Den roten Sonnenball umarmen - Dagmar Westphal - E-Book

Den roten Sonnenball umarmen E-Book

Dagmar Westphal

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Beschreibung

Die Wolken hängen voller Schnee Die Wolken hängen voller Schnee wie gerne würde ich am Abend den roten Sonnenball umarmen damit er meine Glieder wärmt doch er rollt weiter über diese Welt hinaus und zieht das Dunkel hinter sich und eine kalte Nacht - und ich frage mich wird sich der Himmel zu mir neigen wenn er es sieht dass ich zu schwach bin um hinaufzusteigen? © Wilfried Milter

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Seitenzahl: 46

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Widmung

„Komm, lass uns mit Worten spielen“,

sagte Wilfried bei einem unserer Treffen.

…und er wünschte sich, dieses Buch in

seinen Händen zu halten.

Inhaltsverzeichnis

Auftakt

Gartenidylle

Die Wolken hängen voller Schnee

Valentinstag

Mit Kinderaugen

Einmal im Jahr

Sehnsucht

Lächelnd

Aus der Jugendzeit

Niemandsleid

Glockenblume

Am Morgen

Venedig 59

Ich habe einen Traum

Busenfreundinnen

Gesucht und gefunden

Rosenstrauch

Wally

ICH wie DU

Besonnen

Dame der guten Gesellschaft

Wie man sich bettet

Mit Mut ins Neue Jahr

Kikra – Kinderkram oder der Kürzungsfimmel (Küfi)

Gassi gehen

Rosenumrankte Bank

Vom Duft der Linden

Worpswede

Im Torfschiff

Amrum

Island

Fische

Ich komme wieder wenn

Am Teich

Altweibersommer

Berührung

Ungläubig

Ich habe dir vertraut

Noch immer

Dunkel

Vergissmeinnicht

Unverhofft

Über der Heide

Du liebtest sie

Mutter

Zuneigung

Unterwegs

Gelbe Rose

Die andere Station

Winter

Gebeugt

Zweifel

Heimat

Verlassen

Zur Genesung

Ein Mensch

Fingerhut

Das Mädchen

Schneeglöckchen

Der Rollstuhl

De schöönste Dag

Du

Irgendwo

Vielleicht

Goldfelberich

Nachklang

Auftakt

Ich wurde einmal bei einem Interview gefragt:

„Warum zieht man von der Nordseeküste in die Heide?

War die Liebe schuld?“

Ich musste lachen und sagte mit ein wenig Wehmut:

„Wird man als Kind gefragt? Nein, es war die Wohnungsnot!“

Mutter, meine Schwester und ich lebten 10 Jahre nach Kriegsende noch immer in eineinhalb Zimmern im Haus meiner Großeltern. In der Region Cuxhaven standen keine Wohnungen zur Verfügung.

Eine Kriegerwitwe besuchte ihre resolute Kusine. Hierbei wurde der Grundstein gelegt für ein Siedlungshaus.

So kam ich nach Celle.

Ach ja, hier fand ich die eine und die andere Liebe:

Geschichten schreiben!

Ich lehne mich gerne an einen Baum, der seine Wurzeln in den Boden treibt - ob am Wasser oder in der Heide – überall ist Heimat.

© Hella Lach

Als ich vor über 10 Jahren nach Winsen zog, lernte ich Hella und Wilfried kennen. Im März 2014 musste er uns für immer verlassen. Aber mit seinen Texten ist er bis heute mitten unter uns.

Ich erinnere mich noch sehr genau an meine erste Begegnung. Es war beim monatlichen Treffen der Schreibgruppe in Winsen. Er saß im Rollstuhl und wartete darauf, dass ihm jemand half, um die Stufen ins Haus zu überwinden. Wir wechselten ein paar Worte, und ein paar Sätze später sagte er ganz unvermittelt zu mir:

„Du bist ein lieber Mensch.“

Ich war etwas irritiert und wehrte ab.

Ich wusste nicht, was er damit ausdrücken wollte. Erklärend fügte er hinzu:

„Du sprichst mit mir so wie mit den anderen.“

Und ich sagte:

„Ja, warum nicht – das ist doch selbstverständlich.“

Aber plötzlich erkannte ich, dass das nicht ganz der Wahrheit entsprach. Nichts war selbstverständlich. Bis zu diesem Augenblick hatte ich noch nie Kontakt zu einem Menschen im Rollstuhl. Innerlich war ich gar nicht so unbefangen, wie ich nach außen wirkte. Wie sollte ich mich verhalten? Mehr Zuwendung würde auch mehr Mitleid bedeuten – und das hieße mich anders zu verhalten als anderen gegenüber. Ich war hilflos – und ich schämte mich ...

Dann löste sich der Schreibkreis auf. Hella war auch noch in der Schreibwerkstatt der VHS und ich im Autorenkreis Celle. Aber für Wilfried war Celle zu weit entfernt, um mit seinem Rolli daran teilzunehmen. Das tat mir leid.

Zu schreiben und sich darüber auszutauschen, war sein Lebensinhalt als MS-Kranker im Rollstuhl. Von Jahr zu Jahr hatte er auf vieles verzichten lernen müssen: auf seine Bienen, seine handwerklichen Tätigkeiten und auch auf das Zeichnen.

Hella und ich beschlossen, ihn regelmäßig in seinem Gartenhaus zu besuchen in der Welt seiner Bücher. Wir stellten gegenseitig unsere Texte vor, feilten gemeinsam an Worten und Sätzen.

Und dann geschah etwas Merkwürdiges: Hatte ich ihn anfangs vielleicht doch nur aus Mitleid besucht, entdeckte ich, dass ich mich in unseren Gesprächen über Gott und die Welt als die Beschenkte fühlte, und es entstand eine über 7 Jahre dauernde Freundschaft, bis er von uns gerufen wurde.

Warum schreibe ich –

um mir und den anderen

nahe zu sein.

Dieser japanische Dreizeiler (Senryu) sagt: im Schreiben verbinde ich meine innere Welt mit der äußeren, alles Erlebte wird leichter erträglich – seit meiner Kindheit in den Nachkriegsjahren.

© Dagmar Westphal

Gartenidylle

Die Wolken hängen voller Schnee

Die Wolken hängen voller Schnee –

wie gerne würde ich am Abend

den roten Sonnenball umarmen

damit er meine Glieder wärmt

doch er rollt weiter

über diese Welt hinaus

und zieht das Dunkel hinter sich

und eine kalte Nacht -

und ich frage mich

wird sich der Himmel

zu mir neigen

wenn er es sieht

dass ich zu schwach bin

um hinaufzusteigen?

© Wilfried Milter

Valentinstag

Geleitet

vom Strom des Lebens

vor langer Zeit

voller Hoffnung und Freude

die Welt umarmt

Gezogen

vom Strudel der Gegenwart

seit langer Zeit

voller Hoffnung und Kampf

die Menschen geliebt

Geschwommen

mit dem Strom des Lebens

sehr lange Zeit

voller Hoffnung und Stärke

dich nie aufgegeben

Dafür umarme ich Dich

© Hella Lach

Mit Kinderaugen

Komm alter Mann erzähle mir

von Sternenblumenkindern

die in Trippelschritten gehen

durch die Unendlichkeit.

Komm alter Mann erzähle

wie das Leben sich verzweigt

und blüht und trägt so schwer

an Frucht in jedem Wesen.

Komm alter Mann erzähl es mir