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Kann es sein, dass eine alte Kiste mit Papieren von vor über 80 Jahren, die mehr als ein halbes Jahrhundert lang auf dem Dachboden eines gottverlassenen alten Hauses in Ostdeutschland versteckt war, alle notwendigen Hinweise enthielt, um die "Weltformel" oder "Theorie von Allem" zu finden? Kann es sein, dass diese Papiere ursprünglich zwei Juden, Vater und Sohn, gehörten, die während des Zweiten Weltkriegs von den Nazis umgebracht wurden? Zwei Juden, die schon kurz davor waren, den "Heiligen Gral der Wissenschaft" zu finden - lange bevor andere überhaupt über dieses Problem nachdachten, dann aber, kurz bevor sie ihre Arbeit beenden konnten, in Auschwitz - wie so viele andere - vergast wurden. Eine Geschichte, die viel zu entsetzlich und faszinierend ist, um wahr zu sein? Und doch ist es da, ein Buch, das beides zusammenbringt: die Geschichte der beiden Juden und die Herleitung der "Weltformel"...
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Seitenzahl: 69
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Den Opfern des Holocaust
Den Opfern ignoranter Politiker
Den Opfern dummer Menschen
Vorwort zum Achten Tag
Vorwort für die ersten 7 Tage
Achter Tag
Reichskristallnacht
Eine tapfere Jüdin
Die zwei Brüder und die Einstein-Hilbert-Wirkung
Die kleine Schwester Judith
Kleine Stunden der Gelehrsamkeit
Der Abtransport
Vor dem Ende steht die Reise in eine gebrochene Dimension
Das letzte Puzzleteil
Über die Entstehung der "Theorie von Allem" und der "Weltformel"
Ja, mein Kind lebt nicht mehr. Das heißt, sein Körper lebt nicht mehr, er ist tot. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass ich das, was ich meinem Kind versprochen hatte, halten muss und dass es, wo immer es auch jetzt sein mag, mich daran misst, ob ich dies tue oder nicht. Der tote Körper ändert nichts daran, dass ich ein Versprechen gegeben habe und eine Verpflichtung eingegangen bin. Ich kann nicht wissen ob die eingegangene Verpflichtung, nun da mein Kind nicht mehr lebt und mir nicht mehr direkt, von lebendigem Angesicht zu Angesicht, wenn man so will, zuhört, einfach so "gestorben ist". Ich kann nicht wissen, ob mein Kind mir nicht doch irgendwie zuhört, vielleicht sogar sehnsüchtig darauf wartet, dass ich die Lehrstunde beende, die wir gemeinsam vor gut 7 Tagen begonnen haben. Alles, was ich über die Welt weiß, deutet darauf hin, dass Information nicht verloren gehen kann und damit alles, was uns ausmacht, nicht weg sein kann, wenn unsere Körper sterben. Mein Kind ist also da, irgendwie und irgendwo, und ich werde nun mein Versprechen einlösen und meine Möglichkeiten einsetzen um zu versuchen die Welt zu erklären. Dabei muss ich interessanter Weise kaum etwas selbst tun. Die Arbeit wurde bereits erledigt. Und zwar von einem Jungen namens Samuel und seinem Vater. Beide starben vor genau 70 Jahren in Auschwitz und sie waren die größten Wissenschaftler aller Zeiten.
Es war sehr schwer für mich alle ihre höchst erstaunlichen Werke zusammenzutragen, denn oft waren es nur kleine Kritzeleien an den Rändern alter Zeitungen. Manches fand sich mit zitternder Hand geschrieben auf zerfallenden Zetteln irgendwelcher Veröffentlichungen anderer Wissenschaftler, oder gar nur Zeichnungen und Gleichungen, eingeritzt irgendwo in den erbärmlichen Unterkünften in denen sie gezwungen waren zu hausen. Die letzten und wichtigsten Schlüssel ihrer Arbeiten findet man als verblasste Kalk- oder Kohlestriche in einem Waggon der Reichsbahn mit dem Juden in die Vernichtungslager transportiert wurden und in dem trostlosen Raum, in dem die beiden am Ende starben, einer Gaskammer in Auschwitz.
"Es gab eine Zeit, da dachte ich, dass dieses Buch schwer zu lesen sei und sicher auch ebenso schwer zu verstehen. Das ist wohl auch kaum anders zu erwarten, denn die Welt ist schließlich nicht leicht zu erklären. Lernen und wirkliches Verstehen sind nie leicht. Es sind Dinge, die eine horrende Aufgabe darstellen, eine Aufgabe so komplex, vielgestaltig und herausfordernd wie das Leben selbst. Denn Leben ist Lernen – ein Leben lang – und auch das Sterben gehört dazu. Auch das ist Lernen und – JA – es gehört zum Leben. Doch dann las die erst 12jährige Tochter eines guten Freundes mein Buch und begann – frei und ungezwungen, ganz nach ihrem Verständnis – einige Bilder zu zeichnen. Bilder die zeigen sollten, wie sie die Dinge sah, die sie da gelesen hatte. Wir scannten die Zeichnungen ein und fügten sie an die Stellen des Buches, wo die kleine Leserin sie hinhaben wollte.
… und sieh da, auf einmal sah ich das Buch nicht mehr als eine schwere Lektüre. Ein junges Mädchen hatte mir gezeigt wie man es angehen und verstehen kann. Nur einige wenige assoziative Bilder hatten genügt und das Lesen wurde leicht und zu einem schönen Erlebnis. Mein Geist lebte sich noch einmal durch die ehemals so zähen Seiten, nur diesmal schwebte er angenehm wie eine Feder im warmen Wind eines Sommerabends am Meer dahin und fand endlich was er so lange vergeblich gesucht hatte… Erlösung.
Dies ist die Geschichte eines Kindes, eines höchst erstaunlichen Kindes, das all die Aufgaben des Lebens meisterte. Und so war sein Leben trotz seiner Kürze nicht bedeutungslos. Und so war sein Leben wichtig und wertvoll.
Mit jedem Stückchen Wissen, das es mir gelingt anderen zu vermitteln, leiste ich etwas zum Gedenken an dieses tapfere kleine Kind, denke ich auch an all die vielen anderen Kinder, die viel zu früh gehen müssen, weil wir nicht in der Lage sind ihnen zu helfen. Keines von diesen kleinen Wesen jedoch war unwichtig. Warum steht in diesem Buch.
Unsere Existenz wäre einigermaßen unlogisch, hätten wir nicht eine Aufgabe zu erfüllen. Wir waren bislang wohl nicht besonders gut darin diese Aufgabe als solche zu erkennen, geschweige denn sie zu erfüllen. Wir werden, soviel ist gewiss, aus dieser Welt scheiden ohne wirklich etwas geleistet zu haben – ein jeder von uns.
Sollten wir aber nicht wenigstens unseren Kindern bessere Startchancen geben, auf dass sie für sich später eine andere Bilanz ziehen können?"
Auszug aus dem Buch "Sieben Tage oder wie erkläre ich meinem sterbenden Kind die Welt" von T. Bodan ISBN: 978-3-7534-5302-6
Mein Kind, dies ist nun der letzte und sicher auch schwerste Teil unseres kleinen "Kurses", bei dem wir versuchen die Welt zu verstehen. Diesmal werden wir die Mathematik nicht mehr außen vor lassen. Nein, diesmal werden wir sie uns zu Nutze machen und wie die wahren großen Wissenschaftler versuchen, mit Formeln und Gleichungen immer hübsch sauber und korrekt zu bleiben. Schließlich wollen wir ja wissen wie die Welt ist und nicht, wie wir sie uns erträumen, nicht wahr?
Ich will mich dabei nicht mit fremden Federn schmücken und gebe gerne zu, dass mir die Schlüssel zum Verständnis der Welt vor vielen Jahren quasi geschenkt worden sind. Es war eine Kiste voll mit Kopien oder Nachdrucken alter Veröffentlichungen, wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Obenauf hatte ein Blatt mit einem Beitrag aus den "Annalen der Physik" gelegen. Es war eine der Arbeiten Albert Einsteins zur Gravitationstheorie gewesen dem später der finale Beitrag zur Allgemeinen Relativitätstheorie nachfolgte. Die alte Frau, die wer weiß wie zu der Kiste gekommen war, hatte alles beim Aufräumen ihres Dachbodens entdeckt und sie wusste nichts damit anzufangen. Als sie schließlich die Kiste öffnete und dieses oberste Blatt sah, meinte sie, das müsse was für mich sein, denn immerhin war ich damals ja gerade dabei Physiker zu werden.
Die ganze Einsteintheorie war mir damals allerdings noch zu hoch und sicher ist sie es auch heute noch, beziehungsweise sie wäre es, wenn ich nicht diese Hilfe gehabt hätte, die Hilfe von Samuel und seinem Vater. Denn die beiden hatten auf den Papieren, die in der Kiste waren, wertvolle Hinweise hinterlassen, aber das sollte ich erst viel später herausfinden. Zunächst erst einmal nahm ich die Kiste einfach nur aus Höflichkeit an mich um sie dann doch bei der nächstbesten Gelegenheit zu entsorgen. Ein hübsches Feuerchen erschien mir irgendwie passend. Aus irgendeinem Grunde jedoch schleppte ich die Kiste immer wieder mit mir herum, nahm sie bei jedem meiner zahlreichen Umzüge mit oder ließ sie einfach bei meinen jeweiligen Freundinnen und vergaß immer wieder, dass ich das Zeugs darin doch eigentlich hatte entsorgen wollen. Da ich nicht der Typ bin, der an Vorsehung glaubt, jedenfalls nicht so direkt, habe ich keine rechte Erklärung für die Überlebensfähigkeiten dieser Kiste in meiner Obhut. Die wohl logischste Begründung dürfte sicher mit einer bei mir extrem stark ausgeprägten Eigenschaft zusammenhängen, meiner Faulheit nämlich.
Eines Tages stieß ich jedoch beim Aufräumen meines Server- und Archivraumes erneut auf besagte Kiste. Der Server- und Archivraum ist, wie du ja weißt, mein Kleines, bei uns auf dem Dachboden. Wie es der Name schon sagt, kommt da einfach nur alles hin, was ich aus meinem Arbeitsalltag für "ablegbar" halte und daneben stehen halt noch die zwei Workstations, die ich nur dann
