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Gestatten, mein Name ist Jack Simmer. Ganz wichtig wäre mir zu Anfang, wenn wir folgende Sache klären könnten: Ich bin Finanzberater und Verhaltensmanager. Verwechseln Sie das um Himmels willen nicht mit Herrn Kaiser! Herr Kaiser ist mit seiner Versicherung verheiratet, ich wiederum mit Birgit, doch das ist jetzt wieder ein anderes Thema. Jedenfalls ist die Sachlage so, und deswegen werde ich ausgesprochen dringend gebraucht: Wenn die Börsen verrücktspielen, setzt der Verstand der Anleger aus. Die Ursachen dafür liegen in der menschlichen Evolution. Wenn sich beispielsweise die Aktienkurse verdoppeln, sendet das Gehirn aufgrund gewisser biochemischer Prozesse das Signal aus "Ich will mehr davon!". Dann kaufen die Menschen noch mehr von diesen Aktien. Drei Monate später sitzen sie da und heulen sich die Augen aus dem Kopf, weil die Kurse wieder in Richtung Süden gewandert sind. Damit das nicht passiert, gibt es mich. Mein Chef bei der Bank sieht das etwas anders, daher gab es neulich einen heftigen Knall. Kurz danach war ich erst mal arbeits- und kurzzeitig auch ahnungslos, was ich beruflich genau anstellen soll. Bis mir die beste Idee von allen kam: Ich werde unabhängig! "Wer Mikes kleine Erzählung liest, wird daraus vielleicht mehr für das Wohl seines Geldes mitnehmen als aus manchem dicken Finanzratgeberwälzer." (Dr. Gerd Kommer)
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Seitenzahl: 51
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Für Tina und Selma
Vorwort von Dr. Gerd Kommer
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
In der Vermögensverwaltung in Deutschland haben Banken immer noch einen Marktanteil von über 90 Prozent, obwohl sie seit mindestens 25 Jahren eine Fehlleistung an die andere reihen. Es dürfte keine Branche geben, die – seltene Einzelfälle ausgenommen – kollektiv einen so miserablen Output produziert. Es ist zum Fremdschämen.
Doch „wo Gefahr ist, wächst auch das Rettende“ (Hölderlin). Seit einigen Jahren ist erkennbar, wie eine zwar noch kleine, aber wachsende Zahl vermögender Familien das oft entsetzlich kostspielige Versagen der Bankbranche erkennt, daraus Konsequenzen zieht und mit wirklich interessenkonfliktfreien echten Beratern zusammenarbeitet.
Mike Uhls Kurzgeschichte „Das wurde auch Zeit – Ein Finanzberater, der auszog, um die Welt zu retten“ illustriert diesen für unser Vermögen enorm bedeutsamen Sachverhalt anhand der scharmanten Geschichte von Jack Simmer. Dabei geht es nicht um Statistiken, Branchenanalysen und Finanzpläne, sondern um die ganz individuelle Story eines Bankberaters, der „aussteigt“ und es dann anders macht.
Wer Mikes kleine Erzählung liest, wird daraus vielleicht mehr für das Wohl seines Geldes mitnehmen als aus manchem dicken Finanzratgeberwälzer.
Dr. Gerd KommerAutor mehrerer Investmentbücher, Gründer und Gesellschafter der Gerd Kommer Invest GmbH in München
Die meisten Renten- oder Lebensversicherungen sind Geldvernichtungsmaschinen!
„Hast du Zeit?“, frage ich meinen besten Freund Martin in unüberhörbar dringlichem Ton. Es ist Montagmorgen, kurz nach acht Uhr und mein erster Tag im Büro nach meinem dreiwöchigen Amerika-Urlaub. Seine Stimme am anderen Ende der Leitung klingt einigermaßen überrascht.
„Äh, Jack, was ist los? Ich sitze am Schreibtisch – wie immer um diese Zeit!“
„Okay, in eineinhalb Stunden am Wanderparkplatz Am Roten Haus!“, bestimme ich. Als würde mich eine solche Lappalie unter den gegebenen Umständen interessieren. Und diese ‚Umstände‘ aktuell bedingen einfach sofort ein Männergespräch unter vier Augen. Ich brauche Martins Beistand.
Mir ist ja schon viel passiert im Leben, daher bin ich Kummer und Konflikte gewohnt. Kaum verwunderlich, wenn du als farbiges Kind in einem Dorf mit zwanzig Häusern aufwächst.
„Warum hast du so komische Haare?“, fragten mich die Nachbarskinder neugierig. Dasselbe fragten mich die Kinder im Kindergarten, in der Schule, in der Ausbildung, meine Kommilitonen in der Uni teils auch noch.
„Weil mein Dad aus Amerika kommt“, antwortete ich zu Anfang stolz. Als die doofen Fragen einfach nicht aufhören wollten, änderte ich meine Taktik irgendwann wie folgt: „Ich Buschneger aus Papua-Neuguinea, nix Deutsch spreche, sorry!“
Am heutigen Tag habe ich eine völlig andere Herausforderung zu meistern und in meinen Adern fließt deswegen eindeutig zu viel Adrenalin. Ich könnte platzen vor Wut! Bevor das passiert, zische ich lieber wieder ab. Dabei bin ich erst vor 30 Minuten hier in der Bank an meinem Arbeitsplatz angekommen und grundsätzlich ganz selten aus der Ruhe zu bringen. Das war, bevor ich vom Eklat mit Kundin Schmitz erfahren musste.
„Mathilde, ich bin heute krank!“, rufe ich meiner Assistentin zu, als ich nach meinem Ultra-Kurzaufenthalt aus dem Büro stürme. Wutschnaubend, sehr entschlossen, mit energischem Schritt. Das erste Mal in meinem Leben, dass ich blaumache.
„Jack? Was ist denn los mit dir?“, ruft mir Mathilde besorgt hinterher. Doch wenn 190 Zentimeter Muskelmasse erst mal in Schwung kommen, gibt es kein Halten mehr.
Aufgrund meines naturgegeben muskulösen Körperbaus hielt man mich schon zig Male für einen Profisportler.
„Bist du Basketballer?“
„Nö, Finanzberater bei der Bank und Hobbygärtner“, klärte ich die Menschen dann auf. Die schauten mich an und konnten es nicht glauben. Ich war eben schon immer für Überraschungen gut. So auch heute, wie Martin eben feststellen durfte – wenngleich in einem anderen Zusammenhang.
Pünktlich auf die Minute wartet er am vereinbarten Treffpunkt auf mich. Die Wanderwege hier in der Elfringhauser Schweiz kenne ich wie meine Westentasche. Schon als Jugendlicher bin ich dort stundenlang herumgestromert auf der Suche nach dem Sinn des Lebens oder auch, um die Trennung von meiner ersten großen Liebe zu verkraften. Sie hieß Susi, war 14 und das hübscheste Mädchen der Schule. Jedenfalls hielt unsere Beziehung gerade mal vier Wochen. Danach verliebte sie sich kurzfristig in einen blonden Jüngling aus der Oberstufe. Auch besser so, denn kurze Zeit später lernte ich meine Birgit kennen. Letzten Monat erst feierten wir mit einem rauschenden Fest Silberhochzeit. Rein gedanklich und auch emotional bin ich aktuell wenig in Feierlaune. Das merkt auch Martin, als ich am Parkplatz eintreffe und wütend wie ein Stier aus dem Auto steige.
„Hi Jack, schickes Outfit“, begrüßt er mich und schaut mich verwundert an.
Erst jetzt merke ich, dass ich bei meinem Klamottenwechsel-Zwischenstopp zu Hause aufgrund meines inneren Dramas kein glückliches Händchen hatte: Pulli verkehrt herum an, zwei verschiedene Sportschuhe an den Füßen und den Hosenlatz sperrangelweit offen.
„Oh Mann, ich hatte es eilig!“
„Jau, sieht man. Wo drückt der Schuh, Jack?“
„Ich kündige!“, gebe ich kurz angebunden zur Antwort.
„Du willst was machen?“ Martin schaut mich an, als sei ich nicht ganz bei Trost.
Ausgerechnet ich, der von den Fußsohlen bis zu den Haarspitzen pflichtbewusste und überloyale Jack Simmer. Während alle Welt sich selbst verwirklicht und die Jobs dabei wechselt wie die Unterhosen, bin ich eine treue Seele. Nie wäre ich in all den Jahren auf den Gedanken gekommen, die Bank und damit auch Onkel Willi im Stich zu lassen. Selbst bei den blödesten Konflikten nicht, die mich teils an den Rand der Verzweiflung brachten. Aber nein, ich halte der Bank die Stange, egal, was bisher passierte – und der Alltag in der Bank war nun wirklich nicht immer eitel Sonnenschein.
Onkel Willi ist seit ewigen Zeiten eine ganz große Nummer bei der Bank. Er findet es demzufolge wichtig, dass die Familie zusammenhält und ich keine egoistischen Sperenzchen mache. Einfach zur Konkurrenz abwandern oder eine andere berufliche Wirkungsstätte anvisieren? Um Himmels willen! Das geht nun wirklich nicht in einer Kleinstadt wie Hattingen. Wobei diese Finanzbranche manchmal wahrlich zum Haareraufen ist. Vor allem, wenn du den Leuten die Produkte der Bank andrehen sollst, anstatt sie vernünftig individuell zu beraten.
