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Beruhend auf einer wahren Begebenheit, berichtet Susanne Mahler in diesem Buch, welche Gefahr von GBL (Liquid Ecstasy) ausgeht und welche Auswirkungen die Suchtkrankheit ihres Mannes auf die ganze Familie hatte. Unter anderem beschreibt die Autorin die Höhen und Tiefen in einem Zeitraum von fünf Jahren, welchen psychischen Belastungen sie und ihre Kinder als Angehörige (Co-Abhängige) ausgesetzt waren, welche gesundheitlichen Folgen dies für sie hatte und wie sie sich daraus befreite. Außerdem erzählt Susanne Mahler, was sie in dieser Zeit bewegte und was sich ereignete, nachdem sie beschlossen hatte, bei ihrem Mann zu bleiben.
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Seitenzahl: 275
Veröffentlichungsjahr: 2015
www.tredition.de
Susanne Mahler
Dem Abgrund nah
Mein Weg zurück ins Leben
www.tredition.de
© 2015 Susanne Mahler
Foto: Andreas B.
Umschlaggestaltung: Karin B.
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN: 978-3-7323-2117-9
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Vorwort
Kurzer Suchtlebenslauf
Wie alles begann
Der erste Selbstentzug
Gemeinsam schaffen wir es
Wie soll es weitergehen?
Trotz allem weiter machen
Der erste richtige Entzug
Was nun?
Endlich ein Lichtblick
Es tat sich was
Der nächste Schritt
Die Rückkehr
Verlorene Zeit
Veränderungen
Der nächste Versuch
Was wird die Zeit bringen?
Hoffnung
Endlich zu Hause
Der Aufbau eines gemeinsamen Lebens
Der Vorfall und seine Auswirkungen
Wie geht es nun weiter?
Achterbahn der Gefühle
Ein neuer Lebensabschnitt
Unkontrollierbare Gefühle
Erfahrungen sammeln
Die weiteren Vorbereitungen
Co-abhängig?
Was ist Sucht?
Die Gruppengründung
Wie bringe ich die Gruppe zum Erfolg?
Neues schaffen
Was ist Psychiatrie?
Ereigniserzählung meines Mannes
Erfahrungsberichte
Was ist GBL?
Achtsamkeit
Die Höhen und Tiefen
Vorwort
Dieses Buch entstand zu der Zeit, in der sich mein Mann in Reha befand, und ich möchte damit meine Erlebnisse mit meinem suchtkranken Partner erzählen. Ich berichte davon, was unsere Kinder und ich als Angehörige erlebten, während mein Mann von der Droge GBL abhängig war, was nach seinem Entzug geschah und wie sich unser Leben veränderte.
Die Welt unserer Kinder stand von nun an auf dem Kopf und auch ich wusste nicht, wie ich mit meinen zutiefst verletzten Gefühlen umgehen sollte. Deshalb begann ich meine Wut in Worte zu fassen, und nach einer gewissen Zeit schrieb ich mir alles von der Seele. Das Schreiben half mir sogar sehr, die Erlebnisse zu verarbeiten. Es erstaunte mich immer wieder, wie leicht mir dies fiel und es mich regelrecht befreite, das Erlebte aufs Papier zu bringen. Doch hin und wieder schmerzten mich manche Details, weshalb ich auch mal in Tränen ausbrach. Trotzdem schrieb ich weiter und irgendwann hatte ich die Stärke, mir alles ohne Gefühlsausbrüche durchzulesen. Besonders wichtig war und ist es mir, mich anderen mitzuteilen und mich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Außerdem war und ist es mein Ziel, mir mit diesem Buch alles von der Seele zu schreiben, meinem inneren Gefühl zu folgen, aber auch anderen davon zu berichten. Ich persönlich wollte einfach nicht tatenlos herumsitzen, sondern etwas bewegen und verstanden werden. Doch auch unsere Kinder entwickelten ihren individuellen Weg, damit umzugehen. Während unsere Tochter viel malte und Musik hörte, lebte unser Sohn seine Wut mit auffälligem Verhalten aus. Gegenüber seinem Vater zeigte er sich eher rebellisch und respektlos.
Ich versuche mit diesem Buch aber auch darzustellen, wie sehr wir unter der Sucht meines Mannes litten und wie verletzend es ist, mit einem Suchtkranken in einem Haushalt zu leben und nichts tun zu können. Mir geht es hauptsächlich darum, welche Auswirkungen diese Krankheit in meinem Fall nach sich zog. Es geht mir nicht darum meinen Mann oder sonst jemand zu verletzen, sondern einfach aufzuzeigen, wie es mir damit ging und wie ich das Ganze erlebte.
Ich hoffe hiermit zu erreichen, dass sich alle Leser darüber bewusst werden, welche Folgen eine Sucht für die Angehörigen, aber auch für den Betroffenen selbst hat. Außerdem möchte ich darüber aufklären, welche Gefahr von GBL (Liquid Ecstasy) ausgeht, wie abhängig es macht und welche Probleme für alle Beteiligten daraus entstehen können. Bereits damals ließ ich in einer bekannten Zeitung einen Bericht veröffentlichen, um über die Substanz und meine Betroffenheit aufzuklären.
Wir fragten uns oft: „Wie kommt er davon wieder los?“ Und wie sehr wir und die anderen, die uns nahestanden, betrogen und belogen wurden. Deshalb wünsche ich mir, dass jeder, der dieses Buch liest, einmal erkennt, was das Umfeld durchmacht. Egal um welche Sucht es sich handelt, sie zieht doch nur Ärger mit sich und die Gefühle derjenigen, die einem am wichtigsten sind, werden übel verletzt. Doch nun zu unserer Begebenheit, die auf wahren Tatsachen beruht. Ich hoffe, dass ich damit in irgendeiner Form dazu beitragen kann, etwas zu verändern.
Kurzer Suchtlebenslauf
Bereits seit meinem achtzehnten Lebensjahr wohne ich mit meinem jetzigen Ehemann zusammen in einem Haushalt. Frei nach dem Motto: verliebt, verlobt, verheiratet. Und seitdem lebte ich auch mit seinen Süchten. Denn eigentlich war er schon immer süchtig. Und da Sucht eine unheilbare Krankheit ist, besteht für die/den Betroffene/n, auch wenn sie/er clean ist, immer die Gefahr, rückfällig zu werden.
Um dies einmal zu verdeutlichen, schildere ich hier kurz etwas aus dem Lebenslauf meines Mannes in Bezug auf seine Süchte.
Mein Partner geriet immer wieder an Menschen, die ihn zum Mitmachen animierten. Leider ließ er sich von diesen ständig dazu verleiten, da er nicht „NEIN“ sagen konnte. Schon seine Jugend verbrachte er in Kreisen, in denen Marihuana und Alkohol konsumiert wurden. Um dazuzugehören, rauchte er hin und wieder einen Joint mit oder trank Wein, bis er angeheitert war. Von diesen Mitteln wurde mein Partner zum Glück nie abhängig, weil er nur ab und zu mitmachte. Jahre darauf kam die Automatenspielsucht. Zu diesem Zeitpunkt lebten wir, wie oben erwähnt, schon zusammen und da er von dieser Sucht abhängig wurde, verspielte er sein ganzes Geld. Wenn mein Partner nichts mehr hatte, nahm er sich von meinem Ersparten. Das machte mich sehr wütend und deshalb wollte ich mich fast von ihm trennen. Da ich ihm dies verdeutlichte und er mich nicht verlieren wollte, versprach er mir, aufzuhören. Weil er sein Versprechen tatsächlich einhalten konnte, blieben wir zusammen und irgendwann heirateten wir. Zwischendurch gab es auch mal eine zwei- bis dreijährige Suchtpause. Aber danach fing es richtig an. Er kaufte immer wieder verschiedene Substanzen von Arbeitskollegen und nahm diese in unterschiedlichen Zeiträumen ein. Da es sich nicht nur um eine Drogenart handelte, wurde mein Mann nie so abhängig wie ein Süchtiger, der über Jahre hinweg die gleiche Substanz konsumiert und somit wurde unser Familienleben nie beeinträchtigt. In diesen Jahren probierte er einfach alles aus, was ihm die Kollegen mitbrachten. Lediglich von einer Sache wusste ich und er wusste, dass ich damit nicht einverstanden war. Doch da mein Mann nicht auf mich hörte, tolerierte ich seinen Konsum irgendwann, um so täglichen Streitereien aus dem Weg zu gehen. Mir war allerdings nicht bewusst, was er sonst noch so zu sich nahm. Und nach all den Jahren geschah Folgendes.
Wie alles begann
Zunächst fing alles mit ausprobieren an. Mein Mann stand unter beruflichem Stress und suchte einen Ausgleich dafür. Um seiner Neugierde und dem Kick nachzugeben, probierte er GBL aus. Leider kam er aufgrund einiger Beziehungen mit Leichtigkeit an die Flüssigdroge. Anfangs wussten unsere Kinder (10 und 14 Jahre) und ich noch nichts davon. Wir ahnten auch nicht, dass er etwas nahm.
Mein Mann wusste allerdings genau, was er konsumierte. Denn durch eine Ausbildung zum Chemiekant war ihm die Zusammensetzung bekannt und so wusste er, was die Substanz bewirkte. Doch leider verdrängte er trotz allem seine Gedanken an uns und wurde davon abhängig. Während des ersten Jahres bemerkten wir nichts, da er mit der Droge behutsam umging. Nur eine Geschichte kam mir merkwürdig vor. Diese war, dass es ihn einmal auf der Arbeit komplett umhaute. Er knallte mit dem Kopf auf den Boden, wodurch er bewusstlos wurde und sich eine starke Schwellung im Gesicht zuzog. Als er wieder zu sich kam, befand er sich im Krankenhaus. Obwohl mein Mann in einer Art Trance mitbekam, dass ihn Rettungssanitäter behandelten, wusste er nicht genau, wie er dorthin gekommen war. Nachdem er nach lebenserhaltenden Maßnahmen gefragt wurde und keine Erinnerung mehr daran hatte, was er als Antwort gab, geriet er in Panik und verlangte von mir, ihn von dort abzuholen. Was ich dann auch tat. Gleich nach meiner Ankunft fand ich ihn in einem grauenvollen Zustand vor. Bedingt durch die starke Schwellung im Gesicht konnte er nicht einmal seine Brille aufsetzen. Kurz darauf sagte er zu mir: „Ich habe so viel in einem überheizten Raum gearbeitet, dass ich ins Schwitzen kam und mein Kreislauf kollabierte.“ Allerdings wusste ich nicht, was ich von alldem halten sollte, weil sich bei ihm vorher noch nie Kreislaufprobleme gezeigt hatten. Ich wäre jedoch niemals auf einen Drogenmissbrauch gekommen.
Im Nachhinein erfuhr ich, dass dieser Vorfall mit der Einnahme des GBL zu tun hatte. An diesem Tag nahm er die Droge zum ersten Mal und ließ trotz des Erlebten nicht davon ab. Nach etwa einem halben Jahr bekam mein Mann massive Schlafprobleme. Diese schob er aber immer wieder auf seine Schichtarbeit. Was mir ebenfalls merkwürdig erschien, denn alle, die ich kannte, hatten die Symptomatik erst mit Fünfzig und nicht schon mit Achtunddreißig. Zudem bekam er dann auch noch Blutdruckprobleme und zusätzlich bemerkte ich in seinen Schlafphasen Atemaussetzer. Da mir dies alles Angst bereitete, ließ er sich von mir überreden und begab sich in ärztliche Behandlung. Mein Mann war einige Male bei unserem Hausarzt, von dem er auch verschiedene Überweisungsscheine, Blutdrucktabletten und so bekam. Jedoch unternahm er nichts und machte einfach unbeirrt weiter. Dann, nach etwa drei weiteren Monaten, verlor er plötzlich die Kontrolle über seinen Körper. Denn als er versuchte aus dem Bett aufzustehen, um zur Toilette zu gehen, gelang ihm das nicht, da er immer wieder einknickte. Sogar im Liegen zuckte sein Körper und teilweise war mein Mann für Sekunden immer wieder abwesend. Aber kurz darauf versuchte er es erneut. Ich wusste absolut nicht, was ich tun sollte. Vor allem bekamen unsere Kinder auch alles mit. Nach mehreren misslungenen Versuchen half ich meinem Mann zur Toilette, indem ich ihn wie einen Verletzten stütze. Nun war er zwar am Ziel angekommen, doch er war längst nicht in Sicherheit, weil er ständig drohte, von der Toilette zu fallen. Aus diesem Grund hatte ich Angst, ihn alleine im Bad zu lassen, was viel Zeit in Anspruch nahm. Immer wieder zuckte sein Körper und hin und wieder sackte er in sich zusammen. Ständig verfiel mein Mann in eine Art Trancezustand und war somit zu nichts zu bewegen. Denn wenn ich ihn ansprach, schrak er immer wieder hoch und sah mich nur mit leerem Blick an. Ich dachte, dass er jeden Moment zu Boden fällt und sich dann nicht mehr alleine aufrichten kann. Trotz allem ließ ich ihn irgendwann sitzen und kümmerte mich um unsere Kinder. Denn schließlich waren sie mir wichtiger, da sie zur Schule mussten.
Ich zitterte am ganzen Körper und nachdem beide Kinder aus dem Haus waren, verfrachtete ich meinen Mann zurück ins Bett und überlegte, was ich tun sollte. Verzweifelt dachte ich daran, einen Krankenwagen zu rufen. Doch dann entschloss ich mich, erst einmal unseren Hausarzt zu kontaktieren. Da dieser auch nur vom Stress meines Mannes wusste, versuchte er mich zu beruhigen. Das Telefongespräch half zwar ein wenig, doch mir gingen ständig Fragen wie zum Beispiel: „Was ist bloß los mit meinem Mann? Warum hat er solche Aussetzer und wie wird das enden?“ durch den Kopf. Als etwa zwei Stunden vergangen waren, ging ich ins Schlafzimmer und weckte meinen Mann, um ihn zur Rede zu stellen. Nachdem er endlich wach und ansprechbar war, erfuhr ich zum ersten Mal von dieser Flüssigdroge. Ich verstand nicht, wie er so etwas nehmen konnte. An diesem Tag versprach mir mein Mann, dass GBL nie wieder anzurühren. Da er früher schon mit anderen Drogen wie Speed oder Ecstasy in Berührung kam, von denen er nicht auf die Weise abhängig wurde, dass sie unseren Alltag beeinflussten, glaubte ich ihm.
Bereits am selben Tag, suchte ich unseren Hausarzt mittags für einige wichtige Untersuchungen und deren Abklärungen auf. Als er mich dabei nach dem morgendlichen Vorfall fragte, erzählte ich so wenig wie möglich. Außerdem verharmloste ich die Situation, weil ich meinem Mann das Versprechen gab, nichts zu sagen.
Das war schon mein erster Fehler. Doch damals wusste ich nicht, was dieses Zeug noch alles anrichtet, und dass es so süchtig macht.
Der erste Selbstentzug
Aufgrund seines Versprechens nahm sich mein Mann vor, einen Entzug in Eigenregie zu machen, ohne vorher die Gefahren abzuwägen. Hierfür entwickelte er ein Konzept und daraus entstand für uns, da er alles in unserem Beisein umsetzte, folgende Problematik:
Zu Beginn des Entzugs blieb mein Mann häufig im Bett. Zwischendurch aß er etwas und verschwand wieder. Meistens ging es ihm sehr schlecht. Hauptsächlich schied er das GBL über sein Gesicht durch starkes Schwitzen aus. Aufgrund der feinen Poren im Kopfbereich reagierte die Haut dort besonders empfindlich, indem sie mehr als an anderen Körperstellen brannte. Zu den weiteren Begleiterscheinungen gehörte starke Übelkeit, sodass er sich manchmal übergab und wenn ihm Schweiß über die Lippen lief, schmeckte dieser nach der chemischen Substanz. Damit ihm das Ganze leichter fiel, trank er abends beim Fernsehen so einiges an Alkohol. Er war der Meinung, damit besser schlafen zu können. Ich empfand dies aber nicht so, da er nachts immer wieder aufstand. Vor allem musste er nach so viel Alkohol sowieso öfter zur Toilette. Deshalb gefiel mir das zwar auch nicht, aber nach fünf Tagen verbesserte sich sein Zustand. Da unsere Kinder und ich sehr darunter litten, freuten wir uns über die ersten Erfolge seines Selbstentzugs. Ich möchte aber erwähnen, dass es nicht ratsam ist, selbst zu entziehen. Ganz egal wovon jemand abhängig ist, sollte ein Entzug nur in einer entsprechenden Klinik gemacht werden, da dieser große Risiken birgt.
Nun wollte ich nur noch, dass mein Mann seinen Alkoholkonsum reduziert. Denn ich fand die Trinkerei ebenfalls nicht gut. Außerdem störte er durch sein ständiges Aufstehen auch unseren Schlaf. Nach einiger Zeit packte es mein Mann tatsächlich. Er nahm keine Drogen mehr und trank nur noch wenig Alkohol. Nun hatten wir wieder Hoffnung und die Kinder und ich dachten, unser Leben würde jetzt wieder normal. Zusätzlich berichtete mir mein Mann, über eine verbesserte berufliche Lage, in Zusammenhang mit seinen Kollegen und Chefs. All das machte mir Mut und ließ mich hoffen.
Gemeinsam schaffen wir es
Nachdem der Entzug endlich vorbei war, fanden mein Mann und ich wieder mehr zueinander. Irgendwie klinkte er sich leider in den vergangenen Jahren bei vielen Dingen aus. Entweder schlief er oder er ging zur Arbeit. Wenn er frei hatte, fuhren wir manchmal mit unseren Kindern weg. So konnte sich mein Mann ebenso vor anfallenden Arbeiten drücken. Denn zu Hause machten wir nicht viel zusammen. Außer, dass wir mal Karten spielten, oder würfelten. Aber alle anfallenden Arbeiten blieben an mir hängen. Ich arbeitete im Haus und Garten und kümmerte mich um unsere Kinder, was Schule und Freizeit betraf.
Nun änderte sich aber endlich wieder etwas in unserer Beziehung. Wir wollten gemeinsam abnehmen und stellten deshalb unser Essen um. Anfangs wogen wir alle Mahlzeiten ab, zählten die Kalorien und notierten die verschiedenen Gerichte in einem Heft. Mein Mann und ich fanden sogar richtig Spaß daran. Damit wir schneller abnahmen, gingen wir jeden Tag nach dem Frühstück und Abendessen je eine Stunde mit unseren Hunden raus. Wir liefen so schnell, wie wir in normalem Gang laufen konnten. So nahm jeder von uns, innerhalb einer Woche, mindestens 1 kg ab. Aber vor allem hatten mein Mann und ich sehr viel Freude daran. Jeder von uns nahm so, innerhalb von circa vier Monaten, insgesamt 15 kg ab. Zu diesem Zeitpunkt war unsere Welt wieder in Ordnung. Was die Drogen betraf, stellte ich in diesem Zeitraum keine Auffälligkeiten fest. Allerdings konnten wir, nachdem der Winter angebrochen war, wegen zu hohen Schnees nicht mehr so viel laufen und mein Mann zog sich plötzlich wieder häufiger zurück.
An Silvester trank er zum Beispiel mehr, als in den Jahren davor. Ich wusste nicht warum, aber irgendwie ging alles wieder den Bach runter. Ich versuchte meinen Mann so oft wie möglich zu überreden, mit raus zu kommen. Doch nichts half. Was ich nicht wusste, wir hatten ihn schon längst wieder an dieses GBL verloren.
Wie soll es weitergehen?
Die schöne Zeit war leider schon wieder vorbei. Warum wussten wir auch nicht. Schließlich hatte mein Mann doch alles, was man zum Glücklichsein braucht. Eine gut funktionierende Ehe und zwei tolle Kinder, die ihn lieben.
Zunächst verlief alles ziemlich normal. Es gab jedenfalls noch keine körperlichen Auffälligkeiten. Doch nach einiger Zeit, wurde ich wieder misstrauisch und suchte alles nach der Droge ab. Als ich dahinter kam, dass er die Flüssigkeit in seinen Nasensprays aufbewahrte, durchsuchte ich die Fläschchen, die in Mengen herumstanden. In einem von ihnen fehlte das Röhrchen, welches er aus Sicherheitsgründen entfernte, um einen Fehlgebrauch zu vermeiden. Sogleich vermutete ich das Zeug darin, weil er die Substanz vor mir zu verstecken versuchte. Nun wurde ich allerdings fündig und stellte ihn zur Rede. Woraufhin mein Mann abweisend reagierte. Er lag mal wieder im Bett und meinte: „Ich habe nichts von dem Zeug da und auch nichts genommen.“ Daraufhin fragte ich ihn: „Was ist denn dann in diesem Fläschchen?“ Doch mit all seinen Erklärungsversuchen scheiterte er, da ich ihm kein Wort glaubte. Es kamen auch nur Lügen heraus, da er zu diesem Zeitpunkt wieder einmal unter Drogen stand. Nachdem mein Mann später ansprechbar war, gab er irgendwann zu, dass er etwas genommen hatte und beteuerte: „Ich schaffe es, wieder davon loszukommen.“
So begann sein zweiter Entzug. Wieder schwitzen, brennende Gesichtshaut und Alkohol, um alles besser zu überstehen. Ich verzieh ihm auch dieses Mal. Doch leider packte er beim zweiten Entzug den Absprung von der Droge nicht hundertprozentig. Die Kinder und ich dachten, er hätte es erneut geschafft, doch mein Mann hielt sich von nun an auf einem Level, und gaukelte uns etwas vor.
Einmal kam ich mit unseren Kindern nach Hause, da hörten wir schon an der Haustür den Rauchmelderalarm. Als wir ins Haus gingen, kam uns Qualm entgegen. Zuerst machte ich die Ursache ausfindig und fand einen Topf auf dem Herd. In diesem befand sich angebrannte Suppe und als ich ihn von der inzwischen abgeschalteten Platte nahm, floss der Boden einfach so davon. Daraufhin rannte ich nach oben ins Schlafzimmer. Dort lag mein Mann und schlief, trotz des Lärms unserer Rauchmelder, friedlich in seinem Bett. Zitternd vor Wut weckte ich ihn und fragte: „Was soll denn das? Willst du unser Haus in Brand stecken?“ Mein Mann stand zwar sofort auf, um sich die Bescherung anzusehen. Auf meine Beschuldigung hin beteuerte er aber nur, er hätte kein GBL genommen. Das bezweifelte ich allerdings stark. Denn wer schläft schon so fest, dass er keine Rauchmelder hört? Zum Glück war nichts Schlimmeres passiert.
Ein weiteres Mal, wovon ich allerdings nichts mitbekam, stand mein Mann nachts auf, um zur Toilette zu gehen. Dieser Toilettengang dauerte jedoch circa 1 Stunde. Denn dabei fiel er zu Boden und blieb dort schlafend liegen. Da er währenddessen auch noch eine brennende Zigarette in seiner Hand hielt, erlitt mein Mann an seiner Schulter eine Verbrennung von circa einem halben Zentimeter Tiefe.
Die dritte gefährliche Aktion entstand ebenfalls durch eine Zigarette. Wie immer rauchte mein Mann, wenn er nachts aufwachte, noch eine Zigarette im Gang. Diesmal bemerkte er aber nicht, dass er die Kippe noch in seiner Hand hielt und diese mit ins Bett nahm. Da ich auch in dieser Nacht tief und fest schlief, bekam ich von alldem nichts mit. Erst als ich morgens wach wurde, fand ich den Stummel auf meiner Seite und sah ein Loch in meinem Bettbezug. Nach diesem Vorfall verbat ich meinem Mann, jemals nur noch eine Zigarette im Haus zu rauchen. Um ihm zu verdeutlichen, dass ich dies nun nicht mehr duldete, stellte ich seinen Aschenbecher nach draußen. Daraufhin holte er ihn wieder ins Haus. Doch ich blieb stur! Erst nach dem wir die Aktion fünfmal wiederholt hatten, verstand mein Mann endlich, wie ernst es mir damit war.
Unvorstellbar, was alles hätte passieren können.
Es gab allerdings noch weitere gefährliche Situationen. Doch diese möchte ich hier nicht alle aufzählen. Wir hatten sehr viel Glück oder wir wurden von Gott beschützt. Mein Glaube gab mir Kraft und half mir, dies alles durchzustehen.
Die ganzen Erlebnisse machten mich immer wütender. Ich konnte meinem Mann nicht helfen, da er sich nicht helfen ließ. Er glaubte weiterhin, er käme ganz allein von diesem Zeug los. Selbst als er an einem Antistressseminar teilnahm, ließ er nicht davon ab, das GBL zu nehmen. Unseren Kindern und mir machte das alles zu schaffen. Doch ich konnte nicht einfach weg mit unseren Kindern, da wir auch noch Haustiere hatten, die verpflegt werden mussten. Außerdem wollte ich unsere Kinder nicht aus ihrem schulischen Umfeld, Zuhause und Freundeskreis reißen.
Deshalb beschloss ich nach einiger Zeit und weiteren Vorfällen, dass Türschloss auszutauschen und meinen Mann nicht mehr ins Haus zu lassen. Nachdem ich dies getan hatte, fuhr ich zu meinem Schwiegervater und erzählte ihm alles. Ich dachte, wenn er davon wüsste, könnte er auf seinen Sohn einwirken, sodass dieser endlich ganz mit seinem Drogenkonsum aufhören würde. Nach diesem Gespräch teilte ich meinem Mann telefonisch mit, dass er zu Hause nicht mehr reinkäme und uns in seinem Elternhaus treffen sollte. Als seine Schicht beendet war, kam er dann tatsächlich. Nun musste er seinem Vater Rede und Antwort stehen. Nachdem das Gespräch beendet war, versprach mir mein Mann seinen dritten Selbstentzug.
Ich wollte allerdings, dass er diesen bei seinem Vater macht. Doch leider schaffte er es, mich nach eineinhalb Stunden mit verschiedenen Aussagen zu überreden. Ich überließ ihm den Schlüssel, sodass er seinen Entzug zu Hause machen konnte. Die Kinder und ich blieben in dieser Nacht bei seinem Vater, da ich es leid war, ständig alles mit ansehen zu müssen. Doch schon am nächsten Tag fuhr ich mit ihnen nach Hause, um unsere Tiere zu versorgen und für uns Essen zu machen. Ich kochte aber nur etwas für die Kinder und mich. Außerdem sprach ich kein Wort mehr mit meinem Mann. Ich ignorierte ihn und behandelte ihn, als wäre er Luft. Abends schlief ich auf der Couch und unsere Kinder quartierten sich zusammen in einem Zimmer ein. Immerhin litten sie sehr unter der Situation. Sie entwickelten große Ängste und Schlafstörungen. So lebten wir eine Zeitlang zwar in einem Haus, aber nicht miteinander. Irgendwann normalisierte sich unser Zusammenleben wieder etwas. Nach einiger Zeit schlief ich zwar wieder neben meinem Mann in unserem Bett, doch Sex war schon seit langem tabu. Die nächsten Wochen verbrachten unsere Kinder die Nächte weiterhin in einem Zimmer.
Während und nach dem dritten Selbstentzug trank mein Mann nun mehr Alkohol, als bei den vorangegangenen Entzügen. Er war auch immer noch der Meinung, mit Alkohol besser schlafen zu können. Doch da täuschte er sich gewaltig. Denn sein Körper war von alldem mittlerweile total durcheinander und kaputt.
Nun erzählte er zwar endlich alles unserem Hausarzt, doch das Dilemma ging weiter. Unser Arzt verschrieb meinem Mann Schlaftabletten, um ihm das Einschlafen zu erleichtern und damit er nichts mehr anderes zu sich nahm. Doch selbst der Umgang mit den Tabletten bereitete ihm Schwierigkeiten. Denn einmal nahm mein Mann fünf Schlaftabletten über den Tag verteilt, weil er nur noch schlafen wollte. Von da an versteckte ich die Tabletten und teilte sie ihm, wie bei einem Kleinkind, ein. Manchmal wollte er eine höhere Dosis, worauf ich mich aber nicht einließ. Obwohl mein Mann dann mit mir stritt, weil er nicht verstand, weshalb er nicht mehr bekam, blieb ich hart und ließ mich nicht von ihm überreden. Natürlich riet unser Hausarzt meinem Mann, einen Entzug zu machen. Jedoch waren auch ihm die Hände gebunden, so lange mein Mann sich nicht freiwillig helfen lassen wollte. Einmal meinte unser Hausarzt zu mir: „Sie sollten ihren Mann fallen lassen, denn er muss noch viel tiefer sinken, um zu erkennen, dass ihm nur ein richtiger Entzug in einer Klinik hilft.“ Diese Aussage bereitete mir allerdings insofern Angst, dass unsere Kinder dadurch vermutlich ihren Vater ganz verloren hätten. Deshalb konnte ich mich damit nicht anfreunden, ihn aus dem Haus zu werfen. Auch wenn ich mittlerweile nur noch verzweifelt, niedergeschlagen und völlig am Boden zerstört war, oder am liebsten gestorben wäre, war dies keine Option für mich.
Allerdings gab es auch Zeitpunkte, da wünschte ich meinem Mann den Tod, weil dieser vieles einfacher für mich gemacht hätte. Vor allem wäre mir einiges erspart geblieben, weil ich mich nicht hätte entscheiden müssen, ob ich bleibe oder gehe.
Einen Monat später stellte ich fest, dass mein Mann wieder Drogen nahm. Zum Leid unserer Tochter tat er dies sogar an ihrem Geburtstag. Schon morgens machten sich bei meinem Mann körperliche Aussetzer bemerkbar. Unsere Tochter bekam dies mit und so verdarb er ihr gleich in der Früh ihren großen Tag. Kurze Zeit später verließ sie zitternd das Haus, um zur Schule zu gehen. An diesem Tag hatte sie zwar Probleme, sich zu konzentrieren, doch sie versuchte sich mit dem Unterricht und ihren Freunden abzulenken. Für mittags lud unsere Tochter ein paar Freunde ein und damit keiner etwas bemerkte, ließen wir uns nichts anmerken. Nachmittags raffte sich mein Mann doch tatsächlich noch auf, um an der Feier teilzunehmen. Obwohl die Kinder und ich nicht glücklich waren, machten wir für alle das Beste daraus.
So lebten wir immer weiter vom Alkohol und den Drogen begleitet. In mir breitete sich noch mehr Wut und Hass aus. Selbst in unserem gemeinsamen Urlaub trank mein Mann jeden Abend Alkohol und bemerkte nicht, dass sich die Situation immer mehr zuspitzte. Es gab sogar Momente, in denen er sich darüber beschwerte, dass ich ihm den weiteren Alkoholkonsum verbot, wenn er nicht aufhören wollte zu trinken. Dann sagte er zum Beispiel: „Nicht mal drei, vier Bier kann man trinken.“ Daraufhin erwiderte ich: „Du trinkst mittlerweile jeden Tag so viel.“ Ich fühlte mich wie auf einem sinkenden Schiff und nach dem dritten Selbstentzug folgten irgendwann der vierte und dann der fünfte. Es wurde immer aussichtsloser.
Vor allem verstand ich nicht, dass er sich nicht mal aus Liebe zu den Kindern helfen ließ. Denn ich werde nie vergessen, wie sie sich verzweifelt und bettelnd vor ihn stellten und sagten: „Papa, bitte lass dir endlich helfen!“
Damals wusste ich auch noch nicht, dass er das Zeug trotz seiner Versprechen weiterhin einnahm. Deshalb konnte mein Mann seinen angeblichen Entzug auch nicht bei seinem Vater machen. Außerdem dosierte er damit in den vorhergehenden Entzügen die Menge nach unten, um seinen Körper langsam zu entwöhnen. Wer weiß, was in dem Fall passiert wäre, wenn ich nicht nachgegeben hätte. Immerhin setzte er sein Leben schon durch alles, was er zu sich nahm, aufs Spiel. Wahrscheinlich wäre er draufgegangen! Weil ohne das Zeug vermutlich so starke Entzugserscheinungen zu einem Totalausfall seines Körpers geführt hätten.
Trotz allem weiter machen
Niemand außer meinem Schwiegervater wusste, was bei uns los war. Unsere Freunde und Familienangehörige bekamen zwar mit, dass es meinem Mann öfters nicht gut ging. Doch alle dachten nur, das läge an seinen Blutdruckproblemen.
Einmal waren wir auf eine Mottoparty eingeladen. Natürlich fuhr ich mal wieder alleine mit unseren Kindern hin. Wir hatten zwar keine Lust, aber absagen wollten wir auch nicht. Nun ja, der Abend bereitete mir jedenfalls keinen Spaß. Jeder fragte nach meinem Mann und ich fühlte mich mies, da ich alles verheimlichte. Wenigstens wurden unsere Tochter und unser Sohn von anderen Kindern durch spielen abgelenkt. So hatten wenigstens sie etwas Spaß.
Leider wurden wir immer unglücklicher, fanden aber auch keinen Ausweg aus unserer Situation. Außerdem suchten wir seit einiger Zeit psychologische Hilfe, bekamen jedoch keine, da wir mindestens ein halbes Jahr warten mussten. Doch einer Frau bin ich sehr dankbar, weil sie versuchte, uns zu helfen, obwohl sie mit solchen Fällen wie unserem nichts zu tun hatte. Es handelte sich dabei um eine Psychologin, die wir seit einer Weile kannten, da sie unsere Tochter einmal auf ADS getestet hatte. Wir waren überglücklich, dass sie sich für uns Zeit nahm, mit uns über alles sprach und uns Tipps gab. Insgesamt unterhielten die Kinder und ich uns dreimal mit der Frau. Zu Hause versuchten wir, ihre Ratschläge mit meinem Mann umzusetzen. Doch leider ließ er sich zu nichts bewegen. Entweder war er mal wieder krank oder er fühlte sich nicht gut. Irgendwann gab ich einfach auf und lebte nur noch für unsere Kinder weiter. Der absolute Oberhammer aber war, dass mein Schwiegervater mir die Schuld für all das gab. Außerdem war er der Meinung, ich hätte nicht genug getan, um meinen Mann dazu zu bringen, etwas im Garten oder Haus zu helfen. Diese Aussage machte mich richtig sauer! Und da er mir nicht helfend zur Seite stand, betitelte ich ihn einmal in all meiner Wut als Arschloch (was unserem weiteren Kontakt jedoch nicht schadete). Immerhin tat ich wirklich einiges, um meinen Mann zu animieren, mitzuhelfen. Da sich mein Mann durch mich oft provoziert fühlte und es häufig zu Streit kam, sagte ich irgendwann nichts mehr zu ihm und nahm alles hin, wie es war.
Doch eines wollte ich wenigstens noch erreichen, bevor alles den Bach runterging. Dies betraf meinen Geburtstag. In diesem Jahr wurden mein Mann und ich vierzig. Deshalb beschlossen wir, an meinem Geburtstag gemeinsam zu feiern und alle einzuladen. Ich überlegte hin und her, ob ich die Einladungskarten absenden sollte oder nicht. Es war nicht einfach, aber irgendwann entschied ich mich, sie abzuschicken. Ich plante noch alles und wir reservierten sogar einen Raum. Doch leider spitzte sich die Lage zwischen mir und meinem Mann drastisch zu. Mittlerweile sah ich ihn einmal pro Woche mit diesen Zuckungen.
Einmal kam ich freudestrahlend vom Arzt zurück und er stand bei geöffneter Haustür im Gang. Zunächst war er nicht ansprechbar. Seine Augen waren weit, mit leerem Blick geöffnet und sein Körper zuckte hin und wieder. Es war, als schliefe er mit offenen Augen. Ich hatte das Gefühl, einem Zombie gegenüberzustehen. Und als ich meinen Mann so sah, flippte ich total aus. Ich drehte völlig durch, schrie herum, schlug und trat ihn. Meine Nerven lagen blank. Doch von ihm kam keine Reaktion. Irgendwann ging er dann ins Bett und ich beruhigte mich langsam wieder. Ich fühlte mich irgendwie befangen und wusste nicht, was ich noch tun sollte.
Ein weiteres Mal fuhr ich mit unserem Sohn weg und ließ unsere Tochter zu Hause, damit sie ihr Zimmer aufräumen konnte. An diesem Tag hatte mein Mann Nachtschicht und wollte sich vorher noch hinlegen. Doch bevor er dies tat, zeigte er unserer Tochter noch etwas auf unserem DVD Player. Währenddessen bekam er dann wieder einen dieser Aussetzer und ließ die Fernbedienung fallen. Dadurch bekam unsere Tochter furchtbare Angst und schaltete daraufhin das Fernsehgerät ab. Sogleich versuchte sie mich anzurufen. Jedoch war ich, bedingt durch mein abgeschaltetes Handy, nicht erreichbar. Deshalb ging sie nach draußen und traute sich nicht wieder ins Haus. Selbst als sich ein dringendes Bedürfnis ankündigte, mied unsere Tochter, es zu betreten. Als ich mit unserem Sohn nach Hause kam, fanden wir sie total verstört im Hof vor. Ich fragte sie, was los sei, und nachdem sie uns alles erzählt hatte, gingen wir gemeinsam ins Haus. Doch mein Mann war mittlerweile ins Bett gegangen und als er später aufstand, verhielt er sich, als wäre nichts gewesen. Da er nichts mehr von dem Vorgefallenen wusste, stritt er dies sogar ab. Wir waren alle drei enttäuscht und sauer über sein Verhalten, doch er verstand einfach nicht, wie wir uns fühlten. Obwohl ich ihm immer wieder die kalte Schulter zeigte.
Einige Tage später fand in unserem Ort ein Kerweumzug statt und der Freund unserer Tochter kam zu Besuch. Auch an diesem Tag nahm mein Mann wieder von dem GBL. Er schaffte es zwar beim Umzug zuzusehen, doch gleich danach verschwand er wieder ins Haus. Ich folgte ihm und während die Kinder draußen waren, stellte ich ihn zur Rede. Da er wieder alles leugnete, zog ich meinen Ehering aus und sagte zu meinem Mann: „Zwischen uns ist alles kaputt und so möchte ich nicht mehr weiterleben. Deshalb trenne ich mich von dir.“ Kurz darauf bemerkte ich, dass er noch eine Dosis von dem Zeug genommen hatte.
Durch meine Aktion wollte ich nicht erreichen, dass er noch mehr nahm, sondern dass mein Mann endlich mal einsah, sich helfen zu lassen.
Nun wollte er wieder ins Bett. Doch dies ließ ich nicht zu. Ich war rasend vor Wut und wollte ihn nicht wie die ganzen anderen Male seinen Rausch ausschlafen lassen. Zunächst schrie ich meinen Mann nur an und beschimpfte ihn übelst. Wenn er weglief, ging ich hinterher. Irgendwann schlug ich nur noch auf ihn ein und würgte ihn. Am liebsten hätte ich ihn wachgerüttelt. Doch weil alles nichts half, war ich vor Verzweiflung kurz davor, ihn umzubringen. Leider bekam unser Sohn diese Szene mit, weil er währenddessen nach Hause kam. Er schrie: „Mama hör auf!“ und wollte Hilfe rufend das Haus verlassen. Daraufhin sperrte ich meinen Mann ins Bad und ging mit unserem Sohn nach draußen, wo auch unsere Tochter mit ihrem Freund war. Innerlich war ich total unruhig und besorgt, dass jemand etwas mitbekam. Doch nach außen ließ ich mir nichts anmerken. Weil mein Mann wegen der Droge seinen Körper nicht mehr unter Kontrolle hatte, ging ich zwischendurch immer wieder mal nach Hause, um zu sehen, ob er noch lebte. Einmal öffnete ich die Badtür, um mit meinem Mann zu reden. Da er aber noch nicht ansprechbar war, schloss ich ihn weiterhin ein. Diesmal wollte ich ihn spüren lassen, dass er seinen Rausch nicht wie sonst ausschlafen konnte.
