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3 Freunde aus dem Nordwesten Deutschlands machen sich im April 2012 auf den Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Weil der Weg, wie die Spanier sagen, vor der Haustür beginnt und nur begrenzt Urlaub zur Verfügung steht, fahren sie mit dem Rad. So lange Zeit zusammen zu verbringen erfordert eine gute Freundschaft. Und sie ist gut. Navigiert wird mit Smartphone - App und freien Karten aus dem Internet. Die Routen kommen ebenfalls aus dem Internet von einer Radsportgruppe, die im Rentenalter den Weg gefahren sind. Wenn die das geschafft haben...
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Seitenzahl: 254
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Biene – Santiago de Compostella
21. April 2012 – 24. Mai 2012
mit
Dietmar (Timo)
Siegfried (Siggi)
und
Jürgen
Den Jakobsweg erfahren
Jürgen Frömmert
Copyright: © 2013 Jürgen Frömmert
published by: epubli GmbH, Berlin
www.epubli.de
ISBN 978-3-8442-5155-5
Was treibt einen normalen Menschen dazu, sich für fünf Wochen eine Auszeit von Familie und Beruf zu nehmen und auf dem Fahrrad einmal quer durch Europa auf historischen Pilgerwegen zu fahren?
Klar sagt man, dass müssen Lebenskrisen, religiöse oder sonstige schwerwiegende Gründe sein, die eine lange Auszeit erfordern. Das scheint bei uns dreien anders zu sein.
Das Thema Jakobsweg wird für mich erst dadurch präsent, als mich mein Bruder Bernd Weihnachten 2009 fragt, ob mein Bruder Klaus und ich mit ihm gemeinsam den Weg gehen möchten. Ich hatte zuvor zwar schon mal von dem „Ich bin dann mal weg“ - Buch gehört, aber nicht gelesen. Ich bin sehr skeptisch, denn zu Fuß eine große Strecke gehen, dass ist eher nicht mein Ding und überhaupt.
Bernd will mir die Sache noch dadurch schmackhaft machen, dass man nicht den kompletten Weg, sondern nur einen Teil gehen bräuchte, aber vergeblich.
Auf Mallorca, beim Tresengespräch im Jahr darauf, höre ich erneut das Thema Jakobsweg. Der ist für mich das Sinnbild für „weit laufen“. Hier erfahre ich, dass man den auch mit dem Rad fahren kann. Wieder zu Hause angekommen, surfe ich im Internet auf Jakobs Wegen. Nach etlichen Stunden erreiche ich die Seite eines Angehörigen des Bocholter Radsportclubs. Die sind im Alter von über 60 Jahren den Weg gefahren. Wenn die das in dem Alter geschafft haben, dann kann man das bestimmt locker hinbekommen. Die Idee Jakobsweg wird für mich interessanter.
Beim nächsten Weihnachtsfest frage nun ich meine Brüder, ob sie mit mir mit dem Rad den Weg fahren wollen. Ich ernte genau wie Bernd im Jahr zuvor keine Zustimmung. Als ich meinen Schwager Timo frage, sieht die Sache schon anders aus. Er ist sofort Feuer und Flamme. Mit Timo habe ich schon eine verrückte Sache gemacht:
Ich wollte mit ihm per Fahrrad zu meinem Boot nach Lübeck fahren. Das ist von uns aus etwa 320 km entfernt. Als wir das im Mai 2005 im Kreise unserer Clique bei einem Umtrunk erzählen, ernten wir ungläubiges Gelächter. „Das schafft ihr nie!“ klingt es noch heute in meinen Ohren. Timo lässt sich durch diese Wortbeiträge dazu hinreißen, dass wir die Strecke binnen 24 Stunden fahren werden. Es wird kurz ruhig, besonders in mir und dann werden so viel Wetteinsätze gegen unsere Tour verkündet, dass wir aus der Nummer nicht mehr heraus kommen. Alle Radsportler, die wir kennen, werden befragt und bis auf einen antworten alle, dass dies nicht zu schaffen sei. Das ist ein älterer Berufskollege von mir. Er sagt, dass wir das schaffen werden, weil wir es wollen. Das ist der erste Tropfen Zuversicht. Ein anderer Kollege, der Radrennen fährt, gibt mir den Tipp, schon im Herbst mit dem Training zu beginnen. Ich bekomme ein Rennrad von ihm geliehen und dann geht es los. Zunächst noch draußen und dann im Winter indoor auf Spinning – Rädern. Erst kurz und dann immer längere Zeiten. Zum Schluss sind es vier Stunden am Stück. Als die Trainingstour im April 2006 nach Ahlhorn zum Spargelessen und zurück klappt (165 km), ist uns klar, dass wir es packen werden.
Die Tour nach Lübeck im Mai des gleichen Jahres schaffen wir letztlich mit vier großen Pausen in 20 Stunden.
Danach haben wir immer wieder gesagt, mit dem Rad noch einmal eine große Tour zu machen, Nordkap, Südspanien, Heidelberg (warum eigentlich Heidelberg?). Nordkap erscheint mit zu kalt, Südspanien zu heiß und Heidelberg? Echt keine Ahnung. Irgendwie kommen wir aber nicht so richtig in die Hufe.
Zu uns möchte sich noch unser gemeinsamen Freund Siggi gesellen. Wir sind begeistert und versuchen, noch mehr von unseren Freunden mit dem Virus Jakobsweg“ anzustecken. Die winken aber lieber ab. Als nächsten Schritt bei den Vorbereitungen fragen wir bei unseren Arbeitsstellen vorsichtig nach, ob wir im April / Mai 2012 für fünf Wochen frei mit Urlaub oder Überstunden am Stück bekommen. Als die Arbeitgeber den Grund für die lange Auszeit hören, ist das zu unserer Überraschung kein Problem. Unsere Ehefrauen sind auch mehr oder weniger schnell „begeistert“. So wird dem „Unternehmen“ Jakobsweg im Januar 2011 endgültig grünes Licht gegeben.
Eine Radtour um den Bodensee im August des gleichen Jahres wird von uns schon als Test angesehen (werden Radlersachen, die man abends wäscht bis zum nächsten Morgen trocken?). Alle Radler, die wir unterwegs treffen und denen wir von unserem Vorhaben erzählen, machen uns Mut. So steigert sich unsere Vorfreude.
Im Herbst, nach der Mallorca – Fahrt, buchen wir schon mal die Rückflüge für uns und unsere Fahrräder und beantragen die Mitgliedschaft im Deutschen Jugendherbergswerk. Die Mitgliedschaft berechtigt auch zur Benutzung außerdeutscher Jugendherbergen. So werden wir die Kosten so gering wie möglich halten. Im Januar kaufen wir uns bei einem örtlichen Fahrradhändler, nach dessen fachkundiger Beratung, Mountainbikes. Der Inhaber des Geschäfts ist selbst schon auf vielen Kontinenten auf zwei Rädern unterwegs gewesen und weiß genau wovon er redet. Beim weiteren Surfen im Internet werde ich auf den Freundeskreis für Pilger und Pilgerinteressierte, den Jakobus Münster, aufmerksam. Die halten im Februar eine Infoveranstaltung zu diesem Thema ab. Da wollen wir, natürlich mit dem Rad, hin. Ein Fahrradroutenplaner aus dem Internet (www.naviki.com) arbeitet uns eine fahrradfreundliche Strecke aus. Die Route wird auf meinem Handy, einem HTC Smartphone mit GPS, gespeichert und mit dem Programm (App) „Oruxmaps“ soll, wie nachher auch auf dem Jakobsweg, navigiert werden. Die benötigte Karte wird aus dem Internet (www.openstreetmap.de) heruntergeladen. Das funktioniert gut und schont das Portemonnaie. Nach und nach werden die weiteren Karten für den gesamten Jakobsweg in langen Sitzungen (zumindest für das Laptop) erst auf die Festplatte und dann auf das Mobiltelefon übertragen. Es ist sogar möglich, die Strecke am PC abzufahren. So macht sich Vorfreude breit. Eine Textdatei mit sämtlichen Pilgerherbergen in Spanien, sowie das Gesamtverzeichnis der Jugendherbergen von den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Spanien und das Flugticket als PDF – Formular findet darauf auch noch Platz. So haben wir alle wichtigen Dokumente beisammen.
Bei eisigen Temperaturen geht es im Februar in aller Herrgottsfrühe auf den Weg nach Münster. Die Vorträge sind für uns eher nicht so interessant. Ein Dozent, der sich nach Wanderungen auf mehreren deutschen Jakobswegen entschlossen hat, nur noch halbtags zu arbeiten, macht uns etwas Angst. Er grinst unaufhörlich und scheint etwas verpeilt zu sein. Der Vortrag eines Ehepaares, das eine Radtour nach Südfrankreich plant und später vielleicht einmal auf dem Jakobsweg fahren möchten, ist auch nicht der Burner. Da sind unsere Planungen schon konkreter.
Abends wieder mit dem Rad zurück nach Hause zu Fahren kommt für uns nicht in die Tüte. Darum habe ich vorher am PC nach einer passenden Übernachtungsmöglichkeit gesucht und auch gefunden. Nach einem Pilgerseminar schläft man standesgemäß natürlich in einem Pilgerhotel. Von den Arnsteiner Patres in Münster werden einige Zimmer für günstiges Geld an Pilger vermietet.
Am nächsten Morgen haben wir Gelegenheit, am Gebet in der kleinen Kapelle teilzunehmen. So ist der vorbetende Pater froh, zum Gebet nicht allein zu sein. Ein Priesteranwärter aus Mexiko, der für die Zubereitung des Frühstücks zuständig ist, hat verschlafen. Das scheint ihm ziemlich peinlich zu sein. Wir beschwichtigen und helfen ihm bei dem Eindecken des Tisches. Mit vielen Händen geht das schneller. Anschließend nehmen wir gemeinsam das Frühstück ein. Am Tisch werden wir über unser Vorhaben mit Fragen förmlich gelöchert. In aller Ausführlichkeit werden diese von uns beantwortet. Die Zimmer sind mit dem Frühstück für 5 € zu haben, wenn man es sich leisten kann. Wir sind natürlich finanziell in der Lage und geben gerne. Anschließend bekommen wir den ersten, einen sehr schönen, Stempel in unsere Pilgerpässe. Der Pater ist davon überzeugt, dass wir drei es bis Santiago schaffen und wir bieten an, ihn mit zu nehmen. Er sagt, dass er sehr gerne mitfahren wolle, sein Herz jedoch eine solch lange Pilgerfahrt nicht mehr mitmachen würde und wünscht uns einen „Buen Camino“. Er ist so um die 80 aber zumindest geistig unwahrscheinlich gut drauf. So bleibt es beim Dreiergestirn.
Im Anschluss machen Timo und ich noch zwei weitere Ausfahrten alleine zur Vorbereitung auf die Fahrt nach Santiago, weil Siggi aufgrund anderer Termine verhindert ist.
Bei unserem Zweiradhändler Bluschke hören wir noch einen Vortrag eines Pilgerbruders über den Jakobsweg und bekommen vom Chef persönlich eine technische Einweisung und viele Tipps rund um die Selbsthilfe am Fahrrad. Dann ist alles klar für die Abfahrt. Der Tag X ist fast schon schneller da, als es einem lieb ist.
Die Tage werden rückwärts gezählt und ich bekomme beim Zählen vor Aufregung mitunter heftiges Magendrehen...
Tag 1
Biene – Rees
Um 07:30 ist mein Fahrrad endlich gepackt. Die Nervosität ist so hoch, als wenn man zu einer Weltumseglung aufbrechen würde. Meine Frau Marion und ich warten die Zeit bis zur endgültigen Abfahrt auf der Terrasse ab. Auf einen Abschied in der Menge wollen wir lieber verzichten.Wir nehmen einander in den Arm und drücken uns. Es sollte für Wochen das letzte Mal sein. Dann rollen doch noch ein paar Tränen. Sie gibt mir noch einen Stein in die Hand, der mich unterwegs an sie erinnern soll und dann trennen sich unsere Wege. Ich fahre zu Timo, wo wir die Räder noch einmal checken wollen und sie zur Kirche, wo wir anschließend von der Gemeinde verabschiedet werden.
Als ich bei Timo ankomme, ist Siggi schon da. Die beiden haben ihre Reifen schon mit seinem Kompressor auf Betriebsdruck gebracht. Dann ist auch mein Rad dran, damit wir uns auf dem Weg nicht so quälen müssen. Meinen Helm habe ich in der Hektik zu Hause auf dem Terrassentisch liegen lassen.
Kettenöl, Silikonspray, Ersatzbremse und weitere Ersatzteile liegen bereits in den Tiefen meiner Satteltaschen. Ich versuche vergeblich jemanden dazu zu bewegen, dass mir einer davon etwas abnimmt. Jeder hat so ca. 13 bis 14 Kilo Gepäck an seinem Rad gezurrt. Da will natürlich keiner mehr als nötig mit sich schleppen. Dann bleibt es eben bei mir denke ich. Ich habe mir den Luxus gegönnt und meine elektrische Zahnbürste nebst Ladegerät mitgenommen. Da kommt es auf ein paar Gram mehr auch nicht mehr an. Bei mir zu Hause halte ich noch kurz an und hole meinen Helm. Marion ist zwischenzeitlich schon zur Kirche gefahren. Dahin fahren wir nun auch. Wortlos. Die Anspannung und Unruhe in uns ist spürbar.
Pünktlich um 08:00 Uhr kommen wir am Kirchenvorplatz an. Dort haben sich ca. 40 Freunde und der Pastor eingefunden, um uns zu verabschieden, bzw. uns den Reisesegen zu geben. Von unseren Freunden bekommt jeder von uns einen gesegneten Christophorus, der während der Reise auf uns achtgeben soll. Wir bedanken uns und befestigen ihn an unsere Lenkertaschen. Durch sein leises Klimpern wird er uns beim Fahren ständig an die Lieben daheim erinnern. Die vielen gut gemeinten Wünsche werden mir schon fast zu viel. Ich will nun einfach los.
Gegen 08:30 Uhr ist es dann endlich soweit. Auf dem Handy wird die Navigations-App gestartet und dann heißt es Abfahrt. Die ersten Kilometer fallen mir richtig schwer. Wir haben gehörigen Gegenwind und Regenschauer mit Temperaturen um 10 Grad runden das Bild ab. Die vom Fahrradroutenplaner – App Naviki ausgearbeitete Strecke ist mal wieder super. Sie führt uns am Golfplatz Lingen vorbei, entlang des Nato – Abwurfplatzes „Nordhorn Range“ über Nordhorn nach Denekamp. Zwischendurch machen wir nach 25 km an einer Schutzhütte am Ems-Vechte-Kanal unseren ersten Stopp. Musik von Helene Fischer wird an Timo's Handy angestellt, und nun läuft es schon gleich viel besser.
Relativ schnell haben wir unsere erste Ländergreze erreicht. Der Gegenwind zerrt jedoch mächtig an unseren Kräften. Als wir nach der Ortschaft S'Herrenberg wieder die deutschen Boden unter unseren Reifen haben, wird deutlich, dass mir bei der Routenplanung ein Fehler unterlaufen ist. Als Ziel wurde nämlich nicht die Adresse des von mir gebuchten Hotels „Jonkhans“ in Millingen, sondern „Rees, S'Herrenberger Straße“ eingegeben.
Bis zu unserem Hotel in Millingen/Rees sind es jetzt aber noch 15 km. Als wir an einer Tankstelle nach dem Weg fragen, empfiehlt eine nette Autofahrerin den schönen Weg auf dem Deich zu nehmen. Wir sind bei Regen, Gegenwind und Eiseskälte für optische Reize jedoch nicht mehr empfänglich und wollen daher die Straße nehmen. Da in meiner Navigation das Ziel nicht gespeichert wurde, ist die blaue Linie, die bislang die Route vorgegeben hat, nach dem Übertritt der Grenze verschwunden.
Daher startet Timo auf seinem Handy die Straßennavigation und die weist uns den Weg zu unserer Gaststätte. Auf dem Weg dahin bekommen wir zum Abschluss noch richtig das Fell nass. Dort angekommen werden die Fahrräder in einem Nebenraum einer überdachten Terrasse abgestellt und von unserem Gepäck befreit. Dann gibt es erst einmal eine Runde Bier und noch und noch eine. So in den nassen Sachen wird uns aber doch kalt und wir beziehen erst einmal unser drei Personenzimmer. Nach dem Duschen und Aufbrezeln bleibt für mich noch etwas Zeit, um das Tagebuch zu pflegen. Jeder von uns hat ein kleines Notizbuch mitgenommen. Timo und Siggi wollen aber erst in der nächsten Woche mit dem Schreiben anfangen. Warten wir es mal ab. Dann gehen wir wieder in die Gaststube zum Essen und zur Abrundung des Tages gönnen wir uns noch das ein oder andere Bier (die Kellnerin meint beim Bezahlen zu uns: „Wenn ihr jeden Abend so viel Geld ausgebt, dann wird das aber ein teurerer Urlaub“). Um 22:00 Uhr ist Zapfenstreich und wir legen uns schlafen.
145,3 gefahrene km
8:25 gefahrene Zeit
17,4 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
Tag 2
Rees – Valkenswaard (NL)
Um 06:45 Uhr heißt es aufstehen und packen. Nach dem Frühstück (wir haben nur fünf Brötchen in unserem Körbchen an unserem Tisch und müssen uns schnell noch eines vom Nachbartisch organisieren) zahlen wir die Rechnung (85 € mit Frühstück) und dann geht es los.
Das Wetter ist zunächst bedeckt aber trocken. Nur der „Berg des Norden“ (Gegenwind) quält uns wieder mächtig. Weil wir nicht in Formation fahren, sind immer wieder Wartezeiten nötig, damit wir uns nicht zu weit von einander entfernen. Kurz vor Eindhoven sprechen wir dann unser „Wort zu Sonntag“. Nun klappt es plötzlich mit dem Fahren in Formation und wir können plötzlich Geschwindigkeiten über 20 km/h, statt der zuvor gefahrenen Durchschnittsgeschwindigkeit von 12 km/h, fahren. Das hätte man gleich zu Beginn machen sollen.
Weil wir alle ziemlich fertig waren, haben wir Valkenswaard angesteuert, um dort in der Jugendherberge zu übernachten. Auf den letzten Kilometern setzt wieder heftiger Regen ein. Dieser bewirkt, dass das sensible Touchpad des Handys verrückt spielt und ich die blaue Linie nicht mehr verfolgen kann. Zum Glück ist die Herberge jedoch gut ausgeschildert, die wir dann um 17:05 Uhr erreichen.
Die Fahrräder kommen in einen abschließbaren Unterstand.
In der Lounge der Herberge findet gerade ein festliches Konzert mit einer Bilderausstellung statt. Hier fallen wir mit unserer Radlerkleidung richtig auf. Nach dem Einchecken warten wir noch eine Pause des Chors ab, um über die Bühne zu unserem Zimmer gelangen. Als wir die Bühne betreten, erwarten einige Gäste wohl einen weiteren Show – Akt, denn sie applaudieren...
Die Zimmer in der StayOK Jugendherberge haben Lager – Charme. Alles ist vandalismussicher ausgestattet. Die Angestellten füllen die kalte Atmosphäre mit Freundlichkeit und Wärme. Nach der Dusche sind wir wieder in die Lounge. Dort wird nach der Veranstaltung noch gefeiert. Eine Frau, sie stellt sich mit ihrem Vornamen Geerdie vor, erklärt uns, dass ihre Tochter in Eindhoven studiert und die Organisation dieser Feier der Abschluss ihres Studiengangs ist. Sie lädt uns auf ein Bier ein und stellt uns ihren Mann, ihrer Tochter und Freunde vor. Sie ist Lehrerin und sie hat wie Marion und ich ebenfalls einen Parson – Russel Terrier. Es gibt also genügend Gesprächsstoff. Als wir auf Nachfrage erklären, dass wir auf dem Jakobsweg sind, ernten wir viel Beachtung und Zuspruch. Noel, ein Bekannter von Geerdie, der, wie er sagt, Fernfahrer ist, empfiehlt uns, südlich von Bordeaux nicht durch das Niemansland, das ist eine endlose Strecke die nur geradeaus führt, sondern an der Atlantikküste entlang bis zu den Pyrenäen zu fahren. Dort gäbe es leckeres Essen und gepflegte Getränke für wenig Geld. Da wir ohnehin schon darüber nachgedacht haben, wird dieser Tipp in unseren Köpfen gespeichert und sparen ist ja nie weg.
Zur Verabschiedung geben uns Geerdie und ihre Tochter noch Blumen, die an dem Abend als Dekoration gedient haben, mit auf unseren Weg. Dann legen wir uns mit der nötigen Bettschwere in unsere Kojen und schlafen genüsslich ein.
113,5 gefahrene km, gesamt 258,8 km
6:25 Std. gefahrene Zeit, gesamt 14:50 Std.
17,9 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
Tag 3
Valkenswaard (NL) – Geradsbergen (B)
Um 08:00 Uhr heißt es: „Raus aus den Federn (dem Schlafsack)“. Um 08:30 Uhr gibt es Frühstück in der Mensa. Vor dem Essensaal hat sich schon eine lange Schlange gebildet, an die wir uns artig anstellen. Als wir am Kaffeeautomaten ankommen, zeigt sich, dass der ein Eigenleben hat. Der spinnt. Wenn die Taste für eine Tassenportion gedrückt wird, kommt viel mehr Flüssigkeit heraus, als in eine Tasse passen würde. Eine Mitarbeiterin sieht dass und ist wohl der Ansicht, dass wir zu blöd sind, diese richtig zu bedienen (den richtigen Knopf zu drücken). Ich will es ihr noch erklären, habe aber keine Chance. Sie glaubt mir nicht. So sind sie die Frauen! Nach einigen Versuchen stellt sie jedoch fest, dass tatsächlich das Gerät defekt ist.
Heute ist der Kopf schwer. Es war vielleicht doch ein Bier zu viel gestern Abend. Aber man möchte ja nicht unhöflich sein. So ist das halt in der Fremde.
Um 09:00 sind wir wieder unterwegs. In einer Kirche in Valkenswaard holen wir uns noch schnell einen Stempel und dann geht es weiter westwärts.
In Mechelen machen wir am Dom eine Pause. Hier riesige Touristenmassen, die die Stadt und natürlich auch den Dom besichtigen. Alles wird fotografiert. Als wir den Ort wieder verlassen und an einem Bahnübergang warten müssen, werden wir von zwei älteren Herren auf niederländisch oder flämisch angesprochen. Sie möchten wissen, ob wir nach Santiago de Compostela fahren wollen. Ich bejahe in bestem Niederländisch. Nun versuchen sie uns zu erklären, dass der Weg, dem unsere blaue Linie folgen will, gesperrt sei. Auch für Fietsers frage ich. Ja, auch für Fietsers. Ein Schild, das wir am Bahnübergang sehen, gibt den Herren recht. Sie erklären uns, dass wir hier rechts abbiegen und bis zur Kerkstraat (Kirchstraße!) fahren sollen. Dann nur noch links abbiegen und immer geradeaus bis nach Santiago. Wenn die beiden uns nicht angesprochen hätten, wäre ich geradeaus weiter gefahren. An der Baustelle hätten wir dann wohl wieder umkehren müssen. Das wäre wohl nicht so gut gekommen.
Als wir die Umleitungsstrecke befahren hatte ich zuerst etwas Unwohlsein, denn wir haben ja außer meiner Handyroute keine weitere Karte (eine von den Niederlanden liegt irgendwo ganz tief in meiner Radlertasche). Dies ist jetzt das 2. Mal, dass wir von unserer geplanten Route abweichen. Als wir an der Kerkstraat ankommen und ich aus der Handykarte heraus zoome, sehe ich, dass die urspüngliche und die von uns benutzte Route nach einigen Kilometern wieder zusammen führen. Es ist also alles richtig. Danke unseren beiden Streckenposten.
Kurz vor erreichen der blauen Linie hat mich in einer Einbahnstraße, die von Radfahrern in entgegengesetzter Fahrtrichtung benutzt werden durfte, beinahe ein Kleinlaster („Sprinter“) an einer Hausecke auf die Hörner genommen. Ich bin nur wenige Zentimeter an Hausecke und dem entgegenkommenden Laster durch geschlüpft. Nach diesem Erlebnis brauche ich erst einmal eine Pause, denn mein Herzschlag rast aufgrund des hohen Adrenalinspiegels. Siggi und Timo erzählen mir, dass sie schon das Ende unserer Tour vor Augen gehabt hätten.
Bei Regen, der wieder einmal so gegen 17:00 Uhr einsetzt, spinnt das Handy in der Folie erneut. Die Kartenansicht ist nicht mehr möglich und die Anzeige blinkt ständig rot. Ich lasse das Gerät daher im Standby laufen.
Bei der Ankunft in Geraadsbergen fahre ich mit meinem Rad in einen auf dem Weg liegenden zerbrochenen Flaschenboden. Das Hinterrad ist sofort entlüftet. Im Regen schiebe ich zurück bis zu einem ganz in der Nähe stehenden Gebäude. Das ist die Jugendherberge. Wir fragen nach einem Zimmer und man teilt uns mit, dass die Herberge komplett belegt ist. Die Herberge liegt sehr idyllisch an einem Fluß, dem wir schon länger gefolgt sind. Eine dort untergebrachte Jugendgruppe macht sehr lautstark auf sich aufmerksam. Der Ruhe wegen ist es vielleicht gut, dass wir dort nicht untergekommen sind. Während Timo und ich mein Rad flicken (ein neuer Schlauch wird in den Mantel gezogen), lässt Siggi sich von der Herbergsmutter den Weg zum Campingplatz erklären. Dann kauft er uns bei ihr als Schlummertrunk noch 3 Flaschen Wein.
Siggi und Timo fahren im Regen schon vor und ich schiebe lieber, weil ich das Rad nur leicht aufpumpen konnte. Unterwegs erkundigen sich 2 Joggerinnen besorgt nach meinem Wohlergehen. Ich erkläre ihnen was passiert ist und dass die anderen beiden noch eine Unterkunft für uns suchen müssen. Als sie jedoch hören, dass wir das schon telefonisch abgeklärt haben, sind sie sichtlich beruhigt.
Am Campingplatz angekommen höre ich schon eine fremde Stimme meinen Namen rufen. Es ist der freundliche Platzwart, der mich gesehen hat und herbeirufen will. Die Räder werden abgerödelt und in die Tiefgarage geschoben. Diese ist beheizt und darin befindet sich eine Fahrradwerkstatt und eine stattliche Anzahl von Leihfahrrädern.
Wir dürfen unsere Nassen Sachen in dem Wasch- und Trocknerraum zum Trocknen aufhängen und watscheln nur mit Badelatschen an den Füßen und Handtuch um die Hüften durch die Kälte zu unserer Ferienhütte. Die ist zwar sehr eng, hat aber eine funktionierende Heizung.
Zu Brot und Käse werden die 2 Flaschen des roten und Siggis weißer Wein vertilgt und dann gehen die Lichter aus.
168,7 gefahrene km, gesamt 427,5 km
8:56 Std. gefahrene Zeit, gesamt 23:46 Std.
19,1 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
Tag 4
Geraadsbergen (B) – Cambrai (F)
Um 07:30 Uhr ist die Nacht für uns zu Ende. Es wird direkt erst einmal der defekte Schlauch geflickt, danach waschen wir uns und packen unsere sieben Sachen. Frühstück gibt es erst mal keines und wir machen uns auf den Weg. Wir sehen die Kirche in Geraadsbergen, aber da wollen wir nun nicht hin fahren, denn sie liegt hoch auf einem Berg. Es kommt bestimmt noch eine, die günstiger zu erreichen ist. So geht es weiter.
Eine schwarze Katze überquert vor uns die Straße. Wir stutzen, sind aber zum Glück nicht abergläubisch.
Heute fällt das Fahren sehr schwer, da es viele Steigungen und viele Ortschaften gibt. Diese bewirken, dass man zu keinem rechten Rhythmus finden kann.
Siggi und ich haben noch dazu einen platten Reifen bekommen. Und betroffen war natürlich bei beiden das Hinterrad. Ich hatte meinen defekten Mantel nicht mit einem Reparaturstück abgedeckt. Der neue Schlauch wurde wahrscheinlich von einem an der kaputten Stelle eingedrungenen Stein beschädigt. Dies wird aber jetzt nachgeholt.
Was bei Siggi zum Defekt geführt hat, bleibt unklar. Da wird doch nicht etwa die schwarze Katze ihre Finger, oder besser gesagt Pfoten, im Spiel haben... . Durch diese unfreiwilligen Pausen verlieren wir noch mehr Zeit. Dann endlich überqueren wir die Grenze zu Frankreich.
Mit dem Abstempeln unseres Pilgerausweises will es auch nicht so recht klappen. An 5 Kirchen haben wir vergeblich versucht, einen Stempel zu bekommen (Katze?).
Abends, als wir Cambrai erreichen, checken wir im Formula 1 Hotel, das ist ein günstiges Hotel für Arbeiter und Monteure, ein. Unser Zimmer ist eines für drei Personen. Darin steht ein Doppelbett mit einem Einzelbett, dass sich quer über dem Kopfteil des Doppelbettes befindet. Hier herrscht nach kurzer Zeit das Chaos pur, denn jeder will seine Radlersachen irgendwo hin hängen. Einer holt dann all seine Sachen aus den Radlertaschen und verteilt diese überall im Zimmer und kann sie anschließend nicht mehr wiederfinden. Dann werden die anderen gefragt, ob sie die fehlenden Sachen eingesteckt haben – genial.
Nach dem Duschen gehen wir zum IBIS – Hotel, das über ein Restaurant verfügt. Dort wählen wir als Gericht alle ein leckeres Tartar. Siggi und Timo haben damit jedoch wohl keine gute Wahl getroffen, denn sie bitten die Kellnerin darum, ihren rohen Fleischklops zu braten. Sie versteht und geht kopfschüttelnder Weise mit den beiden Tellern in die Küche.
Nach kurzer Zeit hat sich das Tatar in eine Frikadelle verwandelt und wird dann von den beiden genüsslich verspeist.
Drei Bier runden das geschmackliche Highlight ab und dann sagen wir einander „Gute Nacht!“
128,7 gefahrene km, gesamt 556,2 km
7:13 gefahrene Zeit, gesamt 30:59 Std.
18,1 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
Tag 5
Cambrai (F) – Saint Quentin (F)
Nach dem allgemeinen morgendlichen Prozedere hat Siggi heute Morgen im Gegensatz zu gestern eine weiße Katze gesehen. Was kann da heute noch schief gehen? Dann sind wir in Cambrai zur großen Kathedrale gefahren und haben sofort einen Stempel in unsere Pilgerausweise bekommen.
Alles sehr günstige Umstände.
Genützt haben diese aber offensichtlich gar nichts, denn nach 18 km unter schweren Hagelschauern und Südweststurm und ständigem bergauf und bergab, gab es schon die erste Panne. Timo's Vorderreifen hat sich entlüftet. Siggi und ich erklimmen noch die nächste Anhöhe und bereiten schon einen neuen Schlauch zum Einbau vor. Ruck zuck ist die Panne behoben und es geht weiter.
Dann, nach gefühlten weiteren 18 km (oder sogar noch weniger), gab es den nächsten „Platten“ (ingesamt Nr. 5). Wieder bei Timo, aber dieses Mal das Hinterrad. Timo flucht: „Warum immer ich“ und die beiden anderen leiten wieder alle nötigen Handgriffe ein, um den Schaden zu beheben. Die Reparaturzeiten werden deutlich kürzer, weil sich sich allmählich Routine einstellt. Hinten dauert es natürlich immer etwas länger, weil das Gepäck abgeladen und ein paar Dinge mehr gemacht werden müssen als beim Wechsel des Vorderrades (Kette). Aber auch die Hydraulik-Scheibenbremsen wollen vernünftig eingestellt werden, damit nichts schleift. Das hatten wir bei den ersten Pannen nicht berücksichtigt.
Weiter geht es. Die gefahrene Geschwindigkeit liegt wegen des Windes bergauf bei 6 – 10 km/h und bergab geht’s manchmal kaum über 20 km/h. Die Augen haben wir wegen des Hagel fast vollständig geschlossen. Einzig die Muschelsymbole, die nun häufiger zu sehen sind, machen uns Mut.
Die Temperatur ist im absoluten Keller.
Als wir in Saint Quentin an der Kathedrale vorbei kommen, haut uns in diesem Moment eine Windböe fast vom Fahrrad. Direkt gegenüber der Kathedrale erblicken wir ein IBIS – Hotel. Siggi sagt, was alle denken: „Guck mal, ein Hotel!“
Eigentlich soll es aber weiter gehen, denn wir haben ja erst etwas über 50 km auf dem Tacho. In der Fußgängerzone wollen wir etwas essen, um uns zu stärken. Dort gibt es aber um diese Zeit (ca. 15:00 Uhr) nur kalte Speisen. Danke, kalt ist uns schon. Somit verwerfen wir die Idee mit der Nahrungsaufnahme. Auch eine Dönerbude kann uns nun nicht mehr umstimmen.
Beim Schieben der Fahrräder durch die Fußgängerzone beschließen wir dann für heute Schluss zu machen und im IBIS – Hotel einzuchecken. Dort hat man jedoch kein Zimmer für uns frei. Die nette Dame an der Rezeption arrangiert für uns jedoch im ETAP – Hotel in Saint Quentin ein dreier Zimmer. Mit einem Stadtplan und der guten Beschreibung machen wir uns auf den Weg. Nach kurzer Zeit treffen wir am ETAP – Hotel ein. Dort erwartet man uns bereits. Die Fahrräder kommen in eine kleine Abstellkammer, wo schon die Räder anderer Radpilger stehen. Es sind offensichtlich niederländische Pilger, die mit Fähnchen und dem Aufkleber der Jakobusgesellschaft versehen sind.
Als wir mit unserem Gepäck aufs Zimmer wollen, treffen wir zwei niederländische Rentner, die auch auf Jakobswegen mit dem Fahrrad pilgern. Die hatten wir schon in Cambrai getroffen und so unterhalten wir uns über das bescheidene Wetter. Die beiden sind auch für den heutigen Tag bedient und brechen ebenfalls ab.
Wir machen uns dann landfein, spannen im Zimmer eine große Wäscheleine und hängen dort unsere nassen Sachen auf. Danach gehen wir einige Straßenzüge weiter in einen Supermarkt und kaufen Getränke für den nächsten Tag und Wein für den Abend. In einer Dönerbude stärken wir uns. Der Inhaber ist neugierig wo wir herkommen. Vom Jakobsweg ist der, weil er Muslim ist, nicht so begeistert. Deutschland findet er jedoch schön und beschimpft Frankreich derartig, dass es uns schon fast peinlich ist.
Dann gibt es im Fernsehen das Fußballspiel Real Madrid gegen Bayern München, das die Bayern mit 4 zu 3 im Elfmeterschießen gewinnen. Das war ein schöner Abschluss für einen eher mäßigen Tag.
56,1 (sehr, sehr harte) gefahrene km, gesamt 606,2 km 4 Std. gefahrene Zeit, gesamt 34:59 Std.
13,9 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
Tag 6
Saint Quentin (F) – Clermont (F)
Heute beginnt der Tag für uns bereits um 06:50 Uhr. Nachdem alles gepackt ist und wir uns angezogen haben, gehen wir frühstücken. Alle waren sehr freundlich zu uns. Um 08:15 Uhr geht’s los. Heute können wir mal direkt ohne Unterbrechung durchfahren, weil wir sofort eine Esso-Tankstelle angefahren haben. Dort versehen wir Siggi's Hinterrad mit den am Vortag in einer Fahrradwerkstatt gekauften, extra pannensicheren Schlauch (8,50 € der Marke Michelin mit Noppen!), weil sein Reifen schon wieder bedenklich schlapp ist.
Erwähnenswert ist auch noch, dass in Frankreich die Benutzung eines Reifenbefüllers (Asphirateur) € 0,50 kostet.
Als wir in Noyon in der dortigen Kathedrale einen Stempel holen wollen, spricht uns ein Belgier auf französisch an. Er will wissen woher wir kommen. Ich will ihm erklären, dass wir aus Deutschland sind und nicht französisch sprechen. Die Zeit drängt, denn es ist 12:05 Uhr und einen Stempel gibt es nur bis 12:30 Uhr. Dann schließt der Souvenirshop in der Kirche. Dies scheint ihn jedoch nicht abzuschrecken. Er spricht einfach immer weiter. Nach einer gefühlten Stunde (ich will ja nicht unhöflich sein) und etlichen „No comprie“ lässt er uns mit den besten Wünschen gehen. Der Orgelspieler hat während unseres Gesprächs sämtliche Register gezogen. Und zwar so laut, dass man sich ohnehin schon nicht unterhalten kann. Nachdem wir dann in der Souvenirecke den Stempel gratis (das ist das Einzige, was es dort kostenlos gibt) erhalten haben, machen wir noch schnell ein Foto und weiter geht es.
In Compigne endet die Route im Handy-Navi für den heutigen Tag. Da es noch früh ist, und wir noch nicht müde sind, beschließen wir, weiter zu fahren. Die neue Route wird geladen, aktiviert und dann geht es weiter. Entgegen getroffener Absprachen machen wir nicht im Stadtgebiet eine Pause, sondern fahren aus der Stadt heraus.
Dann verspüren wir zum ersten Mal Schiebewind. Wir sausen auf der schmalen Straße nur so dahin. Erst einige Kilometer später in der Zufahrt eines Gutshofes unter einer Kastanienallee gibt es dann die lang ersehnte Rast. Auf einer Weide neben der Allee genießen die Pferde die Sonnenstrahlen und sind sichtlich genau so gut gelaunt wie wir.
