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Eine Briefgeschichte über Liebe und Alltag von zwei jungen Menschen zu DDR-Zeiten
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Liebe, Alltag, DDR-Briefgeschichte, über, und
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Seitenzahl: 377
Veröffentlichungsjahr: 2015
www.tredition.de
Wally Borm
Deine Briefe, meine Briefe
sehr persönlich
www.tredition.de
© 2015 Wally Borm
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7323-3899-3
Hardcover:
978-3-7323-3900-6
e-Book:
978-3-7323-3901-3
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Torge, den 20.11.1963
Liebes Fräulein Monique,
Sicher werden Sie sich wundern, von einem Ihnen unbekannten Menschen Post zu erhalten. Nun, so ganz unbekannt bin ich Ihnen aber nicht. Deshalb bitte ich Sie auch, den Brief nicht ungelesen in den Papierkorb zu werfen, sondern mir nur für wenige Minuten Ihre Aufmerksamkeit zu schenken.
Erinnern Sie sich bitte an Ihre Reise vom Sonntag, den 17. November. Dort - auf Ihrer Rückreise von Greifswald nach Pasewalk lernte ich Sie im Zug kennen.
Um ehrlich zu sein, ich hätte nie geglaubt, an Ihre Adresse heranzukommen. So bleibt mir jetzt nur, mich dafür zu entschuldigen, Ihnen unaufgefordert zu schreiben. Dazu kommt auch noch die Art, wie ich Ihre Anschrift erhielt. Das ist aber eine andere und lange Geschichte und ich glaube, es ist besser, Sie damit nicht zu langweilen.
Vielleicht wissen Sie nun schon, wer ich bin?
Wenn nicht, so will ich mich Ihnen vorstellen. Auf eben dieser Reise saß ich glücklicherweise im gleichen Zugabteil, genau gesagt, links neben Ihnen. Wir unterhielten uns über Musik, die Stadt Schwerin und auch über Sie.
Leider hatte ich an jenem Tag nicht den Mut, Sie um Ihre Adresse zu bitten. Der Zufall half mir dann aber im Nachhinein, und ich muss sagen, ich war darüber sehr froh.
Nun muss ich Ihnen noch ein kleines Geständnis machen: Ich bin zurzeit Angehöriger der Nationalen Volksarmee in Torge.
Wenn Sie also Lust hätten, mit mir in einen Briefwechsel zu treten oder gar an einem Wiedersehen interessiert wären, würde ich mich sehr freuen.
Meine Adresse lautet:
Tilo Berg
Torge / S.
PSF 9876 / XX
Mit freundlichen Grüßen
Tilo
sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss
Rapin, den 25.11.1963
Lieber Tilo,
Sie haben mir einen solch netten Brief geschrieben, dass ich Ihnen hierauf auch unbedingt antworten muss.
Wirklich, mit einem Brief von Ihnen habe ich nicht gerechnet; so war er aber eine riesengroße Überraschung und Freude zugleich. Haben Sie also recht herzlichen Dank!
Sie brauchen sich keinen Vorwurf zu machen, mir unaufgefordert, so wie Sie es bezeichnen, geschrieben zu haben. Ich habe Ihren Brief gern gelesen.
Ich kann mich sehr gut an Sie, den netten Zugnachbarn, erinnern und bin vollkommen damit einverstanden, mit Ihnen einen Briefwechsel zu beginnen.
Erstaunt bin ich ja nur, dass Sie in den Besitz meiner Adresse gekommen sind. Auch wenn Sie meinen, Sie langweilen mich nur damit, so würde mich diese „lange Geschichte“ sehr interessieren. Sie wissen doch, das weibliche Geschlecht ist sehr neugierig. Damit will ich aber den Männern dieses Merkmal und diese Fähigkeit nicht absprechen.
Um zu der „Geschichte“ zurückzukommen, ich glaube bereits zu wissen, woher Sie die Adresse haben.
Hat Ihr Reisegefährte, mit dem Sie von Pasewalk aus weiterfuhren, dazu beigetragen? Wenn ja, dann hat ja mein Biertrinken mit dem gewissen Herrn im Mitropa-Wagen einen guten Zweck erfüllt und uns beiden geholfen.
Jedenfalls höre ich Ihnen in Ihrem nächsten Brief gern zu, wenn Sie mir dieses genauer schildern.
Übrigens, können Sie mein Gekritzel überhaupt lesen? Mir kommt gerade dieser Gedanke in den Sinn, weil ich an Ihre Schrift denke, die im Gegensatz zu meiner gut und leserlich ist.
Lieber Tilo, noch eine Frage:
Warum schildern Sie mir Ihre jetzige Tätigkeit in der Form eines Geständnisses? Ich habe absolut nichts gegen Angehörige der Armee.
Nun weiß ich gar nicht, ob wir auch über meinen Beruf sprachen. Es kann ja sein, dass Ihnen meine Tätigkeit durch unser Gespräch bekannt ist, und dann bitte ich um Entschuldigung, wenn ich es Ihnen noch einmal mitteile.
Durch meine Adresse wissen Sie ja bereits, dass ich in einem kleinen Dörfchen lebe, und zwar als dortige Lehrerin. Es gibt im Ort eine kleine Schule für Kinder der ersten vier Schuljahre. Dort unterrichte ich. Mit drei Lehrkräften sind wir ganz gut dran.
Daraus ergibt sich jedoch, dass zwei Klassenstufen gleichzeitig in einem Raum unterrichtet werden. Wer solch eine Form des Unterrichts aber nie kennengelernt hat, der kann sich darunter schwer etwas vorstellen.
Ich bin nun schon das fünfte Jahr im Dienst, und ich kann nur sagen, dass mir die Arbeit mit den Kindern sehr großen Spaß macht. Ich glaube, einen besseren Beruf gibt es nicht für mich.
Ganz zufrieden bin ich aber dennoch nicht. Diesen Arbeitsort am Ende des Landes, um nicht zu sagen, am Ende der Welt, habe ich mir nicht selbst ausgesucht. Ich wurde hierher ohne mein Mitspracherecht verpflichtet, weil man gerade mich hier brauchte. So begründete man diese Tatsache jedenfalls.
Mein sehnlichster Wunsch ist es, nicht ewig in diesem Dorf zu bleiben, hier einmal wieder wegzukommen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Versucht hatte ich es bereits, aber leider vergebens. Es klappte nicht.
Bevor eine Versetzung genehmigt wird, muss hierfür mehr als ein ganz triftiger Grund vorliegen, der dann genauestens geprüft wird. Der „Völkerwanderung“ der Lehrer, wie man das so schön bezeichnet, sollen nämlich Grenzen gesetzt werden.
Na ja, immerhin bin ich nun schon über vier Jahre hier, hatte also inzwischen genügend Zeit, das dörfliche Leben mit seinen Höhen und Tiefen hautnah zu erfahren und in vielen Dingen sogar mitzugestalten.
Das Gute bei allem ist, dass ich hier von keiner Zimmerwirtin, von keinem Hauswirt abhängig bin. Die Gemeinde hat mir im zweiten Jahr meines Hierseins ein nettes Zimmer zur Verfügung gestellt, das ich, solange ich in Rapin bin, auch nicht aufzugeben gedenke.
Mein „Zuhause“ ist äußerst günstig gelegen, denn es befindet sich mitten im Ort, im Dorfzentrum. Nebenan ist das Gemeindebüro, schräg gegenüber die Gaststätte, die man auch mitunter als Lehrerin besuchen kann und sollte, und mein Schulweg dauert maximal drei Minuten.
Übrigens, falls es Sie interessiert, in meinem Zimmer befindet sich das Schultelefon. Wenn Sie, lieber Tilo, also einmal Lust haben, mich Privilegierte anzurufen, dürfen Sie es ruhig tun.
So, mein lieber künftiger Briefpartner, das soll für heute genügen. Hoffentlich habe ich Sie mit meiner kleinen Unterhaltung nicht zu sehr gelangweilt.
In der Hoffnung, recht bald wieder etwas von Ihnen zu hören, will ich mich nun mit den herzlichsten Grüßen verabschieden.
Monique
sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss
Torge, den 29.11.1963
Liebe Monique,
mit großer Freude erhielt ich Ihren Brief, und ich muss sagen, er ist für mich eine positive Überraschung, und er ist mehr, als ich erwartete.
Sie stellen in Ihrem Brief viele Fragen, dass ich mich nicht lange mit einer Vorrede aufhalten werde. Nur eines will ich noch sagen:
Loben Sie bitte nur nicht noch einmal meine Schrift, sonst glaube ich wirklich noch daran, dass sie gut ist.
Ihre Schrift konnte ich übrigens gut lesen, und es ist nicht schön, wenn Sie von sich selbst schlecht sprechen.
Nun aber zu Ihrer ersten Frage, zu Ihrer Adresse. Um es kurz zu schildern, lasse ich die Nebensächlichkeiten fort.
Nachdem wir, der andere Herr und ich, uns damals von Ihnen auf dem Bahnhof in Pasewalk verabschiedet hatten, gingen wir in die Bahnhofsgaststätte, um ein Bier zu trinken. Dabei stellte ich fest, dass dieser Herr nicht nur recht gesprächig, sondern auch fest liiert ist.
In diese zwei Dinge setzte ich meine Hoffnung, nachdem er mir, vielleicht ungewollt, nebenbei mitgeteilt hatte, dass er Ihre Adresse habe. Dazu kam, und das war wohl der wichtigste Grund, dass der Mann schon vorher etwas tief ins Glas gesehen haben musste.
Auf der anschließenden gemeinsamen Weiterfahrt jedenfalls wandte ich erfolgreich meine Kunst an, ihn mit einem riesigen Wortschwall zu einer Flasche Wein einzuladen. In Torge stiegen wir also gemeinsam aus und gingen in ein kleines Lokal. Dort gab er mir, während wir den Wein genossen, Ihre von mir heiß ersehnte Adresse.
Das wäre dann auch schon die lange Geschichte, und ich frage: Sind Sie mir böse, dass es auf diese krumme Tour geschah? Für mich galt da das Sprichwort: Der Zweck heiligt die Mittel.
Während ich diese Geschichte hier niederschreibe, sehe ich Sie bildlich vor mir, wie Sie jetzt eventuell darüber schmunzeln.
Ja, wenn man eine Reise macht, so …
Wie Sie in Ihrem Brief schreiben, möchten Sie liebend gern weg aus jenem Ort. Nun, ich kenne dieses Dorf nicht, aber ich denke, für eine junge Dame, wie Sie es sind, ist es nicht einfach, nach einem Leben unter vielen Menschen plötzlich in eine Einsamkeit versetzt zu werden, versetzt in ein eintöniges, durch wenig Abwechslung dahinfließendes Leben. Ob Ihr Wunsch jemals in Erfüllung gehen wird? Auf alle Fälle drücke ich Ihnen die Daumen. Vielleicht hilft es.
Sehr nett und ausführlich schreiben Sie von Ihrem „Zuhause“. Sicher haben Sie dort auch Freunde und Bekannte, so dass das Leben dort für Sie nicht so einsam ist. Aber man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben.
Wenn ich richtig vermute, werden Sie bestimmt öfter nach Teterow in Ihr Elternhaus fahren. Habe ich mir das richtig gemerkt, Sie waren doch aus Teterow?
Da Sie mir so viel von sich berichtet haben, möchte ich kurz etwas zu mir sagen: Hier bei der Armee bin ich Angehöriger einer Nachrichteneinheit, genau gesagt Funktruppführer. Mein Dienstgrad ist Unterfeldwebel, und ich habe noch bis zum Herbst 1964 zu dienen. Manchmal ist das Armee-Leben nicht so einfach, aber ich will hier weder ein Lob- noch ein Klagelied singen.
Falles es Sie interessiert, schreibe ich Ihren Vornamen in Morseschrift -- / --- / -. /.. /--.- / ..- /. (Monique)
Ich danke Ihnen nochmals recht herzlich für Ihren lieben Brief und hoffe, dass ihm bald ein zweiter folgt.
Herzliche Grüße und einen angenehmen Sonntag!
Tilo
PS.: Welche Zensur geben Sie mir für meinen heutigen Brief? Aber bitte keine Fünf!
sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss
Rapin, den 3.12.1963
Lieber Tilo,
legen Sie bitte meinen Brief nicht gleich beiseite, wenn ich Sie zu Beginn meiner Zeilen anklage. Sie haben ganz richtig gelesen, ja, anklage. Es geht um Folgendes:
Gestern war ich hier bei Bekannten zum Mittagessen eingeladen. Von diesen Bekannten, bei denen übrigens mein zweites Zuhause ist, komme ich für gewöhnlich nicht so schnell wieder weg. Da ich aber noch einen wichtigen Anruf zu Ihnen nach Torge erledigen wollte, gelang es mir tatsächlich, mich gleich nach dem Abendbrot loszueisen. Als ich hier bei meiner Kemenate ankam, musste ich feststellen, dass meine Zeitungen, von denen ich nicht wenige pro Tag erhalte, nicht wie üblich vor meiner Tür lagen. Die Post kommt nämlich erst mittags, und da war ich schon nicht mehr hier. So fragte ich denn meine Kollegin, die auch in diesem Hause wohnt, ob sie eventuell meine Postsachen in Empfang genommen hätte. Es stellte sich heraus, dass die Reinemachefrau des Kindergartens, der auch hier im Hause ist, (Finden Sie nicht auch, dass ich in einem wichtigen Haus lebe?) alles im Kindergarten eingeschlossen hat, meine Zeitungen, einen Stapel Dienstpost und auch Ihren Brief.
Da ich abends im Dunkeln sehr ungern durch das Dorf spaziere - ich hätte mir durchaus den Schlüssel für den Kindergarten holen können - ‚ so blieb mir nichts weiter übrig, als mich darüber tüchtig zu ärgern, dass ich nicht mehr Ihren Brief lesen konnte. Mein Ärger war so groß, dass ich mir durch diesen eine Grippe zugezogen habe.
Darum auch die schon anfangs erwähnte Anklage. Einer muss ja verantwortlich gemacht werden, wenn etwas schiefgeht. Sehen Sie das ein?
Ich war nun heute zwar in der Schule, gehe auch morgen wieder hin, jedoch darf ich mich nicht von unserer Gemeindeschwester erwischen lassen.
Meine Hauptbeschäftigung besteht jetzt darin, Tee mit Zitrone zu trinken, zu lesen und zu schlafen.
Ja, lieber Tilo, ich erzähle Ihnen solch einen Unsinn, der Sie doch überhaupt nicht interessieren dürfte. Das „Unsinnreden“ liegt daran, dass mir heute wirklich keine gescheiten Gedanken einfallen. Das Schreiben hätte ich zwar auch auf einen der nächsten Tage verschieben können, aber
1.
Sie sollen erfahren, dass ich mich über Ihren Brief riesig gefreut habe, und
2.
will ich Sie nicht unnötig ein paar Tage auf meine
Antwort warten lassen.
So, nun will ich endlich nach der langen Vorrede auf Ihren Brief eingehen.
Zunächst zu Ihrem Nachsatz. Sie möchten gern wissen, mit welcher Zensur ich Ihren Brief bewerte?
Wissen Sie, Tilo, ich lege viel Wert darauf, bekomme es auch tatsächlich fertig, obwohl es vielleicht manch einem, der mit seiner Arbeit umgangswörtlich verheiratet ist, unverständlich sein mag, meine Freizeit noch von meinem Dienst zu trennen, dass ich beides nicht miteinander vermische, also Privates und Berufliches abzugrenzen weiß.
Darum bin ich auch immer froh, wenn es bald wieder einmal Ferien gibt; denn dann fahre ich ja stets nach Teterow, um dort von allem abzuschalten.
Wenn Sie mich nun aber nach der Note fragen, dann will ich Ihnen auch verraten, dass ich durchaus keine „5“ gegeben hätte. Ja, aber was dann? Das verrate ich wiederum auch nicht. Ich sage nur, dass ich auf meinen Briefpartner stolz bin, weil Sie auf mich so sympathisch wirken, und ich wünschte mir, das würde so bleiben.
Genügt Ihnen meine unklare Antwort? Ich sehe ein, es ist nicht richtig von mir, mich so undeutlich auszudrücken, denn Sie haben mir auch auf meine Fragen zum Thema „Adresse“ ausführlich berichtet. Dafür danke ich Ihnen hiermit auch noch recht herzlich. Wirklich, dass Sie hierfür solch eine riesige Ausdauer und Anstrengung aufbrachten, das hätte ich nicht erwartet.
Ich will Ihnen auch nicht verheimlichen, dass ich beim Lesen dieser kleinen Geschichte doch lächeln musste. Aber keine Angst, Tilo, böse bin ich Ihnen durchaus nicht, denn ganz im Vertrauen gesagt:
… / .. / . / --. / . /..-. / .- / .-.. / .-.. / . / -. / -- / .. / .-.
(Sie gefallen mir.)
Erklären Sie mir doch bitte, wie beim schriftlichen Darstellen des Morsens das Ende eines Wortes aussieht, und wie das mit der Silbentrennung ist!
So, für heute wieder genug. Schreiben Sie bitte auch bald wieder.
.-. / . / -.-. / …. / - / …. / . / .-. / --.. / .-.. / .. / -.-. / …. /. / --. / .-. /..-- / … / … / ./ … /. / -. / -.. / . / - /
-- /--- /-. /.. /--.- /..- /.
(Recht herzliche Grüße sendet Monique.)
sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss
Torge, den 06.12.1963
Liebe Monique,
recht herzlichen Dank für Ihre „Anklageschrift“, die jedoch zugleich ein netter Brief ist, über welchen ich mich sehr freue.
Reumütig bekenne ich meine Schuld und kann nur hoffen, dass sich Ihre Grippe nicht zu einem kritischen Stadium entwickelt hat. Nun habe ich mich über diese ganze Sache so geärgert, dass ich mittlerweile graue Haare bekommen habe (genauer gesagt - ein graues Haar). Man kann es noch nicht sehen, aber ich nehme mit Bestimmtheit an, dass es da ist.
Natürlich ist das keine Entschädigung für eine durch mich verschuldete Grippe. Aber nehmen Sie das wenigstens annähernd als Entschuldigung an? Wenn ja, so kann ich in der nächsten Zeit beruhigt schlafen.
Nun muss ich Sie aber tüchtig schelten und Ihnen mit erhobenem Zeigefinger deutlich sagen: Lasset ab von jugendlichem Leichtsinn und höret, was Ihnen die liebe Krankenschwester sagt!
Nun aber Schluss mit dem Unsinn und zur Beantwortung Ihrer Fragen.
Leider muss ich da gleich am Anfang (schon wieder) ein kleines Geständnis abgeben. Sie wollen wissen, wie das beim Morsen mit der Trennung und dem Wortende aussieht. Dazu muss ich sagen, dass ich als Funker mit der Morseschrift an sich nichts zu tun habe, sondern dass ich nur das Klangbild eines Buchstabens kenne. Ein Klangbild besteht aus Dit’s (.) und Da’s (-).
Bestimmt haben Sie im Radio schon Funkverkehr wahrgenommen. Hört man also für einen Buchstaben das Klangbild, so schreibt man das gleich auf.
Nun habe ich wegen des Morsens einen ehemaligen Reichsbahnangestellten gefragt, denn die Reichsbahn verwendet nämlich diese Methode. Der Buchstaben- oder Wortschluss wird lediglich durch einen Abstand gekennzeichnet. Am Ende steht dann: .- .-. (ar).
Will man aber, wie es bei uns der Fall ist, mit der Morseschrift arbeiten, so wird nach jedem Buchstaben ein Strich (/) gezogen. Nach jedem Wort folgt ein größerer Abstand, nach jedem Satz sogar zwei Striche (//). Das Trennen von Worten tritt beim Morseschreiben nicht auf, denn der Schreibstift läuft auf einer etwa 1cm breiten Papierrolle. Will man nun aber mit der Hand schreiben und dabei trennen, kann man das Problem individuell lösen.
War meine Erklärung ausreichend? Dazu nun von mir eine Frage: Beherrschen Sie das Morsealphabet, oder haben Sie die Worte durch mühsame Kleinarbeit zusammengestellt?
Sind Sie noch sehr krank? Gern würde ich Ihnen ja helfen, aber das geht ja leider nicht.
Wie Sie schreiben, sind Sie nach langer Arbeit wieder einmal froh, wenn Sie in den Ferien nach Hause fahren können, um dort auszuspannen. Hierin kann ich Sie voll und ganz verstehen. Wann sind denn eigentlich die nächsten Ferien?
Bei uns gibt es in der Zeit vom 23.12. bis 27.12.63 Urlaub. Es wäre wunderbar, wenn ich Sie in diesen Tagen einmal sehen würde. (Natürlich nur, wenn Sie einverstanden sind.) Vielleicht könnten wir dann bis Teterow den gleichen Zug nehmen und somit wieder zusammen fahren?
Dieses ist lediglich ein Wunsch von mir, mit dem Sie voraussichtlich nicht einverstanden sind???
Zum Schluss gebe ich Ihnen Ihr Morse-Kompliment zurück und sage Ihnen:
Sie sind mir auch sehr sympathisch.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Sonntag und bitte Sie, recht schnell zu antworten.
Mit herzlichen Grüßen
Tilo
PS.: Leider fand mein Nikolaus nicht Ihre Schuhe.
sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss
Telegramm aus Schwerin: An Monique
20.12.1963
Ein recht frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch sowie viel Glück und Erfolg im neuen Jahr wünscht Ihnen und Ihren Angehörigen
Tilo
sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss
Torge, den 03.01.1964
Liebe Monique,
nun hat es leider nicht mit dem Anruf geklappt. Als ich gestern sagte, dass wir uns heute gegen 13.00 Uhr sprechen könnten, hatte ich nicht bedacht, dass ich heute Abend Wache habe.
Das wäre aber nicht so schlimm gewesen, aber es kommt auch noch hinzu, dass der verantwortliche Offizier fehlte und ich die Wachbelehrung selber in der Zeit von etwa 13.00 Uhr bis 14.00 Uhr durchführen musste.
Danach ging ich dann für den Sonntag etwas einkaufen. Ich dachte nämlich, für einen Anruf wäre es da sowieso zu spät. Kaum war ich zurück, da sagte mir der Diensthabende, für mich wäre ein Anruf gewesen.
Sie können sich sicher meinen Ärger vorstellen. Hoffentlich sind Sie mir nicht böse. Es ist aber leider nicht zu ändern, und ich nehme die Schuld auf mich. Damit ich Sie etwas aussöhne, schreibe ich also gleich diesen Brief.
Zuerst bedanke ich mich für den gestrigen Anruf, den ich dann doch noch erhielt. Er kam für mich so überraschend, dass ich zunächst gar keine Worte fand.
Apropos, Anruf. Ich muss Sie leider etwas enttäuschen: Ich spreche nicht gern von diesem Apparat. Das ist auch der Grund dafür, dass ich Sie nicht schon einmal anrief. In jenem Raum sitzen mehrere Personen. Außerdem muss man sich sehr hüten, wegen Geheimhaltung nicht zu viel zu sagen. Verstehen Sie mich bitte richtig! Als Sie sagten, Sie würden mich nochmal anrufen, hatte ich den Eindruck, dass es um etwas Bestimmtes ging. Ist es so, oder irre ich mich?
Als ich Weihnachten zu Hause war, wollte ich zuerst einen Wunschzettel-Brief an Sie schreiben, in dem ich Ihnen am liebsten gesagt hätte, Sie im neuen Jahr recht bald einmal wiederzusehen.
Gestern haben Sie sich zu meiner Freude damit einverstanden erklärt. Nun tauchen aber drei Fragen auf:
Wann? Wie? Wo?
Daher mache ich Ihnen einen Vorschlag: Ich lade Sie zum nächsten Wochenende nach Torge ein. Wann es Ihnen passt, müssen Sie nun selbst entscheiden. Ein Zimmer für Sie würde ich bestellen. Wir könnten zusammen ausgehen. Allerdings habe ich am Sonnabend erst ab 18.30 Uhr frei.
Wenn es Ihnen nun dienstlich oder persönlich nicht zusagt, so bin ich selbstverständlich gern bereit, selber ein Stück zu reisen.
Falls Sie also mit einem meiner Vorschläge einverstanden sind, so bitte ich Sie, mir recht bald Bescheid zukommen zu lassen.
Nun verabschiede ich mich für heute mit herzlichen Grüßen.
Ihr Tilo
PS.: Wie ist Ihnen der erste Schultag bekommen?
sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss
Rapin, den 05.01.1964
Lieber Tilo,
gerade habe ich mich ein wenig aufgewärmt, um gleich wieder zu frieren. Ich war nämlich soeben hier im Gemeindesaal zu dem Film „Nachts im Grünen Kakadu“. Der Inhalt war riesengroßer Quatsch, aber die Aufmachung war toll und hat mir sehr gut gefallen.
War das aber in dem „Eiskeller“ eine Kälte! So hastig habe ich noch nie heißen Kaffee zum Aufwärmen getrunken wie eben. Damit ich nicht immerzu an die Kälte denke, hat auch schon meine Gitarre herhalten müssen, damit auch die Finger bewegt und warm werden.
In einer halben Stunde will ich dann nochmals in den Eiskeller gehen zu dem französischen Film „Das letzte Viertelstündchen“ (oder so ähnlich).
Es kommt sehr selten vor, dass ich hier ins mobile Kino gehe (erstens wegen der Kälte, zweitens sind die Stühle sehr unbequem und hart). Jedoch heute habe ich mir vorgenommen, einen ganz faulen Tag einzulegen. Das ist mir bisher auch recht gut geglückt. Ich habe früh erst einmal ziemlich lange geschlafen, bis mich die Briefträgerin mit Ihrem Brief weckte, für den ich mich an dieser Stelle herzlich bedanke.
Ja, es ist alles wie verhext mit unserem Bemühen, uns gegenseitig anzurufen. Ich entschuldige mich nun noch nachträglich, weil ich neulich unser Gespräch abrupt beenden musste. Es steckte wirklich keine böse Absicht dahinter, und es war so:
Hier im Ort fand an jenem Abend eine Versammlung statt, bei der unvorhergesehen über kulturelle Dinge gesprochen wurde. Als dann ein kleiner Streit entstand, holte man mich. (Ich wohne ja gleich im Nebengebäude.) Ich sollte klärend eingreifen. Als Dorfklubvorsitzende bin ich nämlich für alle kulturellen Dinge hier im Dorf verantwortlich.
Also, Tilo, bitte nicht böse sein!
Am nächsten Tag versuchte ich dann, Sie um 13.00 Uhr (sogar ganz pünktlich) telefonisch zu erreichen. Derjenige, der das Gespräch in Empfang nahm, sagte mir, er kenne Sie nicht, und ich solle es später wieder versuchen. Er wolle sich inzwischen nach Ihnen erkundigen. So rief ich dann gegen 14.00 Uhr noch einmal an, musste aber auch diesmal jegliche Hoffnung aufgeben, Sie sprechen zu können, weil ich, wie man mir sagte, angeblich sämtliche Leitungen blockiere. In jenem Raum sei eben nur dieses eine Telefon vorhanden.
Ja, lieber Tilo, soviel zur verkorksten Telefongeschichte.
Nun zu Ihrem Brief!
Sie schreiben mir, dass Sie den Eindruck hatten, ich wolle Ihnen etwas Bestimmtes erzählen? Vielleicht ja, aber mehr nein! Es geht nur darum, dass ich meine kleine Schreibpause mit einem Vorschlag für ein recht baldiges Wiedersehen gutmachen möchte. Sie haben ja nun meine Gedanken erraten, vielleicht ich aber auch Ihre. Jedenfalls haben wir beide den gleichen Wunsch. Darum will ich auch zunächst auf Ihren Vorschlag eingehen. Ich hatte zwar vor, nächstes Wochenende nach Hause zu fahren, habe mein Kommen auch bereits halb zugesagt, aber egal. Dann verschiebe ich eben meine Heimfahrt um eine Woche. Also, ich nehme Ihre Einladung, am kommenden Wochenende nach Torge zu kommen, sehr gern an. Ich habe bereits versucht, mir telefonisch im „Haus der Schaffenden“ ein Zimmer zu bestellen, jedoch meldete sich dort niemand. Darf ich Ihnen nun diese Aufgabe anvertrauen, mir eine Unterkunft zu besorgen? Ich werde dann ab 18.30 Uhr im „Haus der Schaffenden“ auf Sie warten, einverstanden? Den Weg dorthin werde ich schon finden. Auf dem Bahnhof möchte ich nämlich nicht gern warten.
Nun verabschiede ich mich für heute mit den herzlichsten Grüßen von Ihnen. Bis bald!
Ihre Monique
sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss
Torge, den 12.01.1964
Liebe Monique,
nun wird es aber wirklich Zeit, dass ich mein Versprechen einlöse und Ihnen schreibe.
Leider ist es ja nichts mit unserem Wiedersehen geworden. Um ehrlich zu sein, ich habe heute oft daran gedacht, dass es dennoch anders ausfallen würde. Wie schön wäre es gewesen, wenn es geklappt hätte! Vielleicht hätten wir das auch abändern können, wofür Sie sich beim Telefongespräch entschuldigten?
Sehen Sie bitte nicht so auf meine Schrift, denn bei meinem momentanen Dienst habe ich leider keinen Tisch, nur ein sehr dickes Buch als Schreibunterlage. Übrigens, dieses Buch ist nicht der „Marxismus-Leninismus“.
Wie steht es denn eigentlich damit?
Da ich bisher noch nichts von Ihrem Fernstudium wusste, will ich etwas nachholen, und zwar drücke ich Ihnen ganz fest die Daumen und hoffe, dass es hilft.
Liebe Monique, als ich so an unser Wiedersehen dachte, wünschte ich im Geheimen, dass es Sommer, zumindest aber warm wäre. Ich würde mich dann einfach auf mein Motorrad setzen und Sie besuchen, natürlich nur mit Ihrem Einverständnis. Wir könnten zum Beispiel an den hier in der Nähe gelegenen Strand fahren oder sonst etwas unternehmen.
Leider ist es aber nicht an dem, und wir müssen uns damit noch ein wenig gedulden.
Ich glaube, sobald wird es auch nichts mit einem Treffen werden, obwohl meinerseits nichts im Wege steht. Das ist kein Vorwurf. Bitte, verstehen Sie mich richtig!
Aus diesem Grunde habe ich auch eine kleine große Bitte. Ob sie in Erfüllung geht, weiß ich nicht, hoffe es aber sehr.
Liebe Monique, darf ich Sie um ein zweites „Sie“, eine Monique auf einem Foto bitten? Ich könnte dann wenigstens das Bild etwas öfter, als wir uns bisher sahen, betrachten.
Natürlich schicke ich Ihnen auch ein Foto von mir, wenn Sie mit solch einem Tausch einverstanden wären. Sie müssten mir dann nur mitteilen, ob in Zivil oder Uniform.
Nun fällt mir gerade eine Frage aus meinem zweiten Brief ein: Woher kennen Sie das Morsealphabet?
Und eine weitere Frage: Wann sind offiziell die Winterferien? Oder gibt es diese nicht mehr?
Am letzten Sonnabend sah ich im Fernsehen den Film „Aus dem Tagebuch eines Frauenarztes“. Er hat mir gut gefallen. Haben Sie auch den Film gesehen?
Für heute möchte ich nun in der Hoffnung auf eine baldige Antwort auf alle Fragen zum Schluss kommen.
Herzliche Grüße sendet Ihnen
Ihr Tilo
PS: Woher wissen Sie die Telefonnummer meiner Dienststelle? T.
sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss
Rapin, den 13.01.1964
Lieber Tilo,
lesen Sie bitte meinen heutigen Brief mit etwas Nachsicht, denn im Moment bin ich kaum noch in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen.
Um meine Erklärung kurz zu fassen: Ich bin hundemüde. Trotzdem will ich jedoch versuchen, Ihnen ein paar Zeilen zu schreiben, denn ich glaube, diese bin ich Ihnen unbedingt schuldig.
Zunächst einmal zu dem Anruf:
Tilo, verzeihen Sie mir bitte meine Anrede am Telefon. Ich weiß auch nicht, wie das kam, aber das „Du“ rutschte mir einfach so heraus. Das Schlimme dabei war, dass ich nicht gleich darauf Bezug nahm. Das ging darum nicht, weil in dem Augenblick, als Sie an das Telefon geholt wurden, die Vorsitzende des DFD (Demokratischer Frauenbund Deutschlands) zu mir kam, und ich in ihrem Beisein nicht die Peinlichkeit aufbauschen wollte. Das wäre ein schönes Thema für den Dorfklatsch gewesen! Es war von mir also wirklich nicht so dreist gemeint.
Morgen mehr! M.
Lieber Tilo,
ich konnte beim besten Willen gestern Abend nicht mehr weiterschreiben, ich war total übermüdet.
Heute erhielt ich denn auch Ihren Brief, herzlichen Dank dafür, so dass ich nun auch gleich auf diesen reagieren kann. Sie stellen mir ja eine Unmenge von Fragen, dass ich schon befürchte, einige davon zu übersehen und diese dann nicht beantworte.
Am meisten bin ich darüber erfreut, dass Sie mir das ins Wasser gefallene Wiedersehen nicht nachtragen. Es war mir wirklich nicht möglich, unser geplantes Treffen einzuhalten, obwohl ich mich auch schon so sehr auf den Sonnabend / Sonntag freute. Ich glaube, ich muss Ihnen dazu aber noch ein wenig mehr erklären.
In der letzten Zeit hatte ich sehr viel Arbeit. Ich weiß nicht, ob Sie das verstehen, wenn ich Ihnen schreibe, ein Lehrer in einem kleinen Dörfchen ist sozusagen „Mädchen für alles“ in der Gemeinde. In jedem Verein, der hier existiert, muss man mitreden, für jeden Verein etwas tun, selbst wenn man auch gar nicht darin ist. Man steckt überall mittendrin. Das ist manchmal sehr anstrengend, aber ehrlich gesagt: Ich bin auch ein wenig stolz darauf und habe meine Freude daran, bei wichtigen Dingen ernsthaft mitmischen zu dürfen.
Nun ist es demzufolge so, meine gesellschaftliche Tätigkeit nimmt hier neben der Arbeit in meinem Beruf sehr viel Zeit in Anspruch, oft mehr als meine schulische und außerschulische Arbeit mit den Kindern. Es gibt Wochen, da kenne ich gar nicht mehr den Begriff „Freizeit“. So sieht es auch momentan aus.
Ich begann gleich am Anfang der vorigen Woche damit, jede Minute äußerst rationell zu nutzen, um das freie Wochenende mit Ihnen herauszuarbeiten.
Bis Freitag hat auch alles wunderbar geklappt. Aber dann schneiten die Studienpläne für mein jetzt beginnendes Musikfernstudium ins Haus.
Am kommenden Freitag muss ich nun schon zur ersten Konsultation nach Stralsund fahren. Das Thema der Veranstaltung ist dermaßen umfangreich, so dass es mir noch jetzt ein Rätsel ist, wie ich die Vorbereitung dazu schaffen soll. Obwohl ich jetzt schon mehrere Abende bis spät in die Nacht hinein daran arbeitete, ist noch kein Land in Sicht, und das alles neben meiner eigentlichen Tätigkeit in der Schule und auch hier in der Gemeinde.
Das Studium, das mit Vornamen „Musik“ heißt, erstreckt sich über vier Jahre. Im gesamten ersten Jahr jedoch werde ich allerdings kein einziges Wort hören, das zum Gebiet der Musik passt, denn es gilt, erst einmal die Grundlagen des Marxismus- Leninismus zu studieren. Es ist ja allgemein bekannt, ohne M-L geht’s nicht, in keiner Wissenschaft. Also befasse ich mich erst einmal damit, was Marx, Engels und Lenin im weiteren und engeren Sinn zur Musik und zu anderen Dingen sagten.
Am Donnerstag fahre ich nach dem Unterricht mit dem Zug nach Greifswald, übernachte dort bei der Familie meines Bruders, fahre am nächsten Morgen in aller Frühe weiter nach Stralsund zur Konsultation. Am Abend geht es dann zurück nach Rapin. Am Sonnabend warten in der Schule meine Schüler und der Unterricht auf mich.
So sieht mein derzeitiges Programm aus, vollgestopft bis obenhin.
Vielleicht werden Sie mich verstehen, warum ich das Treffen ausfallen lassen musste.
Wie ich aus Ihrem Brief entnehme, sind Sie auch mit einem anderen Termin einverstanden, obwohl Sie vermuten, wenn auch ganz, ganz leise im Verborgenen, dass es sobald nichts wird mit dem Wiedersehen.
Darf ich Ihnen denn einen kleinen Vorschlag machen? Ich glaube, ich teilte es Ihnen schon letztens mit, dass ich am 18., das wäre am kommenden Sonnabend, nach Hause fahre. Das muss auch unbedingt etwas werden, weil ich es meiner Mutter schon versprochen habe.
Tilo, ich weiß nicht, wie Ihre Antwort hierauf ausfallen wird, wenn ich Ihnen sogleich ein (unlauteres - nein!) Angebot mache. Schade, es bleibt nun auch keine Zeit mehr, uns darüber näher auszusprechen
Wenn ich es mir genau überlege, so kennen wir uns doch durch unsere Briefe und Telefongespräche schon ein wenig. Ist es nicht so? Gut, ich nehme es jedenfalls an.
Ich denke, viele andere würden es als heikle Sache betrachten, aber bitte, verstehen Sie mich richtig, wenn ich Ihnen nun den Vorschlag unterbreite, mich am Sonnabend nach Teterow zu begleiten, natürlich nur, wenn es Ihre Zeit erlaubt.
Falls Sie einverstanden sind, oder noch besser, geben Sie mir bitte unbedingt hierauf eine Antwort. Heute ist Dienstag. Am Donnerstag werden Sie wohl diesen Brief erhalten, eigentlich für eine Antwort und eine dementsprechende Vorbereitung ziemlich spät, weil ich ja auch noch zwischenzeitlich wegfahre.
Darum werde ich jetzt gleich erst einmal bei Ihnen in der Dienststelle anrufen. Pause!
Das Gespräch ist beim Fräulein vom Amt angemeldet, und ich muss warten.
Am Telefon können wir, wenn man Sie herbeigeholt hat, alles Weitere besprechen.
Sie müssten dann am Sonnabend um 17.18 Uhr aus Torge mit dem Zug abfahren und sind um 17.45 Uhr in Pasewalk.
Ich würde auch um diese Zeit dort sein. Um 19.07 Uhr fahren wir dann gemeinsam über Neubrandenburg nach Teterow weiter.
Ich bin ja gespannt, wie Sie am Telefon darauf reagieren werden.
Zur Rückfahrt ist folgendes zu sagen:
Abfahrt in Teterow am Sonntag um 17.51 Uhr, Ankunft in Pasewalk um 20.46 Uhr.
Ihre Weiterfahrt sieht dann folgendermaßen aus: ab Pasewalk um 22.43 Uhr.
In Teterow könnten wir nach unserem Ankommen in die Bar gehen oder auch zu Hause bleiben. Außerdem bliebe uns noch der ganze Sonntag.
Wie gesagt, das wäre mein kleiner (vielleicht nicht ganz solider) Vorschlag, über den Sie nachdenken und Ihr Urteil abgeben müssten. (Das Telefon klingelt.)
Soeben wurde mir mitgeteilt, dass Sie nicht zu erreichen sind. Ja, was mache ich denn nun? Eine Lösung wäre, Sie rufen mich an, und zwar gleich, wenn Sie den Brief gelesen haben. Bitte, tun Sie das?
Am sichersten wäre, Sie wählen die Nummer XYZ (Gemeindebüro) und lassen mich aus der Sitzung, die am Vormittag vom Rat des Kreises hier durchgeführt wird, holen.
Nach 13.00 Uhr bin ich eventuell wieder unter meiner Schulnummer zu erreichen. Das ist jedoch auch ungewiss, da ich versuchen will, mit dem Auto vom Rat des Kreises bis Pasewalk mitzufahren. Ich muss mir von dort noch ein Buch für mein Musikstudium holen („Der Materialismus und Empiriokritizismus“ von Lenin).
Falls Sie aus irgendeinem Grunde meinen Vorschlag nicht annehmen, wie wäre es dann mit einem Wiedersehen Anfang Februar hier in Rapin?
Sie schrieben mir, dass Sie, wenn es wärmer wäre, hierher eine Motorradfahrt machen könnten. Ja, das wäre prima, aber dazu müssten wir uns zunächst mit Petrus gutstellen.
Übrigens, ich wusste bisher nicht, dass Sie Besitzer eines fahrbaren Untersatzes, sprich Motorrad, sind.
Sie bringen mich in diesem Zusammenhang auf eine andere Idee, und zwar, hätten Sie nicht Lust, mich hier in Rapin am 1./2. Februar zu besuchen? Rapin selbst hat zwar außer einer Kneipe (eine der schlechtesten Gaststätten des Kreises) nichts zu bieten, dennoch denke ich, auch ohne eine Kneipe könnten wir ein schönes Wochenende haben.
Wenn es Ihnen allerdings lieber ist, komme ich auch nach Torge. Mir wäre es also egal.
Ich muss aber gleich vorausschicken, dass mein Zimmer hier nicht für Gäste eingerichtet, also nur ein Einbettzimmer ist. Es ließe sich jedoch eine Lösung, und damit ein zusätzlicher Schlafplatz, finden, denn ich habe hier ja gute Bekannte, die mir aushelfen (das heißt, falls Sie sich nicht allein in meinem Zimmer fürchten).
So, lieber Tilo, ich überlasse Ihnen die Entscheidung.
Nun werde ich wohl beginnen müssen, auf Ihre Fragen einzugehen.
Da wäre zuerst das Morsealphabet dran. Ich gestehe, dass ich natürlich keine Ahnung vom Morsen habe. Genügt die Antwort? Ich weiß nur, in welchem Buch ich nachsehen muss.
Ja, Winterferien gibt es auch noch, und zwar fallen diese in diesem Jahr in die Zeit vom 10. bis 22. Februar (letzter und erster Schultag). Ich weiß zwar noch nicht wann, aber eine Woche muss ich in dieser Zeitspanne zum Seminarkurs nach Stralsund.
Nun interessiert es Sie noch sehr, woher ich die Telefonnummer Ihrer Dienststelle weiß? Ja, lieber Tilo, wenn man etwas will, dann findet man auch eine Lösung, um zum Ziel zu gelangen. Nur so viel, die Nummer, Ihre Geheimnummer hat mir wirklich keiner verraten, und dennoch weiß ich sie. Mehr sage ich nicht hierzu, vielleicht später einmal.
Bevor ich nun heute meinen Brief beende, noch schnell ein paar Worte zu Ihrem vorgeschlagenen Fotoaustausch. Ich spreche uns beiden eine Rüge aus, denn auf diese Idee hätten wir auch schon eher kommen können, zumindest hätte ich mich bis jetzt darauf vorbereiten können, denn ich habe gerade kein aktuelles Bild von mir. Meine Fotos sind meist uralt, ein bis zwei Jahre alt. Darum bitte ich Sie, sich zunächst mit diesem kleinen beigelegten Bild zu begnügen. Ich verspreche Ihnen aber, in den Winterferien in diesem Punkt etwas nachzuholen.
Ob ich Sie mir mit oder ohne Uniform wünschen soll (jetzt aber richtig denken!!! – bezieht sich aufs Foto), das ist schwer zu sagen; ich weiß es nicht. Suchen Sie das bitte für mich aus, ja? Oder schicken Sie mir beide, damit ich aussuchen kann.
Nun soll es aber für heute genug sein. Denken Sie bitte an die schnelle Antwort!
Recht herzliche Grüße und gute Nacht!
Ihre Monique
sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss
Torge, den 16.01.1964
Liebe Monique,
heute gegen 16.30 Uhr kam ich von einer dreitägigen Übung zurück und sah voller Freude, dass inzwischen wieder ein Brief von Ihnen angekommen war.
Recht herzlichen Dank, besonders für das hübsche Foto, über das ich mich sehr, sehr freute.
Nun muss ich mich revanchieren. Leider bin ich im Moment nur in der Lage, ein Uniformbild zu schicken. Falls Sie aber ein Zivilbild haben möchten, muss ich erst noch, das tue ich aber gern für Sie, zum Fotografen gehen. Hoffentlich gefällt Ihnen das beigelegte Bild wenigstens ein bisschen.
Nun aber zu der dringenden Frage. Anrufen konnte ich heute leider nicht mehr. Deshalb schreibe ich auch diesen Brief, den Sie hoffentlich bis zum Sonnabend noch erhalten. Heute sprach ich auch mit meinem Zugführer darüber, ob ich Wochenendurlaub bekommen könnte. Leider klappt es nicht. Ich wäre nämlich allzu gern Ihrer Einladung nach Teterow gefolgt.
Bei der Armee ist es leider nicht möglich, ohne eine schriftliche Genehmigung (Urlaubsschein oder Dienstauftrag) den Standortbereich zu verlassen. Wird man bei einem inoffiziellen Übertritt der Grenzen ertappt, so wird es als Fahnenflucht ausgelegt, und das hat riesige und bittere Folgen.
Da es nun mal so ist, dass wir uns dieses Wochenende nicht treffen können, nehme ich Ihren zweiten Vorschlag an. Wir halten also den 1./2. Februar fest.
Nun meine Idee, über die wir uns ja aber noch beraten können. Da es voriges Wochenende bei Ihnen nichts geworden ist, schlage ich vor, dass ich mich diesmal auf die Reise begebe. Vielleicht klappt es dann besser?
Um nun einen Irrtum auszuschließen, muss ich schreiben, dass meine Maschine zu Hause in Weizendorf ist und ich sie erst, wenn wärmeres Wetter ist, nach Torge herhole. Aber ich denke, ein kleiner Fußmarsch beziehungsweise Spaziergang wäre doch auch recht schön, zumal ich da sehr in Übung bin.
Nun musste ich Sie leider vertrösten, aber es geht wirklich nicht anders. Ich kann nur hoffen, dass Sie den Brief noch rechtzeitig erhalten.
Zu Ihrer morgigen Konsultation drücke ich Ihnen ganz, ganz fest die Daumen. Es muss doch etwas werden, nicht wahr?
Nun bleibt mir nichts weiter übrig, als Ihnen ein recht angenehmes Wochenende zu wünschen.
Vielleicht denken Sie mal an mich?
Herzliche Grüße und bitte nicht böse sein!
Ihr Tilo
sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss
Teterow, den 19.01.1964
Lieber Tilo,
heute bin ich hier in Teterow, und ich will Ihnen beweisen, dass ich Ihren Wunsch erfülle. Welchen? Nun, ich sollte hier zu Hause auch einmal an Sie denken. Sie sehen, dass ich dieses hiermit tue.
Zunächst einmal recht herzlichen Dank für Ihren lieben Brief, den ich noch am Sonnabend erhielt. Wie soll ich Ihnen aber für das Foto danken? Ich weiß es nicht und kann Ihnen nur sagen, dass darauf ein hübscher junger Mann abgelichtet ist. Danke für das Foto!
Sie schreiben in Ihrem Brief von einem Zivilbild, das Sie anfertigen lassen würden. Gut, Tilo, wenn Sie die Möglichkeit haben, tun Sie es bitte für mich! Es wäre prima, Sie auch als Zivilisten auf einem Foto zu sehen.
Ich werde jedenfalls in diesen Tagen hier in Teterow zum Fotografen gehen.
Übrigens, Ihr Daumendrücken scheint mir geholfen zu haben. Am Freitag war ich doch zur Konsultation. Obwohl ja nur über Themen des Marxismus-Leninismus gesprochen wurde (wie erwartet nichts von Musik), hat es mir - dank meiner gründlichen Vorbereitung - doch gut gefallen.
Wir haben auch gleich die Termine für die übrigen Konsultationen und weiteren Veranstaltungen in diesem Jahr bekommen.
Die nächste Konsultation in Stralsund findet erst Ende Februar statt, aber in den Winterferien, und zwar in der ersten Ferienwoche (10. bis 15.2.) muss ich nach Berlin zum Seminarkurs.
Ich werde also bald beginnen, mich darauf vorzubereiten. Na ja, Tilo, vorher sehen wir uns aber noch. Ich freue mich, dass Sie meinen zweiten Vorschlag aus dem Brief angenommen haben. Wie ist das, bekommen Sie Wochenendurlaub? Und wie lange haben Sie dann frei?
Ja, dass Sie die Tour nach Rapin jetzt bei der Kälte nicht mit dem Motorrad machen können, war mir natürlich von vornherein klar.
Dass Sie die Maschine aber zu Hause in Weizendorf haben, wusste ich allerdings nicht. Jedoch habe ich wirklich nicht an eine jetzige Motorradfahrt gedacht (um auf Ihre Worte „….um einen Irrtum auszuschließen, ….Maschine zu Hause….“). Deswegen brauchen Sie aber nicht gleich an einen kleinen! Fußmarsch zu denken, lieber Tilo! Wenn wir schon im Zeitalter der Technik leben, dann sollte man auch ruhig – soweit es natürlich möglich und notwendig ist, die öffentlichen Verkehrsmittel, wie Bus und Bahn benutzen.
Ja, ich gebe zu, für einen Ortsunkundigen ist es schon schwierig, auf diesem Weg nach Rapin zu gelangen. Wenn Sie mir jedoch mitteilen, ab wann Sie Zeit hätten, dann werde ich Ihnen natürlich schreiben, wie Sie am besten hierher fahren können.
Eine ganz dumme Frage nun: Freuen Sie sich wenigstens schon ein bisschen auf unser baldiges Wiedersehen, Beisammensein oder wie man es sonst noch ausdrücken mag? Bevor ich nun heute zum Schluss komme, noch eins: Ich nehme es Ihnen überhaupt nicht übel, dass es dieses Wochenende nicht geklappt hat. Machen Sie sich also bitte keine Gedanken darum! Für heute nun genug.
Recht liebe Grüße sendet Ihnen
Ihre Monique
sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss
Torge, den 21.01.1964
Liebe Monique,
mit großer Freude erhielt ich gestern Ihren lieben Brief. Danke dafür!
Wie war es denn, wieder einmal zu Hause zu sein? Sicher sind Sie froh, wenn Sie mal dorthin fahren können, und das kann ich gut verstehen.
Gleich am Anfang meines Briefes will ich auf Ihre Frage eingehen: „Freuen Sie sich wenigstens ein bisschen auf unser Wiedersehen?“
Wie können Sie mir nur solch eine Frage stellen?! Ich freue mich riesig. Wenn es doch endlich soweit wäre! Heute sprach ich hier auch mit den verantwortlichen Leuten, und bis jetzt sieht alles gut aus.
Wenn also alles planmäßig verläuft, so werde ich vom ersten bis dritten Februar morgens 7.30 Uhr Kurzurlaub haben.
Wann ich am Sonnabend frei bekomme, weiß ich noch nicht genau. Höchstwahrscheinlich werde ich mit dem Zug um 15.36 Uhr in Pasewalk sein.
Wenn ich nun diesen Zug aus irgendeinem Grund nicht schaffen sollte, wie komme ich dann vorwärts? Würden Sie mir das bitte schreiben?
Nun habe ich aber eine Frage:
Wollen wir für den Sonnabend schon etwas ganz Bestimmtes einplanen? Oder haben Sie etwa eine Überraschung auf Lager? Dann darf ich natürlich nicht so neugierig sein.
Wie Sie schreiben, gibt es in Rapin nur eine weniger gute Kneipe. Dorthin müssen wir ja auch nicht gehen. Ich habe einen kleinen Vorschlag. Wie wäre es, wenn wir allein blieben und unser Wiedersehen feiern würden? Für etwas Trinkbares sorge ich schon.
Natürlich ist das nur ein Gedanke von mir, denn schließlich ist Ihr Wort ausschlaggebend.
Nachdem Sie nun gelernt haben, dass Marx und Engels sowie Lenin sehr musikalisch waren, (Nicht doch!) dass der Marxismus-Leninismus viel mit Musik zu tun hat, sind Sie sicher sehr, sehr fleißig beim Erlernen der Leninschen Arien, die, wie ich hörte, ja weltbekannt sein sollen.
Hoffentlich verstehen Sie mich richtig, denn um ehrlich zu sein, ich finde auch, die von Ihnen beschriebene Aufnahmeprüfung für Musik war einfach lächerlich. Aber man muss vielleicht auch einmal in einen sauren Apfel beißen. Es geht auch dieses vorbei.
Liebe Monique, jetzt sind es nur noch zehn Tage bis zu unserem Wiedersehen, welches wir wirklich ganz groß feiern sollten. Ich jedenfalls freue mich schon sehr.
Für heute möchte ich mich mit den herzlichsten Grüßen verabschieden.
Viele liebe Grüße von
Ihrem Tilo
PS.: Drücken Sie ganz fest die Daumen, dass es klappt!!!
sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssss
Rapin, den 23.01.1964
Lieber Tilo,
einige Minuten habe ich nun noch Zeit, bevor ich mit einem geborgten Fahrrad ins Nachbardorf zu einer Sitzung des Pädagogischen Rates fahre, und diese Minuten will ich dazu nutzen, Ihnen auf Ihren lieben Brief, den ich soeben erhielt, zu antworten.
Nun habe ich allerdings nur so einen nicht gerade ansprechenden Schreibpapierbogen zur Verfügung, denn hier gibt es schon wieder eine Ewigkeit kein Briefpapier mehr zu kaufen. Mal sehen, wie es weitergeht!
Also, wie es aussieht, werden wir wohl unser geplantes Wiedersehen nun doch durchführen können.
Ich werde mir Ihren „Befehl“ zu Herzen nehmen und die Daumen ganz fest dafür drücken, dass nun nichts mehr dazwischenkommt.
Um erstmal auf Ihre baldige Reise hierher einzugehen, schreibe ich Ihnen die Busverbindung auf. Wenn Sie schon um 15.36 Uhr in Pasewalk sein können, dann ist das Folgende am bequemsten:
Um 17.00 Uhr fährt direkt vom Bahnhof ein Bus ab, und zwar in Richtung Penkun. Mit diesem Bus fahren Sie bis Lösewitz. Halt! Stopp!
Um 16.45 Uhr fährt ja auch ein Bus vom Pasewalker Bahnhof ab, der direkt nach Lösewitz fährt. Es ist besser, diesen Bus um 16.45 Uhr zu nehmen, denn der Kraftverkehr ist manchmal mit seinen Verspätungen unberechenbar.
In Lösewitz steigen Sie dann am Bahnhof aus, und von dort fährt ein Bus um 17.35 Uhr direkt nach Rapin, der um 17.55 Uhr hier ist. Falls Sie aber Ihren Zug um 15.00 Uhr nicht nehmen können, dann versuchen Sie doch bitte, wenigstens den Zug um 17.18 Uhr zu bekommen. Sie sind dann um 17.45 Uhr in Pasewalk, und Sie müssten von hier mit dem Zug nach Grenzow fahren (Ankunft – 17.44 Uhr). Von hier ist dann aber ein Fünf-Kilometer-Fußmarsch zurückzulegen.
Übrigens, Tilo, ein kleiner Vorschlag von mir, den Sie bestimmt annehmen werden: Ich hole Sie von Lösewitz ab. Wir könnten ja auch noch ein paar Stunden vom Abend dort bleiben, und ich zeige Ihnen das neue Café, das erst kürzlich eröffnet wurde und auch ganz gut ist. Allerdings müssten wir uns anschließend für die zehn Kilometer ein Taxi nehmen, um hierher zu gelangen.
Wie gesagt, ich könnte es so einrichten, dass ich zu Ihrer Bus-, aber auch zu Ihrer Zugankunft in Lösewitz bin.
Wenn Sie nun mit dem Zug fahren, und wir abends noch ein bisschen in Lösewitz bleiben wollen, dann dürfen Sie nicht das Aussteigen vergessen (die dritte Bahnstation ab Pasewalk).
