Daseinsroman [3.3.23] - Harry P. Klausens - E-Book

Daseinsroman [3.3.23] E-Book

Harry P. Klausens

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Beschreibung

In seiner DASEINSROMAN-Romanovelle spürsucht dieser Harry P. Klausens den Ereignissen nach, welche an jenem Tag, jenem 3.3.2023 [3.3.23] ablaufen könnten und auch tatwohlwesentlich dann passiert sein sollen. Das Dastehende verbaut das "Rufende" der Fließ-Existenz in der Modernität im Heutigen der Kühnlichkeitszeit zu einer sehr mitnehmenden Puls-Geschichte. Da wäre Juzilia, die beim Wohngeldamt arbeitet. Sie hat heute einen Freitag, der schon um 15:30 Uhr enden soll, auf der Arbeit. Aber der Streik bei den Nahverkehrsbetrieben zwingt sie zu einem Fußmarsch von Wumms nach Sprichen, wo das Rathaus steht. Sie trifft auch Yulia, eine aus der Ukraine Geflüchtete. Zugleich berichten Mitarbeiter im Rathaus von Geräuschen, irgendwo draußen, dieweil Juzilia nur Sirenen hörte, die von der Feuerwehr. Das Wetter ist leidlich, soll aber am Wochenende schlechter werden. Die Gemengelage ist von Zweifeln, Angst, Sorgen, wenig Geld und allerlei Sonstigem bestimmt. Löcher tauchen auf, Löcher, immer mehr Löcher. Alle Menschen sind in Unruhe.

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Seitenzahl: 102

Veröffentlichungsjahr: 2023

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In seiner DASEINSROMAN-Romanovelle spürsucht dieser Harry P. Klausens den Ereignissen nach, welche an jenem Tag, jenem 3.3.2023 [3.3.23] ablaufen könnten und auch tatwohlwesentlich dann passiert sein sollen. Das Dastehende verbaut das „Rufende“ der Fließ-Existenz in der Modernität im Heutigen der Kühnlichkeitszeit zu einer sehr mitnehmenden Puls-Geschichte. Da wäre Juzilia, die beim Wohngeldamt arbeitet. Sie hat heute einen Freitag, der schon um 15:30 Uhr enden soll, auf der Arbeit. Aber der Streik bei den Nahverkehrsbetrieben zwingt sie zu einem Fußmarsch von Wumms nach Sprichen, wo das Rathaus steht. Sie trifft auch Yulia, eine aus der Ukraine Geflüchtete. Zugleich berichten Mitarbeiter im Rathaus von Geräuschen, irgendwo draußen, dieweil Juzilia nur Sirenen hörte, die von der Feuerwehr. Das Wetter ist leidlich, soll aber am Wochenende schlechter werden. Die Gemengelage ist von Zweifeln, Angst, Sorgen, wenig Geld und allerlei Sonstigem bestimmt. Löcher tauchen auf, Löcher, immer mehr Löcher. Alle Menschen sind in Unruhe.

HARRY P. KLAUSENS verkündet sein Klammern und doch kaum ein Verzagen. So erkämpft er das Rausgehen über scheinbare Verlustbohrungen. Sein Name kann wohlform sein, beweist uns aber, dass sich diesem Schreibhervortuer und Wortaufspalter keine Freidenklichkeit, aber einiges an Vorreichungen zubringen ließe. Nur dieser Tag im März könnte zur Verkiesung der ewigen Kälte (als Krieg) heranreichen. Klausens schreibt auch LIVE-Gedichte, gewiss, er erstelzt zudem immer wieder mal Petizetten. Es entstehen dann auch noch solcherartige Textate. Er rackert stets an Büchern, Zitaten, Allerleiraureich und -rauarm. Außerdem sind da jene Blogs in seinen Leib geschnabelt. Nun flackert vor uns wieder einmal der eine Roman des seienden Tages. Erst die Menschen nach unserer Zeit werden erlöblichen und vergesslichen können, was wir an ihm müssen und wollen getan zu haben hätten. Insgesamt ist es kaum cool, was euch damit begonnen sein würde. Dennoch: Dieser Mensch kann nur von sich spreizen, was ein goldenes Hirngestanze ihm zuerkennt. So wie alle Walzpartikel von bombigen Sätzelchen umflossen werden und weiterbangen müssen. Zur Not auf keinerlei Asphalt. Die Welt scheint kaputt.

DA IST DORT, NUR: DORT IST KEINS DA

Niemand hatte verkennwallen können wollen,

Wie die Welt sich dollächzend zerbricht,

In Waffenschreien und Erdbeben wüst ergeht.

Denn alles ist eine zunehmende Nichtsahnung,

Zugleich hämmert gar laut das Alleswissen,

Weil wir recht dumm doch sind, aber nie doch!

Lasset die Wale bald sterben, nur so wird es gut.

Kein Baum soll mehr grünen, wozu denn auch?!

In den Distopien zählen nur Farben des Grauens.

Da weinte ich Juzilia an, ja, meine Euter zitterten,

Bis ein letztes Kamel sich den Höcker verstauchte,

Weil Wasser keines solches nimmer da werde sein.

Ach, Menscherleins Wummern ist nur noch eines,

Wessen ich Euch tollkühn angstsam erzählen könnte,

Wolltet ihr es denn wirklich auch realiter wissen,

Was alles so geschrieben steht, in den Büchern,

Die wir heute Festplatten und Clouds nur nennen,

Hat sich nicht(s) geändert ... am Untergonggang.

Da. Dasein.

Der Mensch war da.

Wir alle sind da, bis wir zerfallen.

Wir schreiben unsere Bücher, aber wenn wir weg sind, dann sind nur noch die Bücher da. Von uns. Manche behaupten, das wären dann unsere Seelen, ins Geschriebene verpackt. (Bei Bildern ist es dann ähnlich, oder Filmen, oder Tönen.)

Sobald das jemand dann liest, 100 Jahre später, 500 Jahre später, dann erstehen wir in dem Kopf dieses Menschen wieder auf. Unsere Seele wabert dann durch die Hirnwindungen (auch die Herzwindungen?) der dann Lesenden. Ach ja, so also funktioniert das alles!

Juzilia hatte also endlich das Wesen aller Religionen verstanden, auch das Wesen der Bücher: Im Kern sollten Seelen bewahrt werden. Liest man, erstehen die Seelen fast neu. Werden wiedererweckt.

Liest man nicht ... mehr, schlafen die Seelen ... ein, bis dann jemand wieder was von diesen Leuten liest.

Aber Juzilia war gar keine Schreiberin. Also würde man von ihr nichts lesen können.

Über sie denn? Als Person?

Nur wenn jemand über Juzilia schreibe. Es soll ja jenen Klausens geben, der diese Tagesromane verfasst. Würde der über sie, Juzilia, schreiben, dann würde vielleicht in 1000 Jahren jemand von ihr lesen und sie wäre als Seele dann „voll aktiv“.

Juzilia verwarf diesen Gedanken wieder.

Sie musste zur Arbeit, heute, an einem Freitag. Sie wollte wie immer die Bahn nehmen, jeden Tag, immer, aber man hatte gestern und vorgestern schon gesagt, das werde nichts.

Wieso denn, wie?

Weil sie doch streiken. Es gab doch diese Inflation, und die dauert noch an. Auslöser war der böse Krieg Russlands, das weißt du doch. In der Folge kam die ganze Wirtschaft aus dem Lot, Stopp der Energie aus Russland, kein Gas mehr von da, wir wollten nicht, die drehten dann auch zu, solche Dinge, aber auch zu wenig Weizen zum Beispiel in Afrika, alles solche Dinge. Alles wegen Putin und diesem gemeinen Krieg, den man in Russland nur Sonderoperation nennen darf. Oder wie hieß das Wort? Juzilia wusste es wohl, sicherlich, aber so ganz genau hatte sie doch nicht zugehört.

10 Prozent mehr Lohn, das wäre mal was.

Oder wollten die 15 Prozent? 12,5 Prozent?

Alles war doch berechtigt, in solcher Zeit.

Aber wer sollte es zahlen?

Fordern kann man alles, zahlen muss ja auch wer. Der Staat hechelt doch. Nix da, Kommunen verschuldet, und so weiter. Wie zaubert man Geld und Reichtum herbei? Schnell?

Juzilia wusste also, es würde nichts heute fahren. Kein Bus, keine Bahn, kein Halm. Sechs Bundesländer waren betroffen. Man musste sowieso jeden Tag mit allem rechnen. Streik da, Ausfall dort, Krankheit hier.

Sie hatte gestern noch angerufen, beim (anderen) Amt, in Klinggohl, wegen des neuen Personalausweises, ihres eigenen, aber da hieß es: Sie rufen zur falschen Zeit an. Auf dem Anrufbeantworter. Am Donnerstag zwischen 14 Uhr und 16 Uhr. Sie hatte um 14:40 Uhr angerufen, zur richtigen Zeit, der Anrufbeantworter der Behörde sagte aber, es sei die falsche Zeit.

In so einem Chaos musste der Mensch leben.

Am Ende sagten alle: Wir haben einen so hohen Krankenstand. Bitteschön! Ganz Deutschland schien krank zu sein, und halb Deutschland schien nun auch krankgeschrieben zu sein.

Deshalb funktionierte ja kaum noch etwas. Beziehungsweise, es wurde behauptet, dass deshalb kaum noch etwas funktionieren würde.

„Busse und Bahnen fallen vielerorts aus“, so lautete eine Unterzeile auf ntv, dem Sender. Ja, das hatte sie heute noch geguckt, bevor sie das Haus verließ.

Juzilia musste gehen, mit Fuß und Bein, gehen, das war ihr klar. Dasso hätte sie bringen können, im Auto, aber das wollte sie nicht, weil dann Dasso und sie wohl nur im Stau geständen hätten. Im Auto, aber auch im Stau.

„Dasso, das bringt doch nichts! Lass mich gehen!“

Aber warm war es ja auch nicht gerade. Um die zwei Grad war es, andernorts vielleicht auch mal minus dreizehn. Auf dem Brocken vielleicht noch kälter. Die Wohnung hatte 15 Grad, oder 14, Heizung nicht an, sowieso. Fast nie an.

Und in der Ukraine?! Kalt?

Yulia aus der Ukraine: Sie hatte ihr erzählt, wie die Leute in den Kellern ausharren, weil darüber, über den Kellern, alles zerbombt ist. Ja, kalt auch.

Putin, den Namen hatte sie Hunderte Male gehört, vielleicht an einem einzigen Tag nur: Hunderte Male, Tausende Male in der Woche. Putin war ihr die Ausgeburt des Schreckens. Man vergaß, dass ja andere auch mitmachten, mitbombten, Befehle gaben, Befehle ausführten, aber Putin war der Kopf, und er hatte nur fünf Buchstaben: P und U und T und I und N.

Juzilia hätte sich für die eigene Person einen kürzeren Namen gewünscht, manche sagten auch „Juli“ zu ihr, schön, dennoch konnte sie von der langen Namensversion nicht lassen. Sie war da eher konservativ. Außerdem dachte sie an eine Juliana ohne jegliches z, die in den Niederlanden bedeutend gewesen war.

Sie, Juli, also Juzilia ... ging nun schon, lief bereits, liefging, ginglief, schnell war sie ja, man sollte es kaum glauben, sie ging. Wegen des Streiks ging sie dahin. Die Zeit ging auch dahin, was soll‘s?

Auf der Max-Kleiber-Straße waren wirklich verdammt viele Autos. Man konnte diese Luft erriechen, wenn Autos stehen und trotzdem Motoren laufen. Wenn der Motor hinten was rausdampft, was in die morgendliche Kühle abgeht.

Dasso war noch im Bett, dachte sie. Oder wieder. Er würde heute als Homeoffice sein Tun gestalten. Wie gut es Dasso doch hatte! Sie aber musste zum Dienst. Es war wirklich alles nur trist und unschön. Acht Kilometer hätte sie zu gehen, das war noch überschaubar. Würde sie in Kammerling arbeiten, hätte sie das Doppelte veranschlagen müssen. Außerdem seitlich zur Bundesstraße! Gehen Sie doch mal seitlich zu einer Bundesstraße.

Auch Julchen hatte gesagt: „Wie froh du sein kannst, dass du in Sprichen arbeitest, und nicht in Kammerling!“ Julchen arbeitete in Sprichen, wohnte aber auch dort. Wieder eine andere Situation. Juzilia wohnte hingegen in Wumms, musste aber nach Sprichen.

Eigentlich mochte Juzilia das Gehen. Ja, es war kalt, sie würde länger als eine Stunde brauchen, auch wenn sie recht zügig ging. Aber es war auch schön, sich in Bewegung zu spüren.

Wenn sie sonst morgens die Bahn nahm: Wohl fühlte sie sich nämlich darin nicht. Also nicht die Bundesbahn, sondern die Straßenbahn. Linie 458.

Sie schaute im Gehen aufs Smartphone, aktuelle Meldungen, vom Verkehrsverbund:

„Sehr geehrte Fahrgäste,

am Sonntag, den 05.03.2023 wird die Kaiser-Wilhelm-Allee und die Otto-Bayer-Straße aufgrund des Laufes „Rund um‘s Bayerkreuz“ in beiden Fahrtrichtungen in der Zeit von 6:00 Uhr –17:00 Uhr gesperrt.

Die Linie 201 wird daher über die Friedrich-Ebert-Straße umgeleitet.

Die Haltestellen „Chempark Kasino“ und „Chempark Tor 10“ entfallen.

Die Haltestelle „Chempark Löwe“ wird am Haltemast der Linie SB25 angefahren.

Empfehlung:

Bitte nutzen Sie die Haltestellen „Chempark Löwe“ oder

„Chempark(S)“.

Das hatte nun nichts mit alledem zu tun. Sie wollte Infos vom Streik heute, am 3.3.2023.

Laufen? Tat sie doch quasi jetzt schon, so schnell, wie sie die Beine nach vorne schlug. Dünne Thermohose! Immerhin. Darüber dann Jeans. Immerhin!

Wo war denn mal was zum Streik heute? Der 5.3, der lag noch so weit. Leverkusen war auch weit.

Heute war der Tag, heute musste sie hier gehen, nein, eilen, dass sie auch ja zum Amt käme. Zur Arbeit.

Gise war krank, das stand fest. Sie, Juzilia, würde heute also alleine ackern müssen. Gise hatte sich auf Corona bezogen, alles war aufgehoben, man durfte so, wie man wollte, keine Maske, und so, dennoch waren noch massig Leute krank, oder taten so, wer wusste das schon.

Sie, Juzilia, war noch gesund, sie konnte gehen, und so war es ja auch schön. Heute war auch noch Freitag, das ja auch.

Dasso wollte aus seinem Homeoffice heraus tatsächlich bis nach Dortmund, in dieses Big-Stadion, mit den 80.000 oder wie viele gingen da rein? Dortmund gegen Leipzig, diese RB-Truppe. Red Bull? Rasenball? Rasante Blasen? RudelBubis?

Dasso, du spinnst. So sagte sich Juzilia. Und sie dachte da richtig. Wer, bitteschön, tut sich heute die Anreise zu so einem Spiel an? Bei Streik!

Anreise

ver.di-Warnstreik: BVB informiert über Auswirkungen auf das Freitagspiel

Die Gewerkschaft ver.di plant für den kommenden Freitag, 3. März, einen ganztägigen Warnstreik, der den Öffentlichen Personennahverkehr in Dortmund weitestgehend sowie den Bus- und Stadtbahnverkehr von DSW21 komplett stilllegen wird. Die Streikmaßnahmen werden leider erheblichen Einfluss auf die An- und Abreise Zehntausender Fans haben, die am Abend (20.30) im SIGNAL IDUNA PARK das Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und Rasenballsport Leipzig verfolgen möchten. Der BVB appelliert ausdrücklich an alle Besucher, die folgenden Informationen zu beachten und sie in der Planung ihrer An-/Abreise zu berücksichtigen. Update: Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald neue Informationen vorliegen.

Aufgrund der ver.di-Streikmaßnahmen werden sämtliche Stadtbahn- und Buslinien der DSW21 am Freitag nicht fahren. Dies gilt vom Betriebsbeginn (ca. 3.30 Uhr) bis Betriebsende (ca. 1.30 Uhr am Folgetag). Betroffen ist u.a. auch das Unishuttle. In gleicher Weise werden die von der DSW21 in den Nachbarstädten Castrop-Rauxel (480, 481, 482 und NE 11) und Schwerte (430, 435 und NE 25) betriebenen Buslinien betroffen sein. Züge der Deutschen Bahn und S-Bahnen, die nicht vom Streik betroffen sind, werden möglicherweise überlastet sein.

So genau wollte sie es dann doch nicht wissen, unsere Juzilia. Sie war schon öfters mit Dasso mit beim BVB gewesen, zum Spiel, aber wieso Dasso sich derart ereiferte, das war ihr ein Rätsel.

Überhaupt kam es ihr immer so stressig vor, wenn sich Tausende aufmachten, um irgendwohin zu gelangen. Es ging ja immer um Masse, unendliche Massen von Menschen.