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"Anti"-Aging??? Wir wollen doch eigentlich alt werden - denken wir an die Alternative. Unser Motto heißt daher nicht Anti-Aging, sondern Well-Aging oder Healthy-Aging oder Happy-Aging (wenn wir schon nicht ohne Neudeutsch auskommen). Auf Altdeutsch: Was ist das Geheimnis eines langen, erfüllten Lebens? Haben wir uns die richtigen Ahnen ausgesucht? Oder spielt die Vererbung (Stichwort: Gene) gar nicht die Hauptrolle in der Langlebigkeit? Was ist das überhaupt: Alter, Altern? Eine Krankheit ist die Alterung nicht. Was dient (neben der ausgeglichenen Ernährung und regelmäßigen Bewegung) der Langlebigkeit? In dem Buch "DEM ALTER EIN SCHNIPPCHEN SCHLAGEN" finden die Leserinnen und Leser 12 Wegweiser zu den Verhaltensweisen und Lebensgewohnheiten für mehr Zukunft. Ist der Ur-Traum der Menschheit von der Unsterblichkeit und dem ewigen irdischen Leben ausgeträumt? (Noch nicht jedenfalls in der global führenden Zukunftsfabrik Silicon Valley in Kalifornien). In die Forschung, das Alter zu heilen bzw. die Lebenszeit zu "entfristen", wird viel Geld investiert. Kryonik: Einfrieren der Verstorbenen heute und Auftauen übermorgen oder überübermorgen, sobald es der Fortschritt erlaubt - Science Fiction pur? Hoffnung seriöser Medizinwissenschaftler: Telomerase, die die Verkürzung der Telomere (Chromosomenenden) verhindert und damit die Lebensspanne verlängert! Die Einstellungen zum Alter wandeln sich unaufhörlich seit der Steinzeit. Die "Altersbilder" schwanken je nach Epoche und Volk/Gesellschaft/Kultur zwischen Verehrung und Verachtung. Die Gerontologie (Lehre vom Alter und Altern) weiß nicht nur Bescheid über die einstige und jetzige Lebenserwartung. Sie glaubt sogar zu wissen, wie alt die Frauen und Männer werden, die erst 2030 geboren werden, ob in Deutschland, Südkorea oder Mazedonien... ALLES IN ALLEM IST DAS BUCH EINE GLOBALE "KLEINE KULTURGESCHICHTE" DES ALTER(N)S MIT VOLLEM WELL-AGING-PROGRAMM VON DOKTOR NATUR. Mit 137 Abbildungen, davon 18 farbigen.
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Seitenzahl: 238
Veröffentlichungsjahr: 2018
Mit 137 Abbildungen, davon 18 farbigen
https://tredition.de/autoren/ernst-stuermer-379/https://www.lovelybooks.de/autor/Ernst-Stürmer/
Die Sonnenblumeist ein Symbol der Lebenskraft
Ein Maul voll Schnaps?
„Jedn Tog a Trumm Speckck und a Mäu voi Schnaps“: Ein rüstiger hundertjähriger Tiroler Bergbauer, von einem Rundfunk-Reporter über das Geheimnis seiner Langlebigkeit befragt, mutmaßte kurzweg: „Jeden Tag ein großes Stück Speck und ein Maul voll Schnaps“. Der Hundertjährige durfte wohl nicht „wegen“, sondern „trotz“ seines Rezeptes seinen 100. Geburtstag in erstaunlicher Frische feiern.
Oder sollen wir dem Beispiel der Jamaikanerin Violet Brown folgen, die im Alter von 117 Jahren und 189 Tagen gestorben ist und fünf Monate vorher noch im Zeitungsinterview der Nachwelt ihr Spezialrezept preisgegeben hat: „Ich esse jeden Tag 3 Eier, 2 davon roh, und trinke keinen Rum“.
Ratschläge von Altersrekordlern sind wohl nicht sehr zuverlässig.
Rätsel Langlebigkeit. Erbt der Mensch das Talent zum langen Leben? Nach aktueller medizinischer Schulweisheit nur zu höchstens 30%. Ob wir unsere maximale Lebensspanne ausschöpfen oder verkürzen, hängt also zu 70% bis 80% von unserer Lebensweise und unseren Lebensbedingungen ab.
Was ist das Geheimnis des gesunden Altwerdens?
Thema Well-Aging:
> Unsterblichkeit, Ur-Traum der Menschheit, > Ewige Jugend und Verjüngung: Utopien und Experimente, > Was können wir von Steinzeitmenschen oder Naturvölkern lernen? > Junge Alterswissenschaft, > Die Altersbilder einst und jetzt, > Was ist Altern überhaupt? > Schlüsselfaktoren der Gesund- und Jungerhaltung, > Langlebigkeitskräuter, > Programme und Rezepte sowie Tipps und Tricks gegen vorzeitiges Altern, > Extrajahre durch Lebenskunst.
Ernst Stürmer
Dem Alterein Schnippchenschlagen
Thema Well-Aging
© 2018 Ernst Stürmer
Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg
Titelbild: Sujaykadam, Schlussbild: Mike H, Illustrationen : s. Bildquellen S. 312 ff.
ISBN
Paperback
978-3-7469-1264-6
Hardcover
978-3-7469-1265-3
e-Book
978-3-7469-1266-0
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Der Autor:
• Ernst Stürmer, geboren 1932 in Linz/Donau, studierte Geschichte und Romanistik in Graz, Wien und Paris und schloss 1958 seine Studien mit dem Doktorat der Philosophie ab.
• Beruflich als Journalist und Sachbuchautor vertiefte er sich in die traditionellen Kulturen, Heilkünste, Religionen und Weisheitslehren Asiens, Lateinamerikas und Afrikas.
• Von den zahlreichen Büchern, die er bisher publizierte, wurden 10 in Fremdsprachen übersetzt.
• Das vorliegende Buch über das Altern recherchierte und verfasste er als „Betroffener“. Er hat es in seinem 87. Lebensjahr in den Computer getippt.
Inhalt
I. Der Traum der Träume
Mythen, Sehnsüchte, Experimente und Utopien
1. Vertreibung aus dem Paradies
2. Magischer Zinnober
3. König der Schlangen
4. Vom Nil zum Tiber
5. Im Lebensbrunnen nochmals 20
6. Wer viel essen will, esse wenig
7. Wie alt wurde Thomas Parr?
8. Hundehoden oder Schafsföten
9. Ein Mammut auf den Teller?
10. Die fittesten Herzen
11. Tal der Unsterblichkeit
12. Die frostige Hoffnung
II. Die junge „Greis“-Forschung
Streifzüge durch die Gerontologie
13. Baden-Württemberg führt
14. Geburtsjahr 2030
15. Weisheit oder Verkalkung?
16. Der Senex als Steuermann
17. Bis zum Umfallen
18. Zurück in die Vorvergangenheit
19. Lebensgier und Todesbangen
20. Thronbesteigung der Vernunft
21. Fabrikanten und „Proleten“
22. Die „jungen Alten“
23. Ererbt oder erworben?
24. Die biologische Uhr
25. Altern ist keine Krankheit
III. Doktor Natur
Langlebigkeitskräuter
26. Kaiserwurzeln und Engelwurzeln
27. Pilze wie Winterwurm-Sommergras
28. Unkraut und edle Blätter
29. Mit Beeren-Kraft
30. Scharf auf Rinde
IV. Von Sonnengruß bis Nierenreflex
Programme gegen vorzeitiges Altern
31. Gruß an die Sonne
32. Den Himmel stützen
33. Atmen, nicht Luftschnappen
34. „O“, „u“, „tschui“
35. Von der Großquelle bis zur Talvereinigung
36. Der Mensch in der Hand
V. Hör nie auf anzufangen
Jungerhaltende Lebensweise
37. Lärm-Luft-Lebensstandard
38. Die drei Erzfeinde
39. Brauchen wir ab 60 einen Hund?
40. Heraus aus dem Getto
41. Selbst Regie führen
I
Der Traum der Träume
Mythen, Sehnsüchte, Experimente & Utopien
Vertreibung aus dem Paradies
1
Die älteste bekannte Dichtung der Menschheit ist das sumerisch-babylonische Gilgamesch-Epos, um 2000 vor Christus in Keilschrift auf Tontafeln gemeißelt. Wen wundert es, dass vor 4000 und mehr Jahren „Anti-Aging“ topaktuell war? Der sagenumwobene Titelheld Gilgamesch (2750-2600 v. Chr.), König von Uruk, suchte rastlos nach ewiger Jugend.
Keilschrift-Tafel des Gilgamesch-Epos im Britischen Museum
Gilgamesch, von Todesfurcht geplagt, reist unter unsäglichen Strapazen bis ans Ende der Welt jenseits der Gewässer des Todes, um dem Helden und Weisen Uta-Napišti das Geheimnis der Unsterblichkeit zu entlocken. Uta-Napišti verrät es dem König: Im Meer befindet sich ein stacheliges Gewächs, das ewige Jugend verleiht.
Der kühne Gilgamesch taucht auf den Grund des Meeres und bringt das Kraut des ewigen Lebens aus der unheimlichen Tiefe ans Land. „Ich will’s bringen nach Uruk, es dort zu essen geben und dadurch das Gewächs erproben! / Sein Name ist >Jung wird der Mensch als Greis<; / Ich will davon essen, dass mir wiederkehre die Jugend.“
Als der König auf der Heimreise an einem Brunnen rastet und badet, ereilt ihn das Unheil. Ein Moment der Unachtsamkeit genügt, und eine Schlange stiehlt und frisst das wundersame Verjüngungskraut. Gescheitert in seinem Bemühen um ewige Jugendlichkeit, kehrt er verzweifelt nach Uruk zurück und unterwirft sich dem irdischen Los der Sterblichkeit.
Der Genuss ewigen irdischen Lebens ist der Traum der Träume von Anbeginn, seit Adam und Eva.
Der Garten Eden
Eigentlich fing alles gut an, Adam und Eva sollten gar nicht alt werden. Sie sollten nicht leiden und sterben müssen, sondern ewig leben. Dem leiblichen Tod verfallen ist der Mensch erst durch die Ursünde („Erbsünde“) der Stammeltern, die im Paradies Gott nicht gehorchten. Schon im Buch Genesis des Alten Testaments hat Gott Adam den Tod angedroht: „Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben“ (Genesis 2: 16-17).
So wurden die Menschen laut Altem Testament durch den Sündenfall zur Strafe dem Tod unterworfen. In der Kirche haben namentlich der Apostel Paulus und der Kirchenlehrer Augustinus den Zusammenhang zwischen Erbsünde und Sterblichkeit des Menschen betont.
Der Baum des Lebens im Paradies hingegen war ein Lebensspender. Hätten die Stammeltern davon gegessen, wären sie und wir unsterblich geworden (Genesis 3: 22).
So kam der Tod über die Menschen: Adam & Evakosten verbotenerweise vom Baum der Erkenntnis
Kurzum: Leid, Alter, Tod: Folge menschlichen Versagens, „Sold der Sünde“ im Garten Eden?
Immerhin wurde Adam — laut Bibelbericht (Genesis 5) — nicht weniger als 930 Jahre alt. Ein wahrhaft „biblisches Alter“. Sein Sohn Set starb mit 912 Jahren und dessen Sohn Enosch — also Adams Enkel — mit 905 Jahren. Adams Urenkel Kenan wurde 910 Jahre alt, der Ururenkel Mahalalel bloß 895 Jahre…
Den biblischen Altersrekord stellte aber Methusalem auf, der Ururururenkel Adams: er brachte es auf 969 (!) Lebensjahre. Besonders langlebige Menschen werden seither „Methusalems“ genannt.
Jungfrau aus Schunem
Israels mächtigster König, David, litt hochbetagt an körperlicher und geistiger Schwäche. Selbst wenn er warm angezogen und in Decken gehüllt war, fror er.
Seine Berater besorgten ihrem senilen und schlotternden Herrn ein Heilmittel zur Verjüngung: eine Männermedizin. Sie suchten im ganzen Land Israel nach der schönsten Jungfrau und fanden sie endlich: Abischag aus dem Dorf Schunem nördlich von Jerusalem. Sie sollte den schlaffen König „anwärmen“, umsorgen und in seinen Armen schlafen.
Rainer Maria Rilke „malte!“ die Szene in einem Gedicht:
„Sie lag. Und ihre Kindesarme waren
von Dienern um den Welkenden gebunden,
auf dem sie lag die süßen langen Stunden,
ein wenig bang vor seinen vielen Jahren.“
Im Fall des Königs David, einem Frauenhelden in besseren Tagen, hat das zwar nichts mehr genützt — der Tod hatte ihn schon im Auge —, aber das Rezept der ältesten Testosterontherapie machte Schule. Die Therapie gegen männliche Altersschwäche wird „Sunamitismus“ genannt. (Das Wort ist abgeleitet von Schunemitin, der Jungfrau aus Schunem).
König David wird von der Jungfrau Abischagangewärmt:„Sunamitismus“ gegen männliche Erschlaffung —die älteste Testosterontherapie
Thomas Sydenham
Herman Boerhaave
Der Sunamitismus wurde im Mittelalter, in der Renaissance und noch im 17. und 18. Jahrhundert gepflegt und empfohlen. Medizinische Gelehrte wie der Engländer Thomas Sydenham (1624-1689) und der Niederländer Herman Boerhaave (1668-1738) z.B. propagierten die Therapie noch.
Dabei legt sich der alternde Klient zu einem geschlechtsreifen jungfräulichen Mädchen ins Bett, ohne mit der Maid Geschlechtsverkehr zu haben. Allein die „Ausdünstung“ gilt als verjüngend. Jungfräulichkeit der Bettgenossin war Bedingung für die Wirkung gegen die nachlassende Potenz, denn mit der Defloration entschwindet die verjüngende Magie der „Schunemitin“.
Magischer Zinnober
2
„Als die Götter die Menschen schufen, teilten sie den Menschen den Tod zu, das ewige Leben behielten sie für sich selbst“, hatte im dritten Jahrtausend vor Christus König Gilgamesch im Zweistromland geklagt. Er sprach für die Sterblichen aller Zonen und Zeiten.
Alter und Tod zu überlisten und zu besiegen ersehnten und erstrebten also die Menschen seit je, wie die Mythen der Völker und Kulturen global bezeugen.
Nirgendwo gibt es so viele Menschen, die es geschafft haben, ihr irdisches Leben zu verewigen, wie in der Mythologie Chinas. Die chinesischen Unsterblichen — Xian — führen ein nie endendes glückliches Leben in fernen Gefilden der Seligkeit, etwa im Paradies des Kunlun-Gebirges oder der Penglai-Insel.
Der Daoismus, Chinas eigene Religion, ist in seiner magischen Variante überhaupt nichts anderes als ein Unsterblichkeitskult, bemüht, das „Lebenselixier“ zur Erlangung der Unsterblichkeit ausfindig zu machen.
Zwei Wege führen im Daoismus zur Unsterblichkeit: die Mystik und die Magie: der „innere Zinnober“ (Neidan) sowie der „äußere Zinnober“ (Waidan).
> Die Mystik erstrebt durch Meditation und Imagination das spirituelle Einswerden mit dem Weltengrund, dem uranfänglichen Sein, der höchsten Wirklichkeit, dem alldurchdringenden Prinzip, kurz: dem Absoluten — in China „Dao“ genannt.
„Das Dao, das sich mit Worten beschreiben lässt, ist nicht das wahre Dao“, sprach Laozi, der Schöpfer des Daoismus.
Die Mystiker vertrauten also auf Erleuchtungstechniken.
> Die Magie ist indessen bestrebt, im Labor aus Mineralien, Metallen, Pflanzen oder Pilzen einen Stoff herzustellen, der eine „zeitlose beseligende Existenz“ bewirkt. Den Hauptbestandteil des Unsterblichkeitselixiers glaubten die daoistischen Alchimisten im Zinnober (chemisch ein Quecksilbersulfid) gefunden zu haben. Zinnober, dachten sie, vermag den menschlichen Körper ständig zu erneuern.
Der aus Quecksilber und Schwefel hergestellte „äußere Zinnober“ war freilich in der Praxis häufig nicht Lebenselixier, sondern Todesbringer, wenn eine Überdosis des hochgiftigen Gemischs eingenommen wurde.
Schon Chinas erster Kaiser, Qin Shihuangdi (reg. 247-210 v.Chr.), der sich aus Todespanik Schamanen und Alchimisten anvertraute, erlitt durch den Konsum der Unsterblichkeitsmedizin eine chronische Quecksilbervergiftung, die seinen geistigen und körperlichen Verfall verursachte.
Im 7. Jahrhundert starben 5 Kaiser durch daoistische Lebenselixiere, die eigentlich den Tod besiegen sollten.
Doch Kaiser, Weise, Ärzte und Mönche wurden nicht müde, nach der Wunderdroge zu trachten, die dem Tod vorbeugt. Durch Enträtselung der Naturgeheimnisse unsterblich zu werden, blieb das Ziel.
Rezepte für die Unsterblichkeit bzw. unverwundbare ewige Jugend wurden im volkstümlichen Daoismus viele erprobt, eingebettet in liturgische Rituale. Sie reichten von Fasten bis zu sexuellen Praktiken. Atemtechniken spielten eine besondere Rolle. Zum Beispiel glaubten die Dao-Magier die Energie des Universums in sich aufnehmen zu können: durch Einatmung der Essenz des Vollmondes.
Chinas erster Kaiser Qin Shihuangdi
120, 240 und sogar 480 Jahre
Pengzu, Chinas Methusalem, wurde 800 Jahre alt. Nach dem himmlischen Paradies gelüstete ihn zeitlebens nicht, er wollte die Freuden des Erdenparadieses auskosten, z.B. die leiblichen Freuden der Liebe und des schmackhaften Essens. Er war im Lauf seines Lebens mit über 100 Frauen verheiratet und soll 800 Kinder gezeugt haben.
Seiner Ernährung und seiner Sexualtherapie wurde die Langlebigkeit Pengzus zugeschrieben. Er beherrschte z. B. die Koitus-Kunst, die weibliche Energie (Yin) in den männlichen Körper zu ziehen, um die männliche Energie (Yang) zu ergänzen.
Laut einer Lebensbeschreibung erklärte Pengzu*, um sich als Langlebiger von den (echten) Unsterblichen abzugrenzen: “Wer wie ich nur in das Dao eingehen will, isst süße, wohlschmeckende Speisen, kleidet sich in leichte hübsche Gewänder, lässt seine sexuellen Begierden zu ihrem Recht kommen und übernimmt auch Beamten- und Ehrenstellungen. Seine Knochen sind hart und fest, sein Gesicht zufrieden und gesund. Er altert, ohne hinfällig zu werden, verlängert, immerwährend gegenwärtig, seine Jahre und erfreut sich so eines ausgedehnten Lebens in der menschlichen Gesellschaft. Kälte und Wärme, Wind und Nebel können ihm nicht schaden, Gespenster und Spukerscheinungen wagen sich nicht an ihn heran, die fünf Waffen und die hundert Insekten vermögen ihm nichts anzuhaben, Missfallen und Gefallen, Anschwärzung und Lob, berühren ihn nicht.“
Generell beschreibt er den Weg zu langem Leben wie folgt: „Der Mensch erreicht mit seiner Lebenskraft, selbst wenn er keinerlei magische Mittel kennt, bei richtiger Pflege regelmäßig ein Alter von 120 Jahren, wenn nicht, dann hat er sie mutwillig verletzt. Besitzt er auch nur die geringste Ahnung vom Dao, so kann er 240 Jahre alt werden und, wenn er etwas mehr weiß, 480 Jahre. Und wenn er gar seine Geisteskräfte voll ausschöpft, braucht er überhaupt nicht zu sterben — nur ist er deshalb noch kein Unsterblicher“.
Worin besteht nach Pengzu die Pflege des langen Lebens? „Ganz einfach darin, das Leben bei keiner Gelegenheit zu verletzen. Im Winter fühlt man sich warm, im Sommer kühl und verfehlt nicht die den Vier Jahreszeiten innewohnende Harmonie: So passt man seinen Körper an. Im dunklen Gemach hat man seine Freude an den Frauen, dann verirrt man sich nicht in rastlosen Begehrlichkeiten. So lässt man seiner Lebenskraft freien Lauf. Bei Wagen und Amtsgewändern, bei Macht und Einfluss weiß man, wo es genug ist und hat keine Wünsche darüber hinaus: so sammelt man seinen Willen.“
Berechtigte Neigungen entfalten, Gehemmtheiten lösen, Übermaß vermeiden — so vermehrt der Mensch seine Jahre.
Die populären Klassiker
Chinas populärste Unsterbliche sind die sogenannten „Acht Unsterblichen“ (Baxian). Dazu zählen:
• Zhang Guolao war ein alter Bauer im frühen 7. Jahrhundert: als er mit seinem Esel auf dem Weg zum Markt war, drang aus einem Tempel ein betörender Duft. Er betrat den Tempel und entdeckte eine wohlriechende Mahlzeit, die er zusammen mit seinem Esel verschlang.
Die Folge: die von einem Alchimisten bereitete Zaubermahlzeit machte Zhang Guolao und sein Maultier unsterblich. Daraufhin konnte er, mit dem Gesicht nach hinten auf seinem weißen Esel reitend, tausende Meilen in ein paar Augenblicken zurücklegen.
Er ist der Schutzheilige der alten Leute und er bringt Kindersegen.
• Han Xiangzi war Einsiedler und Musiker im frühen 9. Jahrhundert. Er erlangte seine Unsterblichkeit durch Meditation — oder doch auf wunderbare Weise? Eine Legende berichtet, dass er auf einen magischen Pfirsichbaum kletterte, auf dem die Unsterblichkeitspfirsiche reifen. Nachdem er versehentlich vom Baum gefallen war, wurde er unsterblich.
Flötist Han Xiangzi: einer der Acht Unsterblichen
Er wird mit einer Flöte dargestellt und ist der Schutzpatron der Musiker.
• He Xiangu wurde unsterblich aufgrund ihrer Freigebigkeit und Askese.
Eine Legende will es besser wissen: Als He Xiangu 14 war, nahm sie das Yunmu-Pulver ein, eine daoistische Wundermedizin, die einen leichten Körper verleiht und Unsterblichkeit bewirkt.
Eine dritte Version: Sie wurde von einem Dämon angefallen und von einem klassischen Unsterblichen — Lü Dongbin — gerettet, der sie in den Kreis der 8 Unsterblichen aufnahm. Während sie Reis kochte, erlöste er sie. Den Kochlöffel noch in der Hand, stieg sie in die Lüfte.
• Lü Dongbin, der Wundertäter mit dem dämonentötenden Schwert, lernte im Alter von 64 Jahren die magischen Künste bei Han Zhongli, der mit seinem magischen Zauberfächer Verstorbene wieder zum Leben erwecken konnte. Seine Unsterblichkeit erlangte Lü Dongbin, als er den Berg Lu bestieg und dort einem Drachen begegnete, der ihm ein magisches Schwert schenkte. Mit Hilfe des Schwertes konnte er in den Himmel steigen.
Den Pfirsich zu essen vergessen?
Wunder über Wunder — dank der übernatürlichen Fähigkeiten der Unsterblichen.
Wohin sind Chinas Unsterbliche entschwunden? Die einen haben sich vielleicht unsichtbar in die Tempel des Volksdaoismus zurückgezogen, um als Nothelfer für die gläubigen Bittsteller zu agieren. Die anderen sind vielleicht sogar schon gestorben, weil sie es versäumt haben, den Pfirsich zu essen, der nur alle 3000 Jahre reift und den die Unsterblichen verspeisen müssen, um ihre Unsterblichkeit zu erneuern.
* s. Wolfgang Bauer: „China und die Hoffnung auf Glück“, dtv
König der Schlangen
3
In Indien mit seiner unaufhörlichen spirituellen Tradition lebt seit je der Glaube, dass es Heilige, Rishis (Weise), Yogis und Mahatmas („Große Seelen“) gab und gibt, die in das Geheimnis der Selbstheilung und Langlebigkeit eingedrungen sind. Sie erneuern und steigern ihre Lebenskraft durch Meditation, Atembeherrschung (Pranayama) und Askese, so dass sie mehrere hundert Jahre in voller Vitalität auf Erden leben.
Ein markantes Beispiel: Babaji, dessen Geschichte spätestens seit 1946 sogar im Westen kursiert.
Babaji ist mittlerweile 1815 Jahre jung, jung deshalb, weil er nach wie vor das Aussehen eines Sechzehnjährigen hat. Und er existiert im Himalaya auf dem Dach der Welt.
Kenntnis davon erhielten Amerika und Europa durch Yogananda (1893-1952). Paramahansa (= „Höchster Schwan“, Ehrentitel) Yogananda, der sich in den 1920er Jahren in den USA niedergelassen hatte, um den Kriya-Yoga* zu verbreiten, veröffentlichte 1946 die „Autobiographie eines Yogi“, weltweit ein Bestseller und Yoga-Klassiker. Das Buch machte Yogananda in den 1950er und 1960er Jahren zu einer Ikone der Hippie-Bewegung.
Durch Yoganandas Autobiographie eines Yogis erfuhr der Westen erstmals von Babaji (Babadschi), dem bald 2000jährigen Jüngling.
Jüngling im Alter von 1815 Jahren: Babaji
Geboren wurde Babaji (= „Hochverehrter Vater“) am 30. November des Jahres 203 n.Chr. als Sohn eines Brahmanen-Priesters in einem Küstendorf in Südindien (Tamil Nadu). Seine Eltern nannten ihn Nagaraj (Schlangenkönig).
Mit 5 Jahren wurde Nagaraj alias Babaji von einem Menschenhändler entführt, der ihn als Sklaven an einen reichen Mann verkaufte. Nachdem er eines Tages freigelassen wurde, schloss er sich Wandermönchen an, bis er dem legendären Siddhi Agastyar begegnete, der sein Lehrer wurde.
In einer Himalayahöhle erlebte Babaji das Göttliche. Der in seinen Körper herabgestiegene Gott machte ihn unstörbar und unsterblich. Der nicht mehr dem Leid und dem Tod unterworfene Babaji erhielt die Bestimmung, im Verborgenen und Stillen der Erde und der leidenden Menschheit bei ihrer spirituellen Entwicklung beizustehen und von ihm selbst ausgewählte Menschen in Kriya-Yoga einzuweihen.
Die menschlichen Begrenzungen hat er überwunden. Er kann sich neugierigen Blicken entziehen und seinen Körper nach Belieben auflösen und wieder manifestieren.
Yogananda selbst will Babaji in grobstofflicher Form getroffen haben. Noch andere Personen berichten, dass sie mit Babaji kommuniziert haben, z.B. der Guru von Yogananda (Yukteswar Giri) und der Guru des Gurus von Yogananda (Lahiri Mahasaya).
Zur Einweihung von Lahiri Mahasaya in den Kriya-Yoga im Herbst 1861 materialisierte der todlose Babaji zwischen Himalaya-Gipfeln aus dem Nichts einen prächtigen Palast aus schimmerndem Gold. Der Palast war geschmückt mit unzähligen Juwelen, Perlen, Saphiren und Smaragden und erfüllt vom Geruch von Weihrauch und Rosen.
Ein Tagtraum? Auf keinen Fall, erwiderte Lahiri den zweifelnden Freunden und Bekannten, denen er zu Hause das Erlebnis erzählt hatte.
Noch im Oktober 1999 traf ein Jünger, M. Govindan, im Himalaya an der Quelle des Alaknanda, eines Quellflusses des heiligen Ganges, Babaji als „strahlenden Jüngling mit kupferfarbenem Haar. Er trug ein einfaches Hüfttuch und erlaubte Govindan seine Füße zu berühren“.
Unglaublich, welch üppige Bilder die Phantasie erschafft, wenn sich der Mensch die ewige Jugend ausmalt.
* Kriya-Yoga, ebenso „Yoga der Tat“ oder „aktiver Yoga“ genannt, ist eine psychophysiologische Technik, die primär auf Atemmeisterung (Pranayama) basiert. Yogananda bezeichnete den Kriya-Yoga als „Schnellstraße zu Gott“.
Im Lebensbrunnen nochmals 20
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Im abendländischen Mittelalter glaubten die gebrechlichen Alten mehr an göttliche Wunder als an ärztliche Künste. Das belebte die Hoffnung, den Körper in Heilwasser zu verjüngen. Die mittelalterlichen Menschen in unserem Kulturkreis träumten also vom Jungbrunnen.
