall kaum glauben.«
»Wenn du meinst, Niepsaweo.«
»Da kommen noch mehr Schiffe.« Seine Finger fuhren über den Bildschirm und zoomten die Schiffe näher heran. Er legte seinen Kopf schief und betrachtete die seltsamen Flugobjekte. »Die sind viel größer, bis zu sechsmal so groß.«
Buexxehm dreht sich um und betrachtete den Monitor. »Seit wann haben diese Wesen so große Schiffe?«
»Das weiß ich nicht. Bei unserem letzten Besuch vor drei Parsec hatten sie nur eine kleine Flotte mit winzigen Schiffen. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so schnell Fortschritte im Schiffsbau machen würden.«
»Hat sich Mutter je geirrt? Die Wesen können nicht über dieses Wissen verfügen. Vielleicht hatten sie Hilfe.«
»Mutter hat sich noch nie geirrt! Das weißt du genau, Buexxehm.«
»Und wo kommen dann plötzlich die großen Schiffe her?«
»In drei Parsec kann viel passieren. Könnte ja sein, dass eine der anderen Rassen den Planeten entdeckt hat und sie sich technologisch austauschen.«
»Und wer sollte das gewesen sein? Das System ist viel zu weit von bewohnten Systemen entfernt. Eher unwahrscheinlich, dass sie jemand zufällig entdeckt hat. Nein, es muss einen anderen Grund geben.«
»Ja? Welchen denn, Niepsaweo? Wenn du eine bessere Erklärung hast, dann her damit.« Er blickte sein Gegenüber provozierend an.
»Sieh mal!«, rief Buexxehm aufgeregt, »Die Schiffe haben eine gänzlich andere Schiffsstruktur und andere Beschriftung. Das müssen die Schiffe des anderen Bündnisses sein.«
Niepsaweo kam näher und betrachtete die neuen Schiffe eingehend. »Du hast recht. Wahrscheinlich befinden sich die beiden Machtblöcke in einem Wettrüsten. Das könnte auch eine Erklärung für die vielen neuen Schiffsmodelle sein. Nur wie sie in so kurzer Zeit einen solchen technischen Fortschritt geschafft haben, erklärt das noch nicht.«
Mit schnellen Fingern wischte Buexxwehm über den Bildschirm. Das Bild änderte sich und ein Verband von acht unterschiedlichen Raumschiffen tauchte auf. »Wir bekommen weiteren Besuch. Das sind zur Abwechselung mal wieder Schiffe des ersten Bündnisses.«
»Wann werden sie unsere Position erreicht haben?«
»Das kleine Raumschiff, das wir als erstes geortet haben, sollte in acht Stunden hier eintreffen. Der große Verband in fünfzehn Stunden und nach weiteren fünfzehn Stunden sollte der Rest hier eintreffen.«
»Gut, dann bleibt uns nicht mehr viel Zeit. Wir sollten mit den Vorbereitungen beginnen, damit wir die Menschen gebührend empfangen können.«
»Ganz, wie du befiehlst, Niepsaweo.«
Als die Kentucky den vereinbarten Treffpunkt erreichte, übergaben sie die Datenscheibe einem Mittelsmann von Admiral Gneisenau.
Jesus saß in seiner kleinen Kabine. Sie war eng und ungemütlich. Viel Platz hatte er hier nicht, aber immer noch mehr als der Rest der Mannschaft, die sich zwei Kabinen teilen mussten. Die Kentucky war kein sehr großes Schiff. Nur mit Mühe konnte man noch den Glanz vergangener Jahre an ihr erkennen. Das Schiff hatte eine Diskusform. Vorne mittig war hinter einer durchsichtigen Panzerglasfront die Brücke untergebracht. Rechts und links neben dem Hauptrumpf befand sich die Primärbewaffnung, jeweils ein lasergesteuertes Plasmageschütz. Zwei abklappbare Flügel, die man für den Flug in einer Atmosphäre verstellen konnte, befanden sich daneben und rundeten die Diskusform ab. Die Kentucky hatte einen Durchmesser von dreiundsechzig Metern und war an seiner dicksten Stelle fünfzehn Meter hoch. Seine Außenhaut glänzte silbern, aber auch hier nagte der Zahn der Zeit unerbittlich. An immer mehr Stellen bildete sich Flugrost und es war abzusehen, dass die Kentucky bald ihre letzte Reise antreten würde. Aber noch war es nicht so weit.
Jesus las die Nachricht nun schon zum dritten Mal. Endlich mal wieder ein Auftrag, der Spaß und Abenteuer versprach. Vorbei war das ewige und langweilige Kartografieren von neuen Sternenkarten oder das Überbringen von irgendwelchen Geheimnachrichten. Bewegung kam in seinen Körper, er schaltete das Interkom ein. »Kat, wir haben einen neuen Auftrag. Fliege bitte mit Höchstgeschwindigkeit zu den folgenden Koordinaten. Bitte in voller Gefechtsbereitschaft. Jesus Ende.« Schnell schickte er die genauen Koordinaten an den Hauptcomputer und lehnte sich grinsend in den Sessel zurück. Er konnte sich nur allzu gut vorstellen, was jetzt auf der Brücke los war.
Ein Brummen zog sich durch das Schiff und es begann langsam und dann immer schneller zu beschleunigen. Schnell wurde der Uranus im Bordfenster immer kleiner und schon bald konnte man ihn mit dem bloßen Auge gar nicht mehr wahrnehmen. Die Kentucky eilte einem neuen Abenteuer entgegen, eines mit einem unbekannten Ausgang.
***
Alle hatten sich auf der kleinen Brücke versammelt und starrten gebannt auf den großen Holo-Schirm. Der Pluto füllte fast den ganzen Bereich aus. Aber ganz klein und winzig konnten sie einen grauen Punkt erkennen, der neben ihm bewegungslos im All schwebte.
»Kannst du das Schiff etwas näher heranzoomen, Susie?«
»Ich kann es versuchen. Warte kurz.« Ihre Finger huschten über ihr Bedienpult. Wie von Zauberhand gewann der kleine Punkt schnell an Größe und man konnte erste Einzelheiten erkennen.
»Versuche mal, das Objekt isoliert darzustellen«, forderte Jesus sie auf.
Wieder wirbelten Susies Finger über ihr Board. Das kleine Objekt wurde vom Hintergrund getrennt und schwebte nun losgelöst von der Schwärze des Weltalls vor den Augen der Anwesenden in der Luft. Deutlich konnte man einzelne Strukturen auf seiner Außenhaut erkennen.
»Das ist doch bloß ein Asteroid. Ein blöder Stein. Dafür sind wir wie die Teufel hierher gejagt?«, grummelte Ben enttäuscht.
Jesus betrachtete nachdenklich das graue Objekt. »Computer, scanne das Objekt nach Lebenszeichen und durchleuchte es mit Polymärstrahlen.«
Auf dem Holo-Schirm leuchtete das Schiff rot auf. »Ich registriere zwei Lebenszeichen und eine schwache Wärmereststrahlung. Mit achtundneunzigprozentiger Sicherheit handelt es sich um ein künstlich erzeugtes Objekt«, klang es etwas metallisch aus den Bordlautsprechern.
Jesus kaute mit den Schneidezähnen auf seiner Unterlippe. Dieser unscheinbare, graue Felsbrocken sollte also ein Raumschiff sein. Stellte sich nur die Frage, wer es gebaut hatte und was es hier wollte?
»Computer, kannst du uns sagen, ob es sich bei den zwei Personen um Menschen handelt?«
Es knackte leise aus den Lautsprechern. »Überprüfung abgeschlossen. Es ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,99 Prozent davon auszugehen, dass es sich bei den beiden Lebensformen nicht um Menschen handelt.«
Jesus blickte die Anderen gedankenverloren an. »Susie, wie groß ist das Objekt?« Susie blickte auf ihr Board. Mit Hilfe des Computers errechnete sie die Größe des fremden Flugkörpers. »Das Objekt ist eintausendundzwei Meter lang und an seiner dicksten Stelle hat es einen Durchmesser von fünfunddreißig Metern.«
»Klaus, umrunde es langsam mit der Kentucky, unterschreite aber nicht den Sicherheitsabstand von einhunderttausend Kilometern.«
Niemand redete ein Wort. Alle starrten fasziniert auf das vermeintliche Alienraumschiff. Wer waren die Fremden? Kamen sie als Freunde oder Eroberer?
»Jesus, die Asiaten sind in dreizehn Stunden und neunundzwanzig Minuten hier. Wir sollten uns mit einer Untersuchung beeilen«, warnte Susie.
»Danke, Susie.«
Langsam umrundeten sie das Schiff. Aber so sehr sie sich auch anstrengten, es ließ sich weder eine Öffnung finden noch irgendein Hinweis, dass es sich wirklich um das Schiff einer außerirdischen Lebensform handelte.
Langsam zweifelte Jesus, dass sie einen Eingang finden würden.
»Da, seht nur!«, rief Ari laut und zeigte auf den Monitor.
Jetzt konnten es alle sehen, auf der Seite, die zum Pluto gerichtet war, hatte sich ein kleines, schwarzes Loch gebildet.
Ruhig betrachtete Jesus die runde Öffnung. Sie maß etwa zwei Meter im Durchmesser und schien sie böse anzustarren. Was sollten sie machen? Abwarten oder lieber handeln?
»Klaus, manövriere uns nahe an das Schiff heran. Wir setzen mit dem Beiboot über.«
Wie in Zeitlupe schwebte die Kentucky langsam auf das fremde Schiff zu. Klaus ging mit dem Schiff längsseits. Nur noch wenige hundert Meter trennten die beiden Schiffe voneinander. Jesus stand auf und mit einem Wink forderte er Kat und Ben auf, ihm zu folgen. Sie begaben sich in den hinteren Teil des Schiffes und zogen sich einen der leichten Raumanzüge über. Es würde eng werden in ihrem kleinen Beiboot, das eigentlich nur für zwei Besatzungsmitglieder vorgesehen war.
Ben steuerte das Schiff nahe an das dunkle Loch heran. Mit dem flexiblen Arm der Luftschleuse dockte er an das fremde Schiff an. Ein lautes, schmatzendes Geräusch erklang, als sich die Luftschleuse am fremden Schiffskörper verankerte. Laut zischend wurde der Luftdruck ausgeglichen.
»Gehen wir bewaffnet hinüber?«, erkundigte sich Ben mit gleichgültiger Stimme.
»Ja, mit unsern Standardphasern und vielleicht noch einem Plasmagewehr, damit wir etwas mit einer größeren Feuerkraft dabei haben. Man weiß ja nie, was uns da drüben erwartet.«
Mit einem Grummeln im Magen begaben sie sich in die Luftschleuse. »Susie?«, sprach Jesus in sein Comband, das wie eine herkömmliche Uhr aussah.
»Ja, Jesus?«
»Kannst du erkennen, ob es in dem Schiff eine atembare Atmosphäre gibt?«
»Das habe ich schon versucht, aber unsere Scanner zeigen mir nur unverständliche Werte an. Irgend etwas oder jemand blockiert uns«, erwiderte sie mit zitternder Stimme.
»Okay, danke. Versuche bitte, unsere Vitalfunktionen zu überwachen. Bei Gefahr für die Kentucky zögert ihr keine Sekunde und zerstört das fremde Schiff.«
Susie schluckte den dicken Kloß hinunter. »Okay, wird gemacht. Obwohl ich von diesem Befehl nicht begeistert bin.«
»Das ist egal. Du hast das Sagen, solange Kat und ich uns dort drüben aufhalten, ist das klar?«
»Ja verstanden, Käpten. Sie können sich auf mich verlassen.«
»Ich habe nichts anderes erwartet. Susie, halte bitte die Verbindung aufrecht, solange es geht. So könnt ihr alles mitverfolgen und schneller auf Gefahren reagieren. Ich werde zusätzlich noch ein fliegendes Auge mitnehmen. Ich stelle es auf die Frequenz Z-217 ein.«
Susie nahm schnell einige Einstellungen vor und schon wurde das Kamerabild vom fliegenden Auge auf den Holo-Schirm projiziert.
Jesus stand vor der runden Öffnung. Der Lichtkegel seiner Helmlampe wurden schon nach wenigen Metern von einem geschlossenen Eisenschott aufgehalten.
»Siehst du einen Öffnungsmechanismus?«, fragte Ben.
Jesus drehte sich zu ihm um. »Von hier aus nicht. Ich gehe mal rein. Gebt mir bitte Feuerschutz.«
Ben hielt das Strahlengewehr im Anschlag und starrte grimmig auf die Schleuse.
Vorsichtig näherte sich Jesus der Tür. Er leuchtete die angrenzenden Wände ab. Es gab dort aber keinerlei Knöpfe, Hebel oder dergleichen. Wie man die Tür von hier öffnen konnte, erschloss sich ihm nicht. Er drehte sich entmutigt um und zuckte enttäuscht mit den Schultern. »Hier ist nichts.«
Ein seltsames, schleifendes Geräusch ließ ihn herumwirbeln. Das runde Schleusentor rollte zur Seite und gab den Blick auf einen hell erleuchteten Gang frei.
Unschlüssig stand Jesus vor dem nun freigelegten Durchgang. Er schaute noch einmal seine Freunde an, ehe er sich erneut umdrehte. Kat und Ben blickten angespannt auf den Durchgang. Jesus atmete tief durch und setzte einen Fuß über die Schwelle. Als nichts passierte, ging er entschlossen weiter. Die anderen folgten ihm mit gezogenen Waffen.
Der hell erleuchtete Gang, in dem sie sich nun befanden, war drei Meter breit und mindestens genauso hoch. Das Licht schien einfach aus den Wänden und der Decke zu kommen, ganz so, als wären sie nicht aus Metall, sondern aus Glas. Jesus legte seine Hand auf die Wand. Er spürte ein leichtes Vibrieren, mehr konnte er durch den dicken Handschuh nicht spüren.
Es gab weder Türen noch andere Durchgänge, nur einen langen Gang, dessen Ende sie nicht sehen konnten.
»Was machen wir nun?«, fragte Kat verunsichert.
»Warten«, stieß Ben zwischen seinen zusammengepressten Lippen hervor.
Jesus sah sich mit klopfenden Herzen um. Irgendetwas irritierte ihn, er wusste nur noch nicht, was.
Mit einem Rumpeln schloss sich das Außenschott. Kat versuchte noch, das zu verhindern, aber sie war viel zu langsam. Das fliegende Auge befand sich noch auf der anderen Seite des Schotts.
»Was machen wir jetzt?«, fragte sie mit entsetztem Blick.
»Warten«, war das einzige, was Ben einfiel.
»Susie!«, rief Jesus in sein Comband.
»Susie, kannst du mich hören?« Jesus blickte wütend auf sein Comband. Die Verbindung war unterbrochen, ab jetzt waren sie auf sich allein gestellt.
Kat versuchte verzweifelt, die Tür wieder zu öffnen. Sie tastete die kompletten Wände nach einem versteckten Öffnungsmechanismus ab. Danach hämmerte sie wild mit dem Kolben ihres Strahlers gegen die Tür. Nichts half, die Tür blieb für sie verschlossen.
Jesus und die anderen standen starr vor Schreck. Eine Stimme war hinter ihnen erklungen und sie gehörte definitiv einer Frau.
Sie drehten sich fast gleichzeitig um und blickten die Frau an, die plötzlich vor ihnen im Gang stand. Sie hatte schwarze Haare, die ihr in kleinen Löckchen vom Kopf fielen. Ein weißes Kleid umhüllte ihren Körper und zeigte mehr als es verdeckte. Ihre roten, vollen Lippen lächelten die drei freundlich an.
Jesus gewann als Erster die Kontrolle über seinen Körper zurück. »Wer sind sie und wo kommen sie so plötzlich her?«
»Ich heiße Amy«, antwortete sie lächelnd.
Kat musterte sie misstrauisch. »Das erklärt noch immer nicht, wo sie so plötzlich hergekommen sind.«
»Ich wollte sie nicht erschrecken, wo sie doch so eine lange Reise auf sich genommen haben um uns zu besuchen.«
»Haben sie auf uns gewartet?«, erkundigte sich Jesus neugierig.
Die Frau lachte laut auf. »Natürlich haben wir sie erwartet. Genaugenommen wollten wir sogar, dass sie uns einen Besuch abstatten.«
In Jesus` Kopf pochte es wild. Was hatte das alles zu bedeuten? Wollte er Antworten erhalten, blieb ihm wohl nicht anderes übrig, als ihr Spiel mitzuspielen. »Das ehrt uns sehr, dass sie uns erwartet haben.« Er verneigte sich leicht und lächelte die Frau an.
»Ich Dussel! Was bin ich doch für ein schlechter Gastgeber. Folgen Sie mir bitte, sie möchten sich bestimmt etwas frisch machen.« Sie drehte sich um und ging auf die weiße Wand zu. Wie von Zauberhand fuhr sie geräuschlos nach oben und gab einen weiteren Gang frei.
Jesus sah Kat von der Seite an. Sie zuckte nur unsicher mit den Achseln.
Langsam folgten sie der Frau, die einige Meter vor ihnen her schritt und dabei gekonnt mit ihren Hüften wackelte.
»Träume ich das alles? Das kann doch nicht die Wirklichkeit sein, oder?«, flüsterte Ben.
»Ich weiß auch nicht, was ich davon halten soll. Mir kommt die Frau irgendwie bekannt vor. Ich habe sie schon mal gesehen. Mir fällt nur noch nicht ein, woher ich sie kenne.« Grübelnd folgten sie der Frau.
Amy führte sie durch einen langen, schmalen Gang. Dieser Gang war nicht beleuchtet. Nur fünf Meter vor und hinter ihnen leuchteten die Wände magisch auf. Ansonsten war der Rest in völlige Dunkelheit getaucht. Weder stand noch lag irgendetwas herum, nicht einmal Staub oder Dreck störte dieses perfekte Bild. Selbst die Geräusche ihrer Schritte wurden von den Wänden wie von einem Schwamm aufgesaugt.
»Wo führst du uns hin, Amy?«, versuchte Jesus eine Konversation mit der Frau anzufangen.
Amy blickte über ihre Schulter. »Wir sind gleich da.«
»Wohin bringst du uns?«, fragte Kat misstrauisch nach.
Amy ignorierte ihre Frage und ging wortlos weiter. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als ihr zu folgen. Nach weiteren fünf Minuten hielt sie an und legte ihre Hand auf eine Stelle an der Wand. Sie leuchtete kurz auf und ein Durchgang öffnete sich. Amy trat zur Seite und forderte die drei mit einer Handbewegung auf, durch die Öffnung zu treten. Zögerlich ging Jesus als erster hindurch. Überrascht blieb er stehen, sodass Kat gegen ihn stieß.
Vor ihm lag ein großer Raum. Er war mit altmodischen Möbeln, einem dicken orientalischen Teppich und Dutzenden von Bücherregalen vollgestopft. Von der Decke baumelte ein alter, messingfarbener Kronleuchter und gegenüber der Tür befand sich ein Kamin, in dem ein Feuer leise vor sich hin knisterte. Jesus kam sich vor, als wäre er in das frühe neunzehnte Jahrhundert zurückversetzt worden. Neben dem Kamin stand ein Mann in altertümlicher Kleidung, der Jesus freundlich anlächelte.
»Treten Sie doch näher, Kapitän Carter. Ich warte schon so lange auf Sie.«
Überrascht blickte Jesus den Mann an. Er kam ihn seltsam bekannt vor. Irgendwie kam ihm hier alles vertraut vor. Wie konnte das möglich sein?
»Wer sind Sie?«, fragte Jesus mit belegter Stimme.
»Ich heiße Herbert George Wells«, antwortete sein Gegenüber und strich sich mit seinen Fingern über seinen Oberlippenbart.
Jesus wurde es heiß und kalt. Jetzt wusste er, woher er die beiden kannte. Aber konnte so etwas überhaupt möglich sein?
»Hören Sie mit dieser Maskerade auf!«, fuhr er den Mann schärfer an, als er es eigentlich beabsichtigt hatte.
»Was meinen Sie?« Noch immer lächelte er Jesus und die anderen freundlich an.
»Das wissen sie ganz genau. H.G Wells hat vor zweihundert Jahren gelebt, genauso wie seine Frau Amy. Hören Sie auf, uns etwas vorzuspielen. Wer sind Sie in Wirklichkeit und was wollen Sie von uns?«
Das Licht begann zu flackern, und als es sich beruhigt hatte, standen Jesus und seine Freunde in einer großen Halle, die leer zu sein schien. Von den Außerirdischen war nichts mehr zu sehen.
»Was war das, Jesus? Haben wir das nur geträumt oder manipuliert jemand unsere Gehirne?«
»Ich weiß es nicht, Kat. Irgendetwas stimmt hier nicht. Ben, kannst du dich neben mich stellen?«
Ein dumpfer Aufschlag ließ Jesus zusammen zucken. Hinter ihm auf dem Boden lagen Kat und Ben in gekrümmter Haltung. Jesus sprang sofort zu ihnen und untersuchte sie. Sie schienen nur ohnmächtig zu sein, da ihre Brustkörbe sich regelmäßig hoben und senkten.
»Folgen Sie mir bitte!« Die Stimme war hinter Jesus erklungen.
Jesus wurde von den Worten überrascht. Er drehte sich um, aber da war niemand. Er war noch immer allein in dem Raum, nur hatte sich eine weitere Öffnung aufgetan. Jesus sprang auf und schlich vorsichtig auf den Durchgang zu. Der Raum dahinter war dunkel und es ließ sich von hier nicht erkennen, was sich darin verbarg. Vor der Öffnung blieb Jesus ratlos stehen. Sollte er in die Dunkelheit treten und seine beiden Freunde allein zurück lassen? Aber was blieben ihm groß für Möglichkeiten, wenn er Antworten erhalten wollte?
»Wo bleiben Sie denn?«, klang es fordernd aus dem Dunklen.
Jesus blickte noch einmal auf seine bewusstlosen Kameraden, ehe er sich entschlossen umdrehte und über die Schwelle trat. Die Dunkelheit saugt ihn förmlich auf und ließ alles andere verschwinden.
Jesus hatte das Gefühl, frei im Raum zu schweben. Alles um ihm herum lag in völliger Dunkelheit und man sah die Hand vor Augen nicht.
»Hallo!«, rief er ins Dunkle. »Hört mich jemand? Was soll das alles?«
»Wir haben Sie erwartet, Kapitän Carter.«
»Wieso haben Sie auf mich gewartet? Wie konnten Sie überhaupt wissen, dass gerade ich auf Ihr Schiff kommen würde?«
»Mutter weiß alles!«, lautete die kurze Antwort.
»Welche Mutter?«
Jesus lauschte ins Dunkle, aber niemand antwortete ihm. »Hallo!«, rief er nervös.
Keine Reaktion. Langsam wurde er wütend. Was sollte das alles? Spielte man mit ihm und seiner Mannschaft?
»Gehören Sie zum Pakt?«, fragte er unsicher.
»Wer oder was ist der Pakt?«, erscholl es aus dem Dunkeln.
»Ach egal. Klären Sie mich endlich auf, was das alles soll oder wir werden sofort wieder von hier verschwinden.«
»Ihnen steht es frei, uns zu verlassen, wann immer Sie wollen. Aber sind Sie nicht an Antworten interessiert?«
»Doch, natürlich möchte ich endlich wissen, was das alles hier soll. Aber noch lieber würde ich wissen, ob es meinen Leuten gut geht.«
»Es geht Ihren Leuten gut. Sie schlafen nur ein bisschen.«
»Okay! Dann fangen wir am besten mit der Wahrheit an. Wie lautet Ihr richtiger Name?«
»Niepsaweo«, er schrie den Namen mehr, als das er ihn aussprach.
»Niepsaweeeo, was ist das für ein Name?«
Der Unbekannte lachte im Dunkeln laut auf. »Nennen Sie mich doch einfach Wells. Ich glaube, das vereinfacht die Sache ein wenig.«
»Ja, ich glaube, das mache ich auch. Also, Wells. Woher kommen Sie?«
»Das ist nicht so einfach zu erklären. Aber ich will es versuchen.«
In der Dunkelheit leuchtete eine grüne Kugel auf. Die Holo-Projektion war so perfekt, dass Jesus das Gefühl hatte, der Planet würde vor seinen Augen schweben.
»Das ist Xelon, meine Heimatwelt. Sie ist viele tausend Lichtjahre von hier entfernt. Xelon war einst von vielen Wäldern und Gräsern bedeckt. Heute sieht sie so aus. Das Holo-Bild änderte sich und eine braune, leblose Kugel schwebte vor Jesus Augen.
Jesus versuchte, den schlechten Geschmack in seinem Mund hinunterzuschlucken.
»Was… was ist passiert?«
»Wir haben Krieg geführt, mit den Basss. Der Krieg hat lange gedauert, nach eurer Zeitrechnung viele hundert Jahre.«
»Habt ihr ihn gewonnen?«, fragte Jesus leise.
»Jesus, in so einem Krieg kann es keinen Gewinner geben. Sieh dir unsere verwüstete Welt an. Viele Milliarden von meinem Volk sind gestorben. Sinnlos niedergemetzelt für einen Grund, den schon lange niemand mehr kennt. Unser Planet wurde dabei verwüstet. Das alles hat niemandem etwas gebracht. Aber so ist Krieg halt. Es gibt immer nur Verlierer.«
»Was ist mit den Basss geschehen?«
»Der Krieg tobt noch immer. Dazu musst du wissen, dass die Basss eine insektoide Rasse sind und eine völlig andere Lebensweise pflegen als wir.
Unser Zyklus läuft viel langsamer als der eure, aber wir sind uns trotzdem noch sehr ähnlich.«
Jesus blickte angestrengt in die Dunkelheit. Zu erkennen war immer noch rein gar nichts. »Warum zeigst du dich mir nicht? Ich möchte gerne wissen, mit wem ich es zu tun habe.«
»Ich könnte mich dir zeigen, aber mein Aussehen ist für dich bestimmt sehr befremdlich. Damit du dir gegen uns keine Vorurteile bildest, möchten wir dir lieber nicht unser wahres Aussehen zeigen. Wir hatten uns in Körpern gezeigt, die wir aus deinem Unterbewusstsein geholt hatten. So glaubten wir, eine bessere Beziehung zu euch aufbauen zu können.«
»Ich dachte mir schon so etwas. Mir kamen die Personen gleich bekannt vor, ich konnte sie nur nicht sofort zuordnen.«
»Zurück zu den Basss. Sie leben wie die meisten Insekten in großen Kolonien. In einem Jahr kann eine Kolonie bis zu einer Million Soldaten gebären. Allein mit dieser schieren Masse an Soldaten haben sie uns vor ernsthafte Probleme gestellt.
Du musst wissen, dass unsere Rasse ein sehr altes Volk ist. Eintausendjährige sind bei uns keine Seltenheit. Aber jede Medaille hat ja bekanntlich zwei Seiten. Wir bekommen in der Regel nur ein Kind. Dazu kommt noch, dass unsere Kinder erst nach fünfzig Jahren geschlechtsreif werden. Zwar ist unsere Technik weit fortgeschritten, aber was nützt uns das? Wir töten einhundert, eintausend Basss und es kommen noch mal so viele nach. Das ist sehr frustrierend. Mittlerweile schrumpft unser Bestand an Soldaten merklich, da wir an immer mehr Fronten gegen die Basss kämpfen müssen.«
»Was wollt ihr dann von uns? Sollen wir euch helfen und gemeinsam mit euch gegen die Basss kämpfen?«
Niepsaweo lachte erfreut los. »Nein, dazu seid ihr viel zu schwach und nicht fortschrittlich genug.«
»Du willst mir also sagen, wir sind nicht intelligent genug für euren Krieg?«
»So hatte ich das nicht gemeint. Unsere Technik ist der euren um Jahrtausende voraus. Ihr könntet viele der komplexen Vorgänge unserer Technik gar nicht begreifen.«
»Ich glaube, du unterschätzt uns, wir lernen sehr schnell«, stieß Jesus beleidigt aus.
»Ja, das glaube ich dir gerne. Nehmen wir zum Beispiel unsere Waffen. Nur ein echter Xelaner kann eine unserer Waffen abfeuern. Jeder andere, der das versuchen würde, wäre sofort tot.«
»Aber was möchtet ihr dann von uns?«
»Die Basss sind ein sehr kriegerisches Volk. Sie erobern einen Planeten nach dem anderen. Beim Erstkontakt stellen sie sich als die guten, netten Aliens vor. Sie bieten ihre Hilfe an. Erklären sich bereit, ihre Technologie mit euch zu teilen, und versprechen, Umwelt- und Sozialprobleme zu lösen.
In Wahrheit sammeln sie Daten über die Spezies, und sobald diese ihr Vertrauen gewonnen haben, werden sie getötet oder versklavt. Der Planet wird ausgebeutet, und wenn die Basss ihn wieder verlassen, ist er nur noch eine tote, verwüstete Welt, auf der kein Leben mehr möglich ist.
Die Basss werden nicht mehr allzu lange brauchen, bis sie euren Planeten…wie nennt ihr ihn noch gleich?«
»Erde«
»Ach ja, Erde. Bis sie die Erde entdecken werden. Wir reden hier nicht von Jahren oder Monaten, eher von Wochen.«
Jesus blieb jedes weitere Wort im Halse stecken. Wenn das alles stimmte, war die Erde in großer Gefahr. Vielleicht in der größten Gefahr, seit sie existierte.
»Dann wollt ihr uns gegen die Basss helfen! Ihr beschützt uns mit euren Schiffen oder gebt uns Waffen, damit wir uns gegen die Basss verteidigen können.« Hoffnungsvoll blickte Jesus in die Dunkelheit.
»Das geht leider nicht, Jesus. Wir haben gar nicht die Kapazitäten dazu.«
»Dann verstehe ich nicht, warum du mir das alles erzählst. Können wir denn wenigstens Waffen und Technologie von euch bekommen?«
»Auch das geht nicht. Wir Xelaner dürfen keine Technologie an unterprivilegierte Rassen weiter geben. Das verbiet uns Mutter. Ihr könntet sie ja auch gar nicht bedienen.«
Jesus war verzweifelt. »Ich verstehe euch nicht. Ihr erzählt mir das alles und wollt uns dennoch nicht helfen. Wo ist denn da der tiefere Sinn? Wollt ihr euch an unserem Leid erfreuen?«
»Nein, Jesus. Du verstehst das völlig falsch. Wir wollen euch helfen. Nur Mutter hat etwas ganz anderes im Sinn. Du musst wissen, dass sie alles im Voraus plant. Jahrzehnte im Voraus. Wir haben eure Erde schon einmal besucht. Vor ungefähr fünfundvierzig Jahren, nach eurer Zeitrechnung. Wir haben unser Genpool mit dem euren vermischt. Allerdings nur bei sehr wenigen Ausgewählten aus eurem Volk. Nur Kinder, die aus solch einer Beziehung entstanden sind, können unsere Technologie gefahrlos bedienen.«
»Ihr habt uns schon einmal besucht! Vor fünfundvierzig Jahren, sagst du. Ich bin vor fünfundvierzig Jahren geboren!«
»Ja, ich weiß, Jesus.«
In Jesus´ Kopf wirbelten die Gedanken wild durcheinander. Was hatte das zu bedeuten? Sollte er eines dieser Kinder sein?
»Was ist, Jesus? Du scheinst mir einen verwirrten Eindruck zu machen.«
»Ja, also, ich muss das erst einmal alles sortieren.«
»Vielleicht kann ich dir dabei helfen. Meine Brüder, die damals die Erde besucht haben, haben mit vier von euren Frauen Kinder gezeugt. Nicht so wie du jetzt vielleicht denkst. Wir haben in schwangeren Frauen unseren Genpool eingespeist. Diese Kinder sind rein äußerlich nicht von anderen Menschenkindern zu unterscheiden.«
»Aber es gibt eine Möglichkeit sie zu erkennen?«, fragte Jesus, während sich seine Nackenhaare bei dem Gedanken sträubten, vielleicht ein halber Alien zu sein.
»Ja, die gibt es in der Tat. Wenn man sie mit einem besonderen Gerät scannt, kann man sie erkennen.«
In der Mitte des Raumes leuchtete die Holo-Projektion eines kleinen Gerätes auf. Jesus war die Funktionsweise nicht sofort klar, was ihn aber nicht weiter beunruhigte.
Langsam dämmerte es Jesus, dass er nicht rein zufällig hier war. Sollte er oder einer aus seiner Mannschaft eines dieser Kinder sein? In Gedanken ging Jesus die Geburtsdaten seiner Crew durch. Wer käme außer ihm noch in Frage?
Kat? Nein, die war viel zu jung. Ari und Einer fielen aus demselben Grund aus. Klaus war definitiv mit seinen fünfzig Jahren zu alt. Blieben noch Susie und Ben. Susie war, wenn sie ihn nicht angelogen hatte, erst achtunddreißig Jahre alt. Nur Ben war im selben Jahr geboren wie Jesus.
Jesus beschloss, in die Offensive zu gehen. »Wells, bin ich oder einer aus meiner Crew eines dieser Kinder?«
Die Antwort verblüffte ihn dann aber doch mehr als er gedacht hätte.
»Jesus, es gibt auf eurem Planeten über zehn Milliarden Lebewesen. Warum solltest ausgerechnet du einer von den Vieren sein?«
Jesus zuckte hilflos mit den Achseln. »Warum nicht?«, stellte er die Gegenfrage. Zu seiner Überraschung schien es Wells die Sprache verschlagen zu haben.
Nach einer längeren Pause, in der Jesus schon dachte, dass sich Wells gar nicht mehr äußern würde, redete er weiter.
»Ist dir aufgefallen, dass du und deine Mannschaft etwas Besonderes seid?«
Jesus blickte in die Dunkelheit, unfähig etwas zu sagen.
»Jesus, du hast Recht mit der Annahme, dass du einer der Vier bist.«
»Ja, aber wie ist das möglich? Ihr konntet doch unmöglich wissen, dass ausgerechnet ich losgeschickt werde, um dieses Schiff zu untersuchen.«
»Du vergisst Mutter. Sie ist allwissend und hat das vorausgesehen.«
»Aber… aber das ist doch unmöglich«, stotterte Jesus fassungslos.
»So etwas wie Zufall gibt es nicht. Alles im Universum lässt sich mit den richtigen Parametern berechnen. Das wirst du noch lernen, Jesus Carter.«
»Ich verstehe gerade gar nichts. Wieso gerade ich? Was macht mich zu etwas Besonderem?«
»Dein klarer Verstand, mit dem du Probleme auf deine Weise löst. Deine schnelle Auffassungsgabe und natürlich deine angeborenen Führungsqualitäten. Das alles macht dich zu etwas Besonderem.«
Jesus ging nachdenklich in sich. Vieles, was ihm Wells gerade gesagt hatte, konnte er bestätigen. Das waren aber auch alles Fähigkeiten, die ihm mehr als nur einmal Probleme beschert hatten. Und nun sollten ausgerechnet diese Fähigkeiten etwas Positives sein!
»Wells, wenn das alles stimmt, was du mir gerade gesagt hast, warum kommt ihr dann erst jetzt und nicht schon zehn Jahre früher? Wir hätten viel mehr Zeit gehabt, um uns gegen die Basss zu verteidigen.«
»Das ist sicher richtig, aber Mutter hat das so entschieden und Mutter irrt sich nie. Alles hat einen Sinn, den wir nicht immer sofort verstehen müssen. Manchmal braucht man länger oder wir verstehen ihn nie.«
»Okay, kommen wir wieder zu unserem Kernproblem. Wie könnt ihr uns gegen die Basss helfen?«
»Wir sind schon dabei. In diesem Moment bauen unsere Arbeitsroboter einige Aggregate in die Kentucky ein.«
»Jetzt gerade? Was hat meine Besatzung dazu gesagt?« Tiefe Falten bildeten sich auf Jesus Stirn.
»Deine Mannschaft, die haben wir schlafen geschickt. So, wie deine beiden Begleiter vorhin. Die Kentucky liegt in unserem Hangar und sollte in zwanzig Minuten wieder einsatzbereit sein.«
»Ihr baut uns neue Waffen ein?«
»Unter Anderem. Aber auch ein neues Antriebsaggregat und einen verbesserten Schutzschirm und noch einige andere Extras.«
»Hm, aber können wir denn diese Dinge gefahrlos bedienen? Du sagtest doch, dass nur ein Xelaner eure Technik bedienen kann.«
Wells lachte laut auf. »Ja natürlich, und jeder, der unseren Genpool in sich trägt. Wie du und deine Mannschaft.«
»Bei mir verstehe ich das ja, aber Kat ist erst fünfundzwanzig Jahre alt und die Zwillinge sind noch jünger. Ben und Susie sind fast so alt wie ich. Und meine Mannschaft besteht neben mir aus sechs Personen.«
»Ja, das ist sicher richtig. Kannst du dich noch an den 14. Juli im Jahr 2102 erinnern?«
»An einen Tag im Juli vor sechsundzwanzig Jahren? Natürlich nicht. Was soll da besonderes passiert sein?«
»Das weiß ich nicht. Das sollst du mir sagen«, erwiderte Niepsaweo geheimnisvoll.
Jesus fing an zu grübeln. Was hatte er vor sechsundzwanzig Jahren Besonderes gemacht? Er war damals noch ein junger Bursche gewesen, müsste gerade die Sternen-Akademie verlassen haben. Damals war er noch voller Tatendrang gewesen und glaubte, die ganze Welt alleine erobern zu können. Der große Handelskrieg war damals erst seit ein paar Jahren beendet und die Welt hatte angefangen, sich neu aufzustellen. Die WEU wurde gegründet und der asiatische Pakt war noch ein regionales Problem. Alles fühlte sich nach Aufschwung an und man glaubte damals, dass Nichts und Niemand mehr die Menschheit aufhalten konnte. Die ersten Raumstationen wurden gebaut und die Eroberung des Weltalls war in vollem Gange. Die Bevölkerung begann explosionsartig zu wachsen. Viele Krankheiten wurden besiegt und neue Techniken erlaubten der Menschheit, zu einem neuen technologischen Höhenflug zu gelangen.
Aber was hatte Jesus zu dieser Zeit Besonderes getan? Er wohnte damals in einer WG mit einigen seiner Akademiekollegen. In seiner WG gab es auch eine Frau. Ihr Name war Melinda Hamilten. Sie sah toll aus, hatte lange, braune Haare, die sie immer zu einem Pferdeschwanz zusammen band. Ihre Augen, die wie zwei blaue Diamanten funkelten, raubten Jesus damals alle Sinne. Er war unsterblich in sie verliebt, genauso wie seine drei anderen WG-Bewohner. Leider hielt Melinda nicht sehr viel von Treue. Als Jesus sie eines Tages mit seinem besten Freund Julius Sagan im Bett erwischte, brach eine Welt für ihn zusammen. Erst schlug er Julius krankenhausreif und dann heuerte er ohne Sinn und Verstand auf einem der ersten Schiffe an, die loszogen, das Weltall zu erobern. Die Reise auf dem Forschungsschiff dauerte zwei Jahre. Zwei Jahre, in denen er nichts von der Erde sah oder hörte. Als er wieder zur Erde zurückkehrte, gab es die Wohngemeinschaft schon längst nicht mehr. Seine damaligen Zimmerkollegen hatten sich in alle Winde verstreut. Auch Melinda war fortgezogen und Jesus hatte sie nie wieder gesehen. Jetzt, wo er mal wieder an diese Zeit zurückdachte, fiel ihm auf, dass Kat ein bisschen Ähnlichkeit mit Melinda besaß. Vielleicht bildete er sich das auch nur ein, aber ihre blauen Augen erinnerten ihn stark an die von Melinda. Aber konnte das möglich sein? War er etwa Kats Vater?
Das Licht begann zu flackern und Jesus stürzte ohnmächtig zu Boden.
Langsam öffnete Jesus seine Augen. Er lag auf dem Boden, mitten auf der Brücke der Kentucky. Nur ganz langsam kamen die Erinnerungen an das Alienraumschiff und Wells zurück.
Als Jesus seine Gedanken sortiert hatte, riss er ruckartig seinen Kopf nach oben. Ein stechender Schmerz in seiner Schläfe ließ ihn stöhnend zu Boden sinken. Erneut hob er seinen Kopf, diesmal langsamer und vorsichtiger. Der Schmerz ließ sich ertragen, und so stand er behäbig auf. Ein leichter Schwindel ließ ihn sich am Taktik-Pult festhalten. Neben ihm lag Susie. Als sie ohnmächtig geworden war, musste ihr Kopf auf das Pult geschlagen sein. Eine kleine Platzwunde an ihrer Stirn zeugte von dem Aufprall. Er rüttelte sie leicht an der Schulter, sie regte sich aber nicht. Jesus begann, sich weiter umzusehen. Seine ganze Mannschaft lag verstreut auf der Brücke. Oberflächlich gesehen schien es allen gut zu gehen. Allerdings war außer ihm noch niemand bei Bewusstsein.
Ein lautes Alarmsignal weckte seine Aufmerksamkeit. Der Annäherungsalarm war angeschlagen. Eines oder mehrere Schiffe näherten sich der Kentucky.
»Computer, zeig mir die ankommenden Schiffe«, flüsterte er.
Der Holo-Bildschirm flackerte kurz auf und zeigte einen Flottenverband des Paktes, die schnell näher kamen.
»Computer, wann treffen die Schiffe hier ein?«
»In zwei Minuten erreichen die Schiffe Waffenreichweite.«, schnarrte es metallisch aus den Lautsprechern.
Jetzt kam Leben in Jesus. Er sprang vor, schob Klaus aus dem Pilotensitz und schwang sich hinein. Ohne groß zu überlegen, fuhr er mit seinen Fingern über die Anzeigen. Die Motoren der Kentucky liefen an und das Schiff machte einen Satz nach vorne, als Jesus den Notstart einleitete.
Weg, sie mussten hier weg, ehe die Schiffe des Paktes sie mit ihren Waffen erfassen konnten. Jesus wusste, dass er eigentlich keine Chance hatte, ihnen zu entkommen, aber er hoffte, dass das Alienraumschiff ihr Interesse mehr wecken würde als ein kleines unbedeutendes WEU-Schiff.
»Admiral Hiratio. Das WEU-Schiff ist in neunzig Sekunden in Feuerreichweite«, erklärte der Feuerleitoffizier mit gleichgültiger Stimme.
Admiral Hiratio ging nicht weiter auf seinen Offizier ein. »Was macht das Alienschiff?«
»Es bewegt sich nicht von der Stelle. Wir können auf ihm keinerlei Aktivitäten erkennen.«
»Gut, bringen sie uns längsseits zum Alienraumschiff.«
»Admiral, das WEU-Schiff ist gerade per Notstart geflüchtet«
»Was hat das Schiff für einen Ionenkonverter?«
»Einen Klasse sechs-Konverter«, fasste sich der Mann am Kontrollpunkt militärisch kurz.
Der Admiral schaute beruhigt auf den großen Holo-Bildschirm, der auf das Alienraumschiff ausgerichtet war. »Einen Klasse sechs-Konverter. Dann kann es uns nicht entkommen. Kümmern wir uns zuerst um das Alienraumschiff, bevor die WEU-Schiffe hier eintreffen. Volle Gefechtsbereitschaft! Und fahren sie den Schutzschirm hoch«, befahl er mit souveräner Stimme.
Die Black Sun setze sich neben das Alienschiff, während die Blue Moon und der Rest der Schiffe in eintausend Kilometern Stellung bezogen. Auf allen Schiffen herrschte volle Gefechtsbereitschaft. Gerade, als die Schutzschirme hochgefahren waren, explodierte der Asteroid in einer hellen Feuerblume, die sich schnell in alle Richtungen ausbreitete. Als die Druckwelle die Schiffe des Pakts erreichte, wurden sie stark durchgeschüttelt. Einige Schiffe, die ihre Schutzschirme noch nicht vollends aufgebaut hatten, trugen leichte Schäden davon.
»Was ist passiert?« Admiral Hiratios Stimme überschlug sich fast vor Wut.
»Das Schiff ist explodiert. Es gab keinerlei Anzeichen, die darauf schließen ließen. Ohne unseren Schirm wären wir mit Sicherheit vernichtet worden«, erklärte der Offizier.
